33. Lima – Cusco – Titicacasee

33. Vom Wüstenmoloch ins Altiplano

Lima (30.10.) – Pisco – Oase Huacachina – Nazcalinien (03.11.) –Nazca (04.11.) – Cusco (05.11.) – Juliaca (09.11.) – Sillustani (09.11.) – Bolivien – Copacabana / Titicacasee (10.11.-15.11.)

 

Da waren wir nun in Lima, einer Stadt mit mindestens 7 Mio. Einwohnern, die in unserem Reiseführer liebevoll als Wüstenmoloch bezeichnet wird. Doch ehrlich gesagt, erschien uns diese Stadt wesentlich sympathischer, als wir es erwarteten. Nur der Verkehr ist katastrophal, es gibt keine S-Bahn, schon gar keine U-Bahn, alle Personen werden mittels wild hupender Kleinbusse durch die Gegend gefahren. Die Kassierer hängen sich aus dem Beifahrerfenster, um den möglichen Fahrgästen lautstark das Fahrziel entgegenzubrüllen. Dementsprechend herrscht an Knotenpunkten besonders großes Chaos, generell fahren die Peruaner katastrophal Auto und es ist für Fußgänger lebensgefährlich eine Straße zu überqueren. Wir fuhren der Einfachheit halber mit dem Taxi in die Stadt (kostet keine 3€!) und sind am Plaza San Martin ausgestiegen. Schöne alte Gebäude umgaben den Platz und wir hatten statt in einem Wüstenmoloch eher den Eindruck, wieder in Buenos Aires zu sein. Abgesehen von den Leuten, die um Längen indigenere Züge haben, als die Argentinier. Da es Allerheiligen war, waren die Straßen voll gestopft mit Menschen, die sich alle durch die Fußgängerzone und auf den Plätzen drängten. Ein hektisches aber schönes Gewusel mit absolutem Südamerikafeeling. Wir bummelten durch die Gassen und Geschäfte, bestaunten die schönen alten Gebäude und Kirchen und kehrten zum Abschluss des Tages in einer kleinen Bar ein. Und kaum konnten wir diesem Land mal wieder etwas Positives abgewinnen, wusste ein Peruaner schon wieder es zu zerstören. Die Bierpreise waren am Kühlschrank angeschrieben, der Chef nannte uns einen anderen Preis, mit der Erklärung der angegebene Preis sei der zum Mitnehmen. Da uns dieses System aus Brasilien bekannt war, machten wir uns weiter nichts draus, als uns jedoch seine Frau dann den „Mitnahmepreis“ abkassierte, wussten wir, es hatte schon wieder einer versucht! Nerv! Und die Krönung des Tages war dann der Taxifahrer, der beim Bezahlen anmerkte, dass die Europäer immer Trinkgeld gäben. Ich erwiderte, dass dagegen die Peruaner immer bescheißen würden, und er meinte lachend und sogar stolz: „Ja, richtig!“ – Ohne Worte!

Ansonsten blieben wir gerne und viel im „Club Germania“, wo wir uns hervorragend aufgehoben fühlten. Am ersten Abend gingen wir mit Barbara, der Verwalterin des Clubs, Essen, die uns herzlich willkommen hieß. Wir fuhren in den Stadtteil Miraflores, wo sich etwa 100m über dem Meer eine kleine Welt mit Geschäften, Restaurants und Kinos etabliert hat. “Natürlich” waren wir in einem Restaurant mit gesalzenen Preisen (für Peru), in dem sich das „Volk“ normalerweise nicht blicken lässt! So sehr wir diese Zweiteilung der Klassen auch verabscheuen, erkannten wir, dass man, um hier zu leben einfach nur so denken kann. Bitter, aber wahr!
Aber am liebsten blieben wir im Club, dort gab es im Restaurant Gulasch mit Spätzle, Leberkäse mit Spiegelei und Bratkartoffeln, Kassler mit Sauerkraut, und deutscher Senf… (Sollte sich jemand wundern, warum wir deutschen Senf erwähnen, der möchte mir bitte eine Mail schreiben, ich werde ihm dann gerne südamerikanischen „Senf“ mitbringen :-) ) Und warum sollten wir uns das entgehen lassen, wer weiß, wann wir das das nächste Mal solche Leckereien bekommen würden. Und aufgrund des bis dahin fehlenden Appetits in Peru hatten wir beide stark abgenommen (wir kennen nahezu keine peruanischen Gerichte), wir hatten beide Niedrigstgewicht seit Jahren, also tat uns ein wenig deftige Küche nicht schlecht.
Dank w-lan saßen wir Stunden im Foyer, erledigten all unseren Internetkram, hörten mittels Internetradio mal wieder HR3, aktualisierten unsere Homepage und telefonierten viel mit zu Hause. Was man halt so macht – in Lima! ;-) Und wir sollten einen kleinen Text über uns verfassen, der mit Bild in der nächsten Ausgabe der Clubzeitschrift erschien.
Gegenüber dem Club gab es ein paar Einkaufspassagen und einen großen Supermarkt, in dem wir uns alternativ versorgten. Täglich gingen wir ins beheizte clubeigene Schwimmbad, und wir freuten uns, wenn mal die Sonne rauslugte. Da Lima am Meer liegt, herrscht halbjährig bekannter Küstennebel, doch ab und an ließ sich die Sonne blicken, um uns dann gleich teuflisch auf den Kopf zu bruzzeln. Ohne Kappe nicht auszuhalten!

Nach unserer fünften Nacht traten wir die Weiterreise an. Kurz vor der etwa 500 km entfernten Stadt Pisco – Herstellungsort des Nationalgetränks „Pisco Sour“ – bekamen wir die Ausmaße des etwa einen Monat vorher passierten schweren Erdbebens zu sehen. In dieser Region stechen normalerweise die vielen Bodegas und als Verkaufsstände umgebauten überdimensionalen Holzfässer ins Auge, uns dagegen Geröll und Ruinen. Viele Mauern waren eingestürzt, die Schutt- bzw. Lehmreste wurden in großen Haufen zum Abtransport an die Straßen gebracht und an vielen Ecken standen noch die großen Hilfszelte auf den Grundstücken. Und da werden sie wohl auch noch lange stehen…
Und wieder einmal konnten wir sehen, dass die die eh wenig hatten, durch diese Naturkatastrophe noch weniger haben. Andererseits konnten wir wieder nicht genau identifizieren, welche Ruinen neu waren, und welche schon längere Zeit verwahrlost sind. Irgendwie frustrierte mich dieses Land. Ich weiß, dass es nicht gerecht ist das zu sagen, aber dieses Elend passt irgendwie zur Stimmung, die dieses Land auf mich ausstrahlt.
Und es wurde nicht besser, als wir uns auf der Suche nach einer Oase verfuhren. Die Gegenden wurden ärmer, noch mehr Häuser waren verfallen, noch mehr Zelte standen in den Höfen und es würde wohl noch länger dauern, um die Situation wieder einigermaßen herzustellen…
Immerhin landeten wir letztendlich an besagter Oase „Huacachina“. Dieser Ort bildete gleich doppelt eine Oase, zum einen als Insel der Ruhe in diesem traurigen Chaos, zum anderen als tatsächliche Wüsteninsel. Inmitten dieser unglaublich hohen und sogar goldgelben Sanddünen lag eingerahmt von prächtigen Palmen ein See. Ob dieser so unbedenkliches Wasser trug, weiß ich nicht, aber fürs Auge war’s einfach toll – für die Nase roch es manchmal etwas streng nach Schwefel – oder mischte sich da nicht wieder etwas U… ein? Rund um den See gab es eine hübsche Uferpromenade und Säulengeländer, kleine Kaffees und Restaurants buhlten um die Gäste. Und an jeder Ecke wurden Bretter angeboten, um in den Dünen Sandborden zu gehen oder man konnte sich mit einem abenteuerlichen Strandbuggy durch die hohen Sandberge heizen lassen. Ganz offensichtlich, dass es hier wieder viele weiße Touris gab. Das merkte man auch gleich wieder an den Preisen, wir hatten eigentlich vor, eine Nacht zu bleiben, aber wir empfanden die 8€ nur um sich auf einen geteerten Hotelparkplatz zu stellen entschieden zu viel.

Wir fuhren weiter und erreichten noch am selben Tag die Nazcalinien. Diese über Kilometer lange Figuren und Formen wurden schon vor bis zu 2800 Jahren in den sandigen Wüstenboden geritzt, fehlende Niederschläge konservierten diese geometrischen Besonderheiten und trotz ununterbrochener Forschung bleiben die Bedeutungen weiterhin ungelöst. Wir bestiegen einen Aussichtsturm, von dem aus man einen recht guten Ausblick über eine der Figuren hatte. Als braver Tourist macht man von Nazca aus einen Rundflug – nach Möglichkeit mit leerem Magen – bei dem man diese Gebilde in vollem Ausmaß aus der Luft bestaunen kann. Mathias ist ja bekanntlich weder ein Freund der Höhe, noch des Fliegens in kleineren Maschinen, mich reizte ein Flug an sich schon. Aber weniger wegen dieser Figuren, als mehr um des Fliegens willens. Aber nachdem meine eh schon geringe Begeisterung gegenüber den Linien nach Aufstieg des Aussichtsturms geradezu erloschen war, und die Landschaft dort für mich auch nichts reizvolles zu bieten hat, habe ich es mir anders überlegt. Warum sollte ich mich in einen Flieger setzen, um diese trostlose Weite auch noch von oben im vollen Ausmaß zu sehen? Und nachdem uns wieder alle anderen Reisenden darauf aufmerksam machten, wie viel es denn kosten dürfte und dass alle versuchen einen abzuzocken, verging mir die Lust gleich doppelt.

Obwohl wir unzählige Polizeikontrollen an diesem Tag passierten, schafften wir unbehelligt 480 km. Die Polizei ist demnach im Süden Limas wohl doch so unanstrengend, wie alle sagen. Nach einer Nacht an einer Peaje (Mautstation) mit ratterndem Generator – immerhin war der Sonnenuntergang spektakulär – erreichten wir am nächsten Morgen die Stadt Nazca. Im morgendlichen Trubel suchten wir uns nach einem Bäcker durch, den es – ganz im Gegensatz zu hunderten Flug-Agenturen – nicht gab. Immerhin werden dafür dann an manchen Straßenecken selbstgebackene wohlschmeckende Brötchen aus großen Körben angeboten. Man muss halt nur erst mal finden, wo…
Nur mit unserer 20 Liter Wasserflasche hatten wir weiterhin kein Glück. Nirgends konnten wir die Flaschen entdecken, wieder mussten wir viele kleine Flaschen besorgen – wir fragen uns nur, was denn die Peruaner trinken?

Und wieder ging es für uns ab in die Berge. Steine, Sand, Dünen, Staub, außer Kakteen gab es kaum Vegetation und die sich in die Kurven schmiegende Straßen beschrieb unseren Weg. Im Laufe des Tages befanden wir uns wieder auf über 4500 Höhenmetern und wir erreichten eine sagenhafte Weite mit den für diese Höhe typischen goldgelben Gräsern. Um uns herum befanden sich immer wieder Lama- und Alpakaherden, insgesamt sahen wir an diesem Tag Tausende der puscheligen Tiere, und immer wieder war ich entzückt von ihrem witzig-ignoranten Blick. Oft hatten sie (rosa) Schleifchen im Fell oder an den Ohren, ich konnte jedoch nicht herausfinden, ob aus religiösen Gründen oder um die Zugehörigkeit zu einer Herde zu signalisieren. Neben den Alpakas standen auch Kühe, Esel oder Schafe auf den Wiesen, natürlich gab es auch hier oben Steinmauern um sein Eigentum zu begrenzen. Ein paar Seen verschönerten das Landschaftsbild, im Hintergrund ragten schneebedeckte Gipfel empor. Und in dieser Einsamkeit und sagenhaften Weite standen dann plötzlich Kinder auf der Straße und bettelten. Wir hielten an und die Kleinen mit ihren von der Kälte zerfressenen Backen hielten uns wortlos ihre Mützen entgegen. Ein Gespräch ist oftmals unmöglich, denn die Leute hier oben sprechen immer noch ihre Indiosprachen wie Quechua und spanisch lernt nicht jeder. Wir hatten seit Beginn unserer Reise ein paar kleine Taschenspiele dabei und heute sollte der Tag sein, an dem wir sie verteilen. Die, die es nötig hatten, denen gaben wir zusätzlich Kräcker. Wir wollten natürlich nicht die reichen weißen Touris sein, die durch die Prärie fahren und ungeachtet dessen, was man damit anrichten könnte, Sachen verteilen. Aber wie oft kommt hier oben ein Auto vorbei? Wie viele halten davon an? Und wer diese vom Leben in der Höhe gezeichneten Kinder gesehen hat, der macht sich darüber keine Gedanken mehr, sondern freut sich, ein unbefangenes Lächeln zu erhalten und einen Funken Freude in den harten Alltag gebracht zu haben. Manche waren so begeistert, dass sie ihre rotznasigen Geschwister holten, damit sie auch etwas bekamen. Andere fragten nach Schuhen für den kleinen Bruder, der barfuss durch die Steppe stiefelte, andere wollten zu unserer Überraschung Lesematerial. Würden wir nochmals hier hoch kommen, wir würden Kleider, Schuhe und natürlich Zeitschriften einpacken, um sie den Bedürftigen dort oben zu verteilen.

Als wir wieder in tiefere Gefilde kamen, suchten wir uns am Fluss einen geschützten Duschplatz. Meine Höhenkopfschmerzen hatten sich endlich verzogen, Mathias kämpfte dafür mit Magenschmerzen, dieses Auf und Ab ist schon sehr anstrengend. Jetzt war die Gegend wieder belebter, rote Felsen säumten unseren Weg, viele Indios standen am Straßenrand, sammelten Feuerholz und warteten auf den Bus. Wir fuhren weiter die Schlucht entlang, bis wir am Fluss einen geeigneten Schlafplatz entdeckten. Es war wieder angenehm warm und wir saßen noch am Abend im Freien. Wir hatten noch Feuerholz dabei, doch der Wind vereitelte unser abendliches Lagerfeuer und nach einer leckeren Portion Nudeln gingen wir früh schlafen.

Morgens ging es zeitig weiter, und wir wurden nach vielen Kilometern mal wieder von der Polizei kontrolliert. Die netten Herren (dass ich das mal über Polizisten schreiben würde ;-) ) fragten lediglich, ob es irgendwelche besonderen Vorkommnisse gab und wünschten uns noch eine gute Reise. Unterwegs in einem kleinen Ort musste ich mal nach dem Weg fragen. Ich lehnte mich aus dem Fenster und fragte, wohin es nach Cusco geht. Der Mann am Straßenrand schüttelte den Kopf und meinte er will nicht nach Cusco!? Erst später realisierte ich, dass er meinte wir wären ein Colectivo und würden Leute für die Fahrt nach Cusco einsammeln. :-)
Die Strecke von Nazca nach Cusco war wirklich sehr schön und abwechslungsreich. Wieder ging es bis auf 4000m hoch (super Pauli), wo wir bei 13° fröstelten, dann ging es wieder runter auf 2000m, dort empfing uns die Sonne mit heißen 32°, wir überquerten viele Brücken und einen tollen Fluss (der sogar Wasser führte). Endlich erreichten wir das wieder auf 3200m gelegene schöne Hochtal in dem Cusco liegt, wo wir angetan waren von der ausgesprochen grünen Landschaft, den Bäumen und der idyllischen Gegend und den weiten Wiesen. Vor manchen Häusern hingen rote Fahnen, die auf Chicha (hausgemachtes Maisbier) aufmerksam machten. Doch die Lust auf dieses Bier ist uns vergangen, als wir erfuhren, wie der Saft hergestellt wird. Die – überwiegend zahnlosen – Indiofrauen kauen lange auf den Maiskörnern herum, spuken den Maismatsch dann in einen Trog, dort wartet der Brei darauf zu Gären – fertig! Aber wer so einer Frau mal näher in den Mund gesehen hat, dem vergeht die Lust auf so ein „Bier“. :-)

Wir fuhren von oben in die Stadt Cusco ein, wo wir gleich zu Beginn mit einem sagenhaften Blick über die Schindeldächer der Stadt belohnt wurden. Eigentlich stand uns mal wieder der Sinn nach einem internationalen Fast-Food-Laden, die in Peru sehr rar gesät sind. Bisher kamen wir nur in Lima in den Genuss und wir erhofften uns einen in einer 320.000 Einwohnerstadt, die vom Tourismus geprägt ist. Aber nichts, lediglich ein peruanischer Burgerladen stand zur Auswahl, und dort schmecken die Burger nicht wirklich. So haben wir uns wenigstens zu einem großen Supermarkt durchgefragt und uns dort mit Vesperleckereien eingedeckt. Diesmal waren die 20l Wasserflaschen vergriffen, wobei die kleinen Einwegdinger auch wesentlich billiger waren – hier wird wohl Umwelt groß geschrieben!? Noch dazu versuchte die Kassiererin wieder mal die dummen Gringos zu bescheißen, blöderweise haben wir es gemerkt und so gab sie und dann enttäuscht und ohne Anzeichen von Reue den richtigen Betrag raus.
Wir wussten wieder mal von einem schönen Campingplatz – wir werden langsam zu ordentlichen Panamerikanareisenden, die sich von Treffpunkt zu Treffpunkt hangeln – wo wir GPS-geleitet hinfuhren. Der Campingplatz war oberhalb der Stadt kurz vor den bekannten Ruinen von Saqsaywaman gelegen und wird vom netten Holländer Helmi geführt. Als wir auf das Gelände fuhren, warteten bereits vier andere Fahrzeuge auf der Wiese, und darunter mal nur ein deutsches!? :-) Die zwei Nürnberger und Afrikaexperten sind im Rentneralter und fahren – wie so viele – einfach nur noch so mit ihrem Land-Cruiser (ich hab jetzt gelernt, das ist kein „Landy“!) durch die Gegend. Die beiden waren schon sehr speziell und hatten ihre Eigenarten und es war erstaunlich, wie kommunikativ und witzig die Abende doch mit ihnen wurden, obwohl sie normalerweise die Einsamkeit und die Wüste bevorzugen und keinen Wert mehr auf soziale Kontakte legen.
Dann war dort noch eine belgische Familie, die mit ihrem Luxus-MAN-Lkw für ein halbes Jahr herumreist. Eigentlich sind sie auch absolute Afrika-Freaks, aber solange die Mädels noch klein sind (3 und 5 Jahre) fahren sie lieber durch das ungefährlichere Südamerika.
Das andere Fahrzeug von Maria und Rudi war wieder ein 7m-Wohnmobil aus Österreich, das zusammen mit Franzl und seinem gelben Tweety (ebenfalls Land-Cruiser und Wiener) auf der Fähre war und die sich hier nach Monaten wiedertrafen. Und im Laufe der Zeit fanden sich noch Alex und Anne aus der Schweiz ein, die ebenfalls mit den Österreichern auf der Grimaldi waren.

Der Camping „Quinta Lala“ ist sehr schön vor einem kleinen Waldstück gelegen, dreimal in der Woche kommt eine Bäuerin mit ihren Lamas und Alpakas vorbei, die dann auf der Wiese grasen. Ich war vom ersten Moment an verliebt in das kleine samtweiche weiße Alpakababy, war es doch gerade erst eine Woche alt.
Auf dem Platz war ein kleines Hüttchen gebaut, in dem sich Bad, Küche und Aufenthaltsraum für kalte Abende befinden, es gibt eine Waschmaschine und kabelloses Internet. Bei der Ankunft bekommt man eine ausführlichen Infozettel, auf dem alles Wissenswerte steht, darüber hinaus steht Helmi gerne für alle Fragen und Bedürfnisse (okay, für fast alle :-) ) zur Verfügung. Die Waschmaschine wurde von uns sofort in Beschlag genommen, wir hatten schon lange nicht mehr gewaschen und so schleuderte die Trommel im Akkord.
Gleich auf Anhieb verstanden wir uns mit Franzl super gut – wenn schon einer alleine reist, und dann noch ein Ösi ;-) – das kann nur heiter werden… Da alle aus dem Süden kamen – sprich Argentinien – hatten auch alle ordentliche Weinvorräte getankt (Der Belgier Gerard hatte z.B. 240 Flaschen geladen!). Da mussten wir uns am ersten Abend gleich mal durchprobieren, wir saßen gemeinsam vor dem wärmenden Lagerfeuer, unterhielten uns alle angeregt und genossen die entspannte Campingatmosphäre… Nur was uns schon am ersten Abend wieder bitter aufstieß, war was wir über das Verhalten der Peruaner gegenüber den Touristen erfuhren. Nicht nur was Zugfahrt und Eintritt nach Machu Picchu anging, da wussten wir schon von den horrenden Preisen, wenn diese auch überwiegend in englische Taschen fließen. Aber als die Belgier spät abends mit dem Zug ankamen, die Kinder müde und erschöpft und alle nur noch mit dem Taxi nach Hause wollten, da verlangten die Taxifahrer das Achtfache des Fahrpreises. Und Helmi besteht noch auf seinem Infozettel darauf, nicht mehr als 5 Soles zu bezahlen, um die Preise nicht zu verderben. Und auch als Maria und Rudi ihren Ausflug machten, fing keiner der Taxifahrer unter 20 Soles an, beim fünften stiegen sie dann entnervt ein, der fuhr sie dann für „nur“ 15 Soles. Die beiden sind erwachsene Menschen und bestimmt nicht zum ersten Mal auf Reisen, aber später fragten sie Franzl, ob er nicht mit ihnen zum Supermarkt fahren würde. Da er besser spanisch spricht und reiseerfahrener ist (und auch danach aussieht), “darf” er immer nur den normalen Preis bezahlen. Was ist das denn für eine Unverschämtheit, da werden Touristen so schamlos abgezogen, dass sie nicht mehr alleine Taxi fahren wollen! Scheiß Touri-Abzocke! Das ist einer der Gründe, warum wir uns normalerweise in solchen Touristenzentren nicht besonders wohl fühlen.

Die Nacht war kurz und kalt (4°), wir wachten mit Kopfschmerzen auf (ist bestimmt die Höhe ;-) ), aber damit waren wir nicht die Einzigen. Alle waren vom Vorabend mitgenommen, die Nürnberger verschoben sogar ihre Abreisepläne um einen Tag. Der Tag war generell sehr lau, mal unterhielt man sich mit den einen, mal saßen wir bei den anderen, oder einfach nur im Auto und stöberten im Internet. Am Abend saßen die Nürnberger schon wieder auf ihrem Stammplatz am Feuer, aber lange hielt es heute keiner aus.

Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich ein bisschen in die Stadt gehen, aber wo wir gerade so nett beisammen saßen, verschoben wir unsere Pläne ein wenig. Irgendwie waren
Alle heute sehr gut gelaunt, die Höhensonne strahlte – wie immer – vom Himmel und ohne Kappe war es nicht auszuhalten, und sobald ein paar Wolken kamen wurde es frisch. Wir saßen mit Franzl vor unserem Auto im Schatten unter dem Kofferraumdeckel und waren in Bierlaune. So fingen wir schon mittags an am Gerstensaft zu schlürfen, nach und nach gesellten sich die anderen zu uns und wir lachten uns alle einen Bauchmuskelkater. Die Kinder spielten mittendrin ausgelassen und dank der gemeinsamen Sprache deutsch (trotz Holländern, Schweizern, Österreichern und Belgiern – neue Weltsprache?), waren die Gespräche perfekt. Frazl war mit seinen 37 Jahren so ziemlich in unserer Altersklasse, er reist sehr ähnlich, ist genauso brasilienverliebt und ist von seiner Art und seiner Blödeligkeit geradezu seelenverwandt.
Und da ab 17.00 der Eintritt der benachbarten Ruinen „Saqsaywaman“ frei ist, entschlossen wir uns den Tag mit etwas Sightseeing zu würzen. Außerdem sind wir ja jetzt nicht sooo Ruinenbegeistert, dass es uns die 10U$ Eintritt wert gewesen wäre. Wir nahmen unsere lila Aufblaskrake mit – weiß bis heute noch keiner warum – und wanderten durch das Waldstück zu dem Ausgrabungsgelände. Viel haben wir an diesem Tag jedoch von den Ruinen nicht mitbekommen, da wir von der einzigartigen Steinrutsche nebenan abgelenkt wurden und die wohl besser zu unserer albernen Stimmung passte. Dort standen schon zahlreiche Familien, Kinder rutschten das glatte Gestein hinab, unten standen Mütter mit gezückten Fotoapparaten, um den raschen Abgang ihrer Sprösslinge für die Ewigkeit festzuhalten. Und dann kamen wir, drei hellhäutige „Gringos“, kichernd und mit einer Plastikkrake unter dem Arm – das konnte ja nur lustig enden. Wir rutschten zu viert (mit Kraki) in einer Reihe hinab und alle Blicke und Kameras waren auf uns gerichtet. Glücklicherweise war ich die letzte, denn da die Rutsche zwar kurz, aber sehr steil abwärts geht, ist das aufkommen recht hart und die hinteren rutschen dem Ersten ins Kreuz. Wir waren die absolute Schau, alle lachten lauthals, als wir mit einem Ruck unten auftrafen. Nach dem zweiten Mal war es allerdings genug, Mathias tat das Kreuz weh und Franzl hatte sich den Fußballen geprellt. Eine schöne Erinnerung für die nächsten Tage…

Als wir wieder zurück waren, saßen unsere Nachbarn schon wieder vor dem Lagerfeuer und bald sollten neue Leute ankommen. Diesmal ein Overlander, das sind diese großen LKWs, die mit bis zu 30 Personen für lange Zeit herumreisen, um dann invasionsartig irgendwo einzufallen. Helmi wagte den Versuch sie aufzunehmen, er machte eine Rasenfläche für die zahlreichen Zelte frei und war den ganzen Tag gespannt, ob seine Idee so gut war. Alle hatten schon von diesen Reisen gehört, keiner je eine Gruppe persönlich erlebt, aber ihr trinkfester Ruf eilte ihnen voraus.
Spät am Abend traf der LKW dann ein, kaum größer als der von den Belgiern, aber mit 15 Personen darin. Schnell wurde alles ausgepackt, eine Küche hergeräumt, die Zelte aufgebaut und man merkte gleich dass die Leute ein eingespieltes Team sind und nicht erst seit gestern gemeinsam unterwegs waren. Die Wahrheit überraschte uns dann alle, denn ursprünglich waren es etwa 30 Personen, die in Alaska angefangen seit sechs Monaten die Panamerikana entlangfuhren und noch drei weitere Monate vor sich hatten. Die Zahl hatte sich etwas geschmälert, Konflikte bleiben natürlich bei einer solchen Reise nicht aus, schließlich ist mal für sehr lange Zeit auf sehr engem Raum beisammen. Die Leute kamen aus allen Teilen der Welt, überwiegend englischsprachig. Mit ein paar von ihnen unterhielten wir uns dann in der Küche, als wir gerade dabei waren mit Franzl Nudeln mit einer spontanen „Zwei-Auto-Sauce“ zu kreieren. Danach saßen wir noch gemeinsam am Lagerfeuer, Helmi entspannte sich und er und seine Frau Gonna saßen auch mit dabei. Es wurde noch mal ein lustiger Abschluss eines geilen Tages – einfach alles „muy especial“!

Eigentlich kommt man ja nach Cusco, um zum Machu Picchu zu fahren. Das hatten wir ja ursprünglich auch geplant. Auf die Zugfahrt hatten wir jedoch von Anfang an keine Lust, da kam uns der Tipp der Engländer aus Ecuador gerade recht, dass man mit dem eigenen Auto recht weit fahren könnte. Den Rest müsste man dann halt laufen. Blöd war nur, dass es zu dieser Zeit dort in der Gegend haufenweise dieser fiesen Blackflies gab. Das wussten wir von den Nürnbergern, deren Fahrerkabine binnen Sekunden schwarz war und von Gerard, der seine Waden von nun an mit über 130 Stichen verziert sah. Das war der reine Horror und gerade für Mathias, der so extrem auf diese Viecher reagiert, war schon die Vorstellung untragbar. Dann kamen die Negativstorys über die abzockenden Taxifahrer hinzu, und letztendlich erfuhren wir, wie schlecht die Straße dorthin wirklich war. Wir waren absolut abgeturnt von Machu Picchu und konnten uns nicht vorstellen, dass es dort so schön sein sollte, dass es das alles wert wäre. Außerdem waren wir Peru immer noch nicht positiver gegenüber gestimmt, also verließen wir lieber das Land mit der Gewissheit, als eine der wenigen NICHT auf Machu Picchu gewesen zu sein.

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag abfahren, aber Helmi warnte uns. Im Rahmen von Streiks, die es in Peru wohl häufig gibt, sollte es an diesem Tag auch Straßensperren geben. Und zu unserer Sicherheit sollten wir besser nicht fahren, denn die Indios würden auf Autos, die trotzdem fahren wollen, Steine werfen. Also blieben wir noch einen Tag, schließlich gibt es schlimmere Orte, an denen man bei einem Streik festhängen könnte. Mit den anderen Reisenden tauschten wir noch Infos aus und überzeugten alle von der Schönheit Kolumbiens und das es eine Reise wert sei. Am Mittag gingen wir doch noch mal hinab in die Stadt. Die Ausblicke über die Dächer der schönen alten Häuser und den Plaza de Armas mit seinen malerischen Kirchen im Zentrum waren wirklich toll. Nur teilweise die Gerüche in den Gassen und die braunen Haufen (scheinbar nicht von Hunden!!!) verdarben uns ein wenig die Laune. Im Zentrum schlenderten wir ein bisschen durch die urigen und gepflasterten Gassen. Aber besonders angenehm war das leider nicht, ständig wurde man angesprochen, ob man ins Restaurant wolle, einen Ausflug buchen, Schmuck kaufen, eine Massage benötige,… Sehr lästig! Daran merkt man halt, dass wir in einer absoluten Touri-Stadt gelandet sind.

Am Nachmittag starteten wir einen zweiten Ruinenbesichtigungsanlauf, diesmal besichtigten wir die Ruinen wie ganz ordentliche Touris. Von hier oben hat man einen sagenhaften Blick auf die Stadt unter sich, nebenan steht eine große weiße Jesusstatue mit ausgebreiteten Armen, dahinter schneebedeckte Berge. Schon toll. Und das ganze in einer Kulisse aus überdimensionalen Felsblöcken (der größte Stein wiegt 350 Tonnen), die die Inkas im 15. Jahrhundert einst zu einer Festungsanlage zusammengebaut hatten.
Den restlichen Abend gingen wir ruhiger an, es war sehr kalt und alle wurstelten so in ihren Fahrzeugen vor sich hin.

Und am vierten Tag war dann Abschied angesagt, der fiel angesichts der tollen gemeinsamen Tage sehr herzlich aus. Doch erst mal war ein Bummel im Supermarkt angesagt, schließlich hatten wir vom Franzl den Tipp für sagenhafte würzige Cabanossi bekommen (das sind die Tipps, die wir austauschen :-) ). Und da wir spätestens am nächsten Tag das Land verlassen würden, gaben wir unsere restlichen Soles gerne dafür aus.
Wieder fuhren wir durch das schöne Hochtal von Cusco, erfreuten uns an den Anblicken der Lehmhäuser, die in der saftig grünen Landschaft standen. An den Flüssen saßen bunte Leute, die ihre bunte Wäsche wuschen, drum herum grasten Schafe auf den Wiesen, die Kabinenroller standen daneben, der Himmel strahlte in blau. Mittlerweile haben wir auch keine Anzeichen von Höhenproblemen wie Kopfschmerzen oder Atemnot mehr, schließlich befanden wir uns die letzten Tage dauerhaft auf 3600m und hier im Altiplano sollte es auch so bleiben. Wir bekamen seit Langem nur noch 84 Oktan, und – wer hätte das gedacht – es ist in der Höhe besser fürs Auto. An den Anblick der bunt gekleideten Frauen hatten wir uns schon gewöhnt, wenn sich auch die Tracht zu den der Frauen in der Cordillera Blanca etwas verändert hatte. Und immer wieder diese endlosen Weiten, die goldgelben Gräser, diese ganz eigenen Lichtverhältnisse hier oben in den Anden. Und immer wieder begegneten wir Menschen, die wie aus dem Nichts am Straßenrand saßen oder mit ihren Fahrrädern angefahren kamen.
Wir waren schon fast am Titicacasee, als wir die Stadt Juliaca erreichten. Es schien als wären alle der 200.000 Einwohner gerade auf den Straßen unterwegs, als wir einfuhren. Was für ein Gewusel, in den Straßen stauten sich die Handkarren und Fahrradrikschas, die hier nicht umsonst sogar Rammschutze hatten. Neben Personen wurden hier Rinderhälften, Holz und einfach alles transportiert. An den Straßenrändern haufenweise Marktstände, große Säcke randvoll mit bunten Gewürzen, ein Geschäft mit zig alten Nähmaschinen davor, dazwischen quetschten sich die Colectivos – und wir. Uiuiui, einmal die Umgehungsstraße verpasst und dann gab es kein Entrinnen mehr, wir fühlten uns wie einmal quer durch die Stadt geschoben und am Ende wieder ausgespuckt. Aber schön war es. Hatten wir eigentlich die Nase voll von den unangenehmen Seiten der Indios, die Märkte und die Hektik in den Gassen waren wunderbar. Das ist einfach eine anderes Leben hier, eine andere Kultur, andere Farben,… Ihr seht, ich kann Peru doch noch was Positives abgewinnen. :-)

Unser letztes Ziel für heute hieß Sillustani, noch mal Ruinen. Aber da wir erst spät ankamen waren sie schon geschlossen. In der Nähe war ein Museum und wie wir wieder mal schon wussten, konnte man auf dem Platz davor die Nacht stehen bleiben. Der (bis dahin noch) nette Wächter wies uns einen windgeschützten Platz zu, plauschte ein wenig und zeitig hauten wir uns in die Falle. Die Nacht wurden wir vom Gekratze der Hunde am Auto geweckt, die versuchten an unsere Schüssel mit dem dreckigen Geschirr auf dem Dach zu kommen. Dafür bekamen wir den wohl einzigartigsten Sternenhimmel in den letzten zwei Jahren zu sehen.
Am nächsten Morgen waren wir früh wach und sahen noch ein anderes Fahrzeug aus Spanien dort stehen. Mathias wollte auf die Toilette gehen und nahm das Angebot unseres „Aufpassers“ zögerlich an, im Haus zu gehen. Nur scheinbar war schon lange niemand mehr dort zur Verrichtung gewesen und blöderweise tat dann die Spülung keinen Mucks, so schüttete er Unmengen unseres (sogar Trink-)Wassers nach, aber immer noch nicht genug. Der Wächter schickte daraufhin Mathias unfreundlich zu einem Brunnen, ohne ihm den Weg genau zu zeigen. Als Mathias endlich dort ankam, fand er schon wieder etwas Unappetitliches darin schwimmen und weigerte sich, unseren Kanister in diesem „Brunnen“ aufzufüllen. Der Aufpasser wurde daraufhin aufdringlich und unfreundlich, wollte schon wieder Geld von uns (dafür, dass wir mitten in der Wüste campieren und ein nicht funktionierendes Klo benutzen dürfen?) und so verdünnisierten wir uns schnell. So, jetzt hatten wir also die Freude uns alte Steingrabtürme anzusehen. Schon erstaunlich, was sie damals so alles fertig gebracht haben – bis zu 12m hohe Steingrabtürme. Sorry, aber für so altertümliches Steingedöns bin ich echt nicht geschaffen. Aber es war dort schon recht schön, und die Türme waren auf einem Hügel umgeben von einem See und man hatte schöne Ausblicke. Und dann kam noch eine Alpakaherde des Weges, alle weiß und so puschelig – ich weiß, ich lasse mich da zu Schwärmereien hinreißen. Und zum Fotografieren natürlich. Kaum hatte ich jedoch die Kamera gezückt, kam der Hirte vorbei und wollte einen Sol dafür! Ha! Und da wir keinen Bock mehr auf so ein Gedöns hatten, gaben wir ihm einfach zu verstehen, dass wir nur Dollar hätten. Er freute sich schon, aber von wegen, er wollte ja nur einen Sol! ;-)
So jetzt war es aber genug, nix wie raus aus dem Land. Eigentlich sollten wir Peru ja dankbar sein, denn ohne, hätten wir gar nicht zu schätzen gewusst, wie schön es in den anderen Ländern war. Peru relativiert unser Bild über ganz Südamerika. Klar gaben wir uns manchmal der positiven Erinnerung hin und vergaßen die negativeren Seiten in anderen Ländern. Klar versuchten sie uns auch schon woanders zu bescheißen, kassierten mal mehr ab, gaben falsch raus. Aber niemals war es so geballt wie hier! Niemals waren die Leute so dreist, offensichtlich und unverschämt. Niemals gab es ein so niedriges hygienisches Niveau. Niemals… Ich lasse mich auch hierzu hinreißen. Es gab auch schöne Momente, aber leider nicht allzu oft!

Und das es auch anders geht, erfuhren wir gleich hinter der Grenze zu Bolivien, unser Land Nummer 10. Die Leute sahen gleich aus, die Landschaft hat sich keinen Zentimeter verändert, aber plötzlich waren alle nett. Und sie waren nicht nett, weil sie was wollten, sondern einfach nett, weil sie nett sind! Noch dazu spricht man in Bolivien wohl das sauberste Spanisch in Südamerika. Der Grenzübergang war sehr unkompliziert, nur bekamen wir erst mal ein Visum für einen Monat. Da wir vorsorglich eins für drei Monte wollten – man weiß ja nie – bekamen wir einfach den Einmonatsstempel dreimal in den Pass. So einfach geht das! :-)
Wir fuhren weiter den See entlang und hatten immer wieder sagenhafte Ausblicke auf die schneebedeckte Cordillera Real, dem Königsgebirge. Aber das Leben hier ist weiterhin hart. Mit Ochsenkarren werden die Felder bestellt, Frauen stehen genauso bei der Feldarbeit ihrem Mann, immer noch säumen Fahrradrikschas und Handkarren unseren Weg, Omis liefen barfuss die Straße entlang. Viele Stellen um den Titicacasee, der auf 3800m Höhe liegt, sind von Schilf bewachsen.

Wir kamen in Copacabana an, einem kleinen netten Touristenort direkt am Titicacasee. Wieder mal befolgten wir einen Tipp (vom Franzl), wo wir gut stehen könnten. Die „Ecolodge“ befand sich zwar weit weg vom Zentrum, war aber sehr idyllisch am See gelegen. Irgendwie war sie auch noch nicht ganz in Betrieb, was uns nicht weiter störte. Wir bekamen Strom, heiße Duschen in einem der schönen Bungalows, standen mit direktem Blick aufs Seeufer und unsere Vermieter und die Angestellten waren super nett und herzlich. So verbrachten wir dort ein paar idyllische Tage, wobei wir es lieber den einheimischen Kindern überließen, sich in die kalten Fluten zu schmeißen.
Um in den Ort zu gelangen, mussten wir erst mal ca. 25 Minuten das Ufer entlanglaufen, alte Bäume säumten den Weg dorthin. Copacabana ist zwar touristisch, aber noch im Rahmen. An der Uferpromenade entlang kann man sich Tretboote (in Form von Schwänen oder Enten) ausleihen, dahinter befinden sich eine Reihe kleiner Strandrestaurants, die fangfrische „Titi-Forellis“ anbieten. Dahinter befinden sich ein paar größere Hotels und viele kleine Pensionen. Das Herzstück der Stadt ist die Basilika, die der Jungfrau von Copacabana gewidmet ist. Dort kann man sein Auto von einem Priester und einer zahnlosen Hexe taufen lassen. Zahlreiche Buden davor verkaufen Blumengestecke, Girlanden und Schmuck, um sein Gefährt angemessen zu dekorieren, in Schlangen warten die Besitzer darauf, mittels Weihrauch und Bier sein Fahrzeug geweiht zu bekommen. Eigentlich wollten wir auch unseren Pauli diesem Ritual unterziehen, doch nach einigem Nachdenken, entschieden wir uns dagegen. Schließlich hatten wir vor knapp zwei Jahren in Argentinien bei der Difunta Correa Schutz erbeten, und wir wissen ja wie Frauen untereinander sein können, vielleicht vertragen sich die Jungfrau und die Difunta dann nicht so? Lieber fahren wir demnächst noch mal zur Difunta und bedanken uns bei ihr fürs Aufpassen.

Ansonsten gab es viele kleinere Läden, in denen Souvenirs wie typische Strickwaren und Tischdecken angeboten wurden. Die Straßen sind gesäumt mit Marktständen, dort verkaufen Frauen mit kleinen Melonenhüten und weiten Röcken aus überdimensionalen Säcken hauptsächlich eine Art Popcorn, daneben Erdnüsse, Gewürze, kleine Schilfboote, Geldbeutel,…
Und natürlich gab es in der Stadt weitere Restaurants und man hatte die Qual der Wahl, bis man sich entschieden hatte, wo man hingeht. Wir entschieden uns gerne für ein keines Gartenrestaurant, in dem es Mittagstisch gab. Das bedeutet eine Suppe, Forelle mit Beilagen und Nachtisch für einen knappen Euro! In unserem Lieblingsrestaurant, Teil der Posada „La Cupula“, das von einem Deutschen geführt wird und uns von anderen Reisenden wärmstens empfohlen wurde, waren wir mehr als einmal dinieren. Die Posada lag oben am Berg, mit traumhaftem Ausblick über die Bucht und wahnsinnigen Sonnenuntergängen. Ich glaube, ich habe am Titicacasee den tollsten Sonnenuntergang unserer Reise erlebt, die Farben wechselten von gelb über orange zu rot, man hätte meinen können der Himmel brennt.
Dort gab es Köstlichkeiten aller Art, und selbst hier gab es zu Spottpreisen was das Herz begehrt. Bolivien ist wirklich unglaublich günstig, das teuerste Essen auf der Karte kostete knapp 4€ und die Teller waren gut gefüllt! Kein Wunder, dass man sich hier einen Tisch vorbestellen muss. Nachdem wir die beiden Freistaatler Dorit (aus Leipzig) und Thomas (aus München – was für eine Mischung! :-) ) kennen gelernt hatten, war die Tischreservierung immer gleich für vier Personen, denn die beiden waren genauso angetan von der Speisekarte wie wir. Auch sonst verbrachten wir ein paar lustige Stunden miteinander, lagen tagsüber Bier trinkend am See (und verbrannten uns die Gesichter in der extremen Sonne dieser Höhe), wir genossen die entspannte Atmosphäre des Ortes, und abends ging’s ins Restaurant. Nur der Heimweg war lang und anstrengend, da wir in kompletter Dunkelheit den See entlang laufen mussten. Und da waren haufenweise Löcher und Stolperfallen, einmal verfehlten wir sogar unsere Posada. Beim nächsten Mal nahmen wir dann vorsorglich die Taschenlampe mit.

Eigentlich wollten wir schon wieder nach drei Tagen abreisen, aber an diesem Tag erfuhren wir, dass auch in Bolivien gerne gestreikt wird. So eben auch am Folgetag, die Busfahrer streikten für mehr Geld, somit wurden alle Straßen gesperrt, Tankstellen geschlossen, der öffentliche Verkehr – privaten gibt’s auch hier kaum – sollte zum Erliegen gebracht werden. Wir trafen zufällig die Belgier von Cusco wieder, die sind daraufhin schnell weitergefahren. Wir blieben lieber noch in Copacabana, warum sollten wir wohin, wenn es uns hier so gut gefällt, wer weiß, wo wir alternativ landen würden. Aber wenigstens wollten wir an diesem Tag noch tanken, denn die Nadel war schon gefährlich weit unten. An der Tankstelle erklärte man uns, dass es heute auch keinen Sprit gäbe, erstens haben sie keinen, und selbst wenn gäbe es auch keinen, denn die Zapfsäulen funktionieren mit Strom und der war gerade für ein paar Stunden abgestellt. Die nächste Tankmöglichkeit sollte erst zwei Tage später frühestens am Nachmittag sein. Aber wir sind ja nicht umsonst in Südamerika, für alles gibt es einen Weg. Der Tankwart telefonierte kurz herum, gleich darauf stand ein junger Mann mit vollem Benzinkanister und Schlauch vor uns, jetzt wurde „getankt“ auf bolivianisch. Immerhin hatten wir so genug Sprit um problemlos zur nächsten Tankstelle zu gelangen, denn viele gab es in der Gegend nicht.

Nach einer wie immer kalten (4°) Nacht und leider auch nach einer verregneten, konnten wir nach herzlicher Verabschiedung von unserem Posadaverwalter Pasqual losfahren, auch Thomas und Dorit waren schon zeitig aufgebrochen. Nur der Regen machte uns zu schaffen, da wir befürchteten, dass es auf dem Salar de Uyuni auch regnen könnte. Nicht nur der See wäre für uns dann unbefahrbar gewesen, schon die Strecke dorthin wäre nicht passierbar gewesen. So hofften wir mal das Beste, mehr gab es für uns nicht zu tun. Also fuhren wir los, zwei ineinander verschlungene Lamas verabschiedeten uns und wir fuhren voller Spannung in Richtung Salar de Uyuni…

Hier gehts zum nächsten Bericht: 34. Copacabana – Salar de Uyuni – Chile – Trenque Lauquen: Abenteuer pur!