36. Uruguay – Florianopolis – Uruguay – BsAs

36. „Zeitreise“ ins idyllische Uruguay

Trenque Lauquen (07.01.) – Gualeguaychú – Paysandú / Uruguay (08.01.) – Mercedes (09.01.) – Palmar (12.01.) – Andresito (15.01.) – Gruta del Palacio – Trinidad – Durazno – Paso de los Toros (16.01.) – San Gregorio de Polanco (20.01.) – Montevideo (21.01.) – Atlantida (22.01.) – Piriapolis – Punta del Este – José Ignacio (23.01.) – Punta del Diabolo – Chuy /Chui (24.01.) – Pelotas / Brasilien (25.01.) – Porto Alegre – Praia do Luz – Praia da Rosa (26.01.) – Praia Ferrugem – Garopaba (27.01.) – Barra da Lagoa (28.01.) – Guarda do Embaú – Pinheira (08.02.) – Rio Futuro (10.02.) – Bagé – Aceguá / Uruguay (12.02.) – Tacuarembó (13.02.) – Valle Edén (19.02.) – Guaviyú (21.02.) – Salto – Dayman (22.02.) – Cocordia (26.02.) – Buenos Aires (28.02.)

Wir hatten jetzt das Ziel Uruguay vor Augen und schafften es an unserem ersten Tag immerhin bis Zárate. Wir übernachteten an einer Tankstelle und die Nacht war unerträglich heiß und schwül, wir dampften bei 30° im Auto vor uns hin, alle Luken geöffnet, noch dazu tummelten sich ein paar Mücken bei uns im Auto. Dafür brachen wir morgens zeitig auf und überquerten die sumpfigen Feuchtgebiete des Tigredelta, die Landschaft war mit einem dicken mystischen Schleier aus Nebel überzogen.

Der Tag sollte nicht weniger heiß werden, in Gualeguaychú deckten wir uns im Carrefour mit Lebensmitteln ein und vesperten bei größter Hitze im Schatten der Bäume an der schönen Flusspromenade. Aber so schön es auch war, es half alles nichts, wir brauchten Abkühlung. Eigentlich wollten wir über die Grenze nach Uruguay und uns dort ein schönes Plätzchen suchen. Als wir auf dem Weg zur Brücke waren, hinderten uns Straßensperren am Weiterfahren. Wir erinnerten uns noch an die Problematik der Papeleras, finnische Papierhersteller hatten eine Fabrik auf die uruguayanische Seite des Grenzfluss Rio Uruguay gebaut. Argentinier halten die Straßensperren seit weit über einem Jahr aufrecht, um gegen die Verschmutzung des Flusses zu demonstrieren. Ist ja generell ein guter Gedanke, aber dass das Werk ursprünglich auf argentinischer Seite hätte gebaut werden sollen und lediglich an den zu hohen Schmiergeldforderungen der Argentinier scheiterte (Entre Rios halt!) berücksichtigen die Umweltschützer dabei nicht. Viel mehr wurden die Besetzer wohl von der argentinischen Regierung bezahlt, wie sonst könnte man sonst 1 ½ Jahre eine solche Sperre aufrecht erhalten?

Als wir das letzte Mal hier waren, warnte man uns schon, schnell über die Grenze zu fahren, da Straßensperren zu erwarten seien. Aber dass diese dann so viel später immer noch sein würden – das gibt’s halt nur in Argentinien!

Also beschlossen wir die Nacht in Gualeguaychú zu bleiben, Thermen mit Camping gab es zu genüge, kalte Becken dagegen eher weniger. Wir landeten letztendlich beim Strandbad „El Ñandubaysal“ am Rio Uruguay – wo sich die Leute ungeachtet der Wasserverschmutzung durch die Papeleras im Wasser tummeln! Das Gelände war riesig und relativ voll, überall standen Zelte unter den Bäumen, es gab kleine Minimercados und Restaurants, sogar eine Polizeistelle. Wir schmissen uns erst mal in die Fluten, wobei das Wasser sehr flach und somit wenig abkühlend war. Am Strand war ein schönes Restaurant im griechischen Stil, dort gab’s erst mal ein erfrischendes Bier. Gerade als wir wieder ins Wasser wollten, fing ein heftiges Gewitter an. Innerhalb kürzester Zeit regnete es in Strömen, der Sand stand unter Wasser, Blitz und Donner tobten am Himmel und die Leute flohen aus dem Fluss. Nicht alle, manche machten sich eine Spaß daraus, bei Gewitter im Wasser zu stehen!? Die anderen rannten unter das Terrassendach der Bar, als plötzlich große Hagelkörner vom Himmel kamen. Der Hagel donnerte laut auf das Wellblech, ein heftiger Sturm tobte, alle rannten chaotisch hin und her, Mütter schrieen und Kinder weinten. Kurzzeitig herrschte wirklich Ausnahmezustand, draußen rannten junge Kellner herum um Stühle und Tisch einzusammeln – sie fühlten sich dadurch irgendwie heldenhaft, brachten sich tatsächlich nur unnütz in Gefahr!

Das Unwetter schien nicht enden zu wollen, mittlerweile stand auch der Restaurantboden unter Wasser und war übersäht von Hagelkörnern, alles war nass. Endlich legte sich der Sturm, aber Unwetter dieser Art sind in der Region im Hochsommer einfach normal. Wir gingen zurück zum Auto und kamen uns vor, als überquerten wir ein Schlachtfeld. Das Gelände stand an vielen Stellen unter Wasser, schlammige Pfützen haben sich gebildet, Zelte waren überschwemmt, Decken und Matratzen hingen zum Trocknen draußen. Bettlaken dagegen keine, denn die benutzt man hier beim Campen nicht! Iieeh! Wir machten uns schnell aus dem Staub, fuhren die Matschpiste zurück nach Gualeguaychú, wo es scheinbar kaum geregnet hatte.

Wir wollten ja immer noch nach Uruguay, somit blieb uns nur der 100km nördlichere Grenzübergang bei Colón nach Paysandú. Der Papierkram war schnell erledigt, die Zöllner nach uruguayanischer Art sehr freundlich, schon waren wir in Paysandú. Nachdem wir uns Geld am Automaten gezogen hatten (Info für Uruguayreisende: bei Banken mit Banred gibt’s maximal 5.000uru$ – geht auch mehrmals, kostet halt mehr Gebühren, bei Redbru gibt’s normalerweise 10.000 uru$ auf einmal!) fuhren wir wieder aus der Stadt raus. Kurz nach dem Ort stellten wir uns an eine Tankstelle, mit die schönste an der wir je standen. Drum herum grüne Wiese, ein paar Bäume, ein Picknickplatz mit Grill. Wir konnten dort auch duschen und diesmal hatten wir eine wesentlich geruhsamere Nacht als zuvor.

Den Picknickplatz nutzen wir gleich morgens zum Kaffe trinken, danach ging es weiter durch die landschaftlich unaufregende, aber einfach schöne Gegend. Grüne Wiesen und Hügel, angelegte Wälder, viele Felder, Rinder und Schafe überall, auf den Straßen fahren vereinzelt Oldtimer, deren Marke man nicht mal kennt – wie gesagt, unspektakulär, aber so idyllisch!

Wir landeten dann in Mercedes, dort sollte es auf einer Insel einen Flusscamping geben. Und was für einen schönen! Die Insel war mit Gras und Bäumen bewachsen, übersäht mit Picknickplätzen, und ein Teil davon war eingezäunt. Dort befand sich dann der Campingplatz, es gab Toiletten und normalerweise rund um die Uhr heiße Duschen. Aber dort wollten sie einfach kein Geld von uns – weil es momentan kein warmes Wasser zum Duschen gab! Aber bei 35°, wer braucht denn da warme Duschen? Uns sollte es recht sein, schnell hing die Hängematte und wir schmissen uns in den erfrischenden Rio Negro, wo viele andere Camper fleißig beachtliche Fische fürs Abendessen angelten. Unsere Nachbarn, eine Familie aus der Stadt und ein 45-jähriger Artesanía, waren gleich neugierig auf uns, luden uns zu Wein und einem ausfragendem Gespräch ein. War sehr witzig, bis wieder ein Hagelgewitter loslegte, diesmal war es nicht so heftig, aber die Körner waren noch größer als am Vortag. Die Körner hatten die Größe von großen Murmeln, und mit selbiger Wucht kamen sie auch vom Himmel – eins direkt auf Mathias Kopf. Autsch!

Gerade in diesen Tagen sollte ein Jazz-Straßenfestival in Mercedes stattfinden – nicht gerade unsere Stilrichtung, aber bestimmt gut was los. Als wir abends in die Stadt gingen, hatten an einigen Ecken und am Plaza noch Bands ihre Instrumente aufgebaut und spielten für die Passanten. Wir mussten jedoch erst mal einen Burger essen, darauf hatten wir uns schon lange gefreut. Überall im Land stehen große silbernen Alukisten, die meist abends ihre Verkaufsklappen öffnen und die leckersten Burger, HotDogs (hier Panchos genannt) und Schnitzelbrötchen (Chivito al Pan – geil!) zubereiten. Den Besuch eines solchen Imbisses sollte man in Uruguay nicht verpassen!

Später liefen wir durch die laue Nacht, an einer Bühne spielte gerade eine Band (schöne Atmosphäre, aber die Musik war uns etwas zu langweilig), später landeten wir in einer kleinen Bar. Wir waren zwar die einzigen Gäste, aber an der Rambla (Uferpromenade) herrschte so reges Treiben, dass uns beim Leute gucken bestimmt nicht langweilig wurde.

Wir kamen uns ein bisschen vor wie in den 70er Jahren in Italien. Die Leute fahren fast ausschließlich kleine Mopeds oder alte kleine Autos. Manchmal sind exotische Modelle aus den 20er-Jahren darunter, ansonsten alte Peugeots, Käfer, Studebaker, und Modelle deren Namen wir noch nicht einmal gehört haben. Aber wenn diese oder die Mopeds dann vor diesen klassischen Dreieckszelten stehen, voilá. Nur Handys und Baseballkappen, die gab es damals noch nicht. Getrunken wird nicht viel, dafür rauchen hier besonders die Jugendlichen auffallend viel. Es herrscht eine friedliche Stimmung, es wird geschaut und schüchtern zurückgelächelt, flaniert und die Abendstimmung genossen. Und gerade die Insel ist Anziehungspunkt für Jung und Alt, laufend fahren die unzähligen Mopeds auf und ab, jeder zeigt was er hat, es wird um die Wette promeniert. Herrlich! Und was auf keinen Fall fehlen darf: der Matebecher und die Thermoskanne unterm Arm! Das kann man sich gar nicht vorstellen, und obwohl wir es ja schon wussten, dass hier selbst beim Mopedfahren die Kanne und der Mate unter den Arm geklemmt wird und einfach bei jeder Gelegenheit Mate getrunken wird, erstaunte uns der Anblick doch wieder. Einfach unglaublich, es gab keinen Tisch, an dem nicht mindestens eine Thermoskanne plus Zubehör stand – Uruguayaner sind einfach matesüchtig.

Am Wochenende, als es gerade besonders schön und heiß war, tummelten wir uns am Fluss. Da kam ein Kamerateam vom lokalen Fernsehsender vorbei und fing an uns zu befragen. Da wir offensichtlich keine Südamerikaner sind, steigert das natürlich den Interessantheitswert. Da konnten wir ganz offen von Uruguay schwärmen, und auch mal öffentlich loswerden, wie gut es uns in diesem Land gefällt. Langsam schlich sich Uruguay mit seiner unaufdringlichen Art und den freundlichen Menschen wieder in unseren Herzen auf Nummer 1.

Am Samstag verabschiedeten wir uns wieder, unsere Reise ging weiter. Doch da in Uruguay der nächste Camping nie weit ist, kamen wir gerade mal gute 70 km weit, bis wir am Complejo Turistico des Stausees Paso del Palmar landeten. Direkt am Stausee konnten wir stehen, unter uns die Wiese, um uns ein paar Bäume, vor uns das Wasser. Strom war da, ein helfender Nachbar zum Anschließen an die Steckdose, oder eigentlich der herausstehenden Kabel auch (ist nicht immer ganz ungefährlich hier!), ein Wasseranschluss war ein paar Meter weiter, die Duschhäuschen nicht weit, die Hängematte hing schnell am Baum. Einfach schön. Ein paar Meter weiter gab es auch einen Kiosk mit ein paar Kleinigkeiten zu essen, Billard, Kicker und sogar Internet. Wir dachten schon, die Übernachtung wäre umsonst, aber da viele Tagesgäste da waren, kam erst am Abend ein Mann, um die Übernachtungsgäste abzukassieren. Und da auch dieser Camping – wie fast alle in Uruguay – von der Gemeinde war, kostete die Übernachtung (inklusive Strom und heißen Duschen) nicht mal 2€ – für beide zusammen!

Und am Sonntag war ja mein 32. Geburtstag! Als Geschenke gab es einen neuen Sonnenstuhl und eine Kühltasche. Eigentlich Sachen, die wir eh gebraucht hätten, die gab’s dann halt zu diesem Anlass. Der alte Stuhl war kaputt, unsere alte Kühlbox hatten wir schon vor Monaten in Kolumbien verschenkt. Warum eigentlich? Nun, jetzt gab’s ja eine Neue, denn wo sonst hätten wir all die Schlemmereien frisch gehalten, und wo hätten wir unsere Getränke gekühlt? Das war es dann auch, was wir den ganzen Tag gemacht haben. Wir haben gefuttert und Wein getrunken. Argentinischen versteht sich. Und Champagner, ein bisschen sollte man ja schon merken, dass es ein besonderer Tag ist. Es war einfach herrlich, wenn es uns zu heiß wurde sind wir die paar Meter ins Wasser gegangen, Lümmeln in Extremform, ein toller Tag!

Und als kleine Krönung gab’s ein sinkendes Motorboot in Echtzeit. Der Typ hatte wohl seinen Ranzen unterschätzt und die Wellen übersehen, die stetig von hinten in sein Boot schwappten und es in Sekunden füllten. Seine Söhne sprangen über Bord, er letztendlich auch, das Boot war bereits über Kopf im Wasser. Zum Glück geschah alles nur wenige Meter vom Ufer entfernt, so konnte der Besatzung nicht viel passieren – uns wir alles besser beobachten! :-) Sogleich kam ein anderes Boot zur Rettung und nach langem Hin und Her waren Crew und Boot dann endlich gerettet.

Viele reiche Montevideoer (wie sagt man denn?) kommen am Wochenende hergefahren, ihr Motorboot am Anhänger, die Angelausrüstung im Gepäck. Ist ja auch verständlich, so schön wie es hier ist. Nur für unseren Crash-Kapitän war das Wochenende gelaufen…. Und einige von ihnen sprechen auch deutsch, von denen wir dann gefragt wurden, ob wir „deutsche Deutsche“ oder „uruguayanische Deutsche“ seien. :-)

Am Abend sind wir noch mal zum Kiosk hoch, ich hab mich über all die lieben Geburtstagsmails gefreut, wir haben gekickert und noch ein letztes Bier getrunken, bis wir gegen 3.00 dann endlich im Bett lagen…

Am Stausee war es traumhaft schön, wenn man mal von dem schlickigen Boden absieht. Ein komisches Gefühl, wenn der Schlamm durch die Zehen quillt, wenn man ins Wasser geht. Aber wenn’s sonst nichts ist. Ein paar Meter weiter war dann der eigentliche Ort. Da er aus Häusern besteht, die damals für die Arbeiter zum Bau des Staudammes gebaut wurden, stehen jetzt leider viele davon leer. Demnach gab es im Ort leider nicht mehr viel, aber hauptsache ein kleines Lädchen, in dem wir Grundnahrungsmittel bekamen. Dann schnell wieder an den See, ab in die Hängematte, bisschen baden und lümmeln und abends mal Open-Air-Kino. Und das sollte sich von jetzt an auch nicht mehr groß ändern!

Am 15.01. ging es dann eigentlich ziellos weiter, wir stoppten dann am Lago Andresito, da dort am Wochenende ein Folklorefestival am See stattfinden sollte, mit Livemusik, Reiterwettkämpfen und Discozelt. Die ersten Camper hatten schon ihre Zelt- und Planenkonstruktionen aufgebaut, es gab Freiluftduschen und abends Strom – oder alternativ einen Polizeicamping, den konnten wir uns aber gerade so verkneifen. ;-) Der Tag war unerträglich schwülheiß und selbst wenn wir wollten, wir konnten uns einfach kaum bewegen. Schwitzend lagen wir im See oder in der Hängematte, mehr war nicht drin. Am Abend versuchten wir mal eine Runde Beach-Ball doch innerhalb Minuten waren wir nassgeschwitzt – also schnell wieder in den See.

Am nächsten Morgen zog im Morgengrauen ein heftiger Wind auf und innerhalb kürzester Zeit tobte ein starker Sturm mit Blitz, Donner und Regen am Himmel. Wir schafften es nicht mal mehr all unsere Sachen ins Auto zu bringen, doch schon waren auch wir komplett durchnässt. Wenigstens kühlte es so ein bisschen ab. Unsere Plane hing nur noch halb an den Schnüren, den 20 l Kanister hatte es vom Dach gefegt, die Stühle waren durchweicht. Da es immer noch regnete tranken wir unseren Kaffee diesmal im Auto, was ja dafür sehr gemütlich war, und kaum hörte es etwas auf, entschlossen wir uns doch abzureisen. Denn das Fest fing erst in ein paar Tagen an, das Wetter war mäßig, ich hätte schon tags Strom gebraucht zum Schreiben, und die vielen Schnecken und der schlammige Seeboden vereitelten ein wenig den Badespaß. Aber Uruguay ist groß und hat so viel Schönes zu bieten, also los!

Wir fuhren zur nahegelegenen „Gruta del Palacio“, die eigentlich nicht besonders aufregend war, ein paar natürliche Steinsäulen mit Minigängen dazwischen, verständlich, dass sie dafür keinen Eintritt verlangen.Immerhin haben wir durch diesen Abstecher die Routa 3 umgangen, die täglich mit neuen Todesopfern Schlagzeilen macht. Sie ist die Hauptroute zwischen Argentinien und Montevideo bzw. der Küste und in der Haupturlaubszeit relativ voll mit Argentiniern und Paraguayanern (die alle Mercedes Benz fahren). Und zum Einen ist viel Verkehr recht ungewöhnlich und außerdem fahren Uruguayaner recht bizarr in den Urlaub. Da werden am Besten auf einem großen Pick-Up oder der Ladefläche eines Lkw alle Familienmitglieder, Matratzen, Campingstühle, Zelte und Planen – wahlweise noch Kühlschränke und Hunde – geladen und ab geht’s in den Urlaub. Dass es dann, wenn ein Unfall passiert nicht nur bei einem kleinen Personenschaden bleibt, ist leider traurige Gewissheit…

Danach waren wir in der idyllischen Kolonialstadt Trinidad, leider war wegen der Siesta fast alles geschlossen, ein Internet fanden wir nur dank eines netten Mannes, der uns durch die halbe Stadt vorausfuhr, Supermärkte sind ja eh fast immer offen. Das nächste Flussstrandbad „Don Ricardo“ ließ nicht lange auf sich warten, dort gab’s dann lecker Vesper und unsere nassen Sachen wurden getrocknet. Eigentlich wollten wir schon dort über Nacht bleiben, und die Aussicht auf (feiernde) brasilianische Nachbarn war eigentlich verlockend, aber wir waren bereits verwöhnt, sicher würden wir noch was Besseres finden.

Eigentlich wollten wir in Durazno im Parque 33 Orientales am Fluss bleiben, die Beschreibung im Reiseführer klang verlockend, die Realität war es dann weniger. Dort handelte es sich um einen riesigen Stadtpark, voll mit Zelten und Mopeds, die Ufer belegt und irgendwie macht hier nicht gerade die High Society Uruguays Urlaub. Also weiter, immerhin bescherte uns die Weiterfahrt die Begegnung mit einer Straußenfamilie, mindestens 14 Tiere, die meisten davon noch Junge, liefen neben uns durchs hohe Gras.

Und letztendlich landeten wir dann in Paso de los Toros, bereits von der Brücke aus konnten wir den weitläufigen Camping unten am Flussufer sehen. Am dicken Stier am Ortseingang bogen wir gleich ab, nach kurzem Eintrag und dem Entrichten der Gebühr von insgesamt 1,20 € (o.k., die Duschen kosteten noch extra – nämlich 20 Cent pro Person!) haben wir uns einen schönen Platz auf der Wiese unter hohen Bäumen (für die Hängematte) und mit eigenem Grill (natürlich!) gesucht. Zum Wasser waren es nur wenige Meter, es gab ein paar kleine Restaurants, Kiosks und Kicker, Strom und eine nette Toilettenfrau, die mich gleich ausfragte, wie wir uns hierher verirrt hätten und wie es uns gefällt.

Hier fühlten wir uns auf Anhieb wohl, wir verbrachten die Tage mit süßem Nichtstun, Baden, Kickern und Futtern. Es handelte sich wieder mehr um einen Stadtpark, in dem man auch übernachten konnte, uns sollte das recht sein, so war mehr los. Zwei mal täglich kam eine nette Familie vorbeigefahren, sie boten Empanadas, Sandwichs und andere kleine Gerichte an, daneben Eisflaschen für die Kühlbox. Also auch wenn man sich gerade mal nicht bewegen wollte, schon gab’s Essen frei Haus.

Die Stadt war nicht weit zu Fuß entfernt, leider war unser erster Ausflug nicht ganz freiwillig. Mein Laptop weigerte sich, weiter zu laden, zum Glück handelte es sich nur um ein Kabelproblem, da der Transformator durchgebrannt ist, das ließe sich sicher in Montevideo regeln. (Oder auch nicht, aber das wusste ich damals noch nicht!) Dafür gab’s nebenbei einen neuen Ölfilter und endlich die lange gesuchte Luftmatratze – zum noch besseren Planschen! 8)

Und wegen der Laptopgeschichte haben wir halt wieder „die Oma“ (Katjas 7 Jahre altes Geschenk) rausgeholt, um ein wenig Musik zu hören reicht´s ja.

Am Abend haben wir es uns im Grillrestaurant gut gehen lassen, wir waren trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit von 21.30 natürlich die Ersten, und kurz später im scheuen Interesse des benachbarten Damentisches, dann so ziemlich aller, immer wieder wurden wir willkommen geheißen. Hinter uns stand der Kühlschrank mit kaltem Bier, neben uns der Grill mit leckerstem Grillfleisch und Kiloweise Glut, vor uns gab eine Teenieband ihr erstes „Konzert“, wobei der Sänger entweder zu Boden oder auf sein Textblatt schaute. Danach kam eine Folkloreband zum Einsatz, die gestandenen Männer brachten viel Erfahrung und gute Laune mit und heizten mit ihren Trommeln und stimmungsvollen Rhythmen ordentlich ein.

Die Stimmung war super und die Zeit verging wie im Flug, schon war es 4.00. Gerade gingen die Lichter an, Mathias hatte wieder mal zum Ex-Trinken gefordert – und verloren!? -, war uns noch lange nicht zum nach Hause gehen. Ein paar Jungs wollten noch in eine andere Open Air-Bar am gegenüberliegenden Ende des Parks und wir trotteten natürlich bereitwillig hinterher.

Doch die herbe Ernüchterung kam, als wir nach Hause kamen. Es war 8.00 und bereits hell, so konnten wir die „Scheiße“ richtig gut sehen: Man hatte unsere Scheibe eingeschlagen, ein paar Sachen wurden rausgeklaut, außen fehlten unsere Hängematte, die Lampe und der Tisch. Völlig aufgelöst ging ich zur Camping-Info, um die Polizei anzurufen, die Dame erklärte mir, man könne an diesem Telefon nur angerufen werden, ich sollte es woanders versuchen. Aufgelöst landete ich an der nahe gelegenen Tankstelle, dort konnte man mit dann endlich helfen. Mir erschien es ewig, bis endlich die Herren in blau ankamen, die sich dann unendlich viel Zeit nahmen, um meine Daten aufzunehmen. Hallo, es wurde gerade in mein Auto eingebrochen!!! Nachdem sie dann anfingen, nach dem Geburtsnamen meiner Mutter zu fragen, reichte es mir, sie hätten sich für den Schaden zu interessieren und wir gingen endlich gemeinsam zum Auto, wo Mathias schon deutlich genervt wartete. Die Polizisten schauten ein bisschen herum und meinten nur, es wäre ja wohl unsere Schuld, so wie wir hier auch parken. Das war im großen und Ganzen dann alles, die „Helfer“ machen sich wieder auf den Weg, meinten, wir sollten doch mal aufs Revier kommen und eine Anzeige machen, und wir standen mit unserem kaputten Fenster und einem dicken Kopf da! Also haben wir erst mal geschlafen, was sollte man morgens um 9.00 nach so einer Nacht auch machen. Mittags wurden wir von den Essenslieferdienst geweckt, eigentlich wollten sie uns etwas verkaufen, aber als sie das Malheur sahen, waren sie ganz aufgelöst und besorgt. Sofort boten sie uns an, einen Glaser zu informieren und gaben uns ihre Adresse, um uns bei Problemen an sie zu wenden. Super nett. Gleich darauf erschien auch schon der Glaser, machte sich kurz ein Bild von der Lage und kam kurz darauf mit einem Angestellten wieder. Da er keine passende Scheibe hatte, baute er uns als Übergangslösung eine blumenverzierte Duschwand und viel Silikondichtungsmasse ein, war zwar nur Plastik, aber fürs erste war die Scheibe dicht und zu. In Montevideo würden wir schon eine passende Scheibe finden.

Ansonsten waren wir nicht zu viel fähig, unsere Schädel beschwerten sich über die bösen Mischungen vom Vorabend, wir machten eine erste Schadensbilanz.

Wir erkannten, dass die Polizisten nicht ganz Unrecht hatte, wir parkten wirklich etwas blöd, dafür, dass der Park offen und für alle zugänglich ist. Und dass es auch hier richtige Armut gibt, haben wir ja schon durch die bettelnden Kinder gesehen. Da hilft ein einziger Wachmann auch nicht wirklich weiter. Aber abgesehen davon hatten wir wirklich Glück im Unglück! Die Einbrecher waren wohl eher unerfahrene Jungs, die nicht einmal den Knopf der Schiebetüre öffneten und nur durchs kaputte Fenster griffen, was sie bekommen konnten. So wanderten dann ein Rucksack mit all meinen Schuhen (flenn!), alle unsere CDs (so an die 200! Doppelt flenn!!!), eine Hose von Mathias und viel Kleinkram in die Hände der bösen Buben. Glücklicherweise war der alte Laptop gerade in Gebrauch, und ein paar Zeitschriften lagen darauf, so hatten sie ihn nicht gesehen und nur die leere Tasche mitgenommen, meinen neuen hatten sie glücklicherweise gar nicht gesehen! Nur mein USB-Stick fehlte und dort war die einzige Kopie meines fast fertigen Reiseberichts über Bolivien drauf, ans Original kam ich ja nicht mehr, weil ich meinen Laptop ja nicht mehr laden konnte. Aber alles in allem eigentlich Glück im Unglück, wir hatten auch „endlich“ mal was Schlechtes zu berichten, und wir waren gewarnt, in Zukunft besser aufzupassen und nie zu sicher zu sein. Aber so was ausgerechnet in „Seguruguay“, wo alles so sicher, nett und tranquilo ist? Unsere Stimmung schwankte im 5-Minutentakt, mal freuten wir uns über das relative Glück, was wir doch noch hatten, mal war sie wieder im Keller, wie gemein bei uns einzubrechen, das stimmte uns wirklich traurig.

Am nächsten Tag fuhren wir dann aus Paso de los Toros weg, immerhin bekamen wir die letzte Übernachtung wegen der Unannehmlichkeiten umsonst, und machten noch ordentlich unsere Anzeige. Nach langem Suchen in handgeschriebenen Büchern fand der Beamte dann unseren Bericht, schrieb im Prinzip genau das gleiche noch mal per Hand in ein anderes Buch, ließ mich unterschreiben und auf Wiedersehen. Somit konnte ich mir wohl endgültig abschminken irgendwas von meinen Sachen wiederzubekommen…

Wir landeten dann weiter flussaufwärts des Rio Negro an einem anderen Stausee in San Gregorio de Polanco. Wir waren wieder etwas versöhnter mit Land und Leuten, es war traumhaft schön dort und so idyllisch, es gab direkt am Strand einen Camping und der kostete nicht mal was. Es gab Strom und mückenverseuchte Duschen, dauerkiffende Artesanía-Nachbarn und einen kleinen Ort, in dem es alles gab. Beim abendlichen Bummel fanden wir eine neue Lampe und einen Pastaladen mit süßer Bedienung und großen Portionen für gerade mal 2€!

Am nächsten Morgen fuhren wir schon wieder weiter, schließlich hatten wir ein paar Dinge in Montevideo zu erledigen. Wir fuhren zu der nahegelegenen Fähre, setzten mit einer per Beiboot angetriebenen Plattform über und wir waren noch nicht richtig von der Fähre runter, da steckten wir schon im Sand fest. Beherzt halfen uns unsere Fährmänner und ein Pick-Up zog uns letztendlich aus dem Schlammassel. Zum Dank gab’s für die Fährmänner eine Flasche (argentinischen :-) ) Rotwein, der Fahrer des Wagens fuhr uns vorsichtshalber noch lange hinterher. Die weiteren 120 km waren unbefestigte steinige Straße, schon fast Ripio, aber die Landschaft war einfach so herrlich, überall Felder mit unzähligen Rindern oder Schafen, ein paar verwitterte Gauchos, Hügel und Bäume.

In Montevideo haben wir uns zuerst mal auf die Suche nach einem Glaser gemacht, mussten aber gleich feststellen, dass hier ein normaler fehl am Platz wäre, wir brauchen schon einen speziell für Autos. Ansonsten fuhren wir von einem Computerladen zum nächsten, natürlich hatte keiner das Kabel, der Stecker war selbst für Deutschland unüblich, demnach gibt es ihn in ganz Uruguay und Südamerika erst recht nicht. Man könnte es mir eventuell reparieren, das dauert aber, oder vielleicht könne man mir einen Trafo mit 19 Volt besorgen und den Stecker abschneiden und dranwurschteln, Garantie erlischt damit, aber das ginge wohl eh erst morgen, noch mal nachfragen,… In einem Laden mussten wir gerade länger warten, da kam das Thema auf unsere kaputte Scheibe. Sofort wurden die gelben Seiten gecheckt, angerufen und uns die Adresse inklusive Preis aufgeschrieben. Da sind sie ja wieder super hilfsbereit und fix, die Urus. Dort kamen wir kurz vor Feierabend an, es ging dann alles ganz schnell, innerhalb 30 Minuten hatten wir die passende Scheibe eingesetzt, das ganze für keine 30 Euro!

Wir sind dann an den Strand gefahren, haben uns einen Schlafplatz bei einer Tankstelle gesucht, dort den Sonnenuntergang betrachtet und schnell geschlafen.

Das Kabel haben wir auch am nächsten Tag nicht bekommen können, man könnte uns höchstens über die Garantie ein neues schicken lassen, dauert ca. 2 Wochen. Dann halt nicht!

Um die Stadt zu verlassen fuhren wir die Uferpromenade entlang, links die Hochhäuser, rechts die breite und schöne Uferpromenade, dort joggten überwiegend Plus-60er (leider oben ohne). Dann die relativ vollen weiten Strände, mal Steine oder Wiesen dazwischen, mal ein Yachthafen. Die zahlreichen Parkplätze sind alle umsonst, wo gibt’s denn so was in einer Millionenmetropole? Auch wenn diese in Uruguay gerade mal 1,5 Mio. Einwohner beherbergt, aber doch fast die Hälfte aller Einwohner des Landes. Auch hier herrscht offensichtlich Armut, Pferdekutschen mit allerlei gesammelten „Müll“ beladen quetschen sich durch den Verkehr, die Häuser sind häufig noch aus der Kolonialzeit, mal hübsch restauriert, mal total verfallen.

Wir fuhren nach Atlantida, ein recht großer Touri-Ort mit guter Info, generell gibt es in Uruguay flächendeckend gute Karten, Flyer und Infomaterial. Hier ist man perfekt auf Tourismus vorbereitet. Wir schauten uns das Casa Aguila an, ein kleines Haus aus den 50er Jahren in Form eines Adlerkopfes. Nach einer kleinen Pause an der Steilküste waren wir uns unschlüssig ob wir bleiben oder fahren sollten – wir fuhren. Nach einer langwierigen Schlafplatzsuche landeten wir an einem vermeintlich einsamen Plätzchen zwischen ein paar Büschen am Strand, wir kochten uns Nudeln und genossen den phantastischen Sonnenuntergang. Kurz darauf kamen ein paar Jugendliche mit ihren Mopeds und zelteten direkt neben uns – zu viert im 2-Mann-Iglu! :-)

Nach einem neuen Schlafrekord und einem Kaffee fuhren wir weiter die abwechslungsreiche Küste entlang bis nach Piriapolis. Dort stellten wir unseren Pauli neben ein anderes Wohnmobil an die Uferpromenade, sonnten uns und badeten, spielten Beach-Ball und vesperten dort. An den Strandduschen wuschen wir uns gleich richtig und fuhren weiter die Küste entlang.

An den immer größeren und tollen Häusern und Villen konnten wir erkennen, dass wir uns immer mehr dem Luxusort Punta del Este näherten. Diese wurden dann von Hochhäusern abgelöst, ein Luxusliner lag im Hafen, und je näher wir kamen, desto edler wurden die Gegenden. Unzählige Autos parkten am Straßenrand und auf den großen Parkplätzen, auch hier von Platznot oder teuren Parkplätzen keine Spur. Und mindestens jedes 2. Auto hatte argentinisches Kennzeichen, ab und an mal eine Stretchlimo. Auf jedem Auto waren die Heckscheiben mit 30 oder mehr Werbeaufklebern zugepflastert, und ständig sahen wir die jungen Leute die Reihen entlang laufen, um weitere dieser nervigen Papper aufzukleben. Was soll das denn, wer kauft sich schon einen Cayenne oder was anderes Dickes, um dann Kleberänder auf der Scheibe zu haben? – Unverschämtheit! Andere hingegen tragen Monate später noch die Label von Casinos, Radiosendern oder Sportmarken stolz zur Schau: „Schau her, wo ich tolles Urlaub gemacht hab!“

Wir konnten es uns nicht nehmen lassen am Strand zwischen den Reichen und Schönen zu flanieren, die Reichen haben wir gesehen, aber wo waren denn nur die Schönen? Und selbst hier brachten die Urlauber noch ihre eigenen Klappstühle mit an den Strand, obwohl die Liegestuhlpreise verschwinden gering waren, noch dazu für DEN Luxusort Uruguays. Und dann war auch noch das Wasser eiskalt, brrr – nix wie weg, eine Übernachtung hatten wir hier eh nicht im Sinn, aber ein bisschen gucken ist schon schön.

Auf der anderen Seite der Halbinsel, wo an den bekannten Steinfingern am Strand der Rio de la Plata endet und der Atlantik beginnt, wehte ein eisiger Wind. Dort waren die Strände leer und lediglich ein paar Surfer mit Neoprens schmissen sich in die rauschenden Wellen und kalten Fluten zwischen schroffen Felsen.

Später wurde die Küste wieder einladender und es wimmelte geradezu von tollen Villen, die in luftigen Abständen in Strandnähe zwischen die Dünen gebaut waren. Die Häuser stadtauswärts wurden immer luxuriöser und waren sehr abwechslungsreich, viele aus Backstein und mit Reetdach, andere im edlen minimalistischen Stil, mit überdimensionalen Glasfronten und immer groß und teuer! Letztendlich landeten wir in José Ignacio, wo wir schon mal vor fast zwei Jahren eine Nacht am Leuchtturm verbracht hatten. Ganz so edel und exklusiv hatten wir den Ort gar nicht mehr in Erinnerung, doch zählt er wohl zu den teuersten in der Umgebung von Punta del Este. Wieder stellten wir uns vor den Leuchtturm, in der hauseigenen Küche gab es ausgezeichnetes Essen auf deutsche Art (Hackfleisch mit Pfeffersauce, Kartoffelbrei und Bohnengemüse), und unsere vollen Bäuche ließen uns schnell schlafen.

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter bis Punta del Diabolo, wo ich mich das letzte Mal im Sand festgefahren hatte. Diesmal konnten wir diese Unannehmlichkeit umgehen, wir parkten in Strandnähe und setzten uns zwischen die übergroßen Steine an den Strand. Das Wasser war hier bei Weitem nicht so kalt und die Sonne brannte vom Himmel, eine kühle Brise ließ uns die Sonne zwar nicht so spüren, doch der Mittagshitze mussten wir entfliehen. Erst mal gab’s ein erfrischendes Bier an einem Kiosk, dann waren wir in einer kleinen Pizzeria. Das schöne an diesem Ort war, dass das Publikum wieder sehr gemischt war und sich wieder vermehrt Rucksackreisende, bzw. Artesanías unters Urlaubsvolk mischten.

Als es uns am Nachmittag dann doch zu viel Sonne war, fuhren wir in ein kleines Waldstück um dort zu Duschen, denn auf den Camping wollten wir nicht, der war uns mit 3 km Entfernung zu weit von Ort und Strand entfernt und generell waren wir sehr unschlüssig, wann wir wohin fahren sollten. Sofort nach Florianopolis durchbrausen? Oder langsam die Küste entlang? Noch mal in den Nationalpark Santa Teresa? Wir hatten ja schon Sehnsucht nach Brasilien, aber so einfach alles ungesehen hinter uns lassen? Obwohl, das meiste kannten wir ja schon. Wir waren absolut unentschlossen…

Wir hatten ein geeignetes einsames Waldstück zum Duschen gefunden, blöderweise konnten wir nicht sehen, dass der Waldboden hier komplett sandig war und so fuhren wir uns doch noch mal ordentlich fest. Und da wir ja extra ein bisschen außerhalb gefahren sind, war so bald keine Hilfe zu erwarten. Aber wir saßen fest, selbst graben und Holzlatten unter die Reifen legen war vergeblich, als plötzlich ein Schwung Leute aus dem Nichts kamen. Einer von ihnen sprach sehr gut englisch, wusste genau was zu tun ist und innerhalb kürzester Zeit waren wir befreit. Zufälle gibt’s… Danke!

Die Dusche hatten wir nach Graben und Schwitzen erst recht nötig und wir entschieden uns dann für Brasilien, fuhren direkt weiter in den uru.-brasilianischen Grenzort Chuy/Chui. Und haben dabei tatsächlich die 70.000 km in Südamerika vollgemacht. Unglaublich, super Pauli! Und wer sich jetzt denkt, „70.000, was ist das schon?“, dem sei gesagt: fast ausschließlich auf Landstraßen und Sandpisten!

In Chuy haben wir unserem Pauli einen Ölwechsel gegönnt, diesmal gab’s endlich 15W40, ist zwar nicht ganz so hochwertig wie unser 10W40 bisher, aber damit sollten wir keine Beschaffungsprobleme mehr haben – und billiger ist´s auch! Außerdem haben wir uns einen neuen USB-Stick, einen Holztisch und eine Hängematte zugelegt. So langsam hatten wir die gestohlenen Dinge wieder zusammengekauft.

Im Nachbarort sind wir noch in einem Restaurant eingekehrt, direkt neben einer Spielhalle, denn Glücksspiel ist ja in Brasilien verboten, also pendeln alle hierher. Die Nacht haben wir direkt an der Grenze verbracht, um morgens zuerst mal die Formalitäten zu erledigen. Die Grenze war wie immer relativ schnell und unproblematisch passiert, dann ging’s noch mal ans Shopping, Pulli, Schuhe, CDs und gleich einen Player dazu!

Jetzt aber husch nach Brasilien, den Süden kannten wir noch gar nicht. Die Gegend war so ähnlich wie in Uruguay, ländlich, Rinder, Gauchos und Felder, ein paar Carpinchos und alles saftig grün und doch schien uns alles irgendwie so anders. Im nächsten Ort waren wir erst mal auf der Suche nach einem Geldautomaten, doch in keiner der drei großen Banken gab es einen Visa-Automaten – und so was ausgerechnet in Brasilien! In Chui hätte es einen Automaten gegeben, aber wir wollten natürlich nicht mehr zurückfahren, im nächsten Ort würden wir sicher fündig werden. Weit gefehlt, es gab zwar Automaten, mit unserer Karte haben wir wieder keinen Pfennig bekommen. Und so was passiert ausgerechnet Mathias, der sich um so was normalerweise immer frühzeitig kümmert. Half ja alles nichts, irgendwann würden wir schon einen passenden Automaten finden, wenn nicht wechseln wir hat ein paar uru. Pesos. Blöderweise kam uns eine Mautstation bevor, wir mussten jetzt Reales haben, oder wenigstens Dollar, nix anderes. Wäre ja nicht viel gewesen, aber wir hatten gerade noch drei Dollar, gebraucht hätten wir fünf. Die Mautdame sperrte sofort unsere Spur, der Lkw hinter uns musste umständlich zurückmanövrieren, wir sollten in den nächsten Ort zurück fahren, in ca. 50 km gab’s einen Geldautomaten, in 10 km mit viel Glück eine Wechselstube. Na, super!

Das konnte ich nicht fassen und so hielt ich entgegenkommende Autos an, ob jemand nach Uruguay unterwegs sei und mir ein paar uru. Pesos gegen Reales tauscht. Leider kam ein Angestellter zu mir, und meinte nachdrücklich das könnte ich so nicht machen, ich sollte bitte von den Spuren weggehen. Entnervt gab ich auf, wir fuhren die 10 km zurück, statt einer Wechselstube gab’s nur eine Tankstelle. Dort erklärte sich die nette Dame nach einigem Hin und Her dazu bereit, uns gegen Abbuchung von der Kreditkarte ein bisschen Bargeld zu geben. Zum Glück! Im der nächsten Stadt Pelotas mussten wir jetzt aber schleunigst zu einem Geldautomaten. Die gab es zwar, aber der 1. war defekt, der 2. hätte nur einen geringen Betrag ausgezahlt, der 3. war besetzt, der 4. ging nicht und der 5. hatte kein Visa. Mittlerweile kannten wir die halbe Stadt und letztendlich holten wir am 2. doch ein bisschen Kohle, und konnten endlich unsere hungrigen Mägen und den leeren Tank füllen. Der Tankstellenchef war sehr überrascht, was wir in diesem Ort so machen, pries uns sofort alle nahegelegenen Ausflugsziele an und bot uns an, an seiner Tankstelle zu übernachten. Nett sind sie ja, die Brasilianer… Wir entschlossen uns nach anstrengenden zwei Stunden dann doch aus der Stadt herauszufahren und übernachteten an einer großen Tankstelle, wo es warme Duschen, kaltes Bier und einen reichlich gefüllten Teller „prato feito“ gab.

So, da waren wir nun wieder im Land der Badeschlappen, der kurzen Jeansröckchen und knappen Hosen, im Land der Bikinis und nackten Oberkörper und des eiskalten Biers aus Eiskühlern – auch in klimatisierten Räumen. :-)

Und hier im Süden waren Blonde keine Seltenheit mehr, viele Leute sind früher oder später mal aus Deutschland, bzw. Ostpreußen oder Schlesien ausgewandert. Viele haben ein typisch russisches Aussehen – aber das hat man uns ja auch schon unterstellt. :o Somit ist der Süden um Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Parana die wirtschaftlichste Region Brasiliens und voll mit deutschem Kulturgut. Auch viele Italiener haben sich hier in den Bergen niedergelassen und einige Orte mit Steinhäusern bebaut und typisch südeuropäische Regionen geschaffen. Wir entschieden uns jedoch erst mal für die Küstenstraße BR 101. In Porto Alegre passierten wir eine der wohlhabendesten Städte Brasiliens, mit 1,5 Mio. Einwohnern verhältnismäßig klein, aber verglichen mit Montevideo zum Beispiel, mit viel größeren Müll- und Armutsproblemen. Brasilien ist halt in allem ein paar Stufen extremer als Uruguay.

Die Landschaft wurde immer hügeliger und supergrün, kein Wunder schließlich hingen die Wolken tief und schwer in den Bergen. Endlich sahen wir wieder zahlreiche Straßenverkäufer, die im Abstand von wenigen Metern alle die gleichen Sachen, v.a. Palmfrüchte verkauften. Wir machten einen Abstecher nach Praia da Luz und Praia da Rosa, beide Strände waren wirklich schön, aber auch total schnicksig und teuer. Also schön zum gucken, aber für uns nix zum Bleiben. :-) Und außerdem war es ja immer noch regnerisch, bereits dunkel, also fuhren wir weiter und übernachteten – wie so oft und gerne – an einer Tankstelle.

Morgens machten wir uns zeitig auf den Weg und landeten zum Kaffee am Praia Ferrugem. Es war zwar noch frisch, aber bereits sonnig, wir konnten mit dem Auto bis ans Wasser fahren, hinter uns war eine flache Lagune, um uns Dünen und ein mit Gras bewachsener Hügel, dort graste zufrieden ein Pferd, wir fühlten uns wohl, hier wollten wir erst mal bleiben. Das Wetter entschloss sich auch für strahlenden Sonnenschein und Hitze und bald saßen wir neben den anderen Badegästen in unseren Strandstühlen und genossen den brasilianischen Sommer. Wir tranken ein wenig Wein, holten uns an den spontan aufgebauten „Restaurants“ (= VW-Bus, Schirme, Stühle und Grill) ein paar Fleisch- und Wurstspieße, spielten in der angrenzenden Lagune Beach-Ball und schauten den Leuten um uns zu. Herrlich! Die Zeit verging wie im Fluge und so langsam machten wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz. In Garopaba gab es zwar einen größeren Camping, aber der Ort war uns zu touristisch und Geldautomatentechnisch hatten wir abermals wenig Erfolg. Also weiter, immerhin war die Strecke zum nächsten Ort bereits richtig hügelig und dschungelig, und wir kamen letztendlich wieder auf der Hauptroute der BR 101 raus, wo wir schließlich auf eine schöne Tankstelle mit heißen Duschen, großem Buffet (für 3 € all you can eat) und ordentlichem Schlafplatz trafen. Wer braucht da schon einen Camping? ;-)

Am nächsten Morgen kamen wir endlich auf der tollen Insel Florianopolis an. Nach einem Abstecher in die Touri-Info suchten wir uns durch diverse Computerläden, mit dem Ergebnis, dass uns wieder keiner helfen kann, weil besonderer europäischer Stecker, anderes Netzteil für 75 Euro, Stecker dranpfriemeln,… Nö nö, dann versuch ich’s halt noch mal in Argentinien…

Dann fuhren wir in unser heißgeliebtes Barra da Lagoa, wo wir ja bereits 2 phantastische Monate verbracht haben. Wir hatten diesmal vor dort zu Campen und fuhren zu dem Platz am Strand, ganz in der Nähe vom Ort. Von dort hätten wir locker nach Barra laufen können, nur leider war der Platz von der Feuerwehr und nicht zugänglich für die Öffentlichkeit. Ein „paar“ Meter weiter, auf dem Weg zum nächsten Ort Rio Vermelho gab es dann einen großen und erstaunlich günstigen Camping im Wald, der war jedoch etwa 10 Gehminuten vom Strand entfernt, und von dort konnte man Barra nur noch erahnen. Also eigentlich ein ganz schöner Platz, aber nur, wenn man ständig mit dem Auto überall hinfährt.

Also änderten wir kurzfristig unsere Pläne und suchten nach einem kleinen Appartement im Ort. Aber die schönen waren alle voll, oder wegen Faschingswoche (die uns eh nicht interessiert) teuer, aber trotzdem erstaunlich, wie viele relativ günstige Möglichkeiten es doch noch in der Hauptsaison und in erste Reihe zum Strand gab. Tja, die Zeiten werden nicht besser…

Nach ewigemrumfragen und der sechsten Besichtigung überlegten wir entnervt, was wir tun sollten. Aber eigentlich war klar, bevor wir in irgendeine überteuerte Gimmelbude gehen, wollten wir lieber auf den entfernten Camping und immer in die Stadt fahren, nach dem Wochenende wollten wir es dann noch mal versuchen. Zufällig bekamen wir noch die Info von einem weiteren Camping ganz in der Nähe, der lag super nahe am Ort, stellte sich dann aber auch wieder als privater Platz heraus. Und schlussendlich entdeckten wir den ortseigenen Camping, an dem wir schon zig mal vorbeigefahren sind, aber vorher nie entdeckten. Der war richtig schön grün, nicht zu voll und noch in erträglicher Entfernung zum Strand. Dort parkten wir toll unter Bäumen, die Hängematte hing gleich, lediglich die vielen Mücken nervten, aber da waren wir wohl auch verwöhnt.

Die ersten zwei Tag waren richtig schön, wir erkundeten die Gegend um die Lagune, und lernten die Nachbarn kennen. Doch dann kam der Regen…

Gegen Mittag fing es in Strömen an, und ich meine in Strömen! Wir haben uns einfach ins Auto verzogen, Musik gehört, UNO gespielt – mittlerweile mit verschärften Regeln – gefuttert und auf ein Ende des Regens gehofft. Aber das kam nicht! Es regnete den ganzen Tag ohne Unterlass. Niemanden hat man mehr auf dem Platz gesehen, wenn dann schlurften alle nur noch durch die hohen Pfützen, die Wiese stand unter Wasser – ebenso die Zelte. Gut, dass Mathias am morgen noch seine Unterhosen gewaschen hatte, die hingen in kürzester Zeit klatschnass über den weitläufigen Pfützen. :-) Aber was sollten wir uns beschweren, obwohl auch wir an manchen Ecken „undicht“ wurden, hatten wir es mit Sicherheit am trockensten von allen!

Brasilianer – und ebenso Argentinier und Uruguayaner – lieben es ja, über ihre Zelte noch großartige Planenkonstruktionen zu spannen. Gegen Wind, gegen Sonne und eben auch gegen Regen. Aber bei diesem Regen half nichts mehr, die Planen und mit ihnen die Zelte waren durchnässt, manche Leute übernachteten in ihren Autos, einige Zelter fuhren ab, andere stellten ihre Zelte notdürftig unter das Restaurantdach.

Der Regen fing mittwochs gegen Mittag an, wurde am Donnerstag noch stärker, ohne den Durchgeweichten eine Pause zu gönnen, und dauerte bis Freitag Morgen! Sobald es aufhörte krochen alle aus ihren Löchern, Schlafsäcke, Kleider, ach, einfach alles wurde zum Trocknen aufgehängt, um kurz darauf wieder von erneuten Schauern durchgeweicht zu werden. Aber ein Ende war absehbar, am Himmel lugten endlich immer öfter blaue Flecken durch die Wolkendecke. Aber einfach unglaublich, was es in den letzten 48 Stunden geregnet hat: 400 mm! Um sich das mal bildlich vorzustellen – das entspricht 4 Metern Neuschnee, und das in zwei Tagen!

So hatten wir uns das eigentlich auch nicht vorgestellt, wir dachten eher an Brasilien mit Strand und Sonnenschein, Caipis im Liegestuhl, stattdessen war bei uns der UNO-Wahn ausgebrochen. Aber immerhin wurde es uns nicht langweilig, und solche sintflutartigen Regenfälle sind die absolute Ausnahme, so viel hatte es in den letzten 15 Jahren nicht geregnet. Leid tat uns das auch für die zahlreichen Artesanías, die eigentlich in diesen Tagen noch ihr großes Geschäft machen wollten, aber stattdessen auf dem Camping gefangen waren oder in der Hoffnung auf einen trockenen Platz weiterreisten.

Doch endlich wieder Strand angesagt, aber Barra da Lagoa ist in der Hauptsaison einfach nicht das gleiche. Erstens war der Weg zum Strand doch wesentlich weiter als gedacht! Zweitens sind volle Strände ja kein Problem, das ist ja ganz normal und gehört zu Brasilien einfach dazu. Aber das Publikum hat sich ziemlich verändert, ständig sind uns Männergruppen entgegengekommen (und ich rede nicht von typischen grölenden Ballermannfahrern oder durchtrainierten Surfern, sondern eher von denen in den knappen weißen Badehosen und mit gezupften Augenbrauen!). Oder aber es war voll von Israelis, was mich nicht weiter stören würde (obwohl sie wohl generell nicht den besten Ruf haben), wenn nicht schon die Computer teilweise auf hebräisch umgestellt gewesen wären! Und dann noch reiche Brasilianer im Urlaub, die sind wirklich soooo anstrengend, egoistisch, rücksichtslos und selbstverliebt!

Noch dazu gab es diesmal keine Wellen!? Also nix mit Surfen den ganzen Tag. (Oder bei uns alle paar Tage ;-) ) Da blieb uns nur selbst schwimmen oder den zahlreichen Kitesurfer zuzuschauen, die die heftigen Winde nutzten. Und außerdem war die Atmosphäre von vor 1 ¼ Jahren einfach weg! Damals war alles viel persönlicher, jeder kannte jeden, die Strände wurden nur am Wochenende mäßig voll, sonst herrschte eine sehr chillige Atmosphäre. Jetzt war alles nur aufs Geschäft und auf Kohle scheffeln ausgerichtet, was natürlich auch verständlich ist, weil die Leute ja sonst das restliche Jahr nicht chillig drauf sein können!

Nur das Obst und Gemüse, das schmeckt wie damals immer noch nach nix! :-)

Wir genossen trotzdem die Tage am Strand, nahmen unsere Stühlchen mit, spielten Beach-Ball und schauten dem Treiben zu, den schreienden Bierverkäufern, den Käsespießchenverkäufern, die ihre glühenden Grills schwingend vor sich hertragen, den Volleyball spielenden Männern, den ölig eingeschmierten Damen beim Masseur, den Gitarre spielenden Teenies, den Girls deren Bikinis kaum größer als ihre Sonnenbrillen waren, den spielenden Kindern, den biertrinkenden Papis, den wegfliegenden Sonnenschirmen (das war unserer), dem Fußballturnieren… Und natürlich die Strandbars, die sich wie Perlen aneinander reihen, davor unzählige Sonnenschirme, Tische, Stühle, Bierkühler, Liegen und bunte Handtücher, kaum sieht man noch den Sand durch. Strand in Brasilien wird einfach niemals langweilig! Und selbst wenn es so ganz anders war, als wir es erwartet hatten, das Treiben in der Hochsaison muss man auch mal mitgemacht haben. Und irgendwann kommen wir mal wieder in der Nebensaison, dann finden wir auch bestimmt „unser“ Barra wieder vor…

Nach ein paar Tagen wollten wir dann umziehen, denn wir wollten mal unter dem Campingaspekt andere Strände der Insel ansehen. Aber außer Touristen, anderen mückenverseuchten Campings und überteuerten Orten haben wir nicht viel gesehen, also fiel unsere Wahl letztenendes doch wieder auf Barra da Lagoa. Und da jetzt auch Karneval fast vorbei war, wollten wir es dann doch noch mal mit einem Appartement in Strandnähe versuchen. Aber dort war entweder noch alles belegt und bei den anderen war noch keiner wirklich bereit mit dem Preisen runter zu gehen – die hofften wohl noch auf den großen Ansturm nach Karneval ;-) , oder aber uns blieben kleine Buden mit Flohgarantiematratzen! Igitt! Wozu sollen wir uns denn in ein Bett legen, bei dem ich noch nicht mal weiß, wann die Bettwäsche zuletzt gewechselt wurde, mit Blick in einen Hinterhof oder auf die Straße, wenn ich auch in meinem eigenen Bett schlafen kann, auf eine Wiese trete, wenn ich aufstehe und dafür nur ein fünftel bezahle?? Daheim ist es halt doch am schönsten, also fuhren wir noch am selben Tag zurück auf unseren Camping Fortaleza da Barra. Nur wollten wir uns in Zukunft den 25 minütigen Fußweg zum Strand sparen und doch mit dem Auto fahren. Oder aber mit unserer Luftmatratze den Fluss entlang ins Meer treiben. War toll, alle haben große Augen gemacht, als wir da entlang schipperten, unterwegs gab’s ein Bier in einer Flusskneipe, den Weg zurück liefen wir mit Luftmatratze statt Surfbrett unterm Arm – saucool! Aber das haben wir auch nur einmal gemacht, dann wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass im Fluss und gerade bei dem Hochwasser bestimmt nicht nur Fische schwimmen, sondern auch allerlei Abwasserkram… Uäh!

Fasching verbrachten wir recht ruhig und damit sehr brasilienuntypisch. Wir sind auch nur einmal mit Karneval in Kontakt gekommen – und das unfreiwillig. Denn den einzigen, den wir noch in Barra kannten, war ein durchgeknallter und undurchschaubarer, aber doch ganz netter Italiener, von uns auch liebevoll „Jack the Ripley“ genannt. Mit ihm haben wir uns dann mal am Strand getroffen und für abends verabredet. Nur dass genau an diesem Abend der dürftige und öde Rosenmontagsumzug stattfand, dafür so ziemlich alle Straßen gesperrt waren und ansonsten die Stadt relativ voll war. Wir schummelten uns an der brasilianischen Polizei vorbei, kamen trotzdem kaum voran und viel zu spät zu Treffpunkt, „Jack“ war schon wieder weg, die Stimmung nicht gerade das, was man sich unter Karneval in Brasilien vorstellt, und wir waren kurz danach wieder auf unserem Camping. Toller Ausflug und Helau! :-)

Um so besser war es dann auf unserem Camping, dort lernten wir ein paar Jungs kennen, süße 18-20 Jahre und ausgerechnet Porteños, also Argentinier aus Buenos Aires. Mit ihnen verbrachten wir dann hauptsächlich unsere Abende dort, ab und zu gesellten sich noch ein paar Brasilianer dazu, mal ein paar Französinnen und noch mehr Argentinier, und wir waren froh, mal wieder englisch sprechen zu können. Wobei uns das portugiesisch schon wieder so fremd und anstrengend war, dass wir uns sogar über Unterhaltungen auf Spanisch freuten.

Die Jungs waren wirklich klasse, aber eben noch jung, solo und belastbar und wollten daher dann nachts immer noch weggehen. Wir haben uns dann unter heftigem Protest trotzdem ins Bett gelegt, sie sind dann noch mal auf die Rolle – aber meistens nicht sehr weit gekommen, entweder war nix los, oder sie hatten schon zu gut vorgetankt, dass der Weg ins Zentrum dann doch zu weit und beschwerlich wurde. :-)

Von Guido, einem der Jungs, haben wir dann sogar die Eltern und ein paar Verwandte kennen gelernt. Die waren nämlich zufälligerweise auch gerade auf Florianopolis, sehr nett und zum Glück der Jungs da, denn das Geld wurde denkbar knapp. Daher hatten sie sich eigentlich überlegt, ein paar Mark mit dem Verkauf von „Tortas fritas“ zu verdienen (typisch uruguayanische frittierte Teigflade mit Zucker). Aber über den Probelauf, den wir uns alle haben schmecken lassen, sind sie dann nicht hinausgekommen, denn Papi war schneller. :-) Mit ihnen werden wir uns noch mal in unserer letzten Woche in Buenos Aires treffen, dann werden wir mal Papis Asado probieren….

Nach zehn Tagen war es uns dann genug auf der Insel und wir fuhren wieder südwärts. Wir hatte noch den Tip vom Ort, bzw. Strand Guarda do Embaú bekommen, wo zwischen Strand und Ort erst mal eine Lagune per Boot zu überqueren ist. Eigentlich sehr schön dort, ziemlich voll und Campings gab es auch ein paar. Aber die waren entweder nur für Zelte oder weit außerhalb. Wir entschieden uns dann für die Nachbarbucht von Pinheira, dort ging es wesentlich gediegener zu und man hatte einen endlosen Blick über die weitläufige Sichelbucht, dahinter stiegen schon die Berge auf, oft bis zur Mittagszeit noch wolkenverhangen.Im Wasser lagen ein paar Motorboote, am Strand fanden täglich private Beachvolleyballturniere statt. Der durch ein paar Felsen und Kakteen abgetrennte Nachbarstrand war wesentlich voller, dafür überraschten uns dort gewaltige Wellen, die uns ordentlich durch die Waschmaschine schleuderten. Nicht ganz ungefährlich, aber mit hohem Spaßfaktor. An den Klippen versuchten sich die geübten Surfer, manchmal spektakulär nahe an den Felsen.

Und ganz in der Nähe war ein schöner Campingplatz, der in einem niedrig und verwunschen anmutenden „Märchenwald“ lag. Dort gab man uns noch den Tipp, zu einer versteckt gelegenen Bäckerei zu gehen. Na dann mal los, erst ging’s eine Straße bergauf, dann ein enges Gässchen entlang, bis wir vor dem Bäckershaus in einem Hof landeten. Dort saßen zwei Mädels und formten schon die ersten Gebäckstücke, drinnen stand man direkt in der Backstube. Die Bäcker bereiteten direkt vor unserer Nase Pizza für den Abend vor, nebenan waren die Regale voll mit Backwaren, und es gab viel, nur kein Weißbrot. Wir entschieden uns für ein paar Käsecroissants und ein Brot, alles mit Körnern, ohne Zusatzstoffe und super lecker!

Am nächsten Tag fuhren wir weiter, wobei wir diesmal nicht die Hauptroute entlang fahren wollten, sondern ein bisschen abseits kleinere Wege nehmen wollten. Um uns herum war es saftig grün, wir passierten größere und kleinere Wasserfälle und es regnete ein wenig. Wir mussten zig mal nach dem Weg nach Rio Futuro fragen, da die Straßen sich plötzlich teilten und weit und breit kein Wegweiser zu sehen war. Aber die Leute sind ja hilfsbereit und hielten sogar von sich aus an, um uns zwei ratlosen Fremden weiterzuhelfen. Leider mussten wir unseren Pläne in die Berge zu fahren abbrechen, da die Wege vom Regen zu aufgeweicht waren und wir nicht wussten, wie weit wir kommen würden. Aber trotzdem war es ein schöner Abstecher durch die idyllisch ländliche Gegend, wir sahen natürlich viele Kühe, Felder, Palmen und Dschungel. Ein paar Orte waren deutsch angehaucht, wobei außer dem „Willkommen“-Schild am Eingang und ein ordentliches Stadtbild nicht viel mehr darauf hinwies. Also fuhren wir wieder auf die BR 101. Leider hat diese Route den Beinamen Todesstraße, und das nicht zu Unrecht. Die Straßen sind aber auch einfach zu schlecht, überall tun sich große Löcher im Straßenbelag auf, oft nicht ungefährlich. Die Straße ist gerade im Ausbau, aber irgendwie bauen de Brasilianer an 300 verschiedenen Stellen, statt sich Stück für Stück vorzuarbeiten. Bis da mal was fertig wird, wird es noch zahlreiche Unfallopfer geben. Und nicht nur die schlechten Straßen sind schuld, links und rechts der Route liegen Wohnhäuser, und die Leute müssen zu Fuß diese vielbefahrene Straße überqueren – dass dabei auch viel passiert ist nicht ungewöhnlich. Und da die BR nur einspurig ist, kommen die Überholunfälle auch noch hinzu! Binnen 100km sahen wir zwei Unfälle, einen davon mit zwei Toten, und das sollten nicht die letzten leblosen Körper sein, die wir dort auf der Straße sehen würden. :-(

Dafür wurde ein neues Gesetz eingeführt, das den Verkauf von alkoholischen Getränken an allen staatlichen Straßen verbietet. Da allerdings dieses Gesetz nur für einen Abstand von diesen Straßen von 80 m gilt, kann man ich eine Straße weiter wieder damit versorgen. Vielleicht wären Alkoholtest sinnvoller, aber man tut halt, was man kann. ;-)

Wir versuchten nochmals einen Abstecher in die Berge, aber wieder regnete es zu sehr, und bevor wir auf schlechten Erdstraßen festhängen würden, ließen wir es wieder sein. Obwohl wir dadurch die Strecke der Hinfahrt nochmals fahren mussten, was vor allem Mathias sehr ungern macht. Wir hatten mittlerweile die 72.000 km voll und waren schon fast wieder in Uruguay, da hing unsere Kupplung so komisch. In Bagé, der letzten Stadt vor der Grenze, fuhren wir dann in eine Werkstatt. Nach der Mittagspause kamen wir auch gleich dran, die Situation mit der Kupplung hatte sich bereits so verschlechtert, dass wir das Auto reinschieben mussten. Aber in Brasilien sind sie gut ausgerüstet und innerhalb einer Stunde war der neue Kupplungszylinder drin, wir um 60 € erleichtert und Pauli wieder fahrbereit.

Wir fuhren an die 60km entfernte uruguayanische Grenze, um dort zu erfahren, dass wir den Ausreisestempel nur in Bagé bekommen! Super, das hätte man ja mal irgendwo unterwegs anmerken können. Im Reiseführer steht’s noch anders. Also fuhren wir wieder zurück, haben uns dem Stempel geholt und dabei einen jungen Polizisten kennen gelernt, der während der WM in Deutschland im Einsatz war. Interessant, die WM aus seiner Seite zu hören.

Und wieder ging’s Richtung Grenze, immerhin hatte das ganze noch sein Gutes, zumindest für einen Wandersmann. Den hatten wir nämlich schon das dritte Mal heute gesehen und da er schon seit Stunden lief, und lief, und lief,… (eigentlich schon seit 2 Monaten!) nahmen wir ihn bis zur Grenze mit. Aber jetzt endlich rüber nach Uruguay, Stempel in den Pass, nur an der Aduana (Zoll) war niemand. Der Passstempler meinte, wir sollen halt weiterfahren, es könnte ja keiner von uns erwarten, dass wir hier nachts ewig warten und das ginge schon klar. Also in Uruguay sind sie wirklich entspannt, also reisten wir halt ohne Zollzettel wieder mal im schönen Uruguay ein.

Etwas außerhalb der Stadt suchten wir uns einen Schlafplatz, doch waren wir wohl dem einzigen Haus in der Nähe nicht sonderlich geheuer, daher kamen wir noch in den nächtlichen Genuss einer netten Polizeikontrolle. Und gleich am nächsten Morgen ging es weiter, diesmal kam zwar keine Polizei, aber ein Mopedfahrer, als wir vor einem scheinbar wenig besuchten Grundstück einen Kaffee tranken. Tja, die Urus passen halt gegenseitig auf sich auf, außerdem sind sie auch ein wenig neugierig und freuen sich wohl auch immer auf einen kleinen Plausch mit Fremden.

Wir fuhren dann weiter die – wie immer in Uruguay – leeren Straßen entlang, bis wir in Tacuarembó landeten. Dort gab es ein paar Kilometer entfernt das Balneario Ipora, bestehend aus einen Waldcampingplatz, direkt neben einem Badesee mit Liegewiese, sogar ein Pool und Imbiss. Außerdem gab es ein Freiluftrestaurant und einen Minimarkt. Das war ideal für uns, im kühlen Wald konnten wir es bei diesen Temperaturen gut aushalten, es gab Strom, alle paar Meter gab es Grillstellen, die Hängematten hingen auch schnell zwischen den hohen Tannen, nur die sanitären Anlagen, da wäre man in Deutschland sicher lieber weitergefahren… Aber wir waren ja schon abgehärtet (wer braucht schon eine Duschwand?), immerhin war das Wasser warm und dafür bezahlten wir gerade mal 0,70€ pro Nacht und am Badesse ließ sich der Sommer super genießen. Wir hatten nette Nachbarn, wenn sie auch ihre Katzen mit in den Urlaub nahmen und diese dann an den Bäumen angekettet hielten.:-(

Wir deckten uns mit Fleisch, Gemüse, Getränken und Eiswürfeln ein, kauften Leña (Grillholz) und grillten nach typischer Art leckerstes Fleisch. Wir badeten, tranken, kauften Wassermelonen von Verkäufen mit Pferdekarren und lümmelten so vor uns hin. Im Radio wurden wir mal wieder mit deutschem Liedgut à la Falco, Modern Talking oder Da da da… verwöhnt.

Um den See ließen sich herrliche Spaziergänge machen, überall am Ufer standen Fahrräder, Mopeds, Lkw oder kleine Autos, denn auch die Uruguayaner lassen sich gerne den Sommer gefallen. Und es gab auch einen kleinen Hügel, von dem aus man eine tolle Aussicht auf das Geschehen am Strandbad und auf die dahinterliegenden Seen und Weiten hatte, nur die Hitze ließ unsere Ausflüge eher kurz ausfallen. Wieder mal hatten wir ein sehr idyllisches Plätzchen gefunden, wo wir es gut aushielten und uns gedanklich schon auf die baldige Ankunft von B+B freuten. Bald würde Mathias bester Freund mit seiner Freundin zu Besuch kommen und wir planten schon, wo wir mit ihnen Urlaub machen könnten. Da bot sich das bevorstehende große Gaucho-Festival hervorragend an.

Ab und zu sind wir dann auch mal in die Stadt gefahren, Vorräte mussten aufgefüllt werden, auch Internet muss sein, ist schnell und für 40 Cent auch super günstig. Zumindest für uns, generell ist das Leben für Einheimische nicht so billig. Die Waren sind alle mit 22 % besteuert, Autoversicherungen sind teurer als in Deutschland und lassen sich kaum bezahlen, Sprit kostet 1 €, Bier kostet genauso viel – auch im Supermarkt. Der Mindestlohn liegt bei 150 US$. Trotzdem wird verhältnismäßig viel geraucht. Und natürlich Mate getrunken, wobei man hier im Norden die Becher und Thermoskannen seltener zu Gesicht bekommt. Was man sonst so zu Gesicht bekommt sind schöne Menschen, vor allem die Jungs gefallen mir sehr gut und sind nicht eingebildet. Deshalb gefallen sie mir wahrscheinlich so gut. :-) Die Mädels sind auch sehr hübsch, jedoch auf eine eher unaufregende Art (vor Allem im Vergleich zu sexy Brasilianerinnen). Sehr viele junge Leute haben Tattoos, noch viel mehr junge Mädels sind schon im zarten Alter von 12 oder 13 Jahren schwanger… Normal!

Die Leute sind wie überall extrem freundlich, ständig grinsten uns Zahnspangen entgegen und wir wurden herzlich willkommen geheißen. Aber auch hier gibt es offensichtlich Armut und Leute die hungern, es gibt bettelnde Kinder oder der Melonenverkäufer zeltet in primitivster Weise tagelang neben ihren Waren. Wir würden diese Zeichen nie mehr verkennen, wir hatten aus unserer Erfahrung gelernt…

Am Samstag gab’s dann ganz großes Kino. Wir lagen gerade nichtsahnend vor unserem Bußchen, als sich gegenüber ein paar Jugendliche einfanden. In Windeseile war eine Stereoanlage aufgebaut, der Grill loderte und die Leute tranken für hiesige Verhältnisse ungewöhnlich viel Alkohol. Offensichtlich hatten sie schon reichlich vorgetankt, da sie sofort das Tanzen anfingen und sich gegenseitig stark anmachten. Bzw. hauptsächlich eines der Mädels, dass in untypisch kurzem Rock mit den „Backen“ wackelte, abwechselnd die Jungs antanzte und bei der wir uns lange nicht sicher waren, ob sie das ganze freiwillig machte, oder ob sie dafür ihr Taschengeld aufbesserte. Auf jeden Fall ging es gegenüber heiß her, wir hatten Plätze in erster Reihe und auch alle anderen Besucher wurden schnell auf die Gruppe aufmerksam. So was lautes und wildes gibt es nicht oft in Uruguay… :D Irgendwann wurde es uns dann doch zu langweilig, obwohl sie mittlerweile schon ein Zelt aufgebaut hatten, doch wir gingen ins Bett und morgens war schon zeitig die ganze Sache aufgelöst und abgebaut…?

Nach sechs Tagen fuhren wir dann ganze 30km weiter ins Tal mit dem paradiesischen Namen „Valle Edén“. Auch hier gab’s am Fluss einen Campingplatz, wir stellten uns auf die große Wiese so weit es ging unter die schattenspendenden Bäume des Märchenwaldes. Ein paar wenige andere Zelter fanden den Weg zu diesem traumhaften Fleckchen Erde, wir badeten im flachen Fluss und mit einem jungen Pärchen verbrachten wir den Abend und erfuhren von vielen weiteren besuchenswerten Orten in Uruguay – und wir dachten, wir hätten bereits alles gesehen.

Gegenüber des Campings gab es einen kleinen Lebensmittelladen. Neben dem Haus suhlten sich die fetten Schweine, auf dem Gelände dahinter grasten Kühe und Pferde, immer wieder ritten Gauchos vorbei, im Hof lagen die Hunde im Schatten, vereinzelte Gäste saßen zum Plausch am Tisch. Eine süße alte Omi führte den Laden, in dem es nicht viel gab, aber irgendwie doch mehr als wir dachten. Und wahrscheinlich sind wir nur wegen ihr so oft rüber gegangen, um noch ein Bier zu holen, und noch eins,… ;-)

Über den Fluss führte eine kleine Hängebrücke Richtung Tal, wir passierten alte Bahngleise, eine Polizeistelle (selbst die war idyllisch und natürlich mit Grill im Hof) und nach einem kleinen Marsch hatten wir einen hübsch restaurierten Hof erreicht. Die Steinhäuser wurden mittlerweile zu Souvenirladen und Museum umfunktioniert, wo man das Leben der Tangolegende Carlos Gardel nachvollziehen konnte. Dahinter lag der alte Bahnhof, zwei stillgelegte rostige Züge standen auf den Gleisen, im Garten standen rosa blühende hohe Kakteen.

Eigentlich wollten wir ein bisschen wandern, aber die senge Sonne vereitelte unseren Plan, also liefen wir wieder zum Camping, badeten, futterten und amüsierten uns über die aufdringlichen Hühner, die uns ständig auf den Tisch flatterten. Aber die vielgepriesenen „ollas“ (= Töpfe!?) wollten wir uns dann doch noch ansehen, also wanderten wir wieder mal mit dem Auto zu dieser Attraktion. Wir fuhren fast vorbei, aber dann erkannten wir doch noch am Fluss die vom Wasser ausgewaschenen Felsen, die rund wie Töpfe waren. Aha!

Aber so ist das nun mal in Uruguay, das ganze Land ist touristisch sehr gut erschlossen, es gibt überall viele Infobroschüren und Hinweise, und jede noch so kleine Besonderheit, wird dann angepriesen. Nur die spektakulären Attraktivitäten fehlen dann halt manchmal. Nichts desto trotz war es ein netter Ausflug und wir waren froh, nicht die 12 km in der Hitze dorthin gelaufen zu sein.

Jetzt blieb uns noch eine Woche, bis wir unseren letzten Besuch in Buenos Aires abholen wollten. Also fuhren wir schon mal langsam in Richtung argentinische Grenze. Wir landeten mal wieder in Thermen, diesmal in Guavichú. Hier waren wir ja schon mal im Winter, damals fanden wir die heißen Becken toll zum aufwärmen, gerade da es nachts ja unglaublich kalt und feucht wurde. Nur diesmal war nichts kalt, nicht mal eines der Becken bot Erfrischung, wir brüteten bei 32° im Halbschatten vor uns hin und gingen zum Abkühlen unter die kalte Dusche. Aber die Becken waren alle warm!

Daher fuhren wir auch gleich am nächsten Tag weiter, nach einem Internet- und Einkaufsabstecher in Uruguays zweitgrößter Stadt Salto (ca. 100.000 EW!) fuhren wir weiter zu den Thermen von Dayman. Es war noch heißer und schwül dazu, immerhin gab es ein bisschen mehr Schatten hier und ein bisschen kaltes Wasser. Wenn auch nicht zum Duschen, das war immer heiß!

Wir waren die Attraktion am Platz, alle anderen Gäste beäugten uns lange, um am Abend endlich die Fragen loszuwerden, die ihnen schon den ganzen Tag auf den Lippen brannten. Woher, wohin, wie lange, warum,…? Doch kurz darauf kam wieder einer dieser Overlander an, diese großen Reisegruppen, die in einem Lkw monatelang gemeinsam durch Südamerika eiern. Wir wurden auch gleich aufgefordert, uns zu ihnen zu gesellen, aber uns war gerade nicht nach trinkenden Engländern und Australiern… Immerhin waren die jetzt die Sensation, keiner mehr am Camping interessierte sich für uns, jetzt wurde gemeinsam mit uns über die sonderbare Gruppe gemutmaßt. :-)

Trotz der Hitze verweilten wir ein paar Tage dort, wobei es sich am Besten im kühleren Flusswasser aushalten ließ. Also ging’s vom Camping zum Fluss, abends mal Essen, nachts in die Therme, viel mehr haben wir nicht machen können. Und so schön so ein richtig heißer und langer Sommer ja ist, wenn man nicht ab und an richtigen Vollschatten hat, ist es kaum auszuhalten.

Jetzt blieben uns noch drei Tage bis B+Bs Ankunft, und da wir schon in der Nähe waren, wollten wir Federico in Concordia besuchen. Die Grenze war wieder rasch passiert und schon waren wir wieder in Argentinien. Wir haben Federico zwei Jahre vorher kennen gelernt, als wir eigentlich nur einen Ölfilter gekauft hatten und letztendlich bei ihm und seiner Familie zum Grillen und Wasserskifahren gelandet sind. Und da er so ein richtig geiler Chaot ist, wollten wir ihn unbedingt wiedersehen. Leider musste er sehr viel arbeiten und er und seine Familie hatten schon Pläne für abends. Aber wir holten ihn im Laden ab, bekamen den Wohnungsschlüssel (aber haben natürlich im Hof übernachtet) und wenigstens noch gemeinsam einen ausgiebigen Kaffeemorgen verbracht. Und obwohl er sich sehr über unseren Besuch freute, fuhren wir bald wieder ab, um seinen straffen Terminkalender nicht mehr zu strapazieren.

Der weitere Tag war nicht besonders aufregend, nach vielen Stunden Internet und Landstraße suchten wir einen Schlafplatz. Wir landeten letztendlich an einer Tankstelle, dort gab es zwar kein Bier, dafür heiße und ordentliche Duschen und lecker Essen. Am nächsten Tag fuhren wir nach Buenos Aires, wo wir wieder mal bei unseren Freunden Silvia und Willi einkehrten. Die beiden hatten uns ja schon in unseren ersten Tagen Argentinien – und auch dazwischen jedes Mal wieder – so herzlich aufgenommen. Und auch diesmal verbrachten wir einen lustigen Abend. Irgendwie war es bei ihnen immer so wie nach Hause zu kommen. :-)

Die Nacht war leider unangenehm heiß und wir wurden ordentlich verstochen, so waren wir froh, als sie endlich rum war. Als wir jedoch morgens mit der Tochter Florencia in der Küche saßen, wurde uns das Ausmaß des momentanen Hochwassers in vielen Stadtteilen von Buenos Aires bewusst. Wir hofften nur, dass wir nicht durch einen dieser Vororte fahren mussten, in denen Autos durch die Straßen trieben, Keller überflutet waren und die Leute durch hüfthohes Wasser warteten…

Aber wir hatten Glück und konnten problemlos überall hin und unsere Sachen erledigen. Dazu gehörte es, Ovis Anzug abzuholen, den er vor Monaten in Auftrag gegeben hatte und dann wegen Flugtagverpeilung nicht mehr abholen konnte. :-) Und dann war da ja immer noch mein Ladekabel, dass ich aber auch hier nicht bekommen sollte! :-( Aber jetzt reichte es mir, das war schon das dritte südamerikanische Land, in dem ich das Kabel nicht bekommen konnte. Wenn’s nicht geht, dann geht’s nicht, ich hatte ja noch Katjas „Oma“. Außerdem klärten wir die Fähre nach Uruguay ab, schließlich wollten wir ja die nächsten Tage wieder dort verbringen.

Am Nachmittag fuhren wir dann Richtung Flughafen, die Strecke kannten wir ja schon gut genug, das war schon das 5. Mal. Unterwegs hielten wir am Grünstreifen, um wie einige andere Autofahrer auch eine Vesperpause einzulegen. Aber keiner außer uns hatte seinen Gaskocher dabei! :-) Nach einer kleinen Siesta fuhren wir dann endlich an den Flughafen, und endlich kamen Berni und Britta an.

Die Freude war natürlich groß und eigentlich wollten wir gleich losdüsen. Da war nur noch eine kleine Sache: Wir wussten gar nicht so genau wohin! Denn eigentlich wollten wir ja gemeinsam nach Uruguay, aber die aktuelle Wetterlage vereitelte unseren Plan. Und als Alternative hätte die Atlantikküste auf dem Plan gestanden. Dort regnete es auch! So standen wir etwas ratlos am Flughafen und überlegten, wohin wir denn nun fahren sollten…

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