28. Colonia Tovar – Coro – Mérida

28. Von der heißen Karibikküste in die Andenstadt Mérida 

Colonia Tovar –Thermen Las Trincheras (14.07.)  – Coro (15.07) – Peninsula Paraguaná / Adícora (16.07.) – Thermen San Apolonia (21.07.) – Mérida (22.07. – 01.08.) 

 

 

Nach den kühlen Tagen in Colonia Tovar empfanden wir die Hitze wieder als recht anstrengend und was gibt es da besseres, als sich beim Burger King in klimatisierter Räumen wieder aufzupäppeln. Auf der weiteren Route sollten wir auf heiße Thermen treffen, die durch ihr bis zu 93° heißes Wasser Bekanntheit erlangten. Da mussten wir hin, schließlich sind in Las Trincheras die zweitheißesten Quellen der Welt! Die großen Becken waren mit unterschiedlich heißem Wasser gefüllt, wobei mir das „kälteste“ schon den Kreislauf zum wanken gebracht hatte. Aus dem heißesten durfte man auch nur kleine Mengen über sich schütten, reingehen konnte man nicht, man wäre wohl „gut durch“ herausgekommen! Die Anlage war von zwei Hotels umgeben und lag mitten in den Bergen. Das Wasser roch leicht nach Schwefel und war mit seinem Schlammboden und den herum schwimmenden Algen zwar optisch nicht so besonders ansprechend, aber wenn´s schee macht… Außerdem gab es noch Dampfbäder und man konnte sich mit verschiedenen Massagen und Anwendungen verwöhnen lassen oder sich in den Restaurants den Bauch voll schlagen. Und natürlich durften auch hier die Damen nicht fehlen, die komplett bekleidet ins Wasser gehen.

Eigentlich wollten wir dann auf dem Parkplatz übernachten, doch das erlaubte man uns nicht. Also sind wir zur nächsten Mautstation gefahren und haben uns dort vor die Polizeiwache gestellt. Dass wir mal die Nähe der „Bullen“ suchen würden, wer hätte das gedacht! J

Am nächsten Morgen sind wir noch mal ins Bad und wie am Vorabend erregten wir allein durch unsere Anwesenheit größtes Interesse. Jeder wollte uns kennen lernen, alle kramten ihre paar Brocken englisch heraus, uns wurde das System der Anwendungen erklärt oder mal eben ein Kopfhörer zum Musik hören ans Ohr gehalten. Schon ein nettes Volk die Venezolaner.

 

 

Dann sind wir weiter nach Chichiriviche (Falcón) gefahren, wo uns schwer ans Herz gelegt wurde, die vorgelagerten Inseln (Cayos genannt) zu besuchen. Zuerst mussten wir durch Tucacas, einem Hochhausort, touristisch mit großen Hotel- und Wohnanlagen, dazwischen immer wieder die kleinen armen Hütten. Chichiriviche war für uns auch nicht viel besser, noch dazu kamen wir sonntags an, wo bekanntlich die Strände besonders voll und entsprechend zugemüllt sind. Daraufhin waren uns die Cayos auch nicht mehr so wichtig, wir haben schon viele traumhafte Strände auf unserer Reise gesehen, da brauchen wir keinen für uns unschönen Ausgangspunkt. Wir hatten gelesen, dass San Juan de los Cayos dagegen absolut nicht touristisch und sehr ländlich und einfach sein sollte. Das wollten wir uns dann ansehen, aber dort gab es dann von allem ein bisschen zu wenig. Außer Esel und Kühe, die waren dort überall. Entsprechend gab es auch keine Posada oder wenigstens eine Bar mit Fernseher, in der wir das Copa Finale hätten sehen können. Aber ein bisschen Zeit blieb uns noch bis zum Anpfiff. Also ging es weiter Richtung Coro, irgendwo würden wir unterwegs das Spiel schon zu sehen bekommen. Doch Fehlanzeige! Wir fuhren Kilometer um Kilometer, wir verpassten schon den Anpfiff, dann auch die erste Halbzeit und zu guter Letzt das ganze Spiel. Obwohl wir auf einer Hauptroute fuhren, ließ sich kein Laden finden, in dem sie eine Satellitenschüssel hatten und das Spiel übertrugen. Aber als wir erfuhren, dass Brasilien 3:0 gegen Argentinien gewonnen hatte, waren wir schon fast froh es nicht gesehen zu haben. Für uns war außerdem die Frage nach einer Übernachtungsmöglichkeit mittlerweile wichtiger. Laut Reiseführer sollte es kurz vor Coro sogar einen Campingplatz geben, aber wie so oft konnten wir diesen nicht entdecken, nicht mal den dazugehörigen Ort fanden wir!

Je weiter wir Richtung Coro, bzw. zur Halbinsel Paraguaná kamen, desto bepackter waren die Autos und Pick-ups. Erst wunderten wir uns ein wenig, aber dann war uns klar, Punto Fijo ist eine zollfreie Zone und es gab kaum noch einen entgegenkommenden Wagen der nicht bis zum Anschlag mit Kartons von Elektrogeräten, Kühlschränken oder Fernsehern beladen war.

In Coro haben wir uns dann auf die Suche nach einer Posada gemacht. Kurz vor dem Zentrum der Stadt war die Hölle los, sonntags gehen die Familien halt trinken oder machen einen Ausflug zu den Médanos (Sanddünen). Überall war Verkehr, jeder quetschte sich rein und durch, die Restaurants und Fastfoodläden quillten über und endlich erreichten wir das Zentrum, wo es etwas ruhiger war. Wir suchten die Posada, bei der es auch möglich sein soll zu Zelten, aber wie so oft, das war wohl mal so. Immerhin konnten wir uns praktisch einen Hängemattenplatz in der schönen Posada mieten und im Hof parken und schlafen. Eigentlich war der Hof eher eine Baustelle, aber so standen wir wenigstens sicher und mit Stromanschluss inmitten von Sandbergen und Schubkarren. Wir waren eh geschafft von dem heißen Tag, wir quälten uns bereits mit Kopfschmerzen herum und nach einem Vesper krochen wir schnell in die Koje.

Morgens wurden wir durch das lautstarke Gemecker einer Ziege geweckt, die neben uns im ersten Stock ihr Gehege hatte. Dann haben wir einen Stadtbummel durch die geschäftige und sehr heiße Altstadt unternommen. Es gab sogar eine Touri-Info, wo man uns noch dazu mit reichlich deutschem Infomaterial über die Stadt und die Provinz versorgte. In der Stadt war es fast unerträglich heiß und so beendeten wir unseren Stadtrundgang durch die wunderschön restaurierte Altstadt mit ihren bunten Häusern und renovierten Balkonen noch vor der Mittagshitze.

Wir wollten uns noch im nahe gelegenen Ort La Vela de Coro erkundigen, ob es nicht doch eine Fähre auf die Insel Curacao gäbe, obwohl wir eigentlich wussten, dass der Fährverkehr schon vor Jahren eingestellt wurde. Aber solange dort noch überall die Ausschilderung war, wollten wir es versuchen. Aber wie wir bereits erfahren hatten, die Fähre gab es nicht mehr seit sie vor Jahren untergegangen ist. Dafür sollte eine andere den Betrieb von Punto Fijo aus aufnehmen, das Büro stand bereits und war auch schon mal geöffnet, die Flyer waren gedruckt und die Fahrpläne standen fest, nur die Fähre kam nie an… J

Dann fuhren wir noch in den – laut Reiseführer sehr sehenswerten – botanischen Garten. Nach einer Runde durch die verwilderte und vertrocknete Anlage wunderten wir uns, dass er überhaupt im Reiseführer erwähnt wurde!?

 

 

Als nächstes stand die Halbinsel Paraguaná auf dem Programm. Das Festland und die Halbinsel sind durch den Nationalpark Médanos de Coro miteinander verbunden. Diese Wanderddünen sind bis zu 25m hoch und goldgelb und die Wehen haben Teile der Straße bedeckt. Die restliche Halbinsel war entsprechend auch sehr trocken, öde, windig und salzverkrustet. Und überall erfreute uns der Anblick der Esel und Ziegen, die sich zwischen den Kakteen, vereinzelten Büschen oder den extrem windschiefen Bäumen etwas zu futtern suchten. Wir kamen zuerst in den Ort Adícora, der uns durch seine verwitterte koloniale Architektur und durch seine Lage an einem kleinen Kap begeisterte. Wir standen am Leuchtturm und von drei Richtungen blitzte das Meer durch, die vierte führte zum Ortskern. Dort ging es gediegen touristisch zu und wir waren so angetan, dass wir unbedingt ein Appartement mieten wollten um ein paar Tage zu bleiben. So verbrachten wir den Tag mit der Suche und fuhren letztendlich noch mal zu dem Campingplatz etwas außerhalb. Und als wir dort ankamen, fiel unsere Entscheidung schnell auf den Camping. Wo kann man in Venezuela schon campen, dann noch direkt am Strand? Wozu sollten wir uns in einer Unterkunft mit durchgelegener Matratze einmieten, wenn wir im eigenen Bett schlafen können, dabei das Meer rauschen hören und auf einer grünen Wiese stehen?

Der flache weite Strand erinnerte uns irgendwie an die Nordsee und der Wind fegte über das Meer. Nicht umsonst hatte sich Archie dort seit einigen Jahren mit seiner Surf- und Kiteschule niedergelassen. Der fidele Südbayer unterhielt uns immer wieder gerne mit amüsanten Schwänken aus seinem bewegten Leben. Und zum nächsten Lädchen waren es auch nur 10 Gehminuten. Es gab zwar nur eine Freiluftdusche, aber das kannten wir ja schon, und wenn es dämmert und nicht gerade jemand direkt nebenan steht, dann stört uns das eh nicht weiter.

 

 

Am nächsten Tag stand für uns die Inselerkundung auf dem Programm. Wir fuhren an die nördlichste Spitze Venezuelas – oder gar Südamerikas? – bis zum Cabo San Román. Unterwegs kamen in den kuriosen Genuss eines holländischen Radiosenders. Wir dachten schon wir wäre zu weit gefahren, aber dann war’s wohl doch nur ein Sender aus Curacao. Wenn wir schon nicht hinfahren konnten…

Die Landschaft bot nicht besonders viel Abwechslung zum Vortag, sie wurde eher noch etwas trockener, monotoner und weniger besiedelt. Nur der Müll, der wurde mehr! Am Nordkap wurde es sandig und steinig und wir erreichten den landschaftlich relativ unaufregenden Punkt. Zurück mussten wir die gleiche Strecke fahren, denn die westliche Spitze der Halbinsel wäre mit unserem Auto eine Zumutung. Eigentlich wollten wir zum Cerro Santa Ana fahren, mit 830 m immerhin die höchste Erhebung auf der Halbinsel. Doch die gute Ausschilderung des Staates Falcón haben sie hier wohl vergessen und dank ungenauen Straßenkarten landeten wir dann etwas zu weit im Westen und waren schon fast in Punto Fijo. Und wo wir schon mal da waren, fuhren wir auch gleich in die Stadt, schließlich war dort die zollfreie Zone. Die Stadt selbst ist nicht unbedingt sehenswert, eine Industriestadt mit unzähligen im Meer vorgelagerten Ölplattformen. Aber die zollfreie Geschichte interessierte uns, denn ein paar Sachen brauchten wir ja auch, obwohl Elektrosachen in Venezuela eh schon recht günstig sind. Wir hielten in einer Straße mit unzähligen Elektroshops, wo wir endlich ein neues Autoradio erstanden. Und den Einbau erledigte ein junger Mann, der uns noch während des Kaufs ansprach. Er hatte zwar eine ordentliche Preisvorstellung, aber ich erklärte ihm, dass wir bei einem Autoradio für 37€ (mit mp3 und Fernbedienung!) bestimmt keinen „Gringo-Preis“ für den Einbau bezahlen würden. Wir wurden uns einig und er verdiente sich von der erbarmungslosen Sonne schwitzend sein Geld wirklich hart. Endlich konnten wir wieder CDs hören, dieser Player nahm sogar alle gebrannten Südamerikaexemplare an. Und nachdem mal wieder alle Stecker nach Tausenden Kilometern Gehoppel befestigt wurden, funktionierten erneut alle Boxen ohne Wackelkontakt und das Radio fand wieder unzählige Stationen. Super!

Dann ging’s noch zum nächsten Firestonehändler, Pauli bekam zwei neue Reifen, denn unsere alten Vorderreifen waren etwas komisch abgefahren. Das Profil war trotz der letzten 30.000 km eigentlich noch super, nur an den Innenseiten kamen sonderbare Hubbel raus und die Sache war uns etwas zu heikel. Wir hatten uns ja schon vorher nach Reifen erkundigt, aber bei den Verkäufern hier kamen wir nicht weit. Der eine empfahl uns ungeachtet der Angaben im Fahrzeugschein die Reifen, „die am ähnlichsten sind!“ – super Verkäufer! Und der nächste meinte, wir könnten mit denen doch noch locker 5000 km fahren – noch besserer Verkäufer! Letztenendes haben wir ja seinen Rat befolgt. Und endlich war Pauli neu bereift, wir haben die Spur noch einstellen lassen und fuhren glücklich davon Richtung Subway.

 

 

Jetzt fuhren wir endlich zum Hügel Santa Ana, dort wollten wir an der Parkstation übernachten und am nächsten Morgen uns die Gegend mal von oben ansehen. Doch besonders groß war die Station nicht, noch dazu geschlossen und ziemlich einsam gelegen. Gerade als wir uns duschen wollten, kamen ein paar Reiter vorbei und so kamen wir erst in der Dunkelheit zu unserer Erfrischung. Mathias hat ja manchmal schon ein anderes Empfinden dafür, wo man gut oder schlecht parkt. Ich hatte ihn diesmal mit meinem unguten Gefühl angesteckt, dass es hier wohl etwas zu abgelegen sei. Dafür hielt er dann die halbe Nacht Wache und ich konnte gut schlafen. Jetzt wusste er auch mal, wie es mir geht, wenn ich aus Angst vor den „bösen Buben“ (die sich dann normalerweise als Pferde oder Wildschweine entpuppen J) erst mal kein Auge zu bekomme!

Am nächsten Morgen schlenderte der Parkwächter ständig ums Auto und sobald wir endlich die Türe öffneten stellte er uns schon die ersten neugierigen und interessierten Fragen. Wir luden ihn erst mal zum Kaffee ein und unterhielten uns lange angeregt. Er war total aus dem Häuschen, dass Leute mit ihrem eigenen Auto für längere Zeit herumreisen, so etwas hatte er noch nicht erlebt. Außerdem riet er uns davon ab, noch auf den Berg zu gehen, denn bereits morgens um 8.00 brannte die Sonne gnadenlos auf uns herab und bis zum Mittag sollte man spätestens wieder unten sein.

Also verabschiedeten wir uns wieder und fuhren weiter, wobei wir wahllos sämtliche Straßen abfuhren, irgendwo würden wir schon rauskommen. Außerdem genossen wir die Landschaft, die kleinen Dörfer und unser neues Radio. Wir fuhren wieder zurück zu unserem Campingplatz am Meer, deckten uns mit reichlich Essen ein und haben unsere Kühlbox mit Eis und Bier gefüllt. Die haben wir dann mit den Putzmädels und unserer Vermieterin gebechert, während wir bei Sonnenschein das Auto aufgeräumt und komplett geputzt hatten. Bei dieser Gelegenheit huschte auch endlich die Kakerlake aus dem Auto, die schon seit Wochen ungefragt bei uns „wohnte“. Bei der Hitze und ohne Essen!? – das sind halt zähe Viecher! Ab und zu ging’s dann ins flache Meer zum erfrischen, wobei das bei den Wassertemperaturen nicht wirklich half, dafür kühlte uns der starke Wind ein wenig ab.

Am nächsten Tag ging unser Aktionismus weiter, ich habe Wäsche gewaschen und Mathias verschönerte unseren Pauli. Da unsere Halterungen für die Benzinkanister langsam Rost ansetzten, hatten wir uns eine Spraydose gekauft und die kam jetzt zum Einsatz. Und weil uns das Dunkelblau so gut gefallen hatte, sprühten wir auch gleich noch die untere Hälfte des Kofferraumdeckels an. Super, gleich man nächsten Tag wollten wir neue Farbe kaufen, um unseren L300 unten rundherum zu lackieren. Dann haben wir uns noch zu einem Bummel in den Ort begeben und sind am Abend zeitig ins Bett.

Am nächsten Morgen sind wir abgereist und haben uns den verheißungsvollen Ort „El Supi“ noch mal anschauen wollen. Diesen Ausflug in den Geisterort hätten wir uns schenken können. Zwar waren hier auch sehr süße Häuschen, aber der Ort war sehr lang gezogen und bestand fast ausschließlich aus Ferienhäusern. Einfach furchtbar, Touristen waren keine da, Einheimische auch nicht und einen Ortskern gab’s auch nicht. Schnell wieder weg!

 

 

Um wieder aufs Festland zu kommen mussten wir ja nochmals an den Dünen vorbei. Wir hielten an der Straße an und bestiegen die ersten Hügel. Schon beeindruckend, da steht man mitten in den unbewohnbaren Sandbergen und nur ein paar Meter weiter ist eine 150000 Einwohnerstadt. Das erklärt zumindest die enorme Hitze dort. Aber dank eines heftigen Gewitters kühlte es gerade ab, während wir zum Farbe kaufen im Supermarkt waren.

Die Stadt haben wir dann über die Sierra San Luis verlassen, um der Hitze etwas zu entgehen. Die Berge dort sind nicht beeindruckend hoch, aber unsere Augen freuten sich mal wieder über grüne Landschaften, die durch den Regen noch saftiger waren. Wir machten Halt an einem der Wasserfälle und fuhren weiter durch die Berge. Später wurde es wieder relativ trocken, aber das wunderte uns schon gar nicht mehr in Venezuela, innerhalb weniger Kilometer kann sich die Landschaft total ändern.

Je weiter wir nach Barquisimeto kamen, desto schlechter wurde die Straße. Eigentlich befanden wir uns auf einer Hauptroute, aber die Strecke ließ das nicht mal erahnen. Immer wieder fehlte ein Teil der Straße, der wohl dem letzten Regen nicht Standhalten konnte. Oder es türmten sich unüberwindbare Hügel vor uns auf, an denen man sich schön das komplette Auto aufschlitzen könnte. Oder plötzlich eröffneten sich tiefe Rinnen und Löcher auf der Fahrbahn. Puh, wie anstrengend. Wenigstens verlangten sie für so etwas keine Maut – obwohl die in Venezuela mit 0,08 € eher einer müden Spende gleicht.

 

 

Wir waren auf der Suche nach einem Schlafplatz, aber es ließ sich einfach nichts Geeignetes finden. Endlich machte Mathias hinter den Büschen am Straßenrand ein Versteck für uns klar, aber nachdem dort dreimal ein Mopedfahrer vorbeifuhr und uns beobachtete, wollte ich dort nicht mehr bleiben – o.k. man kann sich auch anstellen, aber Gefühl ist Gefühl! Nur war es dann auch wieder nicht so einfach so mitten im Nirgendwo etwas zu finden, aber wir fuhren einfach weiter durch die Dunkelheit. Endlich gelangten wir an eine Polizeistation, wo wir sicher stehen konnten und dort schliefen wir dann auch schnell ein.

Am nächsten Morgen verließen wir die Station der Guardia Nacional schnell wieder um uns einen schöneren Platz zu suchen. Aber das Beste was wir erst mal fanden war eine kleine Straßenkreuzung, wo wir zwar die Zähne putzten, aber auf ein entspanntes Kaffeefrühstück verzichteten. Ständig kamen Arbeiter und Bauern vorbeigefahren, die zwar alle herzlichst grüßten und winkten, was uns aber nicht gerade zum bleiben aufforderte.

Endlich hatten wir einen befahreneren Abschnitt der Strecke erreicht, wo die Straße zwar immer noch schlecht, aber bei weitem nicht mehr so jämmerlich wie gestern war. Die Gegend war immer noch sehr ländlich, es gab viele Lehmhäuser und Höfe eingebettet in tropische Pflanzen. Etwas Abseits haben wir dann noch einen idyllischen Vesperplatz gefunden.

Barquisimeto ließen wir mir seinen ärmliche Vororten und der unerträglichen Hitze schnell hinter uns. (Diese Stadt mag ich eh nicht, seit ich damals einen Strafzettel über 90 U$ für eine überfahrene rote Ampel bekommen hatte.) Kurz darauf stieg das Thermometer bis auf 37,5°. Das war unsere Spitze seit wir hier sind!

 

 

Unterwegs fiel uns ein Schild mit „Baños“ auf. Für uns bedeutete das zum einen ein Thermalbad, zum anderen eine Dusche. Wir gönnten uns erst mal zwei kleine Bier und da wir mal keine Lightbier bekamen, und schon den ganzen Tag in der Hitze rumeierten, waren wir nach je einem ½ Liter angedödelt. So schnell kann’s gehen!

Im Bad in der Nähe von Valera haben wir es im heißen Wasser fast nicht ausgehalten. Zum Glück gab es noch ein „kaltes“ Becken, aber was ist bei der Hitze schon kalt? Uns fiel dort ein Pärchen auf, das mit seinen blonden Haaren sehr europäisch wirkte. Nach kurzer Zeit kamen wir ins Gespräch und erfuhren, dass die beiden Artisten sind, aus Uruguay kommen und mit ihrem 4-jährigen Sohn seit ein paar Monaten durch Südamerika tingeln. Und das mit einem Chevrolet, der ungefähr die Größe eines Corsas hat, dafür mit einem Dachständer, der etwa die gleiche Größe hat.

Die drei kamen aus Kolumbien und waren auch auf dem Weg nach Mérida. Schnell hefteten wir ihnen unsere Adresse an die Scheibe.

Dann fuhren wir immer weiter in die Berge, kleine Steinhäuser säumten den Straßenrand, mal fuhren wir durch ein kleines Dorf mit Plaza und kolonialer Kirche und wir folgten kurvigen Strecken immer hinauf. Überall stehen und arbeiten die Männer mit Gummistiefeln und ihren Strohhüten und bieten schon ein ganz eigenes Bild. Nur die Schlafplatzsuche gestaltete sich als etwas schwierig und die einsetzende Dunkelheit machte die Sache nicht einfacher. Je weiter wir in die Berge kamen, desto frischer wurde es wieder, das Thermometer zeigte bald nur noch 10°. Teilweise war eine richtig mystische Stimmung, als wir durch den aufziehenden Nebel fuhren und wir nur noch die Umrisse der Männer mit ihren großen Hüten auf der Straße wahrnahmen. Die kleineren Tankstellen waren nicht unbedingt vertrauenserweckend und über Nacht eh geschlossen, da entdeckten wir endlich eine Hoteleinfahrt. Die war ewig lange und nicht beleuchtet, aber endlich kamen wir bei einem alten schwach beleuchteten Steingebäude an. Aus dem Foyer kam ein alter Opi und ich erklärte ihm unsere Situation und fragte ihn, ob wir die Nacht über auf dem Parkplatz bleiben könnten. Das bejahte er gleich und meinte für etwa 10 € ginge das klar! Der hat sie doch nicht alle, für was denn bitte? Ein anders Paar erkundigte sich nach einem Zimmer und fuhr gleich wieder, jetzt wussten wir auch, warum das Hotel an einem Samstag keine Gäste hatte. Auch Mathias wollte sofort wieder fahren, aber ich überredete ihn zum Bleiben, denn obwohl ich den Mann total unverschämt fand, wollte ich nicht mehr weiter durch die Nacht fahren. Ich handelte ihn auf 2€ runter, was immer noch zu viel war, schließlich benutzten wir nichts als den Parkplatz dort. Diesmal gab es eine kalte Nacht und ich packte nach vielen Monaten meinen Schlafsack wieder aus. Dafür wurden wir in der Nacht mit einem phantastischen Wetterleuchten hinter der Bergkulisse entschädigt.

 

 

Am nächsten Morgen machten wir uns schnellstens aus dem Staub und hielten zum Waschen lieber an der Straße mit herrlichem Ausblick. Unterwegs trafen wir die Uruguayaner wieder, die an einer Mautstation untergekommen waren. Kurzentschlossen hielten wir an einer Stelle mit toller Aussicht um gemeinsam einen Kaffe zu trinken und genossen die wärmende Morgensonne. Die drei hatten in ihrem kleinen Auto mit Sicherheit eine anstrengendere Nacht hinter sich, als wir. Wir tauschten ein paar Informationen und unsere Telefonnummern aus, wir hatten ja das gleiche Ziel Mérida. Dann fuhren wir gut gelaunt weiter, und wir konnten uns kaum an der Berglandschaft satt sehen. Irgendwie erinnerten uns die sanften Berge mit den Steinhäusern an den Flussläufen an die Alpen. Nur die Kühe sehen etwas anders aus. In den kleinen Dörfern herrschte reges Treiben und es begegneten uns schon am frühen Sonntagmorgen viele eindeutig Betrunkene. Wir wussten nur nicht, ob sie es noch vom Vorabend waren oder schon jetzt getrunken hatten?

Je weiter wir nach oben kamen, desto mehr Wolken zogen auf und die Landschaft wurde merklich dürrer. Bald erreichten wir den Pass „Paso de Aguila“ auf 4000m und es wurde mit 7° merklich frisch. Wir stiegen für einen Moment aus dem Auto, doch die vielen fotografierenden Touris und vor allem die Kälte – und wir immer noch in kurzen Hosen und T-Shirt! – ließen uns schnell wieder einsteigen. Hinter der Kuppe schlängelte sich die Straße wieder kurvig nach unten. Vorbei an vielen Karotten- und Kartoffelfeldern suchten wir den Weg zum Observatorium. Erst mal packten wir lange Sachen und Mützen aus, denn der Wind pfiff uns heftig um die Ohren und es begann zu Regnen. Nicht nur uns war es kalt, und so begegneten wir einigen Leuten mit Handschuhen, Winterjacken und sogar Sturmmasken. Leider war das Observatorium geschlossen, dafür wärmten wir uns mit einer heißen Schokolade auf. Wir nahmen eine abgelegene Strecke zurück auf die Hauptroute nach Mérida. Unterwegs lagen die einsamen Thermen von Musuy, die wir von unserer letzten Reise hierher kannten. Doch einsam war einmal, mittlerweile sind sie gut ausgeschildert und gerade heute am Sonntag war schon der Parkplatz überfüllt und wir verlegten den Ausflug auf einen anderen Tag unter der Woche.

 

Unterwegs gab es eine Touri-Info (für uns immer erstaunlich, denn viele gibt es nicht in Venezuela), wo wir mit umfangreichem Kartenmaterial – was nicht auch gleichzeitig nützlich sein muss – ausgestattet wurden. In Mérida selbst fuhren wir erst mal zu dem Camping, den wir im Internet ausfindig gemacht haben. Das Gelände lag etwa 7 km außerhalb und noch mal 500 Meter höher als die auf 1600m liegende Stadt. Dort erklärte man uns jedoch, dass der Name zwar „Camping Mérida“ sei, aber es gäbe keinen Camping. Vielmehr sind wir in einer Art Jugendherberge und Tagungszentrum gelandet. Aber der freundliche Besitzer meinte, wir sollen uns einfach ein Zimmer mieten (für 6 €/Nacht) und schon hätten wir unsere eigene Toilette, heiße Dusche, Strom und wenn wir wollten könnten wir ja dort auch schlafen. Das wollten wir natürlich nicht, aber das Auto parkte nur wenige Meter vor der Türe. Außerdem hatten wir unsere Veranda mit Blick auf die uns umgebenden Berge, inklusive dem schneebedeckten Pico Bolívar mit 5007m. Hier konnten wir uns richtig ausbreiten und so wollten wir erst mal ein paar Tage bleiben. Es lag ein herrlicher Waldgeruch in der Luft und es gab neben den moosbewachsenen „Gespensterbäumen“ sogar mal wieder Tannenbäume. Und eine behagliche Ruhe.

Die 1 ½ Wochen in Mérida waren sehr beschaulich und entspannend. Das haben wir nach der Rumreiserei ja auch mal wieder gebraucht. Die vergangenen drei Wochen waren wir wieder viel unterwegs und so ein fester Ort ist da schon angenehm. Schön, mal wieder morgens zu wissen, wo man abends übernachten wird. Und gerade wenn es kühler ist, und wir uns viel im Auto aufhalten müssten, ist eine Wohnung zum Ausbreiten sehr toll.

Aber da waren ja auch nicht ein paar Arbeiten zu verrichten. Wir hatten ja die Farbe gekauft, um unser Auto unten herum neu zu lackieren und das haben wir gleich am ersten Tag in Angriff genommen. Ein paar Stunden, viele Mückenstiche und einen Sonnenbrand später – wir waren ja schließlich auf über 2000m und hier oben ist die Sonne halt doch heftiger – begutachteten wir stolz unser Werk. Nichts mehr von rostigen Stellen oder Dellen zu sehen. Sogar den Fußraum haben wir gestrichen, denn den vermoderten Teppich hatten wir ja damals nach diversen Überschwemmungen herausgeschnitten. Zuletzt haben wir noch unseren Tisch angepinselt, dann war die Farbe leer.

Seit wir unser Bodyboard verkauft haben, hielt unsere Gepäckkonstruktion unter dem Dach nicht mehr. Jedes Mal wenn wir eine schlechtere Strecke fuhren, fielen uns sämtliche Taschen und Kleinkram von oben entgegen. Also haben wir uns im Baumarkt eine dünne Holzplatte gekauft, die anständig unters Dach gespannt, die seitdem endlich wieder für Ordnung sorgt. Aus den Resten haben wir uns einen Schuhkarton gebaut, der endlich den schmuddeligen und ausgeleierten Pappkarton aus Argentinien (!) ersetzte.

 

 

Wir fuhren eigentlich jeden Tag die kurvige Strecke in die Stadt. Mérida ist schon sehr schön, eine junge Stadt mit vielen Studenten. Das Leben pulsiert im Zentrum, nur mit dem Auto kommt man kaum voran. Täglich bildet sich in den Gassen ein Stau in den Einbahnstraßen, verfahren darf man sich da nicht. Ich weiß nicht, wie das in fünf Jahren hier aussehen wird. Dafür hat man währenddessen Zeit sich in Ruhe umzuschauen, und es gibt viel zu sehen. An jeder Ecke befinden sich süße Posadas oder einladende kleine Cafés und Straßenstände, die Häuser sind meist bunt und es gibt einige Plazas. Die sind sehr schön angelegt, viele Bäume, Springbrunnen und Laternen, auch abends ist hier noch was los, und die alten Kirchen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Ich habe Mathias sogar mal dazu gebracht in eine rein zu gehen und die war wirklich toll. Nicht so viel Goldprunk, dafür hübsche Wand- und Deckengemälde in dem lichtdurchfluteten Raum. Beim Stadtbummel staunten wir über die vielen hübschen Mädels und erfreuten uns am Flair der Stadt. Die Stadt ist recht wohlhabend und lebt vom ganzjährigen Tourismus. Dementsprechend ist die Stadt auch sehr gut ausgeschildert und da sie auch Copa-Austragungsort war, noch immer dekoriert. Und wie der ganze Westen Venezuelas ist es recht sauber und ordentlich. Dank seiner Höhenlage ist es dort nicht so unerträglich heiß, man kann hier deshalb wohl auch besser arbeiten. Tagsüber wenn die Sonne scheint sind es etwa 25°, nur morgens oder wenn es bewölkt ist es entsprechend kühler. Was die Bewohner Méridas nicht daran hindert, morgens bei 10° schon mit T-Shirt bekleidet an der Straße zu stehen oder Moped zu fahren. Die sind halt abgehärtet und denken sich, dass es später wärmer wird. Brrrr!

Wir mussten natürlich auch mal in die weltbekannte Eisdiele „Coromoto“ gehen, die aufgrund ihrer zahlreichen und ungewöhnlichen Eissorten im Guinness Buch der Rekorde steht. Da gab es mal Sorten namens RTLAlemania, Miss Venezuela oder Vergiss mich, wenn du kannst, wie auch immer die schmecken sollen? Momentan haben sie Eissorten wie Hamburger, Hühnchen mit Reis, Tomate oder Knoblauch! Uäh! Wir haben doch lieber auf die traditionellen Sorten zurückgegriffen und es war wirklich lecker.

Burgerfans (wie wir!) sind hier ebenso gut aufgehoben, denn jeden Abend öffnen die unzähligen Burgerläden an den Straßen. Da werden auf interessanten Karren allabendlich die leckersten Burger gezaubert, kein Wunder, dass sie allesamt gut besucht sind. Und was für uns außerdem neu war, Fastfoodläden gibt es mit Bedienung. Wir landeten in einer venezolanischen Kette (La Nota?), die scheinbar für ihre unzähligen Saucen bekannt ist. Wir staunten nicht schlecht, als uns acht verschiedene Saucen gereicht wurden, darunter eine blaue mit Geschmack von Schimmelkäse.

 

 

Wir fühlten uns sehr wohl hier, besonders auf unserem „Campingplatz“. Hier oben war es zwar ein paar Grad kälter, aber dafür schliefen wir sehr gut – wie fast immer. Wir haben wieder mal das Auto auf- und umgeräumt (dabei kam eine zweite Kakerlake zum Vorschein!). Irgendwas gibt es immer zu tun und da es hier wieder kühler war, haben wir die Badesachen gegen dicke Pullis tauschen müssen. Wir haben wieder mal unsere Homepage auf Vordermann gebracht, Bilder ausgesucht und Reisebericht geschrieben. Auch unsere Weiterreise sollte geplant werden und so las sich, während ich schrieb, Mathias marathonmäßig durch die Reiseführer. Dabei haben wir festgestellt, dass wir doch wieder ein Zelt brauchen werden und haben uns gleich danach umgesehen. Außerdem brauchten wir ein neues Bettlaken, aber das gibt es in Venezuela scheinbar nicht. Man konnte immer nur ein Set kaufen, jetzt haben wir dafür noch eine weitere dünne Zudecke und zwei Kissenbezüge, auch nicht schlecht. Wie immer verbrachten wir auch reichlich Zeit im Internet. Und in den Supermärkten. Es gefällt uns ja immer durch große Supermärkte zu laufen und zu sehen was es alles gibt, bzw. was wir so brauchen könnten. Allerdings hatten sie selbst in einer Stadt wie Mérida in einem großen Hipermercado das gleiche Problem wie im ganzen Land. Wenn ein Produkt leer wird, kann es ewig dauern, bis es im Regal wieder aufgefüllt wird. Solange wird halt einfach etwas anderes dorthin gestellt. Wo gestern noch das Ketchup stand, stehen heute Cornflakes. Dann halt gleich hundertmal der gleiche Karton, hauptsche das Regal ist voll. Und immer wieder das Milchproblem. Da wir ja keinen Kühlschrank haben und jeden Morgen Kaffee trinken brauchen wir H-Milch. Die gibt es fast nirgends im Land, und wenn ist innerhalb kürzester Zeit das Regal wieder leer. Einmal durften wir auch maximal drei Liter kaufen. Oft ist auch das Milchpulver über Tage leer, mal gibt es keine Eier mehr, man gewöhnt sich aber daran.

Im der Campingabteilung habe ich mir dann noch einen neuen Klappstuhl gekauft. Mein schöner alter Streifenstuhl, der mittlerweile doch schon recht runtergekommen und durchgesessen war, hat einem venezolanischen Hintern nicht standhalten können. Als mal wieder eine Gruppe Lehrer zur Tagung bei uns auf dem Gelände waren, hatten sie sich wohl abends bei uns vors Zimmer gesetzt. Am nächsten Morgen war mein Stuhl durchgerissen. Keiner befand es für nötig mal was zu sagen, nein, am nächsten Abend saßen sie dann halt in Mathias Stuhl, als sie mit viel Gedöns auf den Bus warteten. Der Stuhl wurde dann mit vor zum Haus genommen, gefragt hatte keiner, obwohl wir gerade heimkamen und uns vielleicht setzen wollten. Aber so sind sie halt. Dafür sind sie meist gut gelaunt und lachen immer sehr viel. Die Damen luden uns gleich auf ein paar „Aufwärmer“ in Form von Zimtlikör ein. Es wurden Fotos geschossen und Adressen und Telefonnummern ausgetauscht. Die Chavista-Lehrerinnen waren ganz angetan von uns und wir wurden gleich mehrmals an verschiedene Orte eingeladen, inklusive Wegbeschreibungen und schriftlicher Einladungen.

Der Besitzer meinte noch, es werde die nächste Woche ruhiger, dann kämen die Kinder. Und so war es dann auch…

 

 

An einem Tag unternahmen wir einen Ausflug zu den Thermen von Musuy. Schon um 6.00 fuhren wir noch in der Dunkelheit los, um ja die ersten auf dem Berg zu sein. Am Eingang erwartete uns immer noch der gleiche süße Opi von damals und wir waren wirklich die ersten. Aber da die Sonne noch auf sich warten ließ, haben wir uns erst mal mit Mützen auf den Köpfen Kaffee gemacht, um die 10° Außentemperatur zu vergessen. Dann ging es hoch auf den Berg. Das erste Stück mussten wir uns den Weg durch diverse Gatter bahnen, vorbei an Kühen und Pferden, dann kam ein ziemlich steiles und mühsames Stück. Aber als wir das überwunden hatten, wurden wir mit einem tollen Blick über die Berge belohnt. Dann ging ein kleiner Pfad auf dem Bergrücken entlang und ein Pferd lief uns einige Meter voraus. Wir waren in freudiger Erwartung auf die Therme und liefen immer weiter mit Blick auf die vor uns liegende Schlucht. Unterwegs auf einer saftigen Wiese sahen wir sogar zwei Zelte stehen, das war wirklich ein traumhafter Platz zum campen, wie gesagt, wir brauchen ein Zelt! Endlich an dem Becken angekommen, waren wir etwas enttäuscht, denn die Zelter waren bereits vor uns da. Wieder nichts mit einsam, denn sechs weitere Leute in dem Becken machen die Angelegenheit wenig romantisch, aber die Leute entpuppten sich als äußerst nette Familien. Das Becken wurde neu gemacht, das letzte Mal dienten noch Sandsäcke zum Aufstauen des Wassers, mittlerweile wurde eine schöne Steinmauer gebaut. Das Wasser war, obwohl wir noch im Schatten waren, angenehm warm, an manchen Stellen kam es wirklich extrem heiß aus den Felsen. Und immer bot sich ein sagenhafter Blick auf die vor uns liegende Schlucht. Gegen 10.00 fiel auch endlich die Sonne ins Becken und langsam wurde es uns richtig heiß. Außerdem kamen immer mehr Leute zum Baden und das Becken wurde unangenehm voll. Also machten wir uns auf den Rückweg, wobei wir unterwegs noch eine Vesperpause einlegten. Was für ein idyllischer Ort hier. Als wir wieder zum Parkplatz zurückkehrten waren mittlerweile bereits 30 andere Leute auf dem Berg, zum Glück waren wir so früh dran. (Am Wochenende waren es sogar 200/Tag!)

 

 

Ein anderer Ausflug führte uns nach La Culata. Wir fuhren wieder auf fast 3000m Höhe und es war ordentlich windig. Wir liefen ein paar Meter an den Wiesen und Kühen vorbei durch die nebelige Landschaft. Hier konnte man auch Pferde mieten, wobei ein paar Japaner das Angebot gleich annahmen. Schon bald kehrten wir um. Wir hatten Hunger und unterwegs entdeckten wir einen süßen Laden, in dem sie die für die Region typische Bergforelle anboten. Die Bedienung leistete uns unentwegt Gesellschaft, trug uns sogar noch eines ihrer selbstverfassten Gedichte vor und servierte hervorragendes Essen. Und auch hier oben, wie in jedem noch so entlegenen oder unzugänglichen Gebiet trafen wir auf die beliebten VW Käfer. Die Werbung damals hatte nicht gelogen: „Er läuft, und läuft, und läuft,…“ Und für all die, die ihn sich nicht leisten können, bleibt ja noch die Variante mit dem überall im Land beliebten BMX-Rad.

 

 

Eigentlich wollten wir ja auch mit der Teleferico auf den Pico Espejo hochfahren. Immerhin rühmt sich die Seilbahn damit, die Längste und höchste auf der Welt zu sein. Nicht immer ist es möglich auf den höchsten Punkt auf 4700 m zu fahren, doch momentan war die oberste Station geöffnet. Also machten wir uns zeitig auf den Weg, um die erste Gondel zu erwischen. Am Morgen war es meistens noch nicht bewölkt und man hatte einen guten Blick über die Berge. Als wir an der Station ankamen, mussten wir schon anstehen und man erklärte uns kurz darauf, dass es nur noch Karten für Nachmittags gäbe. Das war ja blöd, zumal am Nachmittag der Berg immer in den dichten Wolken lag und man gar keine Aussicht gehabt hätte. Also verzichteten wir am Wochenende darauf, da der Andrang besonders groß war und die Aussicht auf einen Platz in der Bahn entsprechend gering. Wir hätten uns zwar schon mal Tickets für den nächsten Tag kaufen können, aber wir wussten ja nicht, wie das Wetter wird und in so eine Wolkensuppe braucht man auch nicht zu fahren. Also wurde jeden Morgen der Wecker gestellt, zuerst das Wetter gecheckt (konnten wir zum Glück vom Bett aus) und wieder hingelegt, denn ab sofort waren die Berge schon jeden Morgen im Nebel. Manchmal klarte es auch am Mittag wieder auf, aber meist nicht für lange.

Endlich erwischten wir wieder mal einen Tag mit freier Sicht, also nix wie los zur Seilbahn. Dort wieder das alte Spiel, alle Plätze bereits vorbestellt und vergeben. Klar, es waren ja auch Ferien in Venezuela, da ist’s auch unter der Woche voll. Und wer da nur für 2 Tage bleibt, bestellt die Tickets vor, denn das Motto lautet „hauptsache hoch, egal, ob ich was seh!“ Wir versuchten es dann noch ein drittes Mal und wieder das gleiche Spiel. Jetzt hatten wir endgültig keine Lust mehr. Wir waren schon extra ein paar Tage länger in Mérida und noch länger wollten wir nicht warten, zumal unser Vorhaben ziemlich aussichtslos schien. Außerdem waren wir ja schon mal fast ganz oben – wo die Luft wirklich dünn ist – und wir würden in den nächsten Monaten noch viele hohe Berge befahren, und das mit eigenem Auto statt mit Seilbahn!

 

 

Zum Abschluss unseres Aufenthaltes gönnten wir uns einen Besuch im Zirkus. Wie lange wir schon nicht mehr in einem Zirkus waren – wir konnten uns nicht mehr daran erinnern – aber wir waren sehr gespannt auf die südamerikanische Variante. Wir gingen in die 18.00 Vorstellung uns stellten uns brav in die Reihe, bis die Show endlich losging. Eingedeckt mit Cola und Popcorn saßen wir erwartungsvoll auf unseren Plätzen. Das Zelt war gut besucht, wenn auch überwiegend von Familien mit Kindern.

Und schon zu Beginn saßen wir baff auf unseren Sitzen, denn erst ertönte laute Musik – natürlich schneller Reggaeton, wie es sich hier gehört – und die Trapezkünstler legten einen grandiosen Auftritt mit (fast) Stripshow hin. Also nicht so steif wie bei uns, sondern ab der ersten Minute sehr lustig und peppig. Eine Vorführung jagte die andere, alles begleitet von schnellen Rhythmen, es wurde immer viel Show gemacht. Da kamen die Jungs auf dem Trampolin zum Einsatz, dann gab es eine Zauberin, die im Schnelldurchlauf ihre erstaunlichen Tricks vorführte, super Jongleure und alberne Clowns, „blinde“ Seiltänzer, tanzende und treppensteigende Hündchen dürfen natürlich auch nicht fehlen. „Ohhhh, wie süß!“. Während der einen Demonstration wurden schon die Gerätschaften für die nächste aufgebaut. Während der ganzen Zeit kamen Verkäufer mit Bauchläden herum, um Hot Dogs, Getränke und Spielsachen zu verkaufen. Und Jonathan, der Direktor immer mitten drin. Erstaunlicher Typ mit guter Ausstrahlung, kaum eine Darbietung, bei der er nicht mitmachte, die Löwen hatte er natürlich auch unter Kontrolle, im Mopedkäfig fuhr er mit seinem Bruder um die Wette, und zuguterletzt balancierte er wagemutig auf einem riesigen (Hamster-)Rad herum. Dieser Teil wäre jedoch beinahe ins Auge gegangen, als er mit verbundenen Augen auf der Außenseite des Rades Seil hüpfte. Sein Mitakrobat drehte das Rad etwas zu schnell, Jonathan wurde etwas herumgeschleudert, konnte sich jedoch gerade noch abfangen. Nach zwei Stunden war die pausenlose Show zu Ende und wir wussten, unsere 4€ Eintritt waren gut angelegt.

 

 

Die Uruguayaner haben wir nicht mehr gesehen, auch nicht im Zirkus. Sie hatten uns am ersten Abend angerufen und gefragt, wie das mit dem Zeltplatz wäre. Aber das war ihnen dann wohl zu teuer. Wir riefen ein paar Mal zurück und schrieben sms, aber es kam keine Antwort. Als wir bereits abreisten, kam mir endlich die Eingebung, dass sie gar nicht von ihrem Handy aus angerufen hatte. An jeder Straßenecke gibt es ja die Telefonstände, wo man für wenig Geld aus in alle Netze anrufen kann. Von dort aus hatten sie sich wohl bei uns gemeldet und ich hatte einfach nur auf diese Nummer zurückgerufen. Tja, dumm gelaufen, aber man trifft sich ja immer zwei Mal im Leben…

 

Dann verließen wir Mérida – die Stadt des ewigen Frühlings – und unsere Rum-reise ging weiter in den Norden nach Maracaibo und von dort wollten wir über die Grenze nach Kolumbien.

Weiterlesen? Hier lang: 29. Merida – Cartagena – Medellin: Auf der Suche nach Abenteuern in Kolumbien