29. Merida – Cartagena – Medellin

29. Auf der Suche nach Abenteuern in Kolumbien

Mérida – Santa Apolonia (01.08.) – Maracaibo (02.08.) – Kolumbien / Maicao – Los Naranjos (03.08.) – Santa Marta (05.08.) – Cartagena (06.08.) – Barranquilla (08.08.) – Medellín (12.08) – Rio Claro (13.08.) – Guatapé (17-08.) – Medellín (18.-19.08.) 

 

Nachdem wir das frühlingshafte Mérida hinter uns gelassen hatten fuhren wir Richtung Maracaibo, der heißesten Stadt Venezuelas. Von Mérida weg fuhren wir eine Nebenstrecke durch die Berge. Die Straßen waren zwar wieder mal recht schlecht, aber das Bergpanorama dafür herrlich. Wir passierten ständig traumhafte Wasserfälle und waren eingerahmt von reicher grüner Vegetation. Wir kauften ein paar Kindern frisch gepflückte Waldbeeren ab, doch waren die Kiddies wohl etwas übereifrig, denn die Früchte waren noch ungenießbar sauer.

Der kleine Abstecher nach Jají lohnte sich schon allein deshalb, weil wir dort noch die letzten Ohrwürmer als Cd kaufen konnten. Was nicht so einfach ist, wenn man dem Verkäufer die Melodien vorsingen muss. Ansonsten ist der Ort recht übersichtlich, alle Häuser sind weiß-blau gestrichen und es hat eine schlichte schöne Kirche. Am Wochenende verirren sich angeblich viele Méridaner her, um Essen zu gehen. Unter der Woche war es dagegen sehr ruhig und außer ein paar Reitern gab es weiter nichts Aufregendes. Wir fuhren bald wieder durch dichten Nebelwald, die Wolken hingen in den gefährlich steilen Hängen und die Straßen waren des Öfteren abgerutscht.

Weiter nahmen wir die östliche Strecke um den Lago Maracaibo herum, der die größten Ölreserven Venezuelas unter sich birgt. Unterwegs drängte sich wieder mal ein Schild „Termas“ in unser Blickfeld, woraufhin wir natürlich wie durch Magie getrieben hin mussten. Die kleinen Orte Richtung Santa Apolonia waren zwar recht einfach, aber typisch venezolanisch. Alte farbig bespannte Plastikstühle dürfen auf der Veranda nicht fehlen, genauso wenig die bunte Wäsche auf den Stacheldrahtzäunen und spielende Kinder auf der Straße. Kein Wunder, dass die Leute hier so kinderlieb sind, es gibt ja auch so viele.

An den Thermen angekommen hatten wir sogar die Auswahl zwischen zwei Bädern. Wir entschieden uns für die zweiten, die uns schöner erschienen. Wir konnten dort auch über Nacht stehen bleiben und dort gab es ein Restaurant, wo wir uns seit Langem mal wieder ein Bier gönnten. Gut erfrischt ging es dann in die heißen Becken, wo wir gleich von ein paar kleinen Jungs umlagert waren, die uns wie wild über Deutschland ausfragten. Neben den angelegten Becken gab es noch weiter unten am Fluss ein kleineres Becken mit heißem Wasser. Dort vergnügten wir uns immer abwechselnd im heißen Thermal- und im frischen Flusswasser. Kneipp wäre stolz auf uns gewesen! So viel Badespaß macht hungrig, wir vertilgten unsere Vorräte auf dem Parkplatz und tranken später an der Bar noch ein paar Bier, bevor wir uns geschafft ins Bett legten und wie so oft Schlafrekorde aufstellten.

 

Die frische der Nacht tat uns wie immer gut und wir fuhren munter weiter. Bei einem der unzähligen Straßenhändler holten wir uns einen kleinen Kaffe für 10 Cent, an einer Bude ein paar Empanadas. Das gäbe es niemals in Deutschland, sich an die Straße stellen und Kaffe, Gebäck oder Obst verkaufen. Da sag ich nur „Wo ist denn ihr Gewerbeschein?“

Die Gegend war wieder relativ flach, in einiger Entfernung waren die Hügel zu sehen und es standen Palmen, hohe Gräser und natürlich Bananenstauden am Straßenrand. Immer mehr Bäume und Sträucher zeigten stolz ihre Blütenpracht, manch zwei Meter hoher Weihnachtsstern säumte den Weg. Wieder auf der Hauptstrecke um den See herum häuften sich die Verkäufer mit der Zahl der LKW. Und an jeder Ecke des Landes begegneten uns andere Mitsubishi L300, viele davon fuhren als Krankenwagen durch die Gegend. Kein Wunder, dass wir schon gefragt wurden, ob wir einen Krankenwagen zum Campingbus umgebaut hätten. :-)

Unterwegs passierten wir noch ein Monument mit überdimensionalen Fahnen zum Gedenken an die Copa, doch zwei Wochen nach Ende der Meisterschaft wurde noch fleißig daran gewerkelt. Venezuela halt! Bald drauf fuhren wir über die bekannte Brücke über die Enge zwischen Maracaibosee und Meer, die Küste Maracaibos war gesäumt von Fabriken und Tanker. Maracaibo interessierte uns nicht weiter, ist halt eine große heiße Industriestadt. Wir deckten uns mit Kosmetikartikeln ein, billiger als in Venezuela würde es nicht mehr werden und wir hatten noch einige Bolívares, die sich nur mit großem Wertverlust in eine andere Währung tauschen ließen. Und im Supermarkt erstanden wir endlich ein neues Zelt. Was wir beim Verlassen eines Kaufhauses oder Supermarktes jedoch nie verstehen werden, sind die Kontrollen der Kassenzettel. Klar, damit man nichts klaut, aber haben die Kontrolleure denn Röntgenaugen, dass sie all meine gekauften Artikel durch die Tüte sehen können und in Sekundenschnelle mit den aufgelisteten Waren auf dem Bon vergleichen können? Sie tun auf jeden Fall so und nach der Beäugung mit kritischem Blick gibt’s dann den o.k.-Stempel auf den Kassenzettel.

Die Leute in Venezuela kollaborieren ja gerne mit einem, wenn man denn zurück kollaboriert. So auch der Tankwart in Maracaibo, der uns verbotenerweise noch unseren Ersatzkanister füllte. Bei der Weiterfahrt wurden wir von einem Mann aufgehalten, der unser ausländisches Kennzeichen erkannte und uns darauf ansprach – was nicht sehr oft in Venezuela vorkommt! Dadurch kommt es uns wahrscheinlich auch so normal vor, mit unserem deutschen Nummernschild durch Südamerika zu reisen. Aber immer wieder finden wir es auch einfach super, wenn wir auch meistens für Amerikaner gehalten werden! Unser Anhalter war total begeistert, vor allem weil er selbst schon mit eigenem Wagen durch Südamerika gereist ist und uns aufgeregt all seine Stempel im Pass zeigte. Danach waren wir um ein paar Informationen reicher, ebenso um einen Kratzer in der gerade frisch gestrichenen Stoßstange. Aber der „Parkplatzstreifer“ war schneller weg, als wir reagieren konnten. In Maracaibo hält auch niemand mehr an einer roten Ampel, die ist mehr so als Verschönerung des Stadtbildes da. Das Stadtbild wurde jedoch tatsächlich durch die immer hübscheren Mädels verschönert. Kein Wunder, dass Miss Venezuelas oft aus Maracaibo kommen und dann noch zur Miss World oder Universum gekrönt werden.

Wir fuhren dann schnell wieder aus der Stadt heraus, da es bereits dämmerte. An einer Peaje (Mautstation) konnten wir sicher und bewacht stehen, im Schutze der Dunkelheit nahmen wir eine Freiluftdusche. Bei Tagestemperaturen um die 33° war das auch notwendig und da es nachts gerade mal 5° weniger heiß war, öffneten wir sämtliche Löcher am Auto. Dadurch wurden wir unfreiwillig Zeugen eines Latinotelefonats. Will heißen: Latino bezirzt ewig seine Angebetete, mit ihm auszugehen. Kein Vergleich zu albern, kein Geschnulz zu schmalzig, hauptsache sie willigt am Ende ein. Und er hat seine Sache gut gemacht, nach endlosem Gesülze stand das Date fürs nächste Wochenende. :-)

 

Und der nächste Tag wurde noch heißer. Wir fuhren schon sehr früh durch die ärmlichen Gegenden Richtung Grenze, die bereits stark von Indios geprägt war. Überall liefen die Frauen in ihren typisch weiten und bunten Gewändern herum, bei den geschäftigen Männern durften die verschiedenartigen Hüte nicht fehlen. Es wimmelte geradezu von den von uns so heiß geliebten Amischlitten, die fleißig als ´por puestos` ihren Taxidienst erledigten. Und da wir wirklich früh dran waren, erklärt, dass selbst der Bäcker noch sehr verpennt aus der Wäsche schaute.

An der Lagune von Sinmaica bekamen wir einen kurzen Einblick auf die zahlreichen Pfahlbauten, doch die trostlose Gegend lud nicht weiter zum Verweilen ein. Eigentlich wollten wir möglichst nahe vor der Grenze unseren Tank noch mal voll füllen. Doch alle Tankstellen waren noch geschlossen und es bildeten sich Schlangen mit bis zu 60 Autos vor den Stationen. Ach du meine Güte, ist denn hier freitags Tanktag? Doch als wir dann an einer Polizeikontrolle vorbeikamen, an der die gar nicht mehr so freundlichen wirkenden Uniformierten die Autotanks kontrollierten (warum auch immer?) stockte uns der Atem. Schnell durch und erfreulicherweise wurden sie nicht auf unsere Kanister aufmerksam. Kurz vor der Grenze haben wir dann noch angehalten und immerhin die Hälfte des Benzins in den Tank füllen können, doch zum Glück entdeckte auch hier niemand unsere Behälter.

 

Die Ausreise kostete 37.600 Bolívares (7,50 €), immerhin knapp die Hälfte als mit dem Boot und fast ein Drittel von der Ausreise mit dem Flug. Unser Restgeld tauschten wir in kolumbianische Pesos zu einem miserablen Kurs.

Jetzt verließen wir also nach etwa 4 Monaten Venezuela. Und während unseres Aufenthalts hat sich unser Bild von diesem Land sehr gewandelt. Waren wir die ersten Tage noch sehr überrascht und eingeschüchtert bezüglich der Armut und Kriminalität die dort vorherrscht, so hat sich unser Gefühl während unseres Aufenthaltes stark gebessert und unsere anfänglichen Bedenken waren verschwunden. Es gibt natürlich Kriminalität in Venezuela und fast alle Fenster im ganzen Land sind vergittert. Nachts hält man sich nicht unnötig auf der Straße auf, was für uns – würden wir dort leben – eine zu große Einschränkung der Freiheit bedeuten würde. Und leider gibt es kaum Campingplätze, Aber wir sind nicht ununterbrochen mit dem Gefühl durch die Gegend gelaufen, uns könnte etwas passieren.

Präsident Chavez hat seine ganz eigene verrückte Art, das Land zu führen. Es nervt auch etwas, wenn man alle 10 km einen überdimensionierten Chavez Kopf sieht, mit seinen neuesten Bauten fürs Land, aber man muss ihm auch zugestehen, dass er wirklich als Erster etwas für das Land und die arme Bevölkerung tut.

Um das Land zu bereisen sind dank Chavez gute Bedingungen geschaffen. Die Straßen sind einfach spitze, das Benzin fast geschenkt (uns fragt keiner mehr ob wir Diesel tanken, gibt’s hier fast nicht), Autobahngebühren sind auch verschwindend gering. Das Land hat einfach zu viel Geld. Dagegen sind Lebensmittel relativ teuer, ein Kilo Zwiebeln kostet meistens um 2,50 €! Für uns nicht das Problem, zumal der Schwarzmarktkurs bis 80 % höher als der (künstlich gehaltene) offizielle Kurs ist. (1 € = 2830 / 4200-5000 Bs)

Dafür sind die Polizisten entgegen unseren früheren Erfahrungen absolut unkompliziert, hilfsbereit und freundlich, begrüßen mit Handschlag und wünschen eine gute Reise. Da wurde wohl ganz schön entkorruptiert.

Die Latinos dagegen können schon mal nerven, sie sind absolut stressige und überholgeile Autofahrer und wollen immer die Ersten sein. Sie sind unpünktlich, unzuverlässig und unehrlich. Aber das alles merkt man wohl mehr, wenn man im Land lebt. Um dort zu reisen ist es o.k., die Bevölkerung ist freundlich, aber nicht so besonders interessiert, gutgelaunt und lebensfroh. Die Unterschiede in der Bevölkerung sind enorm, es gibt viele Arme, aber auch viele, die unverschämt reich sind.

Zum Reisen ist Venezuela ein sehr schönes und landschaftlich vielfältiges Land, in dem das Latinoleben mit all seinen Facetten zu 100 % gelebt wird. Das feeling, in einem der unzähligen Amischlitten mitzufahren, sollte man einmal erlebt haben, solange es sie noch gibt. Wir kommen wieder!

 

Bis wir endlich durch sämtliche Kontrollen waren vergingen etwa 3-4 Stunden. Nicht, dass es so besonders viele gewesen wären, oder die Kontrollen sehr zeitintensiv gewesen wären, aber die langen Schlangen veranlassten uns zu warten. Immerhin waren wir jetzt in Kolumbien, fehlte nur noch das Visum fürs Auto. Die kolumbianischen Beamten kamen mit Blaupapier und Klebeband an und nahmen damit einen Abdruck der Fahrzeugnummer. Die sind ja korrekt hier, das gab’s ja noch nirgends! Dieser Abdruck wurde dann auf unser Einreiseformular geklebt, da ist Schummeln ausgeschlossen. Dann noch Kopien vom Pass, Fahrzeugschein,… endlich hatten wir das heiß ersehnte Papier in den Händen, auf dem nur noch eine Unterschrift fehlte. Die sollten wir aber erst im nächsten Ort Maicao bekommen. Komisches System, aber warum sollten wir so etwas noch hinterfragen?

Also fuhren wir unsere ersten Kilometer auf kolumbianischem Boden, irgendwie war alles ähnlich und doch so anders, aber beschreiben konnten wir die Unterschiede noch nicht. Außer dass es unzählige Mopeds gibt, die sich durch die hohen Spritpreise leicht erklären lassen. Ich wusste generell noch nicht, was mich in diesem Land erwarten würde und hatte ein leicht mulmiges Gefühl. Hörte man doch so viel Negatives in der Vergangenheit, doch mittlerweile sollen sich die Umstände ja sehr verbessert haben und alle Reisende schwärmen extrem von Kolumbien. Ich wollte mich erst mal ein paar Tage an dieses neue und aufregende Land gewöhnen, dann könnte ich mit meinen Gefühlen auch besser umgehen, wenn ich erlebe, wie es wirklich ist. Ich würde auf jeden Fall nicht meine Drohung wahr machen, dass ich Mathias alleine fahren lasse und ich schon mal nach Ecuador fliegen werde. Erstens würden sich unsere Wege bestimmt nicht trennen und außerdem wollte ich ja auch wissen, was sich hinter diesem Land alles verbirgt. Und vorsichtig reisen wir ja sowieso.

 

Wir fuhren hastig durch Maicao durch, da uns schon mehrfach geraten wurde, diesen Ort schnell hinter sich zu lassen und er im Reiseführer als verwahrloste Schmuggelstadt beschrieben wurde. War wirklich eine wüste Gegend, was nicht nur an der Hitze und dem Sandboden lag. Aber wie es im Leben halt manchmal so ist, man hat keine Wahl. Wo wir die benötigte Unterschrift bekommen hätten, kamen wir pünktlich um 12.03 an, was heißt: seit drei Minuten geschlossen! Also hatten wir zwei Stunden Zeit und was sollten wir jetzt schon machen? Also zurück in den Ort und erst mal an einer Bar das erste kolumbianische Bier probiert. Wir empfanden es dort auch gar nicht so schlimm und freuten uns darüber, endlich mal wieder in einer Kneipe sitzen zu können, die nicht komplett vergittert ist. Augenscheinlich kommen aber nicht so viele blonde Touristen vorbei, da mir unser Nachbar ständig zuzwinkerte und mir die Barfrau aus lauter Aufregung mein Bier über die Hose kippte. Aber egal, wir waren in Kolumbien und das Bier „Club Colombia“ schmeckte hervorragend.

Ich hatte ja auch mit dem Rauchen aufhören wollen, sobald ich die kolumbianische Grenze überquerte. Doch zum Bier schmeckt die Kippe halt doppelt gut und keine Stunde in Kolumbien kaufte ich mir die erste Zigarette. Aber wirklich nur eine, denn hier (wie auch in Venezuela) kann man überall einzelne Zigaretten kaufen. Das fand ich ein gutes System, so reduziere ich wenigstens meine Qualmerei und bisher (4 ½ Wochen später) habe ich meinen Zigarettenkonsum dadurch stark eingeschränkt.

Dann holten wir uns die ersehnte Unterschrift, das ganze dauerte lediglich 5 Minuten und endlich ging die Entdeckungsreise los. Schon an der ersten Tankstelle sehnten wir uns Venezuela wieder herbei. Dort war der Sprit mit 2 Cent geradezu geschenkt, hier in Guajira kostete er nur 0,25€/Liter, im restlichen Land kostet er um die 0,85€. Und bei der Peaje ging’s gerade weiter. Auch hier waren wir verwöhnt, in Venezuela kostete die Maut gerade mal 10 Cent, hier muss man mit um die 2 € pro Station schon richtig tief in die Tasche greifen. Und Maut wird in Kolumbien relativ häufig erhoben, da wird mal an einem Tag schon mal 5-10 € los. Wenn man dafür dann gute Straßen und gepflegte Grünstreifen bekommt, wie es überwiegend der Fall ist, ist das ja voll in Ordnung. Aber an manchen Stellen haben sich die privaten Unternehmen wohl verkalkuliert und wir mussten uns durch Hügel, Spalten und abgebröckelte Straßen quälen, dann fragt man sich schon wofür?

 

An einer Tankstelle haben wir vorsichtshalber mal unseren Wassertank gefüllt und wurden auch gleich angesprochen. Wir machten sofort die Bekanntschaft mit der berühmten kolumbianischen Freundlichkeit und einem sehr hilfsbereiten Polizisten in zivil. Doch schickte er uns noch den Rat „Vertrau niemandem!“ mit auf den Weg, was meine anfängliche Unsicherheit bezüglich dieses Landes noch verstärkte.

Der nächste Ort Riohacha war sehr geschäftig, die Straßen waren voll, was es nicht unbedingt leichter machte uns zu einen Geldautomaten durchzuschlagen. Außerdem wurde es langsam spät und wir wussten noch nicht, wo wir die Nacht verbringen würden. Da machten wir den Fehler in der Dunkelheit zu fahren gleich am ersten Tag, aber was hatten wir für eine Wahl? Wir fuhren an die Küste durch die „grüne Hölle“ und die untergehende Sonne hing wie eine feuerrote Scheibe am Himmel. Der vorbeiziehende Nebel an der steilen Küste verwandelte alles in ein mystisches Licht und die Stimmung war einfach geil! Am Straßenrand reihten sich kleine schlecht beleuchtete Lädchen, die Leute tranken gemütlich ihr Bier und irgendwie wirkte hier alles so ordentlich und aufgeräumt. Von den GPS-Daten anderer Reisender geleitet ließen wir uns zu einem Campingplatz führen, der direkt am Meer in Los Naranjos lag. Endlich kamen wir dort an und waren von dem schönen Fleckchen überrascht. Dichte Palmen säumten den Strand und wir konnten uns mitten rein stellen. Im Restaurant ließen wir uns erste kolumbianische Spezialitäten schmecken und lernten Patacónes – eine Art Backbanane – kennen.

Wir blieben noch einen Tag an diesem paradiesischen Flecken und spazierten schon früh (Kolumbien liegt noch eine Stunde weiter nach hinten versetzt, also 7h hinter Deutschland) den palmenbestandenen Strand entlang. Dann kehrten wir in einem kleinen Bistro ein und lernten René kennen. Gleich merkten wir wieder, dass die Kolumbianer sehr wissend und interessiert sind, er fragte uns lange aus und lauschte begierig unseren Erzählungen. Später am Campingplatz wurden wir schon wieder angesprochen, diesmal jedoch von einem Schweizer, der seit 15 Jahren in Medellin lebt. Als wir uns losreißen konnten, gingen wir noch an der Flussmündung baden und waren schon jetzt fasziniert von Kolumbiens Vielfalt.

 

Am nächsten Morgen wollten wir zum bekannten Nationalpark Tayrona fahren. Am Eingang wollte man jedoch eine horrende Summe Eintritt (gut 20€ inkl. Auto, Übernachtung exklusive!), Ausländer zahlen das Dreifache wie Einheimische! Und es gab noch nicht mal einen Plan des Parks. Auf so eine Touriabzocke hatten wir gerade gar keine Lust, wozu sollen wir denn Eintritt bezahlen, um einen Strand zu sehen, an dem wir 5 km vorher schon übernachtet haben? Wir hatten ja Brasiliens Küste abgefahren und so heiß waren wir jetzt auch nicht mehr auf Strände. Noch dazu sollte man an einem Sonntag wohl eher solche Anziehungspunkte meiden. Daraufhin fuhren wir weiter durch die üppige Vegetation, in den Wiesen ragten überall große graue Steine heraus. Viele Leute hatten ihre Gärten ordentlich angelegt und dazwischen fanden sich auch haufenweise Gärtnereien. Zum Glück auch Bars und so reihten wir uns erst mal bei den Biertrinkern ein.

In Santa Marta war es wieder auch sehr voll und geschäftig, doch gab es dort auch nichts sehens- oder bleibenswertes. Wir mussten jedoch noch mal zum Geldautomat, denn am Ersten haben wir nur einen geringen Betrag abheben können. Hier war wieder das gleiche Spiel, aber hauptsache wir waren fürs Erste flüssig. Später saßen wir im letzten Eck eines Internetladens und checkten gerade unsere Mails, als ein Wachmann rein kam und sich nach den zwei „Gringos“ erkundigte. Wir fühlten uns erst mal nicht angesprochen, was soll der schon von uns wollen, doch dann kam er tatsächlich zu uns rüber. Er klärte uns auf, dass unser Benzinkanister (ausgerechnet der mit dem Benzin!) ein Leck hätte und auf den Parkplatz tropft. Wir wussten zwar nicht, wie der uns in diesem riesigen Shoppingcenter finden konnte, aber es war besser so. Mathias ging gleich mit raus, schüttete unser restliches (venezolanisches) Benzin in den Tank und schmiss den Behälter gleich weg. Das sollte sich später als kleiner Fehler herausstellen, denn ohne dem zweiten Kanister sieht die Rückseite nicht besonders gut aus. Aber das sieht nur ein Auge, dass die deutsche Ordnung kennt! Und auch unser zweiter Kanister wurde langsam porös, doch statt ihn in die Wüste zu schicken haben wir ihn einfach mit Klebeband gekittet (damit reparieren wir hier alles), und zum Duschen reicht´s noch.

Kurz nach Santa Marta wurde die Gegend schon einfacher. In den erdigen Seitenstrassen saßen die Leute vor ihren Häusern oder auf der Straße, laute Musik dröhnte aus den Häusern und Bars und dazu wurde getanzt und getrunken. Gefeiert eben, was man hier „rumbear“ nennt. Wir fuhren dann weiter die Küste entlang, wobei sich der Wechsel zwischen sehr ordentlich und siffig arm hier recht schnell vollzieht. Kurz danach fuhren wir direkt durch überschwemmte Slums. Wellblechhütten reihen sich an die Kanalisation, Kinder spielen mitten im Müll und Dreck. Die zahlreichen LKW haben wohl sonntags Fahrverbot, doch weiterhin rollten die zahlreichen Busse durch die Gassen, wir sahen Fahrradrikschas mit Vorhängen und die Straßen sind überfüllt von Mopeds. Und wer glaubt, Kolumbien sei ein typisches lockeres Latinoland, der hat sich geschnitten. Mopedfahrer sieht man selten ohne Helm, dafür immer mit Reflektorweste, auf die nochmals das Nummernschild gedruckt ist. Alle Autos fahren selbst in der Stadt und bei Tage schon mit Licht, alle Fahrer sind angeschnallt, Rauchen für den Fahrer verboten, Höchstgeschwindigkeit außer Orts ist 80 km/h, Radarpistolen sind voll im Einsatz. Irgendwie wurden wir aus diesem Land noch nicht schlau. So viele Regeln, noch dazu hält sich fast jeder dran und wenn nicht, gibt’s saftige Strafen um die 70 €! Aber in solch einem Fall hält man pauschal einen 20.000 er hin (7€) und die Sache ist gegessen. Haben wir jedoch lediglich davon gehört, wir sind bisher ohne Strafe und ohne Schmieren durchgekommen. Nur nach Wasser fragen sie manchmal, was eigentlich „Cola“ bedeutet und für „Colaboración“ steht. Aber mehr als ein Kaugummi ist da bei uns nicht drin.

Wir landeten für die Nacht an unserer ersten kolumbianischen Tankstelle, die wie so viele andere nachts bewacht ist. Wir gönnten uns erst mal ein Bier im spärlich eingerichteten Tankstellenshop, aber hauptsache kühl und erfrischend. Als wir da so sitzen kommt ein Mann rein, mit langen blonden Locken (Armborst, bist du´s??). Und wenn hier schon mal jemand blond ist, dann spricht er natürlich auch deutsch. So auch Rainer, ein Ösi, der seit drei Jahren in Kolumbien wohnt und für eine Steinbruchfirma arbeitet. Er war zwar gerade auf dem Heimweg und hatte noch einen seiner Arbeiter dabei, ließ sich aber gerne noch mal zu einem Bierchen überreden. Gleich nebenan war auch noch ein gemütlicheres Restaurant, dort trank es sich ganz flüssig, bis er dem dann doch Einhalt gebot. In Kolumbien gibt’s nämlich auch Alkoholkontrollen! Wir verabredeten uns jedenfalls mit ihm fürs nächste Wochenende.

 

Wir fuhren am nächsten Morgen weiter durch die ländliche Gegend, überall grasten Pferde und Kühe, Esel kreuzten unseren Weg und irgendwie erinnerte uns die Landschaft an Uruguay. Nur dass in den kleineren Städten mehr los war. Die Straßenverkäufer mit ihren Empanadas und Getränken waren recht forsch, die rannten direkt aufs Auto zu und steckten schon fast ihre Waren ins Fenster. Richtig aufdringlich und unhöflich wurden sie aber nie. Ebenso wenig die Polizisten, die die Straßenkontrollen durchführen. Freundlich reichen sie dem Fahrer erst mal die Hand, dann wollen sie die Fahrzeugpapiere sehen. Nachdem wir das vierte Mal in Folge unsere Kopien erklärten und übersetzten wussten wir schon worauf sie besonderen Wert legen: auf die Autoversicherung. Die ist nämlich in Kolumbien Pflicht! Einmal waren wir nicht angeschnallt und der Polizist machte uns darauf aufmerksam. Und obwohl man den Bullen an der Karibikküste nachsagt korrupt zu sein, ließ dieser uns fahren. Ein anderer meinte nach kurzem Check nur knapp: „Ach so, ihr seid Touristen!“ Als ob das so was wie ein Freifahrschein wäre… Aber nicht immer kamen wir so einfach davon. Immer wieder wurde unsere Autoversicherung genau geprüft und einmal wollte sich ein Beamter nicht mit unserer internationalen Versicherung zufrieden geben. Er beharrte immer wieder darauf, dass wir unbedingt eine kolumbianische Versicherung bräuchten, unsere sei ungültig. Der aufgebrachte Mann brachte sich selbst so in Rage, und ließ uns nicht weiterfahren ehe er nicht seinen Vorgesetzten gerufen hatte. Da er unbedingt einen Grund suchte, von uns ein bisschen Kohle abzuzocken, störte er sich plötzlich an der Farbe unseres Autos – das hätte ja zwei Farben. Richtig: blau und … blau! Das war dann wohl ein bisschen lächerlich! Als der Vorgesetzte dann eintraf, sollte er uns den entsprechenden Absatz in der Verkehrverordnung zeigen. Darin wurde jedoch wieder nur eine in Kolumbien gültige Versicherung erwähnt, nicht zwingend eine kolumbianische. Doch damit gab sich der Typ nicht zufrieden, er hatte sich schon zu weit aus dem Fenster gelehnt, konnte uns nicht mehr einfach so fahren lassen, ohne das Gesicht zu verlieren. Alle Umstehenden grinsten bereits in sich hinein, unser Kontrolleur wurde unterdessen immer lauter und ließ niemanden mehr ausreden. Letztendlich zogen sie sich die Polizisten zur Beratung zurück und kurz darauf wurden wir vom Hysteriker per Handschlag und mit Entschuldigung verabschiedet.

 

Endlich erreichten wir die viel gepriesene Stadt Cartagena, die als schönste Stadt Südamerikas betitelt wird. Davon wollten wir uns selbst überzeugen, und schon unser erster Eindruck war beeindruckend. Der Altstadtkern ist von einer 11 km langen Stadtmauer begrenzt, die die wunderschön restaurierten Gebäude mit den hängenden und reich bepflanzten Balkonen vor Eindringlingen schützen sollte. Wir haben erst mal einen 24h-Parkplatz in Bocagrande, dem Strand-, Touri- und Hotelviertel Cartagenas, gesucht. Doch wir wurden nicht fündig und sind dann erst mal an den Strand gefahren und parkten genau hinter dem Hilton. Nach einer Runde lauwarmer Planscherei gaben wir uns erst mal einer „Privatdusche“ unter der einzigen Palme am Strand hin. Dann haben wir uns auf einem 24h-Parkplatz im Zentrum „eingemietet“ und die Stadt erkundet. Es war unheimlich heiß, aber das hinderte unseren Entdeckungsdrang durch diese hübsche Stadt keinesfalls. Einige Straßenzüge waren überaus ordentlich, andere belebte Teile erhielten sich ihren einfachen Charme. Nach vielen Stunden Stadtbummel gab es wohl keine Gasse, die wir nicht abgelaufen waren, keinen Balkon, die wir noch nicht bewundert hatten und keinen Straßenverkäufer, dem wir nicht entweder einen „tinto“ (eine Art Espresso) oder eine Zigarette abgekauft hatten. Zwischendurch mussten wir uns öfter mal hinsetzen, entweder um uns auszuruhen oder um dem Treiben auf den gepflasterten Strassen zuzusehen. Als wir uns auf ein Stück der Stadtmauer setzten, dem Gewusel und Buschaos unter uns zuschauten, haben wir leider Mathias Sonnenbrille dort vergessen. Wir sind zwar später noch mal dort hin, aber die hatte bereits einen neuen Besitzer. Dafür war die Stadt am Abend noch schöner, aus den Restaurants und Bars drang der Klang von kolumbianischen Rhythmen, auf dem Plaza tanzten sich afrikanische Tanzgruppen mit lauten Trommeln in Ekstase und auf einem Plaza spielte eine Band schnulzige Lieder. Noch dazu fahren wie in alten Zeiten hübsche Pferdekutschen durch die Gassen. In Cartagena herrscht einfach ein angenehmes Flair und obwohl sie für unseren Geschmack etwas zu restauriert ist, konnten uns der allgemeinen Begeisterung einfach nur anschließen. Doch trotz des reichen Angebots an Ausgehmöglichkeiten dachten wir an diesem Abend nicht daran auszugehen, wir hatten noch genug vom Vortag. So legten wir uns bei immer noch 30° und nach einer kurzen Dusche in der Dunkelheit des Parkplatzes in unser Auto und schwitzten die Nacht so vor uns hin.

Als wir am nächsten Morgen schon zeitig durch den Ort liefen, auf der Suche nach einem Internet, fiel uns erst mal auf, dass die Stadt an diesem Montag sehr ruhig war. Bald erkannten wir dass Feiertag war und wir genossen die Ruhe in den gestern noch so hektischen Gassen. Später wollten wir auf die südlich gelegene Isla Barú fahren. Dort sollten wir auf den wundervollen Strand Playa Blanca treffen, der normalerweise von Touribooten angefahren wird, und außer in diesen wenigen Stunden muss es einfach traumhaft karibisch sein. Wir nahmen eine von einem kleinen Beiboot angetriebenen Fähre zum anderen Ufer des künstlich angelegten Kanals und dort erwarteten uns schon sehr schlechte Strassen. Immer wieder versprechen wir unserem Pauli, dass es für ihn nur noch gute Strecken gäbe, aber manchmal geht es halt nicht anders. Die zahlreichen Mopedtaxen überholten uns mit Leichtigkeit und wir quälten uns über die holprigen und schlammigen Wege. Dafür waren wir an einem Ort, an dem bestimmt noch kein deutsches Fahrzeug entlanggefahren ist. Die Vegetation war relativ eintönig, ein paar Kakteen und Bäume säumten den Weg. Manchmal kamen wir an kleineren Häuseransammlungen vorbei und die schwarzen Bewohner winkten neugierig von den Veranda herüber. Manchmal standen auch ein paar Kinder auf dem Weg und beim ersten Mal meinte Mathias: „Man soll den tanzenden Kindern nichts geben!“ Ich verstand gar nichts, welche tanzenden Kinder denn, und schon fingen die Kleinen vor uns auf der Strasse an, wild mit den Armen und Beinen zu schlackern. Woher er auch immer das mit den tanzenden Kindern wusste, das mit dem nichts geben, war gar nicht so einfach. Denn die hielten sich vehement am Außenspiegel fest und rannten ewig mit dem Auto mit, bis wir uns dann erbarmten und doch einen Kaugummi oder Keks durch Fenster streckten. Doch kaum waren die einen weg, zappelten und rannten schon die nächsten rum.

Wir hatten schon den Großteil der Strecke hinter uns da fuhr ein Moped mit zwei aufgeregten Leuten neben uns her. Wir könnten ein paar Meter weiter nicht mehr mit dem Auto weiterkommen und müssten uns ein Mopedtaxi nehmen, um zum Strand zu kommen. Das wollten wir erst mal selbst sehen und an der Stelle angelangt, mussten wir enttäuscht feststellen, dass wir dieses meterlange und tiefe Schlammloch tatsächlich unter keinen Umständen überwinden könnten. Und wer weiß, wie es danach aussieht? Das hätte uns ja mal jemand vorher sagen können, dass die Strecke für normale Gefährte unpassierbar sei, aber manche Erfahrungen muss man halt einfach selbst machen. Wahrscheinlich hätten wir auf solche Hinweise eh nicht gehört. :-)

Wie praktisch, dass ja gleich die Jungs mit ihren Mopeds zur Stelle waren, aber wir hatten weder Lust unser Auto irgendwo im Nirgendwo abzustellen und unsere Sachen für die nächsten Tage zu packen. Außerdem hatten wir ja vor ein paar Tage zu bleiben um uns zu entspannen, und ohne unseren Pauli wollten wir das nicht. Dann halt das nächste Mal in der Trockenzeit, wir kehrten um und fuhren wieder zur Fähre. Wir mussten uns beeilen, denn gerade fing es an zu regnen, und dann wäre die Straße unpassierbar gewesen. So gesehen hatten wir richtig Glück, andernfalls wären wir vielleicht auf der Insel hängen geblieben. An der Anlegestelle gab’s noch von ein paar Jungs eine Autowaschaktion in superschnell, jetzt war unser Dreckspatz auch wieder vom Matsch befreit.

Da die Situation ja jetzt etwas anders aussah, als ursprünglich geplant, mussten wir wieder umdisponieren. Wir richteten uns nach einer Campingadresse nördlich von Cartagena, wer hätte vermutet, dass wir heute noch mal durch Cartagena fahren würden. Aber wie es der Zufall will, wir sind sogar noch ein Drittes Mal in der Stadt gelandet. Da sich nämlich die Campingadresse aus dem Reiseführer wieder mal als Flop herausstellte. Diesmal gab es den Ort Boquilla tatsächlich, aber so sehr wir uns auch bemühten und durchfragten, zur richtigen Adresse konnte uns niemand lotsen, auch keiner der erfahrenen Mopedtaxifahrer. Dass wir außerdem nicht gerade im erlesensten Ort gelandet sind, konnten wir schnell erkennen. Die einfachen Häuser waren dicht an den trüben Wassern einer zugemüllten Lagune gelegen, ein paar Boote lagen davor an. In den Erdstrassen saßen Leute vor ihren Häusern, Schweine oder Hühner liefen herum, aber Autos haben wir keine anderen gesehen. Selbst wenn wir den Camping noch gefunden hätten, wir hätten dort bestimmt keine besonders entspannten Tage verbracht… Auf der Rückfahrt nach Cartagena passierten wir einige Luxusferienanlagen, von denen eine den Namen unseres gesuchten Campings hatte – vielleicht hätten wir dort mal fragen sollen…

 

Also landeten wir wie gesagt ein Drittes Mal an diesem Tag in Cartagena. Zum Duschen fuhren wir direkt an „unsere“ Strandpalme hinter dem Hilton, aber da fand heute ein Mädchen-Baseball-aber-mit-Fußball-Turnier statt. Aber ein paar Meter weiter an der Lagune fanden wir schon einen geschützten Platz. Am Abend gab’s noch zwei Bier in einer der zahlreichen Kneipen der Stadt und danach wollten wir uns zum Vespern eine gemütliche Stelle suchen, schließlich werden unsere Lebensmittel bei der Hitze nicht gerade besser! An ein paar geschlossenen Artesaniaständen etwas außerhalb platzierten wir uns dann unter die Bäume und packten unser Essen aus. Ein Dosensammler fragte uns schüchtern, ob er nicht auch etwas abhaben könne, und wem kann man schon etwas zu Essen abschlagen? Er wurde gleich darauf von einem Wachmann angesprochen, dass es ihm untersagt sei, uns um etwas zu bitten oder gar mit uns zu sprechen. So ist es halt in Ländern mit hohem Anteil der Mittellosen – und dazu gehört Kolumbien mit ca. 60 % Armut!!! – da werden in solchen Touristenzentren die Armen möglichst von den Reichen fern gehalten. Das kann man sehen wie man will…

Als wir dann gerade so unser Brot aßen und bereits vor dem einsetzenden Schauer flohen, kamen zwei Chivas an. Die Chivas sind bunte Busse, an den Seiten offen, haben einen großen Gepäckständer auf dem Dach und sind im ganzen Land die ursprünglichen Fortbewegungsmittel, die immer noch fleißig im Einsatz sind. In größeren Städten werden die Busse jedoch auch zu Partybussen umfunktioniert. Die fahren dann von einer Disko zur nächsten, die Leute steigen für ½ Stunde aus, tanzen und feiern dort, dann geht’s weiter. Und die ganze Fahrt über gibt’s viel Musik und noch mehr Aguardiente (dem heimischen Anisschnaps). Und genau zwei dieser Gefährte kamen in diesem Moment lautstark angefahren. Dort wo vorher Ruhe herrschte und keine Menschenseele zu vermuten war, tobte jetzt der Bär. Um uns versammelte sich alle Businsassen, fliegenden Händler, Musikanten und störten sich nicht weiter an unserem kleinen Picknick. Uns bleibt aber auch nix erspart… Danach sind wir wieder zu unserem Stammparkplatz gefahren, dort kannten sie uns ja schon und haben dort übernachtet.

Diese Nacht war noch heißer und unerträglicher im Auto. Am Morgen wachte ich gegen 6.00 bei 30° und 80 % Luftfeuchtigkeit auf. Einfach unmöglich, obwohl schon alle Fenster und Türen geöffnet waren, darauf hatten wir weiter keine Lust, wir entschlossen uns jetzt endlich von Cartagena zu verabschieden. Es war zwar erst Mittwoch und wir hatten uns ja mit Rainer fürs Wochenende verabredet, aber wir konnten keine Nacht länger in Cartagena bleiben. Entweder wir würden zurückfahren und uns mit Rainer treffen oder es ginge weiter nach Medellin. Aber Rainer war ganz erfreut und so verabredeten wir uns für nachmittags in der Nähe von Barranquilla. Bevor wir die Stadt endgültig verließen sind wir wieder zum Strand gefahren, das Meer bot aber immer noch keine wirkliche Abkühlung, dafür gab’s dann noch eine Dusche. Die bringt jedoch bei diesen Temperaturen relativ wenig, kaum ist man fertig, könnte man sich schon wieder abduschen. Zum Glück waren wir gerade fertig, als ein Wachmann kam und uns darauf aufmerksam machte, dass das Parken am Strand verboten sei. Aber wir waren ja eh gerade fertig und er konnte so noch einen Blick in unser ungewöhnliches „Cama Coche“ (= Bettauto) werfen.

Dann sind wir zum Castillo de San Felipe gefahren. Die Burg war sehr beeindruckend, wobei wir auf eine Führung besser verzichteten, denn die Sonne brannte gnadenlos vom Himmel und lange konnten wir es in und auf den Gemäuern nicht aushalten. Aber riesengroß war sie mit tollem Blick auf die ummauerte Altstadtinsel und die vielen Brücken, die sie mit dem Meer und den neueren hochhausbesiedelten Stadtteilen verbindet.

 

Danach brauchten wir erst mal ein klimatisiertes Restaurant, damit sich unsere dauererhitzten Köpfe mal wieder etwas abkühlen konnten. Dann sind wir langsam Richtung Barranquilla gefahren, wo Rainer wohnt. An einer Tankstelle warteten wir, bis uns er uns abholte. Wir fuhren erst mal gemeinsam zu einem seiner Steinbrüche, wo er noch etwas zu erledigen hatte. Aber wie oft sieht man schon diese riesigen Anlagen aus der Nähe, und dann noch in Kolumbien? Wo wir wieder landen… Dann ging es zu ihm in die Wohnung und da waren wir wirklich baff. Er teilt sich mit seinem befreundeten luxemburgischen Kollegen Laurent eine 170 qm Wohnung in einer der besseren Gegenden. Das wir dort locker unterkommen würden, war dann ja klar. Wir richteten uns das Gästezimmer ein, holten unsere Matratze aus dem Auto, denn das Einzelbett war uns dann doch zu schmal. Wir hatten sogar unser eigenes Bad und unser Auto konnten wir in der Tiefgarage unterstellen. Am Abend waren wir in der Pizzeria eines Freundes und genossen es, einfach so am Abend im Freien zu sitzen. Das war uns nach Venezuela ja nicht mehr so bekannt.

 

Am nächsten Tag haben wir erst mal unsere Wäsche gewaschen, Rainer stellte uns netterweise seine Waschmaschine zur Verfügung. Nur mit dem Aufhängen wurde es dann etwas schwer, aber wir haben dann unsere Leinen quer durchs Zimmer gespannt, dann ging’s schon. Da uns Rainer auch einen Wohnungsschlüssel überlassen hatte, konnten wir uns noch dazu frei bewegen und unsere Gastgeber würden eh erst wieder am Abend heimkommen. Als wir unseren Bummel durch einen Megabaumarkt beendet hatten und uns im Shopping daneben verköstigt hatten, ging’s wieder „heim“. Wir fühlten uns schon sehr wohl dort, füllten den Kühlschrank mit Bier und warteten auf unsere Gastgeber. Eigentlich wollten wir am Abend noch ausgehen, aber irgendwie hatten alle mehr Lust auf einen gediegenen Couchabend. Eine Kollegin der beiden kam noch überraschend vorbei, wir bestellten mehr Bier und noch mal Pizza. Wurde ein sehr lustiger aber auch sehr informativer Abend, an dem wir viel über das Land und die Lebensumstände hier erfuhren. Bevor wir ins Bett gingen bereiteten wir noch das Sofa als Bett vor, denn ein anderer Kollege der beiden kam in der Nacht an. Bei denen ist immer gut was los, auch als wir ankamen reiste gerade eine andere Kollegin ab.

Am nächsten Tag verlegten wir unsere Matratze ins Wohnzimmer und überließen Carlos das Gästebett. Als alle aus dem Haus waren, gingen wir auch auf Entdeckungsreise, wobei uns angeraten wurde, besser nicht ins Zentrum Barranquillas zu gehen. Kolumbien ist wohl auch in einigen Großstädten nicht ganz ungefährlich, wobei sich die Kriminalität doch mehr auf die Slums konzentriert, und da sollte man eh besser nicht hin. Ansonsten könnte es lediglich in Guerillagebieten gefährlich werden, die dank Präsident Uribe in den letzten Jahren sehr zurückgedrängt wurden. Und um sich eine Vorstellung von der Situation zu machen, da hat sich letztens so ein Guerillaführer mit seinen Anhängern – an die 1000 Mann! – gestellt, also unterschätzen sollte man die Situation nie. Aber abgesehen davon und verglichen mit Venezuela, hält sich die Gefahr in Kolumbien dann doch sehr in Grenzen. Und die Guerillas suchen sich als Ziele eh mehr Politiker aus, auf Touristen sind sie gar nicht mehr so scharf, Kohle haben sie scheinbar genug…

Vor unserer Weiterfahrt sind wir noch mal ins Shopping gefahren, wobei bei der Parkhauseinfahrt das Auto von unten und innen auf Bomben untersucht wird. Zwar sind die Kontrollen recht lasch, aber man bekommt eine Vorstellung der Situation hier. Zwar Leben die Leute in Kolumbien mittlerweile ruhiger, aber eine gewisse Angst bleibt, die kann man nach so vielen Jahren mit Unruhen und Bürgerkrieg nicht einfach abschalten. Und die Kolumbianer haben einfach auch schon sehr viel mitgemacht, nicht selten sieht man Leute im Rollstuhl, mit Krücken oder mit dicken Narben im Gesicht. Da kann man sich schon so seine Gedanken machen.

Im Shopping gibt es neben Supermarkt und Markenläden außerdem kostenlosen WiFi-Empfang. Da hat sich dann Mathias zwar irgendeinen Mail-Virus eingefangen, aber Ovi hat’s schon wieder gerichtet. Aber so richtiges Südamerikafeeling bekommt man in solchen besseren Einkaufszentren eher nicht, die Leute sehen auch einfach nur sehr europäisch aus. Dicke Kinder, operierte Luxusmuttis, Handys, Jeans und viel Make-up.

 

Wir haben uns nach drei Tagen wieder aus dem Luxusleben und bei unseren sympathischen Gastgebern verabschiedet und sind wieder in unser altbekanntes Heim gezogen. Letztendlich fühlen wir uns im Auto doch am wohlsten, aber so ein bisschen Platz zum ausbreiten und aufhalten tut natürlich auch mal gut. Bis Medellin waren es noch einige hundert Kilometer und die mussten wir halt abrutschen. Dabei passierten wir idyllische Landschaften mit sanften Hügeln, kleinen Teichen, saftigen Wiesen und gesunden Kühen. Viele Dächer waren mit Palmwedeln gedeckt und in den Orten wurden abwechselnd Hängematten, Möbel oder Schuhe verkauft.

Die Nacht verbrachten wir an einer Tankstelle in Planeta Rica, direkt neben einer Polizeikontrolle. Zum Feierabend gab’s noch ein paar Bier und eine Knabberplatte im open-air-Tankstellenbistro. Die Besitzerin war sehr freundlich und weltoffen, war auch schon länger in Europa. Doch irgendwie hat sie wohl auch die Preise von dort übernommen, denn als uns die Rechnung präsentiert wurde, war die ganz schön saftig. Blöderweise haben wir dazu nichts gesagt, was uns Wochen später immer noch wurmte, aber dafür hatten wir einen „running-gag“ oder besser „running-sad“ mehr.

Als wir am nächsten Morgen die ärmeren überschwemmten Gebiete hinter uns gelassen hatten wurde die Gegend immer geiler. Die ganze Zeit waren wir in Höhen bis 500m unterwegs, aber um nach Medellin zu gelangen, das auf 1500m liegt mussten wir einen Pass von fast 3000m Überwinden. Als wir langsam in die Berge kamen, waren an den Straßenrändern überall lange Schläuche angebracht, die das Wasser aus den Bergen umleiten. Hier werden LKWs gewaschen, was auch fleißig angenommen wurde und wann immer hohe Wasserfontainen am Wegesrand hoch spritzten war eine weitere „Waschstraße“. Nebenbei gibt es unzählige Restaurants, wo das Essen in großen Töpfen auf den Feuerstellen steht und man sich dort buffetartig aussuchen kann, was man möchte. Die einfachen Holzmöbel oder Plastikstühle (die es einfach überall gibt) sind meist liebevoll mit karierten Tischdecken gedeckt und schon von weitem nimmt man die leckeren Gerüche wahr.

Die Wohnungen waren mal bunte Holzhäuser, mal nur einfachste Lehmhütten oder ärmliche Planenbehausungen. Obwohl die Landschaft so atemberaubend schön ist, leben in der Höhe einige Leute vom Betteln. An den Straßen warteten Frauen oder Kinder mit Plastikschüsseln in den Händen, bis sich jemand erbarmt und etwas gibt. Wir reichten öfter mal Kräcker, aber Allen kann man gar nichts geben und wir fühlen uns jedes Mal in der Zwickmühle. Mittlerweile geben wir denen was, die verletzt oder behindert sind und definitiv nicht für ihr Geld arbeiten können. Ansonsten entscheiden wir in der Situation, aber Geld geben wir eigentlich selten. Wenn jemand bettelt, weil er Hunger hat, dann wird er sich auch über ein paar Kekse freuen. Und das tun sie dann auch… Nur was ich nicht haben kann, ist, wenn ein Früchteverkäufer etwas anbietet, wir nichts wollen und darauf die Aussage kommt: „Dann schenk mir Geld!“ Ja, wo sind wir denn!? Das geht ja gar nicht, kommt zum Glück auch selten vor.

Ansonsten kaufen wir ganz gerne den Straßenverkäufern etwas ab, wenn wir auch nicht immer wissen was was ist. Bei den Früchten müssen wir uns manchmal erst erklären lassen, wie man sie isst, dafür entdecken wir auch Früchte, die wir nicht kennen. Leider haben wir auch mal „Baumtomate“ probiert. Wir dachten, das sei eine Art Tomate, aber es ist eine Frucht und war einfach nur extrem bitter! Hinterher habe ich erfahren, dass man die Schale gar nicht essen darf, sondern nur das Fleisch auslöffelt. Da hätten wir mal vorher fragen sollen, aber man lernt halt nie aus. :-)

Was mir in den kleinen Bergorten gut gefallen hat, war, dass Pferde noch ganz normal als Fortbewegungsmittel eingesetzt werden. Oft genug sahen wir in den kleineren Orten gesattelte Pferde, die vor den Bars oder Geschäften angebunden wurden und wie selbstverständlich neben den R4s (die gibt’s im ganzen Land) „parkten“. Die dazugehörigen „Cowboys“ mit ihren verschiedenartigen Hüten, Schals, Gummistiefeln und Macheten durften bei diesem Bild natürlich auch nicht fehlen. Viele Häuser waren eng an die sich am Berg entlang schlängelnde Straße gebaut, trotzdem fand sich noch Platz für die Gatter. Und immer wieder Wasserfälle, viele Marien- und Jesusfiguren säumten den Weg, vor den Häuser standen häufig große Milchkannen. Je weiter wir in die Berge kamen, desto öfter war auch die Straße an den steilen Hängen gefährlich abgerutscht. Bei Regen möchte ich diese Strecke nicht unbedingt fahren! Aber gefahren bin ich in der letzten Zeit eh nicht viel. Meistens genieße ich es, durch die Gegend kutschiert zu werden, ich mache dabei Fotos, notiere mir Dinge, die mir auffallen und betätige mich als aufmerksamer Copilot (wenn ich nicht gerade Karten lesen muss!). Als ich dann doch mal gefahren bin, weil Mathias müde wurde, habe ich es ganze 38 km geschafft. Danach bin auch ich so müde gewesen, dass ich am Straßenrand halten musste und wir eine Siesta einlegten. 

 

Endlich erreichten wir Medellín, die Stadt die man wohl am ehesten mit Koks, Kartell und Kriminalität verbindet. Als wir jedoch die Stadt vor uns liegen sahen, eingebettet in die grünen Berge, darüber der strahlend blaue Himmel, waren diese Assoziationen wohl die letzten die wir hatten. Beeindruckend dieses Häusergewirr, dicht an dicht, natürlich schachbrettartig angeordnet und – einzigartig – mit einer überdimensionalen Seilbahn sind die Vororte mit dem Zentrum verbunden. Wie wir hörten sollte heute der letzte Tag der „Fiesta de Flores“ sein, und traditionell sollten an diesem Tag die „Silleteros“ auftreten. Da laufen dann Leute mit überdimensionierten Holzstühlen auf dem Rücken durch den Straßenzug, die Stühle mit schweren Blumengestecken dekoriert. Die Parade soll an die Indios erinnern, die ehemals die reichen Herren auf Stühlen auf dem Rücken die Berge hoch getragen hatten und dabei unmenschliches geleistet hatten. Wir fragten nach den Silleteros, doch man sagte uns mehrmals, die Parade sei bereits vorbei. Ärgerlich, aber warum sitzen denn immer noch die ganzen Leute erwartungsvoll am Straßenrand? Soll uns jetzt auch egal sein, dann fahren wir halt erst mal in ein großes Shopping. Als wir gerade einen Polizisten nach dem Weg fragten, kamen wir in den vollen Genuss der kolumbianischen Freundlichkeit. Ein Autofahrer meinte nur wir sollten ihm folgen, er fuhr uns dann den Weg voraus, obwohl das nicht auf seiner Strecke lag. Das ist ja ein Ding!

Nachdem wir uns dann die Bäuche vollgeschlagen hatten und beim Bummel in einer Elektroabteilung landeten, staunten wir nicht schlecht, als wir die Parade der Silleteros sahen und in der Bildschirmecke „en vivo“ leuchtete. Wir Helden… :-) Als wir gerade das Parkhaus verließen hielt ein Wagen neben uns, der Fahrer fragte uns auf englisch woher wir kämen und meinte, mit Fingerzeig auf die Leute auf seiner überfüllten Rückbank, „we have a Polaka!“ :-) Von ihnen ließen wir uns den Weg aus der Stadt erklären, aber einfach war es nicht, aus der Stadt rauszukommen. Ständig waren Brücken und Straßen wegen des Festes gesperrt, immer wieder fuhren wir im Kreis und die Dunkelheit nahte. Aber wir kamen irgendwie nicht wirklich aus dieser 2-Mio.-Stadt heraus. Und noch ehe wir die Autobahn nach Bogotá erreicht hatten, war es natürlich schon wieder dunkel. Zwar war der Blick auf die Hügel der Stadt bei Dunkelheit mit den unzähligen Lichtern an den Hängen sehr beeindruckend, aber Nachtfahrten wollten wir gerade in Kolumbien vermeiden. Aber es half ja jetzt alles nichts, wenigstens hatten wir endlich die richtige Strecke erwischt. Und endlich erreichten wir weit genug außerhalb eine geeignete und bewachte Tankstelle, an der wir die kühle Nacht verbrachten. Doch ließen mich meine Träume nicht richtig schlafen, aber so besonders oft wird man ja auch im Traum nicht von Guerillas verfolgt. Da hab ich wohl trotz der tollen Leute hier mein Unwohlsein noch nicht ganz abgelegt…

Dass wir auf einer der Hauptrouten des Landes waren (Medellín – Bogotá), erklärte auch das extreme Polizei- und Armeeaufgebot. Alle 500m waren Leute abgestellt, Schießscharten säumten die Brücken, ab und an stand mal ein Panzer daneben. Ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist? Nach etwa drei Stunden toller Landschaft, Bergen, Dschungel und Wasserfällen erreichten wir unser nächstes Ziel Rio Claro. Neben Hotel und Refugio gab es sogar einen Campingplatz. Die sanitären Einrichtungen waren zwar vom Gebrauch gezeichnet, und eine Außendusche hatten wir ja eh schon die ganze Zeit. Dafür hatten wir eine riesige Wiese mit schattenspendenden Bäumen nur für uns und von dort waren es nur wenige Meter an den Fluss. Der machte zwar seinen Namen keine große Ehre, aber das lag vorübergehend am Regen der Vornacht. Auf jeden Fall war das Wasser toll erfrischend. Wir hatten uns wieder mal voll eingerichtet, die Hängematten zwischen den Bäumen gespannt und das Leben genossen. Sehr toll, wenn man abends mitten im Dschungel Kolumbiens in seiner eigenen Hängematte baumelt. Ab und zu kamen mal die Nachbarsbuben vorbei (insgesamt mindestens 7, die alle Jason, Johnny, Jeffrey und ähnlich hießen), und brachten uns Früchte von den Bäumen an. Sie drängten neugierig ins Auto und löcherten uns mit Fragen, wollten deutsch lernen und es war gar nicht so einfach, die Buben später wieder loszukriegen. 

Essenstechnisch versorgten wir uns entweder selbst oder testeten die Restaurants. Das eine gehört zum Refugio, war sehr neu, sehr schön und komplett aus Holz gebaut. Das andere war eher schlicht, wo normalerweise die LKW-Fahrer einkehren. Bei beiden gab es gutes und günstiges Essen, beim LKW-Treff noch etwas günstiger, dafür war die Bedienung etwas schroff. Aber man bekommt dort eine Suppe (Kolumbianer sind absolut suppengeil!), einen Teller mit Reis, Bohnen, Ei, Pommes, Salat, wahlweise Fleisch, Fisch oder Huhn und dazu einen Krug mit Limo. Und dafür bezahlt man dann gerade mal 2€! Und das noch super lecker!

 

Gleich neben unserem Camping begann das Refugio, wo wir entlang des Rio Claro wanderten, kleinere Höhlen erkundeten, und immer mitten im Dschungel waren. Wir liefen bewaffnet mit Messer und Insektenspray (was Kakerlaken tötet, kann ja mal generell im Urwald nicht so schlecht sein) die schmalen Wege über Stock und Stein und immer wieder boten sich sagenhafte Ausblicke auf das glasklare Wasser. Hier gab es auch einige Canopi-Strecken, das sind Seilbahnen, an die man sich mit dem Körper hängt und die in einigen Metern Höhe über dem Wasser angebracht waren – sehr beliebt in Kolumbien. Am Ende der Tour gelangten wir an eine Stelle des Flusses, wo eine Höhle mündete. Wir haben uns am Seil über den Fluss gezogen, wobei die starke Strömung die Sache gar nicht so einfach gestaltete. Auch am Höhlemeingang waren Seile angebracht, aber da es dort sehr glitschig war – und nebenbei ja auch der Wasserfall auf uns herabplatschte – kletterte nur Mathias dort rein. Innen war es stockfinster und rutschig. Angeblich soll man diese Höhle auch von der anderen Seite in einer einstündigen Wanderung begehen können, aber als wir das versuchten fanden wir trotz mehrmaligem Nachfragen nicht den richtigen Weg zum Eingang. Das ist eine Sache, die müsste man dann doch mit Führer machen und vor allem mit guten Taschenlampen. Mir war das dann nicht so geheuer, außerdem wohnen in dieser Höhle auch noch Guácharos, diese sonderbaren Ölvögel, die fledermausähnlich in der Dunkelheit leben. Die wollen wir doch nicht stören, oder? ;-)

Aber auch so war es immer wieder schön im Fluss zu baden. Auf der anderen Fluss-Seite hingen ein paar Seile von den Bäumen, an denen sich immer wieder Pseudotarzans (und wir!) versuchten. Ab und zu kamen auch mal andere Leute auf den Camping oder nur um im Fluss zu baden. Oder um sich dort zu waschen, dann geht’s wieder in voller Montur ins Wasser, einen Stein Seife dabei und fertig!

Nur nachts war es mir manchmal schon fast unheimlich, denn der Platz war spärlich bis gar nicht beleuchtet. Ich weiß nicht, ob das Stromspar- oder andere Gründe hat, wir werden es wohl nie erfahren. Ich fand es jedenfalls nicht so toll, denn es war meistens wirklich stockdunkel. Aber das und die Mücken (jede erdenkliche Variante die stechen kann stach uns auch, da half kein Off mehr!) waren die einzigen unerfreulichen Umstände dort. Ansonsten fanden wir es wunderschön und erholsam und erfreuten uns an den vielen Schmetterlingen.

 

Nach vier Tagen Faulenzen, Auto waschen, Wäsche waschen, Erkundungstouren,… rissen wir uns von diesem schönen Ort los. Wir fuhren über Marinilla, dort machten wir einen kurzen Internetstop. Der Abstecher dorthin hatte sich voll gelohnt, denn der kleine Ort ist wirklich süß. Rund um den Plaza herrscht geschäftiges Treiben, überall stehen die Männer mit ihren Hüten und Decken bzw. Tüchern um die Schultern. Es wimmelt von kleinen Ess-Ständen, Kleinwarenverkäufern und Schulkindern. Einfach herrlich hier, jeder der hier mal vorbei kommt, sollte wenigstens einmal um den Plaza fahren. Dann ging’s weiter nach El Peñol, wo es sogar ein Touri-Info – leider mit wenig Info – gab. Die nette Señorita verwies uns nur auf ein Hotel, dort wüsste man schon, wo ein Camping sei. Aber zuerst wollten wir rauf auf diesen überdimensionierten Hinkelstein, der da einsam in der Gegend steht. Den hatte die letzte Eiszeit irgendwie vergessen, was uns zu Gute kam, denn nachdem wir die 200 Höhenmeter (verteilt auf 649 abenteuerlich an den Fels gebaute Stufen) hatten wir einen sagenhaften Ausblick. Um uns herum war ein riesiger Stausee, der sich mit unzähligen Inseln und Buchten in die Landschaft einfügt. Beeindruckend.

Nachdem wir uns in einem Restaurant gestärkt hatten, ging’s weiter auf die Suche nach dem Camping. Auf einer Holzortstafel von Guatapé war der auch eingezeichnet und in der Dunkelheit fanden wir ihn dann auch. Doch der war abgeschlossen, zu Fuß wäre man drauf gekommen, mit Auto jedoch nicht. Ach, was soll’s, da der Regen gerade einsetzte und uns eigentlich schon egal war, ob wir hinter oder vor dem Zaun schliefen setzten wir uns erst mal in den kleinen Kiosk, der in einem Haus untergebracht war. Dort ließen wir uns ein paar Bier schmecken, unterhielten uns ein wenig mit den freundlichen Besitzern und beobachteten das abendliche Treiben. Dann kuschelten wir uns in unsere Koje und schliefen ein. Wir schliefen nicht gerade gut, das Bier im Kopf ließ uns immer wieder aufwachen und die nassen Stellen im Auto nicht wieder einschlafen.

Am nächsten Morgen war erst mal eine Dusche vonnöten. Der Campingplatz war mittlerweile geöffnet und gegen ein Entgelt von 0,30€ konnten wir – natürlich kalt – duschen. Gerade als wir fertig waren, kam der Kiosk-Opi an und bot uns bei sich im Haus eine Dusche an. Wie süß! Wir ließen uns dort noch ein kleines Frühstück schmecken und weiter ging’s. Wir fuhren noch eine Runde um den Plaza, da die Häuser dort mit hübschen Mustern verziert waren. Dann ließ ich mich noch mit so einem Canopi über den See gleiten, der erste Moment war geil, aber so spektakulär war’s generell auch nicht.

 

Schließlich wollten wir ja nach Medellin, denn es war bereits Samstag und wir hatten uns mit dem „Fussball-Asso“ Matthias (kurz: MK), einem Kumpel von Mathias, verabredet. Der war zufällig gerade in Kolumbien unterwegs ist und reist von Fußballspiel zu Spiel durchs Land. Mit ihm wollten wir eine das Stadtderby anschauen, das am Sonntag stattfinden sollte. Als wir nach Medellin rein fuhren, war jedoch der Zauber des ersten Mals etwas verflogen. Stau überall, stinkende Busse dazwischen, Smog darüber, wir zwischendrin! Und irgendwie hatte ich wieder mal meinen Kampf mit dem wenig detaillierten Stadtplan, Mathias seinen mit dem chaotischen Verkehr, wir unseren mit unseren Dickköpfen. Dass Kolumbien ein Verkehrsproblem hat, erkennt man leicht an den Fahrverboten in Großstädten für bestimmte Nummernschilderendungen. Da ist dann genau geregelt, wer wann fahren darf. Und heute fuhren für unseren Geschmack zu viele Leute, und die zu chaotisch, obwohl uns Großstädte generell keine Angst einjagen. Aber alles was wir irgendwie versuchten zu erreichen, war dann aufgrund einer Baustelle, Einbahnstraße oder nicht abbiegbarer Kreuzung unmöglich. Zuerst suchten wir einen 24h-Parkplatz. Von anderen Reisenden hatten wir einen GPS-Punkt, doch wo der uns hinführte wollten wir lieber nicht bleiben. Wir fuhren erst mal ins bekannte Shopping, aßen etwas und gut gestärkt ging die Odyssee weiter. Als nächstes waren wir auf der Suche nach einem Geldautomaten. Wir hatten uns schon vorher die Adresse aus dem Internet gesucht, doch obwohl wir bereits daran vorbeifuhren, war keine citi-Bank in Sicht. Schlussendlich hielt Mathias an einer Kreuzung an, ich sollte mich jetzt zu Fuß auf die Suche machen. Ich fragte bei einem Polizisten nach und sein junger Kollege (mit Zahnspange natürlich!) begleitete mich persönlich zum Geldautomaten. Was für ein Service. Als nächstes wollten wir zum Hotel von MK, und das befand sich nicht gerade in einer Luxusgegend. Und wenige Meter vorher sehen wir tatsächlich einen gut gelegenen Parkplatz, nicht überdacht aber sicher und 24h geöffnet. Super.

Wir gingen zum Hotel und trafen MK. Schon komisch ein bekanntes Gesicht aus Aschebersch ausgerechnet in Kolumbien wieder zu sehen. Wir tranken erst mal ein Bier im Hotel, dann ging’s zu Fuß und per Metro (auf Schienen über den Straßen) ins Ausgehviertel. Zum Glück war MK schon am Vorabend in Medellin und hat alles ausgekundschaftet. Und in der Zona Rosa angekommen, waren wir wirklich über all den Trubel überrascht. Ich weiß nicht, wie lange wir das jetzt schon nicht mehr hatten. Einfach ein Kneipenviertel, viele Leute auf den Gassen, alle trinken, alle sind gut gelaunt.

Da wir erst noch mal was essen mussten sind wir in so einen Burgerladen, aber der war mehr als reichlich und hing uns allen noch lange im Magen. Darauf erst mal ein Club Colombia, oder für mich lieber ein Pilsen. Wir saßen in einem Straßenkaffee, viele Teenies um uns herum, alle haben Becher und eine Flasche (oder einen Tetrapack!) Aguardiente auf dem Tisch stehen. Aguardiente ist das Nationalgetränk der Kolumbianer, ein milder Anisschnaps, der mit Eis, Wasser oder Cola getrunken wird. Den sollte man wenigstens einmal probiert haben. Zu späterer Stunde waren wir mitten in einem Gespräch mit angetrunkenen Jugendlichen, die etwas anstrengend aber immer noch nett waren und uns unaufhörlich vom schönen Medellín vorschwärmten. Um 2.00 haben wir uns dann ein Taxi genommen und sind nach Hause gefahren. Der Taxifahrer war zwar etwas planlos, aber mittlerweile kannten wir uns aus und sagten ihm schon, wo´s langgeht.

Am nächsten Morgen machten wir uns erst mal auf dem Parkplatz einen Kaffee. Da saßen wir wie in einer grünen Oase inmitten einer Großstadt, im Hintergrund die Hochhäuser. Dann bummelten wir ein bisschen durch die Stadt und wollten abermals zur Bank, da man ja immer nur geringe Beträge abheben kann. Aber die Bank hatte zu und die nächste war nur per Taxi zu erreichen. Da sprach uns ein Pärchen an, ob wir uns nicht das Taxi teilen wollen. Gesagt getan und wieder mal machten wir die Bekanntschaft außerordentlich netter Kolumbianer. Mittags haben wir dann MK abgeholt und sind gemeinsam ins Shopping gefahren. Dort haben wir was gegessen und das Auto im kostenlosen Parkhaus stehen gelassen, zu Fuß war es noch etwa 30 min zum Stadion. Unterwegs begegneten uns schon die ersten „Fußball-Assos“ in grünen Shirts (Nacional), und am Stadion warteten bereits berittene Polizei und „Robocops“. Doch leider gab es kein Bier, weder im noch vorm Stadion, aber doch sah ich ein paar Leute trinken. Ich fragte den ersten woher er denn seine Dose hätte, darauf meinte er nur, die hätte er mitgebracht und er schenkt uns seine anderen zwei. Ich musste nur im Gegenzug für seine in rot/blau antretende Mannschaft (DIMedellin) halten. Kein Problem! Muy bien y muchas gracias!

Wir hielten uns noch eine Weile vor dem Stadion auf und bekamen den Aufmarsch der Nacional-Fans mit. Die berittenen Polizisten bildeten eine Reihe, dahinter waren Wellenbrecher aufgebaut, danach ein paar Robocops und dahinter kamen dann die Nachwuchspolizisten. Die hatten einfach nur tarngrüne Anzüge an und Baretts, einige von ihnen waren noch so unerfahren, die machten selbst staunend Bilder mit dem Handy.

Die Fans waren jedenfalls relativ ruhig, sangen ihre Fanlieder und schwenkten ihre Fahnen. Nur waren sie wohl nicht besonders begeistert, dass wir von ihnen Fotos machten, da kamen dann schon mal ein paar Spritzer Wasser in unsere Richtung. Aber solange es nur Wasser ist…

Wir sind schon zeitig ins Stadion, um noch gute Plätze zu bekommen. Wir hatten Karten für die überdachte Tribüne für ca. 10€, dort war rot und grün relativ gleichmäßig vermischt. Links von uns war der rote Fanblock, rechts der grüne, gegenüber die unüberdachten Plätze, im Hintergrund die Berge. Tolles Stadion, da passen ca. 50.000 Leute rein, die Akustik ist super, aber jetzt verstand ich, warum vor dem Stadion so viele Sitzkissen verkauft wurden: die Sitzbänke sind aus purem Beton. Und wo war eigentlich die Anzeigentafel?

Wir genossen die Atmosphäre im Stadion, schon zwei Stunden vor Anpfiff sangen die beiden Fanblocks um die Wette, es wurde getrommelt, Fahnen geschwenkt, Papierrollen geworfen und angefeuert. Einfach geil und MK und ich fotografierten und filmten um die Wette.

Zum Einlauf der Spieler ging es dann richtig ab, im roten Block wurden rote und blaue Luftballons im Takt der Trommeln gewedelt und als die Spieler einliefen wurden tausende von den Papierrollen auf einmal von den Rängen geworfen. Sah aus wie ein überdimensionaler weißer Wasserfall. Wow! Und dann bei grün noch mal das gleiche Spektakel. Phantastisch!

Und dann begann endlich das Spiel, wobei das trotz aller Anfeuerungen und Unterstützung der Fanblocks relativ unspektakulär war. Medellin spielte schwächer und konnte nicht ganz so viele Fans und Anfeuerungen aufweisen. Mittlerweile war auf der gegenüberliegenden Tribüne auch fast alles grün, Nacional ist so in etwa Bayern München von Kolumbien. Aber wir waren voll auf roter Seite, da wir näher an ihrem Fanblock standen und von der Stimmung einfach mitgerissen wurden. Obwohl während des Spiels nicht besonders viel passierte, wurden die Fans nicht müde weiter ihre Mannschaften lautstark zu unterstützen. Und wir lernten nebenbei die komplette Schimpfwörterpalette von „maricón“ (Schwuchtel) bis „hijo de puta“ (Hurensohn) kennen. Am Ende konnte Nacional dann doch noch ein 1:0 für sich verbuchen, wir ließen unsere gehobene Stimmung ausklingen und das Stadion wurde ohne größere Unruhen geräumt. Jetzt gab es auch in den Kiosks vor dem Stadion wieder Bier, wo wir uns gleich bedienten und uns ein paar leckere Chuzos (Fleischspieße) dazu schmecken ließen. Plötzlich fiel uns ein, dass unser Auto ja noch in der Shoppingtiefgarage steht, aber wir gar nicht genau wussten, wie lange die noch geöffnet hat, ist ja schließlich Sonntag. Also sind wir dorthin gelaufen und – das Parkhaus war zu! Scheiße! Wir suchten alle Ausgänge ab, alles zu, nur ein Wachmann meinte es gäbe noch eine offene Einfahrt. Tatsache, da hatten wir jetzt aber Glück gehabt, sonst hätten wir uns für diese Nacht auch noch eine Unterkunft suchen müssen.

Wir wollten irgendwo noch ein Bier trinken gehen und fuhren zurück Richtung Zentrum / Hotel. Aber eigentlich hätten wir uns das ja denken können, dass es in dieser „Luxusgegend“ keine vernünftige Bar gibt. Jetzt wurde uns erst mal bewusst, dass wir die Vornacht im absoluten Rotlichtviertel übernachtet hatten. Obwohl die Gegend ja nicht so einladend war, ließen wir uns noch ein letztes gemeinsames Bier an einem Kiosk schmecken. Aber sehr zum Verweilen lud der Platz nicht ein, neben den leichten Mädchen fand sich hier noch so einiges an asozialen, abgebrannten, runtergekommen, kaputten Leuten ein, zugedrogte Kinder, Bettler, Säufer. Tja, Großstadtarmut ist anders. Wir haben uns dann verabschiedet, und uns gleichzeitig für das nächste Derby in Cali für zwei Wochen später verabredet. MK ist dann noch mal in eine Kneipe (oder was war das? ;-)), wir auf die Autobahn stadtauswärts. Wieder das gleiche Spiel, sonderbare Ausschilderungen machten uns das Leben nicht gerade leichter (z.B. Cali geradeaus, aus der anderen Richtung nach rechts??), noch dazu war es bereits Nacht und wir hatten immer noch keine Ahnung wo wir schlafen würden. Es fing gerade an zu regnen, da kam endlich eine geeignete Tankstelle, an der es sogar (wenn auch eiskalte!) Duschen gab. Wenigstens hatten wir einen guten Platz zum Stehen, aber generell sind die Tankstellen in Kolumbien anders. Es gibt zwar auch viel LKW-Verkehr, aber die Fahrer haben so kleine Kabinen, dass sie darin nicht schlafen können. Darum nehmen sie sich häufig eine günstige Unterkunft statt in ihren Kabinen zu schlafen. Bewacht sind die Tankstellen trotzdem, häufig gibt es zusätzlich ein separates abschließbares Parkgelände für die Trucks. Aber wir sind bis jetzt immer gut untergekommen…

 

Unser bisheriger Eindruck von Kolumbien bestätigt voll und ganz die Aussagen anderer Reisender. Kolumbien ist toll!

Neben einer sehr abwechslungsreichen Landschaft überraschen die Menschen mit einer ehrlichen fast schon naiven Freundlichkeit. Die Musik wird wieder gediegener, man hört wieder mehr Ziehharmonika- und Gitarrenschnulzen, Regaetton fast gar nicht mehr. Der Sommerhit Südamerikas kommt aus Kolumbien und besingt das schöne Leben, „que bonito es la vida!“. Freundschaften haben hier wieder einen höheren Stellenwert. Die Leute trinken weniger, der Schnaps ist softer, das Bier lecker und die Leute rauchen wieder mehr.

Kolumbianer sprechen meist sehr deutlich, ich werde überall mit „mi amor“ angesprochen und alles wird mit –ito/-ita verniedlicht. Nicht nur Häuser werden zu casitas, auch ruhig wird durch tranquilito zum „ruhig-chen“, die Straße ist statt schlecht nur malito („schlecht-chen“). Und jetzt wird zu horita, „jetzt-chen“.

Und obwohl das Land durch Krieg und Armut gezeichnet ist, hat man das starke Gefühl, dass sich die Leute nicht hängen lassen, sondern das Leben anpacken und zusammenhalten.

Weiterlesen:  30. Medellin – Ecuador: Kolumbien – Ein Land zieht uns in seinen Bann