21. Cabralia – Salvador – Aracajú

21. Reise entlang der Traumstrände und in die koloniale Geschichte Brasiliens 

Guarapi – Domingo Martins (26.12.) – Itaúnas (27.12.) – Praia do Espelho (28.12.) – Porto Seguro / Santa Cruz Cabrália (29.12.) – Ilhéus / Itacaré (11.01.) – São Felix / Cachoeira (12.01.) – Salvador da Bahia / Praia Flamengo (14.01.) – Aracajú / Orla de Atalaia (16.01.) 

Wir haben auf dem Zeltplatz in Setiba einen Schwätzer kennen gelernt, der irgendetwas mit der deutsch-italienischen Freundschaft zu tun hat. Er schwärmte uns immer wieder vom in den Bergen gelegenen Ort Domingo Martins vor, in dem es viele deutsche Auswanderer geben sollte. Die Aussicht auf ein bisschen Abkühlung und vor allem auf deutsches Essen zog uns dorthin. Die Abkühlung bekamen wir, das Thermometer zeigte statt 37° „nur“ noch 28° an. Ansonsten erwies sich der Tipp als Flop, es gab zwar dort viele Leute, deren Vorfahren deutsch waren und überraschend viele Leute hatten blaue Augen, aber das war’s auch schon. Deutsch gesprochen hat keiner, und gekocht erst recht nicht. Und die einzige Möglichkeit auf heimische Küche wäre im Restaurant „Großmutter“ gewesen, aber das hatte geschlossen! Dafür hatten wir einen schönen kleinen Ausflug in die Bergwelt unternommen und in Domingo Martins mal wieder ein paar „Fachwerkhäuser“ gesehen, oder was man hier so darunter versteht.

Dann ging die Reise weiter, wobei das Autofahren in Brasilien wirklich sehr kurzweilig ist. Immer gibt es etwas zu sehen und zu entdecken. Ob es LKW sind, die Stück für Stück per Hand beladen werden, oder die “total unauffälligen“ Polizeibußchen, die am Straßenrand stehen und blitzen, oder der rasante Verkehr, die teilweise gefährlichen Löcher im Straßenbelag oder die vorüberziehende Landschaft mit ihren am Hang liegenden Orten. Und größten Respekt den Arbeitern, die in dieser Hitze an den Hängen stehen und die Felder bestellen, das ist wirklich Schwerstarbeit. Uns ist schon zu heiß, wenn wir bei geöffnetem Fenster im Auto sitzen und uns der – immerhin warme – Fahrtwind um die Nase bläst. Doch an diesem Tag war mir die Hitze einfach zu viel, gegen Nachmittag setzten heftige Kopfschmerzen ein, und bis wir am frühen Abend unser Nachtlager (eine dieser großen ´rede flecha` Tankstellen und Busbahnhöfe, wo man gut duschen und essen kann) erreichten, konnte ich mich dank einer ausgewachsenen Migräne nur noch der Toilette widmen, während Mathias sich den Bauch mit leckerstem Fleisch, Beilagen und Salatbuffet vollgefuttert hat. Tja, so ist das Leben halt manchmal, aber nach ein paar Stunden Schlaf ging es mir wieder besser und am nächsten Morgen war ich wieder fit. 

Unser nächstes Ziel hieß Itaúnas, eine kleiner Sackgassenort, der uns mit der Aussicht auf schlüpfende Schildkrötenbabies lockte. Doch leider richten die sich nicht nach uns, und weder an diesem noch in den nächsten Tagen wurden die Kleinen erwartet. Außerdem fanden wir den Strand mäßig, obwohl der Weg dorthin über schöne hohe Sanddünen führte. Und zu guter letzt haben wir zwei deutsche Mädels dort getroffen, die uns nur über die exorbitanten Preise seit Beginn der Hochsaison erzählten, also haben wir uns wieder auf die Socken gemacht.

Die Weiterfahrt öffnete uns wieder mal die Augen für eine andere Seite Brasiliens. Neben den immer noch katastrophalen Straßenzuständen leben die Leute etwas im Landesinnern in Armut. Der Gipfel war, als auf einer Strecke von etwa 10 km an den Lehm- und Bretterverschlägen am Straßenrand Schilder mit der Aufschrift „Precisamos Alimentos!“ („Wir brauchen Essen!“) sahen. Das ist bitter!

Die Nacht haben wir wieder mal an einer ´rede flecha` verbracht, diesmal ohne Kopfschmerzen. Und wir haben in den zwei Tagen sogar drei mal die Erfahrung gemacht, dass man sich zu unseren Gunsten verrechnet. Das waren zwar immer nur Pfennigbeträge, aber immerhin. Dafür hat sich eine Dame an der Tankstelle wieder mal ordentlich zu meinem Nachteil verrechnet, als sie bei 10 x 2,25 R$ am Ende 25 R$ wollte! Daraufhin kam doch mal wieder der gute alte Taschenrechner zum Einsatz! :-)

Am nächsten Tag wurden wir von Brasiliens Natur wieder mal verwöhnt. Wir wollten zu den Stränden, die in unserem Praiaführer mit 5 Sternen bewertet waren. Schon die Fahrt war traumhaft, wir passierten einen Nationalpark, dessen Berge immer wieder einen tollen Hintergrund für die palmenbewachsene Gegend und die roten Erdstraßen lieferte. Ja, wir entschieden uns wieder mal für eine 47 km lange Erdstraße, aber die ersten paar Kilometer waren recht gut zu fahren und wir sparten somit 80 km. Es wechselten sich Wälder, Kakao- und Früchteplantagen ab, und auch die Sandpisten bereiteten uns Freude. Mal passierten wir Fazendas, und beobachteten die Ranger, wie sie ihre Herden zusammentrieben. Einfach idyllisch. Die letzten paar Kilometer waren dann zwar etwas anstrengend, wieder mal ´Schweizer Käse`- Straßen und einmal versperrte uns ein LKW den engen Weg, aber irgendwie sind wir da aneinander vorbeigekommen. Erstaunlicherweise war die gesamte Strecke gut ausgeschildert und letztendlich landeten wir am Praia do Espelho, einem der schönsten Strände im Land, wo es sogar einen Campingplatz mit Wiese, Palmen und Hühnern gab. Um zum Strand zu gelangen musste man einen schmalen und steilen Pfad hinuntersteigen und immer mal wieder konnte man einen verheißungsvollen Blick auf die Küste, die Lagune und die Felsen erhaschen. Unten angelangt waren wir sehr begeistert, es gab zahlreiche Bars und Pousadas, die eigentlich nicht mit dem Auto erreicht werden können. Wir befanden uns in einer Art ´VIP-Versteck`, und alle Unterkünfte und Strandbuden waren sehr chic und lässig hergerichtet, überall lief Musik und die Leute lümmelten auf überdachten Holzliegen mit großen weißen Kissen. Die Preise waren meist dementsprechend, aber 1,10 € für eine Dose Bier können wir uns gerade noch leisten. ;-) Der Strand war palmengesäumt, und am Ende konnte man kilometerweit die Küste mit steilen weißen Felsen entlang wandern. Im Wasser lagen zahlreiche kleine Luxusboote, man konnte am Strand Pferde mieten, mit dem Helikopter einen Rundflug unternehmen oder einfach nur die chillige Atmosphäre genießen. Wir haben uns für letzteres entschieden.

Und ich muss wohl nicht erwähnen, dass die Urlaubsgäste dort fast ausschließlich Weiße waren!

In der Nacht überraschte uns ein Regenschauer und bis wir alle Sachen ins Trockene gebracht hatten waren wir klatschnass. Noch dazu hatte ich mir einen Nerv im Rücken verklemmt, der mir bei jeder Bewegung große Scherzen bereitet hat. Also habe ich mir eine Decke umgewickelt und gehofft die Wärme renkt die Sache wieder ein, aber die nächsten Tage hatte ich damit noch zu kämpfen, bis mir die üppige Krankenschwester mit einer Spritze geholfen hat.

Geweckt wurden wir am Morgen von den um die Wette krähenden Hähnen und der stechenden Sonne, die aus unserem Auto einen Ofen gemacht hat. Also haben wir schnell unsere Sachen gepackt und sind weiter nach Porto Seguro gefahren. Dazu gab’s wieder mal eine kleine Fährfahrt von Arrial d´Ajuda und zum Glück wollten wir nicht in die andere Richtung übersetzen, sonst hätten wir uns in die Schlange von hunderten anderen Wagen einreihen können. Beide Orte haben sehr schöne restaurierte koloniale Altstädte, und entsprechend viele Touristen. In Porto Seguro wollten wir unsere Bilder ins Internet setzen, aber die Maschinen waren alle alt und langsam, ebenso wie die Angestellten. Nebenbei haben wir uns in den Internetläden zu Tode geschwitzt, Mathias bekam ein „Sieg Heil, Kamerad“ ins Auto zugerufen, und wir hatten Hunger. Die Stadt war überfüllt von (fetten) Brasilianern, die, wenn es zu viele sind und noch dazu im Urlaub, anstrengend sein können. Also haben wir unser Vorhaben auf später verschoben und wollten erst mal den nächsten Campingplatz aufsuchen.

Die Strecke nach Santa Cruz Cabrália, wo sich ein weiterer CCB befindet, führt direkt am Meer entlang, vorbei an unzähligen Hotels und Pousadas auf der einen Seite, Autos, Badegäste und Strandbuden (hier Barracas genannt) und einer traumhaften palmengesäumten Küste mit weißen Sandstrand auf der anderen Seite. Die Küste blieb so schön, die Orte wurden für uns erträglicher und wir landeten 25 km weiter im wesentlich beschaulicherem und nicht überfüllten Ort Cabrália. Der Campingplatz lag direkt an der Hauptstraße, die parallel zur Strandpromenade verlief. Der Platz war wunderbar grün und wir konnten unser Auto schön im Schatten einiger Bäume parken und spannten unsere Plane gegen die Sonne auf. Wir stellten unseren Wasserkanister in eine Astgabel und ersparten uns so den weiten Weg zu den Waschräumen. Platz hatten wir ja genug, denn die Zahl der anderen Camper war überschaubar. 3 Trailer und zwei Zelte hatten sich auf dem großen Gelände eingefunden. Und das in der absoluten Hauptsaison!? Und ein paar Kilometer weiter tobt der Bär!? Uns gefiel es trotzdem – oder deshalb – sehr gut dort, die Nachbarn waren sehr nett und wir haben uns schnell mit der benachbarten Familie von Narciso angefreundet, der selbst schon viel gereist ist und auch ein paar Brocken spanisch und englisch spricht. Mit ihm war es immer sehr interessant, er war ein Tüftler und als er kein Gas zum kochen bekommen konnte, baute er sich kurzerhand aus einem Holzbrett und Cola-Dosen einen Kocher mit Alkohol für zwei Töpfe! Genial. Er und seine Söhne waren auch sehr interessiert daran ein paar Worte deutsch zu lernen und immerhin brachten sie es dann auf einen Wortschatz von Danke, Entschuldigung, frohes neues Jahr und Abwasser. :-) Könnte daran gelegen haben, dass Narciso bei den Wasserwerken arbeitet. Mit ihm, seiner Frau und seinen zwei süßen und gut erzogenen Söhnen haben wir dann auch zusammen das neue Jahr begrüßt, doch am Tag darauf mussten sie leider schon abreisen.

Wir wussten, dass Miriam und Garcia, die wir aus Salta / Argentinien kannten, auch irgendwo in der Nähe sein würden. Als wir in Cabrália ankamen erkundeten wir den kleinen Ort und stellten erfreut fest, dass es Internetzugang gibt, wenn auch wirklich laaaangsaaamen. Aber egal, wir haben ihnen eine Mail geschrieben und mitgeteilt, dass wir da sind, und schon am selben Abend hörten wir ein Motorrad vor unserer Türe knattern und die beiden standen da! Das war eine Wiedersehensfreude, die beiden sind wirklich sehr herzlich und die Unterhaltung verläuft mittlerweile dank besserer Spanisch- und Brasilianischkenntnisse als vor 7 Monaten wesentlich flüssiger. Die beiden wollten unbedingt, dass wir zu ihnen auf den Campingplatz umziehen, sie hatten mit dem Besitzer bereits einen Spezialpreis vereinbart und uns in den höchsten Tönen von der Anlage, dem Pool und der Nähe zur Party vorgeschwärmt. Aber wir wollten uns das ganze noch überlegen und vereinbarten erst mal, dass wir am nächsten Tag zu Miriams Geburtstagsfeier kommen würden, dann könnten wir uns ja den Platz mal ansehen.

Wir sind dann am frühen Abend mit dem Bus Richtung Porto Seguro gefahren und mit einer Flasche argentinischen Rotwein ein bisschen verspätet bei ihnen eingelaufen. Wir wunderten uns, dass Miriam noch beim Einkaufen war, aber störten uns nicht weiter daran, das war halt brasilianische Zeit. Zwei Tage später sollten wir dann auch erfahren, dass in Bahia die Zeit nicht wie vorher um eine Stunde verschoben wird, und wir demnach sehr deutsch und pünktlich erschienen. Blöd fanden wir nur, dass es somit noch eine Stunde früher dunkel wurde, also schon um 18.00 und die Sonne erschien bereits um 5.00. Warum da die Uhr nicht umgestellt wird, verstehen wir nicht, aber ändern können wir es auch nicht.

Wir begutachteten dann erst mal den Platz und wurden von Garcia ausführlich über sämtliche Bäume und Pflanzen aufgeklärt (inklusive 400 Jahre altem Prachtbaum) und auf dem Platz herumgeführt. Ein Pool wäre ja toll, aber das wäre auch das einzige gewesen, was uns zum Umzug hätte bewegen können. Ansonsten war der Platz gnadenlos überfüllt, wir hätten uns nur in die Reihe Trailer und Reisebusse einreihen können, die im Abstand von 5 Metern Spalier standen. Nein danke, und mit den klimatisierten und rund um die Uhr verkehrenden Bussen kommen wir auch von Cabrália überall hin. Aber für diesen Abend war es gerade richtig, wir genossen das Essen, vor allem die Schokotorte und die lustige Gesellschaft von Miriam, Garcia und ihren Nachbarn. Lustigerweise hatten wir die direkt angrenzenden Nachbarn schon in Setiba gesehen (sind ja auch unübersehbar mit ihrem grünen Monster-11m-Reisebus und zusätzlicher Außenküche!) und haben uns über den Vater amüsiert, als er damals nächtens zappelnd und tanzend das Geschirr spülte. Kein Wunder, er heißt mit Nachnamen tatsächlich Duraceu, da liegt die Verbindung zu Duracell halt einfach zu nahe. Zu späterer Stunde zappelte er wieder (war auch ein bisschen Bier im Spiel und er steht generell dauernd unter Strom) und als sich die anderen zu ihnen rüber verzogen saßen wir noch lange mit Miriam und Garcia im ´Garten` und unterhielten uns ausführlich.

Die beiden haben uns dann noch zur Bushaltestelle gebracht – will heißen, man steht an irgendeiner Stelle, an der der Bus vorbei fährt, hält die Hand raus und dann hält der Bus. Die Fahrt dauerte ziemlich lange, da sich der Bus erst mal durch das samstägliche Partygewusel kämpfen musste. Um das Bezahlen haben wir uns erfolgreich gedrückt, da wir beim Einstieg gerade so noch einen der vorderen Plätze, also vor der Bezahlschranke, erkämpft hatten, und da uns auch später niemand aufforderte durchzugehen, sparten wir uns sagenhafte 1,80 Euro. :-) Wieder in Cabrália zurück, tobte der Bär auch hier, denn die Silvesterfeier erstreckte sich von Samstag bis inklusive Montag. Aber wir fielen nach einem schönen Abend und voller Vorfreude auf die Silvesterfeier, trotz lauter Musik von der Partybühne, müde ins Bett.

Und die Bühne wurde nicht extra für Silvester aufgestellt, die steht das ganze Jahr dort am Platz am Meer und jedes Wochenende finden dort Konzerte statt. Toll!

Unsere Silvesterfeier war dann ja auch der absolute Erfolg und wir begrüßten das neue Jahr fulminant. Auf brasilianische Feuerwerkskörper verzichteten wir lieber, das überließen wir den Einheimischen, die eh zu jeder erdenklichen Gelegenheit und das ganze Jahr über ihre Kracher und Raketen zum Einsatz bringen. Interessant und neu für uns war, dass zwischen all den trinkenden Menschen immer wieder Leute zwischen den Füßen herumliefen und die leeren Bierdosen aufsammelten. Wie wir später erfuhren, gibt es viele Leute, die von dem Erlös leben! Und das bedeutet richtig Arbeit, denn für ein Kilo Dosen bekommt man gerade mal etwas mehr als einen Euro. Und wenn man bedenkt, dass man dafür 62 Dosen sammeln muss, wird man bestimmt nicht reich dabei! Erstaunlicherweise werden alle Dosen, außer die von Coca-Cola gesammelt, denn das sind die Einzigen, die nicht aus Aluminium hergestellt werden. Also besser für die Umwelt, aber schlechter für die Sammler!: -(

Wir hatten uns im Laufe der Zeit gut in Cabrália eingewöhnt und es gefiel uns einfach super dort. Wir hatten nette Nachbarn, die uns auch mal zum Essen eingeladen haben. Generell waren alle recht freundlich, sowohl andere Camper als auch der Leiter des Platzes. Ab und an kam ein Hängemattenverkäufer vorbei, dem wir auch gleich ein großes Strandtuch abkauften. Und der Lieferservice vom Supermarkt brachte uns unsere 20 Liter Wasserbox umsonst bis vor die Autotüre. Generell war der Platz recht ruhig und sicher, und als wir mal vergessen hatten unser Auto abzuschließen, und sogar der Schlüssel noch steckte (!!!), war alles noch da.

Zwei mal haben wir uns im Supermarkt mit Fleisch, bzw. Würstchen und Salaten eingedeckt und haben lecker gegrillt. Da grillen in Brasilien nicht so populär ist wie in Argentinien, gibt es auf den Zeltplätzen auch meist keine Grills. Aber wir hatten ja noch unseren Rost und mit Hilfe einiger Steine haben wir uns auf dem Sandboden unseren eigenen Grill gebaut.

Und dann waren ja dort noch die Äffchen! Eine ganze Familie mit zwei Babys wohnte in den Baumkronen des Platzes, und obwohl sie sehr scheu waren, wurden sie doch zutraulicher, wenn man etwas zu Essen bereithielt. Alle Bewohner waren im Bann der bis zu 30 cm großen Kerlchen und auch wir liefen immer wieder begeistert mit Keksen oder Früchten herum, um sie anzulocken. Als wir an einem Tag gerade dabei waren ein Mango aufzuschneiden, waren die Kleinen wieder in der Nähe. Und ehe ich mich versah, und noch dabei war das Stück Mango auf dem Baum zu positionieren, setzte sich einer der Affen mitten auf unseren Tisch und knabberte an der vollen Frucht herum. Klar, warum sich mit Kleinigkeiten zufrieden geben…

Auch den Ort hatten wir ins Herz geschlossen. Der Campingplatz lag nur zwei Häuserblocks vom Strand entfernt, der mit wahnsinnigen Wellen überraschte. Die eine Seite des Strandes war gut durch ein Riff geschützt, an der anderen Seite brachen sich die hohen Wellen mit großer Wucht. Da die Küste hier sehr schnell steil abfällt, überschlugen sich – oder uns – die Wellen mehrfach. Einige Jungs benutzten Styroporteile um auf den donnernden Wellen zu bodyboarden, wir ließen unser Surfbrett schön zu Hause und begnügten uns damit, uns selbst gegen die Wellen zu stemmen und uns in die „Waschmaschine“ zu begeben. Dabei gingen mir so manche Haargummis verloren! Danach gönnten wir uns meist in einer der Strandbars einen leckeren Milchshake mit Früchten. Mmmmhhh und völlig „zuckerfrei“! Wie eigentlich alles in Brasilien. Saft oder Shake, mit Zucker. Kaffee, nie ohne Zucker. Kuchen und Süßspeisen, immer extrem süß. An den Straßen wird Zuckerrohrsaft verkauft (also Zucker pur), in den Caipi kommt Cachaca, also Zuckerrohrschnaps und noch mal – viel Zucker. Kein Wunder, dass die Brasilianer mit 55 kg Zuckerverbrauch pro Kopf im Jahr weltweit an erster Stelle stehen. Aber da zählt auch noch das als Treibstoff genutzte Ethanol dazu.

Der Ort selbst ist zweigeteilt, auf einer Seite waren einige Pousadas und die Strandbars, wo auch abends noch öfter Party mit Lifemusik angesagt war. Über eine kleine Brücke befand sich dann das eigentliche Zentrum mit Markt, Internets (äußerst langsam, was uns haufenweise Nerven beim Bilder hochladen kostete), Baumarkt, Bank, großem Supermarkt und Restaurants. Gerne ließen wir uns die Fleischspießchen am Straßenrand schmecken, probierten leckere Eissorten, aßen haufenweise Salgados (gefüllte Teigtaschen) und entdeckten neben leckeren Speisen und Buffets das Tagesgericht „prato feito“. Das gibt es in fast jedem Restaurant und man bekommt für ca. 2 Euro einen fertigen Teller mit wahlweise Fisch, Fleisch oder Hühnchen, dazu Reis, Salat und den klassischen Bohneneintopf. Den mochten wir zwar anfangs nicht so gerne, aber seit uns Martin auf Florianopolis damit angefüttert hat schmeckts uns einfach richtig gut. Und zu jeden Gericht gibt es ´farina`, körniges Maniocmehl, das schmeckt zwar relativ neutral, aber das brauchen wir immer noch nicht. Und am besten gefiel uns die kleine Pizzeria im Ort, mit ihren rot-weißen Tischdecken. Im Freien befand sich eine Theke, an der die Pizzen direkt vor unserer Nase vom manchmal auch singenden Koch belegt wurden und dann in den Holzofen geschoben wurden. Einfach lecker! Und natürlich hatten wir unsere Lieblingsbar schnell ausgemacht. Die lag praktischerweise gleich gegenüber des Zeltplatzes, war überschattet von großen Benjaminis, der zurückhaltende Besitzer war sehr nett und er hatte neben beschwingender „Forró“-Musik unser Lieblingsbier „Bohemia“ zu einem fairen Preis. Bis wir es leer getrunken hatten, aber es gibt ja auch andere gute Biere in Brasilien. Und auch an das süße Erfrischungsgetränk Guaraná haben wir uns mittlerweile gewöhnt, ja es schmeckt uns sogar!

Jeden Tag gab es mehr zu entdecken und der Ort gefiel uns einfach super gut. Von einem kleinen Hügel aus, wo sich auch das historische Zentrum befand – bestehend aus einer kolonialen Kirche! – hatte man eine tolle Sicht über die komplette Küste. Einmal machten wir einen Ausflug mit einer Fähre und erkundeten den Ort Santo Andre und seine Strände auf der anderen Seite der Lagune. So ein langer Strandspaziergang ist einfach etwas tolles, aber wenn man wieder mal vergisst sich einzucremen, hat man halt dank roter Streifen am Körper noch länger etwas davon. Aber wir sind ja noch nicht so lange hier, da vergisst man so etwas schon mal! ;-)

Und das Klima dort ist einfach klasse. Tagsüber hat es immer so um die 30°, aber nie viel wärmer. Mit einer frischen Meerbrise lässt es sich da ganz gut aushalten. Nachts kühlt es etwas ab, man kann abends angenehm im Freien sitzen und bei bis zu 25° lässt es sich dann ganz gut schlafen. Wir mussten zwar mindestens zwei mal täglich duschen, aber dafür sind wir fast den ganzen Tag in Badesachen herumgelaufen. Einfach toll und wir waren nicht die Einzigen, die dieses Klima zu schätzen wissen, auch viele Brasilianer sind total begeistert und haben sich schon ihr Grundstück dort gesichert. Und die lästigen Mücken halten sich dort auch sehr in Grenzen, ab und zu erwischten uns mal so ein paar Plagegeister, aber die Stiche juckten zum Glück nur relativ wenig.

Manchmal müssen wir auch Wäsche waschen. Mittlerweile suchen wir schon gar nicht mehr nach einem Waschsalon, denn das Waschen macht uns richtig Spaß! Wir bevorzugen hierbei jedoch die Waschbeckenvariante und tragen dazu nicht unsere Kleider in großen Schüsseln auf dem Kopf zum Fluss, wie es die Frauen hier üblicherweise machen Hätten wir vielleicht besser mal, denn viel brauner als das Wasser hier hätte der Fluss auch nicht sein können, vor allem wenn man weiße Wäsche im Becken hatte, konnte man die braune Brühe besonders gut sehen. Diese Wasserqualität hat sich leider nicht besonders gut auf meine Haut ausgewirkt, meine Pickel sprießten fröhlich vor sich hin, daher bin ich dann fürs Gesicht auf Trinkwasser umgestiegen und hab mich nur noch mit frischen Zewatüchern abgetrocknet. Aber wenn’s weiter nix ist…

Wir waren zwischenzeitlich noch mal bei Miriam und Garcia am „Partystrand“. Nachdem wir einen Strandspaziergang unternommen hatten, bestätigte sich nochmals unsere gute Entscheidung, nicht umgezogen zu sein. Hier tummelten sich zwar viele Jugendliche, in den Strandbars tobt das Leben und an den Hauptbarracas sind große Bühnen aufgebaut. An denen tanzen überwiegend (schwule!?) Jungs vor und die besoffene Herde tanzt dann im Makarenastyle die gleichen Schritte nach. Das ist dann wirklich nichts für uns, ist ja mal ganz witzig anzusehen, aber aus dem Alter sind wir dann doch raus! Wir genossen dagegen lieber die guten Gespräche mit unseren Gastgebern, die uns viele Einblicke in das brasilianische Leben gewährten. Wir wurden dafür dann wieder von Nachbarn zu Bier und Caipirinha eingeladen. Auf dem Tisch stand zur Selbstbedienung ein Laib Käse (total lecker, was es nicht oft in Brasilien gibt!), am Fernseher lief „bitte lächeln“ und an der Außenküche wurde fleißig gekocht. Diese Familie erinnerte uns an die Luxusflodders, sie hatten einen Reisebus, der Platz für mindestens 10 Personen hatte – sowohl zum Fahren, als auch zum Schlafen. Die lockeren Eltern waren mit ihren Kindern und deren Freunden unterwegs, sie waren insgesamt zu 14.! Der Bus war 13 Meter lang, natürlich auch mit Waschmaschine und Trockner ausgestattet, wie bei vielen anderen dürfen Klimaanlage, TV und Laptop auch nicht fehlen, Internet gibt’s für 50 Euro im Monat übers Handy. Man kommt sich vor wie in einem Tourbus. In anderen Bussen haben sie die selbe Fläche für sich zu zweit, – dann halt nur zwei Betten und ein großes Wohnzimmer – da sie ihren Bus als „Wohnsitz“ verwenden und damit fast das ganze Jahr durchs Land reisen. Das alles ist keine Seltenheit in Brasilien und auf diese Art und Weise zeigt sich auch, dass Campen in Brasilien nicht unbedingt ein Hobby der Armen ist!

Nach vielen Stunden verabschiedeten wir uns wieder, stiegen in unseren überfüllten Bus, der 24 Stunden verkehrt. Diesmal haben wir auch bezahlt, denn selbst wenn uns niemand dazu aufgefordert hatte, der kotzende Bub in der ersten Reihe veranlasste uns dazu, weit nach hinten zu gehen! Dieses Bild ist allerdings eine Seltenheit, meist wird darauf geachtet, dass Jugendliche unter 18 Jahre keinen Alkohol ausgeschenkt bekommen.

Nach 11 Tagen packte uns wieder das Reisefieber und wir verließen diesen liebgewonnenen Ort. Wir fuhren noch mal bei Miriam und Garcia vorbei, ließen uns dort noch typisch bahianisch verköstigen und fuhren weiter nach Porto Seguro. Dort gab’s erst mal wieder was für die Inneneinrichtung und gegen die Wärme: einen Ventilator. Danach sind wir noch eine Runde durch die kleine restaurierte koloniale Altstadt gelaufen, aber die sengende Sonne veranlasste uns schnell zur Weiterfahrt.

Wir fuhren bis in die Dunkelheit und freuten uns über die relativ guten und sogar nachts beleuchteten Straßen. Die wenigen Polizeikontrollen (normalerweise an Provinzgrenzen) verlaufen unkompliziert. Meist interessieren sie sich dafür, wie wir unser deutsches Auto nach Brasilien geschafft haben, wollen zwar die Papiere sehen, die sie eh nicht verstehen und stehen dann zu mehreren ums Auto und staunen wie kleine Kinder. Alle sind immer sehr nett und freundlich, fragt man mal nach dem Weg, geben sie ausführliche Infos, sie sind total hilfsbereit, na eben Brasilianer! Obwohl wir uns in einem Schwellenland befinden gibt es keine Korruption – im Gegensatz zu Argentinien – auch nicht in ärmeren Regionen. Wir wunderten uns auch über die vielen neueren Autos auf Brasiliens Straßen, aber wie wir erfuhren werden A3, Golf 4, die Mercedes A-Klasse und fast alle anderen europäischen Kleinwagenmodelle hier gebaut.

Auf den Straßen fahren jedoch auch sehr viele Fahrräder, die nachts unbeleuchtet gegen die Fahrtrichtung fahren. Nicht ganz ungefährlich, aber normal!

Die Nacht haben wir wieder mal unterwegs an einer Tankstelle verbracht, wo man ja immer gut essen kann und sicher steht. Nur die Wärme und die Mücken raubten uns den Schlaf. Jetzt hatten wir schon einen Ventilator, konnten ihn aber nirgends anschließen! Auch für unser Antimückenzeug hätten wir Strom gut gebrauchen können.

Am nächsten Morgen kamen wir in Ilheús an, wo wir nach einer Kurzbesichtigung der Kathedrale uns um eine neue Autoversicherung kümmern mussten. Doch leider mussten wir trotz aller herzlicher und zeitaufwändiger Bemühungen der Angestellten feststellen, dass man in Brasilien ausschließlich Fahrzeuge mit brasilianischem Kennzeichen versichern kann. Also haben wir bei unserer argentinischen Versicherung eine neue Police beantragt, was dank unseres Versicherungsmannes Luciano problemlos von statten ging. Nur leider ging die Überweisung nicht so einfach, da man in Brasilien ein Bankkonto haben müsste, um eine Überweisung nach Argentinien zu tätigen, aber das hat dann Norbert in Trenque Lauquen für uns übernommen (Danke!) und wir konnten wieder beruhigt weiter düsen.

Wir sind dann weiter Richtung Itacaré gefahren, wobei wir uns den schönen Mirador auf palmenbestandene Sandstrände natürlich nicht entgehen ließen. Weiter ging die Fahrt durch dichten Urwald, und selbst an den abgeholzten Stellen, gefiel uns die Landschaft mit Palmen, Farnen, Bananenstauden, Laubbäumen und diversen Schmarotzern daran ausgesprochen gut. Die Orte waren mal klein, mal groß, mal schöner und mal hässlicher und arm. In Itacaré, ein „schwarz-buntes“ als Surferparadies bekanntes Städtchen, wollten wir uns einen Campingplatz suchen. Doch die Suche war mühsam, alle Plätze waren ausschließlich für Zelte und der im Internet als Stellplatz für Moto-Homes beschriebene entpuppte sich als vollgestellter Parkplatz! Wir stiefelten und fuhren erfolglos durch die Hitze, der überfüllte, gesichtslose und ausschließlich auf Touris ausgerichtete Ort wurde uns immer unsympathischer. Letztendlich fanden wir zwar einen kommunenartigen Zeltplatz in der Nähe vom Strand bei ein paar witzigen Schwarzen, aber mittlerweile wollten wir schon gar nicht mehr hier bleiben! Also sind wir kurzerhand weiter Richtung Salvador gefahren, und haben uns unterwegs wieder mal eine Tankstelle gesucht. Dort machte ich Bekanntschaft mit einer 10 cm großen leuchtend grünen und fliegenden Heuschrecke. Aufgrund meines ebenfalls grünen T-Shirts fühlte sie sich irgendwie in guter Gesellschaft und so saß sie mir dann irgendwann auf dem Bauch! Das fand ich dann nicht mehr so lustig und dank des beherzten Eingriffs eines Wachmanns wurde ich das festgekrallte Insekt wieder los! Ansonsten war die Nacht unaufregend aber heiß, wir hatten trotz geöffnetem Kofferraumdeckel sagenhafte 30° im Auto!

Je weiter wir uns von der Küste entfernten, desto trockener wurde die Gegend. Wir waren noch etwa 150 km vor Salvador als wir in São Felix einfuhren. Die Ausfahrt haben wir aufgrund fehlender Beschilderung verpasst, aber die Leute geben ja gerne Auskunft. São Felix ist ein süßer kleiner Ort, der durch die Zigarrenfabrik Dannemann Bekanntheit erlangte. Diese erreichten wir nach einer kleinen Fahrt durch den Ort, vorbei an im Fluss waschenden Frauen und an kleinen verwitterten Häuschen, Eselskarren und einem Markt im Zentrum des Ortes. Am Fluss lag dann auch die Fabrik, in der man den Zigarren rollenden Damen auf die Finger schauen konnte. Die etwa 20 Damen waren in grüne bahianische Satinkleider gewickelt, bei einigen dampfte die Zigarre am Platz und ihre Finger wickelten und bearbeiteten geschickt die braunen Tabakblätter. An der Verkaufstheke bekamen wir Espresso und (in Deutschland maschinell gefertigte!) Zigarillos zum probieren und wir ließen uns dazu hinreißen eine Zigarre zu kaufen. Die rauchen wir zwar eigentlich nicht, aber irgendwann soll es mal einen besonderen Moment geben, an dem sie zum Einsatz kommt – wenn sie bis dahin nicht schon vertrocknet ist!

Danach sind wir über die alte Eisenbahnbrücke ins benachbarte Cachoeira gefahren, nach Salvador die Stadt mit den meisten erhaltenen Kolonialbauten. Wie wir hörten sollten dort – authentischer als in Salvador – Candomblés (religiöse Feste afrikanischen Ursprungs) abgehalten werden. Auf der Suche nach der Touri-Info quatschte uns ein junger Mann an, der uns gleich informierte, dass die Info geschlossen hat, und fragte, ob wir Interesse an einem Candomblé hätten, doch das nächste fand erst am nächsten Abend statt. Gleichzeitig bot er uns diverse Unterkünfte an, die sich verlockend anhörten. Da die Kleinstadt mit seinen verwitterten und bunten Gebäuden und überwiegend schwarzen Bewohnern einen sehr großen Charme auf uns ausübte, fuhren wir zu einer der Unterkünfte, die sch in einem ehemaligen Klosterkonvent befand. Die einfachen Zimmer waren rund um den begrünten Innenhof gelegen, und im Hinterhof gab es einen Pool. Der Preis von 18 Euro pro Nacht inklusive Frühstück und TV hörte sich auch gut an, und so entschlossen wir, für die nächsten zwei Tage hier einzuziehen. Schließlich hatte ich ja am nächsten Tag Geburtstag, und den wollte ich nicht an irgendeiner Tankstelle verbringen. Und Pauli war auch gut im Hof untergebracht. Wir setzten uns dann erst mal gegenüber in eine kleine Bar, tranken ein Bier, bewunderten die große angrenzende restaurierte Kirche, die kopfsteingepflasterten Gassen und die vorbeireitenden Eselstreiber, während Pauli in den Genuss einer Autowäsche kam. Danach haben wir uns im Pool geaalt, uns einen kleinen Caipi bestellt und das Wochenende eingeläutet. Nach einem Stadtbummel haben wir die Touri-Info aufgesucht, doch wir bekamen keine neuen Infos zu Candomblés, außer, dass wir uns an die Jungs halten sollten. Tolle Info!

Am Abend legten wir uns um 19.00 kurz ab, doch wachten wir erst kurz vor Mitternacht wieder auf. Ich wollte weiterschlafen, doch Mathias drängte mich dazu, noch mit einem Bierchen auf meinen Geburtstag anzustoßen. In der „Kneipenstraße“ machten zwar die Läden langsam dicht, aber wir erwischten wieder mal die Bar, die noch am längsten offen hatte. Dort ließen wir uns ein paar Biere schmecken, schauten dem letzten Treiben auf der Straße und am Grillstand zu, genossen die schöne Atmosphäre und legten uns um 4.00 wieder schlafen.

Nach wenigen Stunden Schlaf ließen wir uns das leckere Frühstücksbuffet schmecken, mit Früchten, Eiern, Schinken, Käse, Kuchen, Säften und Kaffee. Dafür sind wir doch gerne aufgestanden. Danach habe ich ganz unspektakulär an meinem Reisebericht geschrieben, bis mich der Stromausfall weiter daran hinderte. Das dafür verantwortliche Gewitter war nur kurz, der Stromausfall dagegen dauerte mehrere Stunden. So haben wir einen Stadtbummel unternommen und sind dabei über den Markt geschlendert. Ein tolles Feeling und wir drängten uns durch die engen mit Planen überdachten Gassen, wo sie Obst, Gemüse und Textilwaren verkauften. Manche an den aufgebauten Ständen, manche einfach auf dem Boden ausgelegten Bananenblättern und wir fühlten uns keine Minute unwohl, sondern genossen es mitten im Geschehen zu sein. Wir wollten in einer Bäckerei etwas zu Essen holen, doch konnte uns die Verkäuferin den Preis nicht nennen, da die elektronische Waage ausgefallen war. Aber wir einigten uns dann auf einen Preis, der für beide akzeptabel war. Nachdem wir einem Kindervolleyballturnier auf einem Praca zugeschaut hatten trafen wir zufällig wieder auf unseren Führer José und haben für den Abend alles fest gemacht. Zwei andere Frauen eine Französin und eine Argentinierin, die im Hotelzimmer nebenan wohnten, kamen auch mit. Die trafen wir später am Pool und wir tauschten unsere wenigen Informationen aus den Reiseführern über die abendliche religiöse Veranstaltung aus.

Für den Abend hatten wir uns schon ein schönes Lokal am Fluss ausgesucht, wo wir uns richtig gutes Fleisch schmecken lassen wollten. Gerade als wir über den Steg zu den Tischen liefen, fiel noch mal der Strom aus! Oh nein, ich dachte schon das war’s mit meinem Geburtstagsessen, aber nach wenigen Sekunden war alles wieder im Licht. Die Bestellung verlief leider auch anders als geplant, denn Fleisch gab es heute nicht, also bestellten wir uns Fisch mit Reis und Salat. Die Stimmung war richtig schön schnulzig, ebenso die Musik und der Blick auf die leicht beleuchteten Häuser am Hang gegenüber machten das Bild perfekt. Der tuffige Ober gab sich alle Mühe und der Fisch war ausgezeichnet. Nach dem Essen haben wir uns um 21.30 mit den anderen an unserer Pousada getroffen. Wir sollten alle in heller Kleidung erscheinen, lange Hosen bei Männern war auch Pflicht.

Im Zentrum gab es ein kleines Kulturzentrum, wo auch eine Art Candomblé dargeboten wurde, und es erschien uns nicht sonderlich aufregend. Aber mal abwarten. Wir liefen etwa 30 Minuten immer weiter in die Randgebiete der Stadt, die Gassen waren weniger beleuchtet und wir befanden uns in Gegenden, in die wir uns alleine niemals gewagt hätten. Als weiße Touristen schon gar nicht. Aber wir hatten ein gutes Gefühl so mitten im ´real life`, unser Guide war sehr nett und erklärte uns viel und wir freuten uns auf die bevorstehende Zeremonie. Endlich an einem kleinem Haus weit oben am Hang angekommen, warteten schon einige Leute. Wir setzten uns dazu und lernten uns ein wenig kennen und trafen noch auf ein anderes deutsch-brasilianisches Pärchen. Nach langem Warten erfuhren wir dann, dass sich zu dieser Zeremonie noch nicht genug Leute eingefunden hätten und wir noch mindestens 1 Stunde warten müssten. Es gab aber noch ein anderes Candomblé, das zu Ehren des Geburtstages einer 103 Jahre alten Omi in ihrem Haus abgehalten würde. Also liefen wir weitere 10 Minuten durch die Nacht, wo wir erst recht niemals alleine hingelaufen wären, und kamen endlich gegen 23.00 an. Im überdachten Hof war das Fest bereits im Gange und ich kam mir schon etwas komisch und fehl am Platz vor. Wir quetschten uns durch die umstehenden Gäste durch einen engen Gang und wussten gar nicht genau, wo wir uns hinstellen sollten. Vor uns tanzten ein paar Bahianerinnen in weiten weißen Gewändern, die unten so breit waren, wie die Damen hoch. Auf dem Kopf hatten sie Kopftücher umgewickelt und sie tanzten wogend mit ganz eigenen vor und zurückschiebenden Handbewegungen zu eintönigen trommelnden Rhythmen. Dazu ertönten im Takt helle Glocken und ein monotoner einlullender Gesang, einige wenige verfielen langsam in Trance und hatten teilweise die Augen geschlossen. Sobald ein Orisha (Gott) Besitz von ihrem Körper ergriffen hatte, wurden ihnen die Schuhe ausgezogen und einige der „Aufpasserinnen“ achteten darauf, dass sie im Tanzkreis blieben.

Dann hörte die Musik auf, die in Trance tanzenden wurden von der Fläche geleitet und wir durften uns näher am Geschehen auf die wenigen Stühle setzen. Von dort konnten wir uns erst mal in Ruhe einen Überblick über die Situation verschaffen. An der vorderen Wand waren große Wandgemälde mit Bildern von Meerjungfrauen. Davor saßen die Musiker, abgetrennt durch ein kleines Mäuerchen. Dann die Tanzfläche, voll mit Sand und Blättern, am Rand standen Holzstühle und besonders schöne schmiedeeiserne, für die „Hauptfrauen“, zu denen natürlich das Geburtstagskind zählte. Dahinter noch ein paar Reihen Stühle, wo auch wir saßen und am hinteren Ende ein paar große Stufen, auf denen sich die Kinder tummelten. Von der Decke hingen verschiedenfarbige Papierstreifen, neben unseren Stühlen befand sich ein großer Tisch mit riesiger weiß-rosa Torte und Süßspeisen, mitten durch den Raum ragten rosa und hellblau bemalte Bäume durchs Dach in den Himmel und rundherum standen die anderen Leute an den Mauern und betrachteten das Treiben. Die Zuschauer änderten ständig ihre Plätze, die Kinder tollten herum, überall war Bewegung und ein Gewusel und die Leute, ausschließlich Schwarze, beäugten uns Weiße mit freundlichem Interesse. Und dann ging es richtig los.

Zuerst kam der einzige Mann, der sich in Trance befand. Er trug ein blaues Kostüm mit weißer Schärpe um die Brust und tanzte wild zu den außergewöhnlichen und monotonen Rhythmen, dazu gab es eigenartige afrikanische Gesänge. Er zuckte extatisch und dazwischen wurde die Musik immer wieder mal ganz schnell, um dann nach kurzen unregelmäßigem Rhythmus ganz aufzuhören. Dann kamen bestimmte Frauen zu ihm, um ihm die Kleider wieder zu richten oder ihm den Schweiß abzutupfen und die Musik begann von neuem. Dann folgte wieder eine lange Pause, zwischendurch reichten Frauen Teller mit Essen für alle Gäste und später wurden die anderen sich im Rausch befindenden Damen, bzw. Götter wieder herein geführt. Ihre ausgefallenen Kostüme waren farbenfroh, wieder die weiten Gewänder, mal in weiß, mal aus rosa Tüll (eine Art Kindgott, die sich immer mal wieder zu einem lauten Grunzen hinreißen ließ) und die „Hauptgöttin“ war mit goldenem und rotem Samt bekleidet, hatte eine kronenartige Kopfbedeckung und zwei nicht zu beschreibenden Utensilien in den Händen. Wieder trugen alle die Schärpen um die Brust, auch viele der anderen Tanzenden, was symbolisch das Bedecken der Brust darstellt.

Alle tanzten abwechselnd, dann wieder alle zusammen nach einem uns verborgenen System. Wenn einer der Götter im Rausch auf den Boden fiel, kamen die Umstehenden zu Hilfe geeilt, andere hielten abwehrend die Hände hoch, um einen Zusammenstoß mit den Entrückten zu vermeiden. Immer wieder beugten sich die „Götter“ zu den herumsitzenden Leuten, umarmten sie und sie gaben sich gegenseitig Küsse auf die Wangen, wodurch auch eine Zuschauerin vor uns in Trance verfiel. Die Damen tanzten, wogen, bewegten sich mal schneller und wild, mal langsam, mal gemeinsam. Gegen Ende war die Tanzfläche voll mit verschiedenen Leuten und die Omi mit ihren 103 Jahren, und ihrer vom Leben geprägten faltigen tiefschwarzen Haut, ließ sich nicht davon abhalten noch eifrig mit zu machen. Wir waren ergriffen von dem religiösen Fest, das hier abgehalten wurde, von der Situation, in der wir uns befanden, von dem authentischen Fest (wir sechs weiße Touris unter etwa 80 Schwarzen) und einfach von allem.

Gegen 2.00 war die Veranstaltung zu Ende, die Leute in Trance wurden wieder rausgeführt und nachdem sie wieder bei Sinnen waren kamen sie wieder herein. Sie kamen zu uns, bedankten sich und fragten nach einer kleinen Spende, da wir Fotos gemacht haben. Die Kinder begutachteten uns aufmerksam und ein Mädchen streichelte mir „heimlich“ durch die Haare. Dann wurden die Süßspeisen verteilt und die Geburtstagstorte angeschnitten. Jeder bekam etwas ab, ein nein gab es nicht, und nachdem ich drei mal dankend abgelehnt hatte, wurde mir dann doch noch etwas in die Hand gedrückt.

Wir saßen danach ein wenig auf den Straße, genossen die für uns außergewöhnliche Situation und den Ort, an einem ganz normalen Samstag Abend für die Bewohner Cachoeiras. Danach schlenderten wir wieder durch die Nacht nach Hause, wobei unser José schon fast im Laufen eingeschlafen ist. Wir bezahlten unseren Obolus bei ihm und saßen noch gemeinsam mit den Mädels im Hotelhof und unterhielten uns lustig.

Das war einfach ein tolles und außergewöhnliches Erlebnis in Brasilien, das wir erst mal verarbeiten und in unsere Welt einbauen müssen. Auf jeden Fall ein unvergesslicher Geburtstag, der dann schließlich um 3.30 zu Ende ging.

Am nächsten Tag wurde es noch mal richtig heiß und nach einem üppigen Frühstück und einer Verabschiedung von den Mädels ging es weiter. Wir wollten uns in Santo Amaro eine ehemalige Zuckerrohrfabrik anschauen, aber weder die Polizei noch die Motorradtaxis konnten uns weiterhelfen. Also sind wir weiter nach Salvador gefahren. Die Landschaft unterwegs erinnerte uns etwas an die Toskana und wir wunderten uns immer weder über die vielen Straßenverkäufer, die an den Lomos (Geschwindigkeitsreduzierer) alle drei Meter das selbe Obst für wenig Geld verkaufen. Es ist schwer nachzuvollziehen, dass sie sich damit tatsächlich ihren Unterhalt verdienen können.

 Manchmal kamen wir auch an kleinen dicht am Straßenrand gelegenen „Dörfern“ vorbei, die aus ärmlichen Hütten aus Lehm, Palmblättern und Plastikplanen bestanden. Die rote Fahne verriet uns, dass es sich um Landlose handelt, die den Streifen Land besetzen und dort bis zu ihrer Vertreibung bleiben. Danach suchen sie sich ein neues Stück Land an der Straße!

In Salvador sind wir am Hafen entlang gefahren, und haben uns erst mal mit Geld versorgt. Schön, wenn man sich schon auskennt, denn die Unterstadt kannten wir ja schon von unserem ersten Halt mit dem Schiff vor über einem Jahr. Danach sind wir zum großen Mercado gefahren, da wir wussten, dass dort eine Touri-Info ist. Die hatte leider geschlossen, mehrere Männer bemühtem sich auch darum mir weiter zu helfen, aber einen Stadtplan konnte keiner auftreiben. Na egal, wir wussten ja so wo der Campingplatz sein sollte, also immer die Küste entlang. Da war auch richtig was los, die Strände waren voll von Sonnenschirmen und -hungrigen, im Wasser tummelten sich die Leute, die Strandbuden waren gut besucht und die Hotels reihten sich aneinander. Weiter außerhalb am Praia Flamengo, fanden wir gleich den Campingplatz gegenüber den Dünen, er war gut ausgeschildert, ziemlich groß und direkt am Strand. Total verklebt schmissen wir uns erst mal ins kühle Nass, leider mit einigen Algen, an der Strandbude bekamen wir schon um 17.00 nichts mehr zu trinken und die Preise waren eher upper-class. Aber auf unserem Campingplatz gab es einen Wohnwagen, wo man gemütlich sitzen und sein Bier zu vernünftigen Preisen genießen konnte. Unser Auto bekam noch den letzten schattigen Platz zwischen all den einbetonierten Wohnwagen der Dauercamper. Wir wollten uns später mal den Ort anschauen, aber nachdem wir eine viertel Stunde an der Straße entlang gelaufen waren, mussten wir feststellen, dass es in der näheren Umgebung gar keinen Ort gab! Also sind wir zurück auf unseren Campingplatz, wo es nicht mal einen kleinen Imbiss gab! Und wir hatten definitiv nichts zu Essen dabei, gerade noch ein paar von unseren Notkräckern. Später erfuhren wir dann – vom voll bewaffneten Securitymann – dass an manchen Zelten privat Getränke und Essen verkauft wird. Also haben wir uns dort verköstigt und ein paar Bier mit an unseren Platz genommen. Es wurde dann doch noch ein witziger Abend und wir freuten uns auf den nächsten Tag in Salvador.

Um 9.00 standen wir schwitzend an der Bushaltestelle und erwischten zufällig den Schnellbus nach Salvador. Der kostete zwar mehr als das Doppelte, war aber jeden Cent wert, da er mit Klimaanlage ausgestattet war und trotz weniger Stopps noch über 1 Stunde unterwegs war. In der Oberstadt sind wir ausgestiegen und haben den atemberaubenden Blick über die Unterstadt mit Markt und Yachthafen genossen. Nach einem kurzen Internetcheck haben wir die Altstadt mit ihren steilen kopfsteingepflasterten Gassen abgelaufen und die süßen bunten alten Häuser bewundert. Nicht umsonst ist Salvador von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt und in den 90er Jahren aufwendig restauriert worden. Aber dennoch sind viele Häuser auch noch bröckelig und haben für uns ihren Charme bewahrt. Unterwegs sind wir in einer kleinen Seitenstraße eingekehrt und haben gegen die Hitze ein Bierchen getrunken und das vorbeiziehende Leben auf uns wirken lassen. Neben Touristen kamen immer wieder Einheimische vorbei, statt dem Auto stellt man halt seinen Schubkarren vor der Bar ab, um erst mal ein Bier zu trinken, neben uns saß ein verliebtes Pärchen und vergaß die Welt um sich herum, ein Fahrradverkäufer verkaufte Salgados (lecker!) und ein paar Leute saßen auf der Straße und spielten Karten. Trotz der Hitze liefen wir den gesamten Stadtkern ab und ich fotografierte mit die Finger wund. Als wir in die Unterstadt wollten, kamen wir ab vom typischen Stadtzentrum, wir landeten in einer Straße in der in jedem Laden Stoffe, Polster und Matratzen verkauft wurden. Und da wir keinen der sonst so präsenten Touristenpolizisten mehr sahen und wir nicht wussten in welcher Gegend wir unten rauskommen würden, kehrten wir lieber schnell wieder um. Wir fuhren dann mit der steilen Bahn nach unten (für nicht mal 0,02 Euro, aber wie sollen die Bewohner sonst hoch oder runter kommen?), schlenderten dort noch mal durch die Gassen und den Mercado Modelo, kauften uns sogar ein Minibild – passt gerade noch so ins Auto – und noch eine Coco und dann hatten wir genug vom Sightseeing und von der Sonne. Wir reihten uns in die lange Warteschlange ein und fuhren mit dem bekannten Aufzug, der täglich 50.000 Personen transportiert, wieder nach oben. Dort warteten wir lange auf unseren Bus, aber erwischten glücklicherweise wieder einen klimatisierten Schnellbus. Am Zeltplatz angekommen fuhren wir erst mal in den nächsten Supermarkt und versorgten uns mit leckerem Vesper, denn noch mal wollten wir uns nicht auf die Zeltverkäufer verlassen.

Da uns nichts weiter hier hielt fuhren wir am nächsten Tag weiter die Estrada de Coco entlang. Wir landeten dann im Touriort Praia de Forte, den Zeltplatz konnten wir nicht finden, das Fort war nicht wirklich besichtigenswert und nach einem Bummel durch die Fußgängerzone sind wir wieder ins Auto gestiegen. Weiter ging die Fahrt an der Linha Verde entlang und hier fanden wir mehr Palmen vor, als wir jemals in unserem Leben gesehen hatten. Es war unglaublich, Palmen wohin man sah und das über Hunderte von Kilometern! Die Strecke war angenehm zu fahren, die Straße recht gut und kaum kurvig, nur leicht hügelig. Die Autos wurden weniger, immer mehr Reiter kreuzten unseren Weg und die Polizeikontrollen liefen wieder sehr entspannt ab. Nur einer wollte unseren internationalen Führerschein sehen, den man in Brasilien gar nicht braucht und der auch keine portugiesische Übersetzung enthält, aber den hatte er wohl mal bei anderen Touris gesehen? Bei Sonnenuntergang landeten wir wieder mal an einer Fähre, da die Straße von einem Fluss unterbrochen war, aber das ist ja ganz normal hier und Fähre fahren macht ja auch Spaß. Gerade bei Dunkelheit kamen wir am CCB von Aracajú / bzw. im Ortsteil Orla de Atalaia an und trafen ausgerechnet auf einen Schwätzer, den wir schon aus Setiba kannten. Er wollte uns immer zu einem guten Preis verhelfen, wusste jedoch nicht, dass wir eh nur den Mitgliederpreis bezahlen müssen. Das wusste der Leiter vom Campingplatz auch nicht, aber nachdem er sich später informiert hatte, war die Sache geklärt.

Der Zeltplatz lag nur durch eine Straße getrennt gegenüber vom Strand. Der Strand war sehr lang und breit, die Palmen waren alle auf den Grundstücken gegenüber, aber trotz des Nordseefeelings gefiel er uns super gut. Vor allem gab es mal wieder Wellen, an denen wir uns beim Surfen versuchen konnten. Wir waren trotz langer Pause für unsere Verhältnisse recht erfolgreich, und es hat mal wieder Spaß gemacht.

Leider war der Weg in den Ort – kann man die Strandstraße mit vereinzelten Häusern, Hotels und Restaurants eigentlich Ort nennen? – immer mit einem Fußmarsch von etwa 25 Minuten verbunden. Irgendwie haben sich da die Stadtplaner etwas verkalkuliert, die Entfernungen sind weit, die Uferpromenade ist riesig und wurde schön mit etwas Kunst und Sportplätzen aufgepeppt.

Aber Laufen tut uns gut und das sind wir dort viel. Zum Glück gab es wenigstens einen Minimarkt und ein Restaurant „um die Ecke“. Dort ließen wir uns auch gerne die guten und üppigen Gerichte schmecken, wenn auch meist als einzige Gäste!

Wir haben unseren Pauli direkt unter eine der vielen Palmen gestellt und uns einen wirklich schönen Platz hergerichtet. Das Wetter war sonnig und heiß und dank des starken Windes doch erträglich. Wahrscheinlich haben wir uns einfach schon an die Temperaturen gewöhnt, wir hatten immer zwischen 30° und 32°, und nachts so um die 25°, im Auto 2-3° wärmer. Und manchmal wurde es mir nachts sogar richtig frisch, ich musste mir schon mal bei 27° meinen Pulli rausholen oder mir eine Decke gegen den Wind holen. Nennt uns verrückt, aber so war es nun mal. Dafür haben wir auch nicht mehr so geschwitzt, vor allem nicht mehr so geklebt und die Dusche wurde manchmal nur noch ein mal täglich von uns beglückt.

Unser Platz war auch super, wir haben unsere Hängematte in den Schatten von Palmen gehängt, und jeden Morgen war ich aufs neue verzückt über den Ausblick ringsum. Wohin auch immer ich schaute: Palmen! Die haben natürlich auch ihre gefährlichen Seiten, denn die vielen Kokosnüsse sehen zwar toll aus, ich möchte aber keine auf den Kopf bekommen! Also haben wir kurzerhand unser Auto in Position gestellt, ich bin raufgeklettert und hab eine nach der anderen Nuss gepflückt. Und schon hatten wir die nächsten 12 Nüsse trinkfertig vor unserer Nase. Na ja fast, denn irgendwie mussten wir ja noch das Loch für den Strohhalm reinbekommen. Das haben wir dann per Hammer und Schraubenzieher recht leicht geschafft und schon hatten wir literweise Kokoswasser. Schlürf!

Und wieder mal bekamen wir Besuch von ein paar Äffchen, auf das helle Fiepen reagieren wir schon. Schnell wurden Kekse ausgepackt und in Windeseile haben die Kleinen unseren Pauli für sich entdeckt. Einfach süß, aber leider waren sie nur auf der „Durchreise“, so dass wir nur dieses eine Mal in Gesellschaft der ´macacos` kamen.

Am ersten Abend hatten wir uns ins „Zentrum“ begeben und dort gleich mal einen leckeren Futterladen entdeckt. Mittags gab es immer Buffet, abends noch zusätzlich Burger. Und da wir ja beide Burger lieben sind wir dort in den Genuss der weltbesten Bacon-Burger unserer ganzen Reise gekommen. Dazu gab es noch einen Goiaba-Milchshake, der war auch weltklasse. Klar, dass wir dort nicht nur einmal eingekehrt sind, noch dazu lag der Laden genau neben dem Internetladen. Auf dem Rückweg sind wir noch in einer kleinen Kneipe eingekehrt und haben uns dort ein wenig verquatscht. Am Nachbartisch fand eine Geburtstagsfeier statt, für die fleißig gegrillt wurde. Dass die Leute hier einfach unkomplizierter sind, stellten wir unter anderem daran fest, als der Grillmann seinen Rost nicht richtig auf den Grill legen konnte. Um ihn dann in die richtige Form zu bringen, hat er ihn einfach auf den Boden gelegt, mit dem Schuh zurechtgebogen und dann kam das Fleisch drauf! Ganz normal! Das könnte natürlich auch ein Zeichen der mangelnden Erziehung bzw. des Benehmens sein, immer wieder kratzen sich (nicht nur) die Männer hemmungslos im Schritt, da wird die klimaanlagenvertrocknete Nase zehn Zentimeter neben mir lautstark und im 10-Sekundentakt hochgerotzt, lautstark rülpsen und auf die Straße spucken ist schon harmlos, aber immerhin entschuldigt man sich beim anrempeln. Aber die alltäglichen kleinen Benimmregeln existieren in Brasilien ungeachtet der Schicht leider nur äußerst selten!

Später wurde uns in der Bar dann auch wortlos ein Teller mit besagtem Fleisch hingestellt, aber da kann man ja nicht nein sagen und das Feuer tötet schon alles ab. Und dann bekamen wir von der Geburtstagsgesellschaft erst zwei Gläser, dann noch eine halb volle Flasche Sekt (oder zumindest süßen Schaumwein) vor die Nase gesetzt. Den haben wir auch noch getrunken – man ist ja nicht unhöflich -, zwischendurch unser Bier und als wir gehen wollten, bekamen wir noch eins vom Griller ausgegeben. Wurde dann noch eine recht lustige Unterhaltung, und wieder mal verlief unser erster Abend in einer anderen Stadt recht feucht-fröhlich, wieder mal erwischten wir die Bar, die am längsten geöffnet hatte und um 2.30 nahmen wir uns dann endlich ein Taxi nach Hause. War zwar nicht mehr weit, aber alle drängten uns dazu ein Taxi zu nehmen, und wahrscheinlich war es auch besser so!

Die restlichen Tage waren wieder wesentlich beschaulicher, wir unternahmen mal einen Ausflug in die Stadt, aber das Bus fahren machte in diesem total überfüllten Bussen keinen Spaß. Vor allem nicht, wenn man keinen Platz mehr für seine Füße findet, aber immer noch Leute in den Bus kommen und man bei 30° ja nicht so schon genug schwitzt! In Aracajú sind wir entspannt durch die Gassen gelaufen und haben das brasilianische Leben auf uns wirken lassen. Hier überwiegen wieder die Latinos, die Leute sind bei weitem nicht mehr so schwarz wie in Bahia. Als wir uns bei einem Optiker nach Kontaktlinsenlösung erkundigen wollten, haben wir uns kurzerhand überlegt, dass wir Mathias eine neue Brille verpassen lassen könnten. Er hat in letzter Zeit ja öfter mal Probleme mit seinen Linsen, liegt wohl am vielen Salzwasser. Und wenn er schon mit so einem Gestell im Gesicht rumlaufen muss, dann                     könnte das ja auch ein schönes sein (Jeder der ihn jemals mit Brille gesehen hat, weiß was ich meine!). Doch diesen Plan haben wir schnell wieder aufgegeben, denn dazu hätte er sich erst mal beim Augenarzt ein Rezept organisieren müssen! Ist eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass man ohne Probleme kiloweise Antibiotika frei kaufen kann, für eine Brille braucht man dann aber ein Rezept!?

Den Abschluss unserer Stadttour war ein Rundgang über den Markt, wo neben Kunsthandwerk viele frische Sachen wie Blumen, Fisch und Früchte angeboten wurden. Drum herum gab es lauter kleine Gemischtwarenläden, überall mobile Verkäufer, die CDs, Erd- oder frische Kokosnüsse anbieten, auf der Straße fahren mit Boxen ausgestattete Fahrräder und machen Werbung für alles mögliche und vor dem Supermarkt warteten Männer mit Handkarren, um den Leuten ihre Waren nach Hause zu liefern. Nach all den vielen neuen Eindrücken und der Hitze waren wir wirklich geschafft, und so haben wir uns wieder in so einen überfüllten Bus gestopft, um die heiße Fahrt nach Hause anzutreten. Wir hatten nach diesem Tag beide leichte Kopfschmerzen, die bei mir am Abend schon fast wieder zu einer Migräne ausuferten. Aber nach einer Stunde Schlaf in der Hängematte bei kühlem Wind, ging es mir glücklicherweise wieder besser.

Ansonsten haben wir es dort eher ruhig angehen lassen, da wir gemerkt haben, dass wir schon gar nicht mehr richtig aufnahmefähig sind. Wir sind zwar schon anders als in Argentinien unterwegs, fahren größere Strecken am Stück, und bleiben dann länger an einem Ort und fahren nicht mehr so viele unnötige Kilometer. Aber es gibt halt einfach so viel zu sehen in Brasilen. Die Fahrt wird niemals langweilig, da ist nix mehr mit unterwegs schlafen, immer muss man schauen, was so los ist auf den Straßen, wie die Orte sind, die Landschaft, die Leute. Und auch in den Städten oder an den Stränden, die Lebensgewohnheiten der Brasilianer, einfach alles versorgt uns dauernd mit neuen Eindrücken. Wir merken das am besten daran, dass wir schon gar nicht mehr wissen, wann wir wo waren! Der Kopf ist einfach voll!

Also haben wir die Ruhe des (wieder mal) fast leeren Zeltplatzes und des Strandes genossen. Der Strand ist ja auch so weitläufig und da haben sich die meisten Leute natürlich in Nähe der Strandbuden aufgehalten. Bei uns gab es keine, aber es hat uns doch recht gut gefallen und wir haben ausführlich in den flachen Naturpools gelümmelt. Und lange konnten wir uns eh nicht in der direkten Sonne aufhalten, soll man ja auch nicht.

Die Brasilianer haben ein etwas anderes Strandurlaubsverhalten, als wir es kennen. Morgens geht es mit fast gar nichts an den Strand, lediglich Badeschlappen, Sonnencreme (immerhin!, wenn auch meist Extrabronzingfaktor) und einem Tuch um die Hüften reichen als Ausstattung. Klar, Badehose und Bikini noch! Essen und Getränke gibt es am Strand, daher so viele unaufdringliche Strandverkäufer, die machen ihren Reibach schon. Und dann darf natürlich die Kühlbox nicht fehlen! Mittags, vor allem am Wochenende, wird im Restaurant gefuttert, die Strandrestaurants waren total überfüllt, und am Abend sitzen die Brasilianer scheinbar zu Hause, die Restaurants waren jedenfalls leer! Und auch Nightlife beschränkt sich auf die wenigen hippen Orte, hier in diesem Vorort Aracajús gab es jedenfalls keines! Aber das machen wir dann halt selbst, wenn wir es brauchen. Am letzten Tag sind wir in den Supermarkt gefahren, und haben uns mit leckerem Essen eingedeckt. Und uns endlich die überfällige Kühlbox zugelegt, die wir dann auch gleich mit Eis und Bier gefüllt haben. Zu Hause haben wir dann ordentlich gekocht, es gab leckerstes Geschnetzeltes (ich muss mich selbst loben) und nachdem der Topf und die Kühlbox leer waren, waren wir ziemlich voll und hatten noch einen schönen Abschlussabend in Aracajú. Und in der Nacht noch immer eine eiskalte Cola, tja, so eine Kühlbox ist halt schon Luxus, nimmt zwar wieder einiges an Platz im Auto weg, aber den haben wir ja! ;-)

Zum folgenden Bericht: 22. Aracajú – Natal – Sao Luis: Von den Stränden zum Karneval in Brasilien