06. Bahia Blanca – Ushuaia

6. Reisebericht: Ab nach Feuerland

Bahia Blanca – N.P. Peninsula Valdes – Camarones – N.P. Bosques Partificados – N.P. Monte Monte Leon – (Chile) – Rio Grande – Ushuaia

Nachdem wir in Bahia Blanca alles gut erledigt haben, Versicherung ist klar, Brille und vor allem meine Kamera sind repariert (das ist unerwarteter Service in nur 24h) konnten wir endlich den Weg Richtung Peninsula Valdes antreten. Obwohl ich es in Bahia Blanca noch ein wenig haette aushalten koennen, denn wir hatten ein Zimmer mit Fernseher und da lief staendig Desperate Housewives, Scrubs und endlich mal wieder Nachrichten. Aber dafuer sind wir ja nicht hier, wir wollten endlich Pinguine sehen.
Also haben wir uns dann abends um 18.oo auf die Ruta 3 Richtung Sueden gemacht und sind gefahren, bis es dunkel wurde. In dieser Nacht haben wir das erste Mal an einer Tankstelle uebernachtet. Wie wir gelesen haben kann man da problemlos neben den Trucks schlafen und in den Toiletten gibt es sogar kostenlose Duschen. Ein bisschen komisch war’s mir schon, aber Mathias hat das ganz locker genommen und war erst mal duschen. Danach gabs im Shop noch ein Gute-Nacht-Bierchen und das wollte morgens um vier auch wieder raus. Aber gluecklicherweise bei beiden von uns und so sind wir gemeinsam in Unterhosen an dem bewaffneten Security-Mann vorbei in die Toiletten geschlendert.
Ansonsten gab es nichts aufregendes in dieser Nacht und so konnten wir gut erholt weiterfahren. Auf dieser Strecke sind wir auch zum ersten Mal angehalten worden, jedoch nicht von der Polizei, sondern von Streckenposten, die jeden beim Bundeslanduebertritt anhalten und schauen ob man Obst und Fleisch dabei hat. Hatten wir nicht und so konnten wir problemlos weiterfahren. Erstaunlicherweise mussten wir feststellen, dass das Benzin hier unten noch billiger ist. Das ist steuerfrei und bei den Strecken, die man hier zuruecklegen muss, bis man irgendetwas erreicht, kann ich das auch verstehen. Wir haben daraufhin unserem “Ferrari” nur das beste gegoennt und ihn mit 10o Oktan Sprit verkoestigt, und das bei einem Literpreis von 35cent! Traum! Wann immer wir das hier sehen, bekommt er nur das beste von uns, hat er sich ja auch verdient.
Ich frage mich nur, ob die Zaeune hier auch steuerfrei sind, denn bei den Kilometern, die die hier verbrauchen, duerften die eigentlich gar nix kosten.

Endlich hatten wir die zum Nationalpark erklaerte Halbinsel Peninsula Valdes erreicht. Die Insel ist etwa 100km lang und 50km breit und ist an einer 15km breiten Stelle mit dem Festland verbunden. Auf der Insel gibt es 3 Salzseen, staubige Schotterpisten und nur einen Ort, Puerto Piramides, und ansonsten nur vereinzelte Estanzias und Hotels. Der “Eintritt” kostet 35 Pesos, das sind etwa 10 Euro. Auf der Strecke zur Insel und auch ueberall dort stehen Warnschilder an den Strassen, die auf freilaufende Guanacos, Schafe, Rinder,… hinweisen.

In Pt. Piramides haben wir nochmal an der einzigen Tankstelle aufgetankt und uns auf dem einzigen Zeltplatz des Ortes eingemietet. Der liegt zwar direkt hinter einer Duene zum Strand, aber wir fanden ihn grauenvoll. Der war proppenvoll, ein Zelt war neben dem anderen unter den wenigen Bueschen geklatscht, was ja nicht viel anders zu erwarten war, in der Hochsaison. Ansonsten standen da auf freien Schotterflaechen Strommasten und riesige alte (v.a. Mercedes-) Busse / Wohnmobile rum, mit denen die Argentinier ganz normal in den Campingurlaub fahren. Leider bin ich noch nicht in den Genuss gekommen, in so einen reinzuschauen. Wuerde mich ja schon mal interessieren. Auf jeden Fall war das Flair auf diesem Platz gleich Null, noch dazu mussten wir fuer die Duschen extra bezahlen, die aus Wassermangel nur von 19.oo bis 23.00 in Betrieb sind. Kann man ja auch verstehen.
Wir haben uns erst mal an den Strand gesetzt, aber ins Wasser konnte man bei dem Wind absolut nicht. Links und rechts waren die Felsen und hinter uns ein paar Buesche. Das Meer war ziemlich weit draussen, was an dem enormen Tidenhub hier liegt. Abends um 22.00 war das Wasser ganz vorne am Strand. So extrem haben wir den beide noch nie gesehen.
Wir sind noch ein bisschen am Strand und durch den Ort geschlendert und haben uns dann duschen wollen. Und jetzt der Schock: Es wollten nateurlich alle duschen und da war eine Schlange von 20-30 min. und an der Tuere stand ein Schild, dass man nur 3 min. duschen kann. Letztendlich konnte man dann doch so lange man wollte und das Wasser war toll heiss, was man auch braucht, denn wenn man nicht mehr in der direkten Sonne sitzt wirds gleich bitter kalt. Und abends wurde es richtig frisch, da hatten wir nur noch 9 Grad, aber um Mitternacht wieder 15 Grad. Komisch, aber so ist das hier eben.

Wir haben dann ordentlich ausgeschlafen und uns zum Fruehstueck Kaba und Stueckchen geholt. Die schmecken lecker! Die sind recht klein, aus Blaetterteig, meist mit Pudding oder Karamell gefuellt und kosten eigentlich nix (15 cent). Da steht man im Baecker und denkt immer die haben sich verrechnet. Da will man gleich noch mehr holen.
Danach ging es in den Supermarkt und wir haben unsere Vorraete und die Solardusche aufgefuellt, denn wir wollten nicht laenger auf diesem Platz bleiben und uns lieber ein ruhiges Plaetzchen abseits suchen.
Also ging es los, um die Insel zu erkunden. Gleich in der Naehe von Pt. Piramides gab es eine Seeloewenkolonie. Die liegen da so auf den Felsen, um sie herum nur das Meer und eine traumhafte Steinkulisse und ihr lautes Grunzen. Ein wirklich tolles Naturschauspiel, die vielen Tiere bei ihren Paarungsversuchen und Kaempfen zu beobachten.
Danach ging es wieder weiter ueber die Insel, ueber die trockenen Schotterpisten, durch die sandige uns sproede Landschaft von Disteln, Bueschen und Graesern und dazwischen immer mal Schafe, Guanacos oder Pferde. Selten mal der Weg zu einer Estancia und ansonsten weit und breit nix. Die Pisten sind der Hammer, mal Schotter, mal Wellblechpiste oder Schlagloecher. Ein Geruettel und Gewackel ist das. Und man zieht immer eine grosse Sandwolke hinter sich her und der Staub verteilt sich im ganzen Auto, in jeder Ritze. Die Haare sind total verstaubt, man kann den Staub regelrecht riechen und staendig kratzt es im Hals.
Der naechste Halt war bei Punta Norte, wo nochmal ein Seeloewenkolonie war, diese hat sich aber an einem Strand niedergelassen. Wieder das laute Grunzen und dann erblicke ich etwas, nur wenige Meter vor der Kueste. Ich denke noch das ist ein Delphin, aber es war tatsaechlich ein Orca, der sich hier sein Mittagessen abholen wollte. Ein paar mal ist er aufgetaucht und Mathias hat es sogar filmen koennen. Was fuer ein Erlebnis. Zumal wir absolut nicht mit Walen gerechnet haben, deren Saison ist im Dezember eigentlich vorbei.
Danach haben wir uns hungrig ein paar Meter weiter an einen Kiesstrand gestellt, der nicht so leicht zu erreichen war, denn der Boden war bedeckt mit Dornen, aber wir haben ja das absolute “off-road” Gefaehrt dabei.
Nach einem guten Picknick wollten sind wir weiter die Kueste abgefahren und ploetzlich vor uns ein Schild: Pinguine. Endlich. Und wir standen wirklich ganz nah bei ihnen, nur durch einen duennen Drahtzaun getrennt, den die putzigen Kerlchen problemlos unterlaufen koennen. Manche mutige machen es auch.
Die haben da direkt am Meer den Hang entlang in Loechern zwischen Bueschen ihre Nester gebaut und da watscheln diese 50cm kleinen Fracktraeger umher, da kann man stundenlang zuschauen. Wenn leider der beissend kalte Wind nicht waere. Der hat uns dann wieder ins Auto und weiter zu einer Seeelefantenkolonie getrieben, diese Tiere sind riesig und zum Glueck weit entfernt, denn mit ihren 5-6 Metern und 5000 kg! sind sie schon gewatige und imposante Brocken.
Da es schon langsam dunkel wurde – je weiter wir suedlich kommen, desto spaeter geht die Sonne unter und wir hatten schon bald 22.00 – haben wir uns mal auf die suche nach einem Schlafplatz gemacht. Den haben wir dann auch etwas abseits der Strasse hinter einem kleinen Huegel gefunden. Hinter uns war ein fabelhafter Sonnenuntergang und wir haben in der Kaelte unsere leckeren Eier mit Speck gebruzzelt. So kam auch endlich unser Gaskocher zum Einsatz. Gut gesaettigt und in absoluter Stille unter dem Sternenhimmel haben wir uns dann langsam in die Koje gahauen, gut eingepackt. In dieser Nacht war es wirklich richtig kalt, wir hatten gerade mal 3 Grad ueber Null, drinnen war es nur wenig Waermer und Mathias schlief sogar mit Muetze.

Am naechsten Morgen schien wieder die Sonne und der Wind hatte gedreht. Jetzt sassen wir zwar nicht mehr im Windsachatten des Autos, aber dafuer wurde es durch den angenehmen Nordwind stetig waermer. Gestaerkt vom Kaffee und der absoluten Ruhe, bei der nicht mal mehr wir Musik gebraucht haben, ging es wieder auf die Piste. Wir haben weiter die Insel angefahren, ich glaube es gibt kaum einen Weg, den wir nicht ausprobiert haben. Zuerst ging es hoch auf die Duenen, die sich gleich hinter dem Meer erstrecken. Von da oben hat man einen traumhaften Blick, selbst wenn die Insel landschaftlich ausser der Steilkueste nicht viel zu bieten hat, geht von ihr doch eine gewisse Faszination aus. Wir haben dann mitten in den Duenen vereinzelt ein paar schmiedeeiserne Graeber von 1920 entdeckt. Die waren schon ziemlich vom Sand bedeckt und sicherlich war dort frueher mal ein ganzer Friedhof. Danach sind wir wieder zum Auto zurueck, doch haben wir uns auf dem Weg dorthin etwas verlaufen. Nicht schlimm, aber da merkt man, wie schnell so etwas passiert, auch wenn man sicher ist, auf dem richtigen Weg zu sein. Wir haben unseren Pauli aber dann doch schnell wieder zwischen den Huegeln herausragen gesehen und konnten weiterfahren.
Danach sind wir wieder auf die Hauptpiste und haben eine Abzweigung genommen, von der wir dachten, dass sie auch zu den Duenen fuehren wuerde. Doch als wir am Ende der Strasse ankamen, lag vor uns ein Strand, an dem sich einige Wildcamper zusammengefunden hatten. Einfach traumhaft hier. Direkt vor den Felsen haben wir unser Auto geparkt, ein paar Meter weiter der Kiesstrand vor den Duenen und obwohl das Wasser eisekalt war, waren wir von der Sonne aufgewaermt und wir haben doch den Sprung ins kuehle Nass (ca. 15 Grad!) gewagt. Brrrr. Aber toll erfrischend und nur wenige Meter von Seeloewen, Pinguinen und Orcas entfernt. Wir sind dann den Strand entlang spaziert, haben kleine Krebse im klasklaren Wasser beobachtet und dem Treiben am Wasser zugeschaut.
So langsam hatten wir genug Sonne abbekommen, haben mal wieder unsere Solardusche zum Einsatz gebracht und uns ausgeruht. Hungrig erwacht haben wir wieder unseren Gaskocher angeschmissen und uns frische Nudeln mit Tomatensauce gekocht. Wir haben unsere “Kueche” mittlerweile ins Auto verlegt, da wir sonst den Topf zwei Meter neben den Kocher halten muessten um die Flamme zu erwischen. Wieder mal im Sonnenuntergang, direkt am Meer mit Wein (braucht man ja fuer die Sauce!) und den naechsten Nachbarn 50 Meter entfernt haben wir unser Essen und den Abend genossen.

Am naechsten Morgen gab es extrem starke und wieder kalte Windboen und wir mussten wieder mal unser Auto zum Windschutz umstellen. Schnell einen Kaffee gemacht und nix wie weiterfahren. Wir hatten noch ueberlegt einen Tag laenger hier zu bleiben, aber bei diesem Wind hatten wir es uns schnell wieder anders ueberlegt. Also haben wir die Peninsula mit ihrer tollen Tierwelt und Kuestenlandschaft verlassen, was sich letztenendes als guter Entschluss herausgestellt hatte, denn es war Sonntag und massenweise sind die Tagesausfluegler angereist. Autoschlangen sind uns entgegen gekommen und wir waren froh, diesem “Massentourismus” (trotz Hochsaison ist hier ausser dem Campingplatz nichts ueberlaufen) zu entfliehen.

So waren wir wieder auf der Ruta 3, die sich 3063 km von Buenos Aires bis Ushuaia durchs Land zieht. Aber wir hatten noch eine lange Strecke von etwa 2000km vor uns. Die wollten wir jetzt etwas schneller hinter uns bringen, da der Sommer hier bald vorbei ist und der Sueden nur bis Februar bereisbar ist, dann wird es zu kalt. Also sind wir wieder durch die eintoenige Landschaft gefahren, die Rinder haben sich mit Schafen und Guanacos abgewechselt. Die Fahrt ist wenig abwechslungsreich, man versucht stetig den starken Boen entgegenzulenken, man zaehlt die Kilometer von einer Minierhebung zur naechsten (2 bis 3km) oder bis zur naechsten Abzweigung zu einer Esancia (mal 30, mal 50 km). Wenn man mal ueberholen muss, dann verschaetzt man sich sich leicht (also ich mich, der Mathias natuerlich nicht!), denn auf diesen ewig langen Strecken kann man die Entfernung schlechter einschaetzen. Ausserdem herrscht hier auch tags Lichtpflicht, laut Gesetz 25.456, was gar nicht so verkehrt ist.
Wir haben dann die Abzweigung nach Camarones genommen, da in der Naehe noch eine tolle Pinguinkolonie sein sollte. Von den 70km Strecke in diesen Ort waren wir wirklich ueberrascht, denn ploetzlich war die Landschaft huegelig und kurvig, es gab kleinere Seen, die Felsen wechselten ihre Farben von grau und braun bis hin zu rot oder lila. Erstaunlich, nur ein paar Meter von der absoluten Oede entfernt erstreckte sich eine solch abwechslungsreiche Landschaft.
Camarones selbst entpuppte sich als etwas trostlos, doch die 30 km Schotterstrecke zum Reservat Calaeta Sara (Eintritt 10 Pesos = 3 Euro) hat sich sehr gelohnt. Und dann kamen wir bei der Pinguinkolonie an. Ueberall in den Bueschen und auf freier Flaeche sieht man die kleinen Kerle sitzen, liegen oder laufen, vor und in den Nestern, die aus kleinen Loechern im Boden bestehen.
Nur wenige andere Touristen finden den Weg hierher und so waren wir mit den Tausenden kleinen Watschlern fast alleine. Durch die Kolonie geht ein kleiner Weg, zum Teil aus Holzstegen, die das Leben der Pinguine nicht beeintraechtigen. So kann man die Pinguine aus naechster Naehe betrachten. Interessant ist auch, dass zwischendrin die Schafe, Strausse oder Guanacos stehen und sich keiner vom anderen gestoert fuehlt. Es war so ein beeindruckendes Erlebnis so nah zu sein und so unendlich viele Pinguinchen bei der Brutpflege, dem Weg zum oder vom Wasser oder bei sonstigem Sozialverhalten zu beobachten und an ihrem Leben teilzuhaben. Traumhaft! Es faellt einem schwer, sich von diesem Anblick wieder loszureissen.
Doch wurde es langsam Abend und wir mussten uns um einen Schlafplatz kuemmern. Doch vorher sind wir noch zu den beeindrucken roten Felsen an der Kueste gefahren und haben uns dem Spiel der Wellen und der hochpreschenden Gischt hingegeben. Was fuer ein Tag!
Im Reservat befindet sich auch ein kleiner Campingplatz, der direkt am Meer in einer kleinen Bucht liegt und von sehr netten Leuten betrieben wird. Aber wer ist das hier nicht?! Dort haben wir uns dann lecker Fleisch bruzzeln lassen, noch ein Bierchen getrunken und uns selig die Erlebnisse des Tages durch den Kopf gehen lassen.
Am naechsten Morgen konnten wir es uns nicht nehmen lassen uns nochmal von den Pinguinen zu verabschieden und waren auch die erste halbe Stunde ganz alleine mit diesem herrlichen Anblick. An diesem Tag herrschte wieder extrem kalter Suedwind (aus der Antarktis), der den warmen Nordwind des Vortages abgeloest hat. Wie wir mittlerweile erfahren haben ist der Wind in diesem Sommer auch ungewoehnlich stark, normalerweise ist er nur im Sueden so heftig. Sogar die Zeitung schreibt seitenweise darueber.
Wir sind dann wieder zurueck zur Ruta 3 mit ihrer gewohnten Einoede bis nach Comodore Rivadavia, einer von der Oelindustrie gepraegten und auch sonst nicht sehr reizvollen Stadt. Interessant ist die Musikauswahl in den wenigen Radiosendern unterwegs, denn Empfang hat man (wie beim Handy) nur in groesseren Staedten. Da lauft neben Cure, mal argentinischer Schnulz und zwischendrin Modern Talking!! Die stehen hier eh auf deutsche Musik im Radio und da kommen schon mal Lieder im 80er Style, die noch nicht mal wir kennen. Ulkig.
In Rivadavia haben wir nochmal gross eingekauft und ein bisschen Internetkram erledigt und schon mal den ersten Reservekanister aufgefuellt, bevor wir uns weiter der langweiligen Strecke hingegeben hatten. Doch gab es leider einen kleinen “Zwischenfall”, wir haben ausgerechnet auf einer Strasse auf der es absolut keinen Schotter gibt einen kleinen Stein auf der Scheibe abbekommen. Aber egal, ist beim Beifahrer unten und nicht besonders gross. Weiter ging es in Richtung Sueden, den Sonnenuntergang im Blick, bis es dann doch zu dunkel war um noch weiterzufahren. Also suchten wir nach einem Nachtquartier, was sich hier als ziemlich problematisch herausstellte. Da es hier keine Staedte mehr gab, gab es auch keine groessere Tankstelle zum Uebernachten mehr. Es gab auch keine Stichstrasse, auf der wir uns etwas abseits haetten abstellen koennen und die ersten Lichter einer Stadt entpuppten sich als die einzigen Lichter der einzigen Strasse. Doch letztenendes haben wir einen kleinen Ort mit Campingplatz und Duschen gefunden, wo wir fuer 7 Pesos (2 Euro) die paar Stunden bis zur Weiterfahrt bleiben konnten.

Am naechsten Morgen haben wir uns schon frueh auf die Socken gemacht und sind wieder der ewig abwechslungslosen Routa 3 gefolgt. Von hier ging eine Stichstrasse ab zu dem Nationalpark Bosques Patrificados, also zu versteinerten Baeumen. Kaum von der Strasse abgefahren erhoben sich vor uns tolle Tafelberge, die wieder eine enorme Farbenvielfalt hervorbreachten. Von weiss ueber braun, rot, schwarz und einem undefinierbaren (schimmel-)gruen war alles vertreten. Grandiose Berge, die man ein paar Meter vorher einfach nicht vermutet haette und mittendrin immer mal wieder Strausse oder Guanacos und kleinere Wasserstellen. So fuhren wir die 50km zu den versteinerten Baeumen. Der Eintritt hier war frei und man konnte sich die freigelegten Baeume, von denen man wirklich kaum glauben mag, dass sie aus Stein sind, auf einem kleinen Rundgang betrachten. Inmitten dieser herrlichen Natur und mit der Begleitinformation (sogar auf deutsch) konnte man sich diesem 150 mio. Jahre alten Gang der Naturgeschichte hingeben. Wirklich beindruckend. Und zum Abschluss sind wir noch in das kleine Museum gegangen, in dem sie die Entstehung der Erde sehr anschaulich dargestellt hatten. Als wir losfahren wollten hat uns ein junger Mann auf deutsch mit einem sonderbaren Dialekt angesprochen. Er entpuppte sich als Brasilianer und freute sich, sein deutsch anwenden zu koennen.
Dann hiess es wieder 50km zurueck ueber Schotter und Staub und dann wieder die besagte Routa 3, bis nach 200! km endlich die naechste Tankstelle kam. Gerade bei der Einfahrt leuchtete unser Laempchen auf, aber wir waren ja dank Kanister vorbereitet, und wussten dass tanken hier nicht mehr alle 50 Meter moeglich ist. Und wen treffen wir dort? Den Brasilianer und seine Freundin. Wir erfuhren dann, dass er mal 6 Monate in Koeln gewohnt hat und daher so gut deutsch kann, auch nach Ushuaia will und in Brasilien in der Naehe von Florianopolis wohnt. Was fuer ein Zufall. Wir haben noch einen Kaffee zusammen getrunken, Adressen ausgetauscht, uns fuer naechstes Jahr verabredet und auf den Weg gemacht.

Wir haben jedoch nochmal einen Umweg gemacht, da wir uns eine weitere Pinguinkolonie nicht entgehen lassen konnten. Also nahmen wir die Stichstrasse in den Nationalpark Monte Leon und so sind wir wieder mal in den Genuss der Berge und einer wieder voellig unterschiedlichen Natur gekommen. Ueberall neben uns erstreckten sich tiefe ausgetrocknete Flusslaeufe, die vermuten lassen, dass es hier manchmal nicht so trocken ist, was wir gerne einmal sehen wuerden. Davor bekamen wir noch an der Touristen-Info (ein einsamer Bauwagen an der Strasse) ein Merkblatt, worauf unter anderem darauf hingewiesen wurde, dass man bei starkem Wind seine Kinder gut festhalten solle. Und an diesem Tag war zweifelsohne starker Wind.
Zu den Pinguinen mussten wir eine Strecke von ca. 30 min. durch die Huegel laufen. Auf den Weg dorthin haben wir eine riesen Guanaco Familie gesehen. Normalerweise sehen wir nur Tiere in kleinen Gruppen bis zu 10 Tieren, hier jedoch stand nur wenige Meter vor uns eine Gruppe von fast 50 Guanacos. Was fuer ein toller Anblick.
Bei den Pinguinen an der Kueste angekommen, konnten wir die Kleinen fast gar nicht geniessen, denn der Wind war wirklich unglaublich heftig. Man hatte Muehe voranzukommen und ohne Muetze haette man sich wohl ein ordentliche Mittelohrentzuendung geholt. Auf dem Weg zurueck (lang konnten wir bei dem Sturm wirklich nicht bleiben) fing es auch noch etwas an zu regnen und gleichzeitig mussten wir Sonnenbrillen tragen. Wir sind so schnell es ging zurueck zum Auto, eine Seite nass, die andere trocken, vorne Sonne, hinten Wind. Kurioses Wetter.
Danach sind wir noch zu einer Vogelinsel gefahren und ein paar Meter weiter befanden sich mitten im Park Duschhaeuschen. Man konnte naemlich dort umsonst zelten, mit Zelt sogar windgeschuetzt in einer kleinen Schlucht mit extra Grills. Und wenn man hart genug war, auch dort duschen (nicht geheizt, ca. 10 Grad). Ich war zwar nicht hart genug, aber dreckig und konnte auf etwas Wasser nicht verzichten. Doch als ich dann halb unter dem Wasser stand, dachte ich, Haare waschen geht auf keinen Fall. Bis ich mich jedoch abgeduscht hatte, hatte ich mich auch an das Wasser gewoehnt und hab mir das volle Programm gegeben! Uaaah! Frisch war ich dann, und schnell die Muetze auf, sonst holt man sich ja den Tod. Also haben wir wieder ein paar Nudeln gekocht (natuerlich wieder im Auto und wieder mit Wein) und uns nach einem langen Tag ins kuschelige Auto verkrochen.
Am naechsten Morgen war es kuehler, aber wesentlich weniger Wind, und wir haben uns mal wieder nach einem warmen Kaffee auf den Weg gemacht. Wir sind sogar zwei mal von der Polizei kontrolliert worden, jedoch waren es wirklich unspektakulaere Kontrollen. Zum einen haben sie wirklich jedes Auto angehalten, zum anderen wollten sie nur wissen woher man kommt und wohin man faehrt. Ganz nebenbei lassen sich die Herren noch auf einen kleinen Schwatz ein und wuenschen schliesslich eine gute Reise.

Mittlerweile sind wir schon sehr weit suedlich, wir sind die letzten drei Tage jeweils rund 500km gefahren, und das trotz Besichtigungen.
Endlich sind wir an der chilenischen Grenze angekommen, von wo aus wir nach ein paar Kilometern mit einer kleinen Faehre nach Feuerland uebersetzen konnten und von dort wieder nach Argentinien einreisen mussten. Aber davor hatten wir noch etwas Papierkram zu erledigen. Gluecklicherweise waren die Grenzposten nicht besonders voll und so hielten sich die Wartezeiten sehr in Grenzen. Das einzige, was uns viel Zeit gekostet hat war, dass wir zu ehrlich waren. Wir wussten schon, dass man keine planzlichen oder tierischen Produkte nach Chile einfuehren durfte. Nachdem wir aber den Brasilianer an der Grenze wiedergetroffen haben, als sie gerade sein ganzes Auto durchsuchten, haben wir uns gedacht, wir geben unser bisschen Zeug mal lieber an. Unser Beamter allerdings hat nur duerftig ueber unsere Sachen geschaut und uns vor die Wahl gestellt, die Sachen wegzuschmeissen oder noch hier an der Grenze zu essen. Also haben wir zwischen Autos und Schlagbaeumen ein kleines Picknick eingelegt und gegessen was wir konnten, den Rest lieber mal versteckt. Als wir dann durchfahren wollten hat der Grenzer nur den Daumen hoch gehalten und gar nicht weiter nachgeschaut. Wir waren auf jeden Fall gut gesaettigt.
Danach ging es direktr zur Faehre, wir mussten ca. 1 h auf die naechste warten und fuer 68 Pesos wurden wir dann in einer halben Stunde auf die Insel Feuerland gefahren. Mit auf unserer Faehre waren zwei Gauchos mit ihren 5 Pferden und 10 Hunden. Doch die Hunde wollten nicht so recht auf dieses komische Ding und immer wenn der Gaucho einen eingefangen hatte ist im letzten Moment ein anderer nochmal abgesprungen. War auf jeden Fall eine Attraktion fuer uns. Und so haben wir die Magellanstrasse ueberquert und sind endlich in Feuerland angekommen.
Doch mussten wir ja jetzt wieder auf argentinische Seite kommen und bis dahin waren es noch etwa 120 km. Ist normalerweise nicht viel, ausser wenn man fuer diese Strecke ueber drei Stunden braucht! Die Strasse war die Transitstrecke fuer die LKW und katastrophal. Die bisher boesesten Hubbel, riesen Schlagloecher, Wellblechpiste, Schotter. Wir waren schon froh, wenn wir mal 40km/h fahren konnten. Und hier haben wir auch auf der Fahrerseite unseren 2. Steinschlag abbekommen. Hoffentlich sprengt der uns nicht irgendwann die Scheibe.
Aber so langsam wurde die Landsschaft gruener und endlich hatten wir Rio Grande, die letzte grosse Stadt vor Ushuaia erreicht. Hier gibt es zwar nicht viel Sehenswertes, aber wir hatten von einem Zeltplatz gelesen, der direkt am Fluss liegt und von aussen eher an eine Fabrikhalle erinnert (oder ist) aber ganz nett sein soll. Also haben wir diesen aufgesucht und waren sehr ueberrascht. Die Halle war eigentlich fuer einen Kanuverein zum Boote unterstellen, aber gleichzeitig waren hier Tische und Stuehle, ein Holzofen, eine Kueche zum selbst kochen und heisse duschen. Toll und absolut gemuetlich. Hier haben wir auch die ersten Deutschen auf unserer bisher vierwoechigen Reise getroffen. Sie schwaebelt, er kommt aus Sachsen! Aber die zwei waren (trotzdem ;-)) aeusserst sympatisch und wir haben zwei lustige Abende mit ihnen verbracht. Eigentlich wollten wir nur eine Nacht bleiben und dann gleich weiterfahren, aber am naechsten Tag haben wir noch dazu Fritz kennengelernt, er ist ueber sechzig und seit zwei Jahren mit seinem Fahrrad in ganz Amerika unterwegs. Und hat jetzt erst die Haelfte seiner Welttour bestritten. Na, und mit ihm haben wir uns dann ein bisschen verbabbelt und entschlossen noch eine Nacht dranzuhaengen. Und so sind wir abends noch in den “Genuss” eingelegter Datteln gekommen, die Carlos, der Besitzer freizuegig an die dann kichernden Damen verteilte.
Hier haben wir auch noch ein schweizer Paar kennengelernt, die seit drei Jahren unterwegs sind und mittlerweile einen elf Monate alten Sohn haben. Geplant. Aber keine Angst wir kommen nur zu zweit wieder!
Am folgenden Morgen haben wir dann doch den Abflug geschafft und wollten jetzt die letzten 200 km ans Ende der Welt fahren. Doch unterwegs haben wir in dem kleinen netten Ort Tolhuin gehalten und bei der Touri-Info einen Plan bekommen, auf dem etwas abseits eine Lagune eingezeichnet war. Und die wollten wir mal erkunden, und so sind wir die Strasse entlang gefahren und irgenwann an diesem See angekommen, wo wir die einzigen waren. Dort haben wir unser Lager errichtet und die Gegend erkundet. Bei der Umrundung des Sees haben wir gleich eine typische Bekanntschaft der Feuerlandregion gemacht. Biber. Nicht nur dass immer mehr Baeume hier wegen der ausbreitenden Sumpflandschaft absterben, den Rest erledigen dann diese groessenwahnsinnigen Nager. Erstaunliuch was fuer Brocken die faellen. Eine sehr bizzare und interessante Landschaft. Wieder am Auto angekommen haben wir erst mal eine Putzsession eingelegt. Nach dem vielen Staub war das auch noetig. Und so standen wir in einsamer Gegend und haben nach deutscher Manier unser Auto gereinigt. Was man halt an einem See so macht. Und da es ziemlich eisig war, haben wir nach getaner Tat ein Feuerchen geschuert. War gar nicht so einfach das in Gang zu bringen, Holz hatten wir zwar genug, aber fast nur nasses. So haben wir uns dann den Abend unter feuerrotem Himmel mit Feuer schueren vertrieben und die Natur und die laut klatschenden Biber genossen. Die schlagen mit ihren Schwaenzen so fest auf den See, dass man meint jemand schmeisst grosse Steine ins Wasser.
Wir hatten eine wirklich eisige Nacht, aussen 1 Grad und innen nur zwei mehr, und vor Kaelte vor dem Zubettgehen Kerzen im Auto zum waermen angemacht. Und es hat den ganzen Morgen geregnet und auf den nahen Gipfeln lag Schnee. So verlief dann unsere Fahrt nach Ushuaia weiter durch zum Teil abgestorbenene Waelder, ueber einen im Nebel eingehuellten Bergpass und Regen.
Aber das “Ende der Welt” – Ushuaia - war in greifbarer Naehe…

Zum weiterlesen hier klicken: 7. Ushiuaia – Torres del Paine: “Am Ende der Welt”