08. Torres del Paine – Esquel

8. Reisebericht: Richtung Norden – der Sonne entgegen (?)

Torres del Paine – El Calafate – Perito Moreno (N.P. Los Glaciares) – El Chaltén (Fitz Roy) – Bajo Caracoles – Cochrane – Lago Tranquilo – Coyhaique – Esquel

Die Fahrt zur Grenze nach Argentinien war etwas spannend, da wir nur noch ein paar Troepfchen Sprit im Tank hatten und bei den chilenischen Tankstellen nicht unser Geld rauswerfen wollten. Wir hatten ja noch einige Liter im Tank auf dem Dach, aber da es ausgerechnet an diesem Tag in Stroemen regnente, haben wir das “tanken” bis aufs letzte rausgezoegert. Gerade im Streifen zwischen den zwei Grenzposten fing das Auto etwas an zu ruckeln, aber wir haben es dann noch mit dem letzten Troppen zum argentinischen Grenzhaeuschen geschafft. Wenigstens wissen wir jetzt, dass wir trotz Reservelicht noch 100 km weit kommen.
Nach der Zollabwicklung hat sich Mathias aufs Dach geschwungen um den Kanister runterzuholen. Doch leider konnte er den Schluessel nicht mehr ins Schloss von unserer Kette stecken, war wohl zu viel Staub und Dreck drin. Also mussten wir vom Dach aus Umfuellen, ich an unsere Werkzeugkiste krabbeln, den am Vortag ins letzte Eck verbannten Schlauch rausholen und -Schlurp- den Sprit raussuckeln. Nach einer viertel Stunde und immernoch Dauerregen war dann der Kanister leer, der Tank wieder halb voll, Mathias klatschnass und wir konnten weiterfahren. Nix wie zur ersten argentinischen Tankstelle und den Tank wieder auf ein beruhigendes Level bringen. Endlich erwarteten uns auch wieder Teerstrassen, denn bei dem Gehubbel koennen wir unsere Sachen unterm Dach festschnallen wie wir wollen, irgendetwas rutscht immer runter. Und so konnten wir entspannt den Weg nach El Calafate durch leicht huegeliges Gelaende mit tuerkisfarbenen Seen antreten.
Doch da kam der Schock! Nicht nur, dass der letzte Tankwart vergessen hat unseren Deckel wieder reinzuschrauben und wir uns um einen neuen kuemmern mussten. Hier erwartete uns das absolute Touri-Dorf! Die Strassen waren bumsvoll, jeder Laden war auf Tourismus ausgelegt, die Preise horrend und durch den Supermarkt haben sich die Massen gequetscht. Nach unserer beschaulichen Zeit im Torres Nationalpark der absolute Horror! Wir haben schnell das noetigste eingekauft, wieder mal eine Waescherei aufgesucht, Internet haben wir gaaanz knapp gehalten und uns einen Campingplatz gesucht. Wir haben auch einen recht netten gefunden, doch gab es an diesem Tag kein warmes Wasser, aber mañana, bestimmt.
Also haben wir uns haeuslich eingerichtet und bei Schnitzel und Tomatensalat den Abend beendet. Am naechsten Morgen sah die Welt schon wieder anders aus, die Sonne zeigte ihre ersten Strahlen, der Kaffee schmeckt und wenn meine Dusche wenigstens etwas warm statt eisig gewesen waere, perfekt. Wir wussten auch schon was uns im Ort erwartet und haben uns fuer einige Stunden im Internetcafé eingenistet. Als am Abend endlich unsere Waesche fertig war, konnten wir aus diesem Ort entschwinden und uns zum weltberuehmten Gletscher Perito Moreno aufmachen. Die Fahrt dorthin war schon vielversprechend. Die Fahrt ging auf schnurgerader Strasse an turkisen Seen entlang durch huegeliges Gelaende und im Hintergrund konnte man schon die gezuckerten Berge sehen. Wir kamen an der Einfahrt des Parkes gegen 20.00 an, und dort gab es niemanden mehr, der den Eintritt von knapp 10 Euro verlangte. Aber normalerweise kommen dann schon Guards die das kassieren. Also sind wir weiter in den Nationalpark Los Glaciares gefahren, manchmal konnten wir schon von weitem einen Blick auf den gigantischen Gletscher erhaschen, und sind schon ganz aufgeregt am Parkplatz angekommen. Obwohl es langsam daemmerte hatten wir einen tollen Blick und gerade als wir die Holzstege mit tollen Blick auf die Eismassen erreichten, donnerte genau vor uns erst ein kleiner und sofort darauf noch ein groesserer Brocken ins Wasser. Wow, was fuer ein Naturschauspiel! Mit lautem Donnern knallt der Brocken ins Wasser und es hallt noch lange nach und die dadurch entstehende Welle ist enorm. Und das waren im Vergleich zu anderen Brocken noch kleine Teile die abgebrochen sind, was man an den herumschwimmenden Eisbloecken erkennen kann.
Die Groesse des Gletschers ist ueberwaeltigend, man kann auf verschiedenen Balkonen die Zunge des Gletscher von unten oder verschieden Seiten anschauen. Man steht vor einer Eiswand, die etwa 55 Meter vor einem in den Himmel ragt. Die Zunge ist etwa 14 km lang und 4 km breit und hat ein Wachstum (da scheiden sich die Geister) von etwa 40 cm taeglich. Es ist einer der wenigen Gletscher, der noch weiter waechst. Daher ist er auch schon so weit nach vorne gedrungen, dass er das Land erreicht und einen Teil des Lago Argentina abtrennt. In diesem Teil steigt dann der Wasserspiegel so hoch, dass der Gletscher diesem Druck nicht mehr standhalten kann und sich alle paar Jahre unter gewaltiger Kraft ein Teil absprengt. Leider war es bei unserem Besuch noch nicht so weit, aber das tut der Faszination dieses Gletschers keinen Abbruch. Bei absoluter Ruhe konnte man sich diesem Riesen hingeben und nur dem staendigen Knacken und Knirschen lauschen.
Wir haben auf dem Parkplatz mit Blick auf den Gletscher uebernachtet, was eigentlich verboten ist, aber wenns keiner kontrolliert… Abends haben wir uns noch ein paar Eier gebruzzelt und uns ins Bett gelegt, wo wir noch weiterhin das Getose des Kalbens hoeren konnten. Nachts um 0.30 kam sogar noch ein Busschen mit 10 Leuten an, die zum (fast) Vollmond-Watching kamen. Wir waren jedoch muede und wollten bis zum naechsten Morgen warten.
Wir hatten traumhaftes Wetter und wieder mit dem ersten Blick auf den Gletscher brach ein Stueck ab. Die Teile sehen im Verhaeltnis zu dieser gewaltigen Masse recht klein aus, aber ich moechte da kein Stueckchen davon abbekommen. Wir hatten jedoch keine Sonnenbrillen dabei und ohne war es grell, dass man wirklich nichts mehr sehen konnte. Wir haben die Pause genutzt um noch ein Kaba-Fruehstueck zu nehmen und wieder nix wie runter zum Eis. Mathias hatte schon seine Kamera im Anschlag, damit er dieses Spektakel nicht nochmal verpasst, aber von da ab blieb es ruhig. Ausserdem blies der Wind an diesem Tag so heftig, dass man das Knacken und Knirschen gar nicht mehr hoeren konnte und langsam rollten die Besuchermassen, in der Hochsaison bis zu 1.500 Besucher taeglich, an. Das hat uns gereicht und so fuhren wir wieder aus dem Park und da uns imer noch niemand kontrollierte haben wir noch einen Batz gespart.

Unser naechstes Ziel hiess El Chaltén, einem kleinem Ort am Fusse des Fitz Roys. Die Fahrt ging wieder mal ueber uebelste Schotter- und Wellblechpiste (=ripio, man lernt ja jeden Tag neue Woerter) durch eine unglaubliche Landschaft mit ihren tuerkis-milchigen Gletscherseen und curry-farbenen Felsen. El Chaltén ist ein schnuckeliger Sackgassenort, der vom Bergmassiv eingerahmt ist. Auf dem Weg dorthin haben wir unsere zweiten Tramper mitgenommen, Bewohner des Ortes, denen unterwegs der Sprit ausgegangen ist. Denen hilft man ja gerne und so sassen zwei der vier Spritlosen in unserem Auto hinten drin und wurden ganz schoen durchgeschuettelt. Im Ort haben wir sie an der Tankstelle rausgelassen und sind erst mal zur Touri-Info. Dort gab es ausfuehrliches Material des Ortes und Wanderkarten. Gleich am Ortseingang befindet sich einer der beiden freien Campingplaetze direkt am Fluss. Immerhin gab es ein Plumsklohaeuschen, mit dem ich spaeter recht innige Bekanntschaft geschlossen habe.
Zwischen den Baeumen haben wir uns einen schoenen Platz gesucht und uns ausgebreitet. Hier wollten wir ein paar Tage bleiben, wenn das Wetter mitmacht. Aber erst mal hiess es Sonne und das “bisschen” Wind stoert uns gar nicht. Neben uns stand ein Range Rover aus Deutschland mit dessen Insassen Andrea, Christian und dem 5-jaehrigen Sohn Moritz wir uns am Abend lustig unterhalten haben. Die drei sind jedoch “nur” 3 Monate unterwegs, was Christian ziemlich wurmte. Um so schlimmer fuer ihn zu hoeren, dass wir 2 Jahre reisen wollen und das Neuseelaendische Paar Christina und Sam schon seit 13 Jahren on tour sind. Lustigerweise haben die beiden aus NZ vor zwei Jahren zusammen mit einer deutschen Familie den Panamakanal nach Kolumbien ueberquert, worueber wir erst wenige Tage vorher in deren Buch “Suedwaerts durch Lateinamerika” gelesen haben. Sie sind darin namentlich erwaehnt und ploetzlich sitzen sie vor uns. So klein ist die Welt.
Den zweiten Tag haben wir recht ruhig angehen lassen, bischen bummeln im Ort (der noch teurer als Calafate ist!), kleine Einkaeufe machen, Solardusche anschmeissen, die Sonne geniessen (der Wind war fast weg und warm) und nach so viel Anstrengung wieder ablegen. Abends sassen wir alle zusammen, noch ein argentinisches Paar dabei, beim “meeting of unemployments”.
Eine immer wieder gerne gestellte Frage an uns ist: “Warum ist eigentlich euer Dachstaender so hoch?” Jaja, wir wissen schon, dass er immer zur Erheiterung fuehrt, aber so kommt man immer wieder mal ins Gespraech, die Erklaerung ist einleuchtend (das Dach ist hoeher als normal und da braucht man einen extra-hohen Staender, unserer ist halt bei e-bay zusammengekauft) und es haben sich schon Leute mit dem gleichen Auto informiert woher wir ihn haben. Christian hatte dazu das passende Pendant, naemlich eine Kiste auf dem Dach, die aussieht wie vergessen.
Am darauffolgenden Tag haben sich die Deutschen und die Neuseelaender verabschiedet und wir konnten unsere neuen Schuhe anlegen und uns die Begwelt zu Gemuete fuehren. Wir sind zur “Laguna Capri” gelaufen, durch schoene Waelder, vorbei an Schluchten und immer mit dem Fitz Roy Massiv und dessen Gletscher im Blick. An der Lagune haben wir unser Vesper ausgepackt und sind dann weiter an einem Campingplatz vorbei und wieder ins Tal gewandert. War keine so Hammerstrecke wie im Torres, aber man muss sich ja nicht immer total verausgaben. Ausserdem hatten wir am Vorabend ja nicht gesoffen!
Danach sind wir noch an einem Wasserfall gelaufen, der wirklich toll war. Fasziniert von den Wassermassen hat Mathias gleich mal die Umgebung erklettert und ich meinen Foto strapaziert. (Wie immer, ich hab bestimmt schon 4.000 Bilder geschossen!)
Und weil wandern hungrig macht sind wir nach einer warmen Dusche Essen gegangen und es gab endlich mal wieder ein ordentliches Fleisch und dazu ein kuehles Bier. Wein ist ja ganz lecker, aber so manchmal geluestet es auch mich tierisch nach nem kuehlen Blonden. Mathias sowieso. Und weil wir dann noch nicht nach Hause wollten, haben wir noch nach einer Bar gesucht, aber es gibt in diesem Ort keine. Nur Restaurantes und eine kleine dorfeigene Brauerei, aber die war voll. In letzter Not haben wir uns am Kiosk eine Flasche geholt und ehe sie warm wird gleich an Ort und Stelle getrunken.

Die darauffolgende Nacht war ziemlich unangenehm fuer mich! Mitten in der Nacht gings los, mein Magen hat rumort und ich hatte Muehe rechtzeitig auf die “Toilette” zu kommen. So ging das dann die ganze Nacht, ich habe mich mit Kraempfen von einer Seite auf die andere gewaelzt, bin ab und zu mal rausgerannt, mal zum ka…. mal zum ko…. . Morgens habe ich mich dann aus unserer Bordapotheke versorgt (danke Jacki und Bine!) und nachdem ich den ganzen Tag geschlafen hatte ging es mir abends wieder soweit gut, dass ich schon Kekse essen konnte. Immerhin. Mathias hat sich den Tag mit am-Auto-rumwerkeln vertrieben und da kamen die Belgier, die einen dem L 300 baugleichen Hyundai hatten, zum “Fachgespraechaustausch” gerade recht. Schade, dass es mir so schlecht ging, denn die beiden waren ein wirklich witziges Gespann, aber da steckt mer net drin.
Ich weiss nicht, ob mein Magen-Darm-Kram vom Flusswasser hier kam, was man nicht trinken soll aber wir ein wenig davon getrunken haben, oder vom Essen? Egal, mir ging es – im wahrsten Sinne des Wortes – Scheisse und Mathias hatte gar nichts. Der wundert sich nur, warum sein Magen hier alles vertraegt. Habe ich mich bis zu diesem Tag auch.

Am naechsten Morgen ging es mir wieder gut und da es wieder richtig frisch und windig wurde, kam uns das Wetter gerade recht, um einen Fahrtag einzulegen. Wieder ging es durch oede wuestenaehnliche Landschaft auf einer Strasse, auf die sich nur ab und an ein Auto verirrt. Somit haben uns auch die zwei franzoesischen Tramper am Strassenrand leid getan und wir haben sie hinten eingepackt. War bestimmt nicht die bequemste Art fuer die beiden Jungs zu reisen, aber einem geschenkten Gaul… Die beiden konnten recht gut deutsch, aber weder das, noch die Flasche Wein die wir unterwegs koepften konnte die beiden richtig auftauen und so haben wir uns entschlossen: nie wieder (so langweilige) Tramper, wir nehmen nur noch in Notfaellen jemanden mit.
In Bajo Caracoles haben wir die beiden dann ausgeladen und haben eine Stichstrasse 40 km zu den “Cuevas de los Manos” genommen. Man faehrt hier halt mal “kurz” so weit, nur um mal was anderes als die ewige Einoede zu sehen. In diesen Hoehlen wurden Handabdruecke entdeckt, die wahrscheinlich religioesen Riten dienten und teilweise 10.000 Jahre alt sind. Dieser Ort ist sogar zum Weltkulturerbe erklaert worden. Leider war die letzte Fuehrung um 19.00, wir wussten eigentlich gar nicht, dass es eine Fuehrung gibt, und wir dachten wir koennten uns da einfach ein bisschen umschauen. Marcelo, unser Guide hat dann noch eine Ausnahme gemacht und wir waren richtig froh ueber die Erklaerungen (auf spanisch), denn nur so bekommt man einen Einblick ueber die Vorgaenge
vor Tausenden von Jahren. Die Cuevas sind in einer Schlucht am Rio Pinturas gelegen und da wir gerade zum Sonnenuntergang eintrafen hatten wir noch ein tollen Ausblick in den Canyon beim Abendrot.
Ein paar Meter entfernt haben wir unseren Pauli mitten im Nichts geparkt. Eigentlich wollten wir noch duschen, wir hatten schliesslich den ganzen Tag unsere volle Dusche im Auto mitgeschleppt, aber es war eisekalt und windig und so verzichteten wir gerne. Lieber haben wir uns den Bauch noch mit Linseneintopf vollgeschlagen, das Wasser zum Tee kochen (wir hatten kein Trinkwasser mehr, schon das 3. Mal nicht! und nochmal wollt ich nicht ka…)und spuelen genutzt und dann schnell in den warmen Schlafsack gekrochen. Der Tag war schliesslich anstrengend und 550 km Schotterpiste machen sich da auch bemerkbar.
Nach einer eiskalten Nacht (-2 Grad!) haben wir in Bajo Caracoles erstmal unsere Reifen durchwechseln lassen, da wir ja immernoch mit Winterreifen unterwegs sind und die an den Seiten schon ziemlich abgefahren sind. Naja, nicht fuer hiesige Verhaeltnisse.
An der Tankstelle haben wir dann noch getankt und beide Kanister randvoll gemacht, schliesslich wollten wir wieder ins teure Chile und was mer hat, hat mer. Wieder mal ging es ueber uebelste Schotterpisten, grosse Steine und Wellblech. Nicht die beste Strecke fuer unser Auto (sonst gibt es hier nur Pick-ups und/oder Allradfahrzeuge), und unser Auspuff hat das auch nicht so ganz verkraftet. Erst hoerten wir nur ein Klappern und mussten feststellen unser Auspuff ist nicht mehr ganz so fest. Das Scheppern spaeter verriet uns, er haengt nur noch an der Gummibefestigung. Also haben wir ihn ganz abgeschraubt und sind so weitergefahren. Was sollen wir mitten im Nirgendwo, wo alle Stunde mal ein Auto kommt auch sonst machen?
Wenigstens war die Landschaft atemberaubend, Canyons in gruen und rot, saftige Wiesen mit Kuehen und Pferden und ein einsames kleines argentinisches Grenzhauschen. Die chilenische Grenze war unwesentlich groesser und der Weg fuehrte uns immer weiter durch atemberaubende Landschaften. Es wurde immer gruener und die Berggipfel waren teilweise schneebedeckt. Auf der einen Seite gingen steil die Berge hoch, auf der anderen Seite sahen wir in Taeler mit blauen und gruenen Fluessen. Die Natur ist auf chilenischer Seite einfach toller, da die Wetterfront vom Pazifik kommt und sich hier in den Bergen abregnet. Dadurch ist es immer saftig gruen, es gibt Wasserfaelle und leider auch viel Regen. Aber wir hatten Glueck und konnten bei strahlend blauem Himmel die Natur geniessen. In Argentinien fegt dann nur noch der Wind ueber die Landschaft, es regnet nur selten und die Umgebung ist meist eintoenig und oede.

Endlich waren wir auf der beruehmt-beruechtigten Carretera Austral, die Strassenbeschaffenheit verbesserte sich dadurch aber auch nicht. Unser CD-Player dient mittlerweile als Hubbelindikator. Er ist nicht besonders wackelempfindlich, aber wenn er streikt, dann ist die Strasse wirklich schlecht. Und die letzten Stunden war das der Fall.
In unserem Campingfuehrer wurde ein freier Platz zum campen beschrieben, der direkt am Rio Baker, dem groessten Fluss Chiles, liegt. Inmitten von Baeumen und neugierigen Huehnern haben wir uns platziert, die Duschen gefuellt und eine ordentliche Abkuehlung bekommen. Mittlerweile sind Wassertemperaturen von ueber 10 Grad fast warm fuer uns. Abe wir sind wenigstens frisch danach. Und sauber! Das hatte unser Pauli auch noetig und wir haben ihn mal wieder gruendlich vom Staub befreit, denn auf solchen Strassen setzt sich das unangenehme Zeug in wirklich jede Ritze.
Morgens haben wir schoen ausgeschlafen, toll wenn man das wirklich immer kann wie man will (aber jetzt kein Neid ;-)). Danach ging es nach Cochrane, um eine Werkstatt zu suchen. Der erste konnte uns eigentlich helfen, aber erst nach drei Uhr, da hat er wieder Sauerstoff zum schweissen. Genaugenommen ist um drei die Siesta rum. Leider konnte man uns dort dann doch nicht helfen, ihnen fehlte ein Teil und danach sind wir durch den ganzen Ort geschickt worden. Bzw. wir sind ein paar Jungs hinterhergefahren, die jede Wekstatt mit uns abgefahren haben. Doch der eine mecanico hat sich aus dem Staub gemacht, der andere kann nicht schweissen,… Dadurch kannten wir den ganzen Ort, wissen was auf spanisch Auspuff und schweissen heisst, aber geholfen war uns nicht. Wir haben jedoch Mut gemacht bekommen, dass wir problemlos bis in die naechste Stadt fahren koennten. Da glauben wir halt mal dran, denn aendern koennen wir eh nix.
So fahren wir (mittlerweile ohne Spritzschutz an einem Reifen, ist uns weggeschmort) Richtung Sueden 150 km in eine Sackgasse nach Caleta Tortel, aber die soll so schoen sein, nur auf Stelzen am Wasser gebaut. Mag ja alles sein, aber wieder mal regnete es und wir waren es beide leid, noch weiter auf diesen “Strassen” zu fahren, rutschig und steinig, noch dazu mit kaputten Auspuff. Wir waren uns einig, das wollten wir unserem Kleinen nicht laenger als noetig zumuten. Ausserdem waren wir muede und kaputt, wir haben der naechsten Wegbeschreibung zu einem Camping nicht folgen koennen und uns dann einfach irgendwo an den Strassenrand gestellt und verspaetete Siesta gehalten. Zurueck in Cochrane haben wir die naechste Bar aufgesucht, die hatte zwar noch nicht richtig offen aber irgendwie dann fuer uns doch, und uns erst mal ein Bier bestellt. Hier gibt es sogar mal wieder kleine mit 0,3 Liter. Suess.
Zum zweiten Cristal, “dem VW unter den Bieren”, hat sich Raul, der Besitzer der Bar zu uns gesellt. Er betreibt den Laden und wocheneds muss sein Sohn Dani mithelfen. Wir haben viiiiel gebabbelt, Mathias hat von Raul eine neue Namenskreation bekommen und ich bin ueberrascht, welche Fortschritte seine Sprachkenntnisse machen. Obwohl wir ja nix lernen, sondern lediglich learning by doing betreiben, demnach haben wir wohl auch nur so ein “Gassenspanisch” drauf.
Der Laden wurde gegen Mitternacht auch richtig voll, ausschliesslich mit Jungs, und wir auch so langsam, da so etwas auf nuechternen Magen recht schnell geht. Also haben wir uns in unser Auto begeben, noch ein paar Brote gemampft und uns mitten im Wohngebiet neben die Disco zum schlafen gestellt. Wir sollen aber auf jeden Fall wieder mal vorbei kommen, denn Raul hatte Bilder von uns gemacht, die er in einer Collage verarbeiten wollte. Also, wenn mal jemand in Cochrane vorbeikommt, soll er unbedingt mal im “el rincon de…” vorbeischauen.
Am naechsten Tag ging es die sagenumwobene Carretera Austral weiter. Sie soll ja sooo gefaehrlich sein, aber davon haben wir nicht so viel gemerkt. Wir hatten auch wieder mal das Glueck von Sonnenschein, aber bei Regen koennen die engen, kurvigen, steinigen und steilen Schotterstrassen zum Verhaengnis werden. Nach 30 km war eine Baustelle und wir mussten 1h warten. So reihten wir uns in die Autoschlange und warteten. Das ist halt hier so und wenn wir eins haben, dann Zeit. Wir haben derweil unseren Tank befuellt, ein wenig aufgeraeumt und nen Kaffee gekocht, bis es wieder weiterging. Und fuers Warten wurden wir auch belohnt, denn die Schluchten mit blauen Seen und Fluessen, die saftig gruenen Wiesen und Waelder und das Panorama der Berge sind einzigartig. Die Haeuschen und Estancias sind schnuckelige, teilweise bunte Holzhaeuser.
Dann kamen wir in den kleinen Ort Rio Tranquilo. Dort erfuhren wir, dass es auch eine Werkstatt gibt (eigentlich fuer Reifen) aber der muffelige Chilene meinte er koenne den Auspuff schweissen. Also haben wir zwei Stunden gewartet bis er die andere Reperatur fertig hatte. Als wir endlich “dran” waren, konnte uns der mecanico keinen Preis nennen, nur “carissimo”, also sehr teuer und wollte sich an die Arbeit machen. Das war uns eine zu wage Aussage, und wir wollten hier nicht gleich abgerippt werden. Aslo beharrte ich darauf, dass er uns erst mal einen Preis nennt, daraufhin zog er wutentbrannt den Stecker seines Schweissgeraetes, drueckte mir den Auspuff in die Hand und schickte uns weg. So, jetzt hatten wir nach all den unbestaetigten Geruechten unfreundlicher Chilenen auch endlich mal ein Arschloch kennengelernt. Aber das sollte uns nicht weiter stoeren, wir hatten uns eh schon darauf eingestellt, dass das erst mal nicht gemacht werden kann. Fahren koennen wir auch so und auf so einen hatten wir eh keinen Bock.
Eine halbe Stunde spaeter hatten wir ein schoenes Plaetzchen in der Naehe des Lago Tranquilo aufgetan, und der Aerger ueber den Mechaniker war verraucht. Wir wollten nicht gleich am neachsten Tag weiter fahren sondern das schoene Wetter geniessen und so stellten wir etwas versteckt den Pauli zwischen die Baeume, bedienten uns am sauberen! Flusswasser und genossen den Blick auf den Gletscher “San Vincente”. Am Abend bruzzelten wir uns ein paar Eier (mal wieder, wenns schon keine Nudeln sind) und machten ein traumhaftes Lagerfeuer. Ein bisschen Vino und die Welt kann so einfach so schoen sein.
Nachts wurde ich von einem Geraeusch geweckt. Ich konnte draussen nur ein paar Schatten erkennen und hoerte, dass sich jemand erst an der Seitentuere und dann an der Heckklappe zu schaffen machte. Ich war starr vor Schreck, das Herz schlug mir bis zum Hals und ich konnte noch nicht einmal Mathias wecken. Nachdem sich meine Augen an die Dunkelheit gewoehnt hatten erkannte ich genauere Umrisse. Und was musste ich erkennen: es waren Pferde! Und mittlerweile schlabberten sie genuesslich unsere dreckigen Scheiben ab. Wo gibts denn so was??
Beruhigt konnte ich weiterschlafen und als mich Mathias morgens weckte, waren die 7 “Wilden” schon wieder da. Sie beschnupperten neugierig unser Auto und leckten unseren Campingtisch ab. Unglaublich. Da sind wir wohl in deren Revier eingedrungen und sie mussten erst mal inspizieren was wir sind. Einer trat wie wuetend in unsere Feuerstelle. (Vielleicht koennen das Pferdekenner genauer interpretieren, Frau Muellerin?) Als sie uns entdeckten machten sich die schreckhaften Tiere schnell wieder aus dem Staub.
Wir haben erst mal warm geduscht (tolle Solardusche, wenn auch schon leicht undicht), gegessen und uns gleich wieder abgelegt. Danach wollten wir ein wenig die Gegend erkunden. Wir sind den Trampelpfaden der Tiere gefolgt, vorbei an Lagunen und Straeuchern. Ich frage mich nur, warum hier so viele abgestorbene Baeume sind?
Wir hoerten ein Kraechzen, das nicht weit entfernt sein konnte. Und dann sahen wir aus einem Baum einen Papagei nach dem anderen fliegen. Die etwa 12 “Gruenen” flogen auf einen Ast und wir liefen durch die Buesche hinterher. Ein absolut erhebendes Gefuehl diese schoenen Tiere in freier Natur, nur ein paar Meter von den Gletschern entfernt, zu erleben.
Als wir wieder am Fluss waren, sahen wir die Pferde wieder. Als sie uns erblickten liefen sie auf uns zu, blieben in sicherer Entfernung stehen und stellten sich in einer Reihe auf. Sie beobachteten uns, wir beobachteten sie. Mir wars irgendwie schon ein bisschen mulmig, doch als ich einen schnellen Schritt in ihre Richtug machte, haben sie sich fast gegenseitig ueber den Haufen gerannt um wegzukommen. Kurz darauf standen wieder alle in Reih und Glied, aber naeher kamen sie nicht. Wir sind daraufhin wieder zu unserem L 300 -Camp und hofften sie nochmal in der Nacht oder am naechsten Morgen zu sehen. Doch blieben sie aus, dafuer erschien morgens eine Schafherde bei uns, sie grasten genuesslich um unser Auto herum, bis sie uns bemerkten und sich schnell aus dem Staub machten. Das machten wir kurz darauf auch, denn das Wetter wurde schon wieder wechselhaft und bei frischen 14 Grad macht das Campieren auch keinen Spass mehr.

Also gingen wir wieder auf die Carretera Austral para norte zur naechsten Stadt Coyhaique. Das Geruettel und Geratter der Wege hier ging uns mittlerweile ganz schoen auf die Nerven, der arme Pauli tut uns schon ganz leid, aber ein paar Kilometer mussten wir da noch durch. Wenn man ueber die vielen kleinen losen Steine faehrt, vor allem bei Regen, schwimmt einem geradezu das Auto weg. Auch dem Mathias.
Schliesslich entschaedigte uns die Urwaldlandschaft. Wir kamen noch am Naturdenkmal der “Bosques mortales” vorbei, ein ueberschwemmtes Gebiet mit lauter toten Baeumen, das Werk des Vulkans Hudson, der Anfang der 90er Jahre ausbrach. Als positiver Nebeneffekt hat die Asche die Strasse teilweise so bedeckt, dass wir schon dachten hier wurde neuer Belag gemacht und wir konnten fuer einige Zeit sogar wieder dem CD-Player lauschen. Und nach bisher 700 endlosen Kilometern Schotter erwartete uns endlich bei Cerro Castillo richtige und geteerte Strasse. Was fuer ein Traum!
In Coyhaique haben wir uns bei stroemenden Regen auf die Suche nach einer Wekstatt gemacht. Wieder die alte Leier, der eine kanns nicht, … aber schliesslich sind wir in einer Auspuffwerkstatt gelandet, wir fuehlten uns gleich gut aufgehoben und nach einer halben Stunde und gut 10 Euro hatte uns der nette Mechaniker wieder ein neues Auspuffteil drangeschweist. Tolle Arbeit und wieder ein Positivpunkt fuer die Chilenen. Danach waren wir ein bisschen bummeln im Baumarkt (alles neu und gross wie im Praktiker), dann im Supermarkt und schliesslich im Staedtchen. Da da aber der Hund begraben liegt sind wir zur naechsten grossen Tankstelle gefahren um dort zu uebernachten. Aber statt Langeweile erwartete uns dort ein Ami, der Probleme mit seiner Motorradbatterie hatte. Und wenn er schon eine BMW hat uns sich in Suedamerika lieber als Deutscher statt als US-Amerikaner ausgibt hilft man doch gerne. So kann man auch den Abend rumkriegen.
Am naechsten Morgen waren wir uns noch unschluessig wohin die Reise weitergehen soll, aber das Wetter hatte uns die Entscheidung abgenommen, und da es wieder heftig regnete entschlossen wir uns fuer den ersten Pass nach Argentinien und in den waermeren Norden.
Hinter der Stadt fing die Schotterstrasse wieder an, aber nach nur 170km hatten wir die argentinische Grenze hinter uns gelassen, festen Boden unter den Reifen, und die altbekannte Steppe hatte uns wieder. Die letzten 500 km bis Esquel regnete es im Dauerlauf, aber uns war das ganz recht, so wurde unser Pauli vom Staub und Schlamm befreit.
Kurz vor Esquel uebernachteten wir an einer Tankstelle, goennten uns noch ein Gute-Nacht-Bier und hofften auf besseres Wetter…

Zum Weiterlesen: 9. Esquel – Trenque Lauquen: Die Partyzeit beginnt!