20. Weihnachten und Silvester 2006

20. Feiern auf brasiliansich

Weihnachten

Da standen wir nun auf dem Campingplatz in Setiba und wussten noch gar nicht genau, wie wir Weihnachten feiern sollten. Die Entscheidung wurde uns jedoch von unserer brasilianischen Nachbarsfamilie abgenommen, da sie uns ohne Wiederrede für Heilig Abend zum Abendessen einluden. Am Tag davor haben wir einen größeren Stadtbummel nach Guirapari unternommen, um uns ein paar Geschenke zu kaufen. Eigentlich waren das Sachen, die wir eh benötigt hätten, und so haben wir das ganze miteinander verbunden. Wir hatten uns schon am Nachmittag fertig gemacht und den Gabentisch gedeckt. Wir haben alle Geschenke aufgebaut, waren ja dann doch einige, ein wenig mit Weihnachtsdecke, Kerzen und Luftballons dekoriert, was die bewundernden Blicke der Kinder auf sich zog. Und dann ging’s los. Wir haben ganz langsam eins nach dem anderen ausgepackt und ich konnte mich über einen neuen Bikini und einen Strohhut freuen, Mathias bekam vom Christkind neue Badeshorts, Badeschlappen, und einen Zauberwürfel. Auch Blundse wurden von uns beschenkt. Danach kamen die Geschenke von Dieter und Kerstin. Dieter aus Paratí hatte uns zum Abschied und als Dank für die Einführung in die Welt des Internettelefonierens ein Päckchen hinterlassen, dass wir jetzt endlich öffnen durften. Es war eine kleine Taschenlampe drin, die mittlerweile schon oft zum Einsatz kam. Danke! Und Kerstin hatte uns ja im Juni eine Kalenderbox mitgebracht, in der Briefkouverts sind, die wir von Zeit zu Zeit öffnen dürfen. Diesmal gab’s eine Weinachtskarte und Zimtstangen, die immer noch rochen.
Danach haben wir einen kleinen Strandspaziergang unternommen, und die abendliche Stimmung genossen. Dann sind wir zu unseren Nachbarn Jairo und Neide um ihnen bei der Vorbereitung zu helfen. Alle waren festlich gekleidet, wir haben den Tisch gedeckt und dekoriert und die Kerzen angezündet. Dann hat Neide aufgetischt: es gab Hähnchen, Reis, verschiedene Salate und Fisch. Und zum Nachtisch eine große Obstplatte und Zimtküchle. Nach einem Tischgebet, in dem uns Jairo herzlich miteinbezog, haben wir uns alle ordentlich die Bäuche vollgeschlagen. Wir haben das Bier beigesteuert und eine Naschbox mitgebracht. Ansonsten gab es keine Geschenke, (die gibt’s in Braslien eh erst am 25.) da sie diesen Weihnachtskommerz nicht mitmachen wollen.
Wir haben bis 1.00 zusammen gesessen, uns interessant und lustig unterhalten und ein friedliches Fest gefeiert. Jeder von uns war überrascht, was sich dieses Jahr an Weihnachten ergeben hatte und für die fünf war es sehr kurios, mit einem deutschen Paar zusammen zu sein.
Am ersten Feiertag haben wir es sehr gediegen angehen lassen, viel auf dem Campingplatz rungelümmelt, immer mal wieder mit den Nachbarn etwas gegessen (Neide kümmete sich rührend um uns, weshalb wir sie nur noch „Mama“ nannten) oder mit den Kiddies UNO gespielt. Am Abend kamen noch andere Camper vorbei und es gab ein paar Runden Domino (ist hier sozusagen Nationalsport) und nachdem wir kapiert hatten, dass man doch ein bisschen mitdenken muss, waren wir mit Begeisterung bei der Sache.
Am 26. haben wir uns dann weiter auf den Weg gemacht, aber dazu mehr im nächsten Bericht.

Silvester

Silvester sah ich etwas besorgt entgegen, da ich mir im Kreuz irgendetwas verrenkt hatte und bei jeder Bewegung höllische Schmerzen empfand. Ich war am Tag davor noch im Krankenhaus, dort hat mir die vollbusige farbige Kankenschwester lediglich Fieber und den Blutdruck gemessen, um mir dann eine Spritze zu geben. Dagegen wehrte ich mich anfangs, da ich mich lieber von einem Arzt hätte einrenken lassen. Aber den gibt es hier in Cabrália nicht, angeblich auch nicht in der nächsten Stadt und dann habe ich mich halt doch darauf eingelasssen Auf jeden Fall besser als mit Schmerzen herumzulaufen.
Also war mein Kreuz an diesem Tag schon etwas besser, aber auf die verschriebenen Hammertabletten wollte ich doch erst im Notfall zurückgreifen, da sich diese nicht besonders gut mit Alkohol vertragen, und trinken wollte ich schon ein wenig an Silvester. Schon den ganzen Tag haben unsere Nachbarn auf dem Zeltplatz Bier getrunken und uns auch aufgefordert, aber das wollten wir dann doch lieber auf den Abend beschränken. Um halb acht sind wir dann adrett gekleidet aus dem Haus – ich habe mit weißem Oberteil unbewußt die offizielle Silvesterfarbe getroffen – und wir haben uns erst mal auf ein paar Bier in unsere Lieblingskneipe gegenüber gesetzt. Wir beobachteten die Bierverkäufer, die ihre Styroporkisten zum „espacio coracão“, dem hiesigen Festplatz, herankarrten du freuten uns auf die nächtliche Feier. Später sind wir dann auch dorthin, es war noch nicht besnders viel los und wir ließen uns ein paar Fleischspieße mit scharfer Sauce (gibt es hier endlich wieder) schmecken. Danach sind wir noch mal weiter in den Ort, haben uns dort noch in ein Straßenkaffee gesetzt und noch ein bisschen getrunken, das Bier dort war jedoch eher „typo alemão“ (nämlich warm!). Es ist schon fantastisch, wenn man die ganze Nacht ohne zu frösteln im Freien sitzen kann. Als es dann auf 24.00 zuging, sahen wir zu, dass wir auch zum Festplatz kommen, um das neue Jahr zu empfangen. Wir wunderten uns noch über die Gelassenheit der Brasilianer, die scheibar keine besondere Eile hatten. Aber egal, wir beeilten uns, und als wir am Campingplatz vorbeikamen trafen wir unsere Nachbarsfamilie. Wir wunderten uns noch mal, warum sie erst so knapp vor Mitternacht zum Festplatz liefen, bis wir endlich afgeklärt wurden. Hier in Bahia, und wir waren bereits seit vier Tagen in diesem Bundesstaat, gibt es keine Sommerzeit. Will heißen, es war erst 23.00 und wir hatten die letzten Tage nach anderer Zeit gelebt. Ist uns aber auch nicht aufgefallen und eigentlich ist das schade, denn jetzt wird es schon um 18.00 dunkel, statt um 19.00, aber können wir auch nicht ändern. Entspannt sind wir dann gemeinsam mit Narciso und seiner Familie vor zum Platz, auf dem sich mittlerweile bestimmt 5000 Leute eingefunden haben. Ringsum standen die Bierverkäufer, es gab ein paar Futterstände und die Marktstände wurden zu kleinen Bars umfunfktionniert. Wir haben dem Treiben zugeschaut und der Jahresgrenze entgegengefiebert. Leider hat uns in dieser Zeit so ein aufdringlicher Typ zugequatscht, wollte ständig was von unserem Bier abhaben und fing dann promt an zu heulen, als wir ihm klar machten, dass seine Schnorrerei stört. Ihn ignorierten wir dann, war ja auch nicht so schwer, sich von der Band ablenken zu lassen, die gerade auf der Bühne spielte und eine geile Percussionshow geliefert hat. Und wir haben eifrig mitgetanzt. Um 24.00 wurde dann der Countdown gezählt und das Feuerwerk begann. Wir bedankten uns für das tolle letzte Jahr und freuten uns auf ein aufregendes neues, und tanzten, und tanzten, und tanzten. (Ich muss erwähnen, dass es meinem Rücken mttlerweile wieder super ging, scheinbar hab ich durchs tanzen wieder alles zurecht gerückt.) Die verschiedenen Bands waren super, die Stimmung war angeheizt, ab und an gab es kleine Raufereien, die aber schnell wieder bruhigt wurden und das fröhliche Treiben ging weiter. Zum Verschnaufen haben wir uns zwischenzeitlich an den Strand gesetzt und den Wellen gelauscht, dann wurde weitergetanzt bis in den Sonnenaufgang. Auch ein ensetzender Regenschauer hinderte unseren Bewegungsdrang keinesfalls und um 8.00 waren wir wieder unter den Letzten, die den Platz verlassen haben. Es war ein toller Start ins neue Jahr, und wir waren mit Sicherheit die hellhäutigsten Leute (und somit Exoten) auf der ganzen Feier. Prost Neujahr oder wie man in Brasilien sagt „Feliz ano novo “!

Zum nächsten Bericht: 21. Cabralia – Salvador – Aracajú: Reise entlang der Traumstrände und in die koloniale Geschichte Brasiliens