16. Uruguay – Iguazú

16. Rote Erde, Wasserfälle und den Missionaren auf der Spur

Salto / Thermen Dayman (18.08.) – Thermen San Nicanor (19.08.) – Concordia / Argentinien (25.08.) – Federación (27.08.) – P.N. Mburucuyá (29.08.) – Ituzaingú / Wasserkraftwerk Yakretá– Posadas (01.09.) – Santan Ana, Loreto, San Ignacio (02.09.) – P.Provincial Teyú Cuaré (03.09.) – Oberá (04.09.) – El Sorberbio (07.09.) – Salto Moconá (08.09.) – Aristóbulo del Valle / Salto Encantado (11.09.) – Puerto Iguazú (13.09.)

Wieder mal waren wir in unserem heißgeliebten Uruguay. In Salto haben wir uns erst mal mit Geld und Lebensmitteln eingedeckt, und sind dabei in einer Metzgerei gelandet, deren Besitzer deutsche Vorfahren hat. Er war gleich ganz entzückt und wir wurden schon fast gezwungen uns durchs Sortiment zu probieren. Auch wenn wir fünfmal bekräftigten, dass wir keinen Kühlschrank besitzen und nicht so viel mitnehmen können, wurde uns zum Abschied wenigstens noch eine „Leberwurst“ mit eingepackt.
Danach ging’s in die Thermen von Dayman, wo wir uns den Tag mit lesen, spielen und Mails schreiben vertrieben. So ein Laptop ist wirklich praktisch. Kein stundenlanges Sitzen im Internetcafe mehr, einfach zu Hause schreiben, auf den USB-Stick laden und im Internetcafe schwups durchs www schicken. Nochmals danke Katja.
Tagsüber war es relativ warm, doch sobald die Sonne unterging wurde es sofort empfindlich kühl und feucht. Aber wozu gibt es auf dem Campingplatz einen Pool mit heißem Wasser? Also schnell raus aus den Klamotten und rein ins Becken, bis man es vor Hitze nicht mehr aushält. Und wenn man dann so richtig schön aufgeheizt ist, wird es für die nächsten Stunden auch nicht mehr kalt. Nach dem Essen gab’s noch eine Runde Mensch-ärgere-dich-nicht, aber nachdem Mathias wie schon die letzten Tage wieder mal verloren hatte, wanderte das Spiel zu den anderen, die nicht mehr gespielt werden in die Kiste. :-)
Am nächsten Morgen ging’s schon früh los, zu den 12 km entfernten Thermen von San Nicanor, unsere absoluten Lieblingsthermen. Dort haben wir uns ein schönes sonniges Plätzchen mit Grill gesucht, das direkt am See lag. Es war fast noch schöner, als wir es in Erinnerung hatten, wahrscheinlich war es noch grüner. Vor uns liefen ständig die Pferde oder Kühe herum, grasten friedlich oder tranken am Wasser. Wir waren mitten in der ländlichen Idylle einer Estancia in Uruguay, mit ihren Wiesen und Wäldern, Seen und Tieren.
Dort vertrieben wir uns die Zeit damit, unsere Reiseberichte zu schreiben, Bilder auszusuchen, zu lesen, spielen oder uns stundenlang im warmen Wasser zu tummeln, bis die Füße schrumpelig wurden. Oder aber wir erkundeten die Gegend, wanderten über die Erdstraßen oder einfach querfeldein, über die Weideflächen, ungeachtet von Zäunen. Dass diese jedoch nicht immer ganz ungefährlich sind, musste Mathias einmal feststellen, als er durch einen durchkrabbeln wollte. Ich wunderte mich noch, warum er so komische Bewegungen machte, doch als er zuckend zurücksprang, war mit klar, dass der Zaun unter Spannung stand. Zum Glück war ich nicht die Erste, aber es war auch nicht allzu schlimm und in Zukunft sollten wir vorsichtiger sein. Kurz darauf war der Schreck auch schon wieder vergessen, da wir vor einer Kuh standen, die sich in ein Waldstück zurückgezogen hatte um ihr Kälbchen zur Welt zu bringen. Das Kleine war noch ganz zittrig auf den Beinen und ihm hing noch die Nabelschnur am Bauch. Die Mutter war nicht so begeistert, denn als sie uns sah, fing sie sogleich an mit den Hufen zu schaben. Also ließen wir die beiden alleine und wanderten weiter an den Schafherden vorbei. Die wurden scheinbar schon lange nicht mehr geschoren, denn die waren so wollig und puschelig, und die kleinen Lämmchen dazwischen waren wirklich süß.

Die Abende verbrachten wir damit ein Feuer anzumachen, zu grillen und uns daran zu wärmen. Ganz so verrückt wie die Argentinier sind wir allerdings noch nicht, denn die kommen an, suchen den besten Grill aus, holen Holz und bevor der erste Stuhl steht, brennt der Grill. :-)
Aber begeistert sind wir trotzdem jedes Mal, wenn wir den Flammen zusehen, darin rumstochern und auf der glühenden Kohle unserem brutzelnden Grillgut zuschauen. Feuer ist wirklich ein faszinierendes Element und wir wurden es nicht leid es jeden Abend auf neue zu entfachen. Dazu noch schnulzige Musik oder einen guten Wein, den übervollen Sternenhimmel über uns, was will man mehr? Wobei uns der Wein an einem Abend etwas zu gut geschmeckt hat und nachdem ich irgendwann ins Bett viel, wollte Mathias noch etwas Baden gehen. Am Pool angekommen stellte er jedoch fest, dass er seine Badehose vergessen hatte. Aber was soll’s, war ja sonst niemand da und außerdem dunkel, da ist er halt ins Wasser wie Gott ihn schuf. Als er dann wieder rauswollte, musste er jedoch feststellen, dass er auch noch sein Handtuch vergessen hatte – sprich, er hatte gar nichts dabei! – und so warf er sich nur seine Jacke über und lief „unten ohne“ über den Zeltplatz. Das hätte ich ja gerne gesehen, aber ich schlief bereits tief und fest. Und wieder einmal hatten wir unbewusst einen bedeutenden Tag gefeiert, vor genau 9 Monaten haben wir den sicheren Hafen Aschaffenburg verlassen, um die weiten Südamerikas kennen zu lernen.

Ansonsten verlief die Woche in den Thermen recht unspektakulär, einen Tag rafften wir uns auf, in die Stadt zu fahren und Nachschub an Lebensmitteln zu besorgen, wobei wir natürlich auch wieder beim „deutschen Metzger“ landeten, wo es wieder ein großes Hallo und eine Wurst extra gab. Danach haben wir mit Federico (aus dem Ölladen in Concordia) einen Termin fürs Wakeboarden am Wochenende festgelegt. Auf dem Heimweg machten wir einen kleinen Abstecher zur Wallfahrtsstätte des Padre Pipo und da wir schon so schön aktiv waren stand auch gleich noch ein Hausputz auf dem Programm. Wir räumten das Auto komplett aus, kehrten, wischten und wuschen, bis unser Pauli wieder von innen und außen glänzte.
Es war mittlerweile auch warm genug, um mit dem kalten Wasser aus dem Schlauch zu hantieren und der kühle Wind hatte nachgelassen. Gegen Ende der Woche konnte man schon von sommerlichen Temperaturen von über 20° sprechen. Immerhin genug, um Mathias zu einem leichten Sonnenbrand zu verhelfen! Nachts wurde es zwar immer noch frisch, aber wir hatten keine Minusgrade mehr. Außerdem wurden wir jeden Abend mit einem traumhaften Sonnenuntergang belohnt, der sich im See spiegelte, die Frösche stimmten ihr einzigartiges Konzert an (hört sich an wie Holzgeklapper), wir fühlten uns eins mit der Natur und genossen es einfach nur hier zu sein. Natürlich wünschen wir uns manchmal diese Situationen mit anderen zu teilen, ein paar gute Freunde oder Familie dabei zu haben, die diese Momente genauso zu schätzen wissen. Aber der Einzige, der uns Gesellschaft leistete, war ein Stinktier, der sich glücklicherweise schnell wieder verzog, bevor er uns vorführte, warum er so heißt!

Am letzten Tag wollten wir noch nachholen, was wir das letzte Mal verpasst hatten: Reiten. Für Mathias war es das erste Mal auf einem Pferd, meine wenigen Erfahrungen beschränken sich hauptsächlich auf Urlaube in der Kindheit. Nach kurzer Einweisung ging es dann über das riesige Gelände der Thermen, jedoch war es nicht so einfach die Pferde von den Ställen wegzubewegen. Mathias Criole war schon etwas alt und störrisch und mehr als Schritt war nicht drin. Mathias trieb an, was er konnte, er holte sich sogar einen Zweig vom Baum als Gertenersatz. Und um so mehr er seinen Alten antrieb, desto mehr fing meiner das Traben an. Doch ich war der Meinung, dass das unkoordinierte Gehoppel meinerseits weder Reiter noch Pferd besonders gut tun konnte und zügelte meinen Araber ständig. Zugegeben wollte ich auch nicht in einen Galopp verfallen, das erschien mir etwas zu schnell. (Ich weiß, ich bin ein Mädchen!) Aber es war auch so schön, die Landschaft von dort oben zu betrachten, ein so schönes und kraftvolles Tier zu spüren und Mathias Pferd zu beobachten, wenn er eigenwillig seinen Weg zum Trinken an den See bahnte oder er die Gesellschaft anderer Pferde suchte. Als es wieder zurück nach Hause ging, versuchte Mathias wieder sein Pferd anzutreiben. Und was passiert, seiner geht gemütlich weiter, wogegen meiner das Galoppieren anfängt! Und wisst ihr was, es war richtig toll, so weich und schnell! Ich hatte mein Erfolgserlebnis und Mathias wollte das nächste Mal das Pferd tauschen.
Danach unterhielten wir uns noch lange mit Eibio, dem Geschäftsführer der Therme und als wir bezahlen wollten, meinte er nur knapp, wir seien eingeladen. Wenn das so weitergeht, kommen wir mit mehr Geld nach Hause, als wir losgefahren sind ;-) Aber soll uns nur recht sein, die letzten Wochen (Skifahren, neuer Reifen) haben unser Budget über Gebühr strapaziert und jetzt sind wir wieder voll im Soll.
Bevor wir dann am Freitag losfuhren, unterbreitete Mathias Eibio seine „Geschäftsidee“. Eibio liebäugelte eh schon damit, die Thermen etwas attraktiver zu gestalten und per Internet an neue Gäste zu kommen. Mathias lieferte ihm die nötigen Fakten, Preise und gab ein paar Anregungen, was fehlte, usw. Eibio war ganz begeistert und wer weiß, vielleicht landen wir ja eines Tages hier…? Auf jeden Fall sollten wir einen Spezialpreis bekommen, wenn wir wieder kommen, uruguayanische Pesos hatten wir ja noch reichlich und eventuell wollten wir auf dem Weg nach Brasilien noch mal über Uruguay fahren.

Aber erst mal ging es wieder über die Grenze nach Argentinien, dort mussten wir jedoch den Zöllnern erst mal erklären, welches Papier wir für die Einreise nach Argentinien mit dem Auto brauchen. Als endlich der ganze Papier- und Visumskram erledigt war konnten wir wieder über den Staudamm nach Concordia fahren. Dort kamen wir am Abend an, wo Federico uns schon erwartete und hektisch durch die Gegend wuselte. Er erklärte uns, was am Wochenende so abgehen sollte und wir meinten nur, er soll mal machen, wir sagen dann nur noch ja! Bevor er Feierabend machen konnte, musste er noch zur Universität, wo er für eine Fakultät die Homepage verwaltet. Danach ging es zu ihm, wo wir unser Auto in seinem Hof parken konnten. Wir lernten seine Freundin Soli und seinen etwas zu aktiven Sohn Mateo kennen und nachdem wir ihn zu Federicos Eltern gebracht haben, kehrte etwas Ruhe ein. Wir tranken gemütlich ein Bier und führten interessante Gespräche. Ist halt doch leichter, sich auf englisch zu unterhalten.
Danach sind wir in ein Restaurant, wo wir Freunde von Fede trafen. Ein klasse Paar, Pandera ist Anfang 40, hat gravierende Ähnlichkeit mit Prinz Charles, macht alles an verrückten und extremen Sportarten, fährt einen Mercedes G und hat eine Freundin gleichen Namens – ohne G! Sie ist Ende 20 und hat uns in jeder Hinsicht, sowohl optisch als auch vom Wesen, sehr an Tabea erinnert – oder warst du es?
Nach einer leckerem Pizza und gutem Wein (wir durften schon wieder nichts bezahlen) sind wir noch in eine Bar, in der Tab… äh Mercedes lange gearbeitet hatte. Wir haben eine Runde Billard gespielt, doch Federico und Soli hatten einen langen Tag und waren eindeutig müde. Sie boten uns zwar an noch zu bleiben und wollten uns schon den Schlüssel für den Hof überlassen, aber schließlich war es schon 3.00, wir wurden auch müde und die Höflichkeit und vor allem die Aussicht auf die Anstrengung des nächsten Tages geboten es uns, mit ihnen nach Hause zu gehen. Pandera und Mercedes ließen uns jedoch erst gehen, nachdem wir versprochen hatten, uns am nächsten Abend wiederzusehen. Auf dem Heimweg wurde noch der Bubi abgeholt und dann ging es endlich ins Bett, aber erst nachdem wir etwa 20 mal versicherten, dass wir wirklich gut und gerne in unserem Bußchen schlafen.
Am nächsten Morgen wurden wir erst mal in das Geheimnis guten Instantkaffees eingeweiht. Wir kennen es ja nur mit Wasser und dann einen Schluck Milch dazu, schmeckt auch entsprechend mäßig. Aber wenn man ausschließlich Milch verwendet und dann das Pulver einrührt, richtig lecker! Zur Nachahmung empfohlen.
Dann sind wir erst mal kreuz und quer durch die Stadt gefahren, haben Soli von der Arbeit in ihrem Laden für Kinderkleidung abgeholt, Stühle bei den Eltern mitgenommen, noch mal in den Ölladen und ständig hat Federicos Handy geklingelt, weil er noch irgendetwas anderes erledigen musste. Wenn er so weitermacht, hat er in ein paar Jahren einen Herzinfarkt – oder aber sein Haus, auf das er so zielstrebig hinarbeitet.
Endlich ging es in Richtung See zu dem Wochenendhaus seiner Eltern, die uns zum Asado eingeladen hatten. Offensichtlich sind wir nicht bei der ärmsten Familie Argentiniens gelandet, was man am Besten daran erkennen konnte, dass in den Bädern Mischarmaturen vorhanden waren. Und auch sonst, die Hütte war nicht gerade klein, alles aus Holz – wenn auch noch nicht ganz fertig – mit eigenem Anlegeplatz am See. Die Söhne waren beide in den Staaten um englisch zu lernen und haben schon so ziemlich alles an Sportarten betrieben, was ein bisschen Geld kostet. Reiten (klar, in Argentinien), Snowboarden, Wasserski und Wakeboarden, Windsurfen,… Und Federico und sein Bruder Ignacio lassen keine Gelegenheit aus, daraus noch irgendeinen Blödsinn zu kombinieren, wir fühlten uns ein bisschen wie bei „Jack Ass“ auf argentinisch.
Die Familie hatte uns äußerst freundlich empfangen, alle waren so nett und liebenswürdig und wir hatten das Gefühl, dass es völlig normal ist, dort zu sein. Sie waren ale sehr interessiert an uns und unserer Reise und wir eröffneten die Wahrheit über die Dauer unserer Reise. (Machen wir nicht oft, meist untertreiben wir enorm, was die Leute immer noch in ungläubiges Staunen versetzt!) Nach dem üppigen Mahl und kurzer Verdauungszeit ging’s dann zur Sache. Federico und Ignacio ließen das Boot ins Wasser – ich dachte schon, das Auto gleich mit – und nachdem wir uns Badesachen angezogen und Handtücher und Kameras geholt hatten ging’s los. Die Eltern und die Cousine nahmen sich ein kleines Ruderboot und schauten sich das ganze vom See aus an. Zuerst durften wir uns Ansehen, was Fede alles tolles auf dem Wasser fertig bringt. Da nimmt er „einfach“ eine runde Platte, stellt eine Leiter drauf und macht auf ihr einen Handstand. Total einfach! Danach hat er sich das Wakeboard angeschnallt (so was wie ein Snowboard, nur auf dem Wasser) und hat ein paar Sprünge geübt. Tja, und dann waren wir dran! Neopren angezogen und los geht’s. Zuerst durfte Mathias sein Können unter Beweis stellen, für ihn war es ja nicht das erste Mal. Er stand gleich beim ersten Versuch auf dem Brett und sauste über den See. Er versuchte sich an ein paar kleinen Sprüngen und hielt es erstaunlich lange aus. Nur irgendwann lassen die Kräfte nach und er musste aufhören. Jetzt wurde es für mich ernst! Aber so sehr ich mich auch bemühte und mir Mathias immer wieder vor Augen hielt, dass es sogar der Berninger hinbekommen hat, ich kam einfach nicht aus dem Wasser. Doch aufgeben wollte ich nicht, erst als mir Federico vorschlug, ich sollte es doch mal mit Wasserski versuchen, gab ich das mit dem Wakeboard auf. Und siehe da, gleich das erste Mal kam ich aus dem Wasser und nach kleinen Anfangsschwierigkeiten klappte es richtig gut. Als ich auch nicht mehr konnte beendeten wir den Seeausflug, wir waren nass und durchgefroren (das Wasser hatte vielleicht gerade mal 14° und der Neopren war kurz), aber überglücklich! Ein tolles Erlebnis, dass ich nicht so schnell vergessen werde!
Nach einer herzlichen Verabschiedung von den Eltern ging es wieder zurück in die Stadt, Soli musste arbeiten, und wir trennten uns ein wenig. Wir wollten Federico etwas Zeit geben, sich zu entspannen und verabredeten uns für später bei ihm. Wir fuhren erst mal zu einer Tankstelle, wo uns ein Verkehrswächter oder so was darauf aufmerksam machte, dass wir verbotenerweise links abgebogen waren. Es wäre jetzt eine Strafe fällig, doch wir ließen uns nicht darauf ein. Wir erklärten ihm, wir schwierig es sei, als Ausländer hier rumzufahren, dass wir das Schild nicht gesehen hätten und Mathias warf ein, dass es wohl wesentlich gefährlicher wäre, wenn die ganzen Mopeds ohne Licht herumfahren. Irgendwann ließ er es dann gut sein und er entließ uns mit der Warnung, in Zukunft besser aufzupassen.

Als wir uns am späten Abend bei Federico wiedertrafen, machten wir ihm zuerst klar, dass wir zu kaputt seien, noch mal auszugehen. Ihm war es auch lieber, er hatte auch so schon genug Stress, wenn er uns auch immer wieder versicherte, dass unser Besuch auch für ihn wie ein kleiner Urlaub ist. Das hört man gerne und so verbrachten wir einen ruhigen Abend, holten uns ein paar Empanadas und schauten die Videos vom Tage und verschiedene Bilder an und unterhielten uns bis in die frühen Morgenstunden.
Am nächsten Morgen schliefen wir erst mal aus – Federico musste bereits um 9.00 wieder an der Uni arbeiten -, machten konkrete Pläne für die Weiterreise und spürten schon die ersten Erscheinungen der ungewohnten körperlichen Betätigung des Vortages. Federico musste schon früh los um zu arbeiten, und wir wollten uns auch bald aus dem Staub machen, doch vorher machten wir erst mal einen kleinen Bummel durch die schöne Stadt. Wir fühlen uns in Argentinien sehr wohl, und genießen das für uns mittlerweile natürliche Gefühl hier zu sein. Wir wollten noch ein paar Blümchen als kleines Dankeschön besorgen, aber die gibt es offensichtlich nur in der Nähe von Friedhöfen. Also holten wir ein Fläschchen guten Wein, banden ein Blümchen und ein Päckchen der heißbegehrten „airwaves“ dran und gingen noch mal zurück, um uns zu verabschieden. Aber so einfach ließen sie uns nicht gehen, erst mal gab’s noch was zu essen, dazu machten sie gleich den Wein auf, und Fede hatte schon ein kleines Sightseeing-Programm für uns vorbereitet. Also ließen wir uns den Park zeigen, besichtigten dort die Ruinen und machten eine Spaziergang am Fluss. Danach sind wir noch mal zum Haus gefahren, trafen dort noch mal auf die Eltern und verabschiedeten uns am Nachmittag endgültig.

Wir fuhren dann zu den Thermen von Concordia, aber irgendwie erschienen sie uns nicht sonderlich einladend. So sind wir schnell zum Supermarkt gefahren, vertankten einen Teil unserer uru. Pesos, die wir jetzt eh nicht mehr brauchen, und dann ging’s weiter die lange Küstenstrasse entlang bis nach Federación. Dort gab es einen Parkplatz extra für Wohnmobile und dort blieben wir dann auch für die Nacht. Am nächsten Morgen ging es dann mit Sack und Pack, Stühlen und Fressalien und einem ordentlichen Muskelkater ins Bad. Die warmen Pools unterschiedlicher Temperatur sollten uns gut tun. Zum „Ausruhen“ mussten wir uns jedoch in eines der Zelte setzen, da der Wind doch zu frisch war und die Sonne dagegen noch nicht ankam.

Unsere Weiterreise sollte nach Misiones und von dort aus über die Wasserfälle von Iguazú nach Brasilien verlaufen. Zwischen den Provinzen Entre Rios und Corrientes (die zusammen mit Misiones die Region Mesopotamien bilden) landeten wir in unserer ersten richtigen Polizeikontrolle. Der Polizist wurde ganz neugierig, als er unser deutsches Kennzeichen sah und kontrollierte alles, Führerschein, Zulassung, Feuerlöscher, 90er Schild, 2 Warndreiecke (wir haben sogar 3!),… Mathias machte ihm erst mal klar, dass wir bestens ausgerüstet sind und als er erkannte, dass bei uns nichts zu holen war, ließ er uns unwillig weiterfahren.
An einer Tankstelle unterwegs machten wir eine lustige Beobachtung: als ein Reisebus anhielt und die Gäste ausstiegen, ging der Strom nicht zu den Toiletten, wie üblich, sondern alle standen an der Maschine mit heißem Wasser an. Mate sei Dank!
Unser nächstes Ziel war der eher unbekannte und kleine Nationalpark Mburucuyá (nicht so leicht auszusprechen). Die Strecke dorthin führte uns durch eine sehr schöne grüne Landschaft bestückt mit Wiesen und hohem Schilf, immer wieder standen Kühe und Pferde auf und neben der Straße, wir passierten viele Gauchos, die Zäune reparierten oder ihre Herden zusammentrieben. Es wimmelte von Vögeln, die sch in den sumpfigen Ausläufern des Nationalparks Esteros del Ibera heimisch fühlen und wir passierten üppige Palmenhaine. Unterwegs wurden wir immer wieder Zeuge von kleineren Bränden oder abgerodeten Feldstücken, da Brandrodung in dieser Gegend zur traditionellen Kultivierung der Flächen gehört.
Im schnuckeligen Ort Mburucuyá deckten wir uns mit Lebensmitteln ein und fuhren dann über eine weiche Sandstraße in den Park. Dort fanden wir auch den Campingplatz vor, der von einer Biologin betrieben wird. Na ja, es ist weniger ein Campingplatz, eher bekommt man die Möglichkeit dort zu bleiben und mit viel Glück gibt Lorena, die Biologin, auch etwas von ihrem Strom ab, oder heizt das Wasser für die Duschen. Aber egal wie muffelig und verkopft unser Fräulein „Rührmichnichtan“ auch war, wir genossen die Tage im Park. Es gab zwei Wandermöglichkeiten, die eine führte an Yatay-Palmen und goldgelb schimmernden Gräsern vorbei bis zum Rande des Feuchtgebietes. Dort konnte man die schwimmenden Inseln, die trotz allem stark genug waren Pflanzen und Tiere zu tragen, sehen und durch das sumpfige Gelände warten.
Wir wurden hauptsächlich von diesem Park angezogen, da sowohl der Reiseführer als auch die Biologin versprachen: „Wildlife is easy to see“, aber außer Vögeln und dem Rascheln verschwindenden Tieren gab’s nicht viel zu entdecken. Und den Schlangen und großen Spinnen, auf die wir eh gerne verzichten, war es auch noch zu kalt. Immerhin hatten wir auf dem Weg in den Park schon einen Carpincho gesehen, ein etwa kniehohes Wasserschwein, dass sehr typisch für diese Region ist und mit seiner dicken Nase wie ein Riesenmeerschwein aussieht. Aber die Wanderung war auch so sehr schön und beim Heimweg landeten wir auf einer alten Estancia, die durch Beschilderung und Bebilderung auf das Leben vor vielen Jahren schließen ließ. Am zweiten Tag wanderten wir in die andere Richtung, wieder durch dichten Palmenbewuchs und richtigen Dschungel. In der dortigen Schwüle wimmelte es von Moskitos und einige kleine Spinnen hatten kunstvoll ihre Netze gesponnen. Interessant waren vor allem die „Schlangenbäume“, Schmarotzer, die sich um andere Bäume wickeln und ihnen den Lebensgeist rauben. Der Rundweg führte an kleineren Lagunen vorbei, die jedoch im trockenen Winter kein Wasser haben und ausgetrocknet waren.
Dort lernten wir Bernardo kennen, der aus Buenos Aires kommt und dank seiner deutschen Eltern perfekt deutsch spricht. Da es am ersten Abend regnete – zum Glück nicht zu viel – stellten wir unseren Tisch und die Stühle unters Dach bei Lorena. Da Bernardo dachte, die Sachen wären öffentlich machte er sich dort auch gleich breit und wir fanden einen witzigen Einstieg ins Gespräch. Der Abend mit ihm war recht kurzweilig, was nicht zuletzt seiner Flasche „Pennerglück“ und unserem Wein zu verdanken war. Doch unsere Biologin war nicht so besonders erfreut über unsere neue Bekanntschaft, ihr war es zu laut und so verzichtete sie darauf uns für den nächsten Abend das Licht an der Veranda anzumachen. War uns aber egal, an diesem Abend war es trocken und wir brauchten ihre Veranda nicht.
Jeden Abend kam ein kleiner Fuchs um den Zeltplatz geschlichen, wahrscheinlich, um nach etwas nahrhaften zu suchen, was beim Grillen übrig geblieben ist. An einem Abend haben wir auch ein Reh entdeckt, dass sich ganz nah ans Haus heranwagte und dort genüsslich im Gras kaute. Und jeden Morgen wurden wir von einem süßen Vogel mit knallroten Gefieder am Kopf im Irokesenlook geweckt, der sich in unserer Scheibe spiegelte und der sich scheinbar in sein Spiegelbild verliebt hatte. Er machte zwar einen ordentlichen Krach wenn er hektisch an der Scheibe rumflatterte, aber es war toll ihn von innen aus so kurzer Distanz zu beobachten. Und wenn man ganz früh wach war, konnte man das laute und lustige Gebrüll der Brüllaffen vernehmen, aber gesehen haben wir keinen.
Am Freitag Morgen verabschiedeten wir uns dann von dem idyllischen Plätzchen, wollten jedoch vorher noch Duschen. Also baten wir Lorena noch mal das heiße Wasser für uns anzuschmeißen, und gerade als ich unter dem Wasserstrahl stand, war der Wassertank leer. Toll, mit eingeseiftem Kopf schlüpfte ich aus der Dusche und wusch mir den Rest Seife mit unserem Wasserkanister aus. Mathias musste noch ein wenig warten, bis wieder Wasser in den Tank gepumpt war und als er dann endlich auch frisch war, konnte es weitergehen. (Zum Glück kamen wir nicht am Wochenende hierher, denn die Studentengruppe, die hier zeltete, musste auf heißes – oder wenn der Tank leer ist ganz – auf Wasser verzichten, da Lorena nach Hause fuhr!) Aber wir genossen die Tage dort sehr, nicht zuletzt auch wegen Bernardo, der etwas verwirrt, bei seiner Abreise den Gaskocher fast vergaß oder mal zum Wandern ging und sämtliche Autotüren offen stehen ließ.

Als wir die Sandstraße weiterfuhren, zum Glück hatte es zwei Tage vorher nur leicht geregnet, sonst wäre die Strecke für uns unüberwindbar gewesen, genossen wir die Strecke durch die ländliche Gegend. Wir passierten kleine Dörfer und vereinzelte Häuser, auf den Straßen sah man mehr Pferde als Autos und die Kühe grasten friedlich vor sich hin, ob direkt auf oder neben der Straße. Das Leben ist recht einfach, wenn nicht sogar ärmlich hier, aber die Leute wirken sehr zufrieden.
Als wir wieder die Teerstraße erreichten zog sich der Himmel zu und die schwarzen Wolken ergossen sich heftig. Auch als wir Ituzaingó erreichten, regnete es weiterhin. Dort haben wir das Wasserkraftwerk Yakretá besichtigt, das sich hauptsächlich durch Skandale, überlange Bauzeit und Korruptionsgeschichten einen Namen machte. Die Besichtigung des Werkes mit seinen riesigen Turbinen war sehr interessant, auch wenn es momentan wenig Wasser gab und die Schleusen geschlossen waren. Da die Stadt ansonsten nicht viel zu bieten hatte und wir ihr auch nicht besonders viel abgewinnen konnten – lag vielleicht auch am Regen – waren wir etwas unentschlossen und fuhren weiter. Immerhin hatte der Regen ja auch sein gutes, zum einen bekamen wir eine kostenlose „Unterbodenwäsche“, zum anderen ließ er auf mehr Wasser in Iguazú hoffen, da wir bereits mehrmals hörten, das es dort momentan traurig wenig Wasser gab. Letztenendes landeten wir in Posadas, wo wir uns kurzentschlossen in einem Hotel einmieteten und unser Pauli auch sicher auf einem Parkplatz untergebracht war. Am Abend schlenderten wir durch die Stadt und am Rio Paraná, dem Grenzfluss zu Paraguay, fanden wir einen kleinen einfachen Italiener. Die Bedienung war ganz angetan Deutsche in ihrem Laden zu haben und war äußerst freundlich und meinte, sie würde uns gut bedienen. Man muss schon sagen, als Deutscher hat man hier einen wirklich guten Stand, wenn sich die Leute auch manchmal über unsere Größe wundern. :-)
Als wir wieder am Hotel ankamen, wusste man sofort, trotz Rezeptionswechsel, welches unser Zimberschlüssel ist. Tja, ist halt schon von Vorteil, wenn so zwei Blondies ankommen. Da sind Verwechslungen weitestgehend ausgeschlossen.
Nach einer frischen Nacht sind wir ausnahmsweise richtig früh aufgestanden. Auch wollten wir uns das Frühstück nicht entgehen lassen, da wir das System nicht ganz kapierten und gespannt waren, was uns erwartete. Aber letztendlich war alles ganz unspektakulär, wir bekamen dünnen Milchkaffe und leckere Medialunas. Und wenn man schon mal früh auf den Beinen ist, wollten wir den Tag auch nutzen. Das Auto konnten wir noch in der Garage stehen lassen und wir machten uns auf in die Stadt. Aber das hatten wir nun davon, um 9.00 waren die Geschäfte zum Großteil noch geschlossen. Wenigstens hatte die Wechselstube schon offen und wir konnten unsere uruguayanischen Pesos loswerden. Dort haben sie auch ein interessantes System, denn sie wollten Mathias Personalausweis nicht akzeptieren, sie bräuchten die Passnummer. Ich sagte, ich habe meine Nummer im Kopf und so konnte ich – ohne Legitimation – das Geld wechseln?! Aber die Suche nach einem geöffneten Internet oder Frisör erwies sich als schwierig. Endlich fanden wir einen Internetladen und dort konnte ich auch meine Bilder brennen. Als ich jedoch einen meiner Speicherchips in den Cardreader steckte geschah etwas grausames: die Karte brach ab!!! „Zum Glück“ war es nur einer der kleinen Chips und es waren nicht die Bilder vom Wasserskifahren drauf, aber es war trotzdem so ärgerlich, ich hätte weinen können! Alle Bilder von Federacion bis Posadas waren weg, wobei das schmerzlichste die Bilder des Nationalparks waren. Aber ärgern hilft nix, man kann ja nur draus lernen und in Zukunft den Chip mit Samthänden anfassen.
Als wir gefrustet zum Auto zurückkehrten, merkten wir, dass wir es nicht abgeschlossen hatten. Geschockt checkten wir alles, doch es fehlte glücklicherweise nichts. Was für ein Tag! Und als wir nochmals zur Costanera fuhren, um einen Blick auf Paraguay zu erhaschen, blies uns der Wind um die Ohren, es war diesig und nichts mehr vom schönen Wetter der letzten Tage übrig. Also fuhren wir weiter, Posadas ist zwar eine nette Stadt und sieht auch wärmer aus, als es war, das konnte jedoch unsere Laune auch nicht heben.
Wir fuhren zu den ehemaligen Jesuitenreduktionen in denen die Sociedad Jesú 200 Jahre lang Geschichte machte und die hier ansässigen Guaraní-Indianer versuchte zu kultivieren, bis sie 1767 verboten wurden und die Missionare nach Spanien ausgewiesen wurden. Zuerst schauten wir uns die Ruinen von Santa Ana und Loreto an, die noch zum Großteil vom Urwald überwuchert sind. Erstaunlich, wie die Bäume über und um die Steine gewachsen sind, wie sich die Wurzeln durch die Bauten ranken und einzelne Säulen komplett in sich aufgenommen haben. Hier kann man sich ein Bild machen, wie die Jesuiten und die Guaraní damals gemeinsam gelebt haben, und wo sich Kapelle, Marktplatz, Werkstätten oder Wohnhäuser befanden. Und wie hinter geschichtlich interessantem Hintergrund die Jesuiten zum einen die Ureinwohner vor den Spaniern und Sklavenhändlern beschützt, ihre Religion anerkannt und ihre Sprache verschriftlicht haben, zum anderen, wie sie sie wie unmündige Kinder gehalten haben woraufhin nach Verbot der Reduktionen diese schnell verfielen.
Doch das alles änderte nichts an der Kälte und so verzogen wir uns durchgefroren erst mal ins Auto um uns durch ein heißes Süppchen aufzuwärmen. Gut gestärkt sind wir nach San Ignacio gefahren, wo wir uns erst mal auf einem Campingplatz eingemietet haben.
Wir hatten ja schon vorher gehört und gelesen, dass in Misiones viele ehemalige Deutsche wohnen und man oftmals in deutsch angesprochen wird. Doch als es uns dann zum ersten Mal passierte, waren wir schon baff. Da sitzt eine Frau in ihrem Kiosk und fängt in eigenartigem Dialekt an, auf Deutsch mit uns zu sprechen, da ihre Vorfahren über Brasilien nach Argentinien ausgewandert sind. Ihr Sohn jedoch konnte kein Deutsch mehr, außer vielleicht „scheiß Schwarze“ oder „wir sind Nazis“, aber das ist hier dann doch eher normal und ich muß mich dann schon etwas zurückhalten. Als ich dann noch auf eine andere Deutsche Namens „Braun“ angesprochen wurde, die sich damals in der Nähe niedergelassen hatte, stellte ich gleich vehement fest, dass ich mit „Eva“ keinerlei verwandtschaftlichen Verbindungen habe! Aber es sind ja nicht alle so und mit der netten Österreicherin aus zweiter Generation, die den Campingplatz führt, konnte man sich auch normal unterhalten. Dort war es auch für argentinische Verhältnisse sehr ordentlich – ich will keinem zu nahe treten -, die Neigung des Bodens in der Dusche geht Richtung Abfluss, alles war ordentlich gefliest und das erwirtschaftete Geld wurde immer wieder in Neuerungen und Renovierungen gesteckt.

Uns ist aufgefallen, dass wir immer mehr Blonde sahen. Die Kinder spielen im Hof und das blonde oder schon fast weiße Haar sticht von den braunen Gesichtern ab. Da haben die überwiegend ukrainischen und polnischen Einwanderer deutliche Spuren hinterlassen, auch die Männer mit ihren tiefen Seitenscheitel (wollte die Frisöse dem Mathias auch gleich hinfrisieren), decken sich mit diesem Bild.
Am nächsten Tag erkundeten wir die Ruinen von San Ignacio Miní, die sich mitten im süßen Ort mit seinen roten Straßen befanden. Es ist schon erstaunlich, wie rot die Erde sein kann, aber dafür ist Misiones ja auch bekannt. Diese Stätten waren noch interessanter, da sie vollkommen freigelegt waren. Endlich schien auch wieder die Sonne und man konnte genüsslich die Reste der alten Kultur erkunden und sich vorstellen, wie sich das Leben damals in diesen riesigen Reduktionen abgespielt haben mochte.
Auch auf dem Weg zurück durch den Ort wurden wir wieder auf Deutsch angesprochen. Der Hotelkoch verriet uns einen kleinen Park, von wo aus man auf einen Aussichtshügel wandern konnte und einen herrlichen Ausblick über die Umgebung hat. Also machten wir uns auf den Weg über eine abenteuerliche Straße – aber rot – und landeten im Parque Provincial Teyú Cuaré. (Die meisten Städte- oder Tiernamen hier haben noch Guaraní Bezeichnungen, selbst die Kinder lernen noch diese Sprache und in Paraguay heißt die Währung noch Guaraní-Dollar.) Im Park, der wiederum am Rio Paraná liegt und nur wenige Meter von Paraguay entfernt ist, genossen wir erst mal das schöne Wetter, die grünen Wiesen und das glitzernde Wasser und brutzelten uns ein paar Eier. Gut gestärkt machten wir uns auf den Weg, unzählige Treppenstufen hinauf um die tolle Sicht auf die Hügel, den Fluss und den Dschungel in der Umgebung zu bewundern. Wir liefen sämtlich Wege ab und kehrten zurück, als es gerade dämmerte und wir in den Genuss eines traumhaften Sonnenuntergangs kamen. Wir stellten unser Auto direkt ans Wasser auf einen kleinen Hügel. (Dabei haben wir wieder mal unseren Auspuff demoliert!) Man konnte die wenigen Lichter auf der gegenüberliegenden Seite sehen, der Vollmond lieferte helles Licht und wir hörten einen lauten Knall. Ich meinte noch aus Spaß, es handle sich um einen Schuss, wir schenkten dem jedoch keine weitere Beachtung. Als wir uns gerade ins Auto gemummelt hatten, kam ein Auto angefahren. Wir vermuteten, es handle sich um ein Liebespärchen, als jedoch das Blaulicht auf dem Dach losging, wussten wir es besser. Die Polizisten kam zielstrebig auf uns zu und empfahlen uns, hier nicht die Nacht zu verbringen. Es wäre recht gefährlich hier, die („bösen“) Paraguayaner könnten mit Booten rüberkommen und uns überfallen. Besser wäre es, sich in einem der nahegelegenen Clubs einzuquartieren. Wir bedankten uns und freuten uns wieder mal über die nette Polizei in Argentinien, na ja, die werden schon ihre Erfahrungen gemacht haben, umsonst fahren die nicht so weit raus. Also packten wir unsere Sachen zusammen, zogen uns wieder an und fuhren zurück. Im Club del Rio, ein exklusiver Privatclub am Fluss, konnten wir dann die Nacht über stehen bleiben, wir bekamen sogar noch in den Genuss eines Gute-Nacht-Biers und machten uns am nächsten Morgen früh aus dem Staub.
Ein paar Meter weiter hielten wir am Straßenrand, um uns etwas zu waschen und einen Kaffe zu kochen. Als wir so am wurschteln waren, kamen zwei Kinder, Emili und Roberto, in unsere Nähe. Sie beobachteten uns die ganze Zeit und Emili versuchte unsere Aufmerksamkeit zu erhaschen, indem sie lauthals lossang. Roberto meinte zwar immer, sie solle leise sein, aber das störte sie wenig. Und letztendlich schaffte sie es ja auch, die Kleinen liefen ums Auto, spielten mit den Blundsen und freuten sich über die kleinen Spiele und Stifte, die wir für solche Situationen dabei hatten und fragten uns ungeniert nach Schuhen. Zu gerne hätte ich von dem ungleichen Paar ein Foto gemacht, sie etwa 6 Jahre, blonde Strähnen im Haar und ein kleines Kopftuch auf der Stirn, er etwa 10, schwarz und mit krausen Locken, aber das war mir dann doch zu touristisch. Nach und nach gesellte sich dann noch ein anderer neugieriger Opi zu uns, im Korb seines Fahrrades strampelte ein Huhn, oder ein anderer kleiner Junge mit seinem behinderten Begleiter, der uns sein Pferd zeigen wollten. Aber immer hielten sie sich im Blickfeld der Eltern auf, deren einfaches Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite lag. Als die Kinder dann zur Schule mussten, verabschiedeten sie sich fröhlich und auch wir fuhren weiter.
Wir mussten erst mal in eine Werkstatt, um unseren Auspuff schweißen zu lassen. Dort wollte man uns zwar gleich einen neuen verkaufen, aber wir wollten es lieber noch mal so versuchen und uns die 70 € sparen. Schließlich sind 4 € ja nicht die Welt und den tauschen wir mal aus, wenn es wirklich nicht mehr anders geht oder uns das Geschweiße zu sehr nervt und in Zukunft vermeiden wir halt zu schlechte Straßen.
Gleich am selben Tag sollten wir unser Vorhaben schon wieder vergessen haben, denn auf der Suche nach einem Wasserfall, den wir verpasst haben oder den es nicht gibt, fuhren wir wieder mal über üble Pisten. (Und obwohl wir uns auch sonst nicht immer daran gehalten haben, hält er schon weitere 2000 Kilometer!) Die ländliche Strecke mit den kleinen Hüttchen mitten im Grünen und dazu im Kontrast die rote Erde und der blaue Himmel entschädigten uns schnell wieder. Aber wo wir genau waren, wussten wir nicht und als wir den schlechten Straßen endlich entkommen waren, kamen wir an total anderer Stelle raus, als wir dachten.

Schnell fuhren wir nach Oberá, wo in diesen Tagen das Fiesta National del Inmigrante stattfand. Das Gelände war eigens dafür gedacht und die Häuser der verschiedenen Nationen und die Halle für die Vorführungen standen dort das ganze Jahr. Als wir mittags auf dem Gelände ankamen waren alle noch am Aufbauen und die Restaurants waren noch geschlossen. Nach einem Nickerchen gingen wir am Abend hungrig aufs Fest. Dort gab es neben Schießbuden, Ausstellungsräumen und Kunsthandwerkerständen eine Halle, in der sämtliche Leute, die etwas mit dem Fest zu tun haben, geehrt wurden. Doch erst mal zog uns die Aussicht auf deutschen Schweinebraten ins deutsche Zelt. Dort sprach zwar keiner deutsch, dafür lief Schunkelmusik vom Band und der Schweinebraten – wenn er auch anders als erwartet war und ohne Sauce und Knödel – und das leckere Fassbier schmeckten uns vorzüglich. Das Bier stieg schneller in den Kopf, als das argentinische Quilmes, und zu unserer Schande müssen wir gestehen, das Heineken schmeckte auch noch! Anschließend wollten wir noch im Haus der Italiener das Tiramisu versuchen, davon erwischten wir gerade noch die letzte Portion. War nicht so schlimm, denn die schmeckte genauso mäßig, wie sich der Gesang des alternden Chores anhörte und somit ging’s weiter ins Zelt der Russen, wo wir uns mit dem einen oder anderen Wodka aufzuwärmen versuchten. Der war zwar billig (0,50 € für 4cl) das Aufwärmen gelang jedoch nur mäßig und so landeten wir in der großen Halle, in der es zwar nicht wärmer war, aber die arabischen Bauchtanzmädels heizten mit ihren sinnlichen Bewegungen auch so genug ein. Dann gab es noch eine Vorführung der Russen, die sich gegenseitig durch die Luft schleuderten, dass uns ganz schwindelig wurde. Oder lag es schon am Fernet-Cola? Egal, uns gefiel es sehr gut und zum Abschluss tanzte noch eine argentinische Folkloregruppe.
Danach ging es noch ins Zelt der Araber (ausgerechnet, aber überall sonst war schon Feierabend und hier war definitiv den ganzen Abend die beste Stimmung), dort war es warm, man konnte drinnen rauchen und weiterhin den Bauchtänzern und –tänzerinnen zusehen. Und es gab Alkohol, und das bei den Arabern. Tse, tse, tse! Als die Vorführungen zu Ende waren, legte noch ein DJ auf und viele Mädels tanzten weiterhin zu arabischen Rhythmen. Wir unterhielten uns ein bisschen und als Feierabend war, schlenderten wir gut gelaunt und müde zum Auto zurück, das noch an der Tankstelle stand, wo wir auch schnell einschliefen.

Nach wenig Schlaf besorgten wir uns schnell was zu Essen und fuhren zum nächsten Campingplatz. Der war an einem kleinen Pool / See gelegen und wir stellten uns zwischen die Bäume, versuchten jedoch möglichst viel Sonne zu erhaschen. Der nette Besitzer versorgte uns ständig mit Broschüren und Bildbänden über die Gegend und so verbrachten wir dort zwei entspannte und kurzweilige Tage, in denen wir unsere weitere Route festlegten. Das gespannte Volleyballnetz kam uns auch sehr gelegen und so kamen endlich mal unsere Badmintonschläger voll zum Einsatz. Die schleppen wir immerhin schon 8 Monate mit uns rum, aber das konnte man ja vorher bei den patagonischen Winden immer voll vergessen!
Doch in den Nächten, bzw. sobald es so gegen 18.30 dunkel wurde, wurde es wieder mal empfindlich kalt, die Temperaturen fielen einmal sogar knapp unter den Gefrierpunkt. Wir wussten gar nicht, dass das so weit im Norden möglich ist, aber da wurden wir wohl wieder mal eines besseren belehrt. Hier gibt es Frost! Wir haben ja schon mindestens 20 mal in Supermärkten vor diversen Heizöfen gestanden, jedoch haben wir uns immer eingeredet, bald würde es ja wärmer werden und den bräuchten wir nicht. Ha, hätten wir von Anfang an gewusst, wie oft es kalt werden würde, hätten wir mal einen mitgenommen. Aber hinterher ist man ja immer schlauer und wir hatten ja noch meinen Fön und der macht auch schnell warm! Und bald würden wir ja auch darauf verzichten können, oder?
Als wir am zweiten Abend Hunger hatten, aber nix mehr zu essen, wollten wir in den nächsten Supermarkt laufen. Der war jedoch 2 km entfernt (mindestens, aber die Entfernungsangaben, die man hier immer bekommt können schon mal um 100 % abweichen, aber man lernt ja schnell), zum Glück gab es einen kleinen Laden an der Straße, der das Nötigste vorrätig hatte. Immerhin hatten wir eine Wurst, ein Brot und ein paar Zwiebeln erhaschen können. Und gerade als wir das Essen machen wollten, mussten wir feststellen, dass das Kabel der Lampe durch war und der Stecker nicht mehr zu gebrauchen war. So, jetzt hatten wir kein Licht, also hieß es erst mal Schraubenzieher raus und reparieren! Die Lampe haben wir zwar mal für 2 € gekauft und unter anderen Umständen in Deutschland hätten wir sie einfach weggeschmissen, aber im Dunkeln essen macht auch weniger Spaß, unsere Autobatterie ist auch nicht die stärkste und die Akkulampe war nicht aufgeladen. Aber ist ja nicht das erste Mal, dass wir irgendwelche Kabel selbst zusammenpfriemeln mussten, das kannten wir ja schon vom Verlängerungskabel. Und den Stecker haben wir abgeschnitten und an die Lampe rangefummelt. So, jetzt konnten wir endlich essen, das Erstandene reichte zwar nicht zu einem Festmahl, aber es schmeckte uns lecker und uns wurde mal wieder bewusst, wie genügsam wir mittlerweile geworden sind.
Bei der Abreise deckte man uns am Campingplatz noch mit guten Tipps über die schönsten Strecken in unsere Richtung ein und so ging es weiter. Jedoch legten wir vorher noch eine größere Internetsession ein, denn wir bekommen ja bald Besuch aus Deutschland. Wie die Wilden haben wir bei e-bay online-shopping betrieben, denn wir brauchen ja Sachen wie Kontaktlinsen oder neue Speicherkarten.
Danach haben wir die schöne Stecke entlang des Ufers des Rio Uruguay (trennt hier oben Argentinien mit Brasilien) genommen, die durch ihre grünen Ufer besticht und durch ländliche Orte führte. Die Kühe sehen mittlerweile etwas anders aus, sie sind dünner und haben so einen komischen Höcker auf der Schulter. In den Vorgärten der zwar oft ärmlichen und bunten Holzhäuser hingen die Wäscheleinen oder Stacheldrahtzäune voll mit bunten Kleidern, hinter dem Haus werden Salate davor Rosen angepflanzt, im Vorgarten oder auf den Bolzplätzen spielen kleine Kinder und Hunde, die Hühner huschen dazwischen herum und die Eltern und Großeltern sitzen Mate trinkend dabei. Allmählich bekamen wir auch die Plantagen zu sehen, auf denen Mate und Tabak angepflanzt wird, die Äcker aus roter Erde werden mit Hilfe des Ochsenkarrens gepflügt. Auch auf den Straßen fahren die Ochsengespanne, sie haben hier die Pferdewägen abgelöst, an den Straßenrändern stehen immer wieder kleine Kirchen, man passiert die durchnummerierten Schulen voll mit Kindern, die weiße Chemikerkittel als Schuluniform tragen. Und drum herum nur saftig grüner Urwald.
Langsam bekamen wir auch zu sehen, was wir monatelang in Argentinien vermissten und für uns Teil des Latinolebens ist: kleine Bierbuden meist mit Billardtischen im Innern, überall am Straßenrand, alte Opis die davor sitzen und sich die in Styropor gehüllte Flasche Bier teilen.

In El Sorberbio, fanden wir endlich den nötigen Frisör für Mathias und bei der Frage nach einem Campingplatz bot uns das junge Mädel gleich an, uns hinzubringen. O.k. sie musste eh in den Ort und sie erklärte uns nur den weiteren Weg, aber so war uns allen geholfen. Im Ort informierten wir uns über die nahe gelegenen Wasserfälle und fuhren dann zum Campingplatz. Da wir aber am Abend in ein Restaurant wollten, waren uns die „2,5 km“, also in real etwa 4 km, zu weit zum Laufen und auf der Suche nach einem anderen landeten wir auf einem dunklen verlassenen Gelände, das nicht besonders einladend wirkte. Wir fuhren erst mal ans Ufer, fanden dort eine süße Strandbar an der es auch Essen gab. Wir beobachteten mit Freude die Jungs, die zum Fußball schauen kamen, die Mädels, die die Straße entlangflanierten und genossen es bis 23.00 im Freien zu sitzen ohne zu frieren. Und da dort auch die Grenzstation für die Fähre nach Brasilien und demnach alles beleuchtet war, blieben wir einfach dort die Nacht über stehen.
Am nächsten Morgen nutzten wir die Waschräume des Zollhäuschens um uns frisch zu machen und fuhren nachdem wir uns mit Lebensmitteln für ein paar Tage eingedeckt hatten in Richtung Wasserfälle. Wir hörten schon, dass die Strecke nicht so besonders gut sei, aber was wir vorfanden war ein Graus. Wären wir nicht immer wieder von dem Grün des Urwaldes und dem Rot der Straße so angetan gewesen, wir wären beinahe umgekehrt. Die Straße war nicht nur schlecht, überall standen große Steine heraus, es ging ständig steil berauf, dann wieder bergab und tiefe Rinnen vom Regen erschwerten die Fahrt. Bei Regen wäre auch solch eine Straße für uns unpassierbar, so hofften wir mal, dass es die nächsten Tage kein größeres Gewitter gäbe. Eigentlich wollten wir ja auch solche Strecken nicht mehr fahren, aber Bernardo (der von Mburucuyá) hat uns so davon vorgeschwärmt, und wir waren ja sicher bald da. Und nach 37 km!! Ripio, Steinen und Furchen hatten wir es endlich geschafft, wir waren am Ende der Strecke angekommen, von hier aus geht es definitiv nur noch mit einem 4×4 weiter. Und siehe da, mitten im Nirgendwo befand sich im Dschungel ein Campingplatz, voll bewirtschaftet, mit Strom am Abend und mit kaltem Bier und heißen Duschen. Und wie es der Zufall will es waren schon ein paar Deutsche da! Die drei Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren waren im Rahmen eines Schüleraustausches in Argentinien. Toller Austausch, da hätte ich auch gerne mal teilgenommen. Allerdings waren die drei mehr als langweilig! Aber egal, wir nahmen erst mal den ersten Dschungelpfad, der immer wieder an dem einen oder anderen kleinen Wasserfall vorbeiführte. Ein traumhafte Strecke mitten durch den schwülen Urwald, der letztendlich über eine wackelige Hängebrücke führte. Am Abend gab’s dann ein Leckeres Vesper und danach noch eine Runde Mensch-ärgere-dich-nicht (haben wir doch noch mal aus der Kiste geholt) und ein erfrischendes Bier. Es fing später ordentlich an zu regnen, aber das sollte bis in zwei Tagen wieder getrocknet sein. Als wir uns jedoch gerade bettfertig gemacht haben, wurden uns nahe gelegt, auf Grund der heftigen Stürme lieber unser Auto aus der Reichweite von fallenden Ästen zu parken. War auch besser so, denn unseren Topf hatte es uns schon mit lautem Scheppern vom Dach gefegt.
Am nächsten Tag wollten wir uns dann den Salto Moconá anschauen, der interessanterweise auf eine Länge von drei Kilometern in sich selbst fällt. Nach längerer Wanderung steil bergauf und bergab, über rote Erdwege und durch diesige Wälder landeten wir am Salto. Doch so einfach ist das nicht, denn man muß etwa 500 m durch den hüfthohen Fluss warten, um an die obere Kante zu gelangen. Wir waren noch etwas unschlüssig, wie wir die Strecke bewerkstelligen sollten, ob mit oder ohne Schuhe, und ob überhaupt. Ich war nicht sonderlich begeistert, Mathias meinte nur, er wäre ja hier um den Wasserfall zu sehen, nicht nur um ihn zu hören. Hat er ja recht und gerade in diesem Moment kamen die Schüler mit einem Führer an. Kurzerhand schlossen wir uns ihnen an, und so ging es dann Schritt für Schritt, in einer Hand einen Stock, an der anderen Mathias durch das Wasser. Wir waren wirklich froh, dass wir einen Führer dabei hatten und sahen ein, dass es unmöglich gewesen wäre die Strecke ohne kundigen Guide zu überqueren. Und nach Dauerhändchenhalten, einigen Anstrengungen, nach Kämpfen gegen die Strömung und mehrmaligem Abrutschen auf den glitschigen moosbewachsenen Steinen hatten wir endlich die Kante des Wasserfalls erreicht. Unglaublich, da standen wir nun wirklich an der oberen Kante des Wasserfalls und unter uns ging es etwa 20 Meter in die Tiefe. Um uns rauschte es nur so und wir genossen es in den Fluten zu stehen. Ein tolles Erlebnis!
Die anderen wurden dann mit dem Auto abgeholt und Jorge, der Führer, bot uns an uns mitzunehmen. Wir lehnten dankend ab, wir sind ja noch jung und belastbar, aber die noch mal 8 km zurück, vor allem die steilen Anstiege, waren schon anstrengend. Aber wir wussten wenigstens am Abend, was wir geleistet hatten und nachdem wir unsere Schuhe zum Trocknen auf die Leine gehängt hatten und den täglichen Kampf gegen Fliegen und Mücken beendet hatten, schliefen wir erschöpft aber glücklich ein.
Den nächsten Tag nutzten wir, um wieder Kräfte zu tanken, wir unternahmen nur einen kleineren Spaziergang und genossen das Urwaldleben. Am Abend setzten wir uns noch mal auf ein Bierchen und einer Partie Dame zu Jorge und den anderen Campingbetreibern. Die Teenies waren schon abgereist. Jorge forderte den Gewinner zu einem Match auf, er hatte jedoch leichtes Spiel, da wir schon Jahre nicht mehr Dame gespielt hatten und auch nur, weil das andere Spiel jetzt doch in der besagten Box gelandet ist. Der Abend wurde noch recht lustig, wir brachten den anderen Mensch-ärger… und Uno bei, was alle recht amüsant fanden und wir verbrachten gemeinsam einen lustigen und kurzweiligen Abend.

Am nächsten Morgen ging es für uns wieder die 37 km grauselige Strecke noch mal zurück, jedoch kam sie uns diesmal gar nicht mehr sooo schlimm vor. Wir waren aber froh, als wir wieder in El Sorberbio angekommen waren und hatten uns unser Mittagessen reichlich verdient. Nach einem kleinen Plausch mit den Damen vom Grill haben wir uns noch mit billischen paraguayanischen Zigaretten eingedeckt (2,50 € für die Stange) und sind zum Park des Salto Encarnacion gefahren. Dort konnte man Campen und es gab mehrere Wanderwege. Wir hatten wir uns gerade häuslich eingerichtet, wobei wir endlich beim Auto parken nicht mehr auf den Wind sondern auf die Sonne achten müssen, da babbelte uns ein chilenischer Backpacker zu. Moment, das sind hier ja alles „Artesanias“ also Kunsthandwerker, die reisen um zu verkaufen und verkaufen um zu reisen, und kurz später saß er mit Mate vor unserem Auto. Gleich darauf gesellten sich seine Reisebekannten Aby und „Polako“ (war Pole und nennt sich selbst auch so) dazu und wie das mit den Polen so ist, die trinken gerne Wodka. Also holte Mathias unsere Flasche raus, schnell wurde noch Eis und andere Getränke organisiert, es kamen Wurst und Kräcker auf den Tisch und dann ging es rund bis in die Nacht. Wir konnten endlich leicht bekleidet im Freien sitzen, und es wechselte binnen Sekunden zwischen heißem Fön und frischen Wind, was Temperaturunterschiede von bestimmt 5° zur Folge hatte. Und wie immer wurden wir von den anderen viel jünger geschätzt, so auf Mitte 20. :-) Das tut gut, liegt wohl an der frischen Luft und am vielen Schlaf?

Am nächsten Morgen wimmelte es schon früh von Schulklassen und Besuchern im Park und schnell standen wir auf, um die Spuren der letzten Nacht aufzuräumen. Gleich darauf gesellte sich Aby zu uns und bot uns frische Milch an. Die anderen begaben sich in die Stadt um zu „arbeiten“ oder an Makrame-„Fortbildungen“ teilzunehmen – ja auch reisende Kunsthandwerker müssen sich weiterbilden – wir stiegen erst mal in die kühlere Schlucht des Wasserfalls hinab. Dort war es wesentlich angenehmer für unseren Kopf und die schäkernden Schüler und der aus 70m herabstürzende Wasserfall ließen es uns nicht langweilig werden.
Am Nachmittag nahmen wir uns einen anderen Weg vor, der zu weitern, wenn auch nicht so spektakulären Wasserfällen führte. Wieder mal wanderten wir mitten durch den schwülen Dschungel, kletterten über Steine und bestaunten die Naturschönheiten.
Am Abend haben wir gemeinsam mit dem Chilenen gekocht wobei wir es jedoch tunlichst vermieden, einen seiner Töpfe zu benutzen. Das Leben der „Hippies“ unterscheidet sich dann halt doch wesentlich von unserem. Wenn es auch lustig ist, zu sehen und zu erleben wie sie reisen und leben, mit ihnen zu feiern oder zu unterhalten und ihre Geselligkeit und die offene und natürliche Art alles miteinander zu teilen sehr erfrischend ist, aber auf Dauer wäre uns das auch zu viel. Und dann die Umstände unter denen sie reisen! Ich möchte mir halt schon gerne frische Kleider nach einer Dusche anziehen, aber Tag für Tag mit dem gleichen T-Shirt, ne! (Sind natürlich nicht alle so!) Und nachdem ich das Matratzenlager gesehen habe, in dem der Chilene – wenn auch umsonst – schlief, nein danke! Da sind wir schon äußerst froh über den Luxus den wir uns gönnen können, wir haben unser eigenes Bett, gehen einfach in die Wäscherei, wenn wir wollen, haben genügend Platz im Auto und vor allem haben wir ein Auto, das uns unabhängig an jeden Ort bringt, an den wir wollen. Und wir haben jetzt einen Indikator für „Siffigkeit“ entdeckt: Füße! Wir wissen bereits, dass es ein Problem ist, den roten Sand von den Füßen zu bekommen, so sehen wir, wer sich ordentlich wäscht und wer nicht. :-)

Am nächsten Morgen haben wir uns langsam auf die Socken gemacht, nicht ohne wieder ein Frühstück angeboten zu bekommen, und haben uns an diesem heißen Tag (36°!) auf nach Puerto Iguazú gemacht. Unterwegs haben wir noch an der (Halb-?) Edelsteinmine „Mina de Wanda“ gehalten. Davon gibt es ja viele in dieser Region und es ist schon erstaunlich, wie diese großen Steine im Boden und unter der Erde „wachsen“. Wir konnten in eine unterirdische Mine laufen und bekamen das Sprengsystem erklärt. Leider ist das ganze schon wieder sehr touristisch aufgezogen, bevor man in die Mine gelangt, wird man erst mal in einen Verkaufsraum geleitet und auf dem Weg zu den Minen passiert man ein kleines ärmliches Dorf, wo man ununterbrochen Steine und kleine Werke für kleines Geld aufgedrängt bekommt.

In Puerto Iguazú haben wir uns erst mal eine Wäscherei gesucht, was dringend notwendig war. Man merkte schon wieder an den Preisen, dass eine typische Touristenattraktion in der Nähe ist, und da wir einen riesigen Sack mit Wäsche hatten, wirkt sich das gleich enorm auf den Geldbeutel aus. Nachdem uns dann so eine Tante in der Wäscherei aus unseren vier vollen Körben gleich mal sechs machen wollte, fünf hätten wir ja noch eingesehen, packten wir unsere Sachen gleich wieder ein. Als wir unsere Sachen dann endlich abgegeben hatten, haben wir uns auf einem schönen Campingplatz eingemietet, der mit seinem frischen Poolwasser lockte. Am Abend haben wir erst mal unsere dicken Jacken endgültig verstaut und für die Nacht auf die dicke Decke verzichtet. Danach wollten wir noch eine Runde ins Internet, das praktischerweise direkt im Campingplatz war und uns beim Einmieten auch ständig groß angepriesen wurde. Doch der Laden war erst mal geschlossen, und als wieder geöffnet wurde, war – die einzige Maschine! – besetzt. Und der Ort war doch weiter entfernt, als dass man noch einen kleinen Spaziergang dorthin machen könnte. Wir sind trotzdem erst mal aus dem Gelände raus und etwas die Straße entlang gelaufen. Direkt nebenan war ein Party-Hostel. Toller Pool, super Anlage, viele junge Leute und eine sehr peppige Aufmachung, das wollten wir uns mal ein bisschen anschauen. Und im Foyer waren neben Tischtennisplatten und Billardtischen dann tatsächlich ein paar Computer aufgebaut, deren Benutzung (für Gäste natürlich) kostenlos war. Also haben wir uns dort breit gemacht und unsere Mails gecheckt. Wir waren ja seit Tagen weg vom Schuss und erst jetzt hatte Mathias erfahren, dass er wieder Onkel geworden ist. Danach ging’s wieder auf unseren Campingplatz, wo wir uns im fast Dunkeln (die Beleuchtung ging nicht) mit Mücken und Fliegen abkämpfen mussten, bis wir uns schlafen gelegt haben und die Nacht mit offenem Kofferraumdeckel und Moskitonetz schliefen.
Hier wollten wir noch einen Tag ausharren, bevor wir uns das Naturschauspiel der Wasserfälle anschauen wollten. So haben wir uns den ganzen Tag am Pool aufgehalten, das schöne Wetter genossen, zwischendurch mal die Bettdecke gewaschen und ein Bierchen getrunken und den verschiedenen Schulklassen beim plantschen und schäkern zugesehen. In Argentinien trägt erstaunlicherweise wirklich jeder Mann, ob zwei oder achtzig Jahre alt, Badeshorts. Ausnahmslos.
Als wir später in die Stadt wollten, waren wir „gut drauf“. So fiel es uns nicht besonders schwer, die Rezeption zum vierten Mal darauf hinzuweisen, dass das Licht nicht ginge und das angepriesene Internet am Morgen gar nicht funktionierte. Als wir dann in der Wäscherei ankamen, wollte er auch noch zwei(!) Körbe mehr berechnen, als die abgegebenen fünf, aber da kam er heute an die Falschen. Ich hab ihm einfach den Schein wieder aus der Hand genommen, ihm nachdrücklich erklärt, dass ich nicht mehr bezahle, woraufhin er gleich eingelenkt hatte. Geht doch! Dann haben wir noch was gefuttert und einen kleinen Spaziergang unternommen, wo wir von ein paar Hippies (saubere Füße :-)) angebabbelt wurden. Der eine hat mir in Sekundenschnelle ein kleine Blume aus Draht gebastelt, die jetzt einen festen Platz im Auto hat. Wieder ein Teil mehr!

Am nächsten Morgen wollten wir dann zu den sagenumwogenen Wasserfällen. Das Wetter war jedoch sehr mäßig, es war schwül, maximal 20° und es regnete die ganze Zeit. Als wir jedoch dort waren, war das Kassenhäuschen weit vor dem Eingang und da wir uns erst mal umschauen wollten und erst am nächsten Tag zu den Fällen ,kehrten wir gerade wieder um. Dann sind wir erst mal an die nächste Tankstelle gefahren, allerdings zum Kaffee trinken, nicht zum Tanken. Das braucht man in Puerto Iguazú eh nicht, denn hier kommen die ganzen Brasilianer zum Tanken hergefahren und der Sprit kostet für alle Autos mit ausländischem Kennzeichen 40 % mehr! Nicht mit uns!
Danach wollten wir meine Hose zur Näherei bringen, doch sowohl bei der Adresse, die uns in der Touri-Info gegeben wurde, noch dort wo wir überall hingeschickt wurden gab es keine Näherei. Dann wollten wir Taschentücher kaufen, aber auch das erwies sich als Flop, denn die sind hier schwer zu finden. Danach ging’s in einen Internetladen, in den einzigen, der keine Touripreise hatte um eine CD zu brennen. Nachdem erst meine Kamera nicht anzuschließen war, dann die Bilder nicht runtergeladen werden konnten und als es endlich geklappt hatte und ich gerade mit runterladen fertig war ist der Strom im ganzen Ort ausgefallen! Das war dann der nächste Flop! Daraufhin haben wir einen kleinen Bummel durch die Stadt gemacht. Wir wollten erst zum Hafen und dann zu dem kleinen Kunsthandwerkermarkt mit Blick aufs Dreiländereck. Der Hafen war recht klein und unspektakulär, die Strecke zum Markt ging bergauf und die Schwüle hat uns geschafft. Der Markt bestand aus fünf Buden, die alle den gleichen Tüddelkram mit Iguazú-Aufdrucken hatten und der Weg zurück in die Stadt zog sich in die Länge. Wieder nicht der Reißer!
Als wir wieder am Auto ankamen, kamen uns wenigstens noch die Parkplatzjungs zu Gute. Dank ihnen fanden wir noch in einem süßen kleinen Märktchen, wo sie neben frischem Käse und Oliven auch das paraguayanische Kraut verkauften. So kamen wir nach diesem verkorksten Tag wenigstens noch zu billigen Zigaretten. Danach haben wir uns erst mal einen Platz am Wasser gesucht und da auch noch Regen einsetzte, war es das naheliegendste erst mal eine Runde zu schlafen. Danach ging’s uns schon besser, wir gingen endlich die Bilder auf CD brennen, hat auch diesmal problemlos geklappt, waren noch kurz in einer Pizzeria und dann haben wir uns auf den beleuchteten Parkplatz vom Kunsthandwerkmarkt gestellt und dort geschlafen und schon mal von den Cataratas geträumt…

Hier gehts zum nächsten Bericht: 17. Iguazú – Florianopolis: Sagenumwobene Wasserfälle und eine kleine aber abwechslungsreiche Insel