26. Tobago

26. Karibik pur – ohne Pauli dafür mit mehr Freunden als gedacht

Trinidad und Tobago / Crown Point (29.04. – 24.05.)

Nach ein wenig unruhigem Schlaf in der unterkühlten Wartehalle vom Flughafen auf Margarita ging’s endlich weiter nach Trinidad. Nach einer Stunde Flug landeten wir, und trotz oder gerade wegen totaler Übermüdung flogen wir gleich weiter nach Tobago. Dort mieteten wir uns vorerst mal für die nächsten zwei Tage bei Helen ein, wo wir bereits vor drei Jahren gut untergekommen waren. Doch wir konnten nicht sofort ins Zimmer und so vertrieben wir uns die Zeit mit weiterer Wohnungssuche für die nächsten Wochen. Schließlich kamen zehn Tage später Schwinni und Andi vorbei und für die brauchten wir ja auch noch eine Unterkunft. Doch viel sehen konnten wir in den anderen Guesthouses nicht, denn aufgrund des momentan stattfindenden Jazz-Festivals waren so gut wie alle Unterkünfte ausgebucht, und meist nicht wirklich besser, kleiner oder um Einiges teurer als bei Helen. Also kehrten wir zurück und bezogen fürs erste unsere Wohnung. Die war gemäß tobagonischen Verhältnissen ziemlich schön, sehr groß mit Wohnküche, zwei Schlafzimmer mit zwei Doppelbetten (das zweite Zimmer war abgeschlossen), TV und einer großen Terrasse mit viel Platz im Hof. Die Möbel sind dort gewöhnlich aus Holz oder Pressspan und recht einfach, rosafarbene Gardinen zieren die Fenster und der Putz bröckelt ein wenig von der Decke, aber so ist es eben hier, wenn man Luxus braucht, muss man ins Sternehotel gehen.
Wir legten uns erschöpft ab verzichteten auch darauf, auf dieses Festival zu gehen, denn die Ticketpreise waren mit über 100 US$ ganz schön gesalzen und wir waren einfach zu müde und geschafft. An diesem Abend hätten eh “nur” Sir Elton John gespielt oder Earth, Wind and Fire. Leider haben wir Jean Paul verpasst, der spielte neben LLCoolJ bereits am Freitag, aber da waren wir ja noch auf der Isla.
Die nächsten zehn Tage bis zur Ankunft der Jungs haben wir in trauter Zweisamkeit und alkoholfrei verbracht. Nachdem wir noch andere Unterkünfte besichtigt hatten und uns unsere Wohnung immer besser gefiel, entschlossen wir uns dazu, definitiv in diesem Haus zu bleiben. Für die Jungs war auch noch ein Appartement – mit bestellter Klimaanlage – im ersten Stock frei und hier wohnten wir nicht so typisch touristisch sondern sehr authentisch tobagonisch mitten in einem normalen Wohnviertel. Das ist gar nicht mehr so einfach hier, denn der Tourismus hält auch auf dieser paradiesischen Insel mit all seinen Schattenseiten ungebremst Einzug. Leider! :-( Doch so lange die meisten Häuser noch keine Gitter an den Fenstern haben, die Autos nicht abgesperrt werden (wo soll man auch hin damit?) und Jeder Jeden kennt, bleibt Tobago so bezaubernd, wie wir es kennen und lieben gelernt haben.

Wir genossen es, viel Platz zur Verfügung zu haben, ich schrieb endlich wieder fleißig an meinen Reiseberichten, wir verbrachten zahlreiche Stunden an meinem neuen Computer und im Internetladen und wir freuten uns abermals über deutsches Fernsehprogramm. So begleiteten Harald Schmitt und Johannes B. Kerner unsere Abende, zum Ausgehen hatten wir gar nicht so viel Lust. Es war außerdem schön, mal wieder für sich selbst zu kochen. So kamen fast täglich irgendwelche Eier-, Nudel-, und Kartoffelgerichte oder kalte Platte auf den Tisch, je nachdem, was die Minimärkte und dürftigen Gemüseläden so hergaben. Es ist ja verständlich, dass es auf Tobago nicht so viele Obst- und Gemüsesorten gibt, die zumal (wie so vieles hier) recht teuer sind, da vieles erst auf die kleine Insel – Tobago ist gerade mal 15 auf 50 km groß – transportiert werden muss. Da kam uns der Opi, der bei uns im Garten stand, um Mangos zu verkaufen, gerade recht. Noch dazu war es im Mai noch extrem trocken, was soll da schon wachsen? Es wurde zwar täglich der Beginn der Regenzeit erwartet, aber der ließ noch einige Wochen auf sich warten, dafür war es – auch für die Bewohner – extrem heiß. Trotz der geringen Entfernung zu Margarita empfanden wir die Sonne bei gerade mal 30° hier noch stechender. Das Wetter spielt halt überall auf der Welt verrückt!
Wir genossen es, uns sprachlich mal wieder fließend verständigen zu können. Zumindest von unserer Seite her, denn hier spricht man zwar wieder englisch, doch hat es nicht mehr viel mit dem zu tun, was man mal in der Schule gelernt hat. Und so merkten wir bald, dass wir noch Lücken im Wortschatz haben und manche Wörter kennen wir nur auf Spanisch. Abgesehen davon ist die Aussprache dermaßen anders, dass wir die ersten Tage ziemlich blöd aus der Wäsche schauten und immer wieder nachfragen mussten, bis wir uns an das Jamaikagekaue (wie: „me go dong de street“ oder für 5.30: „five dirty“) gewöhnt hatten.

Wir wohnten nur wenige Gehminuten vom bekannten Pigeon Point entfernt, einem der schönsten Karibikstrände überhaupt. Nicht umsonst machte Sport-Scheck hier immer Fotos für seine Badekollektionen. Hier herrscht wirklich Karibikflair pur, und vor allem der Abschnitt vor dem berühmten Punkt lädt zum Verweilen ein. Nachdem man die kleinen Fischerbuden hinter sich gelassen hat, gelangt man an dem menschenleeren weißen feinen Sandstrand, die gebogenen Palmen und ausladenden Bäume sorgen für den notwendigen Schatten und im seichten, glasklaren und 32° warmen Wasser lässt es sich wunderbar aushalten. Wir hängten erst mal unsere Hängematten an besagte Palmen, wobei die Aufhängerei – im Gegensatz zum Endergebnis – alles andere als entspannt war, wir luden unsere lila Plastikkrake mit zum Plantschen ein und ließen uns treiben…

Ansonsten erfreuten wir uns an der relaxten Atmosphäre der Insel und ihrer schwarzen Bewohner. Am Morgen wurden wir meist durch das Gegacker der überall herumlaufenden Hühner geweckt, oder wir hörten das beständige Mähen der Ziegen oder Schafe, die frei auf der Straße herumliefen. Die Nachbarskinder spielten den ganzen Tag Kricket, wobei wir dem Spiel nicht besonders viel abverlangen konnten. Entweder verstanden wir die Regeln nicht oder die Jungs spielten so schlecht, da sie mehr bei uns im Garten ihre Bälle aus den Bäumen holten, als tatsächlich zu spielen. Oder sie wollten gar nicht spielen, sondern nutzten das Spiel als Ablenkungsmanöver, um sich ein paar Mangos aus dem Baum zu holen.
Die Tobagonier sind alle total entspannt, hier gehen die Uhren einfach noch mal eine Spur langsamer. Auch die Leute gehen hier langsamer, da fallen wir „hektischen“ Deutschen nicht nur mit unseren Goldköpfen auf. Immer wieder begegneten uns die Rastafarben und viele Männer tragen eine üppige Dreadlockfrisur. Die Damen fallen mit geflochtenen Haarkreationen auf, keine gleicht je der anderen, oft verziert mit Kämmen, Klämmerchen oder Schleifen, aber irgendwie muss man ja die krisseligen Haare in Zaum bekommen. Und das Erstaunlichste überhaupt war, dass in Schuhgeschäften als Durchschnittsgröße 40 / 41 ausgestellt war, also genau mein Fall und nicht wie in Venezuela meine Größe schon fast als Übergröße läuft. Was nicht gleichzeitig bedeutet, dass man auch schöne Schuhe vorfindet. Ebenso verhält es sich mit den Bikinis. Jedoch wissen wir nicht, ob es an den mangelnden Modellen liegt oder an der üppigen Körperfülle der Damen, dass sie meist in kompletter Montur – nicht selten sogar in langen Leggings – zum Baden gehen! Vielleicht eignen sich die hauteng anliegenden Shirts ja besonders gut zum Problemzonenbedecken, wir werden es wohl nie erfahren…
Die Männer sind dagegen überwiegend gut gebaut. Was ich dabei nicht andeuten möchte (oder könnte) wie sie es in der Lendengegend sind. Darüber habe ich keinerlei Erfahrung gesammelt, aber die vielen blonden alleinreisenden Frauen, deren Ferienziele neben Kenia und Jamaika auch Tobago beinhalten, könnten darauf schließen lassen. Nescher halt!
Außerdem dröhnen einem aus jedem Haus oder Auto (überwiegend alte kleine Japaner) laute Reggaeklänge oder schnulzige Musik ins Ohr. Und wenn man dann auf der Straße läuft, und ein mit sonorer Stimme „Jo man“ gehauchter Gruß entgegen kommt, dann ist man endgültig angekommen.
Die Leute hier sind ausgesprochen liebenswürdig und man trifft immer mehr Bewohner Trinidads. Die Trinis haben zwar früher immer ihre kleine Schwesterinsel belächelt und als „dumm“ abgetan, aber immer mehr erkennen, dass hier vor Allem mit den ausländischen Touristen Geld zu machen ist. Dann wird man schon mal auf der Straße angesprochen, ob man nicht eine Bootstour oder eine Inselrundfahrt machen möchte. Ist zwar manchmal nervig, aber jeder der schon mal auf Jamaika oder in Südfrankreich war, wird sich hier über die unaufdringlichen Anpreiser freuen. Und auch auf eine Absage hin, sind die Leute immer noch freundlich und verabschieden sich mit einem netten Gruß. Tja, und als Weißer hat man halt einfach „seinen“ Schwarzen, der einen begleitet oder Tipps gibt, den hatten wir natürlich auch. Everton kennen wir schon von unserem ersten Besuch auf Tobago vor vier Jahren. Bei ihm und seiner Cousine Ann hatten wir damals in einer Unterkunft gewohnt und wir freuen uns immer wieder die beiden zu sehen. Ann ist zwar etwas ruhiger und zurückhaltender, dafür ist Everton umso lustiger und offener. Immer mal wieder kam er abends bei uns vorbei und erfreute uns mit seinen Geschichten seiner Deutschlandaufenthalte – auch er hat eine weiße Freundin aus dem schwarzen Regensburg.

Nach zehn Tagen war es dann so weit, die Ankunft von Schwinni und Andi stand bevor. Wir standen am übersichtlichen Flughafen und warteten auf die Condormaschine und endlich kam Schwinni heraus. Die Freude war groß, nur Andi ließ ewig auf sich warten. Und als er endlich durchs Tor kam, traute ich meinen Augen nicht, als ich hinter ihm jemanden entdeckte, der wie das Schäfchen, ein Kumpel von uns, aussah. Und er schien es tatsächlich zu sein, denn dann sah ich noch einen, der wie Boggi aussah. Und zu guter Letzt marschierte uns Mathias bester Kumpel Berninger (alias Rotzi :-)) entgegen! Ich konnte es kaum fassen, Mathias bekam den Mund nicht mehr zu! Was für eine Überraschung, vor allem Berni hatte uns die Wochen vorher genervt, dass er nicht mit nach Tobago könne und so gerne wolle, er Urlaub bräuchte und keinen bekommt,… Wow, die Überraschung war mehr als gelungen!
Glücklicherweise war in unserem Appartement noch das andere Schlafzimmer mit zwei Doppelbetten, so hatten wir auch gleich eine Unterkunft für die unangemeldeten Besucher. Tja, was soll ich sagen, der Abend wurde feucht und lang, es gab viel zu erzählen, und das sollte sich während der nächsten Woche auch wenig ändern.

Gleich am ersten Tag wurden die Jungs in die Umgebung eingeweiht. Zuerst mal mussten wir den kleinen Minimarkt gegenüber vorführen, deren Chefin ist eine knapp 80-jährigen Omi, deren Zöpfchen unter ihrer Mütze hervorragen. Wenn sie nicht gerade hinter dem Kasse stand, saß sie auf ihrem ausgelutschten Bürostuhl vor dem Laden und dirigierte die Mitarbeiter. Der Laden war wirklich klein und wenn man sich etwa eine Cola holen wollte, dann stand man schon im Privatteil des Hauses, aber man bekam alles Notwendige und immer ein kühles Bier zum besten Preis im Ort. Demnach tummelten sich auch immer einige Leute zum Feierabendbier (oder auch zum Frühschoppen) auf dem wackeligen Holzbänkchen vor ihrem Laden oder vor der Veranda. Ansonsten gab es ein Internetcafe nebenan (wichtig für Schäfers täglichen Anruf zu Hause), ein paar Lädchen und den „Chicken Church“ (oder auch 800boys), wo es neben Hähnchen auch Pizza, Sandwichs und Burger gab. Was will man mehr, so kommt man auch zu abwechslungsreicher Kost.
Gemeinsam klapperten wir wieder die drei Strände in der Nähe ab. Mal gingen wir zum Pigeon Point, wo die Jungs fleißig an den grünen Tischgruppen Schafkopf zockten oder auf den Liegestühlen krampfhaft versuchten ihren Edelweißteint loszuwerden. Oder wir gingen zum „Hausstrand“ an die Store Bay. Hier war zwar mehr los, denn die meisten Hotels sind in dieser Gegend und man wurde demnach auch mehr angesprochen, aber schließlich legen von dort auch die Glasbodenboote ab und die Anlage verfügt außerdem über richtige sanitäre Anlagen. Außerdem war das Wasser glasklar und erfrischend, hinter uns lagen ein paar Felsen und die zahlreichen kleinen Fress-Stände boten Leckereien aus dem Meer an. Und zuletzt gingen wir auch immer wieder gerne an den kleinen Strand vor der Bago´s Bar, wo man von den bequemen Barhockern aus einen phantastischen Blick auf die Bucht und die hier ankernden Privatjachten hatte („Scheiß Aussicht hier!“, oder Boggi?). Dort verweilten wir gerne, vor allem, da wir auf dem Weg zum Pigeon Point immer dort vorbei kamen und es manchmal auch nicht weiter geschafft hatten. Hierher kamen auch viele Einheimische zum Baden und unter dem breiten Baum fanden wir auch meist ein schattiges Plätzchen für unsere Hängematten. Dort wurden wir von Chris, der Liegestühle vermietet, angequatscht, ob wir nicht Lust auf eine Katamarantour hätten. Vor der Küste lag der Katamaran eines deutsch-spanischen Pärchens, das mitsamt Hund den Atlantik überquert hatte, und nebenbei Touren anbot. Sofort waren wir alle begeistert und wir verabredeten uns gleich für den nächsten Tag.
So haben wir uns dann am nächsten Morgen getroffen und mit dem Schlauchboot ging’s dann raus zum Boot. Mathias ist leider nicht mit uns gefahren, er hatte eine unruhige Nacht hinter sich und brauchte außerdem mal einen Tag Pause. Der Katamaran war wirklich beeindruckend, sehr groß mit seinen 8 Schlafplätzen und zwei Bädern. Wir verbrachten jedoch lieber unsere Zeit auf Deck, aber ohne Sonnendach hätten wir es wohl nicht ausgehalten. So schipperten wir die Küste entlang und erfreuten uns an der Aussicht aus einem anderen Blickwinkel und ließen uns ein bisschen die Seefahrt erklären. An den Spitzen waren zwei Sitze angebracht, auf denen hatte man die beste Aussicht, das beste Feeling der Wellen und man konnte dort das Spritzwasser an den Füßen spüren. Der Platz wurde dann auch zu meinem Stammplatz – obwohl ich dort vom heftigen Fahrtwind meine Kappe verlor -, denn dort vorne war man angeblich am besten vor Anzeichen der Seekrankheit gewahrt. Schäfer gesellte sich schnell zu mir, ich genoss noch das Auf und Ab der Wellen, Mark konzentrierte sich mehr auf das Auf und Ab in seinem Magen. Doch als ich dann mal auf Toilette musste, rebellierte es bereits auch in meinem Bauch und das Gewackel im Bauch des Schiffes besserte die Situation nicht unbedingt. Und gerade als ich wieder nach oben wollte, schaffte ich noch rechtzeitig die Drehung in Richtung Schüssel und erbrach mich. Nicht schön! :-( Aber danach ging es mir wieder besser und ich konnte wieder die Fahrt genießen. Schäfchen hatte leider nicht so viel Glück, denn bei ihm ging es kurz darauf richtig los, und mit einem Mal war es bei ihm auch nicht getan. So lag er lange auf der hinteren Bank in der glühenden Sonne und kämpfte mit seinem Mageninhalt, den er nicht zum bleiben überreden konnte. Die anderen erfreuten sich derweil am lustigen Ausflug, tranken Bier und Rum und verstanden gar nicht, was er für ein Problem hatte. Er war schließlich der einzige, der sich mit der Seefahrt ein wenig auskennt, aber der Main ist halt dann doch etwas anderes als das offene Meer.
Unser Ziel war die idyllische Bucht von Castara, mit den typischen Holzhäusern, umrahmt von leichten Hügeln und Davor liegenden Fischerbooten. Kaum hatte das Geschaukel aufgehört, legte sich dann auch unser Unwohlsein. Wir sprangen alle vergnügt ins Wasser und genossen die Aussicht. Von so einem Boot aus hat man einen ganz anderen Blickwinkel und für uns Landratten war das und so ein Leben auf dem Kahn ein interessantes und abwechslungsreiches Erlebnis.
Als wir die Rückfahrt antraten, ging es uns wieder deutlich besser, schließlich fuhren wir diesmal mit den Wellen und dem Wind, so war der Wellengang kaum noch zu spüren und wir ließen uns die leckeren Brote und Früchte schmecken, die uns während der Fahrt gereicht wurden. Und plötzlich waren überall um uns herum Delphine! Was für faszinierende Tiere, sie schwammen neben und vor uns her, nur wenige Meter unter unseren Füßen begleiteten sie uns lange und sprangen immer mal wieder aus dem Wasser. Wow, was für eine schöne Begegnung. Und als wir dann bei Sonnenuntergang wieder in die Bucht einfuhren, herrschte eine ganz besondere Stimmung der Abenddämmerung. Wir saßen alle fasziniert auf dem Katamaran und konnten uns gar nicht wirklich lösen von dem unwirklichen Anblick den die Abenddämmerung hervorbrachte.

Am Sonntag haben wir uns dann ein Auto gemietet und sind ein wenig die Insel abgefahren. Eigentlich wollte Berninger fahren – er hatte wohl gemerkt, dass er den Bogen in den letzten Tagen etwas überspannt hatte und wollte sich wohl selbst etwas bremsen – doch letzten Endes ist dann meistens unser Schäfchen gefahren. War nicht unbedingt die bessere Wahl, Schumis sind sie beide nicht und der Linksverkehr tut sein übriges. Wir haben unterwegs in einem Restaurant Halt gemacht, das in einen Baum gebaut wurde, und haben uns dort leckere Fischgerichte schmecken lassen. Dann sind wir zu einem bekannten Aussichtspunkt der Insel gefahren und danach ging’s ins idyllische Charlotteville. Von dort geht ein steiler und in der sengenden Sonne anstrengender Weg zur Pirates Bay, einer wirklich traumhaften Bucht. Dort planschten wir ein wenig, doch aufgrund der kleinen Wasserschlange und vor allem wegen der fehlenden Bierbuden zog es uns bald weiter. Das Bierproblem hätte man zwar lösen können, aber wir wollten dann doch nicht warten, bis jemand mit einem Fischerboot kommt und uns die Flaschen aus Charlotteville besorgt, also sind wir zurück gelaufen. Im Ort haben wir uns erst mal in einer kleinen Bar ausgestattet – auf Tobago mit Gardinen statt mit Eisengittern an den Fenstern – und dann ging die Tour weiter. Auf der Heimfahrt genossen wir noch die Ausblicke auf diverse Sichelbuchten wie die Englishmen´s Bay, die an alte Piratentage erinnern lassen und erfreuten uns am tropischen Grün im Inselinneren.
Und am Abend war es so weit, wie seit Jahrzehnten ruft die “sunday-school”. Hört sich komisch an, ist aber einfach nur ein wöchentlich stattfindendes open-air Fest an der Booco Bay mit Livemusik (die typischen Steelbands), ein paar Fressbuden, daneben ein paar einfache rouletteähnliche Spieltische Marke Eigenbau und einer Bar. Ist auch trotz der langen Tradition nicht touristisch, vor Allem wenn zu späterer Stunde die „Gäste“ nach Hause gehen, hat man das Originalfeeling. Wir haben uns – natürlich – erst mal vor der Bar aufgehalten und Nadine, unsere – natürlich – blonde Nachbarin mit ihrem – natürlich – tobagonischen Freund getroffen. Wir haben uns lustig unterhalten, Bier getrunken oder uns die klassische Variante bestehend aus einer Flasche Rum, einer Flasche Cola mit ein paar Eiswürfeln gemeinsam schmecken lassen. So genossen wir das Treiben am Strand und erfreuten uns an den arschwackelnden Tanzkünsten der Einheimischen (sogar Herr Bogensperger übertraf bei weitem die Stielaugen des Herrn Kullmann).
So gegen 4.00 war die Party zu Ende, wir nahmen uns ein Taxi und wer uns kennt, der weiß, dass wir noch lange nicht ins Bett gehen. Also haben wir Nadine noch mal rausgeklopft und sie hat sich dann in Begleitung einer weiteren Flasche Rum (dank Berningers Röntgenaugen) noch mal zu uns gesellt, bis dann gegen 8.00 die Sonne auf- und wir „untergingen“.
Den nächsten Tag haben wir dann lümmelnd zu Hause oder am Strand verbracht, und trotz des letzten Abends für Berni, Boggi und Schäfer (die drei konnten nur für eine Woche kommen) ließ uns heute alle das Bier kalt. Schäfer und Schwinni wollten eigentlich noch Wakeboarden, aber Typ kam leider nicht. Am späten Nachmittag ging’s dann an den Flughafen, noch ein Abschiedsbier und dann ging endlich der Urlaub los! (Und wir mussten uns endlich nicht mehr darum sorgen, dass Schäfer (wer sonst) ein weiteres Mal den Wohnungsschlüssel verliert! :-)

Uns war dann die zweite Woche zu viert wieder wesentlich gediegener, für manch einen mag es „Seniorenurlaub“ ;-) gewesen sein, andere haben die Ruhe und das typisch entspannte Inselleben genossen. Wir haben viel geschlafen, den Fernseher bei uns ins Schlafzimmer gestellt, so konnten wir bequem zu viert vor der Glotze lümmeln. Oder wir waren mal Billard spielen, wobei uns Andi nach kurzer Aufwärmphase ziemlich abgezogen hat. Oder wir sind zu den verschiedenen Stränden gepilgert, wobei Andi auf seinen mittlerweile lilafarbenen Schienbeinsonnenbrand (vom ersten Tag!) noch stark aufpassen musste, aber nach der zweiten Woche war er schon fast verheilt. Unterwegs trafen wir auch immer wieder bekannte Gesichter, die Insel ist halt einfach winzig. Nur einmal machten wir die ungewollte Bekanntschaft mit „Akro-Assi“, der ungeschlagen stressigste und einzig wirklich nervige Typ auf der ganzen Insel, aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel.
An einem Tag haben wir dann noch einen Ausflug mit dem Taxi in die immerhin 20.000 Einwohner starke Hauptstadt Scarborrough gemacht. Dort sind wir über den Markt und durch die geschäftige Innenstadt mit ihren steilen Straßenzügen gebummelt, überall waren kleine Straßenstände aufgebaut, deren Verkäufer in Begleitung lautstarker Musik CDs, Klamotten oder Sonnenbrillen an den Mann bringen wollten. Doch die Sonne machte uns zu schaffen, und ließ uns in eine kleine urige Bar flüchten. Noch ein Besuch im KFC (wo es sogar Sandwichs gab, was nicht immer üblich ist auf Tobago, obwohl die Werbetafeln etwas großartig ankündigen, muss es das nicht auch geben, aber daran gewöhnt man sich) und dann warteten wir in der stechenden Mittagshitze auf den Bus nach Hause.

Am Freitag wollten wir (oder vor Allem Mathias) dann unbedingt ins Casino. Wir machten uns chic und freuten uns auf einen Abend mit Black-Jack. Im Spielsaal schauten wir uns ein wenig um, woraufhin sofort einer der stiernackigen Angestellten auf uns zukam und uns zum Setzen und Spielen aufforderte. Aber wir wollten uns eigentlich erst mal umschauen und sehen was es so gibt, also verzogen wir uns zuerst auf ein Bier in die Bar. Dann unternahmen wir einen zweiten Anlauf, doch wir standen keine Minute vor dem Black-Jack Tisch, schon kam wieder einer der Aufpasser und forderte uns zum Hinsetzen und Spielen auf, es wäre schließlich nicht erwünscht herumzustehen. Was für ein Stress hier und da wir uns nicht zu irgendetwas zwingen lassen wollten, haben wir kurzerhand kehrt gemacht und haben dieses Etablissement verlassen. Da gehen wir doch lieber zu unserer Lieblingsoma und trinken in ungezwungener Atmosphäre ein Bier. Dabei blieb es jedoch nicht und wir waren in Laune auf mehr und wollten noch in eine Disco. Na ja, der eine mehr, der andere weniger! Aber irgendwie konnten wir kein Taxi bekommen, doch da fuhr gerade ein Bus vorbei, zwar fast leer, aber der Fahrer war gewillt uns im „Shade“ abzusetzen. Der Fahrer ist zwar sonderbar langsam gefahren, aber wir kamen an, dort war die Bude voll, wir tanzten viel (wobei die Männer hier wirklich nervig sind und aufdringlich antanzen), wir unterhielten uns eifrig und es wurde noch ein richtig guter und langer Abend.
Und am folgenden Sonntag hat es uns immer noch vom Freitag gereicht und wir wollten (fast) alle lieber einen ruhigen Abend zu Hause verbringen, als uns bei der Sundayschool zu verausgaben. Man wird halt nicht jünger! :-) Dafür haben wir am nächsten Abend im privaten Kreis noch mal richtig auf den Putz gehauen, wir haben uns mit Trinkspielen vergnügt und als ich später beim Nachschub holen zufällig Chris am Minimarkt trafen, kam er kurzerhand mit und nahm begeistert an unserem „Spieleabend“ teil.
Am letzten Tag wollten wir es dann endlich mal schaffen, in der Einflugschneise eine der tief einfliegenden großen Boeings zu fotografieren. Muss bestimmt ein tolles Bild sein, wenn so ein gigantischer Flieger nur wenige Meter über dem Kopf und direkt am Strand über uns drüber fliegt. Doch leider blieb uns dieser Anblick verwehrt, wir mussten uns mit fischfangenden Pelikanen im Sturzflug und einer kleinen Maschine (auch schon beeindruckend) zufrieden geben, der große Vogel wurde jedoch einfach auf den nächsten Tag verschoben. :-( Dafür sind wir am Abend noch mal ordentlich Essen gegangen, es gab wieder mal Fisch in kaum zu vertilgenden Portionen. Später veranstaltet ich mit Schwinni noch den großen Bildertausch, denn in den zwei Wochen kam schon einiges an Fotomaterial zusammen. Nicht nur dass ich schon gerne und reichlich Fotografiere, auch Boggi machte fleißig Bilder und vor Allem Schwinni und Schäfer (der seine neue Kamera ausgetestet hatte) brachten so einige Motive bis zu zehn mal vor die Linse, bis Belichtung, Blende und Motiv stimmten. Nur Andi brachte es gerade mal auf etwa drei Fotos in zwei Wochen.
Und dann hieß es wieder mal Abschied nehmen für unbestimmte Zeit, wir verbrachten unseren letzten gemeinsamen Tag noch mal recht gediegen, ein bisschen Strand und dann ging es in schwülwarmer Hitze zum Flughafen. Gegen die durchgeschwitzten Shirts von Schwinni uns Andi konnten wir nicht viel unternehmen, aber gegen die trockene Kehlen gab’s ein letztes Stag („It´s am men´s beer!“) im Flughafenbistro. Auch Everton, den wir die letzten Tage selten zu Gesicht bekamen, da sein Sohn mit Fußverletzung im Krankenhaus auf Trinidad lag, ließ es sich nicht nehmen sich zu verabschieden. Mathias und ich haben am Abend auch nichts mehr unternommen, schließlich ging es für uns am nächsten Morgen wieder zeitig los, um auf die Isla zurückzufliegen. Und an diesem Abend kam gerade zum Abschied ein heftiger und lang erwarteter Regenschauer vom Himmel. Endlich!
Wir waren zwar rechtzeitig auf, haben auch extra viel Zeit auf Trinidad eingeplant, denn man weiß ja nie. Und genau dieser „man weiß ja nie“-Fall ist eingetroffen, wir saßen im Flieger und dann kam die Durchsage, dass wir noch nicht starten können und keiner wisse wie lange es noch dauern würde. Wir könnten gerne aussteigen und in der klimatisierten Halle warten. Dann ging jedoch der Motor an, und es ging scheinbar doch los. Dann doch wieder nicht, dann sind wir immerhin zur Startbahn gefahren, dort sind wir wieder umgekehrt, es hieß in Trinidad sei ein Feuer im Tower ausgebrochen. Also sind wir tatsächlich alle ausgestiegen, haben am Gate gewartet, dann kam wieder die Durchsage zum Einstieg und endlich 1 ½ Stunden später hoben wir tatsächlich ab, wobei mich wunderte dass die anderen Passagiere (mit Ausnahme einer aufgewühlten Dame) das alles recht gelassen hinnahmen. Das war dann noch ein schöner letzter Beweis für die entspannte Lebenseinstellung der Tobagonier…

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