04. Buenos Aires

4. Reisebericht: Buenos Aires

27.12.05 – 03.01.07 Buenos Aires

 

Endlich Argentinien!
Der Morgen verlief etwas turbulent, da man festgestellt hat, dass einige Autoradios von den neuen Wagen geklaut wurden. Aber bei uns war ales in Ordnung. Ist wohl nicht interessant genug, unser Pauli? Zum Glueck!
Die Abfertigung ging dann ziemlich schnell und unproblematisch (das Auto zaehlt hier ja als Handgepaeck!) und wir konnten alle gemeinsam um 10.30 das Hafengelaende verlassen. Und los ging es in die grosse unbekannte Stadt. Norbert hatte sich uns fuer die erste Nacht noch angeschlossen und wir sind gemeinsam die ersten Erledigungen angegangen. Zuerst musste er sich noch seine Motorradversicherung abholen. Das Versicherungsbuero war mitten in der Stadt. Ich bin gefahren, nach fuenf Wochen das erste Mal, und dann gleich in so einer Stadt. Aber es ging, ausser dass ich beinahe einen Mopedfahrer, der mich beim links abbiegen links ueberholt hat, umgesaebelt habe. Aber nur fast, da lernt man gleich in alle Richtungen zehn Mal zu schauen. Danach gings zum ACA – dem Argentinischen Automobilclub – der uns allerdings nicht wirklich was geholfen hat, denn wir waren auf der Suche nach einem Zeltplatz. Nur um dafuer Mitglied zu werden fuer 25 Euro im Monat, war es und dann auch nicht wert. Also haben wir unseren Fuehrer rausgekramt und nach einem Zeltplatz gesucht. Das hat sich alles als etwas aufwendiger als gedacht herausgestellt, da Buenos Aires halt nicht Aschaffenburg ist und wir auch eine etwas ungenaue Adresse hatten. Unterwegs haben wir dann nach dem Weg gefragt und da wurde uns dringenst von diesem Platz abgeraten, aber gleich ein anderer empfohlen, inklusive Wegbeschreibung. Die war auch richtig gut – sehr erstaunlich hier, denn wenn man zehn Leute nach dem Weg fragt, bekommt man normalerweise fuenfzehn Auskuenfte – nur leider war das ein Sportclub fuer argentinische Upperclasskinder und mit campen war da nix! Aber der zweite Platz war nicht weit und dann haben wir halt den gesucht. Jedoch wieder das gleiche Spiel mit den Beschreibungen, obwohl hier wirklich alle sehr bemueht sind zu helfen, die kopieren sogar Stadtplaene und malen den Weg ein (leider irgendwie falsch). Als wir schon ziemlich entnervt waren, und uns schon zu oft in zwielichtigen Vierteln verfahren hatten, hat sich dann gluecklicherweise jemand bereit erklaert uns den Weg vorzufahren. Endlich am fruehen Abend sind wir drei dann ziemlich erschoepft dort eingetroffen. So jetzt erst mal ein Bier, das haben wir uns verdient.
Die Besitzer des Platzes, alle irgendwie miteinander verwandt, waren aeusserst nett und um uns bemueht, schiesslich haben sie erst seit einer Woche geoeffnet und wir waren die zweiten Gaeste. Die anderen sind mit einem alten Schulbus angereist und haben dort gezeltet und natuerlich gegrillt. Fuer uns gabs erst mal kalte Platte mit allen Leckereien und noch mehr Bier. Wir hatten vom Schiff noch zwei Flaschen Prosecco im Auto und die haben wir erst mal kalt gestellt und spaeter mit den Besitzern getrunken. Dann haben sie ihr Sektarsenal ausgepackt und schwups sassen wir alle zusammen unter Baeumen in der lauen Nacht und haben viel gequatscht. Wieder mal in allen Sprachen und wir konnten gleich mal unser spanisch testen. Schee wars, doch leider ging es mir am naechsten Morgen nicht mehr so prickelnd, aber nach ein bisschen Schlaf wars wieder besser. Norbert hat sich dann auf sein in Argentinien absolut “unauffaelliges” Moped geschwungen (1100er Kawasaki) und sich auf den Weg nach Trenque Lauquen (hoert sich eher an wie Castor – Brauxell als argentinisch) zu seinen Freunden gemacht und wir haben den sonnigen Tag genossen. Ist dort auch ziemlich einfach, mitten in der Natur und um uns herum lauter Tiere. Das ist schon fast wie ein Streichelzoo, Schweine mit soooo vielen suessen Ferkeln, Lamas, Straussen, Gaense, Kuehe,… Wir haben den Tag genutzt um unser Auto mal umzuraeumen und alles an sinnvolle Plaetze zu verstauen. Hier kam auch gleich Susannes Solardusche (Danke!) zum Einsatz, denn die Duschen waren noch nicht richtig installiert und bevor wir kalt duschen, haben wir unsere eingeweiht. Klappt erstaunlich gut, das ist eine richtig tolle Sache.
Abends gab es dann – typisch argentinisch – Asado mit Kartoffeln und Salat. Mhhh. Wobei es hier kein nein gibt, die machen dir trotzdem was sie sich vorstellen, egal ob du Hunger hast oder nicht.

Am naechsten Tag wollten wir nach B.A., aber nicht mit dem Auto, das war zu stressig mit Parkplatzsuche und so, also sind wir mit dem Zug gefahren. Dabei haben wir festgestellt, dass wir wir nicht gerade in der feinsten Gegend Buenos Aires untergekommen sind. Nicht nur, dass und jeder darauf aufmerksam gemacht hat aufzupassen (in Brasilien war es immer Daumen hoch, hier ziehen alle mit dem Finger das Auge runter), auch das was wir teilweise vom Zug aus sehen konnten war Armut pur. Mamas “kochen” im Hof, die Daecher sind abgedeckt oder gar nicht vorhanden, es sieht aus wie auf einer Muellhalde. Aber wir sind heil und sicher in B.A. angekommen und konnten neben Erledigungen wie Internet und Handykauf das Leben einer der groessten Staedte der Welt geniessen. Wobei diese Stadt irgendwie auch nur ein Dorf ist, denn wir haben die selben Touris drei mal getroffen. Es ist schon interessant das Treiben und die Leute hier zu beobachten, Schnecksche neben Punks, Strassenkinder vor Prunkbauten. Aber das ist wohl ein alltaegliches Bild hier. Wir sind dann wieder mit dem Zug zurueck gefahren, der war total ueberfuellt. Alle stehen in Reihen an, um einzusteigen, wenn der Zug kommt, stuermt trotzdem jeder willkuerlich rein, im Zug versucht jeder irgendein Zeug zu verkaufen und es war schwuel und heiss (35 Grad). Aber schoen und abends sind wir erschoepft ins Bett gefallen.

Am naechsten Morgen habe ich Silvia (die Schwester des Freundes einer Freundin – danke Simone und Fabio) angerufen und sie war gleich ganz entzueckt von mir zu hoeren und hat uns zu sich uebers Silvesterwochenende eingeladen. Dort angekommen gab es erst mal ein kuehles Bier und sie hat ihr Wohnzimmer fuer uns als Schlafzimmer umfunktioniert. Super netter Empfang hier, wir sind gleich wie Familie aufgenommen worden, obwohl wir uns ja gar nicht kannten. Sprachlich ging es auch ganz gut, ihre sechzehnjaehrige Tochter “Florencina” kann deutsch und englisch, sie ziemlich gut englisch und ihr Mann Guillermo – auch Willi genannt – nur spanisch. Aber es ging. Und es ist auesserst witzig in Argentinien Simone und Fabio auf Bildern wiederzusehen. Da faehrt man so weit und ist doch irgendwie wieder zu hause.

Jetzt galt es nur noch unser Auto sicher unterzubringen, denn obwohl wir hier in einer etwas besseren Gegend waren, ist trotzdem immer Vorsicht geboten. Leider mussten wir hierfuer unseren Dachstaender abmontieren, und das ist ein ziemlicher Gewaltakt. Und das wieder draufmachen erst. Schwitz! Und auf dem Weg zur Garage sagt jemand: “Guten Abend.” Hae, was ist denn hier los? Wir mussten feststellen, dass wir in einer ehemals deutschen Siedlung waren und hier doch noch ziemlich viele Leute deutsch sprechen. Da war vor allem Mathias hocherfreut, mal wieder zu babbeln, wie er es gelernt hat.
Am Abend sind wir Essen gegangen -natuerlich Asado – und es war das Motto “all you can eat”. Ein Traum, nur mussten wir hier feststellen, dass die bisher so leckren gegrillten Garnelen leider Daerme sind. Igitt! Aber mit ein bisschen Wein und anderen tollen Fleischstuecken ist der Ekel schnell vergessen und wir verlebten einen lustigen Abend. Nachdem Willi bezahlt hatte – ein Nein gibt es hier ja nicht – haben wir die beiden noch zu einem kleinen Umtrunk mit Caipirinha, Gin-Tonic und Gin-Cola eingeladen. Eyeyey (O-ton Willi), da gings uns aber lustig. Bis morgens um 5. Und Willi ist noch Heim gefahren, aber hochkonzentriert.
Und am naechsten Morgen wurden wir in die Kunst des Matetee-trinkens eingeweiht. Das ist ein typisch argentinisches Ritual. Ein anderes Ritual hier ist, dass sich alle einmal auf die rechte Wange kuessen. Egal ob zur Begruessung, zum Aufstehen, oder zum Abschied. Auch egal, ob Frau zu Frau oder Mann zu Mann. Mathias sagte noch ganz zu Beginn, “so was mache ich nicht”, keine drei Stunden hat es gedauert, da fing auch er an, alles zu kuessen. Andere Laender, andere Sitten. Man ist ja nicht unhoeflich. :-)
Abends haben wir dann Silvias Mutter Eugenia abgeholt und mit ihr gemeinsam – natuerlich wieder lecker und viel – zu abend gegessen. Um 0.00 habe ich dann meine Wunderkerzen ausgepackt und wir haben angestossen und dem Feuerwerk zugeschaut. Im Radio lief richtig gute Musik und ich wurde wieder mal ein wenig sentimental. Da erlebt man so einen Abend mal ganz anders, wenn man auf einem anderen Kontinent und mit eigentlich fremden Leuten aber doch so familiaer Silvester feiert. Danach ging es zu Willis Eltern Gunter (deuschsprechend) und Lucia (durch und durch Italienerin). Da wurde weiter gegessen und getrunken und obwohl uns keiner kennt wurden wir sehr herzlich empfangen. Und morgens um 5.00 sind wir selig “nach Hause” gelaufen.

Am naechsten Morgen sind wir alle wieder zu ihnen gegangen und diesmal waren noch Willis Bruder mit Familie und Lucias Bruder Gino da. Gunter und Lucia sind schon sehr interessiert an unserem Auto. Hier kann man ja Moerderpreise fuer unseren Pauli erringen. Falls er so lange durchhaelt, mal schauen… Bei ihnen haben wir auch gleich mal die Waage getestet, denn nach sechs Wochen ohne, ist man schon ein wenig neugierig. Aber erstaunlicherweise alles im gruenen Bereich, ausser einem kleinen Bierbauch hat sich wohl noch nichts getan. Nachmittags sind wir noch mit zu Gino gegangen, der uns Videos von den Iguazu-Faellen gezeigt hat, und Weihnachtsvideos mit Andre Rieu, er hat naemlich 20 Jahre in Deutschland gewohnt und steht total auf so etwas. Wie skuril, so etwas schau ich noch nicht mal in Deutschland an, aber in Argentinien!
Am Abend haben wir mit Silvia und Willi Fotos angeschaut, das war vielleicht witzig. Wir haben den ganzen Abend viel gelacht und da wir am naechsten Morgen abreisen wollten uns schon mal von Willi verabschiedet (natuerlich mit Kuesschen).
Am naechsten Morgen sind wir mit Ginos Hilfe (wir wollten auch keine Auslaenderpreise bezahlen) in die Werkstatt gefahren um einen Oelwechsel vorzunehmen und unsere mitgebrachten Bremsen zu wechseln. Das ging erstaunlicherweisen aeusserst schnell und billig. Als wir dann losfahren wollten musste ich feststellen, dass mein Geldbeutel weg ist. Ich glaubte nicht, dass er gestohlen wurde, aber er war weg und ich hatte keine Ahnung wo! Also ging die Telefoniererei los, im Restaurant, mit Citibank, im Internetcafe aber alles Fehlanzeige. Also nix wie sperren, gefehlt hat zum Glueck nix. Nach der ganzen Hektik ist schon ziemlich viel Zeit vergangen, also hat uns Silvia angeboten noch eine Nacht zu bleiben, um am naechsten Morgen zeitig und in Ruhe loszufahren. Das haben wir dann dankend angenommen und somit noch einen sehr interessanten und lustigen Abend mit den beiden verbracht. Das sind schon sehr herzliche und liebenswuerdige Leute, durch die wir viel ueber Land und Leute und das alltaegliche Leben in Argentinien erfahren haben.

Am nechsten Morgen wollten wir uns dann aufmachen Richtung Mar del Plata und dem Meer. Und siehe da, was findet Mathias in seinem Waschbeutel? Meinen Geldbeutel! Muss ich wohl gewesen sein, kann mich aber nur wag erinnern. Obwohl wir alles durchsucht haben, das war wohl der einzige Platz wo wir nicht geschaut haben. Ist demnach ein gutes Versteck?! Naja, wenn ich auch nichts mehr mit meiner Karte anfangen kann (kein Shopping mehr?) wenigstens sind Perso und vor allem Fuehrerschein wieder da. Hat ja auch sein gutes. Jetzt konnte es auf jeden Fall losgehen. Willi und Silvia haben uns noch mit dem Auto zur Autobahn begleitet (wie ruehrend) und unser Abenteuer geht weiter….

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