35. Trenque Lauquen Spezial

35. Endlich wieder in Tranquilo Lauquen

Trenque Lauquen (30.11.) – Buenos Aires (10.12.) – Trenque Lauquen (12.12. – 07.01.)

 

So, da sind wir also nach über 1 ½ Jahren und all dem Stress der letzten Wochen wieder in der Stadt mit dem sonderbaren Namen Trenque Lauquen, auf der schönen Quinta „Lo Pei” und bei dem Chaoten Norbert gelandet. Der hat sich mittlerweile ins Zeug gelegt und eine hübsche Cabaña in seinen Garten gebaut. Wir waren nur etwas früher eingetroffen als geplant und so war die Hütte noch nicht fertig. Aber kein Problem für uns, schlafen konnten wir ja weiterhin im Auto und so packten wir einfach mal mit an – so weit wir konnten. Also wurden Farbrollen verteilt, abgeklebt, geschliffen und gepinselt und wenn auch lange nicht alles komplett fertig sein sollte, so doch wenigstens ein Zimmer für uns und das Bad. Und um die anderen Sachen kümmerte sich Norbert und sein Arbeiter Cesar, wobei da auch immer mal eine entspannte Kippenpause oder eine Runde Mate drin war, wir sind ja schließlich wieder in Argentinien. Norbert besorgte schöne Fliesen und Schlafzimmermöbel, doch zum Einkaufen schickten wir ihn lieber alleine. Und auch mit den anderen leidlichen Besorgungen und Fertigstellungen musste er sich herumschlagen, weil Bau in Argentinien halt doch was anderes ist als in Deutschland („Jaja, MORGEN kommt die Farbe, die Leisten,…”, „Ehrlich, das Parkett hat nicht überall die gleiche Farbe?”). Und Norbert andererseits auch nicht immer der unanstregenste Bauherr ist…

Doch bevor unser Einzug anstand, feierten wir ordentlich unser Wiedersehen. Wir füllten den Kühlschrank mit Leckereien (wir hatten ja lange genug diesen Luxus nicht mehr), tranken Bier und argentinischen Rotwein, kochten und grillten fleißig, wir genossen das schöne sonnige Sommerwetter und den gepflegten Pool im überdimensionalen Garten. Die Terrasse bekam einen neuen Anstrich von uns und wir richteten alles etwas wohnlicher ein (Männerhaushalt halt! :-) )Es gab viel zu erzählen, wir unsere Reiseerlebnisse der letzten Monate, er seine Probleme mit festem Wohnsitz in Argentinien – und dazugehöriger Korruptionsthematik.

Wir genossen allmorgendlich unseren Milchkaffee und außerdem mal wieder uneingeschränktes und schnelles Internet zu haben und so wurden Mails auf Vordermann gebracht, gelesen und telefoniert – nur die Reiseberichte hab ich nicht so geschafft. Keine Zeit halt! ;-) Und dank Norberts Downloads kamen wir mal wieder in den „Genuss” deutscher Nachrichten.

Nach einer Woche kamen Bekannte von Norbert aus dem 300km entfernten Tornquist übers Wochenende zu Besuch. Was für ein chaotischer Haufen. Gustavo und Sandra, beide Anfang 40, kamen mit ihrer 11-jährigen Tochter Deborah vorbei und die drei sind wirklich absolut witzig. Deborah schmiss sich ab der ersten Minute in den Pool, was ihre fast schwarze Hautfarbe erklärte. Gustavo kann keine Minute ernst bleiben, immer rutscht ihm ein alberner Spruch über die Lippen, ständig werden Kleinigkeiten wieder aufgegriffen und bis zur Bauchschmerzgrenze ….. Da er fast keinen Satz sagen konnte, ohne Bikinis darin zu erwähnen (er überlegt bereits Bikinis als Währung einzuführen), bekam er den Namen „Mister Bikini” verpasst. Und Mathias bekam verdienterweise den Beinamen „Señor Precio” (Herr Preis).         Sandra steht ihrem Mann in nichts nach, wobei sie es auch nicht versäumt sich selbst zu verarschen („Achtung, jetzt kommt der Wal ins Wasser!”). Gustavo ist außerdem etwas hippelig und muss ununterbrochen beschäftigt werden. Diesem Umstand (und dem, dass er mal Sargschreiner war!) war es zu verdanken, dass aus den Holzbrettern, die seit einigen Monaten auf der Terrasse ihr Dasein fristeten, ein großer Holztisch mit zwei Bänken wurde. Und da so ein toller Tisch auch eingeweiht werden will, gab es gleich am Abend ein Asado (argentinisches Grillfest). Dazu luden wir noch den benachbarten Imker Richard (eigentlich Ricardo) mit Familie ein, der die Maschinen zur Holzbearbeitung bereitstellte. Und was sich da für Maschinen in seiner Scheune verbergen! Bis zu 100 Jahre alte Geräte aus Deutschland. Die haben seine Großeltern einst per Schiff mitgebracht, als sie nach Argentinien ausgewandert sind. Daher spricht auch er immer noch deutsch und hat – wie es sich gehört – blonde Haare und blaue Augen. Die hat auch sein ein Jahr alter Sohn Markus geerbt, ein kleiner Sonnenschein, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Auch seine Frau Nora spricht ein paar Brocken deutsch, und da sie bereits nach Deutschland gereist sind, hat sie sehr viel verstanden. Eine sehr sympathische und lustige Familie, mit der es immer viel zu unterhalten gab. Richard genoss es, sich in seiner „Muttersprache” zu unterhalten und wir hatten eine gute Brücke zum Spanischen. So ergab sich ein spontaner und lustiger Abend, die Stimmung war spitze und die Kombination hatte einfach gepasst.

Norbert hatte schon Wochen vor unserer Ankunft einen Feldhasen gefangen, als der in ein Loch gefallen war. Der starrte nun in seinem Stall vor sich hin, er wurde von uns fleißig gefüttert und gepflegt, da er als Silvesterbraten auf den Tisch kommen sollte. Doch der Hase wuchs und wuchs und sein Haus wurde langsam etwas eng, zeitgleich mit ihm wuchs unsere Sympathie ihm gegenüber. Und so konnten wir uns es nicht mehr vorstellen, ihm irgendwann das Fell abzuziehen und auf den Grill zu legen. Nachdem wir auch Norbert überzeugt hatten nutzten wir diesen wundervollen Tag zu seiner Befreiung. Endlich konnte er wieder über das benachbarte Sojafeld hoppeln und schon bald sahen wir ihn mit neuer Freundin umherziehen. Schön…

Und weil das Asado so schön war, wiederholten wir das Ganze sonntags noch mal, diesmal kam auch noch Cesar mit Frau und seinen drei Kindern. Die Hütte war voll, der Pool erst recht und der Grill schon wieder in Aktion. Wir sind ja schließlich in Argentinien! :-)

Die Krönung des Tages war das Wasserballspiel Argentinien gegen Deutschland. Da wurden die Kleinen aus dem Pool geschickt, jetzt ging’s heftiger zu. Es wurden extra Tore gebaut und dann blieb kein Auge trocken. Es wurde geworfen, gespritzt, geklammert, getunkt und mehrmals gab es wilde Kämpfe um den kleinen flutschigen Ball. Was für eine Gaudi! Und weder mein dauernd verrutschender Bikini, noch Deborahs Bemühungen ihn zur Ablenkung zu öffnen schmälerten unseren Erfolg und so stieg Deutschland mit einem 10:7 als würdige Sieger aus dem Wasser. Yeah!

Zum Abschluss eines tollen Wochenendes sind wir mit Gustavo und Familie noch in die Stadt gefahren. Dort ist sonntags immer „Autoschau”. Alle fahren zum Plaza, positionieren sich in Blickrichtung zur Straße oder „cruisen” die Hauptavenida auf und ab, um ihre Gefährte zu demonstrieren. Auf den Parkbänken sitzt die Jugend Bier, oder eigentlich eher Mate trinkend. Auf den Bürgersteigen wird flaniert und die Eisdielen quillen über, und das nicht ohne Grund. Auch wir holten uns einen Berg der köstlichen Erfrischung – in Argentinien gibt es einfach das beste Eis für wenig Geld, da werden selbst Nicht-Eisesser süchtig.

Am nächsten Morgen klingelte uns der Wecker unsanft um 5.30 aus den Federn. Wir fuhren nach Buenos Aires, um meine Freundin Kaja vom Flughafen abzuholen. Spontan hatte sie ihren Flug gebucht und nach ihrer beendeten Diplomarbeit, konnte sie ein bisschen Urlaub gut gebrauchen. Nach sechs Stunden Fahrt waren wir endlich am Flughafen, Katja kam mit einer Stunde Verspätung. Nach einer freudigen Begrüßung fuhren wir ins Zentrum, um uns ein Hotelzimmer zu nehmen. Doch blöderweise waren genau an diesem Tag die frischgebackene Präsidentin „Christina” und ihr Mann und Ex-Präsident Kirchner zum Wahldank winkend im Zentrum unterwegs. Das hieß für uns lästiger Stau und gesperrte Straßen. In dem eh schon chaotischen Einbahnstraßensystem nicht fahren zu können wie man will ist ziemlich nervraubend, so fuhren wir erst mal zum Puerto Madero und weihten Katja in die Grillkunst der Argentinier ein. Es gab „Choripan” (Bratwurst im Brötchen) und viel zu erzählen und so verbrachten wir sonnige Stunden am Hafen.

Danach haben wir uns ein zentrales Hotel gesucht, wo wir uns erst mal ausruhten. Das Hotel Cecil liegt auf der Avenida de Mayo, dort hörte man zwar ordentlich den Verkehrslärm, dafür hatten wir einen kleinen Balkon auf die Straße und von dort auch immerhin fast Internetempfang. Am Abend sind wir noch eine Runde durch die Stadt gelaufen, aber nach einer Pizza am Plaza de Congreso sind wir alle müde ins Bett gefallen.

Am nächsten Tag war Shopping angesagt, daneben ein bisschen Basic-Sightseeing mit Casa Rosada und Plaza de Mayo. Vom Obelisk wohnten wir eh nur wenige Meter entfernt. Am Abend haben wir Mädels uns eine Tango-Show gefallen lassen. Wir waren im Café Colon, dem gleichen Tangoschuppen wie damals mit Ronny und Martin, diesmal war die Show etwas anders gestaltet und weniger voll. Dafür forderten die Tänzer zum Ausgleich willige Gäste zum Tango auf – ich redete mich geschickt heraus, Katja wurde in den Armen des rassischen Tänzers zur Tangolette. Ob der argentinische Rotwein auch dazu beigetragen hatte – wer weiß?

Am folgenden Morgen ließen wir uns noch mal das Frühstück mit Milchkaffee und Croissants schmecken, denn den Speisesaal mit Charme eines Ostblockhotels, die Bedienungen, die aus ihren Kittelschürzen Butter und Dulce de Leche zauberten und die Gäste, die alle in Blickrichtung des dauerlaufendem Fernseher saßen, konnten wir uns nicht entgehen lassen…

Irgendwie kam mir Buenos Aires diesmal so stressig, laut und voll vor. Aber wahrscheinlich lag es daran, dass wir fast zwei Wochen auf Norberts Quinta waren, wo von Stress nicht viel zu merken ist. Und da es dort so schön war und Katja ja auch Urlaub machen wollte, fuhren wir dort wieder hin – ins idyllische Trenque Lauquen.

Unterwegs hielten wir an einer typischen Straßenparrilla. Vor einem kleinen Restaurant (wenn überhaupt) wird ein Grill aufgebaut, ein paar Tische und Stühle aufgestellt und los geht’s. Hier gilt die Regel, je mehr Lkw davor parken, desto besser ist das Essen, desto größer sind die Portionen oder desto billiger ist das Essen – oder alles drei. Dann kann man sich aussuchen, ob man einen Teller voll Fleisch will oder lieber all-you-can-eat, bzw. heute nennt man das ja Flatratefuttern. ;-) Dazu gibt’s dann Pommes, Salat oder Brot, wie man so will. Leider war ich diesmal nicht sooo begeistert vom Fleisch, aber das nennt man dann wohl Vorführeffekt.

Am Abend trafen wir wieder in Trenque Lauquen ein, was wir erst mal mit den leckeren Mitbringseln (Wiener Würstchen und deutscher Senf) von Katja und genauso leckerem Rotwein feierten.

Da das erste Zimmer in der Cabaña einzugsfertig war, sollte Katja eigentlich dort schlafen. Aber nachdem sich gerade eine (für deutsche Verhältnisse) große Spinne quer durch den Raum gehangelt hatte, verzichtete sie darauf und schlief bei uns im Auto. Mathias verzog sich daraufhin ins Cabaña, haute mal eben auf das „Spinnchen” und schlief selig ein.

Am nächsten Tag beschlossen wir alle gemeinsam im fertigen Raum zu schlafen. Katja bekam unsere Matratze aus dem Auto uns schlief seitdem eine Etage tiefer neben mir. Wir bezogen das neue Bett und richteten die Bude mit unserem Businventar wohnlich ein.

Für Katja richteten wir erst mal ein skype-Konto ein, damit sie Hemmungslos mit ihrem italienischen Tiger Liebesschwüre austauschen konnte.

Und schnell kehrte wieder die gewohnte Ruhe auf der Quinta ein, Norbert war wie immer seit 5.00 oder 6.00 am wursteln, Katja saß morgens grinsend im Bikini mit Kaffee und Headset auf der Terrasse, Cesar kam nach argentinischer Pünktlichkeit, um die Arbeiten zu erledigen, die Sonne schien, der Pool war warm, der Kühlschrank voll, die Hängematten bequem,…

Um ein bisschen Abwechslung ins Spiel zu bringen, planten wir einen Reitausflug. Die Farmer, die die Pferde bringen sollten, bauten gleich eine ganze Koppel aufs Grundstück und stellten einen Heuballen daneben – alles gut vorbereitet…

Wir hatten geplant vier Pferde zu mieten, samstags wollten wir dann losreiten und nach einer Übernachtung in der Pampa mit Grillen am Lagerfeuer sollte es am folgenden Tag wieder zurückgehen. Norbert hatte bereits eine Tour ausgemacht, darunter ein Besuch bei einem Bauernhof, Picknick an einer Lagune, usw.

José, der Besitzer der Tiere, kam bereits am Vortag um uns mit den Pferden vertraut zu machen. Katja bekam auch wie erhofft ihr schwarzes Pferd, was sich edler angehört hatte, als das breitarschige Sofa Negrita dann war. :-) Wir ritten ein bisschen auf den Grundstück herum, umrundeten den Pool im Galopp und machten schon mal ein paar dekorative Bilder. Wir versuchten uns mit den ungewohnten argentinischen Ledersatteln mit Lammfellsitz anzufreunden, lernten die Zügel wie Gauchos zu halten, ließen uns mehrmals das Aufsatteln und Trensen zeigen, schließlich mussten wir das am nächsten Tag alleine schaffen.

Nachdem uns das Probereiten genug war, und wir eine Pause brauchten, sattelte ich meinen Auserwählten „Rocky” ab und stellte ihn ins Gatter. Katja wollte ihre Negrita später noch mal reiten und gerade als sie sie an einen Baum binden wollte, ging die bisher so harmlose plötzlich voll ab. Sie schmiss ihren Kopf wie wild hin und her und beim Versuch sie festzuhalten, riss der Zügel ab! Was war das denn? Ein Pferd hat Angst vor einem Baum? Wie sollten wir das denn dann bei unserer Tour machen, die Nacht über nebenhin setzten und sie festhalten? Und warum machte uns José nicht auf diese wichtige „Kleinigkeit” aufmerksam? Das wollten wir später noch mit ihm abklären, wie wir das bei der Tour machen können.

Zum Glück war Cesar da, der sich etwas besser mit Pferden auskannte, er beruhigte Negrita und brachte sie ins Gatter zu den anderen.

Und dann ging so langsam der richtige Stress los. Wie sich so mit der Zeit herausstellte, kannte sich der andere Hengst und die beiden Stuten bereits, mein Rocky jedoch war neu in der Gruppe. Und „Chocito”, was so viel wie Zusammenstoß heißt, hatte seinen Namen nicht umsonst. Er duldete den anderen Hengst nicht neben sich und trat bei jeder Gelegenheit den Eindringling. Erst sahen wir das nur ab und zu, doch im Laufe des Nachmittags häuften sich die Angriffe und als wir gerade beim Abendessen saßen, attackierte er Rocky ununterbrochen. Dieser versuchte, sich aus der unangenehmen Situation zu befreien, stieß dabei immer wieder an den Zaun, bis ein dicker Holzpflock endlich nachgab und umbrach. Wir konnten nur noch staunend zusehen, wie sich die vier Pferde auf dem Weg zur Straße machten, wir rannten hilflos hinterher und ich sah noch die kraftvollen Tiere, wie sie dem feuerroten Ball der untergehenden Sonne entgegen galoppierten. Eigentlich ein tolles und romantisches Bild, wenn man mal von dem Umstand absieht, dass da unsere gemieteten Pferde gerade ausrissen…

Die Tiere liefen geradewegs nach Hause und kurz darauf stand José wieder bei uns im Garten. Als argentinischer Gaucho hätte ich die Lage wahrscheinlich auch entspannter gesehen, uns als planlose Deutsche war jedoch die Lust auf einen Reitausflug weitgehend vergangen. Wie sollten wir auch mit solch einem starken und schwer zu bändigenden Leittier unter solchen Bedingungen eine Tour machen? Und dann noch die baumscheue Negrita dazu? Und wie konnte José uns nicht über die Eigenarten der Tiere unterrichten? Nach einigem Verhandeln verabredeten wir, uns am nächsten Tag nur die drei Pferde zu bringen, die sich kannten und dann auch nur für einen Tag.

Am nächsten Morgen brachten sie uns dann wie ausgemacht die Pferde und wir versuchten erneut unser Glück. Wir ritten abermals ein wenig durch den Garten, Mathias setzte sich auf Chocito. Dieser war total unruhig und hippelig, blieb keine Sekunde ruhig stehen und Mathias, der schon mit einem unguten Gefühl aufwachte, versuchte ihn vergeblich zu besänftigen. Ich versuchte auch mein Glück mit ihm, aber kaum saß ich dort oben auf diesem stattlichen Hengst, wollte ich auch gleich wieder runter. Die Hektik stieg und wie jeder weiß, überträgt sich diese als erstes auf die Pferde. Norbert schaffte es dann etwas Ruhe ins Gewirr zu bringen und Mathias versuchte erneut sein Glück. So beschlossen wir dann doch, zu dritt loszureiten, Katja auf Breitarsch, ich auf dem harmlosen Punky mit dem Irokesenschnitt, Mathias auf seinem feurigen Araber.

Als wir dann die Straße entlang ritten entspannte sich die Lage, wir gewöhnten uns alle an unsere Vierfüßler, Mathias freundete sich langsam mit seinem Kraftpaket an. Wir bogen ab auf Feldwege und ritten genüsslich an den endlos weiten Äckern entlang. Obwohl es außer ein paar Häusern, den grünen Feldern, ein paar Kühen und andere Pferde nicht viel zu sehen gab, war es einfach ein herrliches Gefühl zu reiten. Wir genossen es, immer wieder zu galoppieren, nur beim Trab gab es immer ein ordentliches Gehoppel. Da die Sonne gnadenlos vom Himmel brannte, brauchten wir bald eine Pause. Wir setzten uns in den Schatten von großen  Bäumen in der Einfahrt einer Estanzia. Wir schafften es sogar, Negrita mit einem langen Seil festzubinden. Bald darauf kam der freundliche Besitzer angefahren. Eigentlich wollten wir noch weiter reiten, aber von ihm erfuhren wir, dass unser Ziel, eine Lagune, doch noch weiter entfernt war als gedacht. Und da es schon jetzt so brütend heiß war, entschlossen wir uns umzudrehen. Außerdem merkten wir, dass es für unsere ungeübten Hintern anstrengender war als gedacht, außerdem holten wir uns alle die ersten Abschürfungen von den harten Lederriemen der Sattel.

Am nächsten Morgen waren wir alle sehr dankbar, nicht die Tour mit Übernachtung gemacht zu haben, uns tat jeder Knochen weh, von dem Gesäß ganz zu schweigen… Dafür hatten wir noch ein paar Tage das schöne Bild der Pferde vor dem Fenster schon beim Aufwachen vor uns. José hatte den Zaun bereits wieder repariert und hatte keine Eile, die Tiere wieder abzuholen. Wir versuchten deshalb nochmals zu reiten, aber schon der Versuch, die Trense anzulegen, scheiterte kläglich. Kaum sahen uns die Tiere – zugegeben sehr zaghaft – auf das Gatter zugehen, stellten sie sich arschseitig zu uns. Waren wir im Gatter, drehten sie sich immer wieder weg, keine Chance für uns Anfänger da irgendwas auszurichten. Umso mehr bewunderten wir dann José beim Abholen, wie zielstrebig er den Tieren das Zaumzeug anlegte um dann sattlelos und mit einer Leichtigkeit davonzureiten…

Für uns ging dann das sommerliche Landleben wie gehabt weiter, natürlich durfte Katja ein ordentliches Asado nicht verpassen. Aber auch das gehört zu den Dingen, die man als deutscher Urlauber lieber denen überlässt, die damit aufgewachsen sind. Zu ihnen zählt Miguel, Freund und Geschäftspartner von Norbert, und zweifellos ein begnadeter Griller.

Er war gerade mit Frau und Kind zum Planschen da, Richard und Familie kamen dazu, es war Samstag und das heißt für Argentinier wir machen ein Asado. Miguel wollte zum Fleisch kaufen fahren (man rechnet ½ kg pro Person!) und da Katja die besten Salate zaubert, sollte sie mit in den Supermarkt kommen. Da sie jedoch außer ihren frisch gelernten Brocken (tranquilo, mañana,… ) kein Wort spanisch spricht und Miguel eigentlich nichts außer spanisch, wollte sie erst nicht so recht. Aber da kam gerade ein Ereignis mit dem Nachbarn dazwischen, also nahm sie einen tiefen Schluck Wein und meinte nur „Vamos, Miguel!”

Wir kümmerten uns so lange um den Nachbarn, dem beim Pool checken der schwere Metalldeckel eines Schachts auf dem Kopf knallte und ihm zu einer ordentlich blutenden Platzwunde verhalf. Zum Glück war gerade eine Krankenschwester da, die versorgte ihn sogleich mittels meines Verbandskastens. Dabei habe ich wieder mal mit der unkomplizierten und gewöhnungsbedürftigen Art der Argentinier Bekanntschaft gemacht. Denn um die Wunde endgültig zu verarzten, gab sie ein paar Tropfen Sekundenkleber (!!!) in die Verletzung, drückte kurz zu und fertig! So mache man das übrigens auch immer im Krankenhaus…

Abgesehen von diesem Zwischenfall war es wieder mal ein geselliger Abend, das Fleisch eine Wucht und Katjas Salatdressing wie immer super, jedoch eine Stufe zu scharf für argentinische Geschmacksnerven. :-)

Die weiteren Tage waren unaufregend schön in „Tranquilo Lauquen”, mal gab’s eine Partie Wasserball, mal nutzten wir den großen selbstgebauten Steinofen im Garten der Nachbarn um dank deutscher Brotbackmischung mal was anderes als knatschiges Weißbrot auf den Tisch zu bringen. Mal haben wir uns im Zentrum bei einen kleinen Italiener dem Bauch mit leckerer Pasta vollgeschlagen.

Wir unternahmen einige Versuche tagsüber in die Stadt zu fahren, Katja brauchte noch Mitbringsel und Weihnachtsgeschenke, Mathias einen Friseur (und das war der kurioseste und der mit der eigenartigsten Frisur bei dem wir je waren). Aber was wir vor der Siesta um 12.00 nicht mehr schafften – kam öfter mal vor -, mussten wir auf den nächsten Tag verlegen, denn sonst wurde es einfach zu heiß für alles. Nur gut, dass es so verdammt gutes Eis hier gibt. Hier ist halt ein Sommer ein richtiger Sommer, wochenlang, und es gibt viele warme Nächte. Die Siesta könnte statt bis 16.00 bis zum Abend dauern und selbst dann ist die Stadt noch so aufgeheizt, dass man es kaum aushält. Gut, dass Norberts Grundstück etwas außerhalb im Grünen liegt, und der Pool war im Dauerbetrieb. Diesen Sommer waren die Winde sehr stark und wurden immer wärmer, was optimal für die Wäsche auf der Leine ist. Aber alle hofften mal wieder auf Regen, aber wenn der mal kam, blies der Wind gleich alles wieder trocken.

Immer mal wieder schneite Besuch rein, Richard erklärte Katja aufopfernd und haargenau den Weg vom Busbahnhof zum Flughafen. Norbert kletterte entnervt immer mal wieder wagemutig auf seinen 20 Meter hohen Internetsendemasten, da das Signal öfter mal aussetzte. Aber das Problem hat er jetzt endgültig behoben.

Nach gut einer Woche war Katjas „Urlaub auf dem Lande” leider schon zu Ende. Es war eine tolle Zeit und entspannter als gedacht. Zum Abschluss gab’s noch mal leckere Facturas, dann Chorizos vom Grill, dazu Wein, nächtliche Tanz- und Badeorgien, dann Gesang – die Nacht wurde lang. Oder besser kurz, denn um 5.00 brachten wir Katja schon wieder zum Busbahnhof. Ein gelungener Abschied mit einer mutigen Tat, denn mittlerweile störte sich Katja nicht mehr besonders an großen Spinnen im Schlafzimmer, für die sie früher den Staubsauger holte – oder noch lieber einen Kammerjäger. Nein, Schlappen geholt und mit den Worten „Man gewöhnt sich an alles!” draufgehauen! Gute Nacht!

Jetzt waren es nur noch vier Tage bis Weihnachten. Norbert musste für zwei Tage wegen Papierkram nach Bahia Blanca fahren, wir fanden es mal ganz angenehm ganz alleine zu sein. Das Thermometer kletterte weiter bis auf 38,6°, dann kühlte es zum Glück etwas ab. Katja kam dagegen im kalten Deutschland ohne Winterjacke an – die war im Koffer, der war für einige Tage (mitsamt unseren Landkarten und ihren 20 argentinischen Salamis) verschollen!

Mathias wollte eine neue Brille – wobei der erste Optiker zur Stärkenmessung noch dieses altertümliche Brillengestell herausholte, an einem schiefen Wandbild Buchstaben lesen ließ und daraufhin eine Veränderung von 2 Dioptrien feststellte! -7 empfanden wir doch als etwas übertrieben und versuchten es noch mal woanders. Dabei landeten wir glücklicherweise bei einem moderneren Optiker, der Geräte und Zertifikate aus Deutschland hatte. Dort fühlten wir uns gut aufgehoben und bestellten eine neue Brille.

Trenque Lauquen ist generell eine sehr schöne Stadt, viele palmengesäumte Avenidas durchziehen die Stadt, alte und restaurierte Gebäude sind keine Seltenheit. Ungelogen eine der schönsten Städte Argentiniens, und wohlhabend. Die Leute sind super nett und zuvorkommend, alle sind sehr interessiert woher man kommt und was man hier macht, nicht selten bekommt man beim Einkauf in einer Boutique (oder beim Friseur :-) ) den Matepott gereicht.

Selbst mit der Polizei hatten wir Glück. Obwohl in Trenque Lauquen mal nicht dieses nervige Einbahnstraßensystem herrscht und es viele Avenidas gibt, in denen man in beide Richtungen fahren kann, darf man fast nirgends links abbiegen. Obwohl meist wenig Verkehr ist und der die Kreuzung durch Ampeln geregelt ist, darf man einfach nicht abbiegen. Die Argentinier halten sich peinlichst genau an diese Vorschrift, uns war es meistens zu blöd einen kompletten Block in eine andere Richtung zu fahren, um ans Ziel zu kommen, was meist mit heftigem Hupkonzert seitens der anderen Verkehrsteilnehmer kommentiert wurde. So auch bei der Ausfahrt vom Supermarkt, wo wir wieder fleißig gefahren sind, wie es uns passte – leider stand genau in der Kreuzung ein Polizist, der uns aufhielt. Leugnen war sinnlos, also haben wir schnell einen auf dumme Touristen gemacht, die kein Spanisch verstehen. Der Polizist hat uns in idiotensicherer Hand- und Lautsprache das Problem erläutert, aber dann feststellen müssen, dass wir nicht wirklich etwas verstehen und uns mit dem Wunsch einer guten Reise wieder entlassen. Puh, Glück gehabt, aber seit diesem Tag reihten auch wir uns bei den ordentlichen Abbiegern ein. :-)

Und obwohl wir in der absoluten Vorweihnachtszeit in der Stadt unterwegs waren, waren alle fern von dieser Geschenkekauf-Hektik. Zwar stehen auch ein paar Christbäume oder Weihnachtsschmuck in den Läden, aber gekauft wird nicht auf Teufel komm raus. Geschenke bekommen eigentlich nur die Kinder, ansonsten geht alles seinen normalen Gang. Ich habe einen einzigen Weihnachtsmann gesehen, ist ja bei solchen Temperaturen auch nicht so spaßig unter Plastikbart und Samtrobe zu schwitzen. Und selbst die Leute, die Weihnachten im Sommer gewohnt sind, assoziieren Weihnachtsstimmung dann doch eher mit Schnee und Kälte.

An Heilig Abend war demnach auch ein ganz normaler Tag, mit ein bisschen Musik versuchte ich ein bisschen Weihnachtsstimmung herzuzaubern. Aber was nicht ist… Für den Abend hatte sich Gustavo und Familie angemeldet, den Tag vertrieben wir uns ein bisschen mit Internet und warmtrinken. Wir telefonierten ein bisschen mit zu Hause, wobei meine Eltern keine Zeit zum Plaudern hatten, sie saßen gerade nach plötzlich einsetzendem Hagel in Spanien und versuchten die Ferienwohnung wieder trocken zu legen. :-)

Gegen 21.30 trafen dann endlich unsere Gäste ein, wobei es eine Unart der Argentinier gibt, die mir nicht unbedingt zusagt. Ich bin ja nicht gerade die Pünktlichste, aber bei Argentiniern weiß man nie genau, ob sie überhaupt kommen, bis sie definitiv da sind. Bei Verabredungen fragt Norbert immer, ob es sich um einen deutschen oder um einen argentinischen Termin handelt. Aber die Argentinier untereinander sind da nicht viel anders, rief doch Sandras Vater kurz vor 21.00 bei ihr an, um zu fragen, ob sie den Abend gemeinsam verbringen… Und das an Heilig Abend!

Gustavo hatte seinen 21-jährigen Sohn Leo, dessen Freundin Nachy und ein Lamm zum Grillen mitgebracht. Aber da es bereits so spät war, und alle großen Hunger hatten, wollten wir nicht so lange warten. Norbert zauberte eine Pasta (da kommen die Jahre in Italien wieder zum tragen), die schnell sättigte doch etwas schwer im Magen lag. Sie hatte dafür den Vorteil, dass sie eine gute Trinkgrundlage bildete…

Es gab dann doch ein paar Geschenke. Wir überreichten Norbert ein T-Shirt, das einen super auf ihn zugeschnittenen Spruch auf der Brust hatte. Und dann gab’s für alle Mädels von Gustavo rosa Spitzenschlüpfer!? Ich konnte nicht wirklich viel damit anfangen, aber am nächsten Tag wurde ich dann aufgeklärt, dass dies einer argentinischen Tradition entspricht. Diesen bekommen normalerweise Mädchen von ihren Müttern geschenkt. Den trägt man dann in der folgenden Nacht linksherum und wenn’s nicht zu sehr zwickt auch vorne nach hinten. Das soll dann Glück bringen fürs neue Jahr. Das hab ich dann natürlich auch gemacht, sicher ist sicher…

Nachdem sich unsere Mägen erholt hatten und wir uns genug unterhalten hatten, platzte der Knoten. Wir waren alle gut gelaunt, wir rissen die Musik auf und tanzten alle vergnügt durchs Wohnzimmer, wobei „Susi Q.” nicht nur einmal musikalische Untermalung war. Wir waren alle aufgedreht, gut drauf und tanzten wild bis morgens um 5.00. Was für ein geiles und unvergessliches Weihnachtsfest…

Am nächsten Tag waren wir dafür alle ein bisschen verknittert und leider mussten Gustavo und Familie schon wieder am Nachmittag fahren, da Nachy ihren Sohn bei dessen Vater abholen musste. Also wurde wieder nix aus dem Lamm, das lag weiterhin wartend im Eisfach und sollte dann halt an Silvester zum Einsatz kommen. Aber wir konnten sie nicht fahren lassen, ohne uns vorher noch ein ordentliches Wasserballmatch zu liefern. Es ging wieder heiß her, es blieb kein Auge trocken und obwohl wir nur zu dritt gegen 5 gespielt haben schlugen wir abermals die Argentinier mit 18:8! :D

Kaum hatten sie sich verabschiedet, tauchten Richard mit Familie auf, später Cesar mit seinem Clan. Aber der Tag war stressfrei, wir lümmelten in der Hängematte, badeten ein wenig, unterhielten uns – einfach ein entspannter Tag.

Am 28.12. mussten wir wieder mal den Wecker stellen, denn um 4.30 kam Ovi, ein Freund von mir, am Busbahnhof an. Als wir wieder zu Hause waren, hießen wir ihn ungeachtet der Uhrzeit erst mal mit einem argentinischen Rotwein willkommen und plauderten bis nach Sonnenaufgang – was für ein Wiedersehen!

Mit ihm ging das Gelümmel wieder weiter, er wollte ja schließlich ein bisschen ausspannen, dazu verhalfen wir ihm gerne. Die Sonne schien immer noch, die Hängematten taten ihren Dienst, der Pool wurde ordentlich genutzt. Obwohl Ovi meinte, er bräuchte nicht so viel Schlaf, war er immer der letzte, der aus den Federn kroch. Schon vor seiner Ankunft träumte er von leckerem Fleisch, also nix wie große Steaks holen und den Grill anschmeißen. Zwar hat er noch keine argentinischen Grillfähigkeiten, aber sein Spaß am Kochen und seine Barbecue-Erfahrungen aus Südafrika halfen ungemein. Und während wir uns lieber Chorizos bruzzeln – das mit dem Fleisch überlassen wir den Argentiniern -, gab er nicht auf und letztendlich brachte er richtig geile dicke Steaks zustande. Obertraum!

Am Samstag waren wir bei Richard eingeladen, bzw. zum 1. Geburtstag seines Sohnes. Wir brachten Markus ein Flugzeug mit, und da auch Nora und Richard begeistert vom deutschen Brot waren, bereitete ich eine Brotbackmischung vor. Die kleinen Bällchen fanden nicht bei allen Anklang, aber wir fanden es wieder mal lecker! Ansonsten gab es Häppchen und natürlich Bier. Als sich alle schon verabschiedet hatten, saßen wir Deutschen immer noch rum (wir sind halt immer die Letzten!), Richard genoss es deutsch zu quatschen und uns seine Modelflugzeuge vorzuführen. Gegen 3.00 fanden auch wir den Weg nach Hause.

Dann stand Silvester vor der Türe. Da sind die Argentinier ja wieder ganz unkompliziert, Miguel, Richard, Cesar waren mit Familien da, es wurde gebadet, Wasserball gespielt, gequatscht und keiner hatte großen Stress. In Deutschland unvorstellbar! Später wollten wir im Supermarkt Getränke und Salat einkaufen, aber viel war schon leergekauft. Also mussten wir uns ein bisschen durch andere Läden suchen, bekamen letztendlich nicht alles, so schwenkten wir kurzfristig auf Kartoffelsalat um. Gegen 20.00 trafen Sandra, Gustavo und Deborah ein, wir schürten den Grill an, Ovi zauberte den sagenhaftesten Kartoffelsalat nach Omas Rezept („Ihr werdet euch die Finger danach abschlecken” – und so war’s auch), dazu eine würzig Knoblauchsauce (den Argentiniern natürlich zu scharf :-) ) und gegen 23.00 konnten wir uns endlich über das Lamm hermachen. Was für ein Fleisch, so zart, einfach ein Traum! Selten habe ich so lecker gegessen!

Um Mitternacht knallte der Champagnerkorken (Sekt war ausverkauft, dann gab’s halt Champagner), wir zündeten die Wunderkerzen an, begrüßten das neue Jahr und fielen uns um die Hälse. Dann schauten wir von der Straße aus das Feuerwerk der Stadt an.

Bald fanden wir uns wieder wild tanzend im Wohnzimmer wieder, gegen 4.00 kamen noch Miguel mit Frau und einem Freund dazu, die drei waren nicht weniger in Partylaune. Später gab es einen ordentlichen Neujahrsschauer und dicke Hagelkörner prasselten von Himmel. Als Abschlussspektakel tauchte der Sonnenaufgang alles in ein unwirkliches orangenes Licht, in ausgelassener Laune schmissen wir und gegenseitig vollbekleidet in den Pool. Gegen 8.00 fanden wir den Weg in die Betten, was für ein fantastischer Start ins neue Jahr!

An Neujahr waren wir alle „etwas” geschädelt (wir mehr, die anderen weniger), aus dem Wasserballmatch wurde diesmal nix. Und das, obwohl sich Gustavo und Sandra mit argentinischen Trikots, Fahnen und Ball eingedeckt hatten. Ob das wirklich geholfen hätte, das werden wir das nächste Mal sehen…

Ansonsten kamen die üblichen Besuche vorbei, Ovi spielte mit der Familie eine Art Boccia mit Holzscheiben, abends fuhren sie zum Eisessen, während Norbert, Mathias und ich uns dem Himmelsspektakel hingaben. Unzählig viele Blitze zuckten unaufhörlich durch die schwarze Nacht, die tief liegenden Wolken wurden in unglaublichen Lichtspielen erhellt, wir wussten schon gar nicht mehr, wohin wir schauen sollten, von allen Seiten leuchtete es am Himmel. Wir stellten uns die Stühle auf die Terrasse und genossen dieses seltene Naturschauspiel. Es grummelte auch bereits dort oben, und ließ und das schlimmste befürchten, aber das erwartete Unwetter blieb dann doch aus.

Am 02.01. war dann großer Abschiedstag. Schon früh morgens fuhr Gustavo und Familie weiter, da sie für zwei Wochen Ferien an der Atlantikküste machen wollten. Am späten Abend brachten wir Ovi an den Terminal, der in seinen restlichen Wochen noch ein bisschen durchs Land reisen wollte.

Wir blieben noch ein paar Tage bei Norbert, brachten unsere Sachen in Ordnung, packten langsam und genossen den Pool und das unentwegte Sommerwetter mit Temperaturen bis 40°. Wir hatten uns dann den folgenden Sonntag als Abfahrtstermin gesetzt und Miguel wollte noch ein Abschiedsasado für uns veranstalten. Blöderweise war er an diesem Tag besonders gut drauf (weil er Frau-frei hatte?), stand singend am Feuer und zauberte uns wieder mal bestes Grillgut. Dazu gab’s Salat, Brot und Wein, wir waren alle recht vergnügt, nur zum Verhängnis wurde uns Miguels Mitbringsel. Zufälligerweise hatte er Sekt, Vodka und Red Bull dabei – genau die Zutaten für einen Master-Blaster, obwohl er den gar nicht kannte! Ein großes Gefäß und Strohhalme waren schnell besorgt und bald schlürften wir hemmungslos unseren „Master-Kessel”. Norberts neuer Mitbewohner „Hinkebein”, ein kleiner zotteliger süßer Hund, der plötzlich aufgetaucht ist, natürlich mittendrin. Die Nacht wurde lang und lustig, irgendwann fielen wir alle ins Bett, selbst Miguel übernachtete im Bungalow.

Somit verschoben wir unsere Abreisepläne natürlich um noch einen Tag. Gut so, denn das Thermometer befand sich immer noch in diesen Höhen, unsere Köpfe brauchten Abkühlung im Pool, aber bei 28° kühlt da auch nicht mehr so viel.

Dafür kamen wir noch in den Genuss eines einzigartigen Naturschauspiels. Hinter dem Pool steht im Garten ein abgestorbener Baum, in dessen Inneren hat sich ein Vogelpaar eingenistet. Zufällig sah ich gerade, dass aus diesem Loch ein Schlangenkopf schaute, das kleine Küken im Maul, die Eltern flogen hektisch herum, pickten immer wieder die Schlange und versuchten noch ihr Kleines zu retten! Leider schafften sie es bei allen Bemühungen nicht, die Schlange verschlang das Küken. :-( Später wollte die Schlange wieder hinabklettern, immer wieder attackierten die Vögel ihren Gegner, aber irgendwann schaffte sie es doch. Wir staunten nicht schlecht, als wir die 1 ½ m lange Schlange aus dem Baum hangeln sahen und sich schlussendlich im Gras vor uns abseilte. Man konnte noch eindeutig die verdickte Stelle sehen, an der sich gerade das Küken befand! Bevor sie sich aus dem Staub machte, stießen wir heftig mit dem Spaten zu, bis sie sich endlich nicht mehr zuckte. Kein schöner Anblick, aber das macht man hier so. Später kam dann der Nachbar vorbei, um das Tier zu identifizieren, aber weder er noch Richard, kannten diese Sorte hier….

In unserer definitiv letzten Nacht wurden wir noch mal so richtig schön verstochen, bisher waren wir diesbezüglich ja sehr verwöhnt. Am Morgen verabschiedeten wir uns dann endgültig von Norbert, mit er Aussicht auf ein baldiges Weidersehen. Das sollte dann doch schneller gehen, als gedacht, wir hatten in der Stadt noch ein paar Dinge zu erledigen und ständig lief er uns noch mal über den Weg. Zuletzt dann im Supermarkt, wo wir uns vorsichtshalber mit gutem argentinischen Rotwein eindeckten. Danach fuhren wir nochmals bei Richard und Nora vorbei, doch aus dem kurzen Abschied wurde doch noch ein langer Plausch bei Kaffee. Um 16.00 fuhren wir dann endgültig los, die beiden Verabschiedeten sich mit einem herzlichen „Servus”, was sie sich schnell angewöhnt hatten. :-)

Und wir waren nach vielen Wochen mal wieder „on the road”…

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