01. Antwerpen – Dakar

1. Reisebericht: Auf dem Schiff

Antwerpen – Le Havre – Bilbao – Casablanca – Dakar

Das Wochenende vor der Abfahrt haben wir noch recht entspannt bei Katja verbracht. Nach dem Stress mit den Reisevorbereitungen, der ganzen Aufregung und Verschieberei, war das gerade richtig.

Erstaunlicherweise ist in Antwerpen alles reibungslos verlaufen, was nach unseren bisherigen Fährerfahrungen nicht selbstverständlich ist. Wir waren mittags schon am Hafen und als abends unser Schiff eingelaufen ist, konnten wir schon die erste Nacht an Bord verbringen, obwohl wir erst am nächsten Tag losgefahren sind. Pauli (unser treuer L 300) hat leider vor der Rampe warten müssen, hat dort die erste Nacht auch gut überstanden. Die Abfahrt haben wir leider nicht mitbekommen, da sie erst so spät nachts war und wir im Zimmer nicht wirklich was davon mitbekommen haben.

Unser Zimmer ist zwar sehr klein, aber gemütlich. Wir schlafen in einem Hochbett, wobei man das obere auch einklappen kann. Machen wir aber nicht wirklich, da wir uns sehr viel im Bett aufhalten zum lesen, PSP spielen oder spanisch lernen, sonst haben wir im Zimmer keinen Platz dazu. Doch, am Schreibtisch, aber im Bett ist´s halt doch gemütlicher. Wie wir schon wussten hat unser Zimmer auch kein Fenster (die kann man eh nicht öffnen), dadurch schläft man aber ewig lang, da man gar nicht mitbekommt, wenn es schon hell ist.

Genau gegenüber von unserem Zimmer ist der „Sportraum“. Dort stehen zwei Räder, ein Rudergerät (das funktioniert jedoch nicht richtig, wir sollten mal Berni fragen, wie das geht) eine Hantelbank und so ein anderes Muskelding, ein Kicker und die Tischtennisplatte. Mit den letzten zwei beschäftigen wir uns auch am meisten, macht irre viel Spaß, ist allerdings je nach Wellengang unterschiedlich schwer. Überhaupt, der Wellengang. Am zweiten Tag hat das Schiff ganz schön hin und her geschwankt, so dass es mir ziemlich schlecht und Mathias ganz schwindelig wurde. Es ging aber nicht nur uns so, sogar einer der Besatzung wurde so krank, dass er von Bord musste. Nach ein paar Stunden haben wir uns aber an das Geschaukel gewöhnt und seit dem geht es uns wieder richtig gut. Die Schaukelei hat sich jedoch etwas negativ auf unseren Sportraum ausgewirkt. Dort sind nämlich alle Sachen durch die Gegend gerutscht, es sah dort sehr wüst aus, und die Gewichthebestange hat leider die Tischtennisplatte zu Fall gebracht. Dabei ist dis Halterung für das Netz zerbrochen und wir hatten eine schöne Tagesaufgabe, das wieder zu reparieren.

Das Essen hier ist mäßig bis gut. Aber meistens gibt es so viele Gänge, dass man immer etwas Leckeres findet und eh immer reichlich satt wird. Es wird irgenwie auch immer besser, vor allem die Pizza ist der Wahnsinn! Wir können gar nicht so viel Sport machen, wie wir essen! Außerdem wird man hier genötigt zu trinken. Es gibt wahlweise Wein oder Wasser zum Essen. Das Wasser schmeckt jedoch dermaßen nach Chlor, das man denkt, man hat im Schwimmbad Wasser geschluckt. Die Konsequenz daraus ist dann, den Wein zu trinken. Der ist zwar in Tetrapacks abgefüllt (Hallo Martin!), aber aus den Karaffen, in denen er serviert wird, schmeckt er richtig gut. Sogar die Franzosen trinken ihn.

Man muss rechtzeitig zu Tisch erscheinen, denn DaCosta, unser indisches Mädchen –oder Junge- für alles, legt sehr viel Wert auf Pünktlichkeit. Schließlich essen alle zusammen, die Crew und die 9 Passagiere. Sonst muss er noch mehr durch die Gegend laufen, als eh schon. Aber wenn er gute Laune hat, dann macht er uns auch den Espresso nach dem Essen. Andernfalls macht man ihn halt selbst. Überhaupt bekommen wir hier schon öfters gesagt, dass wir uns auf einem Frachter befinden, nicht auf einem Passagierschiff. Aber sobald Zeit ist, und das ist dann doch meistens sehr schnell, kümmert sich die Crew um unsere Belange. Außer Probleme mit der Heizung, gab es bisher keine. Aber die brauchen wir ja bald eh nicht mehr. Hehe!

Die anderen Passagiere sind auch alle sehr nett. Es gibt auf jeden Fall eine gute Sprachmischung. Französisch und englisch spreche ich mittlerweile ganz gut, spanisch ist in Arbeit, italienisch verstehe ich auch schon ein wenig. An unserem Tisch sitzt der Schwede Anders, der sehr gut englisch und ein bisschen deutsch spricht, ein Deutscher, Norbert, der französisch und italienisch kann. Er ist auch das Bindeglied zu den Einheimischen, ich meine zur Besatzung, die eigentlich aus Italienern, Inder und Rumänen besteht. Der Franzose George, der ein bisschen englisch und sehr gut spanisch spricht. Er gibt uns immer beim Essen Unterricht. Soweit es geht. Aber wir machen Fortschritte. Vor allem Mathias, er lernt sehr viel und es macht ihm sogar richtig Spaß. Und dann sind da noch wir zwei, die mit deutsch, englisch und französisch vertreten sind. Demnach geht es bei uns beim Essen immer äußerst lustig zu. Am anderen Tisch sitzen ein deutsches und ein französisches Pärchen, die sich leider nicht unterhalten können, da es für sie keine gemeinsame Sprache gibt. Wir wollten die Tische schon zusammenstellen, aber wir befinden uns auf einem Schiff, da sind die Tische am Boden festgemacht!

Langweilig wird es hier keinesfalls, denn obwohl man nichts zu tun hat, hat man für nix Zeit! Unglaublich aber wahr. Wir stehen immer erst mittags auf (Frühstück lassen wir ausfallen, ist eh nix besonderes und wir werden sowieso hier zunehmen!). Dann wird erst mal um 12.00 zum Essen gegangen. Danach erst mal eine bei Norbert rauchen und etwas ablegen, da man so voll vom vielen Essen ist. Bis man nach etwas lernen, lesen oder PSP in die Gänge kommt um ein bisschen zu sporteln, ist es schon fast wieder Zeit zum Abendessen. Punkt 18.00. Danach wieder rauchen,… und den Abend mit etwas Bier, Bacardi-Cola oder Sport ausklingen lassen. Schon ist der Tag rum, und das Gleiche fängt von vorne an.

Überhaupt: Norbert! Oder von uns auch liebevoll Papa genannt. Er ist 49, LKW-Fahrer und Alt68er und super gut drauf, „für sein Alter“. Er besucht Freunde in Argentinien und wird sechs Monate mit seinem Moped durch das Land fahren. Er hat hier ganz alleine die Luxussuite. Für ihn nicht so toll, weil teuer. Für uns super, denn der Aufenthaltsraum ist meistens zu warm und da wir uns ja auf einem italienischen Schiff befinden herrscht dort Rauchverbot. Eigentlich. Auf jeden Fall ist sein Schlafzimmer doppelt so groß wie unseres. Haben wir bisher nur benutzt um einen Film auf dem Bett zu schauen. Daneben hat er noch ein riesiges Wohnzimmer, in dem es sich bei Kerzenschein ganz nett zusammen sitzen lässt. Meistens bekommen wir von einem der italienischen Besatzung Besuch, wenn er nicht gerade arbeiten muss. Giorgio, hat eigentlich keinen Bock hier zu arbeiten und ist immer über nette Passagiere froh, die ein bisschen Abwechslung in sein Matrosendasein bringen. Für uns ist es auch sehr praktisch, da wir viel Internes hier erfahren. Norbert meinte schon, wenn wir nicht hier wären, wäre er wahrscheinlich nur mit ihm zusammen und würde seinen Tagerhythmus nach seinen Arbeitzeiten richten!

Abwechslung ist dann gegeben, wenn ein Landgang ansteht. Man weiß aber nie genau, wann man wo ist. Wenn es hier mal eine kleine Verspätung gibt, kann sich das stark auf alle anderen Stopps auswirken. Das erklärt auch die verspätete Abfahrt in Antwerpen. Und wer weiß wann wir in Buenos Aires ankommen werden? Antwerpen und Le Havre haben wir ausfallen lassen, in Bilbao sind wir dann doch mal mit Norbert von Bord. Wir hatten neben E-Mails schicken auch noch ein paar Erledigungen zu machen, aber wir waren so spät im Hafen, dass keine Geschäfte mehr offen hatten. Dann sind wir halt nur trinken gegangen. Obwohl die ersten paar Anlaufstellen immer innerhalb einer halben Stunde nachdem wir da waren leer wurden, haben wir am Ende doch noch einen schnuckeligen Laden gefunden, in dem wieder Leute rein sind. Und die sind dann richtig abgegangen! Die habe dann wild auf der Theke getanzt, ICH NICHT!, und wir konnten unsere ersten Brocken spanisch anwenden. Aber wie das so ist, mit ein bisschen Alohol flutscht die Zunge und man spricht jede Sprache.

Manchmal ist hier doch ein bisschen Wallung angesagt. Wir mussten jetzt schon zweimal zur Notfallbesprechung kommen. Will heißen: was ist zu tun im Falle eines Feueralarms oder Mann über Bord,… Tja, und just nach der ersten Einführung gab’s etwa zwei Stunden später das erste Signal. Wir drei haben sofort die Rettungswesten angelegt, Kippen mitgenommen und nix wir raus. Da standen wir nun im Regen unter dem Boot und haben gewartet, aber irgendwie kam sonst keiner. Komisch. Als wir uns entschieden haben doch wieder rein zu gehen, haben wir mal die ersten Seemänner gefragt, was denn jetzt los war und wir haben erfahren, dass das Signal abgebrochen wurde. Wir waren halt die einzigen, die drauf reagiert haben. Heute haben wir erfahren, dass man bei Alarm gar nicht rauchen sollte. Das werden wir schon noch lernen, wir haben ja genug Zeit…

Zu den Verspätungen: Am Mittwoch um 4.00 sollten wir in Casablanca anlegen und wir hatten die große Hoffnung auf einen Landgang bei Tag. Wir sind dafür extra früh aufgestanden und haben sogar gefrühstückt. Wir waren allerdings eine halbe Stunde zu früh, da wir ja nicht wissen, wann es normalerweise Frühstück gibt! Wir waren schon in Sichtweite von Casablanca, konnten aber aus irgendwelchen Gründen nicht anlegen. Außer uns warteten noch ca. 14 andere Schiffe auf Einfahrt. Aber den ganzen Tag ist nichts passiert und jeder der Besatzung hatte uns einen anderen Grund genannt, warum wir nicht in den Hafen fahren können. Aus lauter Frust und Langeweile, wir waren ja diesmal auf Landgang eingestellt und haben unser normales Programm ausgesetzt, haben Christiane und Günther den Liedtext von „Wir lagen vor Madagaskar“ auf unsere Situation umgedichtet. Somit waren wir den ganzen Tag mit Übersetzungsarbeiten in alle möglichen Sprachen beschäftigt. Wir haben das Lied jetzt in deutsch, französisch, spanisch, englisch und italienisch. Ich sag´s doch, hier lernt man alle Sprachen. Wir nennen das Kauderwelsch hier mittlerweile nur noch europäisch. Vor dem Abendessen haben wir ein wenig geübt es zu singen und nach dem Essen haben wir es dem Kapitän und seiner Crew vorgesungen. Die haben vielleicht geschaut! Und somit ist erstens wieder ein Tag vergangen, ohne wirklich etwas zu tun und es erklärt, wie hier so große Verschiebungen der Abfahrtszeiten zustande kommen. Wenigstens ist das Wetter hier schön und wir konnten uns den ganzen Tag dabei auf Deck sonnen. Außerdem hat es alle Passagiere ein bisschen näher gebracht. Wir haben gehofft, dass es am nächsten Tag klappt, an Land zu gehen, denn wie gesagt, wir haben Erledigungen zu machen und freuen uns darauf mal wieder etwas anderes als das Schiff zu sehen.

Leider mussten wir uns noch einen Tag gedulden und freitags war dann endlich der Tag gekommen, an dem wir von Bord durften. Die erste Information war, dass wir um elf wieder an Bord sein sollten, das wäre zu knapp gewesen, aber der Kapitän sagte uns, wir müssen um 13.00 wieder da sein, also nix wie los. Eigentlich wollten wir mit Norbert nach Casablanca gehen, aber der war wohl schon weg. Hat sich aber als Fehlinformation herausgestellt, der hatte gerade ein Plätzchen gesucht, an dem er eine wlan Verbindung bekommt und wir haben ihn nur nicht gefunden. Also sind nur wir zwei los. Das war das erste Mal für mich auf afrikanischem Boden und ich war schon ziemlich ufffgerescht, als wir den Hafen verlassen haben. Und dann noch all die Marocs, die natürlich wie blöd einer blonden Frau hinterhergaffen, und all die schwulen Araber hinter Mathias her. Aber egal, wir wollten ja auf jeden Fall ins Internetcafe (auch Internet ohne Cafe) und wenn man schon mal die Gelegenheit hat, dann schaut man sich auch ein bisschen um. Nach einiger Fragerei haben wir auch eins gefunden und somit mal wieder Verbindung zur Außenwelt hergestellt. Dann wollten wir eigentlich noch etwas zu trinken einkaufen, aber es dauerte erst mal, bis wir einen Likörshop gefunden haben doch dort kostete eine Flasche Absolut-Wodka 20 Euro, und von dem einheimischen Gebräu wird man sicher blind. Also haben wir es gelassen und haben uns wieder Richtung Schiff aufgemacht. Mittlerweile habe ich mich auch an die Situation gewöhnt und den Gang durch die Stadt richtig genossen. Wirklich schön hier, all die verschnörkselten Türen und überall kleine Geschäfte die diesen herrlichen marokkanischen Schnickschnack verkaufen, obwohl Casablanca absolut kein Touristenort ist. Auf dem Heimweg haben wir dann noch Blimjen für die Damen gekauft (da haben sie sich aber gefreut und gewundert) und einen Ascher für Norbert. Schließlich wird ja in seinem Zimmer dauergeraucht und so ein geschlossener Ascher tut da seinen Dienst. (Mittlerweile haben wir auch das mit Silikon verschlossene Fenster geöffnet, denn Frischluft tut immer gut!)

Als wir wieder am Schiff angekommen sind hat uns der Chefrumäne eröffnet, dass wir doch erst um 18.00 oder 19.00 oder 20.00… Uhr auslaufen und das hat uns tierisch geärgert, denn dann hätten wir das marokkanische Flair ein bisschen mehr genießen können und den Reisebericht endlich ins Internet stellen können. Das nächste Mal fragen wir gleich den, das ist der einzige, der wirklich Bescheid weiß, aber das bekommt man immer erst mit der Zeit raus. So gegen 23.00 haben wir dann tatsächlich abgelegt und jetzt sind wir auf dem 3-tägigen Weg nach Dakar, vorbei an den Kanaren. Dort hätten wir gerne mal gehalten, aber der Kapitän wollte nicht. Warum nur?

So erklären sich auf jeden Fall die immer größeren Verspätungen und wir wissen noch nicht einmal, ob wir Weihnachten schon in Buenos Aires ankommen. Aber egal, denn wir haben hier ja All-Inclusive, und das einzige was wir bezahlen müssen sind Getränke wie Cola, Wasser oder Bier (je 50cent) oder mal Campari (1l – 8 Euro) und natürlich Prosecco! Das einzige Problem das wir hatten war, dass alles was hier an Bord verkauft wird nur auf offener See herausgegeben werden darf, weil alles zollfrei ist. Also saßen wir bei unserer Wartezeit in Casablanca ganz schön auf dem Trockenen! (Es gibt zwar immer noch Mittel und Wege den Koch zu überreden, doch etwas herauszugeben, aber das ist mal ein Liter Tetrapack-Wein – nicht viel für vier Personen.) Aber auch daraus lernt man, das passiert uns nicht mehr.

Samstag hatten wir mal volles Programm: Mittags war Schiffsführung, die unser Chefinder und „direktor de macchina“ durchgeführt hat. War ziemlich interessant zu sehen, und vor allem laut. Immerhin nimmt der Maschinenraum etwa ein Drittel unseres wirklich riesigen Schiffs ein. Und nach dem Abendessen haben Günther und Christiane den Film ihres Mongolei-Off-Road-Urlaubs gezeigt. War ganz interessant zu sehen, vor allem für das französische Pärchen, die da demnächst auch hinfahren werden.

Danach hatten wir wieder unseren obligatorischen Vier-Mann-Treff in Norberts Suite bei diversen Getränken und Naschkram ohne Ende- hähä zum Glück. Doch Giorgios Arbeitsplan hat sich mittlerweile geändert und er muss immer um 24.00 zur Arbeit. Also immer wenn’s bei uns am lustigsten ist. Da er jedoch nicht wirklich was zu tun hatte, hat er uns angerufen und zur Brücke hochgeholt und somit haben wir auch noch unsere Privatführung bei Nacht bekommen. Zum schlafen mussten wir wieder in unser Sauna-Zimmer, denn die Probleme mit der Heizung gibt es immer noch, und wir haben meistens nachts 28° in unserem Zimmer. Die einzige Lösung dafür ist es, die Türe immer offen zu lassen. Das freut natürlich die Besatzung, die gerne einen Umweg in Kauf nehmen, um einen Blick in unser Zimmer zu erhaschen. Denn auch Mathias in Unterhosen ist für einen Teil der Besatzung ein lohnender Anblick. Besonders oft kommt mittlerweile der Chefinder bei uns vorbei, der sich äußerst für mich interessiert. Ständig bietet er mir an E-Mails zu schicken, lädt mich zu sich ins Zimmer ein, und will ständig irgendwas. Aber wer weiß, wann das noch mal für was gut ist…

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