15. Buenos Aires – Anden – Uruguay

15. Buenos Aires – Anden – Uruguay

Buenos Aires – Trenque Lauquen (22.07.) – Bariloche (23.07.) – Villa la Angostura (03.08.) – Siete Lagos – San Martin de los Andes (04.08.) – Malargüe(07.08.) – Las Leñas (07.08) – Mendoza (10.08.) – Uspallata, Puente de Inca, Paso Cruz de Paramillo (13.08.) – Villavicencio (14.08.) – Concordia (17.08.)Uruguay (18.08)

Die Fahrt nach Bariloche war weniger anstrengend, als wir dachten. Wir funktionierten unseren Pauli einfach als Schlafwagen um, so konnten immer zwei von uns bequem hinten im Auto liegen. Die erste Nacht verbrachten wir in Norberts Quinta in Trenque Lauquen. Miguel, ein Freund von ihm, brachte uns den Schlüssel vorbei und heizte sogleich das Holzöfchen für uns ein. Wir verabredeten uns für später in einem Restaurant, verbrachten gemeinsam noch einen gemütlichen Abend. Dann ging’s wieder in die kalte Quinta und wir kuschelten uns in unsere Schlafsäcke. Irgendwie erinnerte unser Matratzenlager an einen Schullandheimaufenthalt und wir merkten schon, dass wir das warme Buenos Aires hinter uns gelassen hatten und die Kälte bereitete uns schon auf Winter vor.
Am nächsten Morgen ging’s schon um 7.00 auf die Straße, schließlich hatten wir noch gut 1100km vor uns, und die wollten wir möglichst bei Tageslicht fahren. Und so rasten die Kilometer unter uns nur so vorbei, lediglich hielten wir mal für eine Fotopause in der Pampa. Am frühen Abend kehrten wir in einem großen Shoppingcenter ein und nebenbei gab’s noch ein paar neue Schuhe für mich. Nachts kehrten wir noch mal in einem kleinen Restaurant ein und dann ging’s weiter, die letzten Meter bis in den Schnee. Morgens um 4.00 waren wir dann endlich in Bariloche, stellten uns an einer Straße ab und schliefen alle vier im Auto. Morgens ging’s dann als erstes zur Touri-Info, und danach klapperten wir Unterkünfte ab. Klar, dass ziemlich viel belegt war, schließlich waren in Argentinien gerade Winterferien und Hochsaison. Aber hier reihen sich die Unterkünfte aneinander und wir landeten letztendlich in einer Cabaña (natürlich blau), mit Bad und Wohn- und Kochraum im Erdeschoß, im ersten Stock waren 6 Betten und alles aus Holz. Wir richteten uns erst mal häuslich ein und ruhten uns von der doch anstrengenden Fahrt aus.
Den folgenden Tag haben wir gemütlich gestartet, und sind dann ins etwa 20km entfernte Skigebiet des Cerro Cathedral gefahren. Dort haben wir uns über Skiverleih erkundigt und das Gebiet erkundet. Das Dorf da oben auf dem Berg ist sehr hübsch, viel wurde mit Holz gebaut, und an den Straßen aus Schnee reihen sich Skiläden und Restaurants. Dort haben wir uns auch gleich mal ein Bierchen gegönnt. Aber ganz offensichtlich ist Skifahren etwas für die Upperclass von Argentinien, betuchte Brasilianer oder Europäer, was man ganz deutlich an den Liftpreisen erkennen kann. 30 € für einen Tagespass! Im letzten Jahr waren es noch 5 € weniger. Das sind ja Preise wie in Österreich, aber hier herrscht eigentlich ein etwas anderes Preisniveau. Aber dafür gibt’s an jedem Lift eine Taschentücherbox und an einem sogar die aktuelle Tageszeitung und ganz nebenbei ist dies das größte Skigebet Südamerikas.
Am nächsten Tag waren wir bereit, wir wollten auf in den Schnee und waren schon früh morgens oben, aber das Wetter war nicht auf unserer Seite. Unten im Tal regnete es und in Villa Cathedral schneite es. Man konnte nur ein paar Meter weit sehen und da macht Ski fahren auch keinen Spaß. Außerdem hatten wir ja nur Sommerreifen und bevor wir hier oben eingeschneit werden, verschoben wir den weißen Spaß auf den nächsten Tag. Nachmittags legte ich mit Nicole einen Stadtbummel ein. Wir klapperten sämtliche Schokoladengeschäfte ab, und davon gibt es hier reichlich, futterten uns durch die Angebote und kehrten noch zum Kaffee ein. Danach sind wir nach Hause gelaufen, wir wohnten ja schon etwa 5 km außerhalb des Zentrums, aber wir genossen den Marsch an der frischen Luft.
Das Warten hatte sich gelohnt, und wir wurden am folgenden Tag mit strahlend blauem Himmel erwartet. Schnell die Bretter ausgeliehen und den geilen und weichen Schnee genossen. Ronny musste sich leider die Wahnsinnsaussicht auf die umliegenden schneebedeckten Berge mit Blick auf die Seen für später aufheben, denn er fühlte sich etwas grippig und verbrachte den Tag im Bett. Aber wir rasten die Hügel hinunter, genossen die Aussicht und das Gefühl, in den Anden Ski zu fahren. Wir wunderten uns über die ungewöhnliche Landschaft, denn so eine Berglandschaft verbindet man ja normalerweise mit Nadelwald, aber hier gab es nur nackte vom Schnee gepuderte Laubbäume. Anders, aber toll. Leider hatte es am Vortag nicht genug geschneit, denn es gibt eigentlich zahlreiche Möglichkeiten Tiefschnee zu fahren, wenn er nur frisch wäre, aber wir wagten uns dennoch auf den verspurten Hang, machte zwar nicht so viel Spaß, aber gab wenigstens schöne Bilder. Aber das Fahren auf den breiten Pisten im schönen Schnee machte auch tierisch viel Laune. Und Hütten haben sie hier auch sehr schöne, die zu der ein oder anderen Stärkung einladen und von denen aus man die überwältigende Bergwelt genießen kann. Am Nachmittag zog der Himmel zu, der Schnee war nicht mehr so gut und sehen konnte man auch nicht viel, also nix wie nach Hause, wir hatten unseren tollen Skitag.
Leider mussten wir bei der Heimfahrt feststellen, dass unser Auspuff abgebrochen war, also hieß es am nächsten Tag taller statt Talabfahrt. Aber die Sache war schnell und kostengünstig erledigt und das Wetter war eh nicht so besonders. Tja, das mussten wir hier öfter feststellen, es hängt viel vom Wetter ab, und das kann hier innerhalb ein paar Stunden wechseln. Und warum sollte man sich einen Pass holen und die Ausrüstung ausleihen, wenn man dann keinen richtigen Spaß beim fahren hat, weil man nichts sieht? So kamen wir gerade noch zwei andere Male in den Genuss der tollen Berge und Pisten, aber dann war es dafür richtig schön. Außerdem störte es keinen, dass wir so wenig fahren konnten, wir hatten ja eine gemütliche Hütte (leider für Nicole zu kalt, sie saß fast dauernd an der Heizung), in der man sich gut aufhalten konnte und eine schöne Umgebung, die auch einen Ausflug oder Spaziergang wert war. Außerdem war für Mathias und mich ja noch mehr Schnee angesagt, Ronny hatte auch noch einige Wochen vor sich und Nicole genoss es, mal so richtig auszuspannen. Und Mathias konnte beim letzten Mal eh nicht mehr fahren, denn er hatte sich beim Fotos machen das Knie verstaucht. Jaja, beim fahren passiert nix. Und da er kein wirkliches Problem riskieren wollte, ließ er das Boarden lieber erst Mal bleiben. Und die letzten drei Tage waren für ihn noch dazu gelaufen, da er sich irgendeine Magen-Darm-Kram eingefangen hatte und abwechselnd die Toilette und das Bett hütete. So fuhren wir das letzte Mal ohne ihn und Nicole handelte sich gleich den Spitznamen „Señorita Atomic“ ein, da sie auf die Frage nach ihrem Namen mit ihrer Wunschskimarke antwortete. Überhaupt ging es beim Verleih recht locker zu. Dort wollten sie lediglich unsere Namen wissen, ohne einen Pass zu kontrollieren, den haben sie sich dann notiert und los ging’s. So einfach könnte man an ein neues Paar Ski kommen…
Abends wurde gekocht, Fernseh geschaut, gebabbelt oder UNO gespielt. Mal mit, mal ohne Trinkzwang. Aber lustig war’s immer. Vor allem, als einmal unser Wein leer war, und derjenige, der das nächste Spiel verliert, eine neue Flasche besorgen sollte. Natürlich habe ich verloren und musste losstiefeln. Der erste Nachbar war nicht da, der zweite hatte keinen Wein, der dritte gar keinen Alkohol. Also landete ich nächtens bei unserem Vermieter, der mich zwar komisch anschaute, aber immerhin eine Flasche für mich übrig hatte und so konnte das Spiel weitergehen.
Und so vergingen die zwei Wochen wie im Fluge, und schon bald hieß es wieder Abschied nehmen. Zum Abschluss sind wir drei (leider ohne Mathias) noch in ein tolles Restaurant gegangen und haben uns einen leckeren Wein und ein Kilo zartestes Rindfleisch genehmigt. Nicole und ich haben den Abend noch etwas in die Länge gezogen, viel gequatscht und uns um 4.00 in die Kojen gehauen. Und am nächsten Tag hieß es früh raus und Abschied nehmen. Wir haben das Gepäck von Fonny und Pradelo (heißen seit der Buchung des Busses so) am Busbahnhof angegeben, denn ihr Bus fuhr erst am Nachmittag und wir wollten nicht erst so spät weiterfahren. Dann sind wir gemeinsam in die Stadt gefahren, dort hieß es dann Tränchen unterdrücken, Küsschen verteilen und gute Reise wünschen. Ist schon ein komisches Gefühl, wenn man sich in Argentinien verabschiedet, selbst noch bleibt und nicht genau weiß, wann man sich wiedersieht. Aber das Gefühl hat, man trifft sich eh am nächsten Tag wieder im Gully.
So, von nun an waren wir wieder allein zu zweit. Wir genossen den Besuch aus der Heimat, die Zeit mit Martin, Nicole und Ronny war sehr schön und die letzten zwei Monate vergingen wie im Fluge. Aber wir freuten uns auch darauf, wieder unabhängig und nur auf uns gestellt zu sein und nicht zu wissen, was der nächste Tag bringt. Wir waren ja auch schon lange genug sesshaft und schließlich wollen wir ja auch rum-reisen. Wir genossen die vorbeiziehende Landschaft, die grau-braunen Berge und schneebedeckten Gipfel. So landeten wir in Villa la Angostura, bummelten dort durch das kleine Städtchen und suchten uns ein Fleckchen im Wald am See, wo wir den verregneten Nachmittag und die Nacht verbrachten. Wir vernichteten unsere Lebensmittel, da wir am nächsten Tag über die Grenze nach Chile wollten und man keine tierischen und pflanzlichen Produkte mitnehmen darf. Leider war das ganz vergebens, denn der Pass Cardenal Sonoré war nur mit Schneeketten passierbar, und die haben wir nicht. Wir haben noch versucht, wenigstens einen Stempel zur Visaverlängerung zu bekommen, denn der lief am 20.08. ab. Aber die netten Männer wiesen uns lediglich darauf hin, dass man die Verlängerung in Bariloche für 25 € pro Person bekommen könnte. Aber noch hatten wir ja noch gut zwei Wochen Zeit und so fuhren wir weiter, die schöne Strecke der „Siete Lagos“ (= Sieben Seen) entlang. Wir passierten kleine Dörfchen, Täler und Weiten, fuhren durch Wälder mit schlechten Straßen. Das Wetter „verwöhnte“ uns mit Schneeregen, die Straßen waren teilweise holprig und voller Löcher und Schneematsch. Kein Wunder, dass wir auch mal stecken blieben, gerade, als mir Mathias erklären wollte wie man bei solcher Straßenbeschaffenheit zu fahren hätte. :-) Hätte er sich lieber mal selbst daran gehalten! Aber nach einem kleinen Anschiebmanöver war Pauli wieder befreit und wir konnten weiterfahren und uns über die eingeschneiten Kühe auf der Straße amüsieren. Außerdem hatten wir mittlerweile schon die 25.000 km voll, und da darf einem so etwas schon mal passieren.
Später klarte es wieder auf und wir begutachteten das nächste Skigebiet Cerro Chapelco bei San Martin de los Andes. Aber hier war es nicht so besonders schön, der Schnee war matschig und braun. Keine Spur von Powder oder Neuschnee und es sah uns nicht so sehr nach Skispaß aus und die Preise waren genauso hoch wie in Bariloche, obwohl dieses Skigebiet wesentlich kleiner ist. Aber egal, wir fuhren erst mal weiter, kamen an einem Aussichtspunkt über San Martin de los Andes vorbei, bei dem man einen tollen Blick über die in den Bergen und am See gelegene Stadt und die umliegenden Landschaft hat. Die wenigen Wolken hingen tief und bescherten uns einen traumhaften Sonnenuntergang. Gut gelaunt fuhren wir ins Zentrum, bummelten ein wenig durch den sehr ordentlichen Touristenort, in dem auch wieder Holzhäuser vorherrschten. Sogar der Supermarkt ist in einem schönen Holzhaus untergebracht. Am Abend gingen wir ins Restaurant La Masón, um uns eine Forelle, die Spezialität hier, schmecken zu lassen. Das Restaurant war eigentlich nur ein kleines Häuschen mit wenigen Tischen, aber recht edel, mit süßen grün-gelben Tischdecken und mit einem äußerst netten Besitzer. Der gab uns vor dem Essen erst mal einen Vorspeisenteller mit fischigen Variationen aus und nach dem Essen kam er drei mal mit selbstgemachtem Likör vorbei. Ich glaube es ging mehr aufs Haus, als wir selbst bestellt hatten. Und die Forelle war ein Traum, lecker gebraten mit Knoblauch und geräuchertem Schinken, Kartoffeln und Spinat dazu, ein aufs Essen abgestimmter Wein und eine aufmerksame Bedienung. Was will man mehr?
Die Nacht war wieder mal kalt, aber mich stört es gar nicht mehr großartig, denn ich weiß ja, dass Winter ist. Mathias hat damit mehr Probleme und es zieht ihn in die Wärme, aber erst mal fahren wir hier die schöne, wenn auch winterliche Gegend ab. Und so mieteten wir uns am nächsten Tag auf dem Campingplatz ein, denn so eine heiße Dusche ist trotzdem immer gut. Dort genossen wir das schöne Wetter, räumten an unserem Auto rum und brachten alles mal wieder an seinen richtigen Platz. Am Abend wurden die Boxen ans Laptop gesteckt und es gab einen Videoabend mit lustigem Film. Danke Katja!

Am nächsten Tag ging unsere Reise weiter in Richtung des nächsten Skigebiets. Die Landschaft erinnerte sehr an die Pampa, nur mit Hügeln. Trotz Regen genossen wir die abwechslungsreiche Natur, die Büsche, das Wasser im Flussbett und die verschiedenfarbigen Bergfalten. Hier irgendwo müsste auch der bekannte Vulkan Lanín zu sehen sein, die Wolken verwehrten uns jedoch einen Blick auf ihn. Wir fuhren durch eine einsame Gegend auf 1500 m Höhe, vereinzelt gab es Häuser, wir wurden geschüttelt von heftigen Sturmböen, ab und zu gab es Schneeregen und die Straße erinnerte sehr an einen Fleckenteppich. Da es schon langsam dunkel wurde, wir in den letzten 10 Stunden knapp 750 km gefahren sind und die Fahrt über die halb geteerte und halb gelöcherte Piste sehr anstrengend war, stellten wir uns bei nächster Gelegenheit an die Straße um dort zu übernachten.
Wir wussten zwar nicht genau, wo wir gelandet waren, und wir hatten mit –5,5° die zweitkälteste Nacht hinter uns gebracht, aber am nächsten Tag scheinte wieder die Sonne und nach einem heißen Kaffee im Auto ging die Reise weiter. Und unser Blick konnte sich nicht an der tollen Bergwelt, teilweise schneebedeckt und mit manch grüner Wiese davor, satt sehen.

Nach weiteren 250 km landeten wir in Malargüe, wo wir uns erst mal bei den netten und hilfsbereiten Leuten der Touri-Info schlau machten. Von dort aus ging es ca. 80 km weiter ins Luxus-Skigebiet Las Leñas, wo die reichen und schönen ihren Urlaub verbringen. Die Fahrt in das auf 2000 m gelegenen Tal war toll, alles weiß und die Kombination mit Sonnenschein… Unterwegs kamen wir am „Pozo de las Animas“ vorbei, zwei mit Wasser gefüllten Kratern.
Las Leñas ist eigentlich ein Retortenort, wie man ihn aus Frankreich kennt. Aufgrund der Höhe gibt es zwar keine Bäume aber es ist dort sehr schneesicher. Es gibt viele Tiefschneepisten und wir freuten uns auf den nächsten schönen Tag. Wir informierten uns vor Ort, über eine Unterkunft, aber die 100 € / Nacht für ein kleines Appartement waren uns dann doch zu viel. Da fahren wir lieber die 80 km, oder nehmen den Skibus, außerdem gibt es super Angebote, bei denen man mindestens zwei Nächte in einer Unterkunft verbringen muss, dafür aber nur die Hälfte für einen Skipass bezahlt. Und bei Unterkünften von 15 – 20 € und einem Skipass von 30 € (in der Nebensaison!) lohnt sich das allemal.
Wieder in Malargüe erkundigten wir uns erst mal über die Wetteraussicht, konnten es jedoch lediglich für den nächsten Tag in Erfahrung bringen, und der hieß: Schnee! Tja, da hieß es erst mal abwarten, wir mieteten uns auf dem Campingplatz ein, wo wir neben heißer Dusche und Strom auch die Kochgelegenheiten nutzen konnten und uns abends ins Warme setzen konnten, was wir auch gleich in Anspruch nahmen. Am nächsten Tag haben wir wieder das Wetter gecheckt, aber die weitere Aussicht blieb schlecht. Noch dazu werden dort oben, wie wir mittlerweile wissen, bei jedem kleinem Wind und bei ein paar Schneeflocken die Lifte gesperrt. Und obwohl wir bei schönstem Sonnenschein saßen, tobte ein paar Kilometer weiter ein heftiger Sturm, was wir dank der Livekameras gut beobachten konnten. Aber dadurch wurden wir auch nicht schlauer, wir waren unschlüssig, was wir tun sollten, aber die Wetteraussicht blieb schlecht. Mittlerweile hatten wir auch eine gute du relativ verlässliche Internetseite (danke Schwinni!) ausfindig gemacht. Und wenn wir da schon hinfahren sollten, dann wollten wir schon ein paar Tiefschneepisten genießen und nicht am Babyhang Schlepper fahren. Also warteten wir noch einen weiteren Tag ab, setzten uns abends in ein Restaurant und kehrten danach noch in eine schöne urige Kneipe ein. In freudiger Erwartung auf baldigen Sommer bestellten wir uns Cocktails mit Namen „Bikini“ und „Surfers Paradise“, aber die Schmeckten eigentlich bescheiden, weil viel zu viel Alkohol, und mal ehrlich, was macht eigentlich Milch in einem Cocktail? Aber wir saßen im Warmen, und konnten daraufhin gut schlafen.
Am nächsten Morgen war der Campingplatz gepudert, erstaunlich, denn nachts um 3.00 war der Himmel noch sternenklar und jetzt schien auch schon wieder die Sonne. Der Schnee blieb jedoch nicht besonders lange liegen und trotz der schnellen Wetteränderung hier unten brachte es keine in Las Leñas. Aber jetzt war es uns egal, wir hatten keine Lust mehr bei der Kälte einfach nur zu warten ohne zu wissen, ob wir jemals noch zum Skifahren kommen sollten, unsere Visa-Uhr tickte auch immer noch, also fuhren wir weiter und ein Skigebiet gab es ja noch bei Mendoza.
Also ging es wieder auf die Straße, durch eine erstaunliche Landschaft, denn hier ist alles platt so weit das Auge reicht und auf einmal steigen die Berge auf über 4000m auf. Mit Sonnenschein und den schneeumstürmten Bergen im Blick fuhren wir weiter, jedoch müde vom Vortag legte ich mich in unser Schlafabteil. Als Mathias auch müde wurde hielt er irgendwo an und legte sich dazu. Gut ausgeruht ging es dann einem traumhaften Sonnenuntergang entgegen und als es dunkel wurde suchten wir uns einen Schlafplatz. Und da hier weit und breit nicht wirklich etwas ist und auch keine größere Tankstelle zu erwarten war, stellten wir uns einfach bei den nächsten drei Häusern an die Straße. Dort haben wir gevespert und gespielt (wir haben endlich wieder ein Spiel, nämlich „Mensch-ärgere-dich-nicht“, tun wir aber doch) und uns bettfertig gemacht. Mathias hat schon geschlafen und ich noch ein bisschen PSP gespielt, da hab ich mich schon gewundert, warum hier ständig Autos rumfahren, denn so viele Leute wohnen hier doch gar nicht. Oder aber hier gibt es ein Freudenhaus? Und dann so gegen 0.00 klopft es an unsere Türe. Und wer stand da? Die Polizei! Und warum? Die Anwohner hatten Angst und wussten nicht, warum da so ein Bußchen rumsteht! Ich dachte eigentlich wir müssten Angst haben, nein, die Leute fühlen sich wegen uns verunsichert. Und als ich die Häuser am nächsten Morgen sah, war ich noch mehr verwundert, denn dort sah es nicht so aus, als gäbe es viel zu holen…

Die Weiterfahrt Richtung Mendoza führte an größeren und kleineren Städtchen vorbei, an vielen Obstplantagen und Straßenständen an denen Oliven, Honig, Brot oder Wein angeboten wurden. Unterwegs sollten wir noch an ein paar Thermen vorbeikommen, das Schild wies auch daraufhin, die verfallene Hütte lies jedoch auf gute Zeiten vor vielen Jahren schließen. Dafür fuhren wir durch eine schöne ländliche Gegend, wo die Bauern noch mit Manneskraft und einem PS den Acker pflügen. Und im Hintergrund konnte man im Dunst die Hochkordillieren der Anden erkennen, darunter der „Aconcagua“, der mit seinen fast 7000m der höchste Berg ganz Amerikas ist.

In Mendoza gibt es einen Campingplatz, der mitten in einem großen Park liegt. Mendoza ist überhaupt voll mit Parks und vielen Grünflächen, die angelegt wurden um die Stadt vor größeren Erdbebenschäden zu schützen. Schließlich hatte das erste schwere Beben vor etwa 140 Jahren die Stadt so weit zerstört, dass kaum noch alte Gebäude stehen. Dafür sieht man in der heutigen Bauweise von allzu hohen Hochhäusern ab. Verkehrsmäßig war die Stadt jedoch hektischer als erwartet, aber was halt immer so in unserem Reiseführer steht… Außerdem ist die Stadt eigentlich recht trocken und wüstenähnlich, bringt jedoch dank seiner 300 Sonnentage und einem relativ guten Bewässerungssystem mit bestem Bergwasser mit einen der phantastischsten Weine der Welt hervor. Von dem haben wir ja auch schon einige Male gekostet, diesmal hatten wir jedoch „keine Zeit“, um uns auch eine Bodega anzuschauen.
Schließlich gehen die Tage auf so einem Campingplatz immer recht zügig rum, außerdem war es tagsüber endlich warm und wir konnten uns gut im Freien bewegen und schließlich haben wir Walter und Marion getroffen. Die beiden, die mit ihren zwei Wollknäuelhunden und ihrem Monster-MAN eine Weltreise vorhaben und in den letzten 1 ½ Jahren Afrika bereist hatten, kannten wir schon flüchtig von der „deutschen Kolonie“ in Salta. Mit den beiden und der ein oder anderen Flasche Wein und schönen Afrikabildern und –erzählungen war die Zeit recht kurzweilig und wir hatten viel Spaß. Außerdem genossen wir das schöne Wetter, wenn wir nicht gerade in die Werkstatt fuhren um noch mal unseren Auspuff schweißen zu lassen. Zu blöd, hatten wir ihn doch gerade erst in Bariloche schweißen lassen, bricht er doch glatt an der selben Stelle wieder! Aber egal, diesmal haben wir ihn sogar für die Hälfte, also gerade mal 2,50 € wieder in Schuss bekommen.
Aber die Abende wurden schon wieder frisch, Matzi war aufgrund dessen leicht angenervt, und wir wünschten uns schon manchmal eine Heizung. Tja, so hat halt alles seine Vor- und Nachteile. Gerade bei solchen Wetterbedingungen wäre natürlich ein Camper oder ähnliches schon praktisch, man könnte sich bequem ins Auto setzen, dreht die Heizung auf und genießt den Tag. Wir sind dafür ständig an der frischen Luft, wenn auch öfter mit Schnupfennase, und jedes Mal, wenn wir in eine Stadt fahren oder bei Polizeikontrollen, freuen wir uns so ein wendiges und unauffälliges Gefährt zu haben. Abgesehen davon können wir uns nicht wirklich beschweren (machen wir eh nicht!). War zwar der Sommer etwas kühler als normal und mit den heftigen Winden schon etwas anstrengend, konnten wir dafür im Winter wettermäßig von einem außergewöhnlich sonnigen und milden Klima profitieren. Und schließlich wollen wir ja immer weiter nordwärts und kommen somit in den ewigen Sommer, da werden wir diese Probleme erst mal nicht mehr haben, da wünschen wir uns wahrscheinlich ab und an mal wieder eine kalte Nacht. :-)

Aber am dritten Tag packte uns dann doch die Unternehmungslust und wir wollten gerade in die Stadt laufen, als wir uns über die vielen Autos, die auf dem Gelände parkten wunderten. Zwar war wochenends hier deutlich mehr los als sonst, aber all die Massen konnten unmöglich hier zelten und grillen. Bei genauerem Hinsehen erkannten wir, dass viele ein Trikot und Fahnen trugen und das Gelände wieder verließen. Schnell hatten wir uns schlau gemacht, dass gleich ein Fußballspiel der ersten Liga zwischen Mendozas Mannschaft Godoy Cruz gegen Arsenal stattfinden sollte. Mathias war natürlich gleich heiß und auch ich wollte mir das nicht entgehen lassen. Also nix wie hin, den Massen hinterher und ins Stadion, das gleich nebenan im Park war und für die Weltmeisterschaft 1978 erbaut wurde. Leider wartete vor dem Eingang eine Schlange von Hunderten von Leuten. Da wir nicht wussten wo es die Tickets gab fragten wir einen Mann, der uns versicherte, erst mal anstehen und drinnen kann man die schon kaufen. So haben wir uns eingereiht und die Warterei ging auch recht zügig rum. Verwundert waren wir über all die ruhigen Fans, kein Einziger hatte eine Bierdose oder ähnliches dabei. Sie wurden lediglich lauter, wenn sich jemand nicht ordentlich hinten anstellte oder als die vollgestopften Pick-Ups mit Fans vorbeifuhren. Ab und zu schmiss jemand mit Krachern an die Füße der Pferde der berittenen Polizei, aber das war’s dann auch. Nach einer Stunde passierten wir die Einlassstelle, mussten jedoch feststellen, dass jeder außer uns eine Karte hatte. Dort konnten wir jedoch uns dank des Gedrängels noch durchschmuggeln, bei den nächsten Kontrollen schien es aussichtslos. Aber wo gab es denn die Tickets? Bei genauerem Hinsehen, gab es außerhalb den Verkaufsstand, wo wir jedoch nicht mehr hinkamen, ohne uns ein zweites Mal in der langen Schlange anzustellen. Also zu einem der unzähligen Polizisten und dumm gefragt. Schon haben sie uns durchgelotst, wir konnten die Karten kaufen (3,50 € für einen Sitzplatz) und sie haben uns sehr freundlich wieder zurückgeleitet. So, jetzt aber rein, noch schnell durch die Personenkontrolle, bei der ich leider mein Feuerzeug abgeben musste (meine Fotobatterien wollten sie auch, konnte ich aber noch verhindern). Und in diesem Moment ein riesiger Aufruhr, einige der Godoy-Fans fingen an mit spitzen Steinen zu werfen – toll, und Feuerzeuge sind verboten!? Im plötzlichen Tumult, stürmten die Wartenden durch die Wellenbrecher, wir konnten uns gerade so hinter einem Metallzaun in Sicherheit bringen. Ich war total aufgeregt, Mathias im Fieber und fand es toll. Ich fotografierte und filmte heimlich und mit deutlich zitternder Hand. Da nun die Polizei anfing mit ihren Gummigeschossen entgegen zu halten und ich Mathias wieder runtergeholt hatte, gingen wir erst mal ins Stadion. Im gegnerischen Fanblock tummelten sich einige wenige Fans, die Tribüne war auch recht dünn besetzt, unser Block war recht voll und der Fanblock quillte über. Und über den Zaun versuchten immer mehr Leute in den Fanblock zu gelangen. Hinter uns ging das Geballer weiter und auf dem Spielfeld befanden sich kurze Zeit sogar Spieler. Es wurde wohl schon 15 min. gespielt (haben wir jedoch nicht gesehen, nur später in der Zeitung gelesen), das Spiel wurde dann unterbrochen, da ständig Bänder und Rauchbomben auf dem Spielfeld lagen. Außerdem fing die langsam zurückgedrängte Polizei an, mit Tränengasbomben zu werfen, wodurch Rauch auch aufs Spielfeld zog. Auch zu uns, denn den Wind interessieret nicht, wer die bösen Buben sind und so kneifte es auch uns heftig in den Augen und die Tränen kullerten allen fleißig über die Backen. Man versicherte uns immer wieder, dass so etwas in Mendoza nicht üblich wäre (in Buenos Aires dagegen schon), schließlich kommen die Leute ja auch mit kleinen Kindern ins Stadion. Das änderte jedoch nichts an den Gefechten, die sich die Polizei mit den oft minderjährigen Hooligans lieferten. Die Blauen wurden schön recht weit zurückgedrängt, und bekamen Nachschub von recht ungeschützten Männern in Wollpullovern und Baseball-Kappen! Ob die wirklich etwas gegen die mit voller Wucht geworfenen spitzen Steine ausrichten konnten, wurden doch schon einige Verletzte unter den mit Helmen und Schilden geschützten aus dem Gewühl getragen. Ganz im Gegenteil zu den „Anti-Tumult“-Geschossen, die von der Polizei zur Gegenwehr benutzt wurden, deren Treffer zählten eher als Trophäe und die blauen Flecken wurden nach dem Spiel stolz präsentiert. Aber noch war es nicht beendet, am Spielfeld wachten nur noch geschützte Polizisten mit ihren – armen – Hunden, und die Schlacht vor dem Stadion ging weiter. Ich schoss noch einige Bilder, was von den Werfern jedoch nicht so gerne gesehen wurde woraufhin ich und auch andere Fotografen Ziel ihrer Geschosse wurden. Aber man konnte sich gut hinter dem Metallgeländer schützen, lediglich ein paar kleine Splitter kamen durch die Löcher. Dann startete wieder mal die Polizei einen Gegenangriff um die Hools zurückzudrängen, fingen jedoch skandalöserweise an, sogar in den „braven“ Block zu schießen und sogar mit Steinen zurück zu werfen!! Das dauerte jedoch nur kurz und irgendwann war es relativ ruhig und das Spiel wurde entgültig abgebrochen. Jetzt kamen die Wasserwerfer zum Einsatz, aber einige verhalfen sich damit zu einer willkommenen Abkühlung. Der Godoy-Fanblock wurde von bewaffneten und von Hunden begleiteten Polizisten gestürmt und geräumt. Die anderen Zuschauer wurden sicher über die andere Seite des Stadions rausgeleitet. Somit haben auch wir uns verabschiedet, von diesem einmaligen Erlebnis einen Fußballspiels, ohne ein Spiel gesehen zu haben. Gerade wollten wir die Straße zurück zum Campingplatz laufen, fuhr ein Polizeiauto mit ca. 80 Sachen entlang, heftigst beschmissen mit weiteren Steinen, wir rannten was wir konnten und Mathias sprang schnell über einen kleinen Bach, ich brachte mich hinter einem Baum in Sicherheit. Puh, das war noch mal aufregend, zumal wir mitten im Gewühl waren, da waren uns die Plätze aus sicheren Entfernung schon lieber. Kurz vor dem Campingplatz standen dann die demolierten Autos und die unter Schock stehenden Polizisten. War ja auch heftig. Aber ein Erlebnis (das ich nicht so schnell wieder brauche)!

Am nächsten Morgen wollten wir uns aufmachen um die umliegende Bergwelt etwas zu erkunden. Mit der heißen Dusche wurde es leider nichts, da irgendein Hauptrohr des Bewässerungssystems für Mendoza beschädigt war. Jedoch konnten wir uns mit etwas Restwasser aus den Tanks noch reichlich duschen, aber wieder mal nur kalt. Egal, frisch ging’s dann los durch die schöne Bergwelt bis Uspallata. Auf dem Weg dorthin wurden wir von heftigen Fönböen gerüttelt. Parallel zur Straße verlief eine abenteuerliche ehemalige Bahnstrecke, durch abenteuerliche Landschaft, über kleine Brücken und Schluchten, durch Tunnels und immer eng am steilen Hang entlang. Der Ort selbst war relativ unspektakulär, abgesehen davon, dass hunderte von LKWs auf einem Parkplatz am Ortsausgang warteten, bis sie den Pass nach Chile passieren können. Dort wurden auch wir gestoppt und durften lediglich mit Schneeketten weiter. Unseren Plan, nochmals nach Chile zu fahren haben wir mittlerweile umgeworfen, jedoch wollten wir wenigstens zum Skigebiet Los Penitentes, dann zur bekannten Puente de Inca, und letztendlich zur Christusstatue kurz vor der Passhöhe fahren. Nachdem wir uns Schneeketten ausgeliehen hatten ging’s weiter. Unterwegs waren mehrere Kontrollen und wir erfuhren, dass wir maximal zur Puente fahren könnten. Und von strahlendem Sonnenschein fuhren wir innerhalb weniger Kilometer ins Schneegestöber. Die Ketten brauchte man zwar nicht, aber wenn man hier oben ein paar Tage verbringen möchte könnten sie durchaus nützlich werden. Zuerst passierten wir das Skigebiet mit wenigen Liften, die an mehreren Stellen direkt an der Straße verteilt lagen, Sah nicht besonders einladend aus, vor allem nicht bei so schlechter Sicht. Also fuhren wir weiter, bis wir in Puente de Inca ankamen. Dort ist eine natürlich entstandene Steinbrücke über eine kleine Schlucht, die die Inkas schon benutzt haben. Darunter wurde einst ein Thermenhaus erbaut, in dem heiße Quellen sprudeln, welches jedoch mittlerweile etwas antik ist. Besonders beeindruckend war dort eigentlich nur das Wetter. Es herrschte ein starker Wind, der uns die eisige Luft um die Ohren knallte. Ein Stück weiter oben am Hügel stand eine kleine vom Schnee umpeitschte Kirche. Es gab dort ein Hostel, das hauptsächlich im Sommer genutzt wird, um Besteigungen des Aconcagua zu starten. Außerdem befanden sich dort ein paar kleine verschneite Souvenirläden, von denen einige trotz des widrigen Wetters geöffnet hatten und deren Verkäufer Mate trinkend aus ihren Öffnungen lugten.
Uns reichte das nach kurzer Zeit und wir freuten uns wieder im Auto zu sitzen und die Heizung anzudrehen. Da wir von hier aus nicht weiter fahren durften, kehrten wir um und fuhren wieder in angenehmere Gefilde. In Uspallata deckten wir uns noch mit dem Nötigsten an Lebensmitteln ein und fuhren weiter, bis wir im Sonnenuntergang den Pass Cruz de Paramillo erreichten. Dieser stieg immerhin wieder auf eine Höhe von 3000 m an und bot von dort oben einen sagenhaften Ausblick auf den bereits genannten Aconcagua. Leider konnten wir aufgrund der in den Gipfel hängenden Wolken nicht ausmachen welcher genau der sagenumwogene Gigant sei, jedoch erstreckte sich die umliegende Bergwelt in einem atemberaubenden Licht.
Da es jedoch schnell dunkel und merklich kühler wurde, begonnen wir zeitig die Fahrt nach unten. Auf den sich windenden Sträßchen entdeckten wir einen Parkplatz auf immer noch 2600m, der uns als Nachtlager dienen sollte. Schließlich wollten wir die vor uns liegenden Serpentinen auch genießen. So hielten wir dort an, versperrten gemütlich und mummelten uns in unsere Schlafsäcke, denn es sollte noch mal eine bitter kalte Nacht geben. Doch das war nicht das Einzige, nachts wurde ich vom heftigen Geschaukel des Autos geweckt. Es zogen heftige Sturmböen auf, die unseren Pauli rüttelten und schüttelten und Sand und Steinchen an die Scheiben preschten. Ich war in ernsthafter Sorge, dass uns eine der Böen umstoßen könnte. Also packte ich mich wieder aus und parkte das Auto so um, dass es nicht mehr voll mit der Breitseite dem Sturm ausgesetzt war. So konnte ich wenigstens halbwegs beruhigt schlafen.
Am nächsten Morgen waren sogar die Scheiben von innen angefroren, bei nächtlichen Temperaturen von bis –6° kein Wunder, aber die Sonne kämpfte sich durch und die Nebelschwaden verzogen sich langsam. Es war zwar immer noch kalt und die Zähne mit Wasser zu putzen, dass gerade so den Gefrierpunkt überschritten hat ist auch fast eine Qual, aber dafür waren wir oberhalb der Wolkendecke und man konnte schon langsam erahnen was uns weiter erwartete. Wir hatten ja schon von den „caracoles“, also von den Straßen gelesen, die sich die Berge wie Schnecken hinunterschlängeln, aber das was uns im Morgendunst erwartete war einfach phantastisch. Wir konnten uns gar nicht satt sehen an den kleinen geschnörkelten Straßen, die sich um jede Falte und Windung legen, umgeben von Tannen und dazwischen ein Schlosshotel mit Thermen in Villavicencio. Was für eine Fahrt, wohl die urigste Strecke die wir bisher genommen hatten, die Straßen waren zwar verhältnismäßig schlecht und voll von spitzen Steinen, aber so müssen kleine Bergpässe eben sein.
Und dann, gerade mal 2 km bevor die Straße wieder gut asphaltiert war, das Aus für einen unserer Reifen. Ich war gerade am aussteigen, um ein paar Bilder zu machen, da hörte ich das unmissverständliche Pfeifen, wenn gerade richtig viel Luft aus einem Reifen kommt. Und auf den ersten Blick war zu erkennen, dass uns ein Stein einen richtig schönen Riss in den Reifen geritzt hatte. Toll, da haben wir das beste Profil und an der Seite geht er dahin! Innerhalb von Sekunden war er platt und wir fuhren an die Seite zum Reifenwechsel. Das können wir ja schon recht gut und schnell war der Ersatzreifen aufgezogen und wir setzten vorsichtig die Fahrt fort. Im nächsten Ort suchten wir mehrere Gomerias (Reifenläden) auf, aber die bittere Wahrheit blieb, er ist unflickbar. Da hat der komische Stein ja ganze Arbeit geleistet. Noch dazu konnten wir von weiter hinten ein anderes Geräusch vernehmen, unser Auspuff war zu allem Unglück auch schon wieder ab, diesmal an der vor Monaten in Chile geflickten Stelle.
Wieder in Mendoza konnten wir erst mal nicht viel machen, da Siesta war. Also fuhren wir wieder auf den Campingplatz zurück, um dort die Zeit zu überbrücken und die Nacht dort zu verbringen. Dort eröffnete man uns, dass es immer noch das Wasserproblem gäbe und wir unter keinen Umständen dort duschen könnten. Toll, was für ein Tag! Also haben wir uns die Zeit mit einem halbherzigen Stadtbummel vertrieben, wobei wir auf dem Gebäude der Stadtverwaltung gelandet sind, von wo man einen schönen Aus- und Überblick über die Stadt hat. Als endlich wieder Leben in die Stadt kam, fuhren wir zum Auspuffladen, dort kannte man uns ja schon, und innerhalb von Minuten war der erste Schaden behoben. Von dort ließen wir uns die Adresse eines Reifenhändlers geben, wo es Firestone (gesprochen wie geschrieben!) Reifen gab. Denn wir wollten schon wieder auf beiden Seiten die gleichen Reifen haben. Beim dritten Händler wurden wir auch endlich fündig und dort hatte man auch (fast) den gleichen Reifen, den wir wollten. Also nix wie drauf damit, die 65 € abgedrückt und weiter ging’s. Diesmal nahmen wir uns ein wenig mehr Zeit für einen Stadtbummel, wir mussten ja die Zeit bis zum Abendessen überbrücken. Wir wären ja schon weitergefahren, hätten wir nicht schon unsere Wäsche abgegeben, die aber erst am nächsten Tag fertig wurde. Und am Abend wollten wir uns nach diesem chaotischen Tag mit einem ordentlichen Essen belohnen. In Mendoza gibt es mehrere „all-you-can-eat“-Schuppen, von denen wir uns den – glaube ich – besten aussuchten. Und als wir hungrig dorthin kamen hatte sich das Warten offensichtlich gelohnt. Dort gab es alles, Fisch, Pasta, Pizza, natürlich Fleisch und unzählige und Vor – und Nachspeisen. Ein Traum für alle Schlemmer und die die gerne viel essen und das für gerade mal 10 € inklusive Getränke (diesmal nur alkoholfrei :-)). Nach diesem Essen waren wir wieder für den Tag versöhnt und wankten glücklich ins Auto. Wir verbrachten die Nacht an einer 24h Tankstelle und schliefen selig und vollgefuttert ein.
Am nächsten Morgen war jedoch eine Dusche bitter von Nöten. Wir wurden von einer größeren Tankstelle zur nächsten geschickt, bis wir endlich an einer mit Duschen gelandet sind. Für diese mussten wir jedoch noch eine Stunde warten, bis endlich zuständiges Personal kam. Und als wir dann endlich in der Nasszelle standen, unser Münzchen für 7 Minuten Wasser einwarfen kam lediglich eisig kaltes Wasser aus den Hähnen. Das Personal war sehr verwundert, am Vortag hätte alles noch funktioniert, und wir blieben ungeduscht! Also wieder angezogen, Wäsche abgeholt und dann sind wir losgefahren, unterwegs würden wir schon eine Dusche bekommen. Und nach einigen Kilometern war es endlich so weit, wir bekamen unsere heiße Dusche und mussten nicht mal was dafür bezahlen. So geht’s doch auch. :-)

Dann hieß es mal wieder Kilometer fressen. Schließlich hatten unser Visum nur noch wenige Tage Gültigkeit und wir wollten noch etwas Luft haben. Wir entschlossen uns erst mal ins heiß geliebte Uruguay auszureisen. Doch bis dahin waren es noch „schlappe“ 1300 km, aber das kreuz und quer fahren und unsinnige Kilometer verballern sind wir ja schon gewohnt. Dafür gab es eine toll ausgebaute Autobahn, die auf Hunderten von Kilometern beleuchtet ist. Kein Wunder, ist ja auch die Hauptroute zwischen Santiago de Chile und Buenos Aires. Die Nacht verbrachten wir wieder mal an einer Tankstelle mit integriertem Restaurant, wo wir es uns mal wieder schmecken ließen. Und zum Nachtisch gab’s mal wieder eine kleine Überraschung aus Kerstins Kalenderbox, über die wir uns immer sehr freuen. Danke!
Gut gestärkt mit Kaffe und Medialunas ging die lange Fahrt weiter. Das wir die Hauptroute verließen, ging es wieder auf Landstraßen weiter, ich verbrachte viel Zeit mit Computerkram, landschaftlich war es ja auch nicht besonders aufregend und viel zu sehen gibt es unterwegs auch nicht. Als wir schon viele Stunden unterwegs waren, musste ich mal dringend Pipi. Und als wir so angehalten haben, bemerkten wir erst, wieviel Hunger wir hatten. Und wie es der Zufall will, an dieser Picknickstelle stand genau ein Burger-Laden vor uns. Wir bestellten uns gleich vier Burger und unterhielten uns mit dem Imbissbetreiber. Schon erstaunlich, was es hier für Lebensläufe gibt. Er war 29, hatte (natürlich) Frau und Kind ein paar hundert Kilometer weiter sitzen und arbeitete immer auf dem Acker. Jetzt hat er sich von seinem bisschen ersparten einen Imbisswagen gekauft und versucht an dieser Picknickstelle sein Glück. Seit zwei Tagen campt er hier, ist eigentlich die ganze Zeit alleine, hat seine Hunde um sich herum und hat sich sehr über ein bisschen Abwechslung und eine kleine Unterhaltung mit Leuten von so weit weg gefreut. Und gerade als wir ankamen stand auch die Polizei vor der Türe, zu unserem Glück nicht um ihm den Laden zu schließen, aber um mal zu schauen, was er hier so macht. Hier herrscht halt auch Zucht und Ordnung, aber bleiben konnte er.
Dann ging für uns die Fahrt weiter, bis es langsam dunkel wurde und wir die nächste Tankstelle ansteuerten. Dort genossen wir das abendliche Treiben, ließen uns ein paar Bier und eine Pizza schmecken und fielen müde und düdelig ins Bett. Am nächsten Tag kamen wir dann schon in Concordia, der Grenzstadt zu Uruguay, an. Dort erledigten wir Internetkram und haben lecker zu Mittag gegessen. Am Nachmittag waren wir auf der Suche nach etwas Öl und, schon mal auf Vorrat, einen Ölfilter. Mittlerweile kennen wir sämtlich Ölläden der Stadt, und haben im letzten lubricentro auch einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nachdem sie unser Automodell in ihrer Liste nicht finden konnten, lag es nahe, am eingebauten Filter nachzuschauen. Nach und nach krabbelte einer nach dem anderen auf dem dreckigen Boden rum, ein anderer suchte sich durchs Internet, und das alles wegen einem Filter von 3 €. Aber sie waren alle äußerst hilfsbereit und ließen sich von nichts abbringen. Als unser verdreckter Filter vom letzten Krabbler dann gesäubert wurde hatten wir endlich die Artikelnummer. Letztendlich bekamen wir dann den passenden Filter und wir nahmen gleich mal zwei mit und schrieben uns die Nummer diesmal vorsichtshalber auf. Danach standen wir noch alle zu einem Plausch im Laden und dann in den Büros. Einer der Angestellten sprach sehr gut englisch und fährt in seiner Freizeit Wakeboard. Er ist wohl recht bekannt auf dem Gebiet und zeigte uns gleich Videos und Bilder von ihm und seinen Freunden in Aktion. Und eine halbe Stunde später hatten wir eine Verabredung zum Wakeboarden fürs Wochenende. Diese mussten wir jedoch um eine Woche verschieben, da wir ja endlich das Land verlassen mussten. Gut gelaunt über die Freundlichkeit der Leute und die Einladung fürs Wochenende fuhren wir über die Grenze. Die Formalitäten waren wieder mal schnell erledigt, abgesehen davon, dass mittlerweile eine Gebühr von 1,30 €/Person fällig wird, wenn man Argentinien verlässt. Da hat sich wieder einer was ausgedacht, aber ist ja noch in einem erträglichen Rahmen. Also rüber über die Grenze und direkt danach platzierten wir uns für die Nacht. Wir freuten und, dass wir rechtzeitig das Land verlassen konnten und keine Komplikationen mehr hatten und auf die nächsten Tage in Uruguay in dampfenden Thermen…

Zum nächsten Reisebericht: 16.Uruguay – Iguazú: Rote Erde, Wasserfälle und den Missionaren auf der Spur