03. Salvador de Bahia – Buenos Aires

3. Reisebericht: Auf dem Schiff

Salvador de Bahia – Victoria – Rio de Janeiro – Santos – Zarate – Buenos Aires

Nach ein paar Tagen auf dem Meer sind wir dann endlich auf dem langersehnten Kontinent Amerika Latino angekommen. Der erste Halt war in Salvador de Bahia. Schon von weitem eine sehr interessante Stadt. Man konnte vom Schiff aus genau die Altstadt und den neueren Teil mit den vielen Hochhaeusern erkennen. Und vom Schiff aus konnte man schon direkt in die Gassen der Stadt schauen. Die haben hier Fussgaengerampeln mitSekundenanzeige, wie lange noch gruen ist! Wir sind so schnell es ging in die Stadt und haben das suedamerikanische Flair genossen. Nach ein bisschen Internet haben wir uns am Hauptplatz neben dem Jachthafen in ein Cafe gesetzt und der vor uns tanzenden Capueira-Gruppe zugeschaut. Das ist ja Klischee pur. Aber bei der Hitze mit ein paar Bier oder unseren ersten Caiprinha (1,40Euro) das beste was es gab. Natuerlich haben wir unserem armen arbeitenden Matrosen Giorgio auch gleich einen mit aufs Schiff gebracht. Danach waren wir wieder richtig in Trinklaune, und ich vor allem in Tanzlaune, doch leider verkaufen sie noch keine Cocktails auf dem Schiff und Disco haben sie dort auch keine. Schade. Aber der naechste Hafen kommt bestimmt…

Und der kam dann auch gewaltig. Victoria. Zuerst mal zur Einfahrt in den Hafen. Die ist so aussergewoehnlich, dass die komplette Crew und sogar der Kapitaen ihre Kameras zueckten, um die enge von kleinen Huegeln und Inseln gesaumte Einfahrt zu fotografieren. Atemberaubend, da hat der Lotse wirklich was geleistet und uns einen traumhaften Blick verschafft.
Als wir endlich an Land konnten sind wir sofort in den Ort gerannt, der jedoch nicht sehr erfolgsversprechend aussah. Ist halt nur ein Hafengebiet. Da gab es eigentlich nix ausser einer kleinen Bierbude vor der ein paar Leute grillten und laute Musik hoerten. Na, und da haben wir uns dann halt gleich mal dazugesellt und drei Bier bestellt. Stellt euch mal vor, die haben Flaschen mit 660 cl, wenn du dir da drei Bier bestellst, dann hat jeder so einen Humpen vor sich stehen und den muss man auch noch schnell trinken, wird ja sonst warm. Katasroph (bitte um franzoesische Aussprache)! Aber wir sind ja anpassungsfaehig, nur fuer Mathias ist das ja bekanntlich ein Problem. ;-) Irgendwann haben wir uns dann sogar auf portugiesisch unterhalten, was eigentlich keiner von uns kann. Zu Dienstende haben wir Giorgio abgeholt und sind zu viert (Norbert natuerlich noch) mit dem Bus in die Innenstadt gefahren. Vorher hat Mathias noch einen Friseur aufgesucht, doch da das ja immer etwas schwerig ist zu erklaeren, wie man es gerne moechte, haben wir enfach Giorgio als Vorbild genomen und gesagt: ” Bitte so wie er.” Hat ganz gut funktionniert und Mathias sah endlich wieder ordentlich aus. In Victoria haben wir lecker Fleisch gegessen, direkt am Strand (das erste mal die Fuesschen im Wasser) und uns noch ein paar Cocktails reingezogen. Mhhh, die schmecken unter Palmen halt irgendwie anders. Doch bevor wir richtig loslegen konnten mussten wir zurueck ans Schiff, denn Giorgio musste wieder arbeiten. Wir anderen drei haben uns dann in eine Bar am Strassenrand gesetzt, wo schon wieder gegrillt wurde, und noch ein bisschen weiter getrunken. Dort waren alle in ziemlich guter Stimmung, die Tochter der Wirtin und ein Gast hatten Geburtstag und sofort wurden wir aufgefordert zu gratulieren und mitzuessen. Und schon waren wir mitten im Geschehen. Dann hab ich mir erst mal zwei Maedels geschnappt, die Jukebox angeschmissen und endlich getanzt. Yeah, wurde ja auch mal wieder Zeit, nach so langer Zeit auf dem Schiff mal wieder abzugehen. Und Mathias… der hat sich die ersten Jungs geschnappt und in saemtlichen Sprachen endlich wieder ueber Fussball gelallt und Trinkspielchen vorgefuehrt. Und Norbert… der hat sie Grillfrau geschnappt und weiss der Geier was er ihr vorgefuehrt hat? Als er nach zwei Stunden wieder kam, sind wir zusammen irgendwie wieder zum Schiff. Da hat uns die gesamte Crew einlaufen sehen, was fuer die auch nochmal ein riesen Spass war. Schliesslich konnten ja auch nicht alle von Bord und gerade auf Brasilien – oder besser auf die Frauen dort – freut sich die gesamte Besatzung. Und zum Abschluss sind Mathias und Norbert – ich war brav im Bett – noch mit unseren Weihnachtsgirlanden behangen durchs ganze Schiff gelaufen. Uiuiui. Aber alles in allem hatten wir einen super Abend, es war richtig spassig, wir haben -natuerlich- viel getrunken und ich habe endlich mal wieder getanzt. Davon haben wir noch tagelang gesprochen und gezehrt.

Der naechste Hafen war Rio de Janeiro. Mathias war so aufgeregt, dass er die Nacht ganz schlecht geschlafen hat. Und dann sind wir schon um 6.00 aufgestanden um die Hafeneinfahrt nicht zu verpassen. Und ausgerechnet an diesem Morgen war alles nebelig und regnerisch (das erste Mal auf der ganzen Reise) und vor allem saukalt. Ich habe halbherzig Bilder gemacht, aber so richtiges Feeling wollte nicht aufkommen. Ich habe mich erst mal wieder ins Bett gelegt, denn bis wir von Bord konnten und alles abgewickelt ist, das dauert eh immer. Und bis dahin war das Wetter wieder schoen und warm. Wir haben den Hafenbus genommen, mit dem sonst nur die Hafenarbeiter fahren. Das dauerte fast eine halbe Stunde bis wir am Rande des Hafens angekommen sind, aber von dort aus konnte man direkt in die Innenstadt laufen. Zuerst gings durch ein Geschaefts- und Bankenviertel, voll mit tollen alten Prunkbauten. Endlich haben wir auch ein Internetcafe gefunden, das schnell genug war um unsere ersten Bilder hochzuladen.
Danach sind wir mit der Bonde, einer keinen Bimmelbahn nach Santa Teresa gefahren. Diese Bahn ist uralt, der Fahrer auch und es quetschen sich unzaehlige Leute auf die engen Sitze. Fuer drei Persohnen hat die Fahrt einfach 50 Cent gekostet, wer sich jedoch an die Wagen von aussen dranhaengt faehrt umsonst. Das ist jedoch sehr abenteuerlich und auch gefaehrlich, den machmal kommt eine andere Bahn entgegen oder die Schienen fuehren recht knapp an Mauern oder Haeusern vorbei. Von dort ist es nicht mehr weit zum Corcovado, wo die ueber dreissig Meter hoche Christusfigur steht. Dort sind wir jedoch nicht hin, wir hatten auch keinen Foto dabei, um die tolle Aussicht von dort festzuhalten und ausserdem kommen wir ja wieder. Es war auf jeden Fall ein sehr schoener kleiner Ausflug vorbei an schoenen alten Villen und mit einem super Ausblick ueber die Stadt mit ihren zahlreichen Morros (das sind die kegelfoermigen Huegel, an denen die Favelas gebaut sind).
Als naechstes sind wir in ein Strassencafe, das war richtig touristisch und daher auch teuer (fuer hier), aber wir haben dort Sangria schluerfend (1 Liter fuer 5 Euro) dem abwechslungsreichen Treiben auf der Strasse zugesehen. Mathias und ich sind dann zurueck zum Schiff, schliesslich gabs um 18.00 wieder Abendessen, wir wollten vor Einbruch der Dunkelheit zurueck sein und wir konnten nicht mehr, denn so ein Tag ist schon anstregend. Norbert wollte gleich nachkommen, allerdings kam er dann nachts um 23.00 und hatte wohl einen sehr spassigen Abend hinter sich.

Der naechste Tag war etwas ruhiger, Giorgio musste arbeiten, Norbert war geschaedelt, ich war muede, nur Mathias war hibbelisch. Der wollte unbedingt weggehen, wir waren mittlerweile in Santos angekommen, aber keiner wollte mit von Bord. Da er aber unbedingt weg wollte, ist er auf dem Schiff rumgelaufen und hat irgendwen gesucht, der mitkommt. Die einzigen, die er finden konnte waren die indischen Crewmitglieder, die jedoch neue Vorraete einladen mussten. Das groesste Hindernis: wir hatte noch keine Paesse bekommen und somit ist Matzis Landgang eh ins Wasser gefallen. War auch besser so, denn Santos sah auch schon bei Tag nicht so besonders einladend aus, dann erst recht nicht bei Nacht. Und dann noch Regen. Also musste er einsehen, dass wir alle “zu Hause” bleiben.

Am naechsten Morgen ging es weiter nach Zarate, endlich Argentinien!, wohin die Fahrt allerdings zwei Tage dauerte. Das war jetzt kein Problem mehr, denn die Schiffsvorraete waren wieder aufgefuellt. Vorher wurde alles etwas knapp, denn die Fahrt dauerte ja schon eine Wocher laenger, und das bei 33 Personen an Bord, zwei mal taeglich Essen, da kommt ein Koch schon ins schwitzen. Jetzt gab es wieder VIEL zu essen, mir hatten die Portionen vorher gerade gelangt. Hier nimmt man eh zu, da kann man gar nichts machen, aber man weiss auch nicht wie viel, also ist’s nicht so tragisch.
Die Einfahrt ins Rio de la Plata-Delta ist sehr aufregend, vor allem fuer den Kapitaen, bzw. Lotsen. Um nach Zarate zu kommen fuehrt die Fahrt durch den Rio Parana, der nur an einigen wenigen Stellen tief genug ist, dass die Schiffe einfahren koennen. Die tiefste Stelle ist 12 m, unser Schiff ist 9 m unter Wasser. Da gehoert schon ganz besonderes Geschick dazu, so ein gewaltiges Schiff da durchzumanoevrieren. Noch dazu kommen staendig Schiffe entgegen und dann wirds richtig eng. Da sind auch schon Schiffe aneinender haengen geblieben, denn so leicht weicht man da nicht mehr aus. Wir sind ohne Schaden da durch und in Zarate angekommen.
Jedoch sind wir am 24.12. dort angekommen, das heisst: Weihnachten auf dem Schiff bzw. in Zarate. Und dort soll es wirklich nicht schoen sein. Jeder erzaehlte uns nur, das sei eine Industriestadt, da gibt es gar nichts. Toll, und das an Weihnachten. Und dann haben wir da noch laenger Aufenthalt, da die Crew extra einen Tag frei bekommt.

Aber egal, dann macht man halt das beste draus. Und dann wars da so richtig schoen. In der Innenstadt waren manche Strassen fuer die Autos gesperrt, alle Laeden hatten Stuehle und Tische draussen, lauter Haendler auf der Strasse und es war richtiges suedamerika Flair auf den Gassen. Es waren lauter coole junge Leute unterwegs, davon extrem viele schwanger, gepierct oder tatoowiert. Die Frisuren waren sehr abwechslungsreich und ausgefallen, ein richtig bunt gemischtes Voelkchen, und es richtig Spass hat gemacht hat es zu beobachten. Und viele huebsche Maedchen, sagen die Jungs. Ich auch.
Ein paar Meter weiter ein kleiner Park mit Springbrunnen, der uns richtig schoen erwischt hat beim Foto. Wir haben uns dann in ein Cafe gesetzt und das Treiben bei einem Bier genossen. Hier waren die Flaschen noch groesser als in Brasilien. Ein Liter Warsteiner. Wer hat so etwas schon mal gesehen, solche Bomben? Aber da gewoehnt man sich richtig schnell dran, kleine Bier sehen mittlerweile schon winzig aus fuer uns. Und wir wissen jetzt auch, dass sich nicht jeder eins bestellt. Man ist ja lernfaehig.
In diesem Cafe sassen wir dann bei Gin-Tonic und Bacardi-Cola, bis um etwa 22.00, dann haben dort alle Geschaefte und Kneipen zu gemacht. Die Stadt war auf einen Schlag wie ausgestorben. Norbert und Giorgio haben wir gerade noch so ein Taxi Richtung Schiff ergattert, die beiden waren ziemlich betrunken und mussten schnell zurueck. Giorgio musste um 24.00 ja auch noch arbeiten. Bloederweise war er so angetrunken, dass er seinen Dienst verschlafen hat und er auch nicht mehr geweckt werden konnte. Gab ein wenig Aerger mit dem Kapitaen, aber irgendwie hatte er Verstaendnis, es ist ja Weihnachten.
Mathias und ich wollten noch ein bisschen laenger bleiben. Doch wir mussten feststellen, dass jetzt alle zu Hause bei ihrer Familie feiern, und vor 24.00 auch nichts mehr passiert. Irgendwie haben wir die Zeit bis dahin rumgebracht, wenn auch die einzigen Leute auf der Strasse immer wieder welche von unserer Besatztung waren. Und um 24.00 hiess es dann erst um 1.00 geht hier wieder was. Etwas gefrustet und mit abgekuehltem Suff haben wir uns mit einem Einheimischen -ohne Familie- unterhalten, und mit ihm bin ich dann in die gerade beginnende Mitternachtsmesse gegangen. Mathias wollte nicht, er hatte immernoch seine Shorts an, und das schien ihm nicht angemessen fuer Heilig Abend in einer Kirche. Die Argentinier stoert so etwas allerdings nicht so, die haben wohl eine andere Vorstellung von “festlicher Kleidung”.
Hier hatte ich das allererste Mal ein bisschen weihnachtliche Stimmung, so in einer Kirche, festliche Dekoration und Kirchenlieder. Ich war richtig geruehrt. Allerdings ist die Kirche geoeffnet, der Strassenlaerm dringt ein, ueberall stehen grosse Ventilatoren, der Pfarrer winkt spielenden Kindern und im Gang laeuft ein Hund rum. Etwas anders als bei uns. Leider konnte ich den Pfarrer kein bisschen verstehen, er hat ziemlich gelispelt, und bei erster Gelegenheit habe ich mich wieder raus zu Mathias geschmuggelt. Dann haben wir versucht ein Taxi zu bekommen, die Fahrer waren auch alle bei ihren Familien, und endlich gegen 1.00 waren wir wieder am Schiff. Wir wollten nicht mehr feiern, nur noch schlafen. Aber nicht einfach im Bett, wir haben uns noch eine Flasche Prosecco mitgenommen und sind (verbotenerweise) ins Autodeck zu unserem Pauli. Mit Musik und Blundsen im Gepaeck haben wir dann den Abend gediegen ausklingen lassen und sind im Busschen eingeschlafen. War ein sehr aussergewoehnliches und trotzdem schoenes Weihnachten.
Am naechsten Tag wurden wir von Norbert geweckt, denn der Kapitaen hatte einen Sektempfang vorbereitet. Haette er ja auch schon mal frueher Bescheid sagen koennen. Wir waren zu muede, um dafuer aufzustehen, ausserdem war erst mal ein Dusche noetig.
Aber puenktlich zum Mittagessen waren wir bereit und frisch und da hat sich das aufstehen auch gelohnt. Es gab richtig grosses Weihnachtsessen, mit viiiielen Gaengen, lauter Leckereien, Riesengarnelen, 3 Nachtische, fuer alle standen Sekt- und Weinflaschen auf dem Tisch. Alles richtig festlich.
Vollge”fressen” haben wir uns ein bisschen die Gegend angeschaut. Da gab es allerdings nicht viel, ausser braunem Flusswasser. Und da es so heiss war (35 Grad) wollten wir unbedingt schwimmen gehen. Endlich mal ins Wasser gehen, wenn wir schon seit fast fuenf Wochen davon umgeben sind! Wir haben uns in ein Schwimmbad fahren lassen, besser gesagt “Club Belgrano”, ein Schwimmclub, bei dem man sich erst mal einer Untersuchung der Krankenschwester unterziehen muss -wer Fusspilz hat, bleibt draussen. Dafuer haben wir jetzt freien Eintritt bis 8.1.. Aber wir duerfen jederzeit umsonst rein, wenn wir mal wieder in Zarate sind. Im Schwimmbad wurden wir gleich von Kiddies umringt, die alle irgendwelche Fragen hatten und auf spanisch auf uns einredeten. Aber das hat – meistens – geklappt. Mathias war noch ein bisschen Fussbal spielen mit ihnen und hat sich gleich den Fuss verletzt. Ist mittlerweile aber schon fast verheilt.
Abends sind wir noch in eines der wenigen offenen Asado-Restaurants gegangen und haben alle vier fuerstlich gespeist. Wir konnten uns an der Salatbar bedienen und haben staendig auf einem Extra-Grill neben dem Tisch frische Fleischstueckchen liegen gehabt. Mhhh, wie lecker. Dazu gabs 2 Flaschen Wein, Wasser, 4 Cafe danach und noch eine Flasche Sekt. Und das alles fuer alle zusammen 30 Euro! Na dann frohes Fest!
Am 2. Weihnachtsfeiertag haben wir die letzte Etappe Richtung Buenos Aires flussabwaerts in Angriff genommen. Die Ausfahrt durch den Rio Parana war nochmal ein Erlebnis. Aussen rum war alles gruen, tolle Landschaft und ein verwuchertes Schiff, das mal gestrandet ist und jetzt zum Hotel umfunktionniert wurde. Das war unsere letzte Strecke auf dem Schiff und neben der Freude ueber die baldige Ankunft in B.A. waren wir doch ein wenig traurig, dass diese tolle Schifffahrt zu Ende geht. Also genossen wir die letzten Meter und die wunderbare Aussicht von diesem Schiff aus.
Am Abend trafen wir schon bei Dunkelheit in Buenos Aires ein, es erwartete uns ein Lichtermeer der groessten Stadt Argentiniens und dem Beginn unserer eigentlichen Reise.

Danke “Grande San Paolo”, dass du uns so gut und sicher hierhergebracht hast. Es war eine unvergessliche fuenfwoechige Reise, die auesserst interessant und toll war.

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