25. Isla Margarita

25. Wiedersehen mit meinen Eltern 

Isla Margarita / Playa el Agua (16.04. – 29.04.) 

Trotz dickem Kopf fuhren wir zeitig die gut 200 km entlang der kurvigen Küstenstraße nach Puerto la Cruz. Unterwegs hielten wir noch in Cumana, dort gibt es nämlich einen McDo, da können wir nicht vorbei. Und dann kamen wir endlich nach vier Stunden geschafft am Fährhafen an, und was erfahren wir da? Fähre voll! Schön blöd, und die nächste ging dann erst abends um 20.00. Tja, da kann man nichts machen, also haben wir uns erst mal ein schattiges Plätzchen gesucht und geschlafen. Die Abfahrt ging dann super pünktlich von Statten, wir setzten uns ins leere und kühle 1. Klasse Abteil, schliefen ein wenig (hätten wir nur unsere Hängematten mitgebracht, dann hätten wir sie zu den anderen in den Raum hängen können) und vier Stunden später landeten wir auf der Isla Margarita. Doch wohin, mitten in der Nacht? Eigentlich wollten wir am Fährhafen übernachten, doch der war so klein, dass der Parkplatz außerhalb des Geländes war und die Gegend schien uns nicht besonders einladend. Das wollten wir in Venezuela dann doch nicht wagen, uns mitten auf die Straße zu stellen, also sind wir zum Flughafen gefahren und haben dort die wenigen verbleibenden Nachstunden verbracht.

Wir waren schon früh wach und sind sofort nach Playa el Agua gefahren, wo meine Eltern, die wir schon seit 1 1/2 Jahren nicht mehr gesehen hatten, schon seit dem Vortag auf uns warteten. Doch leider gingen sie nicht ans Telefon, so saßen wir wartend im Foyer. Dann kam ein Mann auf uns zu gelaufen, total verknittert und verschlafen, Dreitagebart, andere Brille und Zahnlücke, erst auf den zweiten Blick erkannte ich ihn als meinen Papi! Dann war die Freude groß, wir gingen an den Pool und überraschten meine Mutter, die uns mit den Worten “Endlich ist es so weit!” begrüßte. Daraufhin haben wir uns ins gleiche Hotel – mit all inclusive für 40 € die Nacht – eingemietet. Danach war wieder mal Weihnachten für uns, wir durften uns unter anderem über deutsche Gummibärchen, Zeitschriften, Brotbackmischung und Wurst freuen.

Das “Hotel Flamenco” ist wirklich schön, die Gebäude sind eingeschossig als kleine Häuschen angelegt. Alle bunt und in eine grüne und blühende Gartenanlage eingebettet. Das Foyer war mit bunten Stühlen und einer langen Sofaecke eingerichtet, dort gab es eine Bar und danach schloss sich das zu allen Seiten offene Restaurant an. Im hinteren Teil des Geländes ist ein großer geschwungener Pool, umgeben von ein paar Liegen und Palmen und einer Poolbar und dahinter ragten sanft die – leider trockenen – Hügel ins Bild. Die Zimmer waren geräumig und jeweils mit zwei Doppelbetten eingerichtet, mit super Matratzen. Und auch hier wieder die hübschen Farben der Anlage, viel mit Terrakotta und zwei großen Spiegeln. Wir hatten die Wahl zwischen Ventilator oder Klimaanlage, außerdem gab es einen Fernseher mit Deutsche Welle. Doch da wir morgens eincheckten (haben die geschaut, als wir mit statt mit Koffern mit unseren großen Schubladen ankamen :-)) und das all inclusive Programm erst um 15.00 anfing, bekamen wir erst mal ein weißes Bändchen, damit konnten wir in die Zimmer, bekamen aber noch nichts zu Essen oder zu Trinken. Ist ja deutscher als deutsch hier, aber meine Eltern versorgten uns immer “heimlich” mit Verpflegung. Und pünktlich um drei bekamen wir dann die roten Bändchen und waren offiziell “drin”. So eine Ordnung kennen wir gar nicht mehr, aber es hat ja auch seine guten Seiten. Die Anlage war sehr gepflegt, wir bekamen immer mal wieder Blümchen aufs Bett gelegt, ständig liefen die netten Angestellten mit Kontrolllisten herum und auch auf Sicherheit wurde großen Wert gelegt. So wussten wir auch, dass unser Auto gut untergebracht ist.

Drei mal täglich wurde das reichhaltige Buffet angerichtet und wir hatten jedes Mal die Qual der Wahl. Oder nahmen einfach von allem was. Fast täglich gab es andere Themen, mal italienisch, mal mexikanisch, mal Grillabend und ein Mal wöchentlich gab’s Candlelightdinner á la carte. (Bzw. meine Eltern, wir bekamen die nötigen Zettel nicht, aber so gingen wir halt ein Mal zu viert.) Außerdem wurden an den verschiedenen Bars kleine Snacks gereicht. Also verhungern konnte man dort nicht, eher im Gegenteil. Um den langsam steigenden Kilos den Kampf anzusagen konnte man sich langen Strandspaziergängen hingeben oder am Soft-Animationsprogramm teilnehmen. Ob Wasserball, Beachvolleyball, Tischtennis, Gymnastik oder Tanzstunden, für jeden war etwas Geeignetes dabei. Zwischendurch konnte man an der Strandolympiade teilnehmen, Trinkspielchen mitmachen oder einfach nur den Animateuren beim Clubtanz zuschauen. Auch am Abend gab es immer Shows (venezolanische Animateure sprechen das “tschou” und wir fragten uns die ersten Tage wer eigentlich Joe sei?), wo es neben Tanzveranstaltungen oder Sketchen verschiedene Mitmachshows gab. Da das Hotel unter der Woche relativ leer war und sich erst an den Wochenenden etwas füllte, wenn die betuchten Venezolaner hier Urlaub machen, hieß das natürlich weniger Leute, die an den Shows teilnehmen. Daher ließ ich mich auch mal dazu überreden mitzumachen und nachdem ich als Hase auf der Bühne rumhüpfte, einen der männlichen Gäste sexy angetanzt hatte (ausgerechnet meinen Vater), möglichst viele Zuschauer mit Küsschen versorgen und letztendlich noch als Shakira verkleidet auftreten musste, hatte ich mich hüftschwingend gegen meine drei Konkurrentinnen durchgesetzt und wurde vom Publikum tatsächlich zur “Miss Flamenco” gewählt. Ich bekam ein Krönchen (musste ich wieder abgeben) und eine Medaille (die durfte ich behalten) und hatte ab sofort freie Unterkunft und Verpflegung ;-) Ach, was war ich gerührt. (Das hatte sich also gelohnt!)

Nach den Shows boten die sympathischen und unstressigen Animateuere manchmal an, gemeinsam in eine Disco zu gehen. Sie organisierten alles, doch mit ihnen schafften wir es nie, loszuziehen. Das schafften wir hingegen mit Renata und Markus, mit denen wir ja nie richtig in Carúpano aus waren. Die beiden waren auch eine Woche auf der Isla und buchten sich am Freitag für eine Nacht zu uns ins Hotel ein. Da Renata am nächsten Tag Geburtstag hatte, wollten wir gemeinsam rein feiern. Das haben wir auch getan und nachts sind wir erst ins Hard Rock Cafe (nix für Arme) und danach ins bekannte Señor Frogs. Gerade als wir dort ankamen war es Mitternacht und gleich wollten wir Renata bescheren. Schon die ganze Zeit trug ich das Päckchen mit mir herum und etwa drei Minuten bevor wir es überreichten fragte Mathias “Hast du das Parfum?” Tolle Überraschung, aber gefreut hat sie sich über ihren Lieblingsduft riesig. Wir waren alle gut gelaunt und haben die ganze Nacht getanzt und immer mal wieder tauchte am Minitor unser Geburtstagsgruß auf. Gegen 4.30 fielen wir müde ins Taxi und ließen uns nach Hause fahren. Die beiden reisten am nächsten Tag wieder ab – die Arbeit ruft – und wir waren froh, uns ordentlich ausruhen zu können. Doch Mathias ging es nicht besonders gut, er war ziemlich heiß und wollte zum Abendessen lieber im Bett bleiben. Als ich nachts ins Zimmer kam, glühte er überall und ich holte das Fieberthermometer. Als dies bei ersten Messen 39,9° anzeigte, war ich geschockt. Nochmaliges Messen brachten ein paar Zehntel Grad weniger, aber ich fing sofort mit Wadenwickeln an, die das Fieber zum Glück relativ senkten. Am nächsten Morgen fuhren wir gleich ins Krankenhaus, schließlich waren wir lange genug in den Tropen und im Amazonasgebiet unterwegs. Nach einer Untersuchung und verschiedenen Bluttest hatten wir die Gewissheit, dass es kein Malaria ist. Scheinbar hatte sich Mathias am Freitag nur zu sehr verausgabt, in der prallen Hitze hatte er Strandfußball gespielt und dann die Trinkerei den ganzen Tag und die Nacht, das hat sein Körper nicht so gut gefunden. Aber jetzt bekam er Antibiotikum und außer extremen Hitzewallungen ging es ihm bald besser. Die weitere Woche wollte er sich noch etwas schonen, was uns in diesem Hotel auch nicht schwer fiel.

Auch die weiteren Tage pendelten wir zwischen Strand (die ersten Tage voll mit tellergroßen Quallen) und Pool hin und her, checkten immer aus, welche Bar gerade geöffnet hatte und das Leben richtete sich grob nach den Essenszeiten. Es gab viel zu erzählen und ich genoss es, meinen Eltern nach so langer Zeit wieder so nahe zu sein. Obwohl meine Eltern gar nicht so scharf darauf waren viel zu unternehmen – “wir sind hauptsächlich wegen Euch da!” – bekamen sie doch ein wenig Südamerikafeeling mit. Dann schauten wir uns die Insel an, mal zur Besichtigung der Festung von der Hauptstadt Asuncion oder kleinen Fischerorten wie Juan Griego, mal zum Shopping in Porlamar, wo uns das Gewusel und das Leben auf den Straßen begeisterte. Und zu einem anstrengenden Einkaufstag gehört natürlich auch zwischendurch eine kleine Erfrischung, und so landeten wir in einer mehr als einfachen Hafenkneipe (“hier gibt’s nur Bier”), die meine Eltern schon bei ihrem letzten Bummel ausfindig gemacht hatten. Dort tranken die Männer Domino spielend ihr Polar, über der Theke hing ein Fernseher, aus dem lautstark venezolanische Musikvideos liefen, die leichten Mädels standen am Tresen und der portugiesische Opi und Gründer der Bar plauschte mit uns. Hier gefiel es uns allen gut und ich wusste dann auch, woher ich das alles hab.

Nebenbei hatten wir uns um unsere Weiterreise zu kümmern. Schließlich wollten wir als nächstes nach Trinidad und Tobago fahren, was ja nicht mit dem Auto ging. Also mussten wir uns informieren, ob Mathias überhaupt das Land ohne Auto verlassen konnte, da er ja bei der Einreise einen Stempel in den Pass bekommen hatte. Wir fuhren dazu an den Flughafen und informierten uns bei der zuständigen Behörde. Dort versicherte man uns, dass dies keinerlei Probleme geben würde, wahrscheinlich, weil die Isla eine zollfreie Zone ist. Also kauften wir uns gleich mal die Tickets für den Flug nach Trinidad am 29.04. Jetzt hatten wir nur noch das Auto sicher auf der Isla unterzustellen. Ein Freund von Markus wohnt und arbeitet auf der Isla, doch leider konnte er uns nicht weiterhelfen. Dann kamen wir auf Marlene, sie ist eine Bekannte von Markus, die wir zufällig damals im Señor Frogs getroffen haben. Ich rief sie an und sie versicherte uns, wir können das Auto bei ihr unterstellen und wir verabredeten uns nach einigen Missverständnissen für Samstagabend zum Essen. Doch der letzte Tag hielt noch etwas Aufregung für uns bereit. Als wir am Vorabend kurz am Auto waren, mussten wir feststellen, dass der Kofferraumdeckel nicht ganz zu war und sich auch nicht mehr schließen ließ. Das Scharnier war dermaßen zugerostet, dass sich nur noch das Metallteil darüber verbog und kurz davor stand zu brechen! Da konnten wir nicht viel machen außer das Auto so zu parken, dass man den Deckel nicht öffnen konnte und am nächsten Tag in eine Werkstatt zu fahren. Glücklicherweise wohnte eine der Animateusen aus dem Nachbarort und gab uns die Adresse eines Schweißers. Dort fuhren wir gleich früh am Morgen hin und nach etwa einer Stunde Arbeit mit fliegenden Funken ließ sich das Scharnier wieder bewegen und der Deckel wieder richtig schließen. Zum Glück, so konnten wir beruhigt weiterreisen
Da wir bereits mittags aus dem Hotel auscheckten, verbrachten wir noch einen halblegalen Tag im Hotel. Überall gab man uns noch zu trinken, auch ohne Bändchen, es kannten uns ja alle. Nach einer letzten Partie Volleyball ließen wir uns alle zum Sambakurs überreden, sogar unser “Tanzbär” Mathias konzentrierte sich hüftkreisend auf die Schrittfolgen. Wir genossen die letzten gemeinsamen Stunden und nach einer letzten Runde im Pool duschten wir bei meinen Eltern im Zimmer und während sie zu Abend aßen, warteten wir im Foyer. Gegen 22.00 verabschiedeten wir uns schweren Herzens von ihnen und fuhren nach Porlamar. Dort trafen wir im Hard Rock Cafe auf Marlene und ihre Freundin, gemeinsam gingen wir zu einem süßen Mexikaner essen. Danach ging´s wie selbstverständlich ins Señor Frogs, obwohl wir gar keine große Lust auf Disco hatten und nur unser Auto unterstellen wollten. Aber danach fragte uns Marlene nicht, wir fuhren einfach dort hin und trotz unserer Unlust gefiel es uns schnell. Bald tanzten wir alle wild und wir amüsierten uns dabei, Marlene und ihren Mädels beim heißen Hüften wackeln zuzusehen. Die Venezolaner gehen da wirklich ab, wie man es sonst nur aus Musikvideos kennt. Wow! Und da hier nicht gerade die Unterschicht Urlaub macht, hatten wir das Gefühl zwischen lauter kleinen Paris Hiltons zu stehen. Doch als sich die Musik in härtere Techno-Rhythmen wechselte trumpften wir auf. Jeder wie er es gelernt hat. Nachdem wir die Disko verließen, fuhren wir zu Marlene. An einer Apotheke hielten wir an einer Ampel und Mathias stieg aus, um ihr mitzuteilen, dass wir dort noch etwas bräuchten. Ich dachte sie fährt jetzt ein paar Meter weiter zum Parken, doch sie gab Gas und fuhr weiter quer durch die Stadt. Sie reagierte nicht auf mein (Licht-)Hupen und fuhr unbeirrt weiter. Ich konnte mir nicht mehr merken, wo Mathias ausgestiegen war, hätte mangels Kredit auch nicht auf ihrem Handy anrufen können und hoffte nur inständig sie jetzt nicht zu verlieren. An der nächsten Apotheke hielt sie endlich an und verstand endlich meine Aufregung, als sie entdeckte, dass der Beifahrersitz leer ist. Also schnell zurück, den verständnislosen Mathias aufgegabelt und weiter. Unterwegs hielt sie nochmals an und organisierte ein Taxi, das uns dann zu ihrem Haus folgte. Wir stellten Pauli bei ihr im Hof gut unter, fuhren mit dem Taxi zum Flughafen und kamen dort ziemlich müde gegen 5.30 an, legten uns in der unterkühlten Wartehalle ab und warteten auf unseren Flug nach Trinidad.

Hier gehts zumnächsten Bericht: 26. Tobago: Karibik pur – ohne Pauli dafür mit mehr Freunden als gedacht

Hier gehts zu den Bildern =>