13. San Pedro de Atacama – Buenos Aires

13. Reisebericht: San Pedro de Atacama – Buenos Aires

20.05. San Pedro de Atacama – Paso de Jama – 21.05. Yala – San Salvador de Jujuy – 22.05. Salta – 02.06. Cafayate – 03.06. Ruinas de Quilmes – Amaichá del Valle (Museum Pachamama) – Tafi del Valle – Monteros – 04.06. Villa General Belgrano – 05.06. San Antonio de Areco – 06.06. Tigre – 07.06. Buenos Aires

Vom etwa 2000m hoch gelegenen San Pedro de Atacama ging es dann rapide aufwärts zum Paso de Jama. Unser kleiner Pauli quälte sich die steile Straße empor, und glücklicherweise waren wir vom Anblick der umliegenden Berge und Vulkane so angetan, dass wir eine kleine Fotopause eingelegt haben. Dabei hörten wir ein lautes Blubbern aus dem Motorraum und gönnten unserem Auto daraufhin eine kleine Pause. Die Temperaturanzeige war zwar noch auf normalem Niveau, doch kocht auf dieser Höhe das Wasser einfach früher. Schließlich kletterten wir innerhalb 45km auf ganze 4850 Meter Höhe was uns nicht besonders schnell vorankommen ließ aber dabei konnten wir genüsslich die sanften Berge und die darin eingebetteten salzverkrusteten Flussläufe bewundern. Die Bergwelt dort oben war einfach fantastisch, die Landschaft veränderte sich immer wieder, mal war sie sanft, mal schroff, mal ragten steile Felsblöcke aus den sandigen Hügeln. Wir passierten Lagunen und Lamas, die Außentemperatur lag trotz Sonnenschein nur noch bei 3° und immer wieder wurden wir von heftigen Böen erfasst, doch bergab und mit Rückenwind schafften wir es rollend auf 160km/h! (Bestimmt die höchste Geschwindigkeit, die je ein deutsches „Buschen“ in Südamerika erreicht hat!!)
Kurz vor dem mitten im Nichts gelegenen argentinischen Grenzhäuschen versteckten wir noch unsere Vorräte, aber niemand kontrollierte unser Auto. Wahrscheinlich hatten die Zöllner genug zu tun, denn dort herrschte reger Verkehr. Viele LKW mussten abgefertigt werden, aber darauf waren sie hier eingerichtet, die Pässe wurden nur noch eingescannt, kein lästiger Papierkram, wie wir es schon häufig hier erlebt haben. An der Station wurden wir von ein paar kanadischen Mädels angesprochen, ob wir sie nicht mitnehmen könnten. Doch an Sitzplätzen mangelt es uns etwas und schließlich wurden sie ja schon von einem LKW-Fahrer mitgenommen. War ihnen jedoch zu langsam. Wo gibt’s denn so was? Trampen und dann noch Ansprüche stellen! (Nordamerikaner halt!)
Kurz nach der Abfertigung schauten wir uns langsam nach einem Schlafplatz um. War nicht so einfach, denn es gab keine wirklichen Parkbuchten und aufgrund des heftig blasenden Windes suchten wir eine einigermaßen geschützte Stelle. Und dann kam´s: Hier haben sie ja überall diese blöden „Badenser“, Senken in der Straße, in denen das Wasser bei Regen ablaufen soll. Doch sind die Kanten relativ hart und gerade in so einem blöden Ding bekommen wir nen Platten! Und das ganze bei einbrechender Dunkelheit, eisiger Kälte und Wind, hinter einer Kurve, keine richtige Möglichkeit anzuhalten, mit einem kleinen Streifen Schotter an der Seite und vorbeidonnernden LKWs! So gut es ging stellten wir uns an die Seite und jetzt kam das nächste: wir haben den Kofferraumdeckel nicht aufbekommen! Panik machte sich breit! Nach einigem Drücken und Zerren war er doch endlich auf, ich stellte die Warndreiecke auf und Mathias bereitete Ersatzreifen und Wagenheber vor. Zum Glück hatte er bei Norbert schon mal die Reifen durchgewechselt, so hatte er schon etwas Übung. Schnell noch mal in der Reparaturanleitung gecheckt, wo man den Heber am besten ansetzt, Steinblöcke vor die Reifen gesetzt, doch auf losem Untergrund ist das trotz allem eine wage Angelegenheit. Doch die ganze Sache hielt, der platte Reifen ging gut ab, doch der aufgepumpte Ersatzreifen verlangte etwas mehr Platz. Also noch mal weiter hochgebockt, langsam rutschte der Wagenheber schon davon –schwitz-, aber er hielt und endlich war der Reifen drauf und wir konnten weiterfahren. An der nächstbesten Gelegenheit hielten wir an um dort zu nächtigen. Unsere Lampe hatten wir wieder mal vergessen zu laden und so hatten wir gerade genug Licht um zu essen, danach lagen wir in der Dunkelheit. Ganz nebenbei, es war saukalt, und aus Angst wir könnten den Kofferraum bei nächsten Mal tatsächlich nicht mehr öffnen, ließen wir den Deckel nur angelehnt. Und der kalte Wind blies wirklich gnadenlos, aber wir haben jede Ritze so gut es ging zugestopft und konnten trotz -3° gut schlafen.
Und am nächsten Morgen sieht die Welt eh immer wieder besser aus und wir konnten die Fahrt schon wieder genießen. Unterwegs kamen wir an hochgelegenen vereinzelten Lehmhütten vorbei, die Leute arbeiteten im Hof und die mit Schleifchen geschmückten Lamas erfreuten unser Auge. Wir trafen auf einen (diesmal richtig weißen) Salzsee, durch den direkt die Straße führte. Wir hielten an um ein paar Bilder zu machen und waren entzückt und geblendet von der weißen verkrusteten Oberfläche. Danach ging es noch mal auf einer tollen Serpentinenstraße hoch auf über 4200m und danach rapide abwärts, auf grandiosen Serpentinen, die sich durch atemberaubende Schluchten schlängelten. Unglaublich, und war ich noch am Vortag ein bisschen satt von den vielen Bergen und konnte die Schönheit gar nicht mehr richtig wahrnehmen, an diesem Tag war alles wie weggeblasen. Wir konnten gar nicht genug bekommen, fotografierten und filmten wie die Wahnsinnigen und waren hinter jeden Kurve wieder von der phantastischen Aussicht begeistert. In den faltigen Bergen lagen unzählige Kakteen, das war also die bekannte Quebrada de Humahuaca. Grandios! Innerhalb von 37km ließen wir 2000 Höhenmeter hinter uns, wir passierten dabei farbenprächtige Berge, kleine Lehmdörfer, dazwischen mal Kühe oder Pferde, umgeben von herbstlich getönten Weinreben und wir hatten einen richtigen Höhenflug. Bis… wir einen seltsamen Geruch wahrnahmen. Diesmal konnte wohl unsere Kupplung nicht so ganz mithalten, die Mathias aus Bremsenschongründen wohl etwas überstrapaziert hatte. Und plötzlich sah Mathias Rauch im Rückspiegel. Er ist sofort in die Eisen gestiegen, ich hatte den Feuerlöscher schon in der Hand, doch wir konnten dann doch nichts mehr entdecken. Armer Pauli, er wurde ja auch ganz schön von uns in den letzten Wochen beansprucht, also warteten wir ein bisschen ab, bevor wir vorsichtig weiterfuhren. Wir wollten ja nicht in den letzten 3 Wochen vor Buenos Aires noch einen Schaden riskieren.
Kurz darauf fuhren wir in eine Nebelwand und ab dort war es mit dem schönen Wetter zu Ende, es fing an zu nieseln und nachdem keine wärmende Sonne mehr schien, wurde es empfindlich kalt. Wir wollten am Campingplatz von den Thermas de Reyes ein bisschen Zeit verbringen. Wir fuhren in eine Schlucht doch dort angekommen, mussten wir feststellen, dass es keinen Campingplatz dort gibt. Man kann zwar sein Auto auf einem Parkplatz abstellen und im warmen Freiluftpool oder in den Thermen des am Felsen gebauten Hotels plantschen gehen, aber es gab kein Strom, keine Duschen und kein Platz, an dem man einfach ein paar Tage stehen bleiben kann. Und das hätten wir gerade mal richtig gebraucht. Also sind wir wieder ein paar Kilometer zurück nach Yala gefahren, wo es den einzigen Campingplatz in der Gegend gab. Wir waren dort zwar die einzigen, aber die Besitzer waren sehr freundlich und es gab die Aussicht auf eine warme Dusche. Dort haben wir den restlichen Tag mit Nichtstun verbracht, ein bisschen gespielt und gelesen, gefuttert und die Nerven entspannt.
Doch das nasskalte Wetter trieb uns schnell weiter und so fuhren wir nach einer (doch eiskalten!) Dusche nach San Salvador de Jujuy. Zuallererst sind wir zu einem Reifenhändler gefahren und nach einigem Hin und Her hatte Pauli noch zwei neue Schlappen, denn mit unserem platten Reifen war nicht mehr viel anzufangen. Danach sind wir zur wenig informativen Touri-Info, wo man uns erklärte, dass der einzige Zeltplatz der ist, von dem wir kommen. Nachdem die Wechselstube auch noch geschlossen hatte, na ja einfach alles, war ja wieder mal Siesta, haben wir uns nach einem kleinen Stadtbummel frierend auf den Weg Richtung Salta gemacht. Jujuy ist zwar ein schöner Ort, aber bei der Kälte macht das Alles ja keinen Spaß.

Die Strecke nach Salta konnte uns trotz allem noch mal begeistern, denn die schmale Landstraße erinnerte sehr an tropische Gefilde. Abgesehen von der Temperatur natürlich. Aber es war eine willkommenen Abwechslung zur trockenen Landschaft der letzten Tage und so genossen wir die kurvige Strecke durch die urwaldähnliche saftig grüne Landschaft zu der Nebel und Nieselregen perfekt passte. Am Straßenrand grasten gemütlich die Kühe oder Pferde, dazwischen ein paar Hühner, von den Bäumen hingen Lianen und so besserte sich unsere Laune wieder. Plötzlich standen vor uns zwei Autos auf der Straße. Ein argentinischer Pick-Up, der über seine Möglichkeiten beladen war und ein Auto mit zwei deutschen Mädels, die natürlich sehr erstaunt waren auf dieser Strecke ausgerechnet auf ein Auto mit deutschem Nummernschild zu treffen. Der Pick-Up hatte einen Platten und so konnten wir mit unserem Wagenheber aushelfen. Er war ja noch nicht weggeräumt, aber ob er das Auto schaffte, bezweifelte ich stark. Der Argentinier krabbelte aber unbeeindruckt unter dem Auto rum, nicht auszudenken, wenn der Heber runtergekracht wäre! Aber der Reifenwechsel verlief reibungslos, als wir jedoch den Ersatzreifen sahen, kamen wir alle ins grübeln. Er hatte weder Profil noch Luft, aber der Mann war ganz zuversichtlich, damit noch in den nächsten Ort zu kommen. Wenn er meint…. und so fuhren sie weiter, mit dem platten Reifen auf dem Schoß! Wir Hielten unterwegs mal wieder zum fotografieren an und als wir so am Straßenrand standen hielt neben uns ein anderer Pick-Up. Die Männer fragten uns, woher wir kämen und drückten mir eine CD in die Hand. Nach kurzer Erklärung wussten wir, dass es sich um Musiker aus Salta handelte, die ihre Musik an den Mann bringen wollten und so nahmen wir die CD dankend an.

In Salta angekommen fuhren wir direkt zum Campingplatz, den wir auch sofort und problemlos gemäß einer Reiseberichtbeschreibung gefunden haben. Und wen treffen wir da? Wieder mal die Speths und neben weiteren Deutschen auch Hartmut und Tessy, die wir schon von den Thermen von Fiambalá kannten. Doch leider waren Speths außer Haus und so hefteten wir ihnen einen Zettel an die Türe. Wir haben es uns erst mal gemütlich gemacht, jedoch unser Bußchen etwas entfernt von der „deutschen Kolonie“ abgestellt. Als wir gerade mitten im Kochen waren, fand uns Jörg-Erich und wir verabredeten uns für später auf ein Bierchen.
So fühlten wir uns die nächsten Tage richtig wohl, der Platz lud ja auch zum länger verweilen ein, es war schön grün und in der Mitte befand sich ein Schwimmbad, das man eher See nennen konnte. Leider war kein Wasser drin, und ich denke im Sommer ist es hier noch toller.
Der Platz ist zwar etwas außerhalb des Zentrums, aber auch hier gab es eine gute Infrastruktur, Supermarkt, Internet und Kioske, alles lag direkt vor unserer Nase. Und ein Restaurant, mit den weltbesten Gerichten zu unvorstellbar kleinen Preisen. Dort sind wir öfter als nur einmal eingekehrt, wenn wir uns nicht ein Riesenschnitzelsandwich für 50 Cent geholt haben. Die Küche blieb jedenfalls erst mal kalt.
Wir waren auch mal froh, uns nicht täglich um einen Schlafplatz kümmern zu müssen, wir lümmelten in vollen Zügen, denn unsere Aufnahmefähigkeit für die Naturschönheiten und Berge hatte stark abgenommen. Wir brauchten einfach mal eine Pause und die haben wir uns in Salta gegönnt.
Die Stadt Salta, die zu Recht ihren Beinahmen „la linda“ (die Hübsche) trägt, ist einfach wunderbar. Man ist aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen, so viele schöne alte Gebäude, aufwendig verziert und bei Nacht alle angestrahlt und natürlich die pompöse rote Kirche „San Francisco“, wirklich beeindruckend. Und das tägliche Straßenbild ist einfach toll, die zum Großteil alten Autos, vor allem Pick-Ups, quetschen sich durch die überfüllten Straßen des Zentrums, stinkende überfüllte Busse schieben sich dazwischen durch, auf den Bürgersteigen wuselt es von Leuten. An jeder Ecke befinden sich kleine Straßenstände, die Socken, Kulis, Handytaschen oder anderen Kleinkram verkaufen. Im Zentrum befindet sich ein Markt in dem die Stände mit aufgetürmtem Obst und Gemüse, bunten Gewürzsäcken und Fleischbergen bestückt sind. Und dazwischen immer wieder kleine Fressstände.
Das Straßenbild wird beherrscht von jungen Leuten, überwiegend Indios, darunter viele Schwangere und Kinder in Schuluniformen (die an Chemikerkittel erinnern) oder süßen alten Omis und Opis. Auf den Straßen tummeln sich die Hunde, die auf ein paar herabfallende Wurstereste oder Knochen spekulieren, zwischen den vielen Fahrradfahrern finden sich Pferdekutschen oder vollgepackte Mopeds. Ob man sich da zu viert durch die Straßen manövriert oder noch einen Sack Zement auf dem Lenker Trägt, alles total normal. Das ist Südamerika! Und für uns ist das alles auch schon zur Normalität geworden, wir fragen uns manchmal, wie es jetzt wäre wieder im „gepflegten“ Deutschland zu sein, mit all seinen ordentlichen Straßen und dem organisierten Verkehr? Wahrscheinlich würden wir einen Kulturschock erleiden. ;-)
Wir lernten auf dem Campingplatz ein holländisches Paar kennen, John und Meandre, die sich in Chile ein Auto gekauft hatten und damit einige Monate durch Südamerika reisten. Jedoch standen die beiden kurz vor ihrer Abreise und verbrachten einen Großteil ihrer Zeit mit Flugsuche, wenn sie mal nicht mit uns Essen oder Trinken waren. Mit ihnen hatten wir eine lustige und kurzweilige Zeit. Langsam wurde der Platz um uns herum voller, wir bekamen dauernd neue Nachbarn, meist Deutsche, wir genossen die entspannte Atmosphäre auch wenn wir uns manchmal wie in Deutschland vorkamen. Abgesehen davon, dass am Morgen mal ein Zeitungs- mal ein Empanadaverkäufer per Fahrrad über dem Zeltplatz fuhr, um die Waren an den Mann zu bringen. Und abgesehen von den Argentiniern, die uns, auch wenn wir uns nicht kannten, manchmal mit frisch Gegrilltem versorgten. Oder die Brasilianer, unsere direkten „Nachbarn“ mit denen wir uns im Laufe der Tage anfreundeten und die uns mit Caipiriñha, Süßspeisen, brasilianischer Musik und wertvollen Reisetipps eindeckten. So bekamen wir schon einen kleinen Vorgeschmack auf Brasilien und wir verabredeten uns für die nächsten Monate, außerdem boten sie uns ihr Haus an, wenn wir mal in der Nähe sein sollten. Die Brasilianer haben halt noch mal ein ganz anderes Verständnis von Gastfreundschaft.

Die elf Tage, die wir dort verbrachten, vergingen wie im Fluge. Noch dazu besserte sich das Wetter von Tag zu Tag, so dass mal wieder unsere Shirts und Shorts zum Einsatz kamen. Zudem bekamen wir „Untermieter“. Auf dem Campingplatz wohnen eine recht junge Katze mit ihrem einzigen Jungen, dass noch gesäugt wird. Und schon am ersten Tag versuchten sie sich in unser Auto zu legen. Im Laufe der Tage hatten sie sich ihren Platz gesichert und warteten schon allabendlich auf uns, damit sie sich endlich zu uns ins warme Bettchen kuscheln konnten. Und wenn wir sie mal nicht reingelassen hatten, fanden sie immer ein schönes Plätzchen bei einem der anderen Camper. Die zwei kleinen Tiger hatten sich in fast jedes Herz der Besucher geschlichen. Da wurden Schlafkisten mit Kissen ausstaffiert und Fressnäpfe vorbereitet, obgleich sie ja auch von den Campingplatzbetreibern gefüttert wurden. Obwohl ich normalerweise kein großer Katzenfan bin, konnte ich dem Charme der beiden schlecht wiederstehen und bei manchem Hundealarm haben wir sie schnell im sicheren Auto untergebracht, wenn sie sich nicht schon auf den nächsten Baum gerettet hatten.
Ansonsten vertrieben wir uns unter Anderem die Zeit damit, nach dem passenden Öl für unser Auto zu suchen, Ölwechsel machen sie hier an jeder Ecke, aber es gab einfach kein 10W40. Also haben wir die Sache auf Buenos Aires verschieben müssen. Und damit unser Auto bei einer etwaigen Polizeikontrolle auch allen Anforderungen entspricht, haben wir uns neben den benötigten zwei Warndreiecken, Abschleppseil, Feuerlöscher, Warnweste,… noch ein 90er-Schild besorgt. Wir wurden zwar bisher noch nicht kontrolliert, aber man erfährt ja doch Nützliches von anderen Reisenden und bevor wir wegen so einem kleinen Papper ein Problem haben… Und unserem Pauli gefällts auch. :-)
Daneben war es nicht so einfach, einen Frisörbesuch für Mathias zu arrangieren. Es gab einen Frisör bei uns in der Straße, doch jedes Mal, wenn wir es versuchten, war entweder die Hütte voll, der Laden zu (angeschriebene Öffnungszeiten sind nur grobe Richtlinien) oder es wurde gerade geputzt. Also sind wir in die Stadt gelaufen, dort sollten wir mehr Glück haben, denn die Viertel sind hier nach Sparten aufgeteilt. Da reiht sich ein Frisör an den anderen und wir konnten uns gar nicht mehr entscheiden in welchen wir gehen sollten. Letztendlich sind wir bei einer sehr netten jungen Dame gelandet, die ihr Handwerk gut verstand und aus Mathias wieder einen ordentlichen Kerl machte.
Ich hatte meine Hose in eine Schneiderei gebracht, da der Reisverschluss kaputt war. So etwas reparieren sie hier innerhalb kürzester Zeit und für etwa einen Euro. Wie sich jedoch herausstellte, war der Reißverschluss auch nicht viel mehr wert, denn kaum hatte ich die Hose die ersten Minuten getragen, war der neue auch schon wieder dahin. Na ja, die Hose hab ich dann entgültig weggeschmissen, aber dafür haben wir die nette Bekanntschaft von zwei sehr lustigen, neugierigen und Kokablätter kauenden Männern gemacht. Und da wir am Abend in eins der unzähligen Peñas (kleine Kneipen und Restaurants mit Livemusik) gehen wollten, fragten wir gleich bei ihnen, welches empfehlenswert und nicht touristisch wäre. Doch wurden wir gleich ernüchtert, denn es gibt wohl keine Peñas, die nicht touristisch seien. Na ja, wir machten uns trotzdem auf in die mit Kneipen gesäumte Straße. Links und recht reihte sich ein Laden an den anderen, alles recht chic (etwas zu chic für das Salta, das wir kennen gelernt hatten und die Bedienungen waren unüblicherweise echt auf Zack) und wir waren wieder mal zu früh dran. Die Restaurants waren alle relativ gut gefüllt, aber mit der Musik dauerte es wohl noch etwas. An den hiesigen Rhythmus haben wir uns halt immer noch nicht angeglichen. (Wir waren bisher ja auch immer auf den Tagesrhythmus eingestellt und sobald es dunkel wurde wollten wir ja „gut untergebracht“ sein.) Wir haben uns vor eine kleine Kneipe gesetzt, dort unser Bierchen getrunken und sind später reingegangen. Die Einrichtung war recht urig, im vorderen Bereich waren gemütliche Sofaecken, ansonsten viele Holzmöbel. Die Wände und die lange Theke waren aus Stein, alles schummrig beleuchtet und die Band zu späterer Stunde sorgte für gute Stimmung.

Leider ist Salta und die Gegend im Nordwesten recht arm und hat dadurch auch seine negativen Seiten. Als die Brasilianer in den nahe gelegenen Ort Cachí fahren wollten, wurden sie unterwegs von einer Polizeikontrolle gestoppt. Sie durften nicht weiterfahren, da kurz zuvor ein Mord geschehen war, als jemand eine Tankstelle überfallen wollte. Daraufhin sind die beiden gerne wieder umgekehrt.
Speths haben in Salta einen Taschendiebstahl am Tag miterlebt, auf unseren Campingplatz wurden zwei Fahrräder über den Zaun geworfen und weg waren die Bösewichte. Obwohl unser Platz rund um die Uhr bewacht wurde, aber besonders gerne waren die Gäste von der teilweise recht armen umliegenden Bevölkerung nicht gesehen. Wenn man sich den Platz am hinteren Zaun ausgesucht hatte, konnte es passieren, dass die Windschutzscheibe Opfer einer Steinschleuderattacke wurde. Ist alles schon passiert!
Und die dreisteste Aktion die wir miterlebt hatten war, als wir uns biertrinkend mit ein paar Jungs am Kiosk unterhalten hatten. Nachdem wir alle hungrig waren, wollte Marcelo seine Freundin anrufen, um sie darauf vorzubereiten, dass wir jetzt zum Essen kämen (die 50 Cent Sandwiches waren ihnen zu teuer, obwohl sie einen relativ sicheren und gutbezahlten Job hatten – da bekommt man doch mal wieder ein Gespür für die hiesigen Lebensumstände). Der andere, Martin, holte noch eine Flasche Bier und wir warteten auf die beiden. Etwa einen Meter von uns entfernt stand ein Fahrrad am Baum. Da kam ein junger Kerl vorbei, sagte ganz schnell und kurz etwas auf spanisch, schnappte sich das Rad und fuhr eiligst davon. Wie sich herausstellte, war das Rad von einem unserer Trinkbekannten, der die Sache erstaunlich locker nahm. Nur seiner Freundin sollten wir noch nichts davon sagen.
All diese Situationen machen uns bewusst, dass hier doch etwas andere Zustände herrschen, die Leute arm sind und man nie genug aufpassen kann. Wir wurden also noch vorsichtiger, nahmen nichts mit in die Stadt, was nicht unbedingt sein musste und schlossen unser Auto auf dem Zeltplatz ab, auch wenn wir uns nicht weit davon entfernten. Sicher ist sicher, und wenn man sich auch nie 100%ig vor allem schützen kann, muss man es ja nicht herausfordern.
Jedenfalls bekamen wir bei Marcelo eine äußerst schmackhafte Pizza von seiner Freundin Gabriella zubereitet und nachdem wir uns noch das ein oder andere Getränk zu Gemüte geführt hatten tanzten wir wild im Wohnzimmer bis morgens um 6 Uhr. Am nächsten Tag waren wir dementsprechend geschädelt und wir hatten uns schon wieder für den Abend verabredet. Aber dazu waren wir einfach zu kaputt und so riefen wir bei Marcelo an, um für den Abend abzusagen. Er war ziemlich erleichtert, denn er hatte ja auch noch tags arbeiten müssen. So haben wir uns allen was Gutes getan. Ach sind wir Engel ;-)
Und als Speths und die Holländer abgereist waren, hatten wir „endlich Zeit“, unseren Internetkram zu erledigen. Wir wollten die letzten Bilder einstellen und ich hing schon wieder mit meinem Reisebericht weit hinterher, aber wir sind ja im Urlaub, was soll man sich da zu etwas zwingen?

Aber nach elf Tagen süßem Nichtstun zog es uns doch wieder auf die Straße und wir hatten nur noch fünf Tage und etwa 1300km bis zu unserem Einzug in Buenos Aires vor uns. Aber wir hatten etwas Ruhe getankt und so waren wir wieder voll aufnahmefähig und konnten die tolle Strecke genießen. Wir fuhren durch eine hügelige und grüne Landschaft gespickt mit kleinen Lehm- oder Steinhäuschen und Gärten in denen bis zu 2 Meter hohe Weihachtsterne wuchsen. Dazwischen waren üppige gelbe Margeritensträucher, Palmen und herbstlich gefärbte Bäume und ab und zu hingen auf den Zäunen Tabakpflanzen zum trocknen aus.
In der Quebrada de Cafayate, die mit ihrer roten Erde und den unzähligen Kakteen begeistert hielten wir an Schluchten an, die von der Natur zu skurrilen Formationen wie ein Amphitheater, ein Obelisk oder zu einer Burg geformt wurden. Die Gegend war grün und trocken und wieder konnte man die Mannigfaltigkeit und Farbenpracht der Bergwelt bestaunen.
In Cafayate, wo es fast mehr Bodegas als Einwohner gibt, haben wir uns einen Campingplatz gesucht. Zum Abendessen haben wir uns ins touristische Zentrum begeben und ein kleines Restaurant entdeckt, das eine Mischung aus Museum und Wohnzimmer darstellte. Das Essen war lecker und der Kellner auf Zack, wie fast überall wo es touristisch zugeht. Auf dem Heimweg kehrten wir noch in einem kleinen Internetkiosk ein und unterhielten uns angeregt mit dem peruanischen Besitzer. Ich hatte dabei schon wieder eine junge Katze auf dem Schoß, die vergeblich an meinem Pulli nuckelte, um etwas Milch zu bekommen.
Am nächsten Morgen besichtigten wir das Weingut „Etchart“, das größte Cafayates. Die roten und gelben Blätter der Weinreben und die Berge im Hintergrund geben einfach ein tolles Bild ab. Wir ließen uns über Weinreben, Abfüllung und Lagerung aufklären, verzichteten jedoch auf eine Weinprobe so früh am Tag. Danach schauten wir eine interessantes Video und nahmen doch noch zwei Fläschchen mit. Damit wollten wir in Kürze auf unser neues Heim anstoßen.
Auf der Weiterreise durch eine überwältigende Landschaft besichtigten wir die Ruinas de Quilmes. Nach den einst hier ansässigen Indianern wurde auch das gute landeseigene Bier benannt. Die Ruinen liegen an einem Hügel, die ehemaligen Räume wurden terrassenartig in den Hang gebaut, so weit das Auge reicht stehen Kakteen und im Hintergrund und blitzt das Weiß der schneebedeckten Berge. Danach haben wir uns noch das kleine Museum angeschaut und gleich im Raum daneben gab es unzählige Möglichkeiten sein Geld loszuwerden, viel Kitsch aber auch einige schöne kunsthandwerkliche Gegenstände. Einige Kilometer weiter kamen wir am Privatmuseum Pachamama in Amaichá del Valle an. Jörg-Erich legte uns schon begeistert nahe, dort unbedingt vorbeizuschauen. Und auch wir waren hin und weg, die riesige Fläche war eher ein Gesamtkunstwerk als ein Museum. Zum einen wurde die Geschichte der hier einst ansässigen Indianer anschaulich nähergebracht, die unter anderem die Mutter Erde (=Pachamama) verehrten, zum anderen gab es viele Ausstellungsräume des Architekten und Künstlers Cruz. Wir genossen die Privatführung über das Gelände, das mit steinernen Figuren bestückt und verziert war und schön mit Kakteen angelegt wurde.
Wir hatten schönes Wetter und so gefiel uns die Fahrt auf den parallel zum Flusslauf führenden Bergstraßen und die wüstenähnliche Gegend auf über 3000m Höhe doppelt gut. Auf der Passhöhe „Abra del Infernillo“ zogen plötzlich Wolken auf, das leuchtend gelbe Gras und die Nebelfront tauchten die Landschaft in ein einzigartiges Licht. Den im Tal liegenden Stausee im Tafi de Valle konnte man kaum noch sehen und es wurde schlagartig kalt. In Tafi war es allerdings nur mäßig schön, daher fuhren wir weiter, deckten uns dort aber noch mit hausgemachtem Brot und Käse ein. Die Straße führte stetig bergab und plötzlich befanden wir uns in einer tropisch grünen und verregneten Landschaft wieder. Die steile Straße schlängelte sich durch den Urwald und wieder waren wir von der abwechslungsreichen Landschaft überwältigt. In Monteros quatierten wir uns als einzige Gäste auf einem üppig begrünten und schön angelegten Campingplatz ein und ließen den ereignisreichen Tag mit einem Schlückchen Wein ausklingen.
Nach einer heißen und mit Holz geheizten Dusche ging die Reise weiter, aber die Gegend war nicht besonders einladend. Dort war es eher ärmlich, kaum jemand hatte ein Auto, fast jeder fuhr mit Fahrrad oder Moped durch die grüne und von Zuckerrohrplantagen geprägte Landschaft. Immer wieder standen Tiere auf der Straße, neben Hunden, Schweinen und Hühnern passierten wir mal Pferde, Schafe oder Esel. Die Landschaft war weiterhin abwechslungsreich, mal sah man Wüste mit roter Erde oder Kakteen, mal Sträucher oder Bäume. Wir hatten vor, nach Villa General Belgrano zu fahren, einer ehemals deutschen Kolonie. Aber dafür mussten wir noch etwa 20km über einen kleinen Hügel durch ein Waldgebiet fahren. Leider hörten dort wieder mal die Beschilderungen auf, die Straßen waren schlecht, es war schon dunkel und die Fahrt war wirklich abenteuerlich. Aber irgendwie fanden wir den richtigen Weg und landeten in Villa General Belgrano mit seinen bayrisch anmutenden Holzhäusern. Der Ort war sehr ordentlich, die Straßen waren mit Holzschildern gekennzeichnet, es lief Schunkelmusik und in sämtlichen Geschäften verkauften sie „Niedlichkeiten“, Kuckucksuhren, Bierkrüge mit Leuten in Tracht drauf. Und immer wieder konnte man Poster oder anderen Souvenirkram sehen, die daraufhin deuteten, dass sich viele Überlebende der Graf Spee hier niedergelassen hatten. Wir hatten uns in den Kopf gesetzt wieder mal richtig gut deutsch zu essen, uns lief schon das Wasser im Munde zusammen beim Gedanken an Schweine- oder Sauerbraten, Knödel oder Rotkraut. Doch leider beschränkte sich die Küche auf Bratwürste mit Kraut oder Gulasch und im Restaurant „Viejo Munich“ (=Alt München) ließen wir uns wir frisches Hirschgulasch schmecken. Zwar waren dort nicht nur die Gerichte, sondern auch die Preise deftig, aber das hausgebraute Bier und der warme Apfelstrudel mit Sahne entschädigten uns wieder. Wir suchten uns eine Tankstelle an der wir übernachten konnten und mummelten uns gut in unsere Schlafsäcke ein, denn uns erwartete mal wieder eine bitter kalte Nacht.

Den nächsten Tag verbrachten wir überwiegend auf der Straße, wir ließen 700km Asphalt und altbekannte eintönige Landschaft hinter uns und übernachteten wieder mal an einer Tankstelle. Wir hatten für die nächste Nacht den kurz vor Buenos Aires gelegenen Ort Tigre anvisiert, dort sollte es viele Campingplätze geben und wir konnten am nächsten Morgen die letzten 100km hinter uns bringen. Nachdem in Tigre endlich das passende Öl aufzutreiben war ließen wir den überfälligen Ölwechsel machen. Danach suchten wir erst mal die Touri-Info auf, dort sagte man uns, dass es auch zahlreiche Campingmöglichkeiten gäbe, aber die liegen alle im Flussdelta und sind lediglich per Boot, nicht aber mit dem Auto zu erreichen. Tja, da hatten wir nun den Salat, wir brauchten dringend eine Dusche und die Aussicht weiter in Richtung Buenos Aires eine Möglichkeit zu finden war verschwindend gering. Wir wussten ja auch, wie es mit Campingplätzen in und um B.A. ausschaut. Nämlich schlecht! Doch die zwei beherzten Damen aus der Touri-Info setzten sich sofort ans Telefon, und ließen die Drähte heißlaufen. Letztenendes fanden sie einen französischen Edel-Ruderclub mitten in der Stadt und direkt am Fluss gelegen, wo wir uns in den Hof stellen konnten und – das Wichtigste – die Duschen benutzen durften. Wir futterten erst mal noch bei McDoof und bekamen währenddessen noch einen Strafzettel, den wir entweder wegschmeißen oder uns einrahmen können.
Mario, der sehr nette und überhaupt nicht französische Verwalter erwartete uns schon und führte uns bereitwillig herum. Jeder dort war äußerst nett und hilfsbereit und sie ließen uns mehrmals wissen, dass wir nicht zögern sollten unsere Wünsche zu äußern.
Wir begnügten uns erst mal mit einer Dusche und unternahmen dann einen Stadtbummel in dem schönen Städtchen, das mit alten Bauten brilliert und von wo aus man unzählige Möglichkeiten hat Bootstouren zu unternehmen. Danach nahmen wir im edlen Aufenthaltsraum des efeubewachsenen Hauses mit Blick auf die Tennisplätze ein Bier zu uns. War schon alles sehr exclusiv dort. Zeitig legten wir uns ab – sehr zum Unverständnis der Leute dort -, schließlich wartete die große Stadt auf uns und wir wollten am nächsten Tag einen guten Eindruck bei der Wohnungsübergabe machen.

Hier kommt der nächste Bericht: 14. Reisebericht: WM-Studio in Buenos Aires