32. Ecuador – Cordillera Blanca – Lima

32. „Inselhopping“ durch die peruanische Wüste bis Lima

Tumbes – Máncora (11.10.) – Punta Pariñas (15.10.) – Huanchaco (16.10.) – Chan Chan – Trujillo – Santa (22.10.) – Chiquicara – Cañon del Pato – Yungay (23.10.) – N.P. Huascarán – Portachuelo und Lagunas Llanganuco (24.10.) – Huaraz (25.10.) – R.N. Lomas de Lachay (29.10.) – Lima (30.10.)

Als erstes Mal ein Hinweis zu Peru und zur peruanischen Grenze in Ecuador: Hier wird gerne Falschgeld an den Mann gebracht, zu einem (zu) guten Kurs. Auf keinen Fall davon blenden lassen, denn wenn man gerade erst einreist, kennt man die neue Währung noch nicht. Generell sollte man in Peru auf Falschgeld achten, es soll sogar gefälschte Münzen geben.
Ein paar Hinweise zu den Scheinen: das Wasserzeichen ist meist eh vorhanden. Vor allem sollte man schauen, dass der Kreis unten links im Licht betrachtet auf der anderen Seite deckungsgleich ist!!! Dann sollte man die Zahlen kontrollieren, die beim Kippen des Scheines abwechselnd lila oder bräunlich changieren. Ist nicht immer ganz einfach, da es jeweils zwei verschiedene Scheine gibt und das nur bei den einen der Fall ist. Die Figuren haben außerdem eine leichte Riffelung, die man mit dem Fingernagel erfühlen kann. Auf den Silberstreifen ist bei echten Scheinen ganz klar die Zahl zu erkennen, die gefälschten sind zu dick und zu unsauber. Außerdem fühlt sich das Papier anders an und knittert. Das sind die einfachsten Hinweise um Falschgeld zu entlarven. Die großen Scheine haben meist schon ein kleines Stempelchen drauf, die beim Originalschein nicht verlaufen, die sind also vertrauenswürdig. Aber das erkennt man halt erst mit der Zeit, wenn man schon mit dem Geld zu tun hat. Andererseits gibt’s auch 10er, die an Farbe verlieren, die sind aber echt! Bei der Einreise am besten eine kleine Menge bei einem offiziellen Wechsler eintauschen (kleine Scheine geben lassen, sich Zeit lassen beim Kontrollieren und evtl. andere Leute checken lassen) und dann zum nächsten Geldautomat gehen. Ist die sicherste Methode, um nicht gelinkt zu werden.
Willkommen in Peru!

Aber jetzt zu unserer Weiterreise: Die Küste änderte sich im Vergleich zu Ecuador zuerst nicht wirklich, es war trocken, nur wenn mal ein Fluss ins Meer mündete, stach das üppige Grün für kurze Zeit ins Auge. Ansonsten war es sehr bekannt öde, die Küste bestand aus Sand, Schutt und manchmal auch Müll. Aber kurz nach der Grenze änderte sich wenigstens das Wetter von Niesel zu blauem Himmel und Sonnenschein und das Gebiet erschien wesentlich freundlicher. Da der Sprit in Peru mit bis zu 1 € für so ein armes Land unverhältnismäßig teuer ist, sahen wir kaum noch Privatautos, sondern die Straßen waren bevölkert von Bussen (Größe vom Pauli mit 15-20 Personen beladen!), Sammeltaxen, Fahrrad- und Mopedrikschas. Die wenigen Privatautos waren Pick-Ups, kleine Japaner und sogar Amischlitten à la Venezuela. Dafür gibt es in Peru an jeder Ecke schnelles Internet für wenig Geld.
Unterwegs legten wir eine kleine Toiletten- und Bierpause ein. Man muss ja wissen, was in Peru so angeboten wird. Wir hielten vor ein paar Restaurants an der Straße an, aber auf die Frage nach einer Toilette, wurde mir nur gesagt, dass es keine gäbe. Hä? Nicht mal in einem Restaurant? Die wollten mich wohl nur nicht gehen lassen, ich würde dafür ja auch bezahlen (oder hinter einen Baum gehen, wenn es den gäbe :-) ), aber auf die Frage wo es denn eins gäbe, bekam ich die Antwort: „Nirgends!“ Was soll das denn? Endlich schickte mich einer in ein Resto auf der gegenüberliegenden Straßenseite, dort könnte ich Glück haben! Was machen denn die Peruaner selbst? (Die unglaubliche Antwort auf all diese Fragen bekam ich erst Tage später – und die hätte ich lieber nie bekommen!) Dort bekamen wir unser Bier und ich eine Toilette, die lag mitten im Speiseraum, war nur durch einen Vorhang abgetrennt, es stapelten sich Taschen auf dem Boden und im Waschbecken, so dass ich mir nicht mal die Hände hätte waschen können – wenn es Wasser dafür und zum Spülen gegeben hätte!

Ein Stück weiter in Máncora, dem Haupt-Touriort des Nordens, wollten wir uns ein paar Tage Strandleben mit Sonnenschein gönnen und es gab sogar einen Campingplatz. Aber auf dem wollten sie uns nicht haben, trotz der Schilder überall, verneinte die Dame, dass es einen Camping gäbe!? Super Einstig, aber letztlich landeten wir bei der kleinen einfachen Unterkunft „El Manecer“. Der Besitzer Elio ließ uns nach einigem Hin und Her (welches wir auch erst später durchschauten) im Hof parken, den hatten wir dann ganz für uns, er gab uns Strom (hier gibt’s endlich wieder 220V, doch da unser CD-Player noch auf 110V eingestellt war, ist uns das blöde Billigteil – endlich – durchgebrannt!) und einen Zimmerschlüssel zur Badbenutzung. Klar hätten wir uns auch – heimlich – ins Zimmer einschleichen können, aber das wollen wir ja gar nicht, wir schlafen ja lieber im Auto als auf einer gimmeligen durchgelegenen Matratze! Elio war irgendwie ein sonderbarer, aber auch lustiger Typ. Seine Brille war links und rechts schon dick mit Drähten geflickt, er trug die ganze Woche das gleiche T-Shirt, war aber angeblich Anwalt in Lima. Irgendwie erinnerte er mich an Jerry Lewis und manchmal benahm er sich auch so. Er kam immer wieder bei uns vorbei, schaute nach dem Rechten und plauderte gerne. Er meinte, wir wären gar nicht so ernst wie die Deutschen, sie er sonst so kennen gelernt hätte. Aha! Die Preise konnten sich auch sehen lassen, wir bezahlten gerade mal 1,20 € (ein Drittel des Zimmerpreises!), wir hatten unser eigenes Reich dort und die Posada war nur wenige Meter vom Strand entfernt.
An den sind wir dann auch gerne gegangen, denn endlich mal wieder Strandleben mit Sonnenschein bei über 25°. Das Wasser war relativ warm, nur der Wind war unangenehm frisch und heftig. Das war gut für die Kite-Surfer und die Wellenreiter trugen Neoprens. Den hätte ich manchmal auch besser tragen sollen, denn so konnte ich mich nicht überwinden mich in die Fluten zu stürzen. Mädchen halt!
Es gab viele Strandbuden und kleinere Restaurants, man konnte Surfbretter oder Pferde mieten und die Unterkünfte waren recht gut besucht. In die eine Richtung konnte man endlos lange an vereinzelten Posadas entlanglaufen, in die andere Richtung tummelten sich die zahlreichen Fischerboote im Wasser. Und es gab sogar einen Abschnitt, in dem sich richtig luxuriöse Hotels befanden, da sind wir aber erst gar nicht hin!
Natürlich dürfen auch die Strandverkäufer nicht fehlen, die CDs oder Sonnenbrillen an den Mann bringen wollen. Dass das Geschäft nicht gerade blühte, konnte man daran erkennen, dass die Verkäufer, wenn das Geschäft nicht zustande kam, pampig wurden! Völlig untypisch in Südamerika. Oder es liegt generell an der Art der Peruaner??
Als wir eines Nachmittags in einer Strandbar saßen und mit ein paar Peruanern quatschten, machten wir erste Bekanntschaft mit dem liebsten Hobby der Peruaner: Bescheißen! Unsere Tischnachbarn hatten eine ordentliche Rechnung und waren schon einige Zeit weg, als drei von ihnen nochmals aufgebracht mit der Rikscha angefahren kamen. Der Besitzer hatte ihnen ihr beträchtliches Restgeld einfach nicht zurückgegeben!

Der Ort war nicht besonders groß und man konnte überall hin gut zu Fuß laufen. So erkundeten wir am Abend die Umgebung, vorbei an den kleinen Strandbuden und Souvenirverkäufern, und kehrten letztendlich in eine Pizzeria ein. Nur einen Supermarkt suchten wir vergeblich. Das sollte sich auch die nächsten Wochen nicht ändern, außer in einigen wenigen großen Städten gibt es in Peru keine Supermärkte. Da muss man sich halt wieder alles in kleinen Läden zusammensuchen, was nicht immer einfach ist, denn man weiß ja gar nicht, was es gibt.
Aber da es an jeder Ecke kleine Strandrestaurants gab, die für wenig Geld ein Mittagsmenü anbieten (für 2-3 €), und auch sonst die Preise in Restaurants sehr moderat waren, haben wir uns eh nur mit Früchten eingedeckt und sind lieber Essen gegangen. Das Problem in den Strandläden war jedoch, dass es keine Toiletten gab. Meine Erfahrung ein paar Tage vorher, war demnach keine Ausnahme! Als ich in einer der Buden mal musste, schauten mich die Damen verdutzt an und meinten, das ginge hier nicht. Mathias wurde dann doch mal zur Rückseite des Ladens geschickt, wobei er statt auf Toilette auf einen Sandhaufen traf!?! Er verrichtete dann dort schnell seine Notdurft, bis uns aber später klar wurde: Das war die Toilette! Es gab tatsächlich sonst keine Toiletten. Selbst in den Läden in erster Reihe gab es maximal den erwähnten Sandhaufen. Dass natürlich die Damen, die unser Essen zubereiten auch nicht viel mehr Möglichkeiten haben, und auch entsprechende Händewaschmöglichkeiten fehlen, ist demnach auch klar. Erschreckend!!!
Und wir wissen jetzt auch, dass das Verrichten der Notdurft in der Öffentlichkeit keine große Sache ist. Bei kleinen Kindern kann man ja noch darüber hinwegsehen, wenn sie einfach so auf der Straße stehen bleiben, Hose runter und los geht’s. Wenn natürlich niemand darauf aufmerksam macht, dass man das nicht so macht, machen sie das dann im Alter noch genauso – oder sind wir einfach nur überzüchtete Europäer? ;-) Darum wundert es uns mittlerweile auch nicht mehr, dass Männer an der Straße stehen und – mit Blick und Hosenöffnung in Richtung Fahrbahn! – ihren Schniedel rausholen! Und da Wassermangel herrscht und es darüber hinaus so gut wie nie regnet, war es kein Wunder, dass es an jeder Ecke nach Urin stinkt! Da muss man schon sagen, in Peru herrschen sehr grenzwertige hygienische Umstände, und wir sind ja noch in Südamerika, nicht in Indien!!!

Und erwähntes Wasserproblem herrscht eben auch in Máncora. In unserer Posada standen große Wassertanks im Hof, deren Bedienung scheinbar nicht ganz so einfach war, denn Elio und sein Helfer dokterten täglich daran rum. Und doch stand ich dann mal eingeschäumt unter versiegender Dusche. Das Wasser ist sehr salzig, denn mit den teilweise vorhandenen Leitungen kommt nicht genug Wasser an. Ich frage mich nur, woher die Nachbarn dann das kühle Nass für ihren Pool nahmen? Und obwohl man unter keinen Umständen das Wasser trinken darf, selbst zum Zähne putzen wäre es bedenklich, war es schwierig, überhaupt Trinkwasser in den 20 l-Behältern zu bekommen! Was trinken die hier?
Aber wir befanden uns halt mitten in der Wüste, die Küste Perus gehört zu den trockensten Flecken der Erde, was uns nicht wunderte, angesichts des Staubes, des sich wirklich in jeder noch so kleinen Ritze festsetzte. In Kombination mit Wind, braucht man erst gar nicht mehr sauber zu machen, das hält gerade mal für die nächste halbe Stunde.

Am Sonntag war es wieder mal ordentlich windig und als wir in eine Strandbar gingen, setzten wir uns zum Wärmen in die volle Sonne. Natürlich mit Kappe, anders hält man es dort ja nicht aus! Wir haben ein paar Bier getrunken und uns leckere „Chicherron de pescado“ (panierte Fischfiletstücke mit leckerer scharfer Sauce) schmecken lassen. Muss man mal probiert haben! Irgendwann merkte ich schon, dass mein Kopf doch etwas viel Sonne abbekommen hatte und Mathias meinte ich wäre wohl recht lila im Gesicht! Die Nachbarn fingen schon das Kichern an, mir war mittlerweile eher schlecht und ich hatte ordentliche Kopfschmerzen. Ich musste mich sofort ablegen und mein hochrotes Gesicht kühlen. Zuhause sah ich dann, dass ich sogar einen richtigen Sonnenbrand durch Pulli und Hose bekommen hatte! Dass die Sonne hier in Äquatornähe sehr aggressiv ist, wussten wir ja, aber so…? Ich hatte einen ordentlichen Sonnenstich und mich sofort mit kühlenden Tüchern im Gesicht abgelegt. Elio brachte mir sogar zusätzlich Tomatenscheiben, um sie mir auf mein glühendes Gesicht zu legen. Zum Glück ging es mir noch in der selben Nacht besser.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns, wir wollten auf unserer Liste auch noch den westlichsten Punkt Südamerikas „Punta Pariñas“ besuchen. Der lag ziemlich in der Nähe, doch war er nicht so besonders einfach zu finden, da keiner der Peruaner davon wusste! Unsere Straßenkarte war nicht detailliert genug, und nach einigen Irrwegen durch lebensfeindliche Orte, braune Wüste und natürlich Sand (in dem wir uns auch noch festgefahren hatten), vorbei an blauen und lila Lagunen, unzähligen Pelikanen, die Bohrinseln und Fischer im Meer und dem GPS-Daten im Blick, sahen wir den Leuchtturm vor uns, aber ganz konnten wir ihn leider nicht erreichen. Aber wir waren immerhin so nahe dran wie möglich!

Auf dem weiteren Weg entdeckten wir den ersten peruanischen Supermarkt und da die Auswahl dort überraschenderweise recht üppig war, deckten wir uns mit Leckereien ein.
Weiter ging es durch die trockene, heiße und braune Wüste, an Steinen, Erdhügeln und Sand die Panamerikana entlang. Auf mich wirkte die Gegend einfach nur trostlos und frustrierend, und das über endlose Kilometer hinweg. Ein paar eingestaubte Sträucher säumten den Straßenrand, aber mehr Vegetation bekamen wir lange nicht zu sehen. Schlagartig wurde die Gegend lebendiger, das hellgrün des Reisanbaus stach geradezu in die Augen. Es standen Palmen und Bananenstauden am Wegestrand, dank einiger Flüsse oder Stauseen gab es stellenweise ein bisschen Leben, um kurze Augenblicke später wieder ins altbekannte grau-braun – gespickt mit buntem Müll – zu wechseln. Der Wind fegte unerbittlich über die endlose Weite und uns wunderte, wo sich überall Leute zum Leben halten konnten, wenn wir die vereinzelten, aber bewohnten Häuser am Straßenrand sahen! Das Hauptfortbewegungsmittel waren Esel, ansonsten gab es Schafe, Pferde und Kühe, die sich von den trockenen Büschen ernährten.
Dass hier vor 10 Jahren der „El Niño“ wütete konnte man deutlich an den weggespülten Straßen sehen. Unglaublich, was hier für eine Naturgewalt geherrscht hatte, die viele Straßen zerstörte und den Verkehr für lange Zeit unterbrach. Und ein so armes Land noch weiter beutelte.

Unglaublich, dass wir an der Küste entlangfuhren und sich maximal 200km vom Strand entfernt die Kordilleren erheben. Und obwohl es an der Küste so trocken und eintönig war, erhoben sich in fast greifbarer Nähe die gewaltigen Berge, darunter der Huascarán, zweithöchster Berg Südamerikas mit 6768m.
Als es dämmerte fanden wir uns bei einer Tankstelle ein. Die war zwar eklig, aber immerhin konnten wir dort stehen. Aber als dann am nächsten Morgen irgendein Mann zu uns kam, um Geld für die „Wache“ zu verlangen, wunderten wir uns schon, denn das war das erste Mal in den letzten zwei Jahren Südamerika, dass uns so was an einer Tankstelle passierte (PERU!). Aber wir sind ja keine Unmenschen…
Da wir uns nicht überwinden konnten, auf die Tankstellentoilette zu gehen, fuhren wir etwas außerhalb zu einer Stichstraße um uns frisch zu machen, nur einen Busch zum Pieseln suchte man lange. Ansonsten bot sich uns ein wenig abwechslungsreiches Bild, außer das unzählige Hühnerfarmen die Küste säumten, die nicht unbedingt Appetit auf Grillhähnchen machten…

Schon zeitig kamen wir im Strandort Huanchaco an, wo wir von anderen Reisenden wussten, dass es einen Camping gibt. Dort standen wir dann sogar auf einer grünen Wiese, hinter uns eine natürliche Lehmwand, vor uns der Blick aufs Meer, neben uns ein Pool (dafür war’s leider noch zu kalt), es gab heiße Duschen und w-lan, sogar vom Auto aus!
Blöderweise fühlte ich mich an diesem Tag nicht so wohl. An die dauernden leichten Kopfschmerzen (wahrscheinlich vom Wind, dem Küstennebel und der aggressiven und grellen Sonne) hatte ich mich ja bereits gewöhnt und meinen Sonnenstich hatte ich auch überwunden. Aber an diesem Tag hatte ich starke Kopfschmerzen und ich fühlte mich wie mit Fieber, ich hatte Gliederschmerzen und war schlapp, nur eben ohne Fieber. So schlief ich fast den ganzen Tag und als ich nachts aufwachte, waren diese Beschwerden weg, dafür drängten mich dann Bauchkrämpfe und Übelkeit schnellstens auf die Toilette. Das sollte den ganzen Tag auch so bleiben und so schleppte ich mich im 20 Minuten-Takt auf die Schüssel! Irgendwie hatte ich keinen besonders guten Start mit diesem Land!
Nach drei Tagen ging es mir denn langsam besser, ich „musste“ nicht mehr ganz so oft und die Bauchkrämpfe verschwanden – aber ich hatte mir einen ordentlichen Ekel geholt. Noch dazu gaben mir unsere Frankfurter Kurzzeinachbarn ihre Erfahrungen zum Besten (einmal im Monat ist das normal! Keine Toiletten auch!! Aber das waren glücklicherweise nicht unsere einzigen Themen) und auch eine Schweizerin hielt sich unmittelbar nach dem Restaurantbesuch für längere Zeit im Bad auf, was meine Laune nicht gerade verbesserte. Es ist zwar nicht so, dass wir bisher in jeder Gimmelbude was gegessen haben, aber einfach durfte das Restaurant schon sein. Aber in Peru? Da kann man ja froh sein, wenn es gar kein Bad gibt, dann bleibt einem schon der Gemeinschaftssandhaufen und fehlende Handwaschmöglichkeiten erspart! :-(

Wir fühlten uns auf unserem Campingplatz sehr wohl. Die zwei Hauspfauen waren ständig um uns herum und die zahme  Schildkröte kam ab und zu an, um sich aufdringlich Essensreste zu sichern. Wir genossen es auf den kleinen Markt zu gehen, der uns anfänglich schien, als hätte er nicht besonders viel zu bieten. Aber wenn man lange genug und in jede Ecke der kleinen Lädchen schaute, fanden wir neben Unmengen Gemüse doch so einiges, was wir auf den Tisch bringen konnten. Und nebenbei gab es viele leckere unbekannte Obstsorten, die es wert waren, sie durchzuprobieren. Und endlich gab es nicht mehr nur süßliches Maisbrot. Nur mit der überall im Land geliebten gelben „Inka-Cola“ (schmeckt wie Gummibärchen), konnten wir uns nicht so ganz anfreunden.
Am Wochenende wurde es trotz der unsommerlichen Temperaturen und Winde voll am Strand und einige Surfer schmissen sich mit Brett in die einzigartigen Wellen. Und sogar der ein oder andere mutige Schwimmer schmiss sich ins kühle oder besser gesagt ins einskalte Nass.
Hier trafen wir schon wieder auf andere Reisende. Unsere ersten „Nachbarn“ waren es auch im richtigen Leben, denn sie kamen aus Frankfurt. Mit Yves und Jürgen verstanden wir uns auf Anhieb, fanden kaum Plauderpausen und spätestens in der Heimat werden wir uns wieder sehen. Bei den anderen Reisenden handelte es sich um ein Rentnerpaar mit ihrem 7m Wohnmobil. Was für ein Monster und noch dazu war das gerade ihr erster Südamerikaaufenthalt. Aber die beiden waren sehr tough, unglaublich nett und haben sich von uns vom Kolumbienvirus infizieren lassen.
Aber wir verstanden trotzdem nicht, dass so viele andere Reisende diese Route der Brasilien und Venezuelastrecke vorzogen. Hatten wir innerhalb eines Jahres auf der unüblichen Route gerade mal ein einziges Fahrzeug zu Gesicht bekommen, sind es hier schon wieder in kürzester Zeit drei Autos, und das werden in naher Zukunft mit Sicherheit auch nicht die letzten gewesen sein! Aber auch wenn man uns noch so sehr versucht zu überzeugen, dass Peru auch seine Reize hat, die Bergwelt einzigartig sein soll und die Leute dort auch etwas netter seien, wir bevorzugen es halt generell die Einheimischen kennen zu lernen statt anderer Traveller – seien sie noch so nett. Und auch wenn letztendlich jeder seine eigene Reise macht, wir konnten es einfach nicht glauben, dass sich Reisende und Abenteuerlustige so sehr an die Panamerikana klammern und so wunderbare und lebensfrohe Länder wie Brasilien, Venezuela und die Meisten auch Kolumbien einfach übergehen. Umso mehr freuen wir uns als einige der Wenigen, diesen Teil Südamerikas bereist zu haben und abseits der “Massen” nicht nur den Tipps anderer hinterher gereist zu sein.

An unserem 700. Tag fern der Heimat, wollten wir zur Feier des Tages dann doch noch mal Essen gehen. Wir hatten uns ein nettes Restaurant an der Strandpromenade ausgesucht, man hatte vom ersten Stock aus eine schöne Aussicht auf das Treiben am Ufer. Der Ober war etwas lahm, das Bier lauwarm, das Essen eigentlich ganz gut, aber während des Essens war mir schon wieder komisch – ich hätte wohl keinen Fisch wählen sollen, aber viel mehr gab’s ja nicht – und kaum zu Hause war ich schon wieder auf dem Pott!

Am Sonntag schien tatsächlich schon vormittags die Sonne. Das geschah mittlerweile jeden Tag früher, wir merkten schon, dass sich der Sommer langsam aber sicher anschlich. Nur konnten wir an diesem Tag nicht viel machen, denn es war Volkszählung in Peru und jede Person – ob Peruaner oder Ausländer hatte an dem Platz zu bleiben, wo er auch übernachtet hatte. Das lief dann ab wie zu Zeiten des Herodes, die Zähler kamen mit Fragebögen von Haus zu Haus und nahmen die Personalien jedes Einzelnen auf. Wir wussten von einer Frau, deren Flug sonntags von Lima nach Deutschland ging, sie musste bereits am Samstag nach Lima fliegen und durfte nur mit vorheriger Extragenehmigung sonntags mit dem Taxi zum Flughafen!

Wir wollten nicht mehr zu lange verweilen, da wir ja in die Berge wollten und Sommer in den Bergen gleichbedeutend mit Regen ist und dann sind die Wege schlecht befahrbar. Montags war ich dann wieder „transportfähig“ und wir fuhren weiter. Ganz in der Nähe gab es die Ruinen von Chan Chan, wo wir uns ein wenig Perus Kultur näher bringen wollten. Es handelt sich dabei um ein riesiges aus Lehm bebautes Gelände von 28km2, wo früher etwa 60.000 Chimús gelebt haben, bis sie von den kriegerischen Inkas vertrieben wurden. Es waren noch einige Adobe-Mauern übrig, die mühsam von den Sandbergen befreit wurden, die sie in den letzten 800 Jahren unter sich begraben hatten. Teilweise waren die Verzierungen noch erhalten. Jetzt verstanden wir Peru besser: Es ist seit jeher das Land der Mauern. Jedes Haus besteht aus Lehmwänden und ist umgeben von Mauern, Kuhweiden sind beschränkt durch gestapelte Lehmziegeln, die mit Lehm befestigt sind, Firmen schützen sich durch Mauern und Spähtürmen und selbst wenn es gar keinen ersichtlichen Grund gibt, stehen irgendwo Mauern. Weil es einfach schon immer so war und es ja außer Lehm nicht viel Baumaterialien gibt. Und da es geradezu nie regnet, konnte man diesen Baustoff verwenden und so sind die Ruinen noch gut erhalten. Nur sind die Lehmmauern heute teilweise mit Wahlwerbung beschriftet. Und man weiß nie wirklich, ob die Reste einer Mauer seit 2 oder 200 oder 2000 Jahren verfallen rumstehen! :-)

Danach sind wir in die Nachbarstadt Trujillo gefahren, da wir einiges zu Erledigen hatten. Zum einen brauchten wir rot-weiße Reflektorstreifen fürs Auto. Ist in Peru für die Rückseite Pflicht, angeblich in Argentinien noch zusätzlich vorne. Aber wie das in Südamerika so ist, man bekommt so etwas nicht an jeder Ecke, sondern es gibt einzelne Straßenzüge, dort gibt’s dann die gleichen Artikel in jedem Laden. Endlich fanden wir die entsprechende Straße in Trujillo und der Typ wollte pro Meter 15 Sol von uns. Als wir beim Nachbarn fragten, meinte er, der Meter kostet nur 10 Sol. Blöderweise war der erste Typ dann doch der einzige, der die Reflektoren hatte und die wollte er uns dann nicht mehr verkaufen – weder für den Touri-Preis und schon gar nicht normal. Super, wenn uns jetzt die Polizei angehalten hätte… Hat sie aber nicht und im Laufe des Tages konnten wir sie noch am anderen Ende der Stadt zu einem vernünftigen Preis rechtzeitig ergattern. Für unsere anderen Besorgungen mussten wir mitten ins Stadtzentrum, was sich als kompliziert herausstellte, da die Straßen um den Hauptplatz herum gesperrt waren. Ist ja eine schöne Idee, damit die Touristen gemütlicher durchs historische Zentrum mit seinen bunten Häusern und üppigen Holzbalkonen spazieren konnten, für uns war’s stressig. Aber letztendlich waren wir um eine ordentliche Straßenkarte reicher, erledigten einen Großeinkauf im Supermarkt (schließlich mussten wir uns für die nächsten Tage in den Bergen eindecken), hatten einen neuen Kopfhörer zum skypen gekauft (die Schwester des Verkäufers wohnt in Aschaffenburg – Obernau!) und wir waren beim Geldautomaten. In Peru kann man an den meisten Geldautomaten nur einen geringen Betrag abheben, den aber innerhalb desselben Vorgangs zwei Mal! Wo ist denn da die Logik, bitte? Außer natürlich, dass man zweimal Gebühren bezahlt, was ja wiederum zum Bescheißertum der Peruaner passt!

Aber jetzt sollte es endlich in die gewaltigen Berge der Cordillera Blanca gehen. Wir wollten die unfreundliche Wüste (kein Wunder, dass die Leute hier so sind), in der sogar die vereinzelten Sonnenblumen staubig waren und wo sich die Bauern mit den Ochsenkarren auf den dürren Feldern abmühten, endlich hinter uns lassen. Wir bogen bei Santa von der Küstenstraße ab, unterwegs gab’s noch eine unkomplizierte Polizeikontrolle und ab ging’s in die Berge. Wenige Kilometer weiter hielten wir an einem Wasserkraftwerk, wo wir uns vor dem Werksgelände am Straßenrand zur Übernachtung abstellten. Wir waren die Schau bei den Arbeitern, ständig standen sie ums Auto, schielten herein fragten uns aus und schauten mir beim Nudeln kochen zu. Die Wachmänner waren sehr bemüht um uns und wir verabschiedeten uns zeitig am nächsten Morgen.
Wir schafften es nicht ganz an diesem Tag in den Nationalpark Huascarán, der nach dem gleichnamigen Berg benannt ist. Aber dafür durften wir durch die absolut imposante Schlucht des Rio Santa fahren. An der Abzweigung in Chiquicara meinte zwar noch ein Peruaner die Strecke sei „horibile“, aber ein Polizist dagegen beschrieb sie als „regular“. Dem glaubten wir dann mal, denn wir hatten ja eh keine Wahl. Die Fahrt ging zuerst durch ein breites Flussbett, entsprechend schlecht war die Straße. „Keine Angst Pauli, nur noch dieses eine Mal. Ehrlich!“ Die Umgebung war trotz ununterbrochener Felsen abwechslungsreich, imposante Steinwände ragten links und rechts in die Höhe, mal schroff, mal rund, mal platt, mal überhängend. Wir kamen uns oft sehr unbedeutend klein vor angesichts der Naturgewalten, die um uns herum so selbstverständlich und majestätisch aufragten. Oftmals passierten wir Gerölllawinen, deren Abgang wir lieber nicht miterleben wollten. Die „Straße“ war parallel zum Fluss gebaut und oftmals mussten Tunnel in die massiven Berge geschlagen werden, um ein Vorankommen zu gewähren – bzw. möglicher zu machen! An diesem Tag sollten wir insgesamt 47 Tunnel durchqueren!
Und immer wieder an den entlegensten und noch so lebensfeindlichen Stellen, wo man nichts und niemanden mehr erwartet, stehen dann Menschen auf der Straße und kleine Siedlungen der Minenarbeiter am Straßenrand. Unglaublich, wer lebt hier? Und wie?!
Und genau dort schaffe ich es trotzdem, auf der Suche nach einem großen Stein, mitten in den Haufen eines vorher Suchenden zu treten. So eine Sch…!
An manchen Stellen waren die Steine so schroff, scharfkantig und aufgeschüttet, dass wir es nur durch sorgfältiges Umschichten und vorsichtiges Darüberbalancieren schafften, ohne Schnitt im Reifen diese Passagen zu überstehen. Und auch die Durchfahrt durch ein Wasserloch endete glücklicherweise trotz heftigem Schlag an der Unterseite nicht mit einem Schnitt in der Ölwanne! Die Sonne brannte vom Himmel und rang uns eine Pause ab. Und wo wir so mitten im Nichts gerade einen Kaffee trinken, kommt ein Auto vorbei, von dessen Insassen wir – natürlich – auf Deutsch angesprochen werden. Wir luden die Berliner Conny und Christian kurzerhand ein und quatschten über die Streckenverhältnisse und was uns in den Bergen so erwarten würde. Die beiden waren so begeistert von unserer Reise und dem spontanen und außergewöhnlichen Kaffeeklatsch, dass sie uns das Kartenmaterial über die Cordillera Blanca, das sich die beiden schon vorab vom Alpenverein besorgten, als Leihgabe mit auf den Weg gaben. Welch tolle Begegnung und Danke noch mal!
Kurz nach einem Bergdorf, in dem wir uns mit Früchten und Brot bei den Frauen in traditioneller Tracht eindeckten, machten wir noch mal eine Vesperpause. Hier oben gab es wieder etwas Wasser, verschiedenartige Kakteen und ein paar Mangobäume.
Wir durchfuhren den Cañon del Pato, auch Entenschlucht genannt, trafen schon wieder einen Deutschen – diesmal mit Fahrrad – und landeten nach 80km in 8 Stunden (inklusive Pausen) kurz vor der Einfahrt zum Nationalpark Huascarán. Da es bereits dämmerte und wir uns den Ausblick von der ersten Minute an gönnen wollten, hielten wir kurzerhand in einer geeigneten Straßenkurve um dort zu übernachten. Ein wunderbarer und intensiver Waldgeruch erfreute unsere vom Staub verstopften Nasen und nach einer Dusche ging’s schnell in die Koje.

Am nächsten Morgen klingelte uns der Wecker um 5.00 aus unseren Träumen. Nach langer Zeit haben wir uns mal wieder einen Wecker gestellt, um noch die sonnigen Morgenstunden in den Bergen zu erwischen. Denn langsam begann die Regenzeit und dann ziehen in den Mittagsstunden dicke Wolken in den schneebedeckten Bergen auf. Wir fuhren durch kleine Dörfer mit Steinhäusern, immer wieder erhaschten wir einen Blick auf die schneebedeckten Gipfel und trotz der frühen Morgenstunden waren schon viele Indios auf den Straßen unterwegs. Vor Allem die Frauen waren in klassischer Kleidung, die sich aus einer meist quietschbunten Strickjacke und einem weiten knielangen Faltenrock zusammensetzt. Unter diesem Rock schauen Woll- oder Fleecestrumpfhosen heraus, die Füße stecken in einfachen Halbschuhen. Auf den Köpfen balancieren kleine Melonen oder breitkrempige Hüte unter denen zwei schwarze geflochtene Zöpfe heraushängen. Schräg um die Schulter haben die Frauen bunte (meist pink) gewebte Tücher gewickelt, in denen Babys, Brennholz, Zuckerrohr und sämtliche Ein- und Verkäufe transportiert werden. Und die waren oftmals sichtbar schwer…
Wir waren richtig aufgeregt, denn bald sollten wir einem der höchsten Bergpässe Südamerikas befahren, den Portachuelo LLanganuco. Dorthin schlängelt sich eine steile Straße hinauf, die wir in einem Bildband gesehen haben und seitdem davon träumen, sie auch zu befahren.
Die Strecke wurde außer von uns lediglich von (üblicherweise Toyota-) Bußchen oder weißen Sammeltaxen (mit drei offiziellen Sitzplätzen im Kofferraum!) befahren – Peru halt. Da wir schon früh am Parkeingang ankamen, war die Schranke noch offen und wir mussten erst mal keinen Eintritt bezahlen. Den kann man hier eh nur als Tageskarte lösen, oder alternativ für einen ganzen Monat. Mal schauen, wie lange es uns hier so gefällt…
Die Wolken hingen noch tief über den schneebedeckten Bergen und Kuppen und ab und zu erhaschten wir schon einen Blick auf die weißen Spitzen dieser Andenriesen. Wir fuhren hinein ins wolkenverhangene Tal und passierten die beiden Lagunen Llanganuco, die vom Schmelzwasser gespeist werden und von steilen Bergwänden eingerahmt sind. Dann ging es hoch im „Zig-Zag“, immer weiter schlängelte sich die Straße hinauf auf sagenhaften Höhen mit traumhaften Ausblicken. Wir erreichten die Schneegrenze und kurz danach auch den höchsten Punkt dieses Passes mit 4767m. Dort ließen wir uns die grandiose Aussicht bei einem wärmenden Kaffe gefallen (bei 1° auch notwendig) bevor wir wieder die Rückfahrt antraten. Eigentlich wollten wir über die Rückseite wieder hinabfahren, und einen anderen Pass zurück nehmen (der noch höher sein sollte) aber die dichten Wolken und die miserablen Straßen ließen uns schnell dieses Vorhaben vergessen. So fuhren wir wieder die geschwungene Straße hinab, wo uns wieder die Sonne erwartete. Unterwegs begegneten uns immer wieder Sammeltaxen und kleine Bußchen und die engen Straßen erforderten es, dass wir ab und zu anhalten mussten. Einer schaffte es trotzdem nicht ganz an uns vorbei und blieb mit seiner an der linken (!?) Seite angebrachten Leiter vorne an unserem Pauli hängen. Und was macht dieser bescheuerte Peruaner? Grinst und fährt ohne Entschuldigung weiter. Waren zum Glück nur ein paar Kratzer, aber wieder ein Grund mehr, der die Peruaner nicht gerade sympathischer macht!
Auf einer Wiese vor den Lagunen war eine ausgewiesene Campingfläche und dort platzierten wir gerne im Schoße der Berge unseren Pauli. Leider machte sich die Höhe bemerkbar und es kühlte selbst bei blauem Himmel auf 13° ab. Doch wir ließen es uns den restlichen Tag noch gut gehen, spazierten ein wenig herum, was uns auch gleich trotz Cremerei einen ordentlichen Sonnenbrand einbrachte. Tja, die Sonne auf 4000m Höhe ist halt einfach eine Spur aggressiver. Ab und an kam ein Schauer vom Himmel und der kalte Wind ließ uns schnell die Winterjacken und Mützen rausholen und die meiste Zeit des Tages im Auto verbringen.
In der Nacht verhinderten Wolken und Regensschauer die Sicht auf den Vollmond und Mathias kämpfte schon mit leichten Kopfschmerzen, den ersten Anzeichen von Höhenunverträglichkeit.
So schön es dort oben war und wie atemberaubend die Berge der Cordillera Blanca auch waren, aber das unstete Wetter und Mathias anhaltende Kopfschmerzen luden uns nicht zum Bleiben ein. Wir hatten zwar dank des tollen Kartenmaterials schon eine Wanderroute zu anderen Lagunen für den nächsten Tag ausgesucht, aber das ganze ließen wir dann sein.
Wir fuhren wieder aus dem Park raus, gönnten uns noch einen Kaffee am Ufer der Lagunen mit ihrem türkis milchigen Wasser und fuhren durch die Wolkendecke wieder die Serpentinen herunter, vorbei an den kleinen Häusern, vor denen sich Hunde wie Esel tummelten, und den grünen Feldern, auf denen sich Frauen wie Männer mit Mais- und Kartoffelanbau abrackerten.
Im Tal war es glücklicherweise wieder wärmer, das Ziehen im Kopf nahm ebenso wie die grüne Umgebung ab. Wir fuhren in die „Hauptstadt“ nach Huaraz auf 3090m, das sich als viel größer entpuppte als gedacht. Dort machten wir uns auf die Suche nach dem Hotel „Club Andino“, ein chices Hotel unter schweizer Leitung, das uns andere Reisende empfohlen hatten. Das Hotel war sicherlich die beste Adresse am Platz und sie boten Autoreisenden an, sich im Hof auszubreiten. Es gab heiße Duschen, wir hatten unsere Ruhe, Strom im Auto, ein Sonnen- bzw. Regendach und im Hotelfoyer gab’s Internet für umme. Was will man mehr?
Dort haben wir uns dann für drei Nächte einquartiert. Jeden Morgen hatten wir einen sagenhaften Ausblick auf die schneebedeckten Berge, bis sie sich im Laufe des Vormittags zugezogen hatten. Samstags war großer Markt in der Stadt und über viele Blocks hinweg saßen die Indiofrauen mit ihren Waren auf dem Boden. Haufenweise Obst und Gemüse zu günstigen Preisen wurden zwischen Fleischbergen und kopflosen Hühnern angeboten. Wir wurstelten uns durch das farbenfrohe Gewirr, schauten in kleine Lädchen und ließen diese so andere Welt genussvoll auf uns wirken. Zum Abschluss ließen wir uns mit einer Mopedrikscha zum Hotel zurückfahren. Das gehört zu einem Peruaufenthalt einfach dazu, aber unser Hotel lag ziemlich am Berg oben und da hatte der kleine Mopedmotor mächtig zu schaffen. :-)
Am letzten Abend gönnten wir uns den Luxus, im Hotelrestaurant Essen zu gehen. Seit meinen Magenproblemen kochten wir immer selbst, auf Restaurants hatte ich keine große Lust mehr, aber in diesem ordentlichen Hotel und mit der Aussicht auf Sauerbraten ließ ich mich gerne darauf ein. So ließen wir uns ordentlich verwöhnen, ein Holzofen schaffte gemütliche Wärme und der Braten schmeckte sehr nach Heimat. Fast ein Grund, noch eine Nacht zu bleiben…

Am nächsten Morgen hieß es diese „Insel“ wieder zu verlassen. Im Ort gab es gerade nach typischer südamerikanischer Manier eine Parade und in den Wechselstuben wollten sie unsere (in Ecuador aus dem Geldautomaten gezogenen) Dollar nicht annehmen.
Unterwegs wollten wir eigentlich noch einen Abstecher zu den bekannten Riesenbromelien machen, aber die schlechte Strecke schreckte uns ab, wären ja eh „nur“ ein paar Blumen, die bis zu 10m hohe Blüten bekommen. Aber nichts mehr sollte so wichtig sein, dass wir uns und dem Auto noch mal solch schlechte Strecken zumuten – wenn´s nicht unbedingt sein muss!
Schnell erreichten wir wieder Höhen von 4000m, da merkt man halt, dass wir in den Anden sind. Wir waren in einem weiten Tal mit unendlicher Weite und goldgelben Gräsern auf denen zufrieden Schafe grasten, im Hintergrund hingen beeindruckend die Wolken in den Schneeriesen und wären wir nicht auf solchen Höhen gewesen, hätten wir uns hier einen Schlafplatz gesucht. So kauften wir uns wenigstens frischen Käse und Brot bei den Bauern.
Als es wieder in tiefere Gefilde ging, passierten wir wieder schroffe und felsige Landschaften. Das Leben hier oben ist einfach hart und arm, mit Steinen werden die Wellblechdächer auf den Häusern beschwert, die Lehm- und Steinhütten sind kaum von ihrer Umgebung auseinander zu halten, die pinkfarbenen Pullover der hübschen Frauen bringen die einzige Farbe ins Bild. Die Flüsse führen kaum oder kein Wasser, teilweise werden die Felder direkt ins trockene Flussbett verlegt.
In dieser Gegend gab es sonntags ungewohnt viele Polizeikontrollen. Plötzlich stören sich die Polizisten an unseren getönten Scheiben und wollten die Erlaubnis dafür sehen. Wissen die nicht, dass so was bei uns gar nicht läuft? Wieder mal kamen wir überzeugend aus dieser Situation heraus, bei uns gibt’s eben kein Schmiergeld, schon gar nicht, wenn wir nichts falsch machen!
Bereits um 17.00 waren wir an einer größeren Tankstelle, an der wir bleiben wollten. Doch kaum stiegen wir aus dem Auto aus, stach uns wiedermal ein widerlicher Uringeruch in die Nase – nix wie weg hier! Dafür landeten wir an einer kleineren Station, wo es sogar einen 24h Kiosk gab. Genau das richtige für uns. Als der 13-jährige Kiosksohn jedoch mitbekam, dass wir an der Tankstelle übernachten wollten, klopfte er uns raus und wollte ein Trinkgeld fürs Aufpassen. Wird ja immer besser, jetzt wollen die schon was, bevor sie was gemacht haben! Und vor der Türe stand die Polizei, die uns noch ermunterte hier zu bleiben, da sie die ganze Nacht Straßenkontrollen durchführen würden. Peruaner halt!
Am Abend kehrten wir dennoch im Kiosk ein, es gab unser Lieblingsbier Brahma, wir saßen ungeachtet der Kälte in der einfachen Freiluftbar und spielten Rummy (das war vorübergehend nicht mehr in der „Die-Spiele-spielen-wir-nicht-mehr-Kiste“). Als es dann ans Bezahlen ging wurde es richtig lustig. Auf einem Plakat war groß der Preis angekündigt, die Tante wollte aber 20 % mehr!? Auf unsere Frage hin, warum denn nicht der handgeschriebene Preis gültig sei, erwiderte sie dreist, der sei nur im (500km entfernten!!!!) Lima gültig. Aber mit so was wie uns hatte sie nicht gerechnet, noch dazu hatten wir nicht nur ein Bier getrunken, also schmetterten wir los. Die Leute am Nachbartisch schauten bereits mit großen Augen herüber und letztendlich bezahlten wir doch nur den normalen Preis. Wäre ja gelacht, aber die Peruaner denken wirklich die „Gringos“ sind wandelnde Geldautomaten! Sie scheinen damit wohl auch noch Erfolg zu haben! :-( Unglaublich! Wir sind wirklich im Land der Bescheißer gelandet, jeder versucht es, hemmungslos mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Scheinbar haben sie hier sonst keine Hobbys!?
Wir waren kurz davor das Land direkt zu verlassen, wir hatten keine Lust mehr auf diese Dreistigkeiten, darauf, immer im Voraus jeden Preis abzuklären und trotzdem immer das Gefühl zu haben, hintergangen zu werden. Dafür waren wir schon zu lange unterwegs, so schön kann es in einem Land gar nicht sein, dass man so etwas gerne mitmacht! Für uns ist ein Land halt erst dann schön, wenn alles stimmt. Wir sehen ein Land als Ganzes und uns reicht es nicht, wenn ein Teil der Natur schön ist! Jetzt waren wir schon 18 Tage in Peru und haben noch keinen Peruaner kennen gelernt – das hat wohl auch seinen Grund! Natürlich liegt das auch daran, dass wir nicht ausgehen (aus Gründen, die auch nicht für Land und Leute sprechen), und wenn, dann passiert so was! Peru war an diesem Abend für uns gestorben, es gab noch zwei oder drei Punkte, wo wir hinwollten (besser gesagt ich, Mathias wäre sofort rausgefahren), aber viel entdecken wollten wir hier nicht mehr.

Immerhin wurden wir am nächsten Tag wieder ein bisschen versöhnt. Ungefähr 150km vor Lima gibt es das Reserva National „Lomas de Lachay“, im Reiseführer angekündigt mit den Worten: „Die Wüste lebt“. Das konnten wir uns angesichts der trostlosen Landschaft natürlich schwer vorstellen und erwarteten wenig. Einige Kilometer vorher konnten wir am Straßenrand schon ein paar wenige Blümchen sehen, das gab Hoffnung auf mehr. Die Abfahrt verfehlten wir erstmal, da wir nicht glauben konnten, dass die Abzweigung auf der Autobahn nach links quer über die Spuren führt. Und endlich dort angekommen erwartete uns ein unglaubliches Bild. Entgegen der vorgestellten blühenden Kakteen lag vor uns ein riesiger saftig grüner Pflanzenteppich. Bunte Blüten in gelb und lila ragten heraus und das lange nicht mehr gehörte Vogelgezwitscher und Bienensummen erfreute unsere Ohren. Unglaublich. Und das alles wächst nur durch den Küstennebel auf ein paar Kilometern Breite. Und wir waren genau zur richtigen Jahreszeit hier, denn wir erwischten die letzten Tage dieser 5 Monate, kurz später wäre es wieder grau-braun wie die restliche Umgebung gewesen. Wir fuhren in den Park hinein, der an diesem Tag eigentlich geschlossen hatte. Aber ein Ranger entdeckte uns, kassierte das Eintrittsgeld und ließ uns gewähren und wir konnten als Einzige diese Idylle genießen.
Was für ein Anblick, unsere entwöhnten Augen genossen es in das saftige Grün einzutauchen. Sofort entschieden wir uns, die Nacht hier zu verbringen. Im ganzen Park waren Wanderwege angebracht, auf denen wir uns zu einer ausführlichen Begehung hingaben. Teilweise liefen wir auf dem Grat entlang, von dem aus man nach rechts diesen herrlichen Blick auf die blühende Pflanzenwelt hatte und nach links wieder die altbekannten sandigen und felsigen Berge. Einige Bäume ragten dazwischen heraus und wir streiften durch die kniehohen Gewächse. Was für ein krasser Unterschied – und wie schöööön! Das war absolut notwendig, nicht nur fürs Auge, sondern vor Allem für unsere Nerven!
Am nächsten Morgen herrschte dichter Nebel und wir konnten uns vorstellen, woher die Pflanzen die benötigte Feuchtigkeit nehmen. Doch dann hieß es für uns wieder Wüste pur, wir fuhren nach Lima – im Reiseführer wenig einladend als Wüstenmoloch bezeichnet. Die Vororte sind grauenhaft, kleine Hütten stehen auf parzellierten Geländen, es gibt weder Strom noch Wasser. Die Hütten haben natürlich keine Toiletten, es gibt entweder gemeinschaftliche Klohäuschen oder man pinkelt eben dahin, wo man gerade ist, wenn man muss. Da es nie regnet kann man sich die Gerüche lebhaft vorstellen, die hier herrschen und das ist im ganzen Land selten anders!

Auf der Stadtautobahn in Lima, die Panamerikana zieht sich über 65km durch diese Millionenstadt, mussten wir zum ersten Mal Maut bezahlen. In Peru bezahlt man nur im Stadtbereich Lima und wenn man von Lima wegfährt. In Richtung Lima bezahlt man nichts.
Wir hatten an diesem Tag die 60.000km voll gemacht und ließen uns per GPS-Gerät durch die Stadt lotsen, denn wieder mal hatten wir die Daten für den nächsten Übernachtungsplatz von anderen Reisenden bekommen. Einerseits ist es sehr angenehm so zu reisen, denn manche Orte würde man ohne Tipps verpassen, andererseits ist es so aber schon fast zu einfach zu reisen, denn man weiß immer, wo man für die Nacht landen wird. Wenig Stress und wenig Abenteuer. Unser Ziel hieß „Club Germania“ und ist ein Club für gut Situierte, die inmitten dieser Metropole ihren Hobbys frönen möchten. Dazu muss man nicht direkt mit Deutschland verbunden sein, das Interesse genügt schon.
Dort wird deutschsprachigen Reisenden mit eigenem Fahrzeug angeboten, sich im Gelände abzustellen, man bekommt Strom, kann duschen und die Anlage nutzen. Die beinhaltet ein beheiztes Schwimmbad, Tennisplätze, Fußballplatz, Gymnastikraum, kabellose Internetverbindung, Waschmaschine… Nebenbei gibt es ein Restaurant mit deutschen Spezialitäten und Erdinger Weißbier – das Bierfest hatten wir um zwei Tage verpasst. Barbara von Hauff, die Verwalterin des Clubs, nahm uns liebevoll auf und wir fühlten uns vom ersten Moment an heimisch. Wieder mal sind wir auf einer „deutschen Insel“ gelandet, scheinbar die einzigen Orte Perus, an denen wir uns wohl fühlen …

Hier kannst du weiterlesen: 33. Lima – Cusco – Titicacasee: Vom Wüstenmoloch ins Altiplano