07. Ushuaia – Torres del Paine

7. Reisebericht: “Am Ende der Welt”

Ushuaia – N.P. Tierra del Fuego – Tolhuin – Rio Grande – Punta Arenas – N.P. Torres del Paine

Endlich, nach schon ueber 5.000 gefahrenen Kilometern sind wir am “Ende der Welt” in Ushuaia angekommen und wir konnten schon von weitem die schneebedeckten Berggipfel sehen. Sofern die Regenwolken einen Blick darauf zuliessen. Unser erster Gang war wieder mal die Touri-Info um sich ein bisschen zu orientieren, danach gings auch wieder mal ins Internetcafé um unsere Seite auf den neuesten Stand zu bringen. Da erwartete uns erst mal ein riesen Schreck, denn der Computer konnte meine Bilder von der gebrannten CD nicht oeffnen. Wir haben es an drei verschiedenen Maschinen probiert und nirgends ging es! Ich dachte schon meine Bilder sind unwiederruflich verloren. Aber dann haben wir es nocmal in einem anderen Café versucht und siehe da, da waren sie alle wieder. Puh, da hab ich ganz schoen geschwitzt. Sind ja auf jeder CD schon ein paar hundert Bilder drauf und wenn die dann weg sind… Moecht ich gar nicht weiter drueber nachdenken. Wir haben dann erst mal unsere Waesche weggebracht und uns den Ort ein bisschen angeschaut, was allerdings etwas frustrierend war, denn es regnete dauernd und es war saukalt. Ich habe mir eigentlich meine Skijacke fuer den hiesigen Winter (also Juli) mitgenommen, jetzt ist’s hier Sommer und sie ist mein wichtigstes Kleidungsstueck. Schon etwas frustrierend, aber wir wussten ja, dass es hier “etwas” kaelter ist.
Wenigsten sind die Zigaretten hier noch billiger als im restlichen Land, die sind auch zollfrei und kosten 70 cent das Paeckchen. Da macht rauchen noch mehr Spass.

Dann haben wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Campingplatz gemacht. Am ersten haben wir Alexandra und Heiko aus Rio Grande wiedergetroffen. Aber dort war es nur maessig warm und gemuetlich und die beiden haben uns verraten, dass die Duschen auch nur lauwarm seien. Und wenn schon etwas hier warm sein sollte, dann wenigstens die Duschen. Also haben wir nach einem kleinen Plausch mit den beiden die Suche fortgesetzt und wollten zum “Rio Pipo”-Zeltplatz, der uns schon vorher empfohlen wurde. Aber in dieser Sache heben wir uns wirklich etwas blond angestellt, denn obwohl wir vorher schon ein Hinweisschild gesehen haben, konnten wir auch nach fuenf!-maligem Strecke abfahren (und jedes Mal an der Polizei vorbei, ich wundere mich, dass sie uns nicht angehalten hat!) den Platz oder wenigstens das Schild nicht mehr entdecken. Nach etwa einer dreiviertel Stunde haben wir dann doch das Schild und nach Einbruch der Dunkelheit auch endlich den Campingplatz gefunden. Endlich. Dort haben wir uns erst mal in den sehr gemuetlichen geheizten Gemeinschaftsraum begeben, dort auch wieder Leute aus Rio Grande wiedergetroffen, und die Kueche in Beschlag genommen, um endlich unsere hungrigen Baeuche zu fuellen. Noch ein Flaeschchen Wein dazu uns ab in den wenigstens ein bisschen warmen Schlafsack. Und wieder haben wir Kerzen zum heizen angezuendet, allerdings eignen sich dazu die argentinischen nicht besonders, denn am naechsten Morgen erschrickt man beim Naseputzen ueber das schwarze Zeug in der Nase. (Sorry fuer Details!) Auf diesem Campingplatz haben wir auch zum ersten mal einen dieser Rotelbusse gesehen. Das sind grosse Busse, in denen die Leute (ich weiss nicht wie viele und wie) drin reisen und auch schlafen. Horror.
Am naechsten Morgen gab es eine wirklich heisse Dusche und wir wollten gar nicht mehr aus dem schoenen warmen Wasser raus. Ich habe mich an diesem Morgen auch zum ersten Mal seit wir unterwegs sind gefoent! Wir tragen eh schon beide einen Dauerschnupfen mit uns herum, es muss ja nicht noch schlimmer werden.

Gut gewaermt sind wir zum beruehmten Nationalpark “Tierra del Fuego” aufgebrochen. Der Eintritt kostete 20 Pesos/Person, vor einem Jahr noch 10 Pesos. Die haben hier ganz schoen aufgeschlagen (aber nur bei den Preisen fuer Touris, Einheimische zahlen eh weniger). Aber das lohnt sich auch auf jeden Fall, man kann sich auch drei Tage mit diesem Ticket im Park aufhalten und es gibt viele freie Campingmoeglichkeiten. Man muss sich halt nur in Ushuaia ausreichend verpflegen, denn im Park gibts nix.
Der Park ist wunderschoen. Man faehrt durch endlich mal gruene Waelder (was haben wir uns nach etwas gruenem und vor allem mal wieder nach Wald gesehnt), Wiesen und schneebedeckte Berge. Die Baeche und Seen sind in einem schwer beschreibbarem gruen-milchigen Ton, dem Schmelzwasser der Gletscher. Man sagt dazu auch Gletschermilch (habe ich neu gelernt!). Ueberall huepfen Haeschen mit ihren suessen kleinen weissen Puschelschwaenzchen vor einem herum. Zu suess. Aber leider hatte sich das Wetter noch nicht gebessert, nur ab und zu hat sich die Sonne fast durchgequaelt, was sich etwas negativ auf meine Fotolust ausgewirkt hat. Ich bin halt ein Schoenwetter-Fotograf.
Wir sind alle erdenklichen Wege im Park abgefahren, vorbei an Seen und kleinen Wasserfaellen und sind dabei an einem See gelandet, an dem sich das suedlichste Postamt der Welt befindet. (Oder ich glaube es gibt da noch ein suedlicheres? Frage an Besser-Wisser-Rio!) Egal, wir haben uns da schoen nach Touri-Manier einen Ende-der-Welt-Stempel in unseren Pass geben lassen, als Beweis: wir waren wirklich hier!
An der “Laguna Verde” gab es auch die Moeglichkeit frei zu campen und diese haben wir auch schoen genutzt. Direkt am Wasser mit den Bergen im Hintergrund haben wir unseren kleinen Pauli platziert, die Plane aufgespannt (endlich mal wieder Baueme zum befestigen) und uns leckeren Linseneintopf mit allem drin was wir noch hatten “gekocht”. Danach haben wir uns zu einem “kleinen” Nickerchen von 3h abgelegt und sind erst zum Einbruch der Dunkelheit wieder aufgewacht. Trotzdem haben wir uns noch zu einem kleinen Spaziergang aufgerafft um uns wenigstens ein bisschen zu bewegen. Wandern ist ja hier nicht drin, ich hatte ja keine Schuhe!!! Und daher auch immer kalte Fuesse! Und feuchte, aber hier im Park konnte ich keine neuen Schuhe herbekommen, also musste ich halt noch ein wenig warten und Mathias mein Genoergel aushalten. Am Abend haben wir uns noch einen Tee!! gekocht, damit uns noch ein bisschen warm wurde. Besser als gefroren.
Morgens haben wir dann mal wieder ein bisschen das Auto entstaubt und aufgeraeumt, gemuetlich ein Kaeffchen getrunken und uns wieder Richtung Stadt gemacht, denn bei der Kaelte ist der schoenste Nationalpark nur halb so schoen. In Ushuaia haben wir noch ein paar Sachen erledigt, unsere Waesche abgeholt und uns wieder begleitet von heftigem Regen zurueck nach Tolhuin gemacht. Auf dem Weg dorthin kamen wir uns vor wie kurz nach einen Atomkrieg. Alles trist und grau, die Wolken hingen tief und ueberall die vom Sumpf abgestorbenen Baeume. Gruselig.
In Toluin haben wir uns an die erste – oder einzige? – Tankstelle gestellt um dort zu uebernachten. Wir haben uns ein paar Nudeln gekocht, heiss geduscht und uns noch auf ein Bierchen in den Tankstellenshop gesetzt. Drinnen sassen ein Argentinier und ein Chilene, beide so um die 50 und mit einigen Bieren im Kopf, und haben uns sofort zugequatscht. War zwar nicht so einfach sie zu verstehen, so spanisches Gelall ist halt noch schwerer, aber es war auf jeden Fall sehr lustig und wir konnten mal wieder etwas spanisch praktizieren. Die beiden konnten allerdings irgendwann nicht mehr so ganz und sind raus zum schlafen. Kamen aber nach kurzer Zeit wieder um sich doch noch auf ein “letztes” Bier zu uns und mittlerweile einigem anderen Jungvolk zu setzen. Wir hatten zwar nicht annaehernd so viel getankt wie die beiden, aber es hat uns dann auch gelangt und wir haben uns in unsere Schlafsaecke gemummelt und friedlich geschlafen.

Am naechsten Morgen hat uns die Sonne geweckt und wir haben den Weg nach Rio Grande angetreten. Diesmal sind wir aber einen Umweg gefahren, denn wir wollten uns die furchtbare LKW-Hubbel-Strecke ersparen. Stattdessen sind wir kleine Wege abseits gefahren, vorbei an “Gespensterbaeumen”, gruenen Wiesen mit Bluemchen und Pferden und um uns herum Berge, schneebedeckte Gipfel und viele Guanacos. Die sind auch klasse, wenn man an ihnen vorbeifaehrt schauen sie so halb weg und setzen dann einen super arroganten Blick auf.
Wir haben unterwegs einen Abstecher zum See Yehuin gemacht. Dort gab es irgendwann mal eine Appartementanlage, die mittlerweile aber halb zerstoert und verlassen ist. Aber es herrschte dort eine richtig schoene und friedliche Stimmung und wir waren ganz alleine. Dort haben wir erst mal unser Picknick ausgepackt und danach in Ruhe die Gebaeude erkundet. Es war zwar immernoch saukalt und windig aber die Sonne entschaedigte uns dafuer. Spaeter hat sich noch eine argentinische Familie dorthin verirrt. Wir sind mit ihnen ins Gespraech gekommen und sie haben uns viele Reisetipps gegeben, wo die schoensten, nicht von Touris (jaja, wir sind ja auch Touris) bevoelkerten Fleckchen Argentiniens sind. So etwas ist immer viel wert.
Nach den Waeldern Feuerlands ging es wieder weiter mit gewohntem Weideland, mal gab es Kuehe oder Pferde, mal eine Estanzia. Hier unten gibt es so wenig, dass sogar jede Estanzia auf der Strassenkarte eingezeichnet ist. Irgendwann tauchte vor uns eine von Hunden und Gauchos getriebene Schafherde auf und wir konnten nicht weiterfahren. Erst mal mussten wir warten bis die kleinen Wollknaeule alle an uns vorbei gewackelt sind. Und unser Pauli mitten in der Herde. Auf der weiteren Strecke sind wir noch in den seltenen Genuss gekommen 2 Kondore zu beobachten. Das sind schon beeindruckende Voegel.

Nachmittags waren wir wieder in Rio Grande in “unserem” Club Nautico. Und die Schweizer waren immer noch da um auf ihr Ersatzteil zu warten. Mittlerweile 3 Wochen. Ich hoffe so etwas bleibt uns erst mal erspart. Hier kann man auch den enormen Tidenhub von 8 Metern beobachten. Der Zeltplatz liegt direkt am Meer und bei Flut kommt das Wasser bis zur Strasse hoch, bei Ebbe kann man sogar Fische in den uebrigen Pfuetzen finden. Hat ein Englaender auch (macht mit seiner frisch Angetrauten Flitterwochen mit dem Fahrrad durch Patagonien – machen aber wegen dem Wind mehr Pause als dass sie fahren) und den gab es dann zum Abendessen. Davon wurden locker sechs Leute satt. Fuer uns gab es frische Pizza und noch ein Schluckerl Wein und dann das Bett.
Am naechsten Tag standen Erledigungen wie Waescherei, Internet und Post auf dem Plan. Mathias hat sich in die Hand einer argentinischen Frisoese begeben. Die Haare waren danach wieder ordentlich kurz und die 4 Euro gut angelegt. Hier habe ich auch endlich meine Wanderschuhe bekommen. Und wie Hepp schon erwaehnt hat: wir sind jetzt im Partnerlook. Waren aber fuer beide die bequemsten Schuhe und ausserden haben sie ja unterschiedliche Farben.
Abends haben wir im Aufenthaltsraum gesessen und in grosser lustiger Runde (4 Belgier, 2 Hollaender -schon 8 Jahre on tour, die Schweizer und eine deutsche Familie) den Abend ausklingen lassen.
Am naechsten Tag hat es uns wieder auf die Strasse getrieben, wir wollten ja wieder ueber die Grenze nach Chile. Nach einer herzlichen Verabschiedung von den Besitzern Rita und Carlos haben wir die Weiterreise angetreten. Wir hatten mal wieder Sonnenschein und einen heftigen Wind, der sogar fuer Wellen in Pfuetzen sorgte! An der chilenischen Grenze haben wir ein sehr nettes junges hollaendisches Paar kennengelert, die ein noch aelteres Auto dabei hatten als wir. Sonst fahren hier alle anderen mit ihren neuen und toll ausgestatteten MANs oder Land-Rovern rum, die beiden jedoch haben einen 27 Jahre alten blauen VW-Bus T2 dabei. Auch mit Grimaldi verschifft, aber wie wir mittlerweile des oefteren schon erfahren haben, kommen die Autos, vor allem wenn man selbst nicht mitfaehrt, ziemlich geschunden in Buenos Aires an. Da hatten wir ja mal wieder Glueck.

Als wir im Niemandsland zwischen argentinischer und chilenischer Grenze waren haben wir erst mal ein Picknick eingelegt, da man ja keine Fruechte oder Fleisch nach Chile einfuehren darf. Also haben wir es lieber gegessen. Die Abwicklung in Chile ging recht schnell, und es ist immer wieder lustig mitzubekommen, dass an den Grenzstationen laute Musik und/oder der Fernseher mit Seifenopern laeuft. Da werden dann noch waehrend der Arbeit CDs gewechselt, es soll ja nicht langweilig werden.
Auf dem Weg zur Faehre, wir haben uns wieder mal fuer eine zwar laengere aber auch bessere und schoenere Strecke entschieden, haben wir unseren ersten “Tramper” mitgenommen. Ein Gaucho, mit Trense in der Hand, aber ohne Pferd. Das ist ihm gerade ausgebuechst und er wollte von uns mit zur naechsten Estanzia genommen werden. Da koennte es hingelaufen sein, oder in die andere Richtung. War auch nicht so leicht diesen zahnlosen Gaucho zu verstehen. Unterwegs kam uns ein Auto entgegen – wirklich eine Seltenheit hier – es war sein Chef und der hat ihn dann in die andere Richtung mitgenommen. Ein paar Meter weiter haben wir auch sein Pferd gesehen, das genuesslich am Strassenrand gegrast hatte.

Nachts um 22.00 und nach 450 km sind wir dann endlich im schoenen Staedtchen Punta Arenas angekomen. Leider war es schon dunkel, wir hatten keine richtige Orientierung und hatten Muehe eine Bank mit Geldautomat zu finden. Als wir endlich Kohle in der Tasche hatten sind wir zu einem grossen Supermarkt gefahren, haben lecker Vesper eingekauft und auf dem dazugehoerigen Parkplatz genaechtigt.
Punta Arenas liegt an einem Huegel, von dem aus man eine herrliche Sicht auf die Daecher der Stadt und den Hafen hat. Von dort konnte man die einlaufenden Kreuzfahrschiffe betrachten und es gab Schildermasten mit den Entfernungen zu verschiedenen Staedten auf der Welt. Das Wetter war zwar wieder mal bescheiden, aber das konnte dieser Stadt mit ihren vielen schoenen kolonialen Gebaeuden nichts anhaben. Wir haben uns dann mit Wanderkarten vom Nationalpark Torres und einem guten Campingfuehrer von Chile versorgt und uns den Friedhof angeschaut. Erstaunlich was die hier frueher fuer Prunk-Mausoleen hingestellt haben. Die Graeber waren wirklich imposant, eingebettet von Baeumen und Alleen, die neueren hingegen waren nur noch “Abteile” mit den Bildern der Verstorbenen. Aber Plastikblumen gab es auf und vor allen Graebern. Wir sind dann noch ein bisschen durch die Stadt geschlendert und haben im Supermarkt einen Grosseinkauf getaetigt. Schliesslich wollten wir ja nach Torres del Paine und in diesem Nationalpark gibt es nicht viel zu kaufen. Hoechstens mal Wasser oder -manchmal – Brot zu voellig ueberteuerten Preisen.
Noch schnell das Auto gecheckt und ab ging es durch die Steppe, wieder mal tote Baeume bis wir endlich Seen und in der Ferne schneebedeckte Berge sehen konnten. Uebernachtet haben wir auf dem Parkplatz der Cueva de Milodon, eine Hoehle in der sie Ueberreste eines Riesenfaultieres gefunden haben. Dieses wurde etwas aufbereitet und man kann es sich jetzt fuer 10 Euro anschauen. Soll sich jedoch nicht lohnen und abends ist der Eintritt frei. Da wollten wir uns lieber bei Dunkelheit mal reinschleichen, aber der Eingang wurde doch bewacht und dann haben wir das Faultier ausgelasen. Morgens um 8.00 standen schon 12 Touri-Busse da, um diesen “tollen Fund” zu bestaunen, fuer uns hiess das nix wie weg hier.

Bevor wir in den Park Torres del Paine fuhren haben wir vorsichtshalber noch fuer ein paar Peso in einem Mini-Ort getankt. Die Tankstelle besteht aus einem kleinem Huettchen in dem die Saeule steht und aus der der Schlauch kommt. In Chile nimmt der Sprit schon Preise wie in Deutschland an und kostet zwischen 0,90 und 1,20 Euro. Ist ja wie daheim! Da versucht man das tanken in Chile so weit wie moeglich zu vermeiden.

Die Strecke in den Park ging wieder mal ueber ueble Schottestrassen. Der Eintritt kostete einmalig 10.000 pesos, also etwa 17 Euro / Person und man kann so lange bleiben wie man will. Oder wie man Vorraete dabei hat. Obwohl es etwas bewoelkt war und die Gipfel der Torres, die beruehmten spitzen und steilen aus der Steppe ragenden Tuerme, im Nebel lagen waren die Berge hier ein gewaltiger Anblick. Wir haben uns auf dem Camping Las Torres am Fusse der Gipfel einquartiert. Dieser Platz war super ausgestattet, warme Duschen (endlich mal wieder), schoen angelegte Flaeche am Fluss mit vielen Baeumchen, Grillstellen und sogar extra Holzscheite. Tolle Organisation, aber man sagt ja auch, die Chilenen seien deutscher als deutsch. Wir dachten schon der Platz sei kostenlos, aber die Uebernachtung kostete ca. 5 Euro pro Person (mit Abstand das billigste hier), was abends von zwei Leuten eingesammelt wurde. Hier haut ja auch keiner ab, denn die meisten Leute sind mit Zelt da und sind froh sich nach den Wanderungen niederzulassen. Also haben wir uns auch mal beim Holz bedient, ein kleines Lagerfeuer gezuendet und spaeter leckre Wuerstchen gegrillt und arabische Fladen geroestet. Hmmm… und das in freier Natur, lecker.
Spaeter haben wir dann Rainer, einen pfaelzer Radler der 3 Monate unterwegs ist kennengelernt und mit ihm das ein oder andere Flaeschchen Wein geoeffnet. Manm weiss ja, was man den Pfaelzer in Sachen Wein trinken nachsagt und wir haben uns ganz gut angepasst. Irgendwann war das Feuer aus, die sechste Flasche kekoepft und schon 6.00! Immerhin war noch eine halbe Flasche von unserem grosszuegigen Wochenvorrat uebrig, aber die haben wir dann zum kochen aufgehoben.
Viel geschlafen haben wir nicht, um 11.00 waren wir wieder wach – und geschaedelt – aber das traumhafte Wetter wollte genutzt und unsere neuen Schuhe getestet werden. Also haben wir langsam unsere Sachen gepackt – Zelt, Schlafsaecke, Isomatten, Verpflegung, warme Klamotten,… schliesslich wollten wir ja aufm Berg uebernachten. Da haben wir uns ja einen guten Tag ausgesucht, aber man weiss ja nie wie das Wetter am naechsten Tag ist und “wer trinken kann,…” Rainer sah auch nicht so besonders frisch aus, aber er hatte sich schon etwas frueher auf die Socken gemacht, er hatte ja auch nicht so viel zu packen.
Irgendwann haben auch wir es geschafft loszulaufen und gleich die erste Steigung war der Horror. So steil, und dann ging aber die Pumpe! Da hat sich der Vorabend schon ganz schoen bemerkbar gemacht. Ich wollte fuenfmal wieder umkehren, wir haben staendig Pause machen muessen, aber der Wille war irgendwie doch staerker. Aber wohl auch nur, weil wir noch nicht wussten, was uns noch alles erwartet. Zur ersten Huette waren es 2 Stunden durch traumhaftes Gelaende, an steile Haengen im Tal ein Fluss. Danach ging es den Flusslauf entlang, durch urige Zauberwaelder bis an die Baumgrenze hoch. Nach einem anstrengenden, aber auch irgendwie schoenem Marsch haben wir endlich die zweite Etappe, den kleinen Campingplatz im Wald erreicht. Ich wollte und konnte keinen Meter mehr gehen, obwohl uns die Fuesse in den neuen Schuhen erstaunlicherweise nicht weh getan hatten. Ein guter Schuh ist halt was wert.
Der Platz war sehr einfach, eine Toilette und mittedurch ist ein kleiner Bach geflossen. Gekostet hat er nichts, aber wofuer haette man auch zahlen sollen? Wir haben erst mal unser Lager errichtet, etwas gegessen und ausgeruht. Wieder etwas gestaerkt wollten wir doch nochmal den einstuendigen Aufstieg zu den Torres wagen. Die Strecke war der Horror, zwar sehr idyllisch mit kleinen Wasserfaellchen, aber 350 Hoehenmeter steil bergauf. Und spaeter ging es nur noch ueber Steine, Felsen und Geroell. “Treppensteigen xxl”! Jeder der entgegenkam sagte uns “nur noch 5 Minuten”, aber dem dritten haben wir das auch nicht mehr glauben koennen. Als wir voelligst geschafft endlich die insgesamt 1000 Hoehenmeter geschaft hatten und am Fusse der 3000 m hohen Torres angelangt waren, hat sich unsere Muehe absolut gelohnt. Vor uns lag ein gruener Gletschersee, der von den Eismassen der Tuerme gespeist wird. Und die steilen Tuerme lagen in gewaltiger Ruhe vor uns, nur das Rauschen des Schmelzwassers war zu hoeren. Ein erhebender Augenblick, den wir lange genossen haben. Doch langsam wurde es kuehler, dunkle Wolken zogen auf und zwangen uns zum Abstieg. Und der war wirklich noch anstrengender, auf jeden Tritt muss man hoellisch aufpassen und die Oberschenkel schmerzten schon. Doch zum Glueck gehts runter immer schneller und so kamen wir nach einer halben Stunde erschoepft aber gluecklich am Zelt an und haben uns schon um 20.00 schlafen gelegt.
Leider war von viel Schlaf keine Rede, wir haben uns beide unruhig in unserem eigentlich zu kurzen “Zelt” herumgewaelzt, noch dazu fing es an zu regnen und da ist ein einwandiges Zelt nicht besonders von Vorteil. Staendig waren wir auf der Hut, dass nicht alles nass wird im Inneren. Ausserdem war der Boden hart und so war die Nacht mehr anstrengend als erholsam fuer uns. Haetten wir Taschenlampen dabei gehabt, wir haetten schon in der Dunkelheit den Abstieg gewagt. Aber so mussten wir uns durchquaelen und bis morgens warten. Als es endlich hell waren haben wir schnell unsere Sachen gepackt und nix wie runter vom Berg. Aber mit den Anstrengungen des Vortages in den Knochen war der Abstieg schon sehr anstrengend. Aber die Wanderung durch Waelder und eine tolle Bergwelt ging dann doch verhaeltnismaessig schnell. Wir wenden ja auch die “Spezialmethode à la Mathias” an, um den Berg runterzukommen. Da wird nicht einfach nur runtergelaufen, nein, das geht viel zu sehr auf die Gelenke, wenns zu steil ist. Wir sind gerannt. Sehr zum Staunen der entgegenkommenden Wanderer, aber wir haben auch welche getroffen, die das gleiche “System” anwenden.

Endlich im Tal haben wir unseren geschundenen Koerpern erst mal eine Dusche gegoennt und sind zu den blau-gruenen Wasserfaellen des grandiosen Salto Grande gefahren. Die Meter um dorthin zu laufen haben wir gerade noch geschafft und haben danach auf dem Parkplatz Nudeln gekocht und gegessen. Danach sind wir eine fuer unseren “off-road”-L 300 abenteuerliche Strasse an den Fuss der Faelle gefahren und haben dort direkt am Wasser gecampt. Ist ja hier verboten wild zu campen, kostet sogar Strafe, aber das interessierte uns wenig und wir hatten einen schoenen Standplatz. In der Nacht wurden wir jedoch heftig vom Sturm gebeutelt und ich hatte staendig Traeume davon weggeschwemmt zu werden. Somit war auch diese Nacht nur wenig erholsam, aber die grandiosen Ausblicke bei der Weiterfahrt durch den Park entlohnten uns. Immer thronen die leicht im Nebel liegenden Tuerme ueber allem, die blau-gruene Gletscherseen vor einem, mal kommt man an einer Guanaco-Familie vorbei, mal hoppeln Haeschen vorrueber. In dieser Idyllischen Natur haben wir uns erst mal genuesslich einen Kaffee gekocht bevor wir zum Gletscher des Lago Grey gefahren sind. Schon auf dem Weg dorthin (grauenhafte Piste) konnte man die riesigen Eisbloecke im Wasser sehen. Vom Parkplatz war es noch ein kleiner Fussmarsch, vorbei an besagten Eisbloecken, die geradezu blau leuchten. Zum Gletscher direkt kann man nur mit einem Boot fahren, aber selbst aus dieser Entfernung waren diese enormen Eismassen gigantisch.

Danach sind wir zum Rio Serrano gefahren und haben uns ein schoenes Plaetzchen zum bleiben gesucht. Man konnte direkt am Fluss stehen bleiben, aber da kamen staendig Touri-Busse und hinter ein paar Baeumen war es viel schoener und mit direkten Blick auf die ausnahmsweise wolkenfreien Tuerme. Gerade als wir uns da plazieren wollten kam ein Guard aus seiner Huette, also haben wir als ordentliche Deutsche gefragt ob das klar geht. Der junge Mann sagte nein, also wollten wir es uns an erlaubter Stelle gemuetlich machen, da kam ein aelterer Guard vorbei und meinte das geht klar, hat mit uns ein geeignetes Plaetzchen gesucht, und uns einen netten Aufenthalt gewuenscht. So standen wir, nur ein paar Meter vom “Camping verboten” Schild mit ofizieller Erlaubnis, ungestoert zwischen Baeumen, auf einer Wiese mit freiem Blick auf diese einzigartige Bergwelt und den Gletscher. Geil! Und das Wetter hat uns auch belohnt, der Himmel war blitzeblau und wir standen absolut windgeschuetzt. Es wurde uns sogar richtig heiss, sodass wir unsere verstaubten kurzen Hosen rausholen mussten. Am Morgen hatte ich noch meine Skijacke an.
Wir haben am Rio Serrano unsere Solardusche gefuellt, Melone mit Serrano-Schinken gegessen und uns gefuehlt wie der Kaes. Ab und zu kamen ein paar Angler oder Reiter vorbei, das war´s. Das einzige Wort das uns dazu eingefallen ist, war: UNGLAUBLICH!
Wir haben noch unser Autochen vom vielen Schmutz befreit und diese einzigartige Natur genossen. Ueber den Fluss fuehrte eine kleine Bruecke, im Teich schwommen die Enten, davor grasten die Pferde, das war wirklich kitsch pur. Dahinter waren ein paar Ferienanlagen, die mit ihren Holzhaeuschen gut in die Natur passten, und in der Ferne ein anderes Bergmassiv. Ich brauchte meinen Foto gar nicht mehr einzupacken, denn kaum war er weg, entdeckte ich schon ein neues Motiv, das es wert war festgehalten zu werden.
Zum Abschluss dieses traumhaften Tages sassen wir in der Abendsonne, bruzzelten uns noch ein paar Eier und genossen es, endlich mal Zeit zu haben. Die hatten wir ja sonst auch, aber irgendwie fuehlten wir uns immer getrieben von den vielen schoenen und aufregenden Dingen, die auf uns warten.

Die Nacht wurde wieder richtig eisig, wir hatten sogar -1,5 Grad Aussentemperatur, aber dafuer strahlte der Himmel am naechsten Tag wieder und im Windschatten waren es schon wieder 25 Grad. Da mussten wir ja sogar die Sonnenmilch wieder auspacken, denn wenn die Sonne mal da ist, dann richtig. Wir begonnen den Tag mit Kaffe, einer frischen Dusche und bekamen Besuch von unserem Parkwaechter. Er wollte wissen, ob alles klar ist, wir uns gut fuehlen, es uns hier gefaellt und wie lange wir bleiben. Wir wollten auf jeden Fall noch eine Nacht bleiben und das endlich schoene und vor allem warme Wetter geniessen.
Wir haben unser Auto mal wieder etwas umgeraeumt und durch Verschiebung unserer Dach-Expander-Konstruktion richtig viel Platz rausgeholt. Jetzt koennen wir auch wieder richtig im Auto sitzen und uns aufhalten.
Nach dem Abendessen, wieder mal Nudeln mit Tomatensauce, aber immer wieder lecker, haben wir uns noch auf einen kleinen Spaziergang gemacht. Doch aufgrund des kalten Windes sind wir schnell wieder zum Auto zurueck. Dabei kamen wir an zwei chilenischen Soldaten vorbei, die weintrinkend am Wegesrand sassen. Wir sind ein bisschen ins Gespraech gekommen, sie haben uns Wein angeboten und schon sassen wir vier vor unserem Busschen. Viel gebabbelt haben wir (auch Matzi auf spanisch), jedoch konnten wir nicht so ganz erkennen ob sie Skins, Punks, Rechte oder “Apoliticos” sind. War auf jeden Fall lustig, wir haben unsere Deutschlandfahne und Mathias OFC-Schal rausgeholt und viele wilde Bilder gemacht. Staendig wollten sie uns was schenken und so haben wir jetzt einen Kompass, eine Patrone und zwei chilenische Armee-Kappen mehr. Leider wollten sie auch Geschenke, und so hat Mathias jetzt einen OFC-Schal weniger. Unfreiwillig, denn als die beiden Jungens weg waren, war der Schal auch weg. Aber die zwei waren auch wirklich full genug und wir haben wieder mal was in Sachen aufpassen gelernt.
Nachts um 2.00 klopft es wieder an die Autotuere und einer der beiden stand mit einem anderen Kollegen vor der Tuere, die Weinflasche entgegengestreckt und sie wollte weiter feiern. Wir aber nur noch schlafen und die beiden haben sich dann auch recht schnell getrollt. Was fuer ein Abend.
Am naechsten Morgen regnete es schon wieder leicht, wir haben uns trotzdem nochmal eine Dusche gegoennt (bei 9 Grad, das Wasser etwa 15, da hat sogat die Haut gedampft) und nach einem kurzen Plausch mit dem Guard haben wir uns auf die Socken, raus aus dem wunderschoenen Nationalpark Torres del Paine und wieder auf die Strasse in Richtung Argentinien gemacht.

Weiterlesen? Hier: 8. Torres del Paine – Esquel: Richtung Norden – der Sonne entgegen (?)