30. Medellin – Ecuador

30. Kolumbien – Ein Land zieht uns in seinen Bann 

La Pintada (20.08.) – Manizales (24.08.) – PN Los Nevados / Vulkan El Ruiz (25.08.) – Santa Rosa de Cabal (25.08.) – Pereira (26.08.) – Boquía / Salento (27.08.) – Cali (01.09.) – Valle de Cocora (02.09.) – Boquía (03.09.) – San Andres de Pisimbalá / Tierradentro (15.09.) – San Augustín (18.09.) – Popayan (21.09.) – Pasto (22.09.) – Las Lajas (23.09.) 

Unser nächstes Ziel hieß La Pintada, von wo wir wussten, dass es sogar zwei Campingplätze geben sollte. Doch bevor wir dort ankamen, mussten wir erst mal eine erzwungene Pause einlegen, da ein Lkw in einer Kurve die Böschung hinab gefahren ist. Die Rettungsaktion dauerte lange und war letztendlich nicht effektiv. Wir unterhielten uns unterdessen mit einem Deutschen (die sind ja wirklich überall!), kauften den Obststand leer (der machte durch diesen Unfall das Geschäft seines Lebens) und unverrichteter Dinge wurde die Straße nach zwei Stunden wieder freigegeben.

In die üppig grüne Natur eingebettet lag der kleine Touristenort La Pintada. Wir mieteten uns in einem Hotel ein, wo auch Camping angeboten wurde. Wir parkten unser Auto in der Nähe des Pools, der noch gut besucht war, da wir an einem Feiertag eintrudelten (der war eigentlich schon letzten Mittwoch aber die Kolumbianer verlegen diese Tage gerne auf den nächsten Montag) und die Gäste für gewöhnlich bis zum Abend bleiben. Aber die restlichen Tage hatten wir ihn für uns alleine. Noch dazu gab es einen kleinen Pavillon, wo wir Tisch und Stühle aufbauten, vor der oft sengenden Sonne (bis 34°) geschützt waren und uns richtig heimisch fühlten. Das Hotel lag an einem Hang, immer wieder liefen die Kühe vor dem Auto herum und tranken auch mal aus dem Pool, die Sonne verwöhnte uns und wir genossen die Tage dort.

Im Ort gab es eigentlich nichts besonderes, ein paar Touristen fanden sich dort ein aber nach besagtem Feiertag wurde es auch dort sehr ruhig. Das Internet war eher langsam, aber es gab eh pro „Shop“ nur eine Maschine. Und in den paar Restaurants und dürftigen Lebensmittellädchen stillten wir unseren Hunger. Aber das brauchten wir nicht unbedingt, sowohl in unserem Hotel, als auch gegenüber gab es wie fast überall im Land das „menú del día“, will heißen ein Teller mit Reis, manchmal zusätzlich Pommes, Patacones (Backbananen) oder Nudeln, dazu natürlich langweilige Bohnen und etwas Salat. Und wahlweise Schwein, Rind oder Hühnchen. Dazu gibt’s oft noch eine süße Limo oder einen Saft und einen Teller Suppe (Kolumbien ist ein absolutes Suppenland), das ganze für gut 2€. Was will man mehr?

Wir verbrachten viel Zeit im Pool – wo wir das Beachball-Spiel in abgewandelter Form perfektionierten. Bei Sonnenschein und mit wunderbarem Blick auf die Berge macht das doppelt Spaß.

Neben dem Restaurant gab es noch eine kleine Bar, deren Barfrau wir in diesen Tagen auch besser kennen lernten. Mit ihr tauschten wir ein wenig Musik, wir haben jetzt kolumbianischen Schnulz, sie eine CD mit deutscher Musik. Sie konnte es sich natürlich auch nicht entgehen lassen, mal unser ungewöhnliches Fahrzeug zu betrachten. „Casa Rodante“ sind ja in Kolumbien sehr ungewöhnlich, aber alle bestaunen dann mit Begeisterung unser Gefährt, wenn wir auch nur ein „Cama Rodante (rollendes Bett)“ vorführen können. Wir wunderten uns dagegen über die Frauennamen in Kolumbien, die Männer heißen ganz „normal“ Jose oder Juan, die Mädels dagegen Astrid, Karin, Erika oder Beatrice. Das ist ja wie daheim!

An einem Nachmittag zog sich der Himmel in Windeseile zu uns es brach ein kurzer aber heftiger Gewitterschauer über uns herein. Das Spektakel dauerte zwar lediglich 5 Minuten, es hatte aber gereicht, um den gesamten Platz unter Wasser zu setzen, die Zelte fast alle zum Einstürzen zu bringen, einen fetten Ast auf unser Autodach krachen zu lassen (schnell umgeparkt!) und Stühle, Schilder und sämtliche Kleinteile durch die Gegend zu wirbeln und überall zu verteilen. Kaum hörte der Regen auf kamen alle Hotelangestellten herbei, um den Schaden zu begutachten.

Wo wir so herumstanden und unsere Sachen zusammensuchten, wurden wir schon wieder auf Deutsch angesprochen. Das gibt es gar nicht, wenn es sich mal nicht um deutsche oder schweizer Reisende handelt, dann sprechen die Leute immerhin deutsch. Paul entpuppte sich als in Holland geborener Kanadier, doch wir schwenkten dann doch auf Englisch um. War für uns das erste Mal seit Langem, dass wir uns mal wieder auf Englisch unterhielten. Paul war mit seinem Fahrrad unterwegs, schon seit Kanada und immer weiter südwärts bis nach Feuerland. Doch dazu muss er sich wohl ein neues Fahrrad besorgen, denn seit sein Drahtesel von einem LKW platt gemacht wurde, hatte er sich mit einem nicht besonders geeignetem Modell auf die Reise gemacht und war nicht sehr glücklich damit. Entsprechend genervt war er über den Regenschauer, aber nach einem heißen Tinto (schwarzer Kaffee) war er wieder besserer Laune. Er baute sein Zelt (Marke Eigenbau) bei uns unter dem Pavillon auf und wir plauderten entspannt den Abend über.

Am nächsten Morgen war für alle die Abreise angesagt. Ich wollte eigentlich meinen Reisebericht dort fertig schreiben, aber wir haben halt einfach keine Zeit! ;-) Aber ehrlich, die Tage vergehen immer rasend schnell. Immerhin schafften wir es die letzten Bilder für die Homepage auszusuchen, der Bericht musste noch ein wenig warten.

Und wieder waren wir gerade auf der Straße, lag vor uns ein LKW umgekippt auf der Straße. Als wir an der Straße warten mussten, fiel mir ein Arm auf, der aus dem Lkw vor uns hing. Da hatte sich tatsächlich ein blinder Passagier eingeschlichen und der hing jetzt – und sicher für die nächsten Stunden – unter dem Aufbau. Unglaublich! Und da größere Gefährte nicht passieren konnten, sollte das für ihn ein langer unbequemer Tag werden, wir hatten Glück und konnten uns gerade so vorbeidrängen.

In Manizales wurde es dann merklich kühler, wir kamen halt langsam wieder in die Höhen der Kordilleren. Dort suchten wir uns den Weg durch die quirlige Stadt, im Zentrum sahen wir zum ersten Mal neben dem Marktplatz die Parkplätze der wartenden Willys. Denn überall, wo keine Busse oder Chivas mehr hinfahren (können), dorthin fahren die Jeeps die bis unters und auch übers Dach mit Mensch und Gepäck beladen sind. Wir suchten uns ein schnelles Internet in einem Shoppingcenter um unsere Bilder online zu stellen. Auf der Suche nach dem Laden wurden wir wieder mal persönlich vom Wachmann dorthin begleitet. Im Parkhaus wurden wir von einem überschwänglichen Mann angesprochen, der uns nach kurzen Smalltalk und „woher/wohin“ sogleich mit Broschüren über den Nationalpark Los Nevados ausstattete. Als wir im Obergeschoss etwas essen wollten sprang ein Mann neben mir auf und forderte uns auf, uns zu sich und seinen Freunden an den Tisch zu setzen. Die Kolumbianer sind schon erstaunlich…

Wir deckten uns im Supermarkt mit Lebensmitteln ein, da wir die nächsten Tage in besagtem Park am Fuße des Vulkans Ruiz verbringen wollten. Wir fuhren bei einsetzender Dunkelheit aus der Stadt und suchten uns eine Tankstelle, wo wir auf 2000m unser Nachtlager errichteten.

Der nächste Tag begann schon verregnet und es wurde auch nicht besser, als wir die kurvige Strecke zum Nationalpark Los Nevados stetig bergauf fuhren. Der dichte Nebel tauchte die Landschaft in eine mystische Stimmung, irgendwo unterwegs hielten wir zu einer Kaffeepause am Straßenrand. Die Straße war natürlich relativ schlecht und steinig, wie man es in den hohen Kordilleren nicht anders erwarten könnte. Wir waren bereits im Páramo auf 4200 m Höhe angelangt, um uns überall die typischen, an kleine Palmen erinnernde Frailejones, da erreichten wir den Parkeingang. Wir waren schon voller Vorfreude, da im kolumbianischen Straßenführer die folgende Strecke als dritthöchste befahrbare Straße auf 5150m beschrieben war. Dort konnte man dann das Auto parken und die restlichen ca. 100 Höhenmeter zum Krater des Vulkans Ruiz aufsteigen.

Unser Pauli quälte sich tapfer die Wege hinauf. Seit wir in Mérida in höheren Gefilden unterwegs waren, qualmt es vermehrt aus dem Auspuff und er verbraucht mehr als das Doppelte an Öl. Aber ansonsten lassen sich keine Schwächeerscheinungen ausmachen. Schonen wollten wir ihn die letzten Monate trotzdem ein wenig, wir wollen ja schließlich auch noch die letzte Etappe gemeinsam meistern.

Am Parkeingang erhielten wir die Informationen, dass es weiter oben bereits schneie, woraufhin wir schnell in den Park fahren wollten. Es gab im NP auch zwei Campingplätze – davon immerhin einer mit heißem Wasser! – aber als wir dann reinfahren wollten, gab es zwei Überraschungen! Dass wir drei Mal so viel wie Einheimische bezahlen, wissen wir ja schon. Aber als man dann statt der groß ausgeschriebenen (und im aktuellen Reiseführer Kolumbiens erwähnten) 10 € plötzlich 16 € pro Person von uns verlangte, das war schon der Hammer. Dafür wäre unter anderem aber auch ein Führer im Aufpreis inbegriffen, den wir im Auto mit in den Park hätten nehmen müssen! Und wie soll das gehen, wir haben für den ja keinen Platz. Und schläft der dann mit uns auf dem Camping, oder was? Uns war das schon wieder zu blöd, Landkarten gab’s natürlich auch wieder mal keine, also kehrten wir übellaunig um! 

Unterwegs ging eine Abzweigung zu einem Hotel, das mit Thermalbädern warb. Also sind wir da mal abgefahren und haben uns das angeschaut. Aber die Baños bestanden aus einem einzigen Pool, der lag in einem engen Hotelhof, es stank fürchterlich nach Schwefel und der Eintritt war mit 4€ reichlich überteuert. (Wenn jetzt jemand denkt, wir sind die totalen Geizkrägen, dann soll er mal für längere Zeit in ein anderes Land reisen. Wir rechnen ja nicht immer um, was es in Euro kosten würde, sondern man bekommt mit der Zeit ja ein Gefühl dafür was etwas in einem Land kosten darf. Dass es in Südamerika natürlich billiger ist, als in Europa ist auch klar, wir könnten solch eine Reise ja auch nicht in Europa machen. Abgesehen davon hätte ich in Deutschland für dieses wenig einladende Becken auch bestimmt keine 4€ bezahlt!)

Da wir ungern eine Strecke doppelt fahren erkundigten wir uns über den Zustand der alternativen Strecke zurück nach Manizales. Die Strecke wurde uns als ähnlich beschrieben wie die, die wir nach oben nahmen, nur etwas „malito“ (bisschen schlecht) und wesentlich kürzer. Also los, immer bergab, aber schon bald fluchten wir über die Strecke, die uns eher an ein Flussbett als an eine normale Straße erinnerte! Steine, Löcher, auf einem Kamel reitet es sich wahrscheinlich bequemer, es war einfach der Horror!

Endlich erreichten wir die kleine geschäftige Stadt Santa Rosa de Cabal, wo es ein paar Kilometer außerhalb sehr schöne Thermen geben sollte. Aber so einfach ging es nicht, die Strecke war zwar mit unzähligen und überdimensionalen Schildern ausgewiesen, aber das machte die Straße nicht unbedingt besser. Endlich erreichten wir den Parkplatz und wurden wieder mal von höheren Eintrittspreisen überrascht, aber daran gewöhnten wir uns schon langsam. Dann jedoch entdeckten wir, dass es in der Nähe noch andere Thermen gab. Jetzt verstanden wir auch die übertrieben Ausschilderung, da hier böser Konkurrenzkampf zwischen den Thermen „Santa Rosa de Cabal“ und „San Vicente“ herrscht. Die Thermen „San Vicente“ waren mehr eine Art Erlebnisbad, wir landeten bei denen mit dem traumhaften Wasserfall. Wir entschlossen uns, hier zu bleiben, aber da es schon spät war, erst am nächsten Tag einen Badetag einzulegen. Die Nacht wollten wir auf dem Parkplatz verbringen, doch das wurde uns nicht erlaubt. Also stellten wir uns ein paar Meter weiter auf eine freie Fläche, doch mitten in der Nacht wurden wir auch dort von den Parkplatzwärtern aufgefordert, uns doch bitte weiter weg zu parken!? Glücklicherweise fanden wir dann einen Parkplatz vor ein paar Cabañas, wo wir die restlichen Nachtstunden unbehelligt verbringen konnten.

Am nächsten Tag wurden wir auch wieder von Dauernieselregen empfangen, aber immerhin waren es 20° und die Aussicht auf warme Thermen ließ uns das unschöne Wetter vergessen. Nach einem wärmenden Kaffee ging’s bereits um 9.00 ins Bad, die 6 € Eintritt hatten wir schnell vergessen. Die Anlage war einfach super schön angelegt, das Wasser plätscherte in terrassenartigen runden Becken langsam an uns vorbei. Wir waren mitten in üppiger Natur und an den Thermen angelangt, erwartete uns ein herrlicher Anblick. Der Wasserfall schmiegte sich wie in sechs Fingern den Berg hinab, davor ein natürliches Kaltwasserbecken, im Fluss konnte man Wassertreten à la Kneipp und die saftig grüne Wiese trennte das Naturschauspiel von den angelegten Thermalbecken mit heißem Wasser. Wirklich sehr schön, hier lässt es sich aushalten und selbst der amtierende Präsident fand schon mal den Weg hierher.

Wir planschten lange im warmen Wasser vor uns hin und da Sonntag war, war die Anlage relativ voll. Auch in Kolumbien scheint es normal zu sein, in kompletter Montur baden zu gehen, und obwohl extra bereits am Eingang entsprechende Hinweisschilder angebracht waren, hinderte das niemanden daran, sich in Shirt und Hose im Pool zu aalen. Als wir erst mal genug vom Badespaß hatten, zogen wir uns um, um ein bisschen in den Korbsesseln des Foyers zu lesen und zu ruhen. Langsam überkam uns der kleine Hunger, und wir bestellten uns zwei Hamburger. Aber diese Mikrowellendinger waren wirklich eine Schande, nie wieder Burger im Schwimmbad! Aber wir dachten in so einem Luxusbad müsste auch ein Burger gut sein!

Als wir uns später wieder in die Bassins begaben war ich etwas verdutzt, als mein Nachbarin gerade mitten im Becken die Fußnägel ihres Mannes schnitt – und die Hornteile ungeniert ins Wasser plumpsen ließ! Und auf der anderen Seite raspelte sich gerade ein anderes Paar gegenseitig die Hornhaut von den Füßen. Igitt! Die haben wohl das Wort „Bad“ etwas falsch verstanden!?

Als ich dann aus dem Wasser wollte suchte ich vergeblich meine Badeschlappen, die ich kurz darauf neben der Tasche einer blondierten und überschminkten Dame wieder fand. Diese meckerte dann noch etwas rum, meinte die würden ihr ja eh nicht passen! Wo gibt’s denn so was?

Jetzt reichte es mir endgültig, ich verzichtete darauf, die Anlage bei nächtlicher Beleuchtung zu sehen – wir gingen. In der Umkleide suchte ich vergeblich eine Dusche, endlich fand ich (für alle Badegäste gemeinsam) drei Duschen, Vorhang Fehlanzeige, warmes Wasser erst recht, und so duschten wir uns (als Einzige dort!) mit 10° kaltem Wasser unter den Blicken der an der Garderobe wartenden Gäste! Unglaublich! Vielleicht hätten wir die Thermen nicht gerade an einem Sonntag besuchen sollen, aber hinterher ist man ja immer schlauer…

Immerhin entschädigte uns die schöne Fahrt durch üppige Kaffeeplantagen nach Marsella wieder etwas. Dort empfing uns ein netter kolumbianischer Kolonialort mit großer Kirche.

In der näheren Umgebung von Pereira fanden wir dann wieder eine große Tankstelle, an der wir übernachten wollten. Das dazugehörige Hotel war aber noch nicht in Betrieb. Wir fragten die Sicherheitsmänner ob wir hier bleiben könnten und sie bemühten sich gleich herzlich darum, mit uns einen Stellplatz auszusuchen und bombardierten uns mit Fragen. Wir merkten bereits oft, dass die Leute in Kolumbien einfach sehr schlau und gebildet sind und immer recht interessiert und wissbegierig. (Vielleicht empfinden wir das nach Venezuela auch stärker so?) Einer der Wachmänner verabschiedete sich in seinen Feierabend, der andere wich uns nicht mehr von der Seite. Wir packten erst mal unsere Esssachen aus und fingen an, mitten an der Tankstelle ein paar Eier zu brutzeln. Das hatte der zahnspangige Wachmann auch noch nicht erlebt und er freute sich natürlich tierisch, als wir ihn einluden, mitzuessen. Mathias verabschiedete sich bald in die Koje, ich unterhielt mich noch länger mit unserem Wächter Gil und erfuhr dabei viel Wissenswertes über Land und Leute.

Als wir am nächsten Morgen aus dem Auto krochen und uns fertig machten, war unser Gil leider schon weg. Aber scheinbar hatte er an der Tankstelle schon von uns erzählt, denn kaum war die Türe offen, kam eine junge Frau aus dem Büro rüber, hieß uns herzlich willkommen und brachte uns heiße Schokolade.

Doch so schön der Tag auch begann, er sollte später noch reichlich an unseren Nerven zerren. Wir wollten uns ein weiteres Mal in den NP Los Nevados vorwagen, wir mussten „nur“ die richtige Abzweigung aus der 350.000 Einwohnerstadt finden. Wir hatten zwar eine Straßenkarte, aber auf der hatte ich nur den groben Überblick über die Stadt. Wieder mal fuhr Mathias, ich suchte mich durch den Stadtplan, was wie immer nicht ganz harmonisch bei uns ablief. Nach langem Hin und Her hatten wir endlich den richtigen Weg aus der Stadt gefunden, aber mittlerweile hatten wir schon gar keine richtige Lust mehr, dorthin zu fahren. Kurzentschlossen ließen wir das und kehrten dafür bei dem großen Carrefour in der Nähe ein.

Da wir es lieben in großen Supermärkten einzukaufen und sämtliche Gänge zu erkunden, (Mathias finde ich dann immer beim Alkohol, er mich bei den Kosmetika :-) ) fanden wir erst Stunden später den Weg heraus und gut gelaunt entschlossen wir uns, doch noch mal den Park in Angriff zu nehmen. Die Ausfahrtsstraße kannten wir ja schon, immer dem Fluss entlang, aus dem fleißige Männer Kies und Steine in allen erdenklichen Größen aus dem Wasser schaufelten. Die Steine wurden dann am Straßenrand aufgetürmt und direkt zum Kauf angeboten.

Die Straße wurde schnell wieder schlecht und immer schlechter, bald erreichten wir eine Schranke, von wo aus es nur noch 5 km zum Besucherzentrum sein sollten. Doch die Strecke zog sich hin wie Kaugummi, der Feldweg war übersäht von Steinen und Löchern, mehrmals wollten wir umkehren, aber so kurz vor dem Ziel aufgeben? Endlich ereichten wir besagtes Haus, von wo aus zwar ein Eingang zum Park bestand, aber Campen war leider verboten. Wir überredeten den netten Mann nach dieser anstrengenden Strecke, ob wir nicht einfach nur im weitläufigen Garten „stehen“ könnten, um von dort aus ein bisschen durch die schöne Natur zu wandern. Dazu ließ er sich dann breitschlagen, aber wir müssten natürlich eine Eintrittsgebühr entrichten. Das sollte uns nur recht sein, wir wussten ja aus unserem schlauen und informativen Straßen-Reisebuch („Guias de Rutas en Colombia“, 13.000 Pesos), dass es sich um ca. 4,50 € handelte. Aber wieder mal weit gefehlt, Uribes Tourismuspolitik besteht wohl darin, Ausländer auszunehmen wie eine Weihnachtsgans, in diesem Jahr hat sich der Eintritt auch hier fast verdoppelt! Und das obwohl er ja eigentlich pro Tourismus ist und viel dafür tut, dass sein Land auch diesbezüglich sicherer wird. Aber wenn das so weiter geht, kann es sich Touris abschminken, wenn man schon solche schlechten Waldwege hinter sich bringt, dann hat man bestimmt keine Lust mehr, sich dafür noch ausnehmen zu lassen! Uns ging es jedenfalls so, fassungslos und schlecht gelaunt kehrten wir um. Aber wir mussten ja abermals diese unglaublich besch… Strecke bewältigen. Fluchend fuhren wir Zentimeter um Zentimeter, Stein um Stein, und es blieb ärgerlicherweise nicht aus, dass wir das ein oder andere Mal aufsetzten. Das durfte uns auf keinen Fall passieren, dass wir uns jetzt noch die Ölwanne aufschlitzen oder sonst was kaputt geht. Was müssen wir auch jede Strecke fahren, wir hatten beide einen ordentlichen Hals, fluchten lautstark vor uns hin und in diesem Moment erlosch unsere frische Liebe zu Kolumbien fast vollständig!

Als wir endlich wieder in Pereira ankamen fuhren wir abermals in den Carrefour, aber im Restaurant gab es nicht mal was gescheites Essen. Zur Nervenberuhigung tat es erst mal auch ein klebriger Puddingkuchen, den wir noch in der Tiefgarage vertilgten. Danach quälten wir uns wieder aus der schlecht ausgeschilderten Stadt heraus und erreichten endlich die „Autopista del Café“. Von der gut ausgebauten Autobahn nahmen wir die Abzweigung nach Salento, da wir die Info hatten, dass sich hier in der Nähe in Boquía ein Campingplatz befinden sollte. Aber unsere Info war etwas ungenau, wir wussten nicht genau ob Boquía auf dieser Strecke lag, ich wollte schon wieder umkehren. Mathias meinte nur: „Was soll heute schon noch kommen?“ und wir fuhren weiter. Und plötzlich tauchte über uns das Ortsschild „Boquía“ auf – das Einzige seit langem – und wenige Meter später „Camping“. Unglaublich. Entnervt stiegen wir aus dem Auto, wir wollten nur schnell wissen, was die Nacht kosten soll und ob wir nicht gleich wieder weiter fahren. Aber der quirlige Besitzer quasselte uns zu wie schön es hier sei, was es alles gäbe und zeigte uns erst mal die ganze Anlage, ehe er zum Punkt kam. Als er endlich mit der Sprache herausrückte waren wir entzückt über den fairen Preis von 7€ / Nacht auf dem super ausgestatteten Platz.

Die Anlage war wirklich der Hammer, neben schön bepflanzten Parzellen mit Planen, Bänken und Feuerstellen, bot er „Habitaciones exoticos“ an. Da hatte man die Auswahl zwischen Dschungelcamp, Wohnwagen oder Wasserbett. Alles bis ins Detail mit Accessoires dekoriert und jede Unterkunft ein Unikat. Und das „Hippie Hilton“ ist in Planung. Kein Wunder, dass er dafür einen Preis gewonnen hatte, die Verleihung sollte am selben Abend in Armenia stattfinden. Jorge war uns auf seine verrückte Art gleich sympathisch, er verabschiedete sich schnell und wir errichteten unser Lager. Hier wollten wir die nächsten Tage verbringen und ziemlich schnell waren wir wieder mit Kolumbien versöhnt.

Am nächsten Morgen stand Jorge mit ausgebreiteten Armen bei uns am Platz, sein mit Pulli und Weste eingepacktes kleines Hündchen „Godzi“ (von Godzilla! :-) ) bildete die Vorhut. Obwohl es sich mehr um eine kleine Ratte handelte, war uns der nicht weniger aufgedrehte Frecker genauso sympathisch wie sein Herrchen, der ihn ununterbrochen – und nicht zu Unrecht – als „muy especial“ titulierte. An dieses morgendliche Bild sollten wir uns schnell gewöhnen, denn es verging kein Tag, an dem uns Jorge nicht begrüßte. Er bot uns gleich mal eine heiße Dusche als Willkommensgeschenk an, denn obwohl es bei Sonnenschein recht angenehm warm und manchmal sogar heiß war, könnte einem das kalte Wasser trotzdem fast die Kopfhaut einfrieren. Auch daran gewöhnten wir uns schnell, da er uns täglich eine heiße Dusche anbot, die oben offen war und mitten ins Grüne gebaut war. Toll!

Jorge kam während des Tages immer mal wieder bei uns vorbei, um ein bisschen zu plaudern. Da er ein sehr schlauer und kreativer Kopf ist und sehr interessiert an allem ist und wir auf einer Wellenlänge lagen, konnten wir uns super mit ihm unterhalten und wichtige Einblicke in das Leben in Kolumbien gewinnen. Von ihm konnten wir – abgesehen von den dauernd aus ihm heraussprudelnden Ausdrücken wie „marica“, „puta“ oder „travado“ – viel lernen. Wir haben uns auch manchmal gegenseitig zum Essen eingeladen, und er kann wirklich super kochen. Tja, bei so viel frischer Luft, bekommt man ja auch immer viel Hunger. Wir verstanden uns super, wobei er auch immer wieder erwähnte, dass wir nicht so wären, wie die anderen Deutschen, denen er begegnet sei. Wir sind wohl schon zu lange unterwegs, denn wir hätten wohl das lockere südamerikanische Lebensgefühl schon sehr verinnerlicht. Dazu gehörte auch der obligatorische Mittagsschlaf, der bei uns jedoch noch nicht (wie bei ihm oftmals) über drei Stunden erstreckte. Aber ein kreativer Kopf braucht wohl viel Schlaf…

Bevor er uns jemals auf die Nerven gehen konnte, verabschiedete er sich mit Godzi und den anderen Hunden im Schlepptau auch wieder. Abends waren wir dann ab und zu bei ihm in der Wohnung, schauten einen Film und unterhielten uns viel.

Sein weitläufiges Grundstück birgt viele Überraschungen und immer wieder entdeckten wir Neues. Zur Straße hin befindet sich ein 200 Jahre altes Haus. Darin war ein kleines Museum beherbergt, in dem Jorge unter anderem Meteoriten, Steine und Skelettfunde ausstellt. Da er Geologie studiert hat, hat er schon so einiges in seinem Leben gefunden. In einem Raum des Museums war ein Zimmer eingerichtet, in dem einst Simon Bolívar („der Befreier“) eine Nacht verbrachte und in dem unter anderem originale Schriftstücke, Waffen und Bilder zu sehen waren. Im Hinterhof standen einige Terrarien, in denen Schlangen untergebracht waren. Das sind Schlangen, die die Polizei von Schmugglern aufgreift, die werden bei Jorge abgegeben und er bringt sie dann wieder zurück in den Dschungel.

Ein anderer Teil des Hauses ist zur Unterkunft „Casa Humboldt“ umgebaut. Dort residierte einst Alexander von Humboldt auf seinen Erkundungsreisen und die drei Zimmer sind einfach eingerichtet, so wie einst Alexander von H. auf seinen Reisen residierte – wohl abgesehen vom Gaskocher. An den Wänden weisen verschiedene Schriftstücke auf sein Leben hin, wenn man dort residiert, kann man sogar noch was lernen.

Der Campingplatz liegt direkt am Fluss, dort gibt es eine kleine Picknickzone und ein paar Schaukeln, die an langen Seilen von den hohen Bäumen hängen. Obwohl der Fluss mit seinem klaren Wasser sehr zum Baden einlud, und es bei Sonnenschein wirklich sehr heiß werden konnte, war ich (Mädchen- ich weiß) nie erhitzt genug, um mich in die kalten Fluten zu stürzen. Mathias war immerhin zwei Mal tapfer genug.

Das restliche Gelände war sehr weitläufig, an einem anderen kleineren Bach gelegen, mit zwei großen Kochzelten und Hängemattenplatz.

Da Boquía ja in der Nähe von Salento lag, wollten wir uns auch den Ort mal ansehen. Salento ist zwar auch nicht wirklich groß, aber immerhin größer als Boquía, das eigentlich nur aus ein paar Häusern entlang der Straße besteht. Aber es gab alles was man braucht, ein paar kleine Restaurants und ein Kiosk, an dem man das Notwendigste bekam. Dort stellten uns an die Straße, um den Bus nach Salento anzuhalten. Das Praktische hier ist, dass man keine Bushaltestelle braucht, die ist ganz einfach immer da, wo man steht! In Salento sind wir erst mal die 240 Stufen zum Aussichtspunkt hochgelaufen, um uns einen Überblick zu verschaffen. Naja, so viel gab es ja nicht. Der Ort besteht aus einer Kirche, die liegt natürlich am Plaza, drum herum kleine Geschäfte, ein Supermarkt, Restaurants und die Polizei. Dort fahren auch die Busse nach Armenia ab, oder die zahlreichen Willys, die die entlegeneren Farmen im Valle ansteuern. Außerdem gibt es eine Hauptstraße, die von Souvenirläden gesäumt ist, darunter ein paar Cafés, Frisör und Internet (im selben Laden!). Und die Verbindung war erstaunlich schnell, sogar skype funktionierte super. Generell lebt der Ort vom Tourismus, oft hielten Touribusse und Scharen strömten durch die Hauptstraße und bevölkerten den Plaza.

Außer mit dem Bus erreicht man Salento auch in Verbindung mit einer Wanderung. Der Ort liegt auf einem Hügel, und wir wanderten frohgemut über grüne Weiden, immer am Fluss entlang, an Kühen vorbei und enge steile Wege empor. Im Ort machten wir unsere Erledigungen und ließen uns keineswegs die Spezialität – Forelle mit Patacones (platte chipsartige Backbananen) – entgehen. Die Landschaft in dieser Gegend ist wirklich traumhaft schön mit seinen sanften Hügeln, saftigen Wiesen und klaren Flüssen.

Aber nach fünf Tagen war das schöne Leben für uns vorbei, wir verabschiedeten uns, um nach Cali zu fahren. Jorge meinte, wir hätten jetzt „unsere Finca“ in Kolumbien und wären jederzeit herzlich willkommen. Zum Abschied bezahlte er uns noch den Käse, den wir im Hof gegenüber mitnehmen wollten, damit wir noch mal an ihn denken. Sehr nett.

Wir hatten uns ja mit MK in Cali zum nächsten Fußballspiel verabredet, worauf wir uns auch schon sehr freuten. Und nach ein paar Tagen Nichtstun freuten wir uns auf einen geilen „move“. Aber da wir ja öfters mit der (fehlenden) Ausschilderung zu kämpfen haben, fuhren wir bereits in Armenia mehrmals durch den Kreisel auf der Suche nach der richtigen Ausfahrt. Uns bedrängte bereits ein Typ hupend im Kreisel, Mathias fuhr genervt an die Seite, bis er uns freundlich fragte: „Wo müsst ihr denn hin?“ Wieder mal ein Fall der freundlichen Kolumbianer.

Die restliche Strecke bis Cali war gut ausgebaute Autobahn und wir passierten viele Haziendas und Freizeitanlagen mit Schwimmbädern. Die hügelige Landschaft war dominiert von Kaffeeplantagen, Zuckerrohr, Platanos, Tabak, hohen Palmen, vielen Gärtnereien und uns unbekannten Früchten. Um Armenia herum gab es viele hübsch angelegte Posadas und Hotels, viele mit Pools.

Wir waren frühzeitig in Cali, recht schnell beim Stadion und fanden gleich in der Nähe einen 24h-Parkplatz. Wir trafen uns problemlos mit MK, tranken ein paar Bier und futterten uns durch die Fress-Stände. MK, unser „Fußball-Asso“ drängte uns bald zum Stadion, um noch geeignete Plätze zu bekommen, aber wir beide hatten keine Eile, die Karten hatte er ja schon besorgt. Noch ein Bierchen im Supermarkt, eine Fotosession mit den Robocops, ein Plausch im Stadion mit Minutosverkäufern, noch ein Bier,… Endlich waren wir auf der Tribüne, die jedoch schon recht überfüllt war. Ein Mädel winkte uns rüber, und obwohl dort auch kein Platz war, drängten wir uns auf die Betonsitzreihen. Die Stimmung im Stadion war nicht ganz so geil, wie das letzte Mal, dafür unsere, da wir diesmal mehr angedödelt waren. Immerhin fiel ein Tor bei den Roten und Cali gewann. ;-) Das wurde ordentlich mit Feuerwerkskörpern und den obligatorischen Papierrollen-„Wasserfall“ gefeiert.

Nach dem Spiel wanderten wir zurück in die Kneipe, tranken noch ein bisschen, aßen leckere Arepizza, und plauderten mit einem Parkwächter. Der wollte uns dann noch das Nachtleben in Cali nahe bringen. Auf dem Weg in einen Tanzschuppen kamen wir an einem Kiosk vorbei, in dem sich ein paar grüne Fans eingefunden hatten. (Da sind wir absolut Farbenblind – grün oder rot, Hauptsache nett!) Dort blieben wir einige Zeit hängen, die Runden wurden gegenseitig ausgegeben und es war eine richtig lustige Runde. Auch MK unterhielt sich prächtig, auch wenn er fast kein Wort verstand. :-) Nach ein paar Runden Glückspiel (Münzen von Weitem in eine Kiste werfen, wer das Loch mit der höchsten Punktzahl erreicht, gewinnt – die Kästen gibt’s im ganzen Land) brachen wir auf, wir wollten ja noch einen der bekannten Salsa-Schuppen Calis kennen lernen. Der Laden war zwar nicht besonders voll, es gab Bier aus großen Plastikkannen und getanzt hat auch fast keiner. Aber das war uns egal, m+m rockten den Laden, leider ließ sich MK nicht zum mittanzen überreden. Dafür haben wir zwei nette Jungs kennen gelernt, mit ihnen weiter getanzt und – auch Aguardiente – getrunken, bis um 2.00 die Lichter angingen. Ist wohl so ein Sicherheitsding in Kolumbien, aber es hat uns eh gereicht. MK haben wir dann umständlich ins nächste Taxi gesetzt, wir sind nach Hause gewankt (wie auch immer wir den Weg zurück gefunden haben!?) und nach wenigen Stunden bin ich in noch voller Montur aufgewacht.

Wir hatten Kopfweh, Durst und mussten auf Toilette. Also sind wir schnellstens ins nächste große Einkaufszentrum gefahren. Als es uns besser ging, waren wir uns einig, wir fahren zurück nach Boquía. Sind ja nur 200 km, dort hat es uns einfach super gut gefallen und bereits nach einem Tag vermissten wir Jorge und Godzi.

In Buga haben wir einen kurzen Fotostopp an der Basilika eingelegt und einen langen Einkaufsstopp im Carrefour. Wir stehen halt einfach auf große Supermärkte! Aber uns wird es weiterhin ein Rätsel sein, warum in Kolumbien Großpackungen teurer sind, als wenn man die Produkte einzeln kauft?

Wir fuhren erst mal an Boquía vorbei, passierten Salento und fuhren weiter ins Valle de Cocora, dort wollten wir die Nacht verbringen. Wir fuhren den Feldweg immer weiter, bis er für uns unpassierbar war. Dort stellten wir uns an den Wegesrand, mitten zwischen die bis zu 60m hohen Cera-Palmen, dem Nationalbaum Kolumbiens. Als die Nacht hereinbrach, duschten wir uns im Schutze der Dunkelheit und die Nacht war absolut finster. In der Ferne sahen wir zwei schwache Lichter von Haziendas und der Himmel war übersäht mit unzähligen Sternen. Die Nacht war mit 10° frisch, schließlich waren wir auf 2400m Höhe. Aber das waren wir schon gewohnt, denn obwohl wir bei Jorge 600m weiter tiefer übernachteten, waren die Nächte meist nicht weniger kalt.

Am nächsten Morgen wachten wir von den vorbeireitenden Arbeitern auf, die sich sicherlich wunderten, was dieses Auto hier machte. Ich fragte mich beim Aufwachen – wie so oft -, wo ich mich gerade befand aber genoss auch gleichzeitig – wie so oft – die tolle Aussicht. Wir wanderten ein bisschen durch die hügelige Landschaft und staunten über die hohen Palmen. Der morgendliche Nebel hing noch in den Erhebungen und die Sonne legte die Landschaft in ein strahlendes Licht.

Gut gelaunt machten wir uns dann auf den Weg zurück nach Boquía. Unterwegs gab’s noch einen Frühstücksmilchkaffee in Salento (0,35€ für zwei!) und wir haben uns mit Fleisch und Gemüse eingedeckt. Als wir bei Jorge vor der Türe standen, hat er ganz schön Augen gemacht. Es war gerade ein Freund von ihm zu Besuch, der uns umgehend eingeladen hat, sein Wochenendhaus zu besichtigen. Es lag etwas auf einem Hügel und vom riesigen Garten aus hatte man einen tollen Blick über Boquía. Und das Haus war der Wahnsinn, viel mit Holz gebaut, sehr gemütlich und absolut geschmackvoll eingerichtet. Als wir wieder „zuhause“ waren, stellten wir uns natürlich wieder auf unseren alten Platz und spannten abermals unsere Sonnenplane auf. Es war zwar generell nicht so warm, aber sobald sich die Sonne zeigte, stach sie vom Himmel und die Temperaturen stiegen schon mal auf bis 28°. Und gemütlicher war’s mit Plane auch.

Am Abend haben wir ordentlich gegrillt, denn die Feuerstelle an unserem Platz muss ja genutzt werden und wir hatten schon lange kein Asado mehr. Wir haben das ganze Kilo Fleisch zu dritt vertilgt, dazu gab’s Salat und Jorge spendierte die Empanadas. Als wir gerade fertig waren, kamen ein paar von Jorges Freunden eingelaufen. Sie hatten Gitarren dabei und hauten sofort in die Saiten. Wir bekamen die schönsten schnulzigsten Liebeslieder vorgespielt, die Kolumbien zu bieten hat (was sonst? :-) ), die Jungs gaben alles, und alle sangen mit oder trommelten dazu im Takt. Einfach herrlich, vor uns prasselte das Lagerfeuer, die Nacht war klar, schön, so etwas erleben zu dürfen. Und es sollte nicht der letzte spontane Abend dort mit Lagerfeuer und Livemusik sein.

Doch schon die Nacht war nicht besonders angenehm für mich, ich wachte auf, um mich mehrmals zu übergebe und ich hatte Durchfall. Am nächsten Morgen fühlte ich mich immer noch sehr elendig, ich hatte Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Ich dopte mich den ganzen Tag mit Paracetamol und schlief fast ununterbrochen. Zwischendurch kam Jorge fürsorglich mit Hühnersuppe oder verschiedenen Kräutern aus seinem Garten an, die Mathias mir dann als wohlschmeckenden Tee (namens „schnelle Erholung“) zubereitete. Am folgenden Tag war ich schon wieder auf den Beinen. Was auch immer das war (zu viel Fleisch, hä?), Hauptsache es hatte sich wieder schnell erledigt! Vor allem Mathias freute sich, dass ich wieder auf den Beinen war, denn alleine essen machte ihm keinen Spaß, alleine Kochen noch weniger und zum Glück ist Jorge immer mal wieder vorbeigekommen, um ihm Gesellschaft zu leisten.

Die weiteren zehn(!) Tage verbrachten wir ganz entspannt auf dem Camping. Wir genossen die schöne Umgebung, dass es kaum Mücken gab und dass wir genug Platz hatten, uns auszubreiten. Und die nette Gesellschaft. Es wurde uns nie langweilig, wir haben unsere Wäsche gewaschen, viel gekocht, wir waren am Fluss und ich habe endlich mal wieder meinen Reisebericht geschrieben, wir haben Bilder ausgewählt und sie gleich online gesetzt. Natürlich haben wir viel Zeit mit Jorge verbracht und der abendliche Gang in sein Haus war schon normal. Wir hatten schon unsere festen Lümmelplätze vor dem Fernseher und freuten uns immer über Nachrichten oder neues aus dem Discovery Chanel, und noch mehr wenn uns Jorge bekochte. Außerdem lernten wir einige seiner Freunde kennen, mehr kolumbianische Musik und seine Angestellten – einer davon sah aus wie Brad in Schwarz, nur kleiner. :-)

Wir lernten auch seine Familie kennen, die im 20 Min. entfernten Armenia wohnt, wo die Kinder zur Schule gehen. Die Kleinen sind sehr aufgeweckt – die Tochter quasselt genauso viel wie ihr Vater – doch leider musste die Mutter eines Tages ins Krankenhaus. Verdacht auf Gallensteine, aber ihr ging es zum Glück schnell besser.

Aber irgendwann geht auch die schönste Zeit zu Ende und uns packte dann endlich wieder das Reisefieber. Jorge meinte nur, wir könnten so lange bleiben wie wir wollten, ab sofort wären wir eingeladen. Zu einer weiteren Nacht ließen wir uns dann überreden, aber am nächsten Tag verließen wir endgültig diesen uns ans Herz gewachsenen Ort. Wir fuhren zuerst nach Salento, da wir noch etwas im Internet zu erledigen hatten. Doch hatten wir ein Problem mit unserer Page, so dass wir nach 4 ½ Stunden mit qualmenden Köpfen aus dem Laden kamen. Wir entschlossen uns, noch eine letzte Nacht (die insgesamt 16.!) bei Jorge zu verbringen und am nächsten Morgen starteten wir dann zeitig – und diesmal wirklich.

Diesmal nahmen wir nicht immer die gut ausgebaute Autobahn, sondern schlängelten uns teilweise durch die abwechslungsreiche Landschaft. Ein paar Orte weiter machten wir einen kleinen Abstecher auf einen etwas ungewöhnlicheren Friedhof. Die Zäune waren mit eindeutigen Kreuzen – mal links herum, mal rechts herum!? – verziert.

Die Weiterfahrt erfreute unser Auge, Haziendas reihten sich an die Straße. Und so weit das Auge reicht: Kaffee und Bananen. Als wir wieder in Buga ankamen, konnten wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, noch mal in den altbekannten Supermarkt zu fahren. Wir verbrachten viel Zeit dort drinnen und als wir gerade an der Kasse standen, wurde unser Auto ausgerufen, da wohl unser Licht noch brannte. Also schnell raus und Licht aus. Wir standen danach noch einige Zeit am Parkplatz, das Licht war bereits aus – aber wir ließen das Radio blöderweise laufen. Und gerade als wir weiterfahren wollten, machte unsere Batterie keinen Mucks mehr. Überbrücken ist bei unserer Autobatterie ja ein etwas größerer Akt, den die ist kompliziert hinter dem Fahrersitz versteckt. Aber wenigstens mangelte es nicht an hilfsbereiten Überbrückern und schnell ging’s weiter. Ab Palmira mangelte es dafür dann ziemlich an ausreichender Ausschilderung. Kurz vor Cali haben wir dadurch dann die passende Autobahnabfahrt verpasst und mussten uns durch Calis „Nobel“-Vororte quälen. Das ganze hat uns dann reichlich Zeit, Sprit, Peaje und Nerven gekostet, vor Allem, da es wieder mal langsam dunkel wurde. Endlich konnten wir Cali hinter uns lassen, wir hatten die richtige Autopista erreicht und fanden eine schöne Tankstelle zum Übernachten. Hier erregten wir größte Aufmerksamkeit, erst wollte der Tankwart einen Blick ins Auto werfen, dann kamen die „Tankhühner“ dazu und letztendlich fanden sich noch ein paar Passanten ein, die alle interessiert in unseren Pauli schauten. Und keiner vergaß es, uns wie überall mit einem herzlichen „bienvenidos“ willkommen zu heißen! Da können wir muffeligen Deutschen uns alle eine Scheibe abschneiden. Oder hab ich das nur falsch in Erinnerung?

Am Morgen ging’s nach einer erfrischenden Dusche weiter. Auf der Strecke zwischen Cali und Popayan fielen uns wieder die zahlreichen Militärkontrollen (Reten Militar genannt) auf. Und noch viel mehr, wie jung die bewaffneten Buben eigentlich sind, deren Gewehr einsatzbereit steil nach oben gerichtet war. Es waren viele LKW unterwegs, was kein Wunder ist, schließlich befanden wir uns auf der Hauptroute Panamericana. Das war aber auch das einzige, was an diese sagenumwobene Strecke erinnert, ansonsten war sie für uns halt einfach eine Straße. (Sorry an alle, die ihr ihre Reise gewidmet haben.) Die Bevölkerung wurde immer indigener und oft sahen wir vor den Bambushäusern Leute mit den typischen Ponchokitteln und den kleinen runden Hüten auf.

Bei Totoro verließen wir die Panamericana wieder und dies war der letzte Ort vor der nicht unbedenklichen Strecke nach San Andres de Pisimbalá, besser als Tal Tierradentro bekannt. Dort fragten wir, wie sicher momentan die Fahrt dorthin sei. Man gab uns grünes Licht und uns wurde noch ein genauer Streckenplan bis dorthin gezeichnet. Die Straße war anfangs auch recht gut zu fahren, es ging durch einsame Gegenden und kleine Häuseransammlungen. Es sollte sich nur als ungünstig herausstellen, dass wir immer noch in kurzen Hosen und Badeschlappen unterwegs waren, denn die Strecke führte uns in Höhen auf 3400m, wobei das Thermometer von 25° auf 6° sank. Brrr, also schnell warme Klamotten raus! Die Straße wurde in den Höhen auch nicht besser, dafür passierten wir viele Kartoffelfelder, bis wir wieder oben im Páramo mit seinen palmenartigen Frailejones landeten. Viele Autos sahen wir auf der ganzen Strecke nicht, dafür umso mehr eingepackte Indios, die auf Pferden oder Eseln vorbeiritten oder die harte Feldarbeit verrichteten. Langsam meldete sich der Hunger zu Wort und wo könnte man schon besser Essen als in einem Berg- “Restaurant“ mitten im Nirgendwo bei Dauerniesel. Wir kehrten in einer sehr urigen und luftigen Gaststätte ein, die ausschließlich von ein paar Soldaten (in Gummistiefeln) besucht wurde. Hinter dem Tresen standen zwei Indiomädels an den Feuerstellen, auf denen dampfend große Töpfe und Pfannen brodelten. Über der Feuerstelle hing eine Schnur mit Forellen. Wir bestellten uns zwei Mittagessen, dazu passend zur Kälte heißen Tee der mit einem Stück Käse serviert wurde. Sehr ungewöhnlich und genauso lecker, ebenso wie der übervolle Teller mit Reis, Fleisch und die klassischen Bohnen. Obwohl ich mittlerweile genug hatte von Bohnen (vor allem, seit ich dieses Stück wabbelige Bauchfell darin hatte!), aber hier oben waren sie wirklich ausgezeichnet. Das ganze kostete uns dann lediglich 3€, so günstig, urig und gut hatten wir selten gegessen!

Als wir weiterfuhren wurde der Regen langsam stärker, dafür führten die zahlreichen kleineren Wasserfälle reichlich Wasser. Die Straße war teilweise etwas überschwemmt, aber nichts, was wir nicht überwinden könnten. Aus jeder Ritze im Fels kam Wasser und dass das Wetter hier meistens so ist, verrieten uns die zahlreichen Farne und Moose am Wegesrand. Aber das schlimmste kam noch, wir mussten durch eine Baustelle hindurch und da es ja schon einige Zeit regnete, fuhren wir eigentlich eher durch einen unangenehme Schlammstrecke. Der Matsch spritzte nur so herum, Pauli schlidderte öfters durch den weichen Untergrund und letztendlich blieben wir im tiefen Schlamm stecken! Glücklicherweise konnte Mathias das Auto noch befreien ehe ich zum Anschieben ebenfalls in die Pampe musste. Endlich hatten wir das Stück überstanden, das Wetter besserte sich langsam und wir erreichten schließlich wieder die Zivilisation.

In Inzá herrschte eifriges Gewusel, da gerade der Markttag zu Ende ging. Wir schoben uns am Plaza und den überladenen Chivas vorbei, die die Indios wieder zurück in die Bergdörfer fuhren. Wir fuhren weiter ins nächste Dorf San Andres de Pisimbalá, das für uralte unterirdische Gräber im unzugänglichen Land „Tierradentro“ bekannt ist.

Als wir ankamen, wurde das Museum gerade geschlossen, also verlegten wir unseren Erkundungsdrang auf den nächsten Tag. Das Museum lag etwa 2 km vom Ortskern entfernt, und nur wenige Meter weiter fanden wir die nette Posada „Pisimbalá“, wo wir uns zum Übernachten auf den Parkplatz stellen konnten. Da es noch früh am Nachmittag war, wollten wir uns noch schnell den Ort ansehen, obwohl es außer einer Kirche mit Schilfdach nicht viel zu sehen gab. Unsere Gastherren wollten auch gerade in den Ort – zum Bingo! -, und so fuhren wir zu siebt mit unserem Bus nach San Andres. Die Herrschaften stiegen aus, wir warfen einen Blick ins Innere der schlichten Kirche und setzten uns an einen Kiosk, um ein Bier zu trinken und das Geschehen im Dorf zu beobachten. So langsam haben wir dann herausgefunden, dass die abendliche Bingoveranstaltung eigentlich das Dorfereignis des Wochenendes ist und so entschlossen wir, später dort auch mal vorbeizuschauen. Die Zwischenzeit vertrieb sich Mathias als Zuschauer beim lokalen Fußballspiel, während ich mich mit einer der Lehrerinnen unterhielt. Später mischten wir uns dann „unauffällig“ unters Volk, holten uns ein paar Bier und kauften uns natürlich auch eine Bingo-Karte. Das Spiel zog sich über den ganzen Abend hin, immer mal wieder gab es eine Runde Bingo, dazwischen konnte man tanzen, trinken, beim Empanadastand zuschlagen oder sich unterhalten. Wir haben das volle Programm durchgezogen, wobei wir schnell im ganzen Ort bekannt waren. Sind ja nur maximal 500. Zu gewinnen gab es einen Fernseher, eine Waschmaschine oder Bargeld. Da wir uns natürlich den Geldgewinn erhofften, hatten wir schnell die Spitznamen Señor oder Señora Quatrocientos (weil es 400.000 Pesos (= 140 €) zu gewinnen gab) inne. Damit hätten wir eine ordentliche Lokalrunde geschmissen, aber bis dahin lud man uns zum Rum ein, oder den heimischen Zuckerrohrschnaps „Chicha“ zu probieren – der sehr süffig war und leicht an Apfelwein erinnerte. Da beides schnell zu Kopf steigt waren wir gut gelaunt und haben viel getanzt (wenn sich manch einer auch bei der Partnerwahl im Geschlecht irrte ;-) ). Ich hatte um 3.00 genug von der Feierei und etwas ausgenüchtert fuhr ich zurück zum Hotel. Leider konnte sich Mathias drei Stunden später nicht mehr ganz daran erinnern und suchte mich und Pauli noch vergeblich vor der Kirche. Mit Hilfe eines Dorfbewohners und nach seiner ersten Fahrt mit einer Chiva fand er uns endlich.

Dass wir am nächsten Tag lieber geschädelt im Auto lagen, statt wandern zu gehen, versteht sich von selbst. Unsere Herbergsmutter kümmerte sich aufopfernd um uns und versorgte uns mit frischen Fruchtsäften und leckerem Essen. Auch die Dusche konnten wir benutzen (alles kostenlos!), und das eiskalte Wasser brachte uns schnelle Ernüchterung. Später kamen die Nachbarskinder neugierig vorbei, sie fanden größten Gefallen an unserem Auto, krabbelten von allen Seiten rein und inspizierten jede Ecke.

Am Montag waren wir wieder fit und bereit uns die Besonderheiten dieser Gegend anzuschauen. Schon früh machten wir uns auf den Weg, ehe uns die Mittagshitze erwischen konnte. Zuerst besuchten wir die zwei kleinen Museen, die einen Überblick über die Paez-Kultur verschafften. Dann wanderten wir durch die idyllische Gegend des Tierradentro, die sanften Hügel hinauf immer mit schönem Blick auf den Ort. Dann erreichten wir die erste Stelle mit den ca. 2500 v.Chr. angelegten Gräbern, Tumbas genannt. Äußerst steile Stufen führten hinab zu den bis zu 6 Meter tief in der Erde angelegten Gräbern. Dort wurden damals die Leichname in die Höhlen gelegt, diese wurden mit Farben (schwarz, weiß und rot) verziert und Masken in die Steinsäulen gehauen. Später wurden die Leichnahme in verzierten Urnen vergraben und die Höhlen wieder zugeschüttet. Ein Zufall, dass diese Gräber wieder entdeckt wurden, Glück für uns, so konnten wir Zeugen dieser interessanten Kultur werden. Da es noch weitere Gräber zu sehen gab wanderten wir weiter durch die schöne Landschaft, vorbei an den Bananen- und Kaffeeplantagen der Indios. Dass diese pfeifend und rufend auf dem Feld standen, als sie uns sahen, verwunderte uns nicht, denn so oft kommen in dieser Gegend wohl keine blonden Touris vorbei. Obwohl San Andres schon an Touristen gewöhnt ist.

Auf dem weiteren Weg kamen wir von den Feldwegen mitten auf dem Berg auf die „Straße“ in den nächsten Ort. Dort überraschten uns unzählige Indios, die den Randbewuchs mit ihren Macheten stutzten – Männer und Frauen arbeiteten gleichsam, wenn auch die Frauen zusätzlich ihre Kleinen in Tüchern um die Schultern trugen. Die Männer grüßten herzlich, die Frauen schauten schüchtern zur Seite. Weiter unten wurde bereits der steinige Belag aufgeschlagen, da hier die Vorbereitungen für eine neue Straße getroffen wurden. Und egal wie steinig die Strecke auch war, wie immer quälte sich eine Chiva das unwegsame Gelände entlang. Weiter unten trafen wir immer öfter auf besoffene, schlafende und auf ein paar trinkende Indios, die uns gleich ihre Gemeinsamsflasche anboten. Wir wunderten uns kurz, bis wir die Bürgermeisterwahlplakate mitsamt amtierendem Kandidaten sahen (absoluter Banderas-Verschnitt), der Wahlkampf auf kolumbianisch betrieb und einen ausgab. :-)

In San Andres kehrten wir auf einen Saft im Kiosk ein, wo wir gleich grinsend auf den vergangenen Samstag angesprochen wurden. Auf dem Rückweg zum Hostal kamen wir noch an ein paar Steinfiguren vorbei, von denen wir noch Hunderte in San Augustin sehen sollten. Beim Rückweg wurden wir noch von ein paar Bekannten vom Wochenende angesprochen und zu Orangen und Bananen eingeladen.

Leider hatte Mathias irgendeine komische Entzündung in den Kniekehlen, die sich durch die Wanderung weiter aufgerieben hat. Aber das kriegen wir auch noch hin.

Am Nachmittag kamen neue Gäste an, ein Schweizer, zwei Österreicher (also wieder alles deutsch) und zwei Amis. Gleich plauderten wir zusammen und uns war es sehr angenehm mal wieder deutsch zu sprechen. Nach dem üppigen Abendessen gab’s noch Heimkino, wobei uns die Nachbarskinder immer auf dem Auto rumkletterten, um einen Blick zu erhaschen. Hier haben halt nicht mal alle Leute einen Fernseher, umso aufregender ist für die Kiddies so ein Computer auf dem Filme laufen. Aber irgendwann war uns dann Gewackel dann zu viel und nach einem Donnerwetter konnten wir in Ruhe weiterschauen – bis der Akku leer war…

Am Morgen wollten wir weiter nach San Augustin fahren, doch unterwegs gab es eine Baustelle, die mittags nur eine Stunde geöffnet ist. Da wir noch etwas warten mussten, sind wir mit unseren neuen Nachbarn noch in die nächste Saftbar eingekehrt und haben das schöne Wetter genossen. An diesem Tag war wirklich tolles Wetter, die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite und wir lernten neue Früchte (Lulo, schmeckt irgendwie wie Kiwi) kennen.

Um 10.00 machten wir uns dann auf den Weg durch die schöne Landschaft. Die Berge waren zwar etwas trocken, aber im Tal schlängelte sich ein Fluss durch die Landschaft. Als wir näher am Fluss waren, war die Straße ziemlich eng, Bauarbeiten erschwerten das Vorwärtskommen und wir erfuhren, dass es vor zwei Jahren ein heftiges Hochwasser gab, das den Fluss mindestens 10m hat ansteigen lassen. Wahnsinn! Da verstanden wir auch die zerfetzte Hängebrücke, die ja normalerweise so hoch hängen, dass sie der Fluss nicht erreicht.

An einer neueren etwa 50m hohen Hängebrücke haben wir dann einen kleinen Fotostopp eingelegt, wobei Mathias sehr mit seinen wackeligen Knien zu kämpfen hatte. :-) Die weitere Straße wurde wieder sehr anstrengend, die steinige Strecke erschwerte uns das Vorwärtskommen. Fluchend und mit dem Versprechen an Pauli, dass wir nie wieder so eine schlechte Strecke fahren werden, quälten wir uns voran, bis uns endlich die geteerte Straße erlöste.

In Pital meldete sich unser Magen und im Sonnenschutz einer Brücke packten wir unser Vesper in einem kleinen Flussbett aus. Gut gestärkt ging’s dann weiter und auch die Straßen waren weiterhin nicht mehr verfluchenswert, später sogar wieder super, da wir auf einer der Hauptrouten Kolumbiens fuhren.

Die letzten Kilometer bis San Augustin fuhren wir entlang der steilen Schlucht des Rio Magdalena, dem größten Fluss Kolumbiens, der hier in den Bergen entspringt und in Barranquilla in die Karibik mündet. Tief unten in der schroffen Schlucht lud saftiges Grün zum Raften oder Paddeln ein.

Am Abend trafen wir in San Augustín ein, wo wir direkt zum Camping fuhren. Die Duschen waren entgegen unserer Info zwar auch mit kalten (Berg-!) Wasser, dafür konnte man sich bei 4€ auch nicht beschweren. Nach einem wärmenden Abendessen schauten wir unseren Film zu Ende an. Aber um 22.30 gingen dann plötzlich alle Lichter aus und wir saßen komplett im Dunkeln. Was soll das denn? Ist ja nicht so schlimm, wenn sie Strom sparen wollen oder so, aber können die nicht wenigstens vorher Bescheid sagen? Aber wie soll das denn gehen, dann muss ich nachts mal auf Toilette uns soll dann in absoluter Dunkelheit über den Camping stolpern? Und am Ende fallen mich noch die Hunde an! Und wofür geh ich denn auf einen Zeltplatz, wenn ich nachts ohne Strom dasitze! Aber das haben die dann eingesehen und uns wenigstens noch ein bisschen Licht auf dem Weg zum Bad gemacht. Am Morgen haben wir uns dann gleich mal wieder an die Dose gehängt, da die aber mit einer Glühbirne gekoppelt war, musste ich dann die Birne rausdrehen. Komisch hier, aber irgendwie erinnerte das an die Gegend vom Rio Claro, wo nachts auch alles stockdunkel war. Hat vielleicht doch was damit zu tun, dass wir in Guerilla gebeutelten Gebieten waren?

Den nächsten Tag verbrachten wir mit Wäsche und Auto waschen, aufräumen und wir plauderten mit dem Zeltplatz-Opi. Da so viel Arbeit hungrig macht, kehrten wir in eines der nahe gelegenen Restaurants ein. Wir waren nicht gerade in einem der billigsten Läden gelandet, dafür bekamen wir zartestes Rindersteak, 400 gr pro Person! und frisch vom Grill. Mit reichlich Beilagen bezahlten wir immer noch einen Spotpreis von je 4€, dazu gab’s einen Liter frisch gepressten O-Saft für nicht mal 1€. Geil! Vollgefuttert haben wir unsere dicken Bäuche wieder nach Hause geschleppt und uns abgelegt. Später gab’s noch eine Runde Beach-Ball (bis die Hunde mitspielen wollten und uns immer die Bälle klauten :-) ), wir erfreuten uns über die Kolibris, die nur wenige Zentimeter an unseren Köpfen wir Hubschrauber vorbeisurrten und am Abend gab’s Heimkino. Diesmal bekamen wir Strom so lange wir wollten.

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns, denn nach dem Besuch im Parque Archeológico wollten wir eigentlich weiterfahren. Auf den Park hatten wir eh nur mäßig Lust und entsprechend begeistert waren wir dann auch. Es gab zwar unzählige Steinfiguren, aber irgendwie sahen die alle zu gut erhalten aus, und wurden auf dem Gelände zusammengetragen und hindrappiert. Außerdem waren sie neuerdings umzäunt und überdacht. Nicht dass sie es 5000 Jahre ohne Dach überlebt hätten, aber jetzt brauchen sie scheinbar Schutz vor Sonne und Regen!? Vielleicht hätte uns ein Führer die Sache ein wenig näher bringen können, aber nennt uns Kulturbanausen, darauf hatten wir keine Lust. Dafür haben wir uns am Nachmittag zu einem Reitausflug verleiten lassen. Und das war dann wirklich super. Die Pferde waren auch für Anfänger gut zu reiten und wir hatten beim Galopp einen riesen Spaß. Noch dazu war die hügelige Vulkanlandschaft einfach wunderbar, unser Führer Luis erklärte uns sämtliche Pflanzen und Gemüse, die uns umgaben und hier angebaut wurden. Nur die Koksfelder blieben uns verborgen (wohl besser so!), lediglich einzelne Sträucher fanden sich in den Feldern. Unterwegs passierten wir noch ein paar Fundstätten von Steinskulpturen, die wir uns gerne erklären ließen – so weit es denn Erkenntnisse über diese Kultur gibt. So ging es dann über Stock und Stein, zu Schluchten, Wasserfällen und über Feldwege, zuletzt noch ein Stück durch den Ort, da konnten wir uns dann wie coole Cowboys fühlen. ;-)

Nach vier Stunden tat uns ganz schön der Hintern weh, aber wir waren voller neuer Eindrücke und genossen diese andere Art von Ausflug sehr. Wir fuhren wieder zurück auf den Camping, wo wir noch eine Nacht bleiben wollten.

Morgens gab’s noch mal eine eiskalte Dusche (ist ja gut fürs Bindegewebe :-) ) und dann mit ordentlichem Muskelkater ab Richtung Grenze. Noch kurz im wenig beschaulichen San Augustín zum Bäcker und ins Internet und dann ab nach Popayan. Es waren ja nicht viele Kilometer dorthin, und da wir wussten, dass die Strecke schlecht sein sollte, waren für uns die ersten Kilometer überraschend gut. Noch! Gut gelaunt kauften wir unterwegs in kleinen Lädchen Käse und Tomaten und holperten schon die mäßige Straße entlang. Und es sollte immer schlechter und schlechter werden, Meter für Meter kämpften wir uns über steinige Wege, um die unzähligen Löcher herum, immer mitten durch die dichtbewachsenen Berge. Für lange Zeit befanden wir uns in Höhen auf über 3000m, undurchdringliche dunkelgrüne Wälder umgaben uns, leichter Niesel benetzte die Palmen und Farne. Wenn sich hier nicht irgendwelche bösen Buben verstecken… Ist ja eine bekannte Gegend dafür!

Aber wir hatten eigentlich keine Zeit um uns auf die Landschaft zu konzentrieren, starr waren unsere Blicke auf die Fahrbahn gerichtet, damit wir ja keinen Stein und kein Loch übersehen. Es gab zwar außer uns noch ein paar Busse, die sich hier oben herumplagten, aber einen Platten oder gar schlimmeres wollten wir uns gar nicht erst vorstellen. Das Geschaukel und Gehoppel ging uns jede Minute mehr auf die Nerven und wir waren schon happy, wenn Mathias mal für ein paar Meter in den 2. Gang schalten konnte. Wir waren frustriert, das Auto tat uns leid, sämtliche Sachen aus unserer Dachkonstruktion sind herausgefallen, eine der Befestigungen ist abgebrochen! Wir kamen auch nicht wirklich voran, wir zählten schon die wenigen Kilometer, die wir in einer Stunde schafften (mal 13, mal 18!). Und es war einfach kein Ende in Sicht. Gerade wenn wir dachten, jetzt würde die Straße besser werden, wurde sie tatsächlich noch schlechter! Wären wir noch mal in San Augustín, wir hätten lieber die 1000 km Umweg in Kauf genommen, statt diese Strecke nochmals zu fahren.

Nach sagenhaften sechs Stunden hatten wir die schlechten 90 km (!!!) zurückgelegt, die Straße wurde unwesentlich besser und wir kamen wieder in zivilisiertere Gegenden. Und nachdem wir eine lockere Straßenkontrolle hinter uns gebracht hatten, waren die letzten 20 km vor Popayan tatsächlich geteert. Wow! Da es bereits dämmerte und wir genug hatten von schlechten Straßen oder großen Städten, ließen wir die „weiße Stadt“ hinter uns. Zumindest so weit es ging, denn wir mussten uns durchs abendliche Verkehrsgewühl der kompletten Stadt schieben, da Popayan scheinbar über keine Umgehungsstraße verfügt. Als wir endlich die Stadt hinter uns lassen konnten, war die erste Tankstelle uns, wo wir uns erst mal dem Chaos im „Schlafzimmer“ widmeten. Dank Improvisationstalent und Fleischerhaken konnten wir die abgerissene Befestigung leichter reparieren als gedacht und uns unseren leeren Mägen kümmern. Nach diesem anstrengenden und nervenraubenden Tag waren wir froh uns schlafen zu legen und ihn endlich zu beenden!

Obwohl wir meistens die ersten „Übernachter“ an Tankstellen sind, verlassen wir sie trotzdem wieder als Letzte. Aber wir haben halt nicht den Zeitdruck, den LKW-Fahrer verspüren und einen gesegneten Schlaf. Der nächste Morgen empfing uns mit Sonnenschein und die Fahrerei – auf geteerten Straßen – machte wieder Spaß. Wir sind ja beide keine Mechaniker, aber in den letzten Tagen drängte sich uns der Gedanke auf, wir sollten (nach mindestens 70.000 km) mal den Kraftstofffilter wechseln. Und unterwegs stach mir ein Schild mit „Mitsubishi – Autoteile“ ins Auge. Wir hielten an, um nach einem passenden Filter zu fragen. Sogleich gesellte sich ein Mechaniker aus der gegenüberliegenden Werkstatt zu uns. Den passenden Filter hatten sie dort nicht, aber wir ließen uns vom netten Mechaniker dazu überreden, ihn wenigstens reinigen zu lassen. – Warum nur?!?

Schon der Ausbau stellte sich als schwieriger heraus, als alle gedacht hätten. Der Filter (wie vieles beim L300) war etwas ungünstig eingebaut, so dass man ihn nur ausbauen konnte, wenn man nebenbei noch ein paar andere Teile ausbaut. Wir standen in der brütenden Hitze, und die anderen Mechaniker versorgten uns mit unzähligen Tipps. Uns wurde langsam schon schlecht, ich verfluchte den Moment, in dem ich das Schild entdeckt hatte. Eigentlich wollten wir die Sache schon mehrmals abblasen, aber unser Werkstattmann versicherte uns ständig „Ich hab’s gleich!“ Endlich hatte er den Filter in der Hand, und selbst wir als Laien mussten zustimmen, dass man diesen Filter lieber gleich austauscht, statt ihn nur zu reinigen. Aber wo sollten wir jetzt den passenden Filter herbekommen? Ohne viele Worte wies mich unser Mechaniker an, mit ihm ins Taxi zu steigen. Beim nächsten Ersatzteilladen stiegen wir aus und mit unserem siffigen Filter in der Hand versuchten wir den gleichen zu bekommen. In kürzester Zeit hatten wir die Aufmerksamkeit aller Anwesenden inne, jeder Angestellte suchte sich durchs Filtersortiment, um etwas Passendes zu finden. Endlich hatten sie das Mitsubishiteil auffinden können, aber beim Testen konnte unser Mechaniker die Schrauben nicht öffnen. Er wies mich an, eine Cola zu holen, aber statt seinen Durst zu stillen, schüttelte er die Flasche und bespritzte mit der klebrigen Flüssigkeit die Schrauben. Und siehe da, sie ließen sich öffnen! Da hab ich ja wieder was gelernt. Aber als er dann den neuen Filter an die Schläuche montieren wollte, passte leider nur eines der Öffnungen. Wieder suchten sich die Angestellten durchs Sortiment, bis einer mit „lo mas similar“ (also wie immer mit dem ähnlichsten Teil) zurückkam. Da hatten die Verbindungsteile zwar gepasst, aber die beiden Schrauben waren an der gleichen Seite statt gegenüber wie beim Alten. Nun schauten mich alle fragend an, ob ich denn diesen Filter wollte? Aber woher soll ich denn wissen, ob das Ding auch da rein passt, wo er den anderen rausgeholt hat? War ja schon schwierig genug ihn rauszubekommen. Da ich zögerte schwang sich mein Mechaniker mit einem der Angestellten auf ein Moped und weg war er! So, Mathias stand lange ahnungslos wartend am Auto, ich am 2. Laden und der Mechaniker war weg! Immerhin kümmerten sich alle sehr herzlich um mich, was meine Laune bezüglich dieser Operation trotzdem nur wenig besserte.

Endlich kamen die beiden Burschen wieder angebraust, und – wer hätte das gedacht – sie haben den richtigen Filter auftreiben können. Super, schnell zurück ans Auto und den Schlingel wieder einbauen. Aber der Einbau stellte sich als noch komplizierter dar, mittlerweile stand schon unser Fahrersitz ausgebaut auf der Straße, und der Mechaniker kam letztendlich überall gut hin, wo er hin musste.

Nach gut vier Stunden war der neue Filter drin, nebenbei wurden auch gleich unsere Zündkerzen ausgewechselt (auch bitter nötig!) und das Standgas reguliert und wir im ganzen Ort bekannt. Endlich ging die Fahrt weiter, nur die Hitze von bis zu 38° machte uns zu schaffen. War bisher der heißeste Tag unserer Reise, wir fuhren durch eine relativ öde Gegend und die Wolken hingen kurios in den Bergen. Wir fuhren stetig bergauf und wir genossen die tolle Aussicht in dieser schroffen Gegend. Und dann entdecken wir eine Wolke, die irgendwie so ganz anders am Himmel hing, als die anderen. Und bei genauem Hinsehen, stellten wir fest, dass da gerade vor uns ein Vulkan ausbricht! Wir sind sofort rechts rangefahren, und schon standen die ersten Leute fotografierend am Straßenrand. Eine dunkle Wolke schob sich senkrecht aus dem Krater empor, das ganze dauerte nur wenige Minuten, dann war die Wolke schon langsam wieder am Himmel verflogen. Toll, dass wir genau in diesem Moment an der richtigen Stelle waren, um dieses seltene Naturspektakel miterleben zu dürfen. Das war doch noch ein toller Abschluss in dieser schönen Berglandschaft der kolumbianischen Kordilleren.

Als wir Pasto erreichten, war es bereits dunkel. Wir gingen in einen großen Supermarkt um uns dort mit Leckereien einzudecken und stadtauswärts fuhren wir zum Übernachten wieder mal an eine Tankstelle. Im Schutze der Dunkelheit und in der nächtlichen Kälte, wir waren bereits wieder auf knapp 3000 Metern Höhe, gab’s eine Dusche. Dafür gab’s dann eines der leckersten Vesper mit Tomaten, Radieschen, Zwiebeln und Oliven, mit Integralbrot, Kabanossi, leckerem Käse und als Krönung gab’s eine Flasche argentinischen Rotwein. Der stieg uns verhältnismäßig schnell in den Kopf, aber in der Höhe ist das ja kein Wunder und Wein sind wir ja gar nicht mehr gewohnt, und gut schlafen ließ er uns außerdem.

An unserem letzten Tag in Kolumbien stand noch die Besichtigung der Pilgerstätte in Las Lajas an. Die Kirche wurde atemberaubend in eine Schlucht gebaut und viele Kolumbianer und Ecuadorianer pilgern regelmäßig hierher, um sich von ihren Gebrechen heilen zu lassen, bzw. dafür zu beten. Unzählige Dankestafeln, die in die Mauern auf dem Weg zur Kirche eingelassen sind und Krücken oder Rollstühle wurden von den Geheilten zurückgelassen. Leider verpassten wir den großen Pilgeransturm um eine Woche, aber immerhin kamen wir an einem Sonntag dorthin, denn mit all den Leuten bekommt man ein eindrucksvolleres Bild dieser Stätte. Der kleine Ort ist komplett auf souvenirkaufende Touristen eingestellt, kein Laden, der nicht Bildchen der Jungfrau, Gebetsketten oder Plastikflaschen (um das heilige Wasser mit nach Hause zu nehmen) verkauft hätte.

Die Kirche ist direkt an den Felsen gebaut, und man hat so den Blick auf die Stelle im Stein, wo laut Legende dem blinden Mädchen die Jungfrau erschienen ist und ihr das Augenlicht wiederschenkte. Es fand eine gerade eine Art Messe statt und die Massen schoben sich durch die Kirche. Hier gab es einiges zu sehen und viele Leute waren in ihren indianischen Festkleidern erschienen, zwischendrin auch mal ein Mädel im Kommunionskleid. Dass wir zwei einzigen großen Blonden dazwischen trotzdem noch auffielen ist wohl klar.

Wir besichtigten das Museum, steigen auf einen schönen Aussichtspunkt und von dort hatten wir einen tollen Blick auf dieses sagenhafte Bauwerk in dieser Schlucht. Auf dem Weg zurück zum Auto passierten wir unzählige Restaurants zwischen den Souvenirläden. Wir verzichteten jedoch darauf, dort etwas zu essen, obwohl in den großen Töpfen reichlich Leckereien angeboten wurden. Aber die aufgespießten Meerschweinchen (komplett mit Kopf und Beinen und Spieß durch Mund bis hinten durch!) rufen eher Ekel als Appetit bei uns hervor.

Als wir gerade Las Lajas verlassen wollten, sind wir zum Abschluss noch an einem kleinen Straßenstand eingekehrt. Eigentlich handelte es sich eher um ein Wohnhaus, wo auf der Veranda ein paar Töpfe standen. Dort griffen wir bei den leckeren Empanadas zu (nicht mit Meerschweinchenfüllung), und tranken noch ein letztes kolumbianisches Bier. Wir boten wohl ein „exotisches“ Bild, denn eine vorbeilaufende Familie, bat uns darum, ein paar Fotos von uns machen zu dürfen. Also lächelten wir ein letztes Mal in ein kolumbianisches Handy, ehe wir zur Grenze fuhren und dieses wunderbare und abwechslungsreiche Land nach etwa zwei Monaten zu verlassen…

Was uns noch so in Kolumbien aufgefallen ist:

Wir finden unter anderem das „Minutos-System“ super. In fast jedem Kiosk kann man günstig telefonieren, da sich die Leute große Minutenpakete kaufen und die günstigen Tarife weitergeben. In größeren Städten stehen professionelle Verkäufer mit entsprechend beschrifteten Shirts und Handygürteln herum, in denen mehrere angekettete Telefone hängen. Das eigene Handy nutzt man zum angerufen werden, zum Fotografieren oder um Klingeltöne zu testen. ;-)

Auf vielen Strecken sind auf dem Asphalt gelbe Sterne auf den Belag gemalt, an denen jemand verunglückt ist. Vielleicht auch eine gute Art Aufmerksamkeit zu erregen…

Dass Hahnenkampf sehr beliebt ist finde ich nicht so prickelnd, aber offensichtlich erfreut er sich größter Beliebtheit. Nicht umsonst sahen wir häufig junge Männer mit ihren Prachthähnen auf der Straße und viel zu gewinnen gibt’s auch.

Die Männer rauchen wieder mehr, die Frauen sind recht gepflegt und wieder mehr geschminkt. In den Einkaufszentren größerer Städte sind die Damen gestylt wie in Europa und der Schönheit noch weniger abgeneigt, selbst wenn’s dazu auf den OP-Tisch geht.

Und für geil / super gibt es mehrere Ausdrücke, wie chévere, vacano oder bello, welche wir auch selbst oft benutzten, vor allem um zu zeigen, wie toll wir Kolumbien finden. :-)

Auf unserer Reise war Kolumbien bisher für uns das schönste Land, und das Einzige, in dem wir uns ernsthaft vorstellen könnten zu leben. Natürlich abgesehen von der Guerillaproblematik, aber dazu kann man sich wohl nur wirklich äußern, wenn man lange Zeit im Land lebt. Wir hatten diesbezüglich keinerlei Probleme. Interessant jedoch, dass wir an manchen Stellen kein GPS-Empfang hatten, an anderen Stellen des Landes sind die Google Earth-Aufnahmen durch Wolken verdeckt! Ist das Zufall?

Aber wir lieben die interessierten, freundlichen und hilfsbereiten Menschen und die sagenhafte und abwechslungsreiche Landschaft. Wenn auch Kolumbien mit so einigen Regeln und Gesetzen aufwartet, deren Abwesenheit man in anderen südamerikanischen Ländern willkommen heißt, hat es eine gewisse Lebensqualität. Für uns ist auch dieses Land wieder eine Reise wert und jeder der sich das entgehen lässt ist selber Schuld!

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